Ausgabe 
3.9.1906 Erstes Blatt
 
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Die Seiet des 60jäyrLgen StiftungsLages dcs Turnvereins Auhöach.

/X Butzbach, 2. September.

Die wenigen fremden Gäste, die gestern hier eintrafen, um den Jubiläumsfeicrlichkeiten beiznwohnen, mögen wohl vergeblich in unseren Mauern nach FesteZstimmung gesucht haben. Schmucklos und unfeierlich präsentierten sich noch gestern abend dem fremden Auge die Straßenbildcr, nur auf dem altertümlichen Rathausturme wehte ein Fähnlein in den gelb-roten Stadtfarben. Butzbach schien seit den Tagen des Trachtenfestes festesmüde und tatsächlich ist dem herannahen­den Festtage nicht das wünschenswerte Interesse von dem großen Publikum entgegengebracht worden.

Um 8 Uhr gestern abend begann der Festkommers und nachdem die Kapelle Bauer aus Gießen mit einigen hübschen Weisen begonnen hatte, setzte die Festesstimmimg ein. Zunächst begrüßte der erste Sprecher des Turnvereins Butz­bach, Professor Wämser, die erschienenen Gäste, dann war er einen Rückblick auf die Geschichte des Vereins. Kreisra Fey von Friedberg beglückwünschte in schwungvoller Rede den Verein und die Stadt Butzbach und schloß mit einem Gut Heil" auf S. K. H. den Großherzog. Kreisturnwart Volzc von Frankfurt überbrachte Glückwünsche des Mittel­rheinkreises, Grün aus Kirchhain gratulierte namens des Gaues und ließ seine kernige Rede in einGut Heil dem Vaterland" ausklingcn. Inzwischen brachte der Gesangverein Orpheus" einige Lieder zu Gehör. Die Damenriege des Turnvereins führte im Rythmus einer Walzermclodie ein Fahnenschwingen" vor, das großen Beifall erntete. Später überreichte ein Mitglied des Turn- und Fcchtklubs Hanau mit poetischem Gruß dem Verein einen Fahnennagel. Herr Schwarz vom Männer-Turnverein Gießen über­brachte Glückwünsche von der Gießener Turnerschaft. Sodann leistete die Musterriege am Barren ganz Vorzügliches und errang sich das Lob der auswärtigen Gäste. Zum Schluffe gedachte der Turner Wilh. Nern noch des eifrigsten Förderers des hiesigen Vereins und ersten Sprechers, Professor Wämser, dem er seinGut Heil" widmete. Erst nach Mitternacht war der offizielle Teil der Feier beendet.

Heute prangte die Stadt im Flaggenschmuck. Die schlichte und doch hübsche Feier vom gestrigen Abend hat Festes­stimmung gebracht. Das Volksfest nahm mit dem Eintreffen des FestzugS auf dem Festplatz seinen Anfang. Stabübungen der Turner und Turnerinnen wechselten ab mit Geräteturnen und Turnspielen der Schuljugend. Für letztere galt es heute, das alljährlich wiederkehrende Jugend- oder Sedanfest mit­zufeiern. Mit eintretender Dunkelheit konzentrierte sich alles nach der geräumigen Festhalle, die Schuljugend (die übrigens wegen des hohen Eintrittspreises für Erwachsene durch die Eltern in vielen Fällen vom Besuch des Festplatzes abgehalten war und dieses Jahr um ihr Jugendfest kam) trat, soweit sie beteiligt war, mit Lampions den Heimweg an. Die reifere Jugend dagegen huldigte Terpsichore bis in die frühen Morgen­stunden.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 3. Sept.

** 6 0. Geburtstag. Der Theologe und Musik- schriftsteller Dr. theol. et phil. Heinrich Adolf Köstlin, ord. Profeffor im Ruhestand der Universität Gießen, voll­endet am 4. September das 60. Lebensjahr. Ein geborener Tübinger, war Köstlin nach Absolvierung der Universität seiner Vaterstadt als Vikar in Weilheim tätig. 1870 wurde er Feldprediger der württembergischen 2. Feldbrigade, 1871 Repetent in Tübingen, 1873 Diakonus in Sulz a. R., 1875 Pfarrer in Maulbronn, 1878 in Friedrichshafen a. B. und 1881 in Stuttgart. Zwei Jahre später kam er als o. Pro­fessor an das Predigerseminar zu Friedberg (Hessen), 1891 als Oberkonsistorialrat und Superintendent der Provinz Starkenburg nach Darmstadt und 1895 als o. Professor nach Gießen an Stelle von Prof. Dr. M. Reischle. 1901 trat er in den Ruhestand und zog nach Darmstadt. Seit 1904 lebt er in Cannstadt. SeineGeschichte der Musik" erschien bereits in 5. Auslage.

Im Zeichen der Kirchweihfeste stand gestern die gesamte Umgegend, es sanden ca. 20 Kirchweihfeste statt. Davon entfielen zwölf auf die preußische Umgegend in der Bürgermeisterei Atzbach-Launsbach.

Kirchgöns, 2. Sept. Anläßlich unseres heutigen Kirchweihfestes feierte der hiesige Kriegerverein sein 30 jähriges Stiftungsfest. Lehrer Rahn hielt die Ansprache und Kreisrat Fey-Friedberg übergab die vom Kaiser verliehene Fahnenschleife.

* Bad-Nauheim, 1. September. In der höheren Bürgerschule (Realschule) fand heute eine AbschiedS- feier zu Ehren von Frl. Wisstg statt, die ihrer Verheiratung wegen aus dem Lehrer-Kollegium ausscheidet. Zugleich wurde der Nachfolger Dr. Schindlung, der einen Teil seiner Studien in Frankreich erledigt hat, eingesührt.

t Burkhardsfelden, 1. Sept. Selten sah man wohl soviele Leidtragende auf dem hiesigen Friedhöfe, als bei der heute nachmittag erfolgten Beerdigung des bei Groß- Umstadt verunglückten Kanoniers Wagenbach. Außer dem hiesigen Kriegerverein, der die üblichen Ehrensalven abgab, folgten der Leiche mehrere Offiziere und Kameraden des Ent­schlafenen. Pfarrer Gombel von Reiskirchen hielt eine er­greifende Grabrede und die hiesigen Schulkinder trugen einige Choräle vor. Während der Predigt siel eine Frau aus Hattenrod, deren Sohn ebenfalls bei dem Regiment steht und zugegen war, vor Aufregung in Ohnmacht, sodaß sie vom Friedhof getragen werden mußte.

R.-B. Darmstadt, 2. Sept. Das Sedanfest ist auch in diesem Jahre hier feierlich begangen worden. Die Großh. Bürgermeisterei hatte was dem in manchen Städten dem nationalen Gedenktage gegenüber bekundeten Jndifferentismus hier besonders hervorgehoben zu werden verdient in den Blättern öffentlich aufgefordert, den Sedantagals Jahrestag eines der bedeutsamsten Ansgangs- punkte der neuen Epoche unseres nationalen Lebens" durch reichen Flaggenschmuck der Häuser festlich auszuzeichnen, und dieser Aufforderung war auch vielseitig entsprochen worden. In den Schulen wurde schon der gestrige Tag durch Festakte oder Spaziergänge gefeiert, die Bureaus der Behörden hatten geschloffen oder abgekürzten Dienst. Am Abend läuteten

sämtliche Kirchenglocken den Festtag ein. Die vereinigten Darmstädter Kriegervereine hatten Samstag abend gemeinsam mit der Turngemeinde Darmstadt eine Nationalfeier im großen Turnhallensaal am Woogplatz arrangiert, welcher auch Ober­bürgermeister Morneweg, sowie Vertreter anderer Behörden und zahlreiche Offiziere der hiesigen Garnison beiwohnten. Neben den patriotischen Weisen der Kapelle des 24. Dragoner- Regiments sorgten auch Gesangsvorträge der Turner-Sing- mannschaft und hervorragende turnerische Leistungen von Mitgliedern der Turngemeinde, sowie Solovorträge für die Unterhaltung. Der Vorsitzende der Vereinigten Krieger­vereine, Hauptmann a. D. Waldecker, hielt eine kernige Fest­ansprache, die in einem dreimaligen Hoch auf Kaiser, Fürst .,nd Vaterland ausklang. Das Fest dauerte bis gegen Mitter­nacht und nahm einen schönen, harmonischen Verlauf.

fc. Mainz, 2. Sept. Am Neubau von Lotz u. Soherr stürzte gestern früh ein Teil des Baugerüstes ein. Drei Maurer stürzten aus dem 1. Stockwerk ab. Zwei wurden verletzt, davon der eine erheblich. In einer Wirtschaft in der Neutorstraße machte ein Strolch am Hellen Tage einen Raubversuch, indem er, offenbar um sie zur Flucht zu bewegen und dann die Kasse zu berauben, die Wirtin mit geladenem Revolver bedrohte. Als der Mann der Wirtin herbeieilte, nahm der Unbekannte Reißaus.

fc. Höchst a. M., 2, Sept. Seit Donnerstag wurden in Unterliederbach der 20jährige Zeichner Heinrich Wagner und die 19jährige Marie Wagner, Tochter der wohlhabendsten Landwirte Unterliederbachs, vermißt. Gestern vormittag fand man sie als Leichen in einem Maisfelde hinter der Kneiselschen Mühle. Es liegt unzweifel­haft Doppelselbstmord vor; der junge Mann hatte einen Schuß in den Mund, das Mädchen einen solchen in das Herz. Neben den Toten lag ein Revolver. Unglückliche Liebe soll das Motiv gewesen sein.

-ch. Wetzlar, 2. Sept. Mit dem Umbau des Bahn­hofes Wetzlar wird zunächst auf Garbenheimer Gebiet be­gonnen. Das Material soll dem dortigen Wetzberg entnommen werden, der das Schienengeleise der Strecken WetzlarGießen und WetzlarLollar unmittelbar berührt. Eine kleine Arbeits­maschine sowie Schienen und Schwellenmaterial wurden be­reits dorthin befördert und die Arbeit wird am Montag von einer größeren Arbeiterkolonne ausgenommen. Für das Baubureau wurde unmittelbar an der Strecke Wetzlar Gießen ein Bau errichtet, bei dem auch eine Arbeiterbarackc im Entstehen begriffen ist. In diesen Tagen fand die Ab­schätzung der durch den Bahnbau in der Gemarkung Garben­heim in Wegfall kommenden Obstbäume statt. Ertragreiche Bäume wurden zu 100 Mk. bewertet. Garbenheim erhält eine Haltestelle an der Linie WetzlarLollar und wird da­durch seinem Bürgermeistereiort Krofdorf für die Folge be­deutend näher gerückt.

X Biedenkopf, 2. Sept. DieFirma Ninn u. Cloos- Heuchelheim hat dem hiesigen Landwirtschaftlichen Komitee 50 Mk. zu Prämiierungszwecken übermittelt. Davon sollen 25 Mk. zur Obstausstellung und 25 bei der Geflügel­ausstellung als Preise verwandt werden.

Sollen wir den Sedantag feiern?

Ter Einsender ,in Nr. 204 Ihres geschätzten Blattes: Sedantag und Schulfeier, der Jugenderzieher, scheint sich denn dock nicht klar darüber zu sein, warum wir Sedan feiern. So, wie wir in unserer Jugend den 18. Oktober feierten, wo die Freudenseuer auf den Bergen cmporloderten, nicht den Schlachtentag, fonbern den Tag, welcher uns die Befreiung von der Fremd hem schäft brachte, so feiern wir in dem Sedantag nicht den Schlachtentag, sondern den Tag des nationalen Aufschwunges, als den Tag, an welchem der deutsche Siegfried seiner Kraft sich wieder bewußt wurde. Wenn der Lehrer der Jugend wahre Sittlichkeit und Nächstenliebe, Achtung vor Leben und Eigentum des Nächsten einpflanzen soll, so gehört es aber auch zu seinen Pflichten der Jugend Geschichte, und zwar deutsche Geschichte zu lehren. Ta wäre ich denn doch neugierig, zu hören, wie der Er­zieher der Jugend dies fertig bringen will, ohne die Sieges­taten unseres Volkes zu erwähnen. Will der Herr Ein­sender wohl auch die herrlichen Lieder unserer Freiheits­sänger Korner, Max von Schenkendorf und Ernst Moritz A'rndt aus dem Unterrichtsrepertoir gestrichen haben? ebenso die Wacht am Rhein?" Wie will er seinen Schülern die herrlichen Worte unseres Schiller erklären:Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr alles setzt an ihre Ehre!" Ter Einsender spricht von SäbelFerassel, Kriegslust, Mordlust und Phrase. Splitter und Balken! Tenn was ist sein ganzer Opus:Phrase!" Taß wir alten Soldaten weder Mord- nock Kriegslust haben, auch nicht mit dem Säbel rasseln, . das beweist ein Artikel in Nr. 67 der Parole, welche ich aufzunehmen bitte, getreu dem alten Luther­worte:Eenes Mannes Rede ist keene Rede, man muß sie hören alle beede!" Das aber möchte ich dem Einsender doch noch ans Herz legen, wenn er von mittelalterlicher Ten^ ungsart spricht:Hätte unser Volk damals mehr National­bewußtsein gehabt, dann wäre unser Vaterland nicht der Tummelplatz aller Kriege geworden."

Prinz von Karolath-Schönaich sagte vor einem Jahr­zehnt im Reichstage:Gebet nnserem Volke seine Ideale wieder, dann wird es auch wieder besser mit uns!" Wo bleiben die Ideale, wenn wir diesem Erzieher der Jugend olgen?!!

Zum Schluffe lv-ikt ich noch bemerken, daß ich es für ge= chmackvoller würde gehalten haben, wenn derEin Lehrer" einen Namen genannt hätte. Mit dem Verschweigen des- "elben hat er die ganze Lehrerschaft in Mitleidenschaft ge­zogen, und ich habe denn doch von hem' Lehrerstande eine zu hohe Meinung, als daß ich annehmen kann, daß es noch viele Gesinnungsgenossen desEin Lehrer" unter demselben geben könnte. C. Mayer.

TieParole" (Zeitung des deutschen Kriegerbundes) chreibt zu diesem Gegenstand folgendes:

Wieder naht der Sedantag, und wieder erheben sich Stim­men, welche die Ansicht 'bertreten, die Sedandenkseier habe sich überlebt. Wir vermögen uns dieser Auffassung nicht an­zuschließen. Selbstverständlich es, daß jetzt, nach mehr als einem Menschenalter, eine Erinnerungsfeier an den größten deutschen Sieg seit Jahrhunderten in ruhigeren Formen vor ich geht und das Gepränge früherer Zeiten an diesem Tage ich verringert hat. Aber der Sedantag ist doch ein Tag gemein- 'amer patriotischer Erhebung geblieben.

Sechsunddreißig Jahre werden es, seitdem auf blutgetränktem Boden dem deutschen Vaterlande die Einigkeit errungen wurde, die das Deutsche Reich blühend und mächtig gemacht und als gewaltiges Bollwerk des Friedens für Europa hingestellt hat. Aber diese Jahre haben uns gezeigt, was wir dem Sedantage

zu verdanken haben, wir, die wir ein buntes Häuflein waren ohne Kopf und ofyne Führung, an dem jeder seine Schelmenlust ausließ. Vom Nachbar im Westen haben wir manches erdulden müssen, was auf dem Herzen brannte. Denn er, der im Tuille- rienpalaste an der Seine thronte, war der Mächtige, auf dessm Wort die Völker lauschten, und wir waren ein buntes, krauses Völllein ohne Plan und Ziel. Das hat der Sedantag gründlich geändert.

Mit froh bewegtem Herzen wird daher jeder Patriot das Erinnerungsfest an die große nationale Tat vom 2. September 1870 feiern, mit innigem Danke gegen Gott, daß er das heiße Sehnen unserer Nation nach Einheit endlich gestillt und die Helden gesandt hat, die das Riesenwerk der deutschen Einheit mit dem Schwerte vollbrachten: mit weihevollen Tankgefühlm aber auch gegen die Helden selbst, die für die deutsche Einheit kämpften und bluteten, und mit hoffnungssreudiger Zuversicht, daß das im Wettersturm der Schlachten gegründete Deutsche Reich, wie bisher, so auch in Zukunft seine Aufgabe erfüllen, den deutschen Stämmen ein Schutz und Schirm, den befreundeten Nationen ein treuer Freund in guten und bösen Tagen sein werde.

In diesem Sinne ist es nicht nur das Recht, sondern auch die heilige Pflicht des deutschen Volkes, am 2. September seinen großen nationalen Ehrentag zu begehen: denn nicht Ehrgeiz und prunkendes Triumphgeschrei sind es, die am Sedantage in Alldeutschlands Gauen zum Ausdruck kommen, sondern es ist ein Dankfest und eine Erinnerungsfeier edler, berechtigter Art über nationale Großtaten und Errungenschaften für das ganze deutsche Volk. Kein Streit der Parteien, wie ihn das politische Leben mit sich bringt, keine bitteren Erfahrungen, die vorübergehend jedes Volk machen muß, und keine Gefahren, die uns in Zukunft drohen können, dürfen uns die Freude an dem uativnalen Ge­denktage und das unerschütterliche Vertrauen auf das in seinen Fürsten und Stämmen, in Kaiser und Reich geeinigte deutsche Vaterland vergällen: denn den Sedantag begehen wir nicht nur als Tag des Tankes und der stolzen Erinnerung, sondern auch zur Aufmunterung und Mahnung für das Heranwachsende junge Geschlecht, das dereinst berufen ist, Träger der Größe und Macht des deutschen Vaterlandes zu fein.

Deshalb ist es auch gut, daß her Sedantag zum Gegen­stand einer patriotischen Schulfeier geworden ist. Mehr wie je tut cs jetzt, wo die vaterlandsfeindliche Sozialdemokratie immer eifriger bestrebt ist, unter der Jugend den giftigen Samen der Vaterlandslosigkeit auszustrcnen, not, der Heranwachsenden Jugend, die ohnehin auf der Straße und leider ost genug int Elternhause wenig Erfreuliches zu hören bekommt, ein Bild aus jener großen Zeit zu entrollen, von jenem ewig denkwürdigen 2. September 1870 zu erzählen, an dem sich wildfremde Men­schen jauchzend in die Arme fielen, Kinder mit Fahnen und frohen Liedern durch die Straßen zogen, die Vorleser der Extra­blätter umstanden und dann heimstürmten, um die NacAicht von dem gewaltigen Siege bei Sedan zu bringen.

So soll denn auch am diesjährigen Sedantage unser aller Brust der eine heiße Wunsch erfüllen, daß es, wie bisher, so auch weiterhin gelingen möge, das vor 36 Jahren mit blutigen Opfern Errungene zu erhalten gegen alle Fährlichkeiten von außen und auszubauen im Innern zur Zufriedenheit und zum Glücke aller, über denen das schwarz-weiß-rote Banner weht. In diesem Sinne und Wunsche werden sich vor allen die Kame­raden in der Armee und in den Krieger vereinen zusammenfinden in dem Rufe: Hoch Kaiser und Reich!

UniversstLits-Nachrichteir.

Vom Geldmarkt. Der Berliner Geldmarkt hat sich bis in,die letzten Tage der vergangenen Woche trotz des Ultimo recht lüssig gehalten. Tägliches Geld ist noch am Samstag zu '4 Prozent angeboten worden. Für Seehandlungsgelder war kein Bedarf. Der Privatdiskont notierte unverändert 3Vs Prozent. Doch wurde auch hier die Bemerkung gemacht, daß die Geldgeber gleichwie in Frankfurt bereits wieder eine gewisse Zurückhaltung beobachteten und am internationalen Geldmartt sah stich die Lage zu Wachenschluß wesentlich gespannter an. Denn aus New- Pork kam die Meldung, daß dort die Zinssätze in Wallstreet wieder bis auf 12V» Proz. in die Höhe schnellten. Daraus ist der Schluß zu ziehen, daß die Situation am internationalen Gcld- markt sich leicht wieder sehr heikel gestalten kann.

HanHcL und Verkehr, Volkswirtschaft»

Von der Russisch-Polnischen E i s e n i n d u st r i e. Das polnische Eisengeschäst, das tief darniederlag, beginnt sich allmählich wieder etwas zu beleben. Besonders hat das Handels­geschäft durch die ziemlich günstige Ernte einige Anregung er- ähren. Die Maschinenfabriken, Bauschlossereien, Konstruktions­werkstätten haben sich wesentlich gehoben. Kurz, es besteht im allgemeinen wieder einige Hoffnung, und auch das Einkaufs­geschäft beginnt sich zu regen. Zunächst werden lautK. Z." den deutschen Häusern nur bescheidene Aufträge zur Lieferung von Walzware, namentlich Stabeifen und Feinbleche, überschrieben, dagegen sind den schlesischen. und sächsischen Werken größere Aufträge in Gußwaren und Maschinenteilen übergeben worden, insbesondere für landwirtschaftliche Maschinen.

lh. c.) Marburg. Wie wir hören, ist der Privatdozent ür Chemie Dr. phil. Karl Fries zum Abteilungsvorsteher am chemischen Institut der Universität Marburg ernannt worden, als Nachfolger von Prof. Dr. Rudolf Schenck, der als etats­mäßiger Professor an die Technische Hochschule zu Aachen berufen wurde. Dr. Fries war bisher als erster Assistent am Marburger chemischen Institut tätig. Die venia legendi erhielt er zu Ende des Wintersemesters 1904/05.

Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.

September 1906

Barometer aui 0° reduziert

Temperatur der Lust

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstärke

Wetter

2. 2

750,1

27,8

9,4

34

8

4

Sonnenschein

3. 9

749.2

16,8

11,7

82

8

2

KlarerHimmel

3. 7"

750,2

13,1

9,7

87

NW

2

Sonnenschein

Höchste

Tempi

ratur

im 1.

-2. C

eptemb

er

-4- 28,00 C.

Niedrigste

1.

-2.

+ 10,9 0 C.

Das Eiweitzwasser bei Brechdurchfall erfüllt nicht den Zweck, dem erkrankten Kinde eine leicht verdauliche Nahrung zu- zusühren, da der größte Teil des Eiweißes uoit dem erkrankten Darmkanal überhaupt nicht ausgenommen wird, sondern unver­ändert im Stuhlgang abgeht, während der geringe im Darm ver­änderte Teil durch die Krankheitskeime zu Peptonen umgewandelt wird, welche für die Ernährung des Körpers nicht mehr zu brauchen ind, dagegen aber den Krankheitskeimen einen sehr günstigen Nähr­boden darbieten. Eine bessere Ernährung bildet die Darreichung von Kulekes Kindermehl in Master, da das in demselben enthaltene pflanzliche Eiweiß für die Krankheitskeime einen schlechten Nähr­boden darbietet und ebenso wie die Mineralstoffe selbst, von dein erkrankten Darme leicht aufgesogen wird und ernährend wirkt, umsomehr, als die in Kuieke-Kindermehle vorhandenen Nährstoffe dein Körper in demselben Verhältnisse zugesührt werden, wie durch die Muttermilch. hv3/11

Das Waschen mit der Hand ist heute ein überwundener Standpunkt, sofern man sich der Hülle einerWeltwunder"-Wasch- maschine sichert.Weltwunder" ist in schneller und leichter und mündlicher Reinigung, Schonung der Wäsche, einfacher Handhabung, Dauerhaftigkeit und billigem Preise unerreicht und bildet für viele lausende von Familien ein unentbehrliches Hülisgerät. Zwecks praktischer Vorführung finbet am Freitag, den 7. September, von 37 Uhr nachmittags bei der hiesigen Finna Brüder Schmidt, Seltersweg 73, em öffentliches Probewaschen statt, ivorauf wir an dieser Stelle nochmals verweisen. (Siehe Inserat.) 5271