Drittes Blatt
Nr. 71
erscheint M-Vch mit CufttnW deS ©tmntogl.
Die ^Siebener Lamllienblätter- werden dem ,3nAmQeT tnermai wöchentlich beiqeleql. Der CaiOwUr erschetnt monatltd) etnmaL
Samstag 34. März 1906
156. Jahrgang
eiter Anzeiger
Stotattontonicf tmh Verlag der «rühfsck-M UntocrfiüiiSbmcferd. ÖL Lauge, Ste^au
Redaktion, Exveditton a. Druckerei: 5d)ufftt.t, Tel. Nr. ÖL Tel eg r^ Adr.; Un-etgtt tiutmu
General-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt str den Kreis Eichen.
setzt sich
die
Zahl 604 au« folgenden Gruppen zusammen:
60—70
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46
82
'atarrh und Atrophie
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104
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Acwegung der Bevölkerung in der Stadt Gietzen,
insbesondere die Todesfälle und der Gesundheitszustand im Jahre 1905.
3m Jahre 1905 sind in der Stadt Gießen lebend geboren worden: 670 eheliche und 295 uneheliche Kinder, zusammen 965 gegen 1010 im Jahre 1904; es kommen hiervon rund 400 Kinder als Zuwachs zu der Bevölkerung nicht in Betracht, weil sie, in der Frauenklinik als Kinder fremder Mütter geboren, die Stadt alsbald wieder verkästen. Dre Gcburtsziffer läßt sich deshalb nicht genau feststellen, sie betrügt bei Annahme einer Einwohnerzahl von 28 500 für die JahreSmitte rund 20Kinder auf 1000 Einwohner. Tot- geboren wurden 24 eheliche und 8 uneheliche, zusammen
nhre 1904; 12,40°/«,.
ES ist deachtensivert, daß im ManneSalter zwischen 15 Und 60 Jahren hier wesentlich mehr Fremde als Einheimische gestorben sind. Da die Zahl der ersteren und ihre zum Tode führenden Krankheiten dem Zufalle unterworfen und al? sehr wechselnd keine DergleichSobjekte bieten, werden wir bei den Todesursachen nur einzelne interestantere Taten anführen und unserer weiteren Betrachtung nur die Todesfälle der Ortsangehörigen zu Grunde legen.
Bon den 348 Verstorbenen waren 75 oder 21,55 % Kinder im ersten Lebensjahre und 64 = 15,55 °/0 zwischen ] und 15 Jahren, zusammen 36,5 % Kinder; die Säuglingssterblichkeit auf die Bevölkerungszahl berechnet, beträgt: 2,63 auf 1000; sie war im Jahre 1904 3,7 "/«>.
Tie 219 Erwachsenen, über 15 Jahre alt gewordenen Personen erreichten ein Durchschnittsalter von 54,84 Jahren.
Die entsprechenden Zahlen der vorausgegangenen Jahre waren, rückwärts von 1904 angeführt: 55,70 — 57,40 — 05,17 — 53,32 — 54,60 — 54,70.
Von den 53 Personen, welche das 70. Lebensjahr überschritten hatten, waren 22 über 80 und 3 über 90 Jahre alt geworden.
Auf die einzelnen JahreSabschnitte verteilen sich die Todesfälle in der Weise, daß die größte Zahl, 43, in den April, die kleinste, 16, in den September fallt; die größte Säuglings- sterblichkeit wurde im August, die kleinste im März mit 2 und September 3 beobachtet; dies Verhältnis entspricht allgemeiner ärztlicher Erfahrung.
Zerlegen wir die Sterbefalle nach einzelnen Krankheiten und Krankheitsgruppen, welche zum Tode geführt haben, so haben wir im Berichtsjahre Todesfälle an Altersschwäche 27 (mi Vorjahre 21) und an angeborener Lebensschwäche bei Kindern im ersten Lebensmonate 15 (15) gezählt; an Wochenbettsieber ist 1 Frau gestorben (1904: 2).
Den akuten Infektionskrankheiten erlagen im Ganzen 26 (16) meist jugendliche Personen, hiervon fallen 19(2) Todesfälle aufMasern, 11 Knaben und 8 Mädchen; von 136 unS gemeldeten Erkrankungen an Diphtherie sind 3 (2 Kinder und 1 Erwachsenes), also 2,2 % der Kranken verstorben. Weitere 7 Diphtherie-Todesfälle betrafen Ortsfremde. An Unterleibstyphus ist im März 1 Person erlegen; 9 Todesfälle außerdem sielen auf Ortsfremde, qroßen-
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Motoren
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dem Vorjahre zurückgegangen: es sind 24 Kuider ini Berichtsjahre (34 tm Jahre 1904) gestorben.
Andere Erkrankungen der Verdauungsorganc hatten 13, Nicrenkrankheiten 8 Todesfälle im Gefolge.
An Krebs und anderen bösartigen Neubildungen sind 2 5 (36) Einheimische und 49 Ortsfremde erlegen. Tie Mittelzahl für Cterbefälle dieser Art war in den leisten 10 Jahren jur Gießen 22,2 oder von 1000 Emwobucrn 8,8
Durch Selbstmord endeten 8 Personen, alle männlichen Geschlechts, und tätlich verunglückt sind 1 Kind ur 3 Erwachsene.
Gießen, im März 1906.
Großh. Kreisg.esundheitsamt Gießen.
Dr. H a b e r k o r n.
AufgLfprrmgene HtMde [
beteiligt überraschend schnell
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gu hab. i. ftff. Nvoihrk., Drog. u. Pcrfüm. p St. 80 Dfg.
infektion 1 zu Grunde. Außer Masern und Diphtherie war in Gießen noch Scharlach in mäßigem Grade in 27 Krankheitsfällen ohne tötlichen Autzgang verbreitet.
Der Tuberkulose erlagen — außer 35 Ortsfremden — 52 Personen, hiervon entfallen auf die Lungenschwindsucht 38 (42) Verstorbene oder 13,37 auf 10000 Einwohner. Die entsprechenden Zahlen der Jahre 1890—1904 waren: 24,3 — 24,0 — 25,1 — 20,0 — 19,0 — 18,5 19,4 — 16,6 — 10,0 — 20,2 — 15,0 — 16,0 — 14,0 — 15,2. Man sieht aus dieser Reihe, daß in Gießen die Sterblichkeit an Schwindsucht erfreulicherweise langsam, aber stetig zurückgeht. Für das Großherzoglum war die Sterblich- kcitßziffer für Schwindsucht im Jahre 1902: 22,1 °lwo, was zum Vergleiche herangczogen werden wolle. Bei 13 Verstorbenen war die Tuberkulose in anderen Organen ausgetreten, 1 Säugling starb an allgemeiner akuter Verbreitung der Tuberkeln im Körper.
Entzündliche Krankheiten der Atmungsorgane führten 53 mal (55 im Vorjahre) zum Tode, hiervon war 13 mal Lungenentzündung und 2 mal Influenza als Todesursache genannt
An Krankheiten der Kreislaufsorgane starben 20, an Gehirnschlagsuß 23 (14) an anderen Erkrankungen
deS Zentralnervensystems 22 Personen.
Die Sterblichkeit der Kinder an Magen-Dar Inder Säualinge war gegenüber
t
^schelmische 75 54
.tstrembe 10 83
über 70 Jahren
58 — 348
22 = 266
Aut: "85 87 91 187 74 80 --- 604
«b die Sterblichkeitsziffer reduziert sich aus 3 48 vcr- 'denen Ortsangehörigen auf 11,86%,, sie war im
32 Kinder.
Durch Tod abgegangen sind 334 männliche und 270 weibliche, im Ganzen 604 Personen, im Vorjahre 579. Die hieraus berechnete SterblichkeitSziffer 21,2%, ist eine verhältnismäßig hohe und entspricht den tatsächlichen 93er- hältmssen deshalb nicht weil in der Zahl der Todesfälle mit 604 die m den klinischen Anstalten verstorbenen, in Gießen nicht heimischen Personen mitgezählt sind. Scheiden wir diese verstorbenen Ortsfremden au4, so
Klinik verbracht worden waren.
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Der Millionär als Kommis
M. Frankfurt, 21. März.
In einer Villa , der PrLuuhllmcrchraüs wolmtLn seit einem Monat ein Herr und eine Dame,. die s'.ch Menu und tyra.i nannten. In den fürstlich ausgestatteteii Gemaä'<rn wurden allabendlich große Soireen, bei denen die fc’niteit Leckerbissen getragen wurden, abgehalten. Ter Sekt flo'6 m Strömen. Wahrend Madame morgend noch Toilette mallste oder gar noch ichlummerte., verließ Monsieur punkt acht Uhr regelmäßig die Billa, um lemen Geschäften nachzugehm. Wie man sich zuraunte, war Pmkus, jo hieß Der Selb, an der Börse tätig. Er mußte ungemein rcic.) sein, denn er war freigebig und schenkte seiner Gattin, was mau sich nur denken kann. Sie wünschte auch, allen Luxus dieser Welt. Er mietete ihr zunächst eine Wohnung m der Gutleutsirayc, dort aber sagte ihr die Luft nicht zu, und man zog gen Westen in die Praunheimerstraße. Madame war früher in -öarietey Bühnenstar gewesen und gastierte mich als' Chansonette im Orpheum. Als Pinkus sie sein Eigen nannte, trug sie Edelsteine und Perlen in Sülle und Fülle, so daß sie im Schauspielhaus und in der Oper von den Besuchern die Brlllantenkönigm genannt wurde. Pinkus kaufte ihr vor einigen Tagen einen Drillant- schmuck, der 95 000 Mark kostete und für 70 000 Mark versichert wurde. Der Juwelier traute der Sacke aber nicht ganz und erkundigte sich nach'Pinkus. Er erfuhr, daß dieser bet der Firma Ältbeimer, Speier u. Co., tätig sei. 48a§ war clio einfacher, als sich an der Quelle zu erkundigen. Er sprach den Chef selbst, der ihm mitteilte, daß ein 24 mhnger Kvmmis namens Pinkus in seinen Diensten stehe und 2000 Mark ©efyaft fyabe. Dem Juwelier wurde beinahe schwindlig, dock war er gefvyert, denn der Sckmuck war bar bezahlt worden. 2er Chef ivar wre vorn Schlag gerührt, als ihm der herbeigeriisene Kommis erklärte, den Schmuck gekauft ’.u haben. Es wurde em Verhör veranstaltet. Pinkus erzrchlte, er habe einen Freund m Paris — Pinkus selbst ist in der Seinestadt geboren —, er habe ihm vorgeschlagen, « Kupfer zu spekulieren. Der Fweund habe mügetellt, im Besitze vvn 45 000 Franken zu sein, die er anlegen und den Gewinn mit ihm teilen wollt?. Aut dm Vor.<.stag iet er ern-
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rrn, . Franken erhöht habe. Der Principal fragte nun den jungen etttec u n o • gj^nnn# warum er, der zweifache Millionär, noch m seinem Geschäft geblieben sei. Pinkus sott zur Antwort gegeben haben, daß man doch arbeiten müsse und es gefalle ihm sehr gut m dem Geschäft. Der Prinzipal ließ nun die Bücher nachsehen und alS Pinkus am Morgen wieder ins Geschäft kam, wurde er über Mittag dabebllten und konnte erst gegen vier Uhr das Gesclwst wieder verlassen. Anscheinend htt Pinkus g r o ß e U n t e rs ckl a g u n gen begangen, denn er brachte zur De. ug sei" ’t „Schuld" sämtliche Juwelen seiner Angebeteten, die 100 000 Mark wert sein mögen, außerdem stellte er einen Bürgen. Am Dienstag abend packte, so wird dem „Nb. Cour." aeschrieben, das Pärchen die Koffer und reiste nach — Berlin, Pinkus, der dort angeblich Geld holen will, um die Firma schadlos zu halten, reiste aber, wie von anderer Seite berichtet wird, nach Brüssel. PinkuS hatte seiner Geliebten gesagt, sein Pater sei ein sehr reicher Derr. Tatsächlich lebt Pinkus senior, her Eierhändler ist, m gut bürgerlichen Verhältnissen. PinkuS will in zwei bis drei Tagen „von Berlin" zurück sein und seinen Verpflichtungen Nachkommen.
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