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28.6.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 149

Zwettes Blatt

Donnerstag 38. Juni 1906

156. Jahrgang

Erscheint »gNch mit Ausnahme des Sonntag?. J Rotationsdruck und Verlag der vrL-I«sch»

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.Anzeiger viermal wöchenllich beigelegt. Der W B 8 M». WM Hk. H 0 5k. 1 XJ& g W H iK H 11 fT 1 Redaktion. Expedition ».Druckerei r «chulft-.A.

wWflfd}« Landwirt" erscheint monatlich einmal. V |S V V" V K 3zL Nr. 6L Telegr^LLr.: Anzeiger ffiw&ou

General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Stockwerke haben. Eine UntertcUeriuig fei Drin genD not­wendig. auch wenn sie nur 1,90 Meter hoch fei; die Treppe brauche nicht viel Raum wegzpnehnicn. As Baumaterial olle man nicht immer Backsteine nehmen, sondern das Material, das sich in der Nähe findet. Zu den Fenster­umrahmungen könne man Holz verwenden, und Gesimse könnten in vielen Fällen weggelassen werden. Anstatt der Anbringung architektonischen Schmuckes sollte mehr Ge­wicht aus schöne Gruppierung und namentlich aus die For­mierung des Daches gelegt werden, durch das dem Hause, vielfach sein Charakter ausgesetzt werde. Die moderne Bau­kunst strebe zu sehr danach, schöne Einzelbilder zu schaffen^ anstatt das einzelne Gebäude der Umgebung und dem Ge- amtcharakter anzupassen. Das Ergebnis der vom Zentral­verein veranstalteten wonlurren&entroürfc für Arbeiter­wohnungen sei sehr erfreulich. Redner geht nun auf eine Kritik der im Saal ausgestellten Entwürfe über und emj pfiehlt ihr eifriges Studium. Dagegen weist Redner auf ein Bauprojekt hin, das trotz aller Vorstellungen und Ermahn» ungen in Butzbach, der historisch-schönen und an Bau­denkmälern interessanten SwDt zur Ausführung kommen solle. Alle Bemühungen, diesen monströsen Fremdkörper von Butzbach fern zu halten, seien gescheitert, das Dmg solle mit allen seinen Geschmacklosigkeiten verwirklicht werden. (Die nähere Vorzeigung der betreffenden Bau­zeichnung rief im Saale allgemeine Heiterkeit hervor.) Eine besondere Tat habe dagegen die Firma E. Merck hier getan, indem sie Prof. P ü tz e r hier mit dem Entwurf der Häuser für ihre Arbeiterkolonie beauftragte. Hier werde mit ein­fachen Mitteln wirklich etlvaS Schönes und Mustergiltiges! erreicht werden. Langanhaltender Beifall belohnte diese fesselnden Ausführungen. Der Vortrag soll gedruckt und an alle Interessenten abgegeben werden.

Als Korreferent sprach Architekt Metzendorf-Bens­heim. Er gab zuerst eine kurze Uebersicht über die sozialen Bedürfnisse unserer Zeit und die allgemeine Lage der Arbeiter­verhältnisse in Deutschland. DaS heutige Arbeiterwohnhaus sei noch viel zu teuer, es koste durchschnittlich 56000 Mk., wozu noch 700 Mk. für die innere Einrichtung gerechnet werden müßten. Da müßten also durchschnittlich 350 bis 400 Mk. jährlich für Bestreitung der Wohnung rc. aufgebracht werden; in England dagegen würden schon Arbeiterwohnungen für etwa 2500 Bit. errichtet. Um die Häuser auch in Deutsch­land billiger zu bauen, sollten künstlerische Ausschmückungen beschränkt und ein freundlicher Anblick der Häuser durch ge­schickte Jarbenzusammenstellung und Gruppierung erreicht werden. Die Konstruktion müsse einfach sein, die lichte Stock- werkshähe braucht nur 2.60 bis 2.80 Mk. zu betragen. Man könnte auch aufgebaute Kniestücke vermeiden und große Wand­schränke mit einbauen, um an der inneren Einrichtung zu sparen. Das Material sollte möglichst in natürlichem Zustand verwendet und als Dachmaterial Ziegel oder Schiefer benutzt werden. Viel würde ja durch die Errichtung von Zwei- oder Dreifamilienwohnungen erspart werden, doch bleibt das Einfamilienhaus immer das ideale. Auch diesem Redner wurde reicher Beifall zuteil.

Negierungsbaumeister Hecker- Düsseldorf beglückwünschte noch namens des Rheinischen Vereins zur Förderung des Arbeiterwohnungswescns den Zentralverein zu seinem Vor­gehen, während Landesmohnungsinspektor Gretzschel auf eine Anfrage des Herrn Winn-Gießen erwiderte, daß auf Wunsch weitere Vorträge gehalten und Ausstellungen von Plänen arrangiert werden würden.

aus:

Unser heutiges Bauwesen hat gegen früher einen ganz anderen Charakter angenommen. Man baute früher ein- heitllcher, stilvoller, den Bedürfnissen entsprechend, hatte eine natürliche Baukunst, wahrend sich heute nur überall das Gekünstelte zeigt. Aus dem natürlich emporgewq^hsenen Baum ist heute eine Treibhauspflanze geworden; man sieht nur noch polizeilich kommandierte lange Häuserreihen, die schablonenhaft das Gesamtbild beherrschen. An die Stelle eigen ausgeführter Ideen sei die Schablone getreten, ftatt der früheren Handarbeit und Handfertigkeit beherrsche jetzt die Maschinenarbeit auch oft das Aeußere eines Bauwerks. Das Künstlerische der früheren Zeit sei durch das Gekünstelte ersetzt worden. Das liege ja auch so im Zuge der Zeit und des ganzen hastenden Lebens. In England sei man schon seit 25 Jahren auf dein Gebiete des Wohnungswesens praktischer zu Werke gegangen, dort sei das einfache, ge­schmackvolle Arbeiterhaus heute schon sozusagen Gemein­gut. In Deutschland hätten sich die Baukünstler viel zu wenig mit der praktischen Ausführung von Arbeiter-Fa- milienhäusern beschäftigt, sie könnten in dieser Beziehung viel von England lernen. Allmählich habe sich aber auch bei uns eine Wendung zum Besseren vollzogen, wie die Arbeits- villen-Än lagen einer Anzahl großer deutscher Etablisfements beweise, und so dürfe man auch in Deutschland den Anbruch einer Morgenröte auf diesem Gebiete erhoffen. Auf die Erbauung von Arbeiterhäusern im Speziellen eingehend, bezeichnet der Redner vier Grundprinzipien als erforder­lich Zweckmäßigkeit, Dauerhaftigkeit, Schönheit und Billig­keit Dazm gehöre in 1. Linie eine entsprechende Raum­bildung:" wir hätten leider zu wenig Raumkunstler in unserem Berufsleben, die behagliche Räume zu schaffen ver­stehen Es werde an unseren Lehranstalten noch viel zu wenig Wert darauf gelegt. Da es schwer sei, hohe Raume behaglich zu gestalten, sollten Arbeiterhäuser mehr niedrige

politifd?c Tage-schan.

Raffenkriege.

General oon Trotha hat bei der ihm zu Ehren ge­gebenen Abschiedsfeier eine Rede gehalten, die in verschiedener Hinsicht interessant erscheint. Vor allem liegt darin ein offenes Bekenntnis, ausgesprochen von einem rauhen Kriegsmann, der den Säbel besser zu handhaben weiß, als die Kunst der Rede, und der deshalb keine Flausen macht. Kurz und trocken sagt er herails, daß wir in Afrika vor dem Beginn eines großen Rassekampfes stehen, an dem alle weißen Rationen interessiert sind, die sich anschicken, das Erbe der Schwarzen zu ancfticren. Es wird also noch viel Blut und Schweiß kosten, ehe mir unsere Kolonien als einen gesicherten Besitz betrachten können; mit diesem Gedanken müssen wir uns vertraut machen. Die Uebervölkerung Europas braucht aber immer neue Abflüsse, und wenn auch für viele Jahrzehnte hindurch wohl noch Platz genug in Amerika fein wird für die europäischen Auswanderer, so ist doch auch hier fein vollkommen unbeschränktes Gebiet. Deshalb wird sich der Strom der Emigranten nach und nach immer stärker auch nach Afrika wenden und schon lange hat der große Vernichtungskrieg gegen die schwarze Rasse begonnen. Ge­nau so wie in Nordamerika wird sich auch in 9(frifa die Interessensolidarität der Weißen mit zwingender Notwendig­keit Herausstellen, und umgekehrt erzeugt sich daraus als Gegendruck der Zusammenschluß der Negerraffen. Angesichts solcher Aussichten wäre es unklug von Deutschland, wenn es seine Kolonialpolitik nicht mit aller Rücksichtslosigkeit durch­führen wollte und vor weiteren Kämpfen gegen die Schwarzen zurückstände. Wenn wir uns ausschließen, Dann besorgen die Engländer, Franzosen, Italiener und Amerikaner allein die Blutarbeit und stecken bann unsere afrikanischen Besitzungen auch mit in die Tasche.

Eine neue Flottenvorlage?

DieVoss. Ztg." behauptet in einem längeren Leit­artikel, daß der Staatssekretär v. Tirpitz die jetzt ver­schiedentlich für den H e r b st angekündigte neue Flotten­vorlage nicht mehr vor dem Reichstage vertreten werde. Er sei beim Kaiser völlig in Ungnade gefallen. Bei der letzten Vorlage habe er lange nicht genug ge­fordert. Dagegen erklärt dieNat.-Ztg." in der Lage zu sein, an ihrem kategorischen Dementi dieser Ausstreuungen durchaus festzuhalten. Von noch anderer Seite wird hin- gewiefen auf die Möglichkeit einer Reichstagsauf- 1 ö f u n g und von Neuwahlen unter der Flotten- parole, Dürfte sich doch der Reichstag kurz vor Be­endigung der Legislaturperiode kaum noch bereit finden lassen zu neuen Schiffsbewilligungen.

Demgegenüber ist zu bemerken, daß bei Neuwahlen im Jahre 1907 die Flottenparole nach menschlicher Voraus- sicht nicht zugkräftiger fein würde, als im Jahre 1908 bei der regelmäßigen Erneuerung des Parlaments. Sollten die leitenden Perfönlichkeiten des Flottenvereins anderer Meinung sein und mit ihrem Urteil an maßgebender Stelle durchdringen, so wäre ihnen eine herbe Enttäuschung ziemlich sicher. Die große Majorität des Volkes ist durch­aus einverstanden mit Der auf Ersparnisse abzielenden Taktik der gegenwärtigen ReichstagSmehrheit. Sie ist es ganz besonders im Hinblick auf die ständig steigen­den Kosten der Kolonialpolitik, für die ja be­reits im nächsten Winter der Reichstag neue Millio­nen wird bewilligen sollen. Es würde sich also auch die Rechnung der Herren vom Flottenverein als unzutreffend erweisen, die eine beschleunigte Stellung der Flottonfrage an das Volk, ehe ein weiteres Jahr die Kolonialkosten wiederum anschtoellen macht, für angezeigt erachtet. Die sichere Wirkung des Hindrängens auf vorzeitige Neuwahlen wäre nach alledem eine innerpolitische Krisis, zu der aber Fürst Bülow niemals die Hand bieten wird, da von ihm bekannt ist, daß er solche Krisen grundsätzlich zu vermeiden trachtet. Andererseits hat der Kaiser dieser Tage in einer Rede dem Reichskanzler ein so unumwun­denes Vertrauensvotum erteilt, daß erwartet werden darf, Fürst Bülow werde noch hinreichend lange und nachdrücklich seinen Einfluß geltend machen können für das ungestörte Zusammenarbeiten zwischen Regierung und Vollsvertretung.

Mit Hilfe Deutschlands.

Auf die Mitwirkung des deutschen Geld­marktes bei RentenkonVersionen wird zur- zeit von yuti Seiten gerechnet. .Einmal von Italien Es heißt, der Minyterprasrdent Gkohtti warte nur noch das Ergebnis der Pariser Reise des bekannten Nnanzpolitikers Lnzzaü ab, um dieses nr die tmrtschastliche Wohtsahrt Italiens b-dentnngsvolle Unternehmen Ünrch- sufifiten Es wird sich bei dieser Gelegenhert zeigen, ob das seit mehreren Jahren bestehende leise Mißtrauen des deutschen Kapitals S°g«nuber Jtalren geschwunden ift. Selbstverständlich würde ine Hüse des deutschen Geldmarktes Italien »u Dan! verpflichten, der dann hoffentlich mch! nur in Worten znm Lusdrnck kommt. Des weiteren wünscht Bulgarien mit Unterstützung durch die deutsche Hoch­finanz den Zinsfuß seiner siinfprozentrgen Mlechen herab- useken nachdem das Geschäft Mit der franzostschen Banken- qrnvp7'an dem zu niedrigen Angebot von 82 Prvz für hie neue Anleihe gescheiten ist. Hier mußte deutscherseits verschärfte Vorsicht obwalten, Denn Bulgarien bleibt trotz feinet wirtschaftlichen Aufschwunges ein Politisch unter­nehmungslustiger Balkanstaat.

Die Königin-Witwe von Italien über Frauen-Emanzipation

Die Königin Margherita von Italien i|t offensichtlich nicht auf Seite derer, die fortgeschrittenen Theorien über die /Rechte der Fran" hnldigen. In einem Interview, das von Der englischen WochenschriftGentlewoman- veröffentlicht wird, spricht sie ihre Meinnng hierüber denn auch sehr unzwet-

^Ich bin eine absolute Gegnerin aller mit der Emanzipation der Frauen in Verbindung gebrachten extravaganten Theorien,

Major v. Zauder und Genossen vor den Geschworenen. (Unberechtigter Nachdruck verboten.)

tz.F. Breslau, 26. Juni.

(Achter Tag der Verhandlung.)

Der erste heute zur Verhandlung gekommene Betrugs- fall betrifft Entnahme von Ki n d er g ar d er o b e bei Ar­nold Mütter in Berlin. Angell, v. Zander bemerkt, daß ihm von dieser Bestettung nichts bekannt sei-. Er hatte int Jahre 1902 zwei Knaben und ein Mädchen. Die Kinder; kamen fast gar nicht in die Stadt.

Cs gelangt darauf ein zweiter bei F. Al Schumann! in Berlin auf Borg entnommener, sehrgroßerPosten von Porzellan und Glaswaren aller Art, dar­unter mehrere Kinderservicc, zur Verhandlung. Kaufmann Schumann-Berlin bekundet als Zeuge: Major v. Zander fei, nachdem er gemahnt war, nach Berlin gekommen und habe gebeten, die von feiner Frau gekauften Sachen, da sie a b - folut nicht gebraucht werden, zurückzunehmen.

Borg bei der Firma Besas in Breslau.

Bei Besas in Breslau wurden zahlreiche goldene! Schmuckgegenstände entliehen.

Bei Lucke in Magdeburg hat die Angeklagte eine kost­bare Brillantbrosche entliehen, v. Zander: Er habe die Brosche, sowie atte anderen von seiner Frau ent­liehenen Sachen, sobald er davon Kenntnis erlangte, zurück­gesandt. _ c

Bei Herz u. Ehrlich in Breslau habe ,yrau v. Zander eine große Zahl Hausgeräte aller Art für meh­rere hundert Mark gekauft, v. Zander: Auch diese Sachen mären vollständig unnötig, wir hatten eine voll­ständige Kücheneinrichtung. Trotzdem habe ich mehrere hundert Mark von Gnesen nach Breslau^ als Abschlags­zahlung gesandt. Frau v. Zander: Tie Zachen brauchten wir. Wir hatten wohl eine Kücheneinrichtung in Gnesen, diese paßte aber nicht für das Schloß Schmoegerle; sie war auch in feiner Weife ausreichend. Kaufmann Eugen Ehrlich- Breslau bekundet als Zeuge: Die Bestellung bei feiner Firma habe Frau Major v. Zander gemacht. Der Ehe­mann habe ihm mitgeteilt: feine Frau sei etwas geistes­gestört und kaufe alle möglichen Gegenftände, die sie gar nicht ^gebrauchen könne, zusammen, v. Zander habe einige hundert Mark ä Storno bezahlt und gebeten, einen Teil der gekauften Gegenstände zurückzmiehmen. Er habe sich dazu bereit erklärt, die Rücksendung sei aber nicht erfolgt.

Bei Westphal und Reinhold in Berlin habe <yrau von Zander eine große Zahl Bettstellen, Mat/atzen

meinte sie. »In welcher Lebenslage eine Frau sich auch befinden mag, ihre erste Pflicht ist eine negative und diese besteht darin, daß sie sich nicht der Eigenschaften, die ihr Geschlecht auszeichnen, eigenmächtig begibt. Bor allem soll sich die Frau hüten, die Charakter eigenschasten des Mannes nachahmen zu wollen. Nur eine Mischung der althergebrachten weiblichen Zurückhaltung mit moderner Unabhängigkeit kann »ns dem .Ideal einer Frau" naher- bringen." Tie Königin Margherita ist von der Notwendigkeit großer Familien überzeugt. .Wie anberd kann eine Nation fort- schreiten, ^uenn die Bevölkerung nicht wächst?" fragt sie. .Eine (tiiberloje Familie ist nichts Ganzes. Jin Kindersegen liegt eine Poesie und ein Pathos, Der jede mit dem Herzen fühlende Frau ansprechen miiß. Tie nieiftcn Frauen fühlen dies auch, selbst ivenn sie es nicht in Worte kleiden können. Sie besitzen den mütterlichen ^Instinkt, der den Raffeiiseldstmorb erfolgreich verhindert."Tie <jiouen," fahrt die Königin weiter fort, .beweisen ihre Intelligenz blirch baS fMufbiingcn gesunder nnb bedeutender Kinder gerade so gut, als wenn sie Bücher schreiben oder Bilder malen. Tie Frau, die sich bewußt dagegen sträubt, der Welt Kinder zu schenken, kann moralisch nicht einwandfrei sein. Ich freue mich sehr, daß in den Vereinigten Staaten cme Bewegung zugunsten großer Familien bemerkbar ist, und daß der Präsident selbst sich dafür erklärt hat. Gott fei Tank, beginnen die europäischen Frauen bereits, die ihnen von ihren ainerikanischen Schwestern bargebotcnc Aufklärung zu schätzen."

Iie Jörderung des Kteinwohnungsvaues.

R. B. Darmstadt, 27. Juni.

Der hessische Zentralvcrciu für Errichtung billiger Wohnungen, Ern st- Ludwig-Verein, hielt im städtischen Saalbau seine Hauptversamm­lung ab, die außerordentlich zahlreich aus allen Teilen des Landes besucht war. Wir bemerkten u. a. die Ministerial­räte Frhr. v. Biegelebcn, Dr. Süsscrt und Dr. Usinger, fast sämtliche hessischen Kreisrätc, viele Ortsvorstindc usw.

Präsident Frhr. Hcylzu Herrnsheim eröffnete die Versammlung und führte aus, man dürfe wohl sagen, daß Hessen auf dem Gebiet der Wohnungsfürsorge an der Spitze der deutschen Staaten marschiere und in Presse, Literatur und Reichstag roarme Worte der Anerkennung ge­funden habe. Bezüglich der Vermehrung und Verbesserung der Wohnungen ist der Verein nach allen Richtungen hin praktisch tätig gewesen; doch lasse die Vermehrung der Zahl der Wohnungen noch zu wünschen übrig. Es konnten von den Landesversicherungsanstalten in Deutschland 153 Millionen für gemeinnützige Wohnungsbauten und die Hebung des Wohnungswesens in wenigen Jahren bewilligt werden. Die Landesversichcrungsanstalt in Hessen hat 4i/2 Millionen für Wohnungsgelder aufgewendet. Die Regier­ung hat unsere Bestrebungen in jeder Weise zu fördern gesucht. Erfreulich ist, daß auch Sparkassen, lvie Mainz, Gießen, Friedberg, Heppenheim, Nidda, Schotten, die Bestrebungen unterstützt haben. Dagegen wurden von der Landeskreditkasse nur 81000 Mk. ausgewendet. Es ist jetzt von beiden Kammern der Beschluß gefaßt worden, die Be­stimmung aus Dem Wohnuugsgesctz zu streichen, Daß Die GemeinDen Die Vermittlung Der Uebertragung von Bau- gelDern zu übernehmen haben. In VerbinDung mit Der Wohnungsfürsorge stehe auch Die Fürsorge für Die 1800000 Heimarbeiter, Die wir in Deutschland besitzen. Hier sei eine einheitliche Staatskontrolle erforderlich utiD Die Eng- länDer hätten fchoii l.ingst Mittel unD Wege Dafür gefunden. Der ReDner weist Dann noch auf Die vorbilDliche Tätigkeit Des Geh. Oberbaurats Hofmann hin. Der sich schon vor Jahren Der Frage Der Wohnungsverbesferung angenommen unD Dessen Bestrebungen in ganz DeutschlanD Beachtung gesunden haben. Den Kassenbericht brachte Landeswohnungs- inspektor Gretzschel zum Vortrag. Die Ausgaben be­trugen 14 884 Mk., Die Einnahmen 21400 Mk.; ferner tour- Den noch 1200 Mk. für verkaufte Pläne gelöst, soDaß sich am 1. Januar 1906 ein KaffenbestanD von 7715 Mk. ergab. Bei Der Neuwahl von VorstanDsmitglieDem wurDcn Die statutenmäßig Ausscheidenden, Oberbürgermeister Köhler- Worms unD Stadtv. Wolf s kehl-DarmstaDt, wiederge- wählt; an Stelle Des verstorbenen Oberbürgermeisters Dr. Gaßner wurDe Oberbürgermeister Dr. Gottelmann- Mainz gewählt.

An Die geschäftlichen VerhanDlungen schlossen sich zwei Borträge an über Das Thema:

Die ästhetische und praktische Ausgestaltung des Kleinwohnuugs Hauses.

Geh. Oberbaurat Pros. H o f m a n n - DarmstaDt führte