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28.9.1906 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Freirag 28. September 1906

Man

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Rosa Luxembur

S

156. Jahrgang

Älr. 228

Erscheint täglich außer Sonntag-.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Giehener Kamilien. blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der B r ü b l'schen Untvers.-Duch-u.Stein- druckerrt. ÖL Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei:

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vezugopretär monatlich 7bVi., otertel- Klich Alk. 2.20; durch ole- u. Zweigstellen monatlich Pf.; durch diePost Alk.2. viertel- sührl. auSschl. Bestellg. Annahme von Anzeige» für die Tagesmmiiner bis vormittags 10 lltjc, ZeilenprerS: lokal 12xßtw auswärts 20 Pig.

Verantwortlich tüt den polil. und allgern, Teil: P. Witt ko- füt »Stadt unb ßanb" und ,®erid)i5|oal*: Ernst peß, ult beit An­zeigenteil! HnnS

entsteht plötzlich eine lebhafte Bewegung im Saale. Fast die Hälfte der Delegierten erhebt sich und in langem Zuge ziehen sie sich unter Bebels Führung in ein besonderes Zimmer des Saalbaus zurück. Es handelt sich ossenbar um eine vertrauliche Besprechung über die Stellungnahme zu den Resolutionen Legien und Kautsky. Aus der anderen Seite stehen die Gewerkschaftsführer v. Elm, Legien, - melburg, Schmidt niw. iu eifrigem Gespräch zusammen. Rosa Luxemburg und Frau Z i c tz-Hamburg, die nach wie vor ihren radikalen Standpunkt vertreten, sehen sich urplötzlich

Muster auf sührungen solcher Jbsenschen Dichtungen, denen äußere, insbesondere szenische Schwierigkeiten den Weg zur Bühne int allgemeinen verwehren. Da dieser wichtigste Teil der Aufgabe ohne Rückhalt an einer ernsten Bühne nicht sicher durchzuführen wäre, ist ein Anschluß an das Düsseldorfer Schauspielhaus geplant, das bereits in Ibsen-Zyklen in Düsseldorf und Bonn sich in hervorragendem Maße befähigt gezeigt hat, durch ein fein abgespieltes Zusammenspiel die letzten Absichten des Dichters zu deuten und zu verkörpern. (Bühnenfest- spiele. 2. Aufführung solcher Jbsenschen Stücke, welche keinen ungewöhnlichen szenischen Apparat erfordern, in denjenigen Städten, wo solche Aufführungen bei schon be­stehenden literarischen Bereinigungen Unterstützung finden. (Wandervorstellungen.) 3. Vorträge, welchen die Ausgabe zusällt, den durch bie Ausführungen zu er­zielenden Wirkungen den Boden zu bereiten. 4. Herausgabe einer monatlich erscheinenden Zeitschrift, die den Zusammen­hang der lokalen Gruppen unb der Einzelmitglieder Her­stellen und aufrecht erhalten soll. Ueber diesen Rahmen hinaus soll die Arbeit der Vereinigung auch dem Schassen anderer Dichter zugute kommen, Deren Kunst dem Geiste Jbsenscher Wahrhaftigkeit verwandt ist. Beitrittserklär­ungen nimmt entgegen die Buchhandlung Schmitz und Llbertz in Düsseldorf. Dem vorbereitenden Ausschuß ge­hören ii. a. an; Direktor Prof. Peter Behrens-Düsseldorf. Professor Dr. Paul-Brandt-Bonn. Luise Dumont-Dünel- dorf. Staatsanwalt Dr. E. Frings-Düsseldorf. Prrvat- dozent Dr. Franz Schultz, Bonn. Geheimrat Profesfor Dr. Zilelmann-Bonn. ...... <,

Dekorative Kun st", Zeitschrift für angetoanbte KrrnA, hersusgegeben von Hugo Bruckmann-München. 10.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Bleibt also nur noch der Abschre cknngszweä. Wirkt die Todesstrafe tatsächlich abschreckend? Wenn sie das tüte, dann müßten die Verbrechen, auf denen nach dem Gesetz der Tod steht, seltener geworden sein. Wer sich aber über die ursächlichen Zusammenhänge von Verbrechen und so­zialen Zuständen (insbesondere die Lage der untersten Volksschichten) klar ist, der weiß auch, wo des Uebels Wurzel steckt und worin das Mittel zur Verhinderung des Mordes und ähnlicher Verbrechen überhaupt zu suchen ist: in rastloser Arbeit zur sozialen Hebung des Volkes. Der moderne Kulturmensch sagt sich, daß nicht der Mörder und seine Tat allein, sondern auch die wirt­schaftlichen und sittlichen Verhältnisse, in denen er stand und handelte, inbetracht kommen müssen. Krankheit und Verbrechen liegen ebenso nahe beieinander, wie Verbrechen und geistiger Tiefstand bezw. Defekt, der nicht Gut und Böse auseinanderzuhalten vermag. Das wird auch zuweilen vor der Strafvollstreckung berücksichtigt, indem die Todes­strafe durch Gnadenakt in lebenslängliche Kerkerstrafe um- gewandelt wird. Aber ist es denn nicht eine Grausam­leit, einen Menschen und sei er ein Mörder, er ist unser aller Mitmensch in der Qual und Pein der, Un­gewißheit über sein irdisches Schicksal monatelang zu lassen? Und wird das Todesurteil vollstreckt, wie häufig ist es so nicht ein höchst grausamer .Vorgang, der bar ist aller Menschlichkeit und der jeden, der einmalzuschauen" durfte, mit Grauen und Abscheu erfüllen muß! Denn es bleibt unter allen Umständen unmoralisch, bei} Tod (Hin­richtung) eines Menschen zu benutzen, um andere vor ähn­lichen Verbrechen abzuschrecken.

In verschiedenen Staaten ist die Todesstrafe abge­schasst: so in Holland (1870), in Rumänien (seit 1864), in der Schweiz und in verschiedenen Staaten Nord- und Südamerikas. Nicht mehr vollzogen wird sie seit 1843 in Portugal, seit 1863 in Belgien und in Norwegen und seit 1877 in Italien. Noch angewandt wird sie in Deutscb- land, Oesterreich-Ungarn, Frankreich, England und Rußland. Tie Vollstreckung der Todesstrafe unterliegt landesgesetz­licher Regelung in Deutschland. So findet^sich in Rhetn- preußen, Hessen, Baden, Bayern, Sachsen, Thüringen und Hannover die Guillotine; in den altpreußischen Provinzen das Beil. Durch den Strang geschieht die Hinrichtung m Oesterreich-Ungarn, England, Rußland und einigen der Ver- eüiiqtcn Staaten von Nordamerika, während dort neuerdings im Staate Newyork die Elektrizität als Tötungsmittel ver­sucht wurde. _____

Jahrgang, Heft 1. Oktober 1906. Berlagsanstalt F. Bruckmann A.-G, München. Quartalpreis 3.75 Mk. Einzelpreis des Hefres 1.50 Mk. Den zehnten Jahrgang dieser Münchener Kunstzeitschrift eröffnet ein reich illu­strierter Artikel über den von Bruno Paul im Verein mit einigen Münchener Bildhauern ausgestatteten Wartesaal des neuen Nürnberger Bahnhofs. Es ist das erste Mal, daß der neuen deutschen Kunst Gelegenheit geboten wurde, ihr Können an einer derartigen Ausgabe zu er­proben, und Bruno Paul hat dafür eine so mustergültiges Lösung gefunden, daß man wohl sagen kann, die neue Kunst hat mit diesem ersten Schritt in Staatsbauten auch schon festen Fuß barüi gefaßt. Man wird den Nürnbergern wohl nicht lauge den M)m gönnen, den schönsten Warte­saal im Deutschen Reich zu haben, und das ist gut so, denn an neuen Aufgaben wachsen die Kräfte, und was die deutschen Künstler zu leisten vermögen, das hat eben erst die Dresdener Kunstgewerbeaussiellung bewiesen, über die das vorliegende Heft auch berichtet. Einen intereffanten Beittag zu der Frage der Restauration alter Bau­werke liefert der Erneuerungs- und Erweiterungsbau, den Hans Pvelzig, der Dttektor Der Breslauer Kunstgewerbe­schule, für das Löwenberger Rathaus geschaffen hat. In diesem Bau hat Poelzig, ohne die Bauformen des mittel­alterlichen Rathauses uachzuahmen, eine so einzigartige Harmonie alter und neuer Baukunst erreicht, daß es wie die Abbildungen zeigen schwer ist, zu sagen, wo das Alte aufhört und das Neue beginnt, eine bewunderns« werte Leistung, die die besondere Beachtung unserer Arch« tekten verdient.

Zum Schlüsse nochmals: Dem Abschreckungszwecke (aus dem allein die Todesstrafe noch verteidigt wird) dient die lebenslängliche Freiheitsstrafe Zweifellos mehr, weil schärfer unb nachhaltiger, als dies die Todesstrafe tut. Schon Beccaria fagte:Die Todesstrafe wird für die meisten zu einem S cy a u s p i e l und einem Gegenstand des mit Ver­achtung gemischten Mitleids." Jene beiden Gefühle bemächtigen sich mehr des Geistes der Zuschauer als die heil­same Furcht, die das Gesetz einzuflößen beabsichtigt. Aber bei gemäßigten und lange andauernden Sttasarlen herrscht das letztgenannte Gefühl vor, weil es das einzige ist. Die Grenze, die der Gesetzgeber für die Härte der Strafe ziehen sollte, scheint in dem Gefühle des Mitleids gegeben zu sein, und zwar da, wo diese die Oberhand zu gewinnen beginnt über alle Gefühle des Zuschauers einer Hinrich­tung, auf den diese loeit mehr oerechnet ist, als auf den Angeklagten.

kleines Feuilleton.

Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben:Als die zweite Neueinstudierung! eines modernen Werkes durch Regisseur Dr. Heine ging am26. Oskar Wildes In- triauenstückEin idealer Gatte" in Szene. Die Auf­führung war in ihrem Gesamtteil einheitttch, die Insze­nierung sorgfältig und geschmackvoll. Das Brillantseuer- wert von Geist, von scharfzugespitzten Apercus fand man hier und da etwas übertrieben, man freute sich daran an­gesichts des Defizits an Geist, das die meisten modernen deutschen Stücke bieten. Von den Mitwirkenden traten be­sonders Frl. Doch, Herr Bauer unb Herr Bolz hervor. Fräulein Santen leistete Gutes, ohne daß es ihr ge­lungen wäre, ihre große Aufgabe vollständig zu erschöpfen. Die Rolle eines Dieners, der zugleich Vertrauter ist, wurde von Herrn Reimann wirksam gegeben. Uneingeschränktes Lob verdient Herr Pf e.tl.

Frankfurt a. M., 27. Sept. Die internationale Kon­ferenz für Krebsforschung wurde heute durch den Vor­sitzenden Geheimrat v. Leyden-Berlin mit einem Dank namentlich gegen die Teilnehmer aus England, Frantteich und Oesterreich geschlossen. In seiner Schlußrede be­tonte Geheimrat Leyden, daß die Fortschritte in der Er­forschung der Krebskrankheit, die dem Tierexperiment zu danken sei, zu der Hoffnung berechtigen, daß es in nicht zu langer Zeit gelingen werde, das Hebet erfolgreich be­kämpfen zu können. ,

Jbsen-Vereinigun g," Eine Anzahl rhcmrjcher Verehrer des Dichters hat sich, einem uns übersandten Ausruf" zufolge, zusammengetan zur Gründung einer Jbien-iVereiuigung". .Sie beabsichtigt l._ Veranstaltung von

allein. , ,.

Ledebour erklärt, die Annahme, daß die Jenaer und Kölner Resolution gleichen Sinnes seien, für eine intellektuelle Konstruk­tion, die der Parteitag nicht billigen könne. Die Resolution Kautsch müsse angenommen werden.

Bebel wendet sich gegen die Angriffe, die von Legien und anderen gegen ihn gerichtet worden sind. War das Protokoll richtig, so hätte man mich auch aus der Partei werfen müssen. Man warf mir den denkbar schwersten Verstoß gegen den Jenaer Massenstreiksbeschluß vor. Ich mußte mich also gegen die Auffassung Silderschmidts von meiner Rede wenden. Seine Darstellung macht mich eines Parteiverrats schuldig. (Sil- berschmidt: Ist mir gar nicht eingefallen.) Wenn Sie das öffent­lich erklärt hätten, wäre mir viel Verlegenheit erspart worden und ein widerwärtiger Hader aus der Welt geschafft worden. (Leb­hafte Zustimmung.) Legien verlangt von uns einen

Fußfall vor den Gewerkschaften.

Wir haben freilich etwas begangen, das sich mit der strengen Form des Rechts nicht vereinigen läßt- (Rufe: Aha!) Aber die Verhältnisse zwangen uns dazu. Der Parteivorslaud erklärt sich in schärfster Weise gegen die Lokalisten. Ihre Organisation ist einUn sinn, ein Nonsens. (Hört! Hött!) Die Arbeiter können nur geschlossen dem Kapitalismus gegen­über treten. (Beifall.) Die Unternehmer sind einheitlich organi­siert, wie kann man da glauben, tnit Lokalorganisationen etwas auszurichten. (Sehr richtig!) Wir versolgen jebe Stimmung m der Partei. Das ist unsere verfluchte Pflicht und Schuldigkeit. (Sehr richtig!) Unb bie Berliner Genossen haben jetzt gerabe schwere Kämpfe mit ben Lokalisten, bie noch burch Hetzereien der bürgerlichen Presse vermehrt werden. Legien hat geltem eine Rede gehalten, die fast ganz polemisch gegen den Jenaer Massen­streik war. Ich fragte auch, wie steht denn sein Mtrag damit im Einklang? (Sehr richtig!) Nachdem die Gewerkschaftsführer bargelegt haben, daß nach ihrer Interpretation ein Widerspruch nicht besteht, hat der Parteitag nicht die geringste Ursache das zu verneinen. Der Rigoroseste unter uns hat keinen Anlaß gegen diesen Antrag zu stimmen. Es ist ein ungeheurer moralischer Gewinn, wenn in dieser Richtung zwischen Pattei unb Gewerk­schaft Friebe herrscht- (Lebhafter Beifall.) Gegen Kautsky aber müssen wir uns roenben. Die Festlegung Kautschs wäre eine ber größten Unklugheiten. Ein Gefühl ber Verbitterung und Zurücksetzung würbe baburch bei den Gewettschasten erregt wer­den. (Sehr richtig l) Bömelburg und Reichel haben heute bie denkbar befriedigendsten Erklärungen abgegeben. Würde man öte Resolution Kautsky annehmen, so würde nichts an ben be- stehenben Verhältnissen geänbert werden. (Beifalls Für einen solchen Antrag sollte ein deutscher Parteitag keinen Fingen bergeben. (Beifall.) Den ersten Absatz Kautsky wollen wir iwch gelten lassen, den zweiten bitten wir aber als Stein des Anstoßes abzulehnen. Er würde unseren Beratungen einen bitte­ren Beigeschmack geben. (Zustimmung.) Die Arbeiter müssen aufgeklärt werden, daß sie nicht nur Arbeiter, sondern auch Staatsbürger sind und ihre vollen Rechte nur durch An­schluß an die Sozialdemokratie wahren können. (Zustimmung.) . Nack) und nach werden bann alle Arbeiter Sozialdemokraten werden. (Sehr richtig!) Ihr sollt aber Arbeiter, die noch heute auf anderem, z. B. religiösem Standpunkt stehen, nicht vor den Kopf stoßen. (Lebhafte Zustimmung^ Wir haben noch gewaltige Arbeit zu leisten, ehe wir an einen Massenstreik mit Erfolg gehen könnten. Man darf mir aus meiner Jenaer Resolution feinen Strick drehen. Der Ton meiner gestrigen Rede war wohl anders. Aber Inhalt und Gedanken waren dieselben. Wir brauchen doch nur die allgemeinen Richtlinien für bestimmte Situationen anzugeben. Anders zu handeln wäre bei einem Politiker eine Verrücktheit. Freilich ein Doktor ber Philosophie kann das alles noch viel erweitern. (Heiterkeit.) Zum Schlüsse beschäf­tigt sich Bebel noch mit Rosa Luxemburg unb anderen Genossen, die ein bgeisterndes Eintreten Bebels für die r u n t« scheu Revolutionären vermißten. Ich habe das in der Hitze des Gefechts vergessen. Wer cs ist doch selbstverständlich, da« wir, wenn Deutschland es wagen sollte zu Gunsten Rußlands zu intervenieren, nicht Gewehr bei Fuß stehen werden. Da mug man doch z. B. erst den Reichstag berufen. (Der Zehngebote-

schreibt uns aus Darmstadt, 27. Sept.: Die am Dienstag vom Schwurgericht zu Darmstadt gegen den Raubmörder Steinmetz ausgesprochene Ver­urteilung zum Tode gibt dem Kulturmenschen wieder ein­mal Veranlassung, die beiden Fragen aufzuwerfen: Ist die Todesstrafe notwendig? Oder ist sie nicht vielmehr vom Standpunkte unserer heutigen Kultur aus abzulehnen? Die Todesstrafe läßt sich aus zwei leitenden Gefichts- punkten erklären: Einmal aus der einen allgemeinen, den religiösen-bistorischen Anschauungen entsprungenen:Wer Blut vergreßt, dess' Blut soll wieder vergossen werden." Sodann und das ist das hauptsächlichste Motiv (wie für jede Strafe) aus der StacttSraison (Aufrechterhal­tung der öffentlichen Sicherheit). Hier verfolgt jede Strafe einen dreifachen Zweck: den der Sühne und Besserung, den der Unschädlichmachung, unb schließlich den der Ao- schreckung. Auch die Gegner der gegenwärtigen Strafrechts­praxis geben zu, daß die Todesstrafe keine Besserungsstrafe sein kann. Sie müssen auch zugeben, daß sich die Unschädlich­machung des Verbrechers ebensogut durch lebenslängliche Kerkerhaft erreichen läßt. Und dann wissen sie auch ebenso­wenig wie irgend jemand zu sagen, daß die Todesstrafe die entsprechende Sühne eines Verbrechens ist, denn sie ist gar nicht individualisierbar, man kennt ihre Tragweite absolut nicht, wie das etwa bei Kerkerstrafe der Fall ist.

SozlaLdcNiokaltsHer Parteitag.

(Unberecbngur ,ccbrid verboten.)

S. u. H. Mannheim, 27. Sept. (Vierter Tag.)

Die Mannheimer, Ludwigshafener und Heidelberger Genossen sind für heute nachmittag zu einem

Massenstreik

durch ihr hiesiges Parteiorgan aujgeforbert worden, unb es wird voraussichtlich einen ungeheuren Zuzug nach Heidelberg geben. Der Artikel führt aus:

Vielfach würbe wegen Besuch des Großherzogpaares an Euren Werkst eilen die Arbeit eingestellt. Ihr habt aus Kom­mando feiern müssen; nun macht es Euch zur Pflicht, auch morgen zum Empfang ber Arbeitern ertreter Euch frei zu machen. Zeigt dem schweifwedelnden Byzantinismus, daß die Arbeiterschaft ihre Vertreter, ihre Vorkämpfer zu schätzen und zu achten weiß.

Dann wurde dem Patteivorstande und der Kontrollkomnnsswn folgende

Resolution gegen die freien Gewerkschaften vorgelegt:

In ben in ben Fr. Vereinigungen beutscher Gewerkschaf­ten verbundenen Organisationen treten bedauerlicher Weise immer bewußter Tendenzen hervor, bie biese Organisationen in ben Dienst ber anarcho-sozialistischen, die deutsche Sozial­demokratie geflissentlich beläinpfenben und schmähenden Be­wegung stellen, ja die eine anarchistische Agitation gegen bie Partei fördern wollen. Uiib ba durch dieses Treiben auch die Ausbreitung der gewerkschaftlichen Organisationen aufs schwerste geschädigt wird, erklärt bet Parteitag: Die anarcyo-sozialisti- schen Bestrebungen, wie sie in ben lokalorganisierten Gewerk­schaften sich geitenb machen, sinb unvereinvar mit ben Zielen unb Interessen ber Sozialdenwkratie. Die Parteipresse hat daher bie Psticht, bie anarcho-sozialistische Bewegung auf bas Entschiebenste zu bekämpfen unb bie Parteigenossen haben bie Ausgabe, Personen, bie für biese anarcho-sozialistischen Bestreb­ungen eintreten und für sie agitieren, soweit diese Personen Parteigenossen sind, aus ihren Reihen auszuschließen. Die­jenigen Parteigenossen, die iit ben lokalen Gewerkschaften organi­siert sind, ersucht die Parteileitung, in Ucbereinftimmung mit der Resolution des Lübecker Parteitags, sich den zentralorgani- fierten Gewerkschaften anzuschließen."

In der fortgesetzten

Diskussion über den Massenstreik

sprach Reichstagsabg. ^ömelburg: Rosa Luxemburg sagt, ber Massenstreik ist von der Revolution unzertrennlich. Ganz meine Meinung. Keine Revolution der Zukunft kann ohne Massen­streik durchgeführt werden. (Sehr ttchtig.) Es herrscht ein heil­loses Wirrwarr, ein Zu.tand, der durchaus nicht weiter bestehen bars. Die Masse weiß ja gar nicht mehr, was sie tun soll. Die Differenzen in der Arbeiterbewegung müssen beseitigt werben. Das geschieht burch Annahme ber Resolution Bebel mit bem Amenbe- ment Legien.

Inzwischen war folgender

Verwässerungs-Antrag zur Massenstreikresolution von Dr. Braun-Nürnberg eingelaufen: .Der Parteitag be­harrt auf ber Ueberjeugung, baß ber Massenstreik ein wichtiges unb unter Voraussetzungen, zu denen bie Reaktion führen kann, unentbehrliches Kampfmittel nicht nur ber politischen, fonbern auch ber gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung ift."

Eine geheime Konferenz

Währenb nunmehr Abg. £ eb e b o :: r bas Wort ergreift.

Die heutige Yummer umfaßt 12 Seiten, Kegen die Todesstrafe.