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Nr. 178 Zweites Blatt L8T. Jahrgang , , Donnerstag 26. Juli 1SO6
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>Anze,ger viermal wöchentlich beigelegt. Der U K WL, Ol. 0 K Ä. % ß[ » «k_, HS UM Vh< W Redaktion,Expedition «.Druckerei: Schulftr.U.
«yeflifch« tandvirt-ericheint monatlich einmal. v ~ |J " ” " Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Ließ«,
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehe».
Kckanntmachllng.
Betr.; Rauschbrand zu Kolnhausen bei Lich.
Bei einem Schaf und einem Hammel der Fürstlichen Gutsverwaltung zu Kolnhausen bei Lich ist Rauschbrand festgestellt und Sperre verhängt worden.
Gießen, den 23. Juli 1906.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. 23.: Dr. Wörn er. - ■
Kaiser Wilhelm in Aalesrmd.
Aalesund, 25. Juli.
Der Deutsche Kaiser ist heute vor Aalesund eingetroffen. Er wurde durch den Bürgermeister, die Stadtbehörden, den Pfarrer und den deutschen Konsul begrüßt. Der Vorsitzende des Stadtrates hielt eine Ansprache, in der er der unauslöschlichen Dankbarkeit der Stadt für die Hilfe, die der Kaiser der durch. Brau dun glück vor 21/., Jahren so schwer geschädigten Bevölkerung zuteil werden ließ, Ausdruck gab und mit einem Hoch auf den Kaiser schloß. .. , „ e
Der Kaiser dankte für den :hm beredeten Empfang und für die freundliche Ansprache. Es sei ihm Herzens- bedürfnis, auLzusprechen, wie lieb ihm Norwegen sei, an besten gastlichen Gestaden er alljährlich Ruhe und Erholung von der Last der Arbeit fände. Schon bei seinem Besuche vor zwei Jahren habe er den Eindruck gewonnen, daß die Bevölkerung Aalesunds in festem Gottoertrauen und froher Zuversicht in die Zukunft sich in angestrengter Arbeit und mit Anspannrmg aller Kräfte an den Wiederaufbau der Stadt machen werde. Hierin habe er sich nicht getauscht, denn in der kurzen Frist von zwei Jahren sei die Stadt aus der Asche neu erstanden. In Norwegen fühle er sich als Gast des Königs Haakon, welchem die Bevölkerung Aalesunds vor kurzem ihre Huldigungen hätte darbringen können und der es an väterlicher Fürsorge für die Stadt niemals fehlen lasten werde. Der Kaiser schloß mit einem dreifachen Hurra auf König Haakon.
Alsdann wurde eine Rundfahrt durch die neuen Teile -er Stadt unternommen und nach einstündigem Aufenthalt die Reise nach dem Geiranger-Fjord fortgesetzt.
Politische Lage-scharr.
Die „Auslaodstruppe".
Nachdem der Große Generalstab auf Grund der Erfahrungen im südwesttafrikanischen Feldzug zu dec Ueberzeugung gekommen ist, die Bildung einer stehenden Kolonialtruppe sei unumgänglich, dürfte schon für bie nächste Session mit einer entsprechenden Vorlage an den Reichstag zu rechnen sein. Das Berliner Organ der Zentrumspartei, die ,Germania-, bezeichnet als wünschenswert, daß im Rahmen des bestehenden Militäretats etwa zwei Reiterregimenter als Kolonialtruppe ausgebildet werden. Von einer derartigen „Schwächung- der Armee wollen nun aber die Äerufsmilitärs nichts wissen, sie fordern die Errichtung einer besonderen „Auslandstruppe", die aus Dreijährig-Freiwilligen zu bilden, in der Heimat zu stationieren und im Falle eines europäischen Krieges — bei ruhigen Zuständen in den Kolonien — zur Küstenverteibigung heranzuziehen -fein würde. Es bedarf keines besonderen Scharfsinnes, um sich darüber klar zu werden, daß sich die Regienmg zu einer Aenderung der bestehenden Heeresformation, d. h. zu einer Umwandlung von Reiterregimentern in eine Kolvnialbrigade, nicht verstehen wird. Denn sie erachtet bas, was ihr der Reichstag an Kavallerie bewilligte, knapp für ausreichend, um der Reiterwaffe in der Organisation der 'Armee die erforderliche Geltung zu verschaffen. Sie wirb also nicht ein einziges Kavallerie-Regiment entbehren wollen. Die „Auslandstruppe- dürfte danach durch Spezialg-setz vom Reichstag gefordert und als besondere Formation gebildet werben.
Laut telegraphischen Meldungen aus Windhuk wurde aus einem Patrouillenritt bei Garunarub am 21. Juli der LeutnantBlock von der 4. Kolonne-Abteilung durch einen Bauch stich schwer verwundet. Der Reiter Voß derselben Patrouille fiel. Er hatte gleichzeitig Kopf-, Hals- und Brpst- wunden erhalten.
*
Nationale Würdelosigkeit.
Während der Engländer sich im Verkehr mit dem Auslände rücksichtslos seiner Muttersprache bedient, sind die Deutschen in dieser Hinsicht von einer Zuvorkommen- Heit, die sehr oft an nationale Würdelosigkeit grenzt, ja eS in manchen Fällen auch tatsächlich ist. Was soll man beispielsweise dazu sagen, wenn reichsdeutsche Firmen nach B>öhmen tschechische, rmd nach Ungarn magyarische Offerten richten? Aber dem Kaufmannsstande, bet hart mit der Konkurrenz zu ringen hat, kann man solche Entgleisungen weniger zum Vorwurfe machen, als den anderen Ständen, die eS wahrlich nicht notwendig haben, ihre deutsche Muttersprache zu verleugnen. So wurde neulich in London der 7. internationale Architektentag eröffnet. Jede Delegation erwählte einen Sprecher, der den Kongreß im Namen seines Vaterlandes begrüßte. Diese Ansprachen durften nur deutsch, englisch, französisch und italienisch gehalten werden. Während der österreichisch-ungarische (1) Vertreter sich der deutschen Sprache bediente, hielt der deutsche Herr H. MnthesiuL seine Begrüßungsrede in englischer Sprache! Man sollte eS nicht für möglich halten, daß ein Deutscher so wenig Nationalbewußtsein haben kann! Wenn er mit seinem schlechten Englisch (sein in Aussprache und Satzkonstruktion schauderhaft unenglifcher Speach erregte verhaltene Heiterkeit unter den Engländern der Versammlung)
vor einem ausschließlich aus Britten bestehenden Publikum paradiert hätte, so könnte man dagegen nichts einzuwenden haben, aber in einer international bunt gemischten Gesellschaft nicht in seiner Muttersprache eine offizielle Rede zu halten, das ist wirklich ein starkes Stück nationaler Würdelosigkeit. Was werden sich die Repräsentanten der anderen Staaten von einem solchen Deutschen wohl gedacht haben? Nicht zuletzt ist eS auch unsere Lauheit in nationalen Dingen, die viel dazu beigetragen hat, daß das Deutsche Reich in seiner auswärtigen Politik bei weitem nicht mehr mit jener Lichtung behandelt wird, wie zu Bismarcks Zeiten!
* *
„Ballinleben".
Neuerdings finden wir in einem Blatte mit Bezug auf eine vom Direktor der HanGurg-Amerika-Linie, Ballin, ausgegebene Dienstanweisung folgende Bemerkungen:
„S e i n e M a j e st a t Herr Ballinleben. Herr Albert Ballin ist der Freund Wilhelm II. Er gebietet vielen Tausenden, die jedem Wink von ihm — wenn sie ihm nicht gerade mal nebenbei einen Strich durch die Rechnmrg machen — gehorchen. Er ist Großadmiral der größten Handelsflotte der Welt. Fürsten sind seine Gaste und der Deutsche liaiser fahrt ihn auf einer Pinasse höchsteigenpersönltch nach einem Besuche auf der Kaiser-Jacht an Bord seines Schiffes zurück. Was Wiinder, wenn der kleine Jude mit der ordenbesäten Brust schließlich selbst die Allüren eines „Angestammteir" sich aneignet, und wenn er reift wie ein echter Gottesgnadenmann."
Und wo stand dies zu lesen? Natürlich in der „VolkS- zvacht", so antwortet man. Sehr richtig, aber nicht in dem Friedberger, unfreiwilligen Witzblättchen der Herren Hirschel, Wolff 2c., sondern in der Breslauer sozialdemokratischen „Volksmacht-!
Die Wahlreform m Oesterreich.
Der Wahlreformausschuß hat jetzt erfreulicherweise die gefährliche Klippe der Mandatsverteilung für Böhmen umschifft, ohne daß es ztt der drohenden Mmisterkrisis gekommen wäre, und so dürste denn das schwierige Werk einer auf breiterer Basis als bisher aufgebauten Wahlreform für Oesterreich soweit vollendet sein, daß da§ Plenum des Abgeordnetenhauses nur Ja und Amen zu sagen braucht. Denn in Oesterreich wird bekanntlich die innere Politik stets hinter den Kulissen gemacht, und wenn eine Vorlage vor da§ Hans selbst kommt, so weiß man schon ziemlich genau, wer dafür und wer dagegen votieren wird. ES dürfte also jetzt nicht uninteressant fein, ein ungefähres Bild von den Veränderungen zu geben, welche die Wahlreform im österreichischen Abgeordnetenhause Hervorrufen wird. Gegenwärtig zählt der Neichsrat 425 Mitglieder, im neuen Hause wird er 516 umfassen. Jetzt sitzen im Parlamente 202 Deutsche, 88 Tschechen, 73 Polen, 16 Slovenen, 19 Italiener, 10 Nuthenen, 5 Rumänen und 12 Kroaten; im neuen Hause dagegen werden die einzelnen Nationalitäten stark sein: ca. 230 Deutsche, 109 Tschechen, 82 Polen, 25 Slovenen, 19 Italiener, 33 Nuthenen, 5 Rumänen und 13 Kroaten. Demnach hat sich die Zahl der derttschen Mandate um 28, der tschechischen um 21, der polnischen uni 9, der slooenischen um 9, der ruthenischen um 23 und der kroatischen um 1 erhöht. Mithin beträgt also die Erhöhung der slavischen Mandate überhaupt 63, die der deutschen im ganzen nur 28! Dieses Verhältnis verbessert sich jedoch dadurch, daß die von der polnischen Schlachta durch Jahrhunderte unterdrückten Nuthenen mit ihren Sympathien weit mehr aus Seite, der Deutschen als der Slaven stehen; allerdings kommt dagegen wieder in Betracht, daß die Sozialdemokratie, welche im alten Hause kaum ein Dutzend Mandate besitzt, im neuen mindestens doppelt so viel haben wird, und zwar wird diese Vermehrung zun: größten Teile leider auf Kosten deS nationalen Besitzstandes der Deutschen geschehen, denn bei den Tschechen hat sich die nationalsoziale Arbeiterpartei, die durch die radikalen Heißsporne Klovak, Fresl und Genoffen repräsentiert, wird als ein überaus wirksamer Damm gegen die rote Internationale erwiesen.
Russische NeruhigungsnachrichLen.
„Der Zar sieht außergewöhnlich frisch und munter ans. Die Auflösung der Duma erregt in ihm keinerlei Besorgnisse." So hat ein vom Zaren- hof kommender Gewährsmann einem Petersburger Korrespondenten versichert. Da die russische Negierlmg eine so starke Zuversicht zur Schau trägt, daß die „Niesen des Gedankens" mit dem Volksumvillen ohne große Mühe fertig werden, so mag eS schon so sein, daß Nikolaus II. eine heitere und siegesgewisse Miene zeigt. Die russische Telegraphenagentur entsendet eine beruhigende Nachricht nach der andern in die Welt. Kaum irgendivo wird die Nahe ernstlich gestört, und wo sich der Versuch einer Bewegung regt, da entfalten die Behörden sofort eine nachdrückliche Tätigkeit. So wird heute offiziös aus Petersburg gemeldet:
In den Arbeitervierteln her-rscht Ruhe. In einer großen Versammlung von Arbeitern der Pudikowschen Fabriken gelang es nach erregten Debatten den gemäßigten Elementen, den Heiß- fvornen von der Neranftaltung eines allgemeinen Aufstandes abjuraten. Andere Versammlungen verliefen gleich- allL ruhig. Die Tendenz, eine a b roa r t e n de Po litit zu befolgen, ist vorherrschend. Vertreter der äußersten Linken sprachen sich m dem Sinne aus, daß ein Ausstand gegenwärtig ii ich t zweckmäßig sei. Tie Zahl der sämtlichen Ausständigen in Petersburg beläßt auf 7000. Das Zentral-Ai.sstandSkomUee hat an alle Fabriken eine Bekanntmachung versandt, daß es notwendig sei, sich deS p o l i t i s ch e n A u sstandeS zu e n t- halten. Eine ähnliche Bekanntmachung wird auch den Eisenbahnerverbänden zugestellt werden.
Ju diese Kategorie fällt auch die heutige Moskauer Meldung der offiziösen „Peterb. Telegr.-Ag.-, eine Konferenz von Angehörigen der extremen Parteren habe sich gegen den Streik ausgesprochen. Elgentümttch berührt nn
Vergleich damit die Meldung desselben offiziösen Bureaus,, daß in Moskau zahlreiche Verhaftungen vorgenommen wurden. ES verlaute, „die revolutionäre Organisation sei völlig vernichtet. Die Führer der Organisation im Heere sind verhaftet. Die Werkstätte, in der die Bomben hergestellt wurden, ist entdeckt.-
Man muß sich erinnern, daß noch vor der Auflösung der Duma in Moskau von einem außerordentlich stark beuchten Kongreß mit überwältigender Mehrheit der allgemeine Ausstand zum Beschluß erhoben worden ist. ES ist klar, daß der Generalstreik nicht von einem Tag zum andern sich ins Werk setzen läßt, ober daß er kommt, ist jedenfalls wahr- cheinlicher, als daß er unterbleibt.
Die russische Regierung hat gegenwärtig ein besonderes Interesse daran, Beruhigungstelegramme zu verschicken, um den Kurs der russischen Werte nicht ins Bodenlose fallen zu kaffen. Die Börse glaubt denn auch, waS sie wünscht, und begrüßt jede neue hoffnungsvolle und schönfärbende Depesche mit Genugtuung. In Berlin kam — wie man uns von dort schreibt — die Beunruhigung auf der Börse am Mittwoch anfangs umsomehr zur Geltung, als die befürchteten Provinzverkäuse für Ruffen nicht eintrafen — im Gegenteil, es kamen Kaufaufträge für Prioritäten und 4V2 Prozent. Anleihen. Das Geschäft war zum Teil recht lebhaft, nur die Spekulation zeigte einige Zurückhaltung. Banken waren etwas^ höher, Russische Bank stieg 2 Proz.
Wir möchten davor warnen, den so rasch prücfge» ’ kehrten Optimismus zu teilen. Von einer Beruhigung isi Rußland vielleicht mehr denn je entfernt. Es ist*undenkbar, daß die Auflösung der Duma spurlos oorübergehen wird. Für Oktober sagen die aus London abgereisten Duma-Mit- glieder eine Revolution unter Beteiligung deS Heeres und der Flotte voraus. DaS ist wohl nicht zu kühn prophezeit. ,
Die Ereignisse und ihre Konsequenzen scheinen einem Manne Recht zu geben, der wegen seiner öffentlich bekundeten pessimistischen Beurteilung der Zukunft Rußlands lebhaft angegriffen wurde: dem Negierungsrat Martin. Im Einklang mit seiner Prophezeiung steht der andauernde Kursrückgang der russischen Staatsrente von 1902, die sich an der Berliner Börse bereits auf den Satz von 70 pCt. herunterentwickelt hat. Martin ist nun der Meinung, daß der eigentliche Tiefstand damit noch keineswegs erreicht ist; er sagt einen bis Ende nächsten Jahres zu gewärtigenden weiteren Kursverlüst von 20 pCt. voraus und steht nicht an, in einem in der Wiener „N. Fr. Pr.- veröffentlichten Artikel eS als sicher zu bezeichnen, daß Rußland in etwa drei Jahren gezwungen sein werde, die Zinszahlung ganz ein* zu stellen.
An eine so weitgehende Zerrüttung der russischen Staats» sinanzen glauben wir denn doch nicht, schon aus dem Grunde nicht, weil die internationale Hochfinanz es dahin nicht kommen lassen kann. Frankreich, das Land der Rentner, wäre dem Ruin nahegebracht, wenn die Zinsscheine der russischen Fonds nicht mehr eingelöst würden, und das zu verhüten, würde nicht nur die französische, sondern auch die englische Finanzwelt sicherlich die energischsten Anstrengungen machen, denn England kann nicht ein volkswirtschaftlich aktionsunfähiges Frankreich in seine politischen Berechnungen einstellen. Martin übersieht wohl auch das russische KriegSentschädigungS* guthaben von 500 Millionen gegenüber der Türkei. An dessen Rückzahlung durch die ständig in Geldnöten befindliche Pforte ist freilich kaum zu denken, aber einer Beleihung dieses Guthabens steht zu keiner Zett irgend etwas im Wege, und die derart flüssig zu machenden Millionen dürften hinreichen, die Zinszahlung ter russischen Anleihen auf Jahre hinaus sicherzustellen. Martin greift also wohl fehl zum mindesten in seiner Geneigtheit, das mit Naturschätzen gesegnete Niesenreich in seiner staatswirtschaftlichen Entwicklung mit Griechenland und Portugal auf eine Stufe zu stellen.
Die Gerüchte, daß die preußische Seehandlung es ablehne, für die Folge russische Werte als Unterlage gegen Lombard anzunehmen, haben außerordentliche Aufregung in interessierten Kreisen verursacht. Wiederholt mußten diese Gerüchte dementiert werden, auch durch das offiziöse Wolff'sche Depeschenbureau. Die Ursache der Nachricht tarn daher, daß die Seehandlung recht bebeutenbe Beträge der verschiedensten russischen Wertpapiere als Lombard-Unterpfand besitzt und diesen Besitz in so kritischer Zeit nicht noch weiter ausdehnen wollte. Sie gab ihrem ßombarboerniittler die Weisung, bei weiteren Abschlüssen in Lombarddarlehen die fernere Annahme russischer Wertpapiere nach Möglichkeit zu vermeiden. Dec Vermittler mag nun wahrscheinlich gesagt haben, die See- Handlung lombardiere Nuffen nicht mehr und wer weiß, wie überaus schnell derartige Nachrichten ihren Weg durch alle Jntereffentenkreise machen, unter Umständen dazu noch auf- gebauscht werden, dem ist das Entstehen des Gerüchts nicht unbegreiflich.
Anders aber a-lS die offiziösen lauten die privaten Meldungen. Da erfährt man:
Der Petersburger StabettenHub wurde auf Befehl der Polizei geschlossen. Trotzdem hielten die Kadetten in verschiedenen Lokalen Teilvcrsammlungen ab. Die Eisenbahn- angestellten, Sozialisten, Revolutionäre und Bauern haben kn einer Versammlung Schritte beraten, um Mittel und! Wege zu finden, der jetzigen Lage ein Ende zu bereiten. Die Zeitungen werden meist beschlagnahmt und unter der Hand verkauft. In Petersburg wurden gegen hundert Verhaftungen vorgenommcn. Tw Arbeiter warten auf das Signal zum allgemeinen Ausstand, das bald gegeben werden durfte.
Stolypin sucht mit den gemäßigten Parteien des Landes in Fühlung zu kommen und bot den liberalen Duma-Abgg. Graf Heyden und' Stachowitsch 2Kt-


