Ausgabe 
26.9.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 2S6 Zweites Blatt

156. Jahrgang

Mittwoch 26. September 1906

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGiehener Lamllienblätter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Giehener Anzeiger

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.7.

Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehe«.

Die Iraunschrvcigische Thronfolge.

Braunschweig, 25. Sept.

In der heutigen Sitzung des Landtages las Präsident Seniler die Schreiben vor, durch die der Bundesrat und der Kaiser von dem Ableben des Regenten und der Konstituierung des Negentschaftsrats in Kenntnis gesetzt und gebeten werden, während der Regentschaft die erforderlichen Schritte wegen der Regelung der Verhältnisse zum Reich und, soweit es nach der Militärkonvention erforderlich ist, ivegcn der Ausübung der militärischen Hoheitsrechte zu tun. Darauf ist im Auf­trage des Kaisers folgendes Schreiben des Reichs­kanzlers aus Homburg v. d. H. eingctroffen:

Tein RegeutschaitSrat des Herzogtums Braunschweig beehre ich mich auf Allerhöchsten Besebl mitzuteilen, daß der Kaiser und König von dem an Allerhöchstihm unter dein 13. September ge­richteten Schreiben des Regentschastsrates über die beit Gesehen gemäß erfolgte Konstituierung des Regentschaftsrates mit Tank Kenntnis nahmen und wegen der darin zugleich ausgesprochenen Wünsche nach einer der Reichsveriassung entsprechenden Ordnung des Verhältnisses des Herzogtums Braunschweig zum Reiche während der Tauer der provisorischen Regierung, sowie nach Anordnungen über die Ausübung der militärischen Hoheitsrechte während derselben Zeit eine geeignete Einleitung besohlen geruht haben. Ter Regent- schastsrat darf demnach bei der Durchführung der ihm obliegenden wichtigen Ausgaben sich ber d o II en U n t e r st ü h u n g Seiner Majestät und Allerhöchstseiner Regierung gewiß halten.

Es wurde einstimmig und ohne Debatte folgende Reso­lution angenommen:

Mit dankbarster Anerkennung ber vielfachen und hohen Seg­nungen, welche das braunschweigische Land der Herrschaftsfüh nng seines verewigten Regenten verdankt, vermag die Landesversamm- lung sich gleichwohl der Ansicht nicht zu verschließen, daß eine längere ungewisse Fortdauer des im Gesetze vom 16. Februar 1879 vorgesehenen Provisoriums dem inneren Frieden und damit der Wohlfahrt des Herzogtums nicht förderlich sein würde. Die Laudesversammlung halt sich bei Abgabe dieser Erklärung des Einverständnisses der Ein­wohnerschaft des Landes für verstchert, die durchwegs von dem lebhaften Wunsche beseelt ist, baldigst eine e n d g i l t i g e O r d » nung der Negierungsverhältnisse herbeigeführt zu sehen. Die Erreichung dieses Zieles haben bisher die Gegen­sätze verhindert, welche zwischen der Krone Preußens und dem derzeitigen Haupte der jüngeren Linie des braunschw. Herzogshauses, deren Rechte inbezug auf den braunschweigischen Thron durch die neue Landschaflsordnung gewährleistet werden, bestehen und im Beschlüsse des Bundesrates vom 2. Juli 1885 zum Ausdruck gebracht sind. Es liegt der Landesoersammlung fern, zu diesen Gegensätzen nach der einen oder anderen Richtung Stellung zu nehmen; daß sie verschwinden, liegt jedoch ohne Frage im Interesse des Herzogtums, und die Landesversammlung hält daher für geboten und den gegenwärtigen Zeitpunkt für geeignet, daß nicht sofort z u r W a h l e i n e s neuen Regenten geschritten, vielmehr zunächst an zu­ständiger Stelle der Versuch gemacht werde, auf eine Beseitigung der vorgedachten Gegensätze hinzuwirken. Daß dabei die 'berechtigten Interessen des Reiches einerseits und des Herzogtums andererseits voll gewahrt bleiben müssen, ist selbst­verständlich. Im Vertrauen auf den hochherzigen Sinn Sr. M. des deutschen Kaisers und Königs von Preußen und das Psticht- gefühl Sr. K. H. des Herzogs von Cumberland und zu Braun­schweig und Lüneburg gegenüber den berechtigten Ansprüchen des Landes aus baldige Entscheidung richtet daher die Landesversamm­lung an den hohen Regentschaftsrat den Antrag:Den Reichs­kanzler, als Vorsitzenden des Bundesrates, zu ersuchen, die zur Beseitigung der bezeichneten Gegensätze geeig­neten Schritte zu tun und zugleich diese Resolution zur Kenntnis der Königs. Preuß. Staatsregierung und Sr. K. H. des Herzog? von Cumberland und zu Braunschweig und Lüneburg zu bringen/

Zur Begründung der Resolution führte der Vorsitzende der staatsrechtlichen Kommission, Oberbürgermeister Re tc- rneyer, folgendes aus: Das RegentschaftSgesetz habe nur ein Provisorium geschaffen, und an einem solchen habe man nicht lange Freude. Die Regentschaftsfrage biene auch nicht zur Stärkung des monarchischen Prinzipes, und leider seien unter der Regentschaft im Herzogtume Parteibildungen entstanden, die nicht gerade für den inneren Frieden förder­lich gewesen seien. Rach dem Gesetze stehe fest, daß die Rechte der jüngeren Linie Braunschweig-Lüne­burg unzweifelhaft seien. Bisher sei die Ausübung des Thronrechts zunächst gescheitert an dem Beschlüsse des Bundesrates vom 2. Juli 1885, welcher ausführte:

»Diese Ueberzeugung der verbündeten Regierungen ist dahin auszusprechen, daß die Regierung des Herzogs von Cumberland in Braunschweig, da derselbe sich in einem dem verfassungsmäßig ge­währleisteten Frieden unter den Bundesratsmitgliedern wiber- ftreitenben Verhältnis zu bem Bundesstaate Preußen befindet, und im Hinblick auf die von ihm geltend gemachten 21 n s p r ü ch e ans Gebietsteile dieses Bundesstaates mit den Grund- vrinzipien der Bundesverträ'ge und der Reichsverfassung nicht ver- einbnr ist/

Die Kommission sei der Meinung, daß auf diese An­sprüche in unzweideutiger Weise verzichtet werden müsse, bevor eine Thronbesteigung seitens de§ Herzogs von Cumber­land oder eines Mitgliedes seines Hauses möglich sei. Man sei angewiesen auf ein gutes Verhältnis zum Nachbarstaate Preußen. Es würde dieses Verhältnis trüben, wenn der Inhaber des Thrones Ansprüche geltend mache auf einen anderen Thron und auch, wenn nur in anderen Teilen des Reiches die Ueberzeugung Platz griffe, , daß die Geltend­machung solcher Ansprüche hier Unterstützung fände. Die Liebe zum angestammten Herrscherhause mag in einzelnen Teilen der Bevölkerung unseres Herzogtums verschieden Jein, daran ist nichts zu andern; aber in der Liebe zum deutschen Vaterlande sind wir alle gleich (Beifall). Deshalb wollen wir auch alle dazu beitragen, daß die BundeStreue, die Liebe zu Kaiser und Reich in keiner Weise hier geschmälert und angezweifelt werde (Beifall) und deshalb ist der erwähnte Verzicht erforderlich (Beifall). ...

Nach Annahme der Resolution erklärte StaatSrnmister Dr v Otto- Der Regentschaftsrat habe bereits beschloßen, Anordnungen zu treffen, daß den ausgesprochenen Anträgen der Versammlung sofort entsprochen werde. Demgemäß werde das Staatsministerium sofort handeln.

Dann wurde der Landtag vertagt.

Ein Zusammentreffen deS Kaisers mit dem Herzog von Cumberland anläßlich der Karlsruher Festlichkeiten war, wie jetzt aus Karlsruhe gemeldet wird, von vornherein nicht beabsichtigt, da vorbereitende Schritte zur Anbahnung neuer Verhandlungen über die braunschweigische Frage unternommen, aber noch nicht soweit gediehen sind, daß eine persönliche Begegnung wünschenswert und sachdienlich gewesen wäre. Wie dieVoss. Ztg/ hört, ist sowohl beim Kaiser wie beim Herzog onbtert worden, aber nicht von badischer Seite, wobei beiderseits keinerlei Abneigung dagegen bekundet wurde, daß die gegenwärtige Situation zum Versuch einer Verständigung benutzt wird. Die dynastischen Bezieh­ungen der Familie Cumberland sollen grade in den letzten Jahren dem Fürsten Bülow manche bittere Stunde verursacht haben. Die Initiative müsse von Gmunden auS erfolgen und zu diesem Behufe sind Einflüsse tätig, um den Herzog zu bestimmen, sich selbst auszuschalten und seinen Söhnen freie Hand zu lassen.

jpoMLsche Lagesychan.

Der geretteteVorwärts".

Man konnte gespannt darauf sein, wie c§ dem »Vor­wärts* auf dem sozialdemokratischen Parteitag er­gehen werde nach der gewaltsamen Hiuausbeförderi'ng der Eisner u. Genossen späterhin spöttischDie edlen Sechs" benamst und ber Neubildung der Redaktion. Das sozial­demokratische Zentralorgan hat in der Partei immer viele Gegner gehabt und noch mehr Kritiker, die ihre hohen An- spräche auf den Inhalt desVorwärts" nicht befriedigt sehen. DerVorwärts" sollte so ziemlich jedem etwa? bringen, Be­lehrung, Unterhaltung, er sollte packende, auf die Massen wirkebde Artikel enthalten, zugleich aber des Wissens Saat ausstreuen, beileibe nicht trocken sein, doch auch von Ober­flächlichkeit sich fernhalten. Kurzum, wie von jeder in Deutsch­land oder im 2luslande erscheinenden Zeitung, so verlangt das Leserpublikum Alles und das Verschiedenartigste auch von dem gutenVorwärts". Nach dem Urteil der bürg. Presse ist seit dein Nedaktionswechsel derVorwärts" entschieden zurück- gegangen, der Ton ist, Stadthagens Rezept befolgend, ruppiger" geworden, ohne daß die Gründe an innerer Kraft gewonnen hätten. Mancher Schnitzer, im Anfang sogar mancher Stilfehler und Verstoß gegen die Grammatik erregte in den Parteikreisen Heiterkeit oder Verdruß, je nach dem Temperament des Lesers. So würde berVorwärts", trotz­dem Bebel und Singer die schützende Hand über ihn halten, alles andere als eine gute Zensur auf dem Parteitage be­kommen haben, wenn nicht, wie wir s. Zt. mitteilten, Friedrich Stampfer in derNeuen Gesellschaft" Heinr. Brauns kurz vor dem Parteitag über das Zentralorgan un­beabsichtigt den Schild gebreitet hätte. Es genügte, daß eine in der Sozialdemokratie so unbeliebte und ihr so unbequeme Persönlichkeit wie Heinr. Braun Stampfers Artikel Ausnahme gewährt hatte. So gelangte berVorwärts" zum Nimbus des zu Unrecht Bezichtigten, und der Vorsitzende der Preß­kommission bescheinigte, die Haltung desVorwärts" ent­spreche der Mehrheit ber Partei.

Attrche und SehnLe.

Die Bedeutung des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins für den deutschen Unterricht hat da? hessische Ministerium des Innern in besonders klarer und eindringlicher Weise zum LluSdruck gebracht durch eine Verfügung, die hier im Wortlaute mitgeteilt sei:

Das Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Schul­angelegenheiten, an die unterstellten Behörden.

Wir haben schon oft mit Befriedigung wahrgenommen, daß die Tätigkeit des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins bei den Oberlehrern, Lehrern und Lehrerinnen de? Landes verständnisvolle Teilnahme und eifrige Förderung findet. Wir begrüßen diese Teil­nahme namentlich deshalb, weil die Bestrebungen des Vereins in wirksamster Weise die Erziehung der Juqend zu vaterländischer Gesinnung unterstützen, und weil der gesamte deutsche Unterricht durch den reichen, vielseitigen, alle Gebiete des Sprachlebens um­fassenden Inhalt der Zeitschrift, ber wissenschaftlichen Beihefte und ber übrigen Veröffentlichungen bcs Vereins geförbert wird. ES braucht in dieser Hinsicht nur auf den Briefkasten der Zeitschrift, die Sätze zur Schärfung des Sprachgefühls usw. und ferner darauf hingewiesen zu werben, baß bie Mitarbeiter zu einem sehr erheb­lichen Teile bem deutschen Lehrerstanbe angehören. Wir legen des- halb großen Wert darauf, daß bie Bestrebungen bes Vereins an allen Schulen bes Landes Unterstützung finden, und empfehlen Ihnen, dafür zu sorgen, daß bie Schulen, soweit möglich, sich bem Sprachverein körperschaftlich anschließen und die Zeitschrift mit den Wissenschaftlichen Beiheften usw. in den vorhaubenen Lesezimmern ausgelegt wird.

Auch durch Teilnahme an dem Leben ber Zweigvereine ober durch Gründung von Zweigvereinen könnten die Bestrebungen des Sprachvereins wesentlich gefördert werden.

E i s e n h u t h.

Mit richtigem Blicke ist in dieser dankenswerten Kund­gebung der vaterländische Geist als Lebensquell und Trieb­kraft der fprachoereinlichen Wirksamkeit erkannt. Aus Liebe zum deutschen Volke sind die Arbeiter des Sprachvereins an ihrem Werke, sie wollen an ihrem Teil mithelfen, ihr Volk zur Vaterlandsliebe zu erziehen. Möchte sich die deutsche Lehrerschaft in immer größerer Zahl zu dieser Arbeit bereit finden lassen!__________

Vermischtes.

* Der deutsche Kaiser als Zivilkläger. Ein Prozeß, in dem der Kaiser der Kläger ist, schwebt zurzeit beim Jnsterburger Landgerichte. Der Kaiser hat gegen den Pächter be5 Rominter Hotels, das sein Privateigentum ist, Kallweit, eine Klage auf Räumung anstrengen lasten, und zwar mit der Begründung, daß der Pächter die Pachtung nicht vertragsmäßig bewirtschaftet. In erster Instanz ist die Klage vom Amtsgerichte in Goldap kostenpflichtig ab ge­wiesen worden. Auf die Berufung hat die Zivilkammer

des Jnsterburger Landgerichts in ihrer letzten Sitzung einen Beweisbeschluß gefaßt. Es sollen der Oberhofmarschall Graf zu Eulenburg und der Oberförster Freiherr Speck v. Stern­burg als Zeugen vernommen werden; dann wird die erste Zivilkamuler im Namen des König? in Sachen des Kaisers zu erkennen haben.

Tabak Monopol und Wissenschaft. Eine Meisterleistung des österreichischen BureaukratiSmus wird aus Wien berichtet. Dort erschien jüngst ^ine Kommission der Finanzbehörde im Botanischen Garten der Wiener Uni­versität und richtete an den Direktor, den Botaniker Hofrat von Wettstein, die Frage, ob im Botanischen Garten Tabakpflanzen gebaut werden. Auf die Antwort deS Direktors, daß sich im Garten fünf Stück Tabakpflanzen be- sinden, und zwar zum Zweck der Demonstration beim bota­nischen Unterricht, wurde ein Strafverfahren wegen Ver­letzung des Monopols gegen den Direktor eingeleitet und die Ausrottung der Pflanzen angeordnet! Der Direktor protestierte, aber erst nach längeren Verhandlungen zwischen dem Finanz- und dem Unterrichtsministerium wurde die Kultus der fünf Tabakpflanzen gestattet.

Die Untersuchung über die Explosion in dem Fort Montfaucvn bei Besan^on scheint darzutun, daß eS sich doch um ein Attentat handelt. Es ist fest- gestellt worden, daß verschiedene Personen mehrere Tage vor ber Explosion in der Nähe des Forts beobachtet worden sind. Es waren italienische Arbeiter, welche erklärten, auf der Suche nach Arbeit zu sein. Am 13. wurden dieselben Personen wiederum in der Nähe beS Forts gesehen. Anderer­seits haben die Versuche mit dem Blitzableiter bewiesen, daß dieser sich in gutem Zustande befand, daß also eine Ent­zündung durch Blitzschlag so gut wie ausgeschlossen sei.

* Atlanta, 25. Sept. Heute wurden 20 Polizisten an ber Weichbilbgrenze der Stadt überfallen, vermutlich durch studierende Neger. Der Universitätssekre­tär und ein Polizeioffizier wurden getötet, vier Polizeibeamte verwundet. Sechs Schwarze wurden er­griffen, hiervon zwei erst nachdem sie auf ihrer Flucht von einem Volkshaufen halb tot geschlagen worden waren. In der Vorstadt Brownsville wurden zwei Neger getötet. 257 Neger wurden verhaftet. Heute wurden noch zwei Neger in den äußeren Stadtteilen durch die Polizei getötet. Die berittene Garde des Gouverneurs und die reitende Polizei sind begierig, den Tod deS ermordeten Polizeioffiziers zu rächen. Die Neger sind in großem Schrecken.

AttZve^rtcsts-Nachrkchtett.

Das neugeschaffene 3. Ordinariat für Staats- Wissenschaften an der Berliner Universität ist dem Pro­fessor Dr. Max S e r i n g übertragen Kerben, ber bisher an ber Universität ein persönliches Ordinariat bekleidete. Er tritt am 1. DEL b. I. von scin-r Professur an ber Landwirtschaftlichen Hochschule zurück. Trrt ist als fein Nachfolger Professor Dr. Otto An ha gen in Aussicht genommen.

Arbeiterbewegung.

Mailand, 25. Sept. Große Streikunrnyen toutA den von Arbeiterinnen in ber Umgebung veranstaltet. An­geführt von einer jungen Sozialistin griffen , etwa tausend Atv- beiterinnen eine Fabrik an, in ber Arbeitswillige bie Arbeit fort* setzten. Die Arbeiterinnen waren mit Stöcken und Steinen be­waffnet. Sie warfen bie Fenster ber Fabrik ein unb gingen daran, diese zu stürmeir. Militär jagte bie Frauenzimmer aus- einanber. _______________________

Lisenbahn-Zeitung.

Stuttgart, 25. Sept. DerStaatsanzeiger" teilt amtlich mit, baß vom 1. Oktober ab in ben Personen-, Gemischten und Lokal-Züaen ber württembergischen Staatsbahnen die vierte Wagenklasse geführt wirb. Der Fahrpreis beträgt zwe, Pfennig für ben Kilometer. ,

HairdcL unb Verkehr, Volkswirtschaft.

Mannheim, 25. Sept. Die Konvention ber Süb - beutschen TabakhänHler unb Fabrikanten, welche bezweckte, den Tabakeinkauf hinauszuschieben, um ben wilden Einkauf möglichst zu vermeiben, hat sich he'.ste a u f g e l ö st, sobatz ber Einkauf wieder freigegeben ist.

Märkte.

lth.) Gießen, 25. Sept. Der heutige N in b v i e hm a r kk hatte einen Austrieb von ca. 1250 Stuck Großvieh inclusive Zucht- rinber, sowie 200 Kälber. Das Geschäft in srischmelkenben und tragenbcn Kühen war sehr gut bei Preisen, wie wir sie so hoch noch niemals hatten. Die Verkäufer formten verlangen, so viel sie wollten, es schreckte bies bie Käufer nicht zurück, weil Bedarf vorlag, der unbedinot gkdeckt werden mußte. Der Handel m jungen Rindern zur Zucht, welche Ware für diesen Markt au^ schließlich aus Westfalen hergebracht war unb sich baher zu hoch im Preise stellte, war weniger gut, als bei ben letzten Märkten. Fettvich war roieber sehr gesucht unb knapp und würbe trotz bet sehr hohen Preise, bie dafür verlangt wurden, glatt verkauft. Besonders fette Kühe, welche für die kleineren Städte ber Pro­vinz unb irf Hessin-Nassau gesucht waren, waren ausnahmsweise sehr hoch im Preise unb ber Vorrat deckte lange nicht den Bedarf, so baß auch minber gute Ware willig genommen wurde. Der kleine Vorrat in Fahrstieren, ben ber Markt hatte, würbe zu Preisen untcrgebracht, die man sonst für gute Ochsen zu zahlen pflegt; bie Tiere wurden für oberhessische Güter angekauft. Den dies- maligen Külbermarlt machten wieder einmal Käufer für Frank­furt unb Wiesbaden, die fast ben ganzen Markt aufkauften und recht hohe Preise anlegen mußten, um sich bie Ware zu sichern, da andere Reflektanten bie Tiere teuer machten. Bezahlt würben für das Stück Milchkühe 1. Qual. 475550 Mk. (einzelne Tiere bis 580 ML), 2. Qual. 375450 Mk., 3. Qual. 300 bis 350 Mk, junge Zuchtrinber 57 Monate alt 125160 Mark, 912 Monate alt 180225 Mark. Fcchrstiere gingen bas Paar zu 750850 Mark Gehanbelt würbe der Zentner Schlachtgewicht fette Rinder 1. Qual. 8083 Mk, 2. Qual. 77 bis 79 Mk, fette Kühe 1. Qual. 7880 Mk, 2. Qual. 7577 Mark, Kälber 1. Qual. 7880 Mk, 2. Qual. 7375 ML, 3; Qual. 6570 Mk. Außer Züchte indem blieben nur wenige ^Ltuck ältere minderwertige Abmelkkühe überstandig.

fc. Frankfurt a. M., 25. Sept, öeu- unb Stroh- >n arkt. Man notierte: Heu Mk. 3.00 bis 3.20. Stroh Mk. 2.90 bis Mk. 0.00. Alles per 50 Kilo. Geschäft flott.