Nr. 20Z
General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen
sporn, wenn ihnen derart moralische Unterstützung durch die Brüder im Reich zuteil würde.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch« UniversitätSdruckeret. R. Longe, Dietz«.
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Die „Wiener Kamilienblätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^elfisch« £an6wtrf* erscheint monaütch einmal.
Russisches.
Vor einigen Tagen meldeten wir, daß die Prinzessin Ludwig von Battenberg, die älteste Schwester S. K. H. unseres Großherzogs, in Petersburg eintraf, von wo sie in den nächsten Tagen nach Darmstadt zurückkehren wird. Wie uns heute geschrieben wird, hätten ganz besondere Umstände die Prinzessin veranlaßt, in Begleitung ihrer Hofdame Miß Kcrr diese nicht ungefährliche Reise anzutreten. Es muß in Betracht gezogen werden, daß die Prinzessin von Schloß Wolfsgarten zunächst auf einen Tag nach Berlin zum Besuch des Kaiserpaares fuhr, und dann erst nach Rußland weiterreiste. In Darmstädter Hofkreisen verlautet, wie unser Gewährsmann behauptet, was wir jedoch sehr lebhaft bezweifeln, daß Prinzessin Ludwig die Ueberbringe rin geheimer und wichtiger Botschaften an den Zaren gewesen sei. Welcher Art diese Mitteilungen waren, lasse sich nicht sagen. Es dürfte auch abzuwarten sein, ob sich in der Folgezeit irgend etwas beinertbar macht, was auf den Besuch der Prinzessin in Rußland zurückzuführen sein könnte. Vielleicht, so meint unser Mitarbeiter, hat sie das Zarenpaar nach Darmstadt gclad en, vielleicht auch nur der Schwester in Rußland Grüße und Trost bringen wollen, was auch u. E. das wahrscheinlichste ist.
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Von einem in Lodz ansässigen d e u t s ch e n K a u f-
grund gestellt werden können.
Das dortige Festmahl der Männer des Ostmarkenvereins brachte eine interessante Rede des Staatsrechtslehrers Prof. Geffken-Köln. Er appellierte an das deutsche Nationalbewußtsein im Hinblick auf die Polengefahr. Sie sei keine lediglich ostelbische, nicht einmal eine bloß preußische Frage, sondern ein gesamtdeutsches Problem. Daraus ergebe sich die Notwendigkeit, alle partikularistische Gleichgiltigkeit gegenüber der Polengefahr abzustreifen. Nun, die Polen lassen sich ja selbst, und zwar durch Aufrollung ihrer bekannten Klagen im Reichstage, angelegen sein, das Interesse auch der Nichtpreußen am Nationalitätenkampf in der Ostmark wachzuhalten. Aber da hört man vom Bundesratstisch meistens die Ent- gegnung: .Hier handelt es sich um eine preußische Angelegenheit.^ Höchstens, daß der Chef der Reichspostverwaltung im einzelnen auf die Beschwerden der Polen eingebt. Unmittelbar sind wir in Südwestdeutschland in der Tat nicht an der Polenfrage interessiert. Es ist auch nicht anzunehmen, daß für unsere Landwirte die Uebersiedelung in die preußische Ostmark in Frage kommt.
Anders liegt die Sache für Rheinland und Westfalen. In die dortigen Jndustriebezirke strömen Massen polnischer Arbeiter, Gleichgiltigkeit gegenüber der Polcngesahr wäre also für diese Westdeutschen durchaus unangebracht, und es ist zu wünschen, daß sie mehr als bisher sich über das Wesen der genannten Gefahr an der Quelle selbst, nämlich in der Ostmark, informieren, womit sie zugleich Verständnis und Interesse für die mißliche Lage der ostmärkischen Deutschen ge- Dinnen würden.
Von Wert ist zweifellos auch die moralische Unterstützung dieser Pioniere des Deutschtums. Man hat deshalb die Forderung erhoben, allgemein deutsche Kongresse und dergleichen Veranstaltungen iin Osten abzuhallen, der in dieser Beziehung zu Unrecht vernachlässigt wird. Was hat sich aber gezeigt, als ein nationalliberales Blatt vorschlug, den nächsten Parteitag nach der Ostmark einzuberufen? Eine runde Ablehnung seitens vieler süddeutscher Blätter dieser Partei. Der „Mannheimer Generalanz." beispielsweise schrieb: „Wenn durch Berufung eines Parteitages nach der Ostmark Ausschluß dec Oeffent- lichkeit oder irgend eine besondere Zusammensetzung des Kongresses garantiert werden sollte, so wäre der Zweck erreicht". Nach der Meinung dieses Blattes würde also ein Parteitag in der Ostmark nicht viele Besucher aus Süddeutschland anziehen und infolgedessen wenig eindrucksvoll verlaufen. Ob der Führer der Nationalliberalen, der Badenser Herr Basse r- mann, der jetzt selbst einen an die eigentliche Ostmark angrenzenden Wahlkreis vertritt, diesen Standpunkt teilt, dar bezweifelt werden. Es verlautet jedenfalls, daß dem dem- nächstigen Delegiertentag der Partei in Goslar vorgeschlagen werden soll, den Parteitag für 1907 in einer größeren Stadt Posens oder Westpreußens abzuhalten. Hoffentlich mit Erfolg. Gewiß, die Reise vom Südwesten nach der Nordostgrenze des Vaterlandes ist weit und beschwerlich. Von Gießen nach Tilsit z. B. reist man nicht weniger als 21 Stunden, also etwa so lange wie nach Rom. Das groß angelegte und mühselige Ansiedlungswerk in der Ostmark aber ist es wert, auch von nichtpreußischen Volksgenossen besichtigt zu werden, und dem dtationalgefühl, der Widerstandskraft der in der Front gegen das Polentum stehenden deutschen Kolonisten wäre es. ein segensreicher An-
Aus dem „Deutschen Tag" in Warienöurg ist die Po len frage wieder einmal erörtert worden. Es bleibt abzuwarten, inwieweit die zur Bekämpfung des polnischen Gegners empfohlenen neuen Vorschläge m die Praxis umgesetzt werden. Mit der Verleihung deS Enteignungsrechtes an die preußische Ansiedelungskommission, diesem von den Befürwortern selbst als „letztes Mittel" bezeichneten über- dies zweischneidig erscheinenden Vorgehen hat es jedenfalls noch gute Wege. Wundern muß man sich, daß cm m der Ostmark ansässiger Großgrundbesitzer das Verbot der polnischen Sprache m den Volksversammlungen für das vorläufig wichtigste Abwehrmittel gegen die Polengefahr erklärte. Der Herr sollte wissen und keinen Anstand nehmen, auszusprechen, daß nicht nur vorläufig, sondern für alle Zeiten das Polentum am schwersten getroffen wird durch unerschütterliche Weigerung der deutschen Grundbesitzer, ihr Land an Polen zu verkaufen. Solche wahrhaft patriotische Haltung wird wohl aber nach wie vor nicht durchweg unter den Grundbesitzern der Ostmark anzu» tresfen sein. Trotzdem auch in Marienburg wieder der Verkauf deutschen Grund und Bodens an Polen feierlich als „Verrat am Deutschtum" hingestellt worden ist, dürften sich auch in Zukunft deutsche Besitzer finden, die deS höheren Preisangebots wegen ihr Landgut an Polen veräußern.
Die Gerechtigkeit fordert indessen, eines „mildernden Umstandes* Erwähnung zu tun: des A rb e ite rm an g els. Von ihm werden anffallenderweise polnische Gutsbesitzer fast niemals betroffen, denn diesen stehen, auch wenn sie ihren Landbesitz ständig vermehren, in der Regel ausreichende Arbeitskräfte zur Verfügung, natürlich Polen. Der deutsche Grundbesitzer hingegen kann nicht selten nur unter größten Schwierigkeiten sein Feld bestellen und die Ernte herein- schaffen, weil die Scharen der deutschen Landarbeiter sich immer mehr lichten, polnische Arbeiter aber nicht gern bei Deutschen in Dienst gehen. Es scheint, als ob die polnische Geistlichkeit hier ihre Hand im Spiele habe, denn der Einfluß des Klerus auf die polnischen Landarbeiter ist unermeßlich und unbedingt. Jedenfalls muß die ganze Polenfrage ebenso sehr vom sozialen, wie vom politischen und wirtschaftlichen Standpunkt betrachtet werden, und diese soziale Seite hätte auf dem „Deutschen Tag" in Marienburg mehr in den Vorder-
Teb Petersburger Korrespondent der „Köln. Ztg." er- fährt von zuverlässiger Seite, daß in Kronstadt, Reval, Libau, Sebastopol eine rege revolutionäre Agitation unter den Matrosen festgestellt sei. Es herrscht die Meinung vor, durch die Beseitigung Stolypins solle der obersten Stelle im Reiche klar gemacht werben, daß man sich unter keinen Umständen mit üen Aorten, denen keine Taten zu folgen scheinen, abspeisen lassen wolle und mit dem sogen. „Liberalismus" der Regierung nicht zufrieden sei.
Stolypin erklärte, er erwarte neue Attentate und schließe deshalb fein privates und politisches! Testament ab.
Nach Annahme des Arztes ist Hoffnung vorhanden^ die s ch w e r v e r l e tz te Tochter Stolypins am Leben zu erhalten, ohne eine Amputation des zerschmetterten Beines vorzunehmen. Indes werde dieses steif bleiben.
Tie übrigen drei Töchter Stolypins sind bei dem Bombenattentat nur durch einen Zufall dem sicheren £obc entronnen. Sie halten' gerade ihr Klavierspiel in einem Saale beendet (von dem keine Spur geblieben ist) und waren spazieren gegangen.
Tas dreijährige Söhnchen des Ministers befindet sich auf dem Wege vollkommener Besserung. Die Hauslehrerin der Kinder Stolypins, Fräulein Sandes aus' Chaux de Fonds' int Kanton Neuenburg, telegraphierte ihren Angehörigen, daß sie im Augenblick der Bomvenexplosion ebenfalls in der Villa gewesen, aber wie durch ein Wunder verschont geblieben sei. Sie war mit den Kindern eben erst vom Lande- itad) Petersburg zurückgekehrt.
Im Leichenhaus des Peter und Paul-HospitalA zu Petersburg befinden sich noch zehn nicht rekognos^ zierte Opfer der Explosion in der Billa des Ministern Präsidenten Stolypin, "darunter zwei Kinder und etne- Frau.
Die Mörderin des Generals Minn hat, wie jetzt festgestellt ist, sich seit zwei Wochen ganz nahe dep Billa des Generals in einem Bauernhäuschen eingemietet.' General Minn erhielt zwei Tage vor seiner Ermordung Warnbriese, legte ihnen aber keine Bedeutung bei. Zum neuen Kommandeur des Semenowschen Regiments |ifö Baron Mavdell ernannt worden.
In Petersburg entdeckte die Polizei das Hauptterroristenquartier, welches die letzten 'Attentats leitete. Bei dem Hauptleiter, einem Zahnarzt, wurden, zahlreiche wichtige Dokumente beschlagnahmt; er selbstwurd« verhaftet. In Petersburg und Peterhof sind die Poften! verstärkt worden. Ein Torpedoboot kreuzt in der Nähe) von Peterhof. Aus mehreren Gouvernements wird be^ richtet, daß sich dort Hungersnot geltend zu machen beginnt.
Aus Warschau wird gemeldet, daß die Ermorde düng des Generals Wonliarljarski nur den Anfang zu neuen Attentaten bedeute. Die Soldaten) veranstalteten stürmische Kundgebungen gegen ihre Offiziere, die das Gerücht verbreiten wollen, daß die Juden die Inspiratoren aller Morde seien. Ein Offizier hielt an die Mannschaft eine Ansprache, in der er die Soldaten- aufforberte, einen Pogrom gegen die jüdische Bevötkerungl von Warschau zu veranstalten. Der Goiwerneur Skalon ist infolge des Attentats, das gegen ihn verübt wurde, völlig kopflos geworden. Die A^czte stellten ein Nervenchoc fest, dessen Ursache durch Drohbriefe täglich noch gesteigert wird. Auf Befehl Stolypins ist das Warschauer Regierungspalais mit einem Wall von Soldaten umgeben worden. Tie Polizei hat eine Anzahl von Bomben in der Nahe des' Polizeipräsidiums und der Skalonschcn Billa entdeckt, die im Boden vergraben waren, und bei Gelegenheit zur Explosion gebracht werden sollten. Man verhaftete über 20Q Personen. .
In Riga wurde aus offener Strave ein Steuer* einnehmer überfallen und um 1500 Rubel beraubt. Ein herbeigeeitter Schutzmann wurde getötet. Eine Patrouille verhaftete einen der Räuber, der eine Verwundung erlitten hatte. Ein anderer, bei dem das Geld! vorgefunden wurde, wurde getötet. Die übrigen entkamen. Auf der Suche nach den Bewohnern einer in öen Vorstadt aufgefundenen Wohnung, in der Bomben ange- fertigt wurden, umzingelte die "Polizei ein Haus und versuchte die darin sich verborgen haltenden Revolutionäre zu. verhaften. Diese gaben dabei eine Gewe hr salve ah ; und warfen eine Bombe, ohne jedoch Schaden anzurichten. Hieraus wurde das Haus von allen Seiten beschossen, und als es schließlich gelang, in die Wohnung einzudringen, sand man daselbst eine Frau und einen Mann, den .'Angestellten eines chemischen Laboratoriums, tot vor; sie hielten Gewehre in den Händen. In der Wohnung wurden Sprengpräparate, BombenhüNen, verbotene Literatur und, Schriftslüäe vorgefunden. Ein anderer Teil der Revolutionäre hatten sich in den Räumlichkeiten einer lettischen; Studentenverbindung eingeschlossen. Bei dem Vorgehen gegen diese wurde einer der Revolutionäre getötet; die übrigen wurden verhaftet. In 17 Kokosöltonnen, die vom Zollamt versteigert wurden, wurden in doppeltem ‘ Böden 500000 Exemplare von in verschiedenen Sprachen: abgesaßteii Aufrufen gesunden.
Zn Odessa sind große Arbeiterunruhen au&i gebrochen, die bisher nicht unterdrückt' werden - tonnten.]
mann wird uns geschrieben:
Tie Unsicherheit in Lodz hat in einer kaum glaublichen Weise zugenommen. Wir waren an räuberische Uebersalle in den Wohnungen und an spitzbübische Glanzleistungen schon gewohnt, aber cs ist doch noch ärger gekommen, denn man patzt jetzt diejenigen Leute in der Bank ab, die dort größere Summen erheben, und fordert sie dann auf der Straße unter Nennung des erhobenen Betrages um Herausgabe auf. Da Hilst kein Wider- heben und auch kein Argumentieren, und um die Sache kurz zu machen, laßt man den Browning in Aktion treten. Wir haben chon mehrere solche Falle zu verzeichnen, und vor kurzem ist auf diese Weise ein Fabrikant mit seinem Diener, der in einer Droschke fuhr und Geld zur Auszahlung der Arbeiter geholt hatte, in einer der belebtesten Straßen an- gehalten und beide nach kurzer Konversation erschossen worden.
Wie es mir am 15. August gegangen ist, wird See interessieren, zu hören. Ahnungslos geriet ich mitten in die Schießerei, aus der ich allerdings heil davon kam. Einem Freunoe von mir, auch Reichsdeutscher, ging es schlimmer. In seiner Abwesenheit hatten Soldaten seine Wohnung durchsucht, dort alles kurz und klein geschlagen, und für 650 Rubel Wertgegenstände g e st o h l e n. Sein Totalschaden durste 800 fRubei betragen. In anderen WolMungen wurde noch mehr gestohlen und vernichtet. Wenn ich das Zimmer meines Bekannten nicht selbst gesehen hätte, so würde ich nie geglaubt Huben, daß etwas derartiges überhaupt möglich ist. Bon den Verhaftungen Reichsdeutscher will ich garnicht reden, obwohl die Tatsache an sich und die ungebührliche Ausdehnung der Hast sicher nicht Ruhmesblätter der hiesigen deutschen Kolonie bilden können. Nur kurz erwähnen möchte ich, daß ein Reichsdeutscher Monteur in einer Maschinenfabrik durch einen Schuß getötet wurde. Der frühere Warschauer Konsul v. Rechenberg hat uns einmal auf unsere Forderung, in Lodz ein deutsches Kon- sulat zu errichten, geantwortet, daß wir ja Warschau in zwei Stunden erreichen könnten. Jetzr hat es aber fünf und einen halben Tag gedauert, bis der deutsche Vizekonsul von Warichau nach Lodz gekommen ist, und das geschah auch nur deshalb so schnell, weil sich die geschädigten Deutschen, nachdem Telegramme und Briefe ans Generalkonsulat resultatlos blieben, telegraphisch ans Auswärtige Amt in Berlin gewendet hatten. Sonst hätte unser auswärtiger Vertreter vielleicht biS heute noch keinen Anschluß nach Lodz gefunden.
Nun, dec Konsul ist also hier gewesen, hat die Bettoffenen feiner Sympathie versichert, hat auch gesagt, daß die Schade nforderungen berechtigt und von der ruß. Regierung anerkannt sind, aber — daß sie h ö ch ft w ahrschei n l i ch nicht bezahlt werden. Ta die russtscye Regierung fern Raubstaat sei, wie Venezuela, so könne man auch nicht entsprechend auftreten. — Das ist also die Bestätigung der guten Vertretung unserer Interessen, die wir befürchtet hatten. Es ist bezeichnend, daß ich nicht einen Reichsdeutschen finden konnte, der in dieser Frage Vertrauen zu unserer Diplomatie zeigte. Dafür können uns die Hurra-Patrioten „deutsche Kulttirträger nennen: zu der Ehrlichkeit werden sie es ja wohl nicht bringen, daß sie hinzufügen, „ohne Schutz der Regierung". Sie werden verstehen, daß der Patrwtismus unter solchen Verhältnissen nicht wuchert, und daß die Erreguna in reichsdeutschen Kreisen berecytigt und tiefgehend ist. Wir haben die Angelegenheit „Schaffung bezw. Errichtung eines deutschen Konsulates in Lodz" schon lange in die Hand genommen, und der Fall zeigt uns wieder, bai> man sehr schreien muß, wenn man in Berlin gehört werden soll. In Deutschland braucht man jetzt vor allem Geld für die Kolonien. Wir werden aber trotzdem Die Konsulatsfrage wieder aufwerfen.
Die offiziöse PLtersb. Tel.-iAg. schreibt:
Bei Besprechung des Mordanschlags auf den Ministerpräsidenten Stolypin drückt die ausländische Presse verschiedene Vermutungen betreffend die zukünftige Politik der Regierung aus.. Dieze Vermutungen gründen sich bisweilen aus Gerüchte, die fortdauernd im Umlauf find. Mr fmb in dec Sage, mitzuteilen, daß, obgleich die terroriststchen -Laten einen Truck aus das Publikum ausüben, es ein gro ß er Fe hl er .ein wurde, wenn man glauben wollte, der Terrorismus der Revolutionsaera könne von einem Terrorismus der Regierung begleitet werden. Das Reaierungsprogramm ist unerscb ütt erlich fest gestellt und kann infolge von Anschlägen und Mordtaten keiner Wandlung unterliegen. Die^Regierung wird> auch die Maünabmen gegen die Revolutionäre nicht ab» schwäch en, so furchtbar deren Drohungen auch sein mochten. Die Regierung wird stets zu unterscheiden wstfen zwischen einer m den a ei etlichen Grenzen sich bewegenden Opposition und ö emben d l Oftdnung^ welche entschlossen sind, durch Propaganda oder durch vassiven Widerstand das Gezetz zu Nichte zu machen. Die fr edliche Propaganda verfügt über geeignete Kampfmittel in Gestalt der Greife unb der Vmammlungen, aber alle embe her Ordnung werden streng d er folgt werden, we che auch immer ihre Absichten sein mögen. DieRegierung bei itzt hinreichende Mitt el, um die Attentate zu unterdrücken l?D Red. , aber die Unterdrückung ist nicht ihr eiw- : erstes Problem ist die Vorbereitung vonGefetz-
ntwürfen für die Duma und die .Losung dringender Äaaen mit den gesetzlichen Mitteln, über die fie verfugt. Die Revolutionäre. :ckönne^ versuchens daA? Werk.»: i^Regimmg zu
zerstören, aber fic werden eine Niederlage erleiden. Tenn die Regierung kann nicht auf notwendige Reformen verzichten, weil dieser oder jener Staatsmann durch einen anderen ersetzt werden muß. *
Ein Blatt berichtet ans Petersburg, daß zweiDcrro- r ist en am Samstag versucht hätten, in den kaiserlichen Palast zu Peterhof e in z ud r in g en, mit der Absicht, den Zaren zu ermorden. T-er Plan scheiterte jedock an der Wachsamkeit der Palastgarde, welche- einen der Eindringlinge verhaftete, welcher sich hinter den Mauern des Palastes versteckt hatte, um einen günsörgen. Augenblick abzuwarten, in'das Schloß zu gelangen. Derselbe trug einen Korb mit Früchten, unter denen eine B o in b e versteckt luar. Kurz darauf wurde auch sein Komplize hinter einem Gebüsch deS Schloßparkcs entdeckt und- verhaftet. (Wir halten diese Meldung für em amerikan. Märchen. D. Red.)
Zweites Blatt 156. Jahrgang Mittwoch AN. August 1NV6
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