Nr. £53 Zweites Matt 158. Jahrgang
Samstag 2^. Oktober 1806
Erscheint KgNch mit Ausnahme des Sonntag«.
Die „Giehener LamlNenblSIter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beig-legt. Der kandwtrt" erscheint monatlich elnmaL
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Stneral-Mzeiger, Amts- lind Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen.
Zur Vcrgarbciterbewcgultg.
Essen, 26. Okt. Im Ruhrrevier fanden in den letzten Tagen zahlreiche Arbeiterausschußsitzungen statt, in denen Vertreter der Zechenverwaltungen die Wünsche der 9(rbeitcr wegen Lohnerhöhung cntgegennahinen. ES wurde, soweit bisher Nachrichten über die Sitzungen ein* gegangen sind, den Ausschüssen erklärt, daß bei weiter anstelgender Konjunktur die Löhne eine weitere Erhöhung erfahren würden. Beivcis dafür sei die Tatsache, daß die Löhne in den letzten Wochen wieder allgemein und beträchtlich in die Höhe gegangen seien. — Die Siebener- k ommission tagte heute. Um 5 Uhr traten die Vorstände der BergwerkSverbände zusammen. An den Verhandlungen nahm auch der Vorsitzende des schlesischen Vereins, Krelik auL Beuthen, teil. Die Versammlung leitete der Vorsitzende Effertz vom christl. Gewerkverein. Auf das Schreiben der Siebenerkommission lagen von 27 Stcinkohlen- und 26 Braunkohlenwerken ablehnende Antworten vor. Die Vorstände protestieren energisch gegen den Standpunkt der Organisationen der Werkleitungen. Sie halten an der prinzipiellen Forderung fest. Es wurde sodann folgender Beschluß angenommen'. ,Die Vormänner der Ausschüsse aller Kohlenreviere werden verpflichtet, soiveit sie wegen der Lohnsperre- und Ueberschichten-Frage zu einer Sitzung eingeladen wurden, schleunigst eine Sitzung bei ihrer Verwaltung zu beantragen, um die Forderung der Verbände dort zu vertreten. Von dem Resultat haben die Ansschuß- mitglieder ihren Organisationen in allen Fällen sofort Bericht zu ersiatten. Wo Ausschüsse nicht.bestehen, ist die Belegschaft verpsiichtet, eine Kommission einzusetzen und auch von dieser ist zu berichten. Dieser Bericht muß spätestens am 8. Nov. beim OrgamsationSvorstand eintreffen, damit dieser dann am S. Noo. in gemeinsamer Sitzung darüber beschließen fann.'
Essen, 26. Olt. Die kombinierte Versammlung der Siebenerkommission und der Verbände beschloß eine Resolution, in welcher das Bedauern darüber ausgedrückt wird, daß durch die Haltung des preußischen Handelsministers in der Angelegenheit deS bekannten Artikels der ,Nord- deutfch. Allg. Ztg." die Spannung, die zur Zeit zwischen der Bergarbeiterschaft und den Bergherren vorhanden ist, nur noch verschärft werde. Ferner wurde eine Eingabe an daS Oberbergamt in Dortmund beschloßen, in welcher ein Verbot der Ueber- und Nebenschichten gefordert wird. Durch eine weitere Eingabe an die Oberbergämter und daS Handelsministerium soll auch die Aufhebung der Sperre verlangt werden.
Die Kolonialgesellschnft.
Leipzig, 26. Oktober.
In der heutigen Eröffnungssitzung der Versammlung des Vorstandes der Deutschen Kolonialgesellschaft kam der Präsident der Gesellschaft, Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, auf die in jüngster Zeit gegen die Kolonial v e r w a l t n n g erhobenen Anklagen zu sprechen und sagte: Fern liegt es jemand von uns, einen wirklich Schuldigen in Schutz nehmen zu wollen. Front machen müssen wir aber in entschiedenster Form gegen die Art und Weise, wie die Anklagen erhoben werden. Deshalb, fuhr der Herzog fort, trete er für den tüchtigen Beamten und Offizier, für den fleißig arbeitenden Kaufmann und Farmer und gegen den gemeinen Klatsch hier und draußen und gegen die untätigen Personen und H^esell- schasten ein. Es müsse durch das Vergangene ein Strich gemacht werden, der Blick frei und offen in die Zukunft gerichtet sein und positive Arbeit geleistet werden; man könne nicht ernten, kaum daß man gesät habe. Die Ent- hüller bringen die Auslagen immer nur Teilchen für Teilchen und rühren mit ersichtlichem Behagen veraltete, längst abgetane Sachen wieder auf. Vergebens aber sucht man rn ihnen das Bestreben, die Verhältnisse wirklich zrr bessern und Sorge zu tragen, daß in Zukunft die wirklichen Mißstände Abhilfe finden. Bei solcher Sachlage ist den Enthültern nicht zu glauben, daß sie wirklich nur das beste unserer Kolonieen und unseres Vaterlandes wollen. Umsomehr ist es aber an uns, Wege zu finden, auf denen wirklich vorhandene Mißstände abgestellt und Verbesserungen getroffen werden können. Die Kolonieen sind nicht bloß eine Last für unser Vaterland, wenn sie nur richtig entwickelt werden. Gerade wir haben an erster Stelle die Pflicht, in solch prakt. Arbeit einzutreten und ich bitte Sie, den Beweis dafür, daß wir dieses Willens find, durch die Art unseres heutigen Verhaltens zu erbringen.
Heute nachmittag sand eine Festsitzung statt, in der Schanz-Chemnitz über die Unternehmungen des kolonial- wirtschastlichen Komitees zur Nutzbarmachung der deutschen Kolonien sprach. Herzog Johann manbte sich in einer Ansprache au dieDamen und forderte sie zur Gründung eines Frauen heims inWindhuk auf, zu dessen Einrichtung bereits erfreuliche finanzielle Ergebnisse zu verzeichnen seien. Der Redner bat alle, mitzuhelfen an diesem Werk für die Schwestern brausten. Stach der Festsitzung vereinigten sich die Teilnehmer zu einem Festmahl, bei welchem Herzog Johann auf den Kaiser und den König Friedrich August Trinksprüche ausbrachte._________
Deutsches Reich.
Berlin, 26. Okt. Der Kaiser empfing heute in An- trittsaudicnz den neu ernannten mecklenburgischen Gesandten Frciherrn von Brandcnslein nebst dem Ünterstaatssekretär Dr. v. Mühlberg; hierauf nahm der Monarch die Meldung des Bischofs von Hildesheim, Dr. Bertram, und deS Bischofs Vogt, Vikars von Bagamoyo, entgegen in Gegenwart des Kolonialdireklors Dem bürg und deS ProvinzialS der Väter vom Heiligen Geist, Ascher. Später nahm der Kaiser an der Parforcejagd in Löberitz teil und am Abend speiste er beim Offizierkorps des Garde-Jäger-Bataillons zur Feier des Tages des Gefechts von Altenzaun (1806).
— Das Befinden des Landwirtschaftsministers von
PodbielSki hat sich, Nachrichten anS Dalmin zufolge, erheblich verschlimmert.
— Nach der ,Nat.-Ztg.* soll Prinz Alexander von Hohenlohe für die Veröffentlichung der Memoiren seines Vaters ein Honorar von 150000 Mk. erhalten haben. Die Vereinbarung über das Honorar wird jedoch wohl nicht mit dem Prinzen Alexander, sondern mit Dr. Curling getroffen worden sein. Auch die Summe kann kaum richtig sein. Die Denkwürdigkeiten sind zunächst in einer Auflage von 5000 Stück erschienen. Der Ladenpreis dieser 5000 Stück beträgt 100 000 Alk. Es konnte also für diese Auflage ein Honorar in solcher Höhe nicht aufgeworfen werden.
— Der Vizepräsident deL Reichstages, Abg. Dr. P a a s ch e, hat krankheitshalber alle Vorträge, die er Ende Oktober und Anfang November im Westen abhalten wollte, absagen müssen. Sein Zustand hat sich noch durch die Sorge um den einzigen Sohn verschlimmert, der nach seinen, im vorigen Jahr als Marineoffizier glücklich bestandenen Rümpfen mit den aufständischen Eingeborenen zu Studienzwecken in das Innere Afrikas reiste und seit Monaten verschollen ist.
— Bis zum 1. Oktober haben die neuen Steuern folgende Beträge gebracht: Zigarettcnsteucr 4 835 108 Mk., Frachturkundensteuer 4 217 190 Mk., Personen-Fahrkarten- I teuer 1 771 346 Mk., Steuerkarten für Kraftfahrzeuge 960 700 Mk., Steuer für Vergütung an Aufsichtsratsmitglieder 114 111 Mk., Erbschaftssteuer 26 943 Mk. Hinter den Erwartungen des Reichstages und der Negierung bleiben diese Sätze erheblich zurück.
Dortmund, 26. Okt.s Soeben traf die Nachricht hier ein, daß in Sachen Pfarrer Cesar der Oberkirchenrat gegen daS Konsistorium entschieden habe. Eesar wird also Pfarrer in Dortmund.
Posen, 26. Okt. In das Schulhaus zu Bendzi- t ow o wurde eine mit Petroleum gefüllte Bom be geworfen. Die Schule ist nieder gebr annt. Man glaubt, daß es sich uni eine Tat polnischen Fanatismus handelt. Die Negierung hat eine Belohnung von 500 Mk. auf die Ergreifung der Täter auSgcfetzt. Wie verlautet, wird in Sachen des Cchulstreiks für den 3. November das Eintreffen des Kultusministers Dr. v. Stndt erwartet.
Heer ittiO Flotte.
— DaS „MiUtärwochendlatt" schreibt: Generalmajor Sixt von Armin, Direktor des allgemeinen Kriegsdepartements im KriegSministerium, v. Nauch, Inspekteur der 1. Kavallerieinspektion, v. Sch icksuS und Neudorfs, Chef deS GcneralstabeS des Gardekorps, Graf v. Hohenau, diensttuender General ä. la suite des Kaisers, zu General- leutnants befördert; v. Bag enSki, Generalmajor, Kornrnan- deur der 28. Jnsanteriebrigade unter Versetzung zu den Offizieren von der Armee mit Beibehaltung des Wohnsitzes in Düsseldorf, v. Raven, Generalmajor, Kommandant von Magdeburg, der Charakter als Generalleutnant verliehen, v. Mentz, Oberst, Kommandeur im Infanterieregiment Nr. 176, unter Beförderung zum Generalmajor zum Kommandeur der 28. Jnsanteriebrigade ernannt; Freiherr v. Manteuffel, Oberst, Kommandeur der 14. Kavalleriebrigade, zum Generalmajor befördert.
— Zum Nachfolger deS Grafen Beck als Chef des österr. GcneralstabeS ist der Kommandant der 8. Jn- fanterie-Truppen-Tivision inJnnsbruck, Felduiarschall-Leutnant Conrad v. Hötzendorff auSersehen. Hötzendorff ist einer der jüngsten Generale der Armee. Merkwürdigenveise trat in der neuesten Nummer der ,3uFunft* Noda-Noda, der bekannte satirische Schriftsteller, ein früherer österr. Offizier, für diesen General sehr warm ein.
Anstatt-^
London, 26. Okt. Während der Sitzung des Unterhauses führte ein Fremder, der auf der für daS Publikum bestimmten Tribüne Platz genommen hatte, eine Störung herbei. Der Mann, der orientalisches Aussehen hatte und ein malerisches violettes Gewand trug, erhob sich plötzlich von seinem Sitz und rief laut: »Ich bin britischer Untertan und habe eine Botschaft von (Sott 1' Die Beamten des Hauses entfernten ihn sofort von der Tribüne, bevor er weitere Bemerkungen machen konnte. Ter Fremde soll von Mauritius gekommen sein; man glaubt, daß er an religiösem Wahnsinn leidet, aber harmlos ist und durch die neulich stattgehabte Demonstration zugunsten des Frauenstimmrechts zu einem Verhalten veranlaßt wurde.
— Nach einer Meldung des „Standard* aus Peking brachen Kämpfe zwischen Prote stanken und römisch- katholischen Chinesen in Fenghsien aus. Der Bürgerkrieg wird mit großer Hartnäckigkeit ausgefochten. 9(uf beiden Seiten waren große Verluste zu verzeichnen. Eine katholische Kirche, von der französischen Mission erbaut, imirtn zerstört. Die chinesische Negierung hat die Entsendung von' Truppen angeordnet, um die übereifrigen Anhänger der christl. Konfession zur Ruhe zu bringen.
Tanger, 26. Okt. Eine der ersten Handlungen des Mannes, der sich zum Herrn der Stadt Arzila gemacht hat, war die Ermordung des dort wohnenden Schwagers Raisuli's. Angesichts dieser blutigen Herausforderung ist Naisuli mit 500 Bewaffneten zur Eroberung Arzila^> ausgerückt. Er plant, dort unter dem Vorwande, er »volle dem Maghzen behilflich sein, eigene Autorität auszuüben.
^Ler Schuster-Hauptmann^ von Köpenick.
Berlin, 27. Dtt
Die Vernehmung des verhafteten Kaffenräubers Voigt wurde bis gestern abend 8 Uhr fortgesetzt. Voigt, der am Vormittag frisch und aufgeräumt aussah, machte am Nachmittag mit seinem aufialleud bleichen toten artigen
Gesicht einen unheimliche n Eindruck. Er wich wiederholt den Fragen der Beamten mit den Worten aus: „Das gehört doch wohl nicht zur Sache." lieber die Art und Weise, wie ihn die Kriminalpolizei behandelte, war er sichtlich sehr erstaunt und sehr zufrieden mit ihr. Er nahm aber auch für sich in Anspruch, „seine Leut e", damit meinte er die Soldaten, gut behandelt zu haben und auch die Köpcnickcr Herren müßten anerkennen, daß er sich wie ein (Senile m a n benommen habe. Die Dummheit mit der Kokarde habe nicht er, sondern der Mützen- lieserant begangen. Seit seiner Entlassung habe er Zeit und Gelegenheit genug gehabt, sich altes anzusehen, um nicht erst fremde Leute nach den für seinen Plan wichtigsten Dingen fragen zu müssen. Gt habe Soldaten und Ossv- ziere oft genug beim Dienst beobachtet. Ihre guten Umgangsformen habe er in Konzerten und Theatern studiert, Die er zu diesem Zweck besuchte. Voigt erzählte mit großem Behagen von seinen Begegnungen mit Offizieren, die i h n wohl seines Alkers wegen stets zu er ft gegrüßt hätten. Von einigen sei er allerdings mit erstaunten Blicken gemustert worden. In der Hochbahn habe ein echter Hauptmann, nachdem er ihn gegrüßt, ihm gegenüber Platz genommen und zu ihm, als ein eigenartig gekleideter Herr vorübergegangen sei, gesagt: „Komischer Kerl." Er hätte sofort erwidert: „Jawohl, Herr Kamerad." Nachdem der Raubzug in Köpenick ihm gelungen war, wollte Voigt sich noch ein wenig erholen und dann daran gehen, sich ein eigenes Heim zu gründen. Am Sonntag vor dem Haupt- streich habe er seiner Braut gesagt, er müsse verreisen, um eine Erbschaftsangelegenheit zu regeln. Aus Wismar war er auch mit dieser Andeutung fortgegangen. Auf seine Ergreifung rechnete Voigt in den letzten Tagen nicht mehr. In seiner Wohnung fand der Händler Karpeles gestern nachmittag noch einen Kasten mit 388 Mk., den Die Beamten übersehen hatten. Das Geld befand sich in einem Beutel. Außerdem enthielt der Kasten noch ein Notizbuch, in dem Voigt seine Zeugnisse ausbewahrte und lvo er seine Ein- und Ausgaben notierte. Von dem geraubten (Selbe gesondert hatte Voigt 80 Mk. 'von seinen Ersparnissen ausbewahrt. Er legte Verlvahrnng Dagegen ein, daß diese mitbeschlagnahnit werden unb der Stadt Köpenick ansge- liesert lvürben. Man beließ sie ihm denn auch einstweilen, während Köpenick das andere Geld zurückbekam. Voigt wurde heute von der Kriminalpolizei ^noch einmal eingehend vernommen unb dann dem Untersuchungsrichter beim Landgericht II vorgeführt.
Der Kaiser, dem die Verhaftung gestern telegraphisch gemeldet worden lvar, ließ sich abends darüber Vortrag halten.
Die Frage, wer die ausgesetzten Prämien erhalt, wird lebhaft erörtert. Von den i>uO Mi. wird wah.scheinlich von den zuständigen Behörden ein großer Teil den Kriminalkommissaren Wehn und Nasse L, die durch die An- Iragen bei den Strafanstalten die Spur des .VerbrecherA fanden und ihn festiiahmen, zuerkannt werden. Weitere Anteile werden die Beamten des N a w i t s ch e r Zuchthauses, die den Namen des Verbrechers ermittelten, und die Polizei in Wismar, die sein Bild beschaffte, erhalten. Schließlich wird auch Der Sa/uhmach er, der mit Voigt zusammen im Nalvitscher Zuchthaus saß und jetzt seine Aeußerung, er werde seine nächste Tat mit Hilfe des Militärs „drehen", bei der Zuchthausdirektion zur Anzeige brachte, beteiligt werden.
Bei der Beniner Jugend ist der geniale „Hauptmann von Köpenick" an Popularität schon um zehn Pferdelängen voraus. DaS beweist unter anderem ein seltsames Knabenspiel, das sich mit überraschender Schnelligkeit auf den Spielplätzen aller Stadtviertel Berlins eingebürgert hat und schon mit wahrer Leidenschaft gespielt kdurde: das „Köp enicker H anp t m a nns spiel". Soweit sich der etwas verzwickte Gang des Spiels verfolgen läßt, kommt es bei dem Spiel darauf an, daß „Bürgermeister" und „Nendanl" den „Hauptmann" erwischen; das wird ihnen aber sehr schwer gemacht durch die „Soldaten", die ihnen fortwährend den Weg versperren. Natürlich wird auch die Verhaftungsszene mit mehr oder weniger Geschick ausgeführt. Zum Schluß entwickelt sich jedoch eine Prügelei^ weil jeder „Hauptmann' sein will. Der Bürgerme-ifter^ posten ist weniger gesucht.
Aus Essen wird geschrieben:'
Neulich sollte auch ui Essen der Vielgesuchte gefunden worden sein. Eine 58 Jahre alte Diakonie-Oberin ans Berlin, die bei einer Essener Familie weilte, erging sich, um vor der Nachtruhe etwas frische Luft zu schöpfen, einige Zeit vor dem Hause ihrer Verwandten und vor den benachbarten Hausern. Sie erregte die Neugierde eines jungen Mädchens, das sie fragte, ob sie sich verirrt habe. Die frrage wurde verneint. Als nach einer Weile das Mädchen die Frage wiederholte, verbat sich die Oberin die Belästigung. Das war für das Mädchen das Zeichen, um die ge>amte Nachbarschaft auf die geheimnisvolle Dame aufmcrlfam zu machen. Es bildeten sich flüsternde Gruppen und ein aufgeregter Herr meinte: das lasse er sich nicht bieten, daß die Person vor seinem Hanse auf und ab gehe; man höre ja schon an ihrem festen Tritt, daß man es hier mit einer verkleideten Mannsperson zu tun habe. Als dann einige Burschen bic Oberin in roher Weise beschimpften, begab sich bic|c zu ihren Verwandten in die Wohnung. Bei der draußen stehenden Menge war es bald eine ausgemachte Sache, daß der vermeintliche Mann in Frauenkleidern niemand anders sei als der Räuberhauptmann von Köpenick. Zufällig kam der Bruder der Oberin, der mit feiner Frau einen Ausgang gemacht hatte, hinzu. Er verfnchte das Publikum auf- zukläreu. Da fuhr er ober schön auf. Wer baä glauben wollte! Man benachrichtigte, jetzt -erst recht mißtrauisch gemacht, eine Polizeipatrouille, die den interessanten Fall mit der allergrößten Gewissenhaftigkeit untersuchte. Die Oberin und ihre Verwandten waren durch das (5 mb ringen des Polizisten in die Wohnung natürlich sehr peinlich berührt; sie mußten sich die Störung aber wohl oder übel gefallen lassen. Nur durch geschriebene Beweismittel ließ ich der behelmt . von überzeugen,
daß sich die Essener unnötig au,geregt hatten.


