Ausgabe 
3.8.1906 Erstes Blatt
 
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Schmidt um Erlaubnis 311c Einbringung eines Firmen­schildes am alten SchulhauZ in der Neustadt wird der daraus etwa entstehenden Konsequenzen halber abgelehnt.

DieDirektiondeSRealgymnasiumShat angeregt, bis zur Fertigstellung deS Theaterbaues den Fuhrwerks­verkehr in der BiSmarck st raße während der Unterrichts­zeit zu verbieten, da durch das häufige Passieren schwerer Steinfuhrwerke der Unterricht empfindlich gestört werde. DaS Polizeiamt hat sich gegen ein solches Verbot ausgesprochen.

Stadtv. Jann ist für Genehmigung des Gesuchs, zumal eS sich dabei nur um eine vorübergehende Maßnahme handle. Der Mißstand sei außergewöhnlich, namentlich mache er sich beim naturwissenschaftlichen Unterricht sehr geltend, mehr als bei den übrigen Schulen, weshalb der vom Polizeiamt hieraus gemachte Hinweis unzutreffend sei. Stadtv. Krumm ist mit dem Polizeiamt in dieser Sache einverstanden und bemerkt, eS sei in diesem und in ähnlichen Fällen vielleicht angebracht, ein andere? Pflaster zu wählen. Der Vorsitzende bemerkt, es sei schon vorgesehen, bei der Neupflasterung an bestimmten öffentlichen Gebäuden (Schulen, Gericht usw.) möglichst geräusch­loses Pflaster zu wählen. Stadtv. Wallenfels ist der Meinung, daß keine Schulen mehr unter dem Geräusch der vorüberfahrenden Fuhrwerke zu leiden hätten, als die Stadt­mädchenschule und das Gymnasium, und ist für Ablehnung deS Gesuchs. Nachdem Stadtv. Jann nochmals für das Gesuch eingetreten ist, wird dieses gegen zwei Stimmen ab­gelehnt.

Die von Herrn P r ö s ch e r angeregte Herstellung eines weiteren gepflasterten Uebergangs in der Rvd- heimer Straße wird abgelehnt.

Gegen den Bebauungsplan zwischen Mittelweg und Veterinärklinik ist von L. Spieß Einspruch erhoben worden, der, insoweit er fristgerecht einlief, sich darauf bezieht, daß für daS Eckgrundstück an der Frankfurter Straße die Vor- gartenbreite von 5 auf 3 Meter herabgesetzt werden möge, um den dortigen Bauplatz nicht zu sehr zu schmälern. Die Versammlung beschließt, dem Einspruch keine Folge zu geben, da die Festsetzung der Vorgartenbreite auf 5 Meter bereits bei der erstmaligen Aufstellung deS Bebauungsplans erfolgte und wohl auch vom Provinzialausschuß bei dem seinerzeitigen Enteignungsverfahren bezüglich der Entschädigungsfestsetzung auf die Verkleinerung deS Bauplatzes Rücksicht genommen wurde.

Für die Verbreiterung der Marburger Straße wurde von Lotz 71/, Quadratmeter Gelände für 45 Mk. er­worben, womit die Versammlung einverstanden ist.

DaS staatliche Hochbauamt hat mitgeteilt, daß die neue Augenklinik im nächsten Frühjahr eröffnet werden soll und bittet um Herstellung der Zufahrtsstraße. Die Versamm­lung erklärt hiermit ihr Einverständnis.

Erbauung einer Gewerbeschule.

Die Pläne für den Neubau der Gewerbeschule, die nun­mehr vorliegen, sehen deffen Errichtung auf dem städtischen, vormals Dr. Weberschen Grundstück und zwar im Garten zwischen dem großen Wohnhaus und der Stadtknabenschule vor. Der Gewerbeverein erhält die erbetene Erlaubnis, als­bald mit dem Bau beginnen zu können. Die Regelung bezgl. der Art der Abtretung deS Bauplatzes soll spater erfolgen. Die Stadtverordneten stimmen dem zu und ebenso der Bedingung, daß die Stadt daS Grundstück gegenüber der Gewerbeschule nicht bebaut, da die Schule auf dieser Seite ihr bestes Licht hat.

Rechnuugsaugelegeuheiten.

Während deS Punktes Prüfung der Rechnung für 1904 führt Stadtv. Schmoll den Vorsitz. Der Antrag der Finanzdeputation, die Rechnung zu genehmigen, die Kredit­überschreitungen, Ausstände, Liquidationen und Kreditüber­tragungen gutzuheißen, findet debattelos Genehmigung.

Einige Rechnungen für freihändig zu vergebende Arbeiten werden genehmigt.

Für die Pflasterarbeiten in der Hammstraße und die Schreinerarbeiten an der höheren Töchterschule lauft die Zu­schlagsfrist während der Stadtverordnetenferien ab. Um Feine Verzögerung in den Arbeiten deshalb eintreten lassen zu müssen, erhält der Vorsitzende die Ermächtigung, die Arbeiten an den Mindestfordernden vergeben zu können. Eventl. soll die Baudeputation die Vergebung vornehmen.

Die Löhne der Arbeiter im städtischen Elektrizitätswerk.

Der Vertreter der Arbeiter des Elektrizitätswerks im städt. Arbeiterausschuß hat unterm 9. Mai in einer Sitzung des Ausschusses die Erhöhung der Löhne dieser Arbeiter beantragt. Begründet wurde dies damit, daß die Löhne hinter denen anderer städtischer Arbeiter und auch gleichartiger Arbeiter der Privatindustrie zurückständen. Die Gas- und Wasser­werksdeputation empfiehlt Ablehnung des Gesuchs, zumal dec Arbeiteroertreter erst im Januar bei der allgemeinen Lohn­erhöhung erklärt hat, er habe keine Anträge zu stellen, und die Löhne ausreichend seien. Der Vorsitzende gibt eine Uebersicht über die im Elektrizitätswerk bezahlten Lohne, wo­nach durchschnittlich der Jahreslohn 121300 Mk. beträgt.

(Stabti). Krumm führt aus, die Elektrrzitätswerk- arbetter wollten mit denen des Gas- und Wasserwerks gleich- gestellt sein, was er für gerechtfertigt halte. Bei der Be­rechnung des Jahreseinkommens sei zu berücksichtigen, daß etwa 200 Mk. für die alle 14 Tage vorkommenden achtzehn­stündigen Sonntagsschichten bezahlt würden, sodaß die etgentkichen Löhne nicht allzu hoch seien. Er bitte, die Sache der Deputation zur nochmaligen Prüfung zu überweisen.

Der Vorsitzende bemerkt, gerade mit Rücksicht auf die Löhne der Gastarbeiter seien die Löhne ausreichend, denn diese hatten eine viel schwerere Arbeit. Ter Stundenlohn betrage bei den Arbeitern des Elektrizitätswerk 3140 Pfennig, bei den übrigen städtischen ungelernten Arbeitern 2640 Pfg. Zudem seien erstere 1904, die Straßenkehrer dagegen B. 1896 zum letztenmal aufgebessert worden. Stadtv. Löb er ist ebenfalls von einzelnen Arbeitern in ähnlicher Weise wie Stadtv. Krumm informiert worden und bespricht mehrere ihm vorgetragene Einzelwünsche. Stadtv. Krumm bleibt dabei, daß die bezahlten Löhne etwas niedrig seien, wenn man die Sonntagsarbeit in Betracht ziehe, und meint, man solle nicht sich kurzerhand ablehnend verhalten, wie dies in der Regel geschehe. Der Vor­sitzende erwidert, die Stadt verhielte sich keineswegs in der Regel ablehnend und habe z. B. erft diesen Winter eine alkg. Lohnerhöhung voraenommen, und zwar in einer Weise, daß die Privatinduftrie kaum folgen könnte. Stadtv. Wallenfels ist der Ansicht, daß die Verhältnisse beim Elektrizitätswerk mit denen beim Gas- und Wasserwerk in dieser Hinsicht nicht verglichen werden könnten, und ist für

Ablehnung, Beig. Heykigenstaedt ist derselben Anficyl und verweist darauf, daß die Arbeit beim Elektrizitätswerk viel angenehmer sei als beim Gaswerk. Er sei der An­sicht, daß die Leute ausreichend bezahlt seien. Der Vor­sitzende teilt noch mit, daß die jetzige Art des Sonntags­schichtwechsels aus 'Wunsch der Arbeiter eingeführt wurde.

Der Antrag der Deputation, der auf Ablehnung des Gesuchs lautet, findet in der Mstimmung die Mehrheit.

Verschiedenes.

Die freihändige Abgabe einer Partie Fichten- stangen durch das Tiesbauamt zum Tarifpreis von 12 Mark findet Genehmigung.

Die Unterhaltung der Gebäude des Realgym­nasiums und der O b e r r e a l s ch u l e wird 30 Mk. mehr erfordern, als der Voranschlag vorsieht, was keine Bean­standung findet.

Für die Beschaffung weiterer Schläuche und Gur­ten für die Feuerwehr werden 550 Mk. bewilligt. Die Anschaffung ist notwendig, weil zurzeit nur 700 Meter Schläuche vorhanden sind, bei einem größeren Brande also keine Reserve verbleibt.

Die Biebertalbahn und drei Gewerbetrei- bende in der Hammstraße wollen in ihren Be­trieben elektrische Kraft zusammen 12 Pferdestärken einführen, was rund 2550 Mk. erfordern wird. Der hierfür erforderliche Mehrkredit wird beim tilgt, da die Gesuchsteller sich auf zehn Jahre zu einer jährlichen Stromabnahme für 255 Mk. verpflichten.

Die wirtschaftliche ^age im Wezirk der Kroßh. Kandelskammer Kießcn gestaltete sich im Jahre 1905 nach den im Jahresbericht auf Grund der Sachverständigen-Berichte gemachten Mitteilungen in den einzelnen Geschäftszweigen folgendermaßen:

Der Getreidehandel arbeitete fortgesetzt mit be­scheidenem Nutzen. Eine Aenderung gegenüber den Vor­jahren ist hierin nicht eingetreten. Nach der Erntestatistik fiel die Weizen- und Roggenernte in der Provinz Oberhessen etwas reichlicher aus als im Vorjahre, wogegen Gerste und Hafer in qualitativer und quantitativer Hinsicht einen ge­ringeren Ernteertrag hatten. Der Handel mit Futter­mitteln war ziemlich befriedigend bei steigenden Preisen und fortwährend knappen Beständen. Der Viehhandel stand unter dem Zeichen einer ganz ungewöhnlichen Preissteigerung und deS Mangels an Schlachtvieh. Die Fleischpreise wiesen eine außerordentliche Steigerung auf, was eine Einschränkung des Fleischgenuffes und die Verwendung von Ersatzmitteln, insbesondere von Fischen, zur Folge hatte. In der Lage der Weizen Müllereien unseres Bezirks ist keine Besserung eingetreten. Sie leiden fortgesetzt unter dem scharfen Wett­bewerb der großen rheinischen Mühlenwerke. Der Handel mit 2J2ü ble nf abritaten gestaltete sich dagegen im Hin­blick auf das Inkrafttreten der neuen Handelsverträge leb­hafter als im Vorjahre. Die Molkereien hatten einen befriedigenden Geschäftsgang, doch sind im Interesse des Bezugs ihres Rohmaterials und des Versandes ihrer Fabri­kate beffere Einrichtungen auf den Eisenbahnen zu fordern. Die Bierbrauereien erzielten im allgemeinen einen nor­malen Absatz. Die Biererzeugung weist gegenüber dem Vor­jahre nur einen kleinen Rückgang auf. Der Ertrag litt unter hohen Nohstoffpreisen und zum Teil unter Lohnsteigerungen. In dem Kreditunwesen im Verkehr mit den Gastwirten ist noch keine Befferung eingetreten. Eine große Beunruhigung verursachte gegen Ende des Berichtsjahres dem hiesigen Brau­gewerbe die in Aussicht genommene Erhöhung der Bier­steuer. Die Branntwein- und Likörfabrikation hatte wiederum unter der Preispolitik der Zentrale für Spiritus­verwertung schwer zu leiden. Die Verkaufspreise der Fabri­kate konnten mit den enorm gestiegenen Preisen des Roh­materials nicht in Einklang gebracht werden, und der Konsum von Trinkbranntwein hatte eine weitere Abnahme zu ver­zeichnen. In der Essigsabrikation waren Beschäftigung und Absatz besser als im Vorjahre. Im Kolonialwaren- Handel war der Geschäftsgang im allgemeinen zufrieden­stellend, doch ließen die Ergebnisse immer noch zu wünschen übrig. In der Rauchtabakindustrie ist ein Rückgang zu verzeichnen, wogegen in der Kautabakfabrikation ver­mehrte Umsätze erzielt werden konnten. Der Geschäftsgewinn war allerdings in der gesamten Tabakfabrikation äußerst gering und stellte sich nur wenig höher als eine Verzinsung des Betriebskapitals. Inden Zigarrenfabriken herrschte im zweiten Halbjahre flotter Geschäftsgang, der sich nach Bekanntwerden der ©teuerpläne der Reichsregierung noch lebhafter gestaltete. Der Nutzen war dagegen bei der fort­gesetzten Preissteigerung der von der Kundschaft verlangten fahlen Decken, den erhöhten Ansprüchen in Ausstattung und Fasson und der langsamen Zahlungsregulierung gering. Die in Aussicht genommene Mehrbesteuerung des Tabaks ver­ursachte in der hiesigen Industrie eine große Beunruhigung^ da von ihrer Durchführung eine Umwälzung in den Pro­duktionsverhältnissen zu Gunsten der süddeutschen Fabrikation zu befürchten war.

___________________(Schluß folgt.)

Kinderversammlungen zur Belehrung über Tierschutz werden demnächst in Berlin veranstaltet. Tie städtische Schul­deputation hat zu diesem Zweck die Benutzung von vier Gemeinde­schulen gestattet.

Das Beispiel ist sehr nachahmenswert. Wohl Jeder hat wohl schon die Beobachtung gemacht, daß Kinder, auch die sonst ganz gesitteten, eine Neigung zu Grausamkeiten gegen Tiere hegen. Man sieht auf der Straße Kinder mit einem einer besseren Sache würdigen Eifer und erfinderischen Sinn damit beschäftigt, Hunde zu schlagen oder zu zerren, Katzen mit Steinwürsen zu verfolgen, Pferde scheu zu machen usw. Bei Spaziergängen in Wald und Flur fallen noch ärgere Betätigungen des abscheulichen Zerstörungstriebs ins Auge. Da werden Vogel­nester herabgeschüttelt, Frösche, Eidechsen mit erbarmungslosem Raffinement gequält, Schmetterlinge zerzupft, Blumen und Pflan­zen ausgerissen und sortgeworsen, als ob die Wunder der Schöpf­ung nur dazu da wären, soviel wie möglich vernichtet zu werden. Der hinzukommende Erwachsene hört seine entrüsteten Vorhalt­ungen oft mit dem erstaunten Ausruf beantworten:Wir haben uns nichts dabei gedacht!" Schlimm genug, wenn sich Kinder bei solchen Roheiten nichts denken! Das beweist eben, daß den Kindern weder in der Familie noch in der Schule die Schonung des Schwachen, die Liebe zur Natur, die Tierfteundlichkeit ans Herz gelegt worden ist. Man sollte meinen, daß mindestens der Religionsunterricht dafür die geeignete Gelegenheit gewährt. Das Thema ist sehr ernst und steht in engem Zusammenhang mit den berechtigten Klagen über die Verwilderung der Jugend und die jugendlichen Verbrecher. Ein Tierquäler wird auch zum Menschenquäler, das ist eine alte Erfahrung.

Schule und Ticrschutzvereine sollten Hand in Hand gehen,

diese schlimmen Neigungen zu bekämpfen. Und es werden sich gewiß überall Privatpersonen finden, die bereit sind, erforder­lichenfalls die Mittel zu Vorträgen mit Lichtbildern zur Verfügung zu stellen. Denn trockenen, langweilenden Tones darf die Sache nicht behandelt werden. Sonst verfehlt die Ein- wirkung ihren Zweck.

Der Zusammenbruch einer großen Erfurter Gärtnerei.

Die Firma Peterseim in Erfurt, die seit Jahren durch ihre Schleudergeschäste dem soliden Gartenbauhandel einen.1 schweren Nachteil bereitet hat. die sich alle Manieren der Groß- bazare angewöhnt hatte, ist in Konkurs. Sie wollte in letzter Stunde noch saniert fein. Aber die handelsgärtnerische Fachpresse schlug dagegen Lärm und sagte:Es ist an der Zeit, daß dieses ungesunde Treiben endlich aus dem gärtnerischen Geschäftsverkehr verschwindet, und gerade jetzt ist der Moment gekommen, wo die deutsche Gärtnerei dadurch, daß sie sich von dieser Konkurrenz befreit, selbst saniert wird." So kam denn die beabsichtigte Gesellschaft «mit beschränkter Haftung nicht zustande. Das Erfurter Bankhaus Stärke beantragte beim dortigen Amts­gericht das Konkursverfahren über M. Pcterseim, Blumengärtnerei. Zweifellos wird sich der Chef dieses Bankhauses, der Geh. Kom­merzienrat Stücke, dessen Name wiederholt in den Zirkularen der fallierten Firma vorgekommen ist, von der Unmöglichkeit einer Gründung überzeugt haben. Stürke ist Vorsitzender der Erfurter Handelskammer und konnte nicht zu einer derartigen. Gründung die Hand bieten.

Inzwischen hat sich die Erfurter Lokalpresse ganz offen darüber geäußert, welche Firmen einer Gründung der Peterseim'schen Gärtnereien zugestimmt haben. Für die betreffenden ist es jeden­falls, so meint die in Leipzig erscheinende FachzeitschriftDer Handelsgärtner",_ eine zweifelhafte Ehre, die ihnen damit er­wiesen wird, daß sie in den Reihen derjenigen Firmen stehen, die sich bei diesem in der Gärtnerei einzig dastehen­den Krach durch wenig vorsichtige Kreditgewährung beteiligt haben. Es sind darunter auch angesehene Leipziger Buchdrucke­reien.

Das genannte Fachblatt schließt seine Erörterungen zum Fall Peterseim mit folgenden Worten:

Auch zweifeln wir nicht daran, daß die nachträgliche Prüf­ung der Aktiven und Passiven vorn vereidigten Bücherrevisor Erdmann, der ebenfalls mit einem Eifer, der einer besseren Sache wert gewesen wäre, für die Sanierungsbestrebungen ein- trat, inzwischen ein ganz anderes Bild gegeben und alle in. dieser Sache beteiligten Kreise überzeugt hat, daß unser schon vor Jahren gefälltes Urteil das richtige war: Die Firma M. Peterseim in Erfurt hat sich selbst gerichtet!

Vermischtes.

Unro etter und Hitze. Aus derPrvvinz Schleswig- Holstein, sowie aus Dänemark liegen Meldungen über Blitz- und Hagelschäden vor. Im Kreise Apenrade wurden zahlreiche Gebäude eingeäschert, desgleichen in der Umgebung von Segeberg, wo auch mehrere Personen vom Blitz erschlagen wurden. In Flensburg wurden ein Bauunternehmer und sein Gehilfe vom Blitz getötet. In Dänemark wurden acht Menschen vom Blitz getötet, 80 Bauernhöfe und Häuser durch Blitzschlag eingeäschert. DerDaily Expr." veröffentlicht eine Depesche aus Los Angelos, welche die Leiden der Bevölkerung bei der gegenwärtigen Hitze in Kalifornien schildert. Viele sind infolge der Hitze gestorben, andere wahnsinnig geworden. Viele Minenbesiher, die aus den Goldgruben mit ihren Schätzen nach LoS Anglos kamen, starben unterwegs.

* Eine Massenmörderin. In Coby in Süd­afrika wurde eine Frau verhaftet, die in dem Verdacht steht, über hundert Kinder um gebracht zu haben. Die Untat wurde durch das Ablassen eines Teiches entdeckt, wobei man über 50 Kinderskelette fand. Die Beschuldigte erklärt, eine ganze Reihe von Frauen nennen zu können, die eben­falls mitschuldig seien.

* Kleine Tageschronik. In den Elarner Alpen ist am Sonntag ein junger Einheimischer beim Edelweißsuchen ab- gestürzt und hat dabei den Tod gesunden. InFürth hat sich der 29 jährige Arzt Tr. Herzberg, der keine Praxis hatte, aus Nahrungssorgen in seiner Wohnung mit Morphium Der» giftet.

Kmift mib Wissenschaft.

Die Blinddarmentzündung.

Berlin, 2. Aug. In der gestrigen Sitzung der Berliner medizinischen Gesellschaft wurde die Beratung über die Blinddarm­entzündung vorläufig zum Abschluß gebracht. Dr. Reumann wies darauf hin daß eine frühzeitige Feststellung und Behandlung leichter Falle von Blinddarmerkrankung zur Heilung ohne Rückfall führen kann, wenn der behandelnde Arzt lediglich mehrere Tage Bettruhe und möglichste Ruhigstellung deS Blinddarms (durch Eis und Opium) verordnet. Die Zahl der Operationen würde sich damit etwas einschränken lassen. Auch Professor Ewald ist dieser Ansicht. Er rät, den Verlauf des Prozesses abzuwarten und erst bei drohenden Erscheinungen chirurgisch einzugreifen. Im Gegensatz hierzu vertrat Prof. Dr. A. Baginsky vom Kaiserin Friedrich-Krankenhause den Standpunkt, daß bet Kindern sofort zur Operation geschritten werden müsse. Geh. Medizinalrat Pros. Dr. Guttstadt wies darauf hin, daß von Reichswegen zwar noch eine Statistik über Blinddarmentzündungen fehlt, daß sich aber seit Jahren eine solche in den Veröffentlichungen des Statistischen Landesamts finde. Danach sind in den allgemeinen Heilanstalten Preußens wahrend des Jahres 1904 im ganzen 10,793 Personen mit Blind­darmentzündungen behandelt worden. Davon wurden 4774 operiert. Die überwiegende Mehrzahl der Behandelten gehörte dem Alter von 15 bis 20 Jahren an. Aus dem Vergleich der Zahlen verschiedener Jahre geht hervor, daß die Sterbe­ziffer bei den Behandelten und besonders bei den Ope­rierten abnimmt.

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Gerichtssaal.

Bei meine erste Frau, den ollen Drachen, jeh' ick nich mehr, eher könn' se mir dotschlagen", antwortete vor einem Berliner Gerichtshof der Arbeiter Schnell, welcher wegen Bigamie an- geklagt war, auf die Frage des Vorsitzenden, ob er sich schuldig bekenne. Schlimme Erfahrungen, die Sch. in der Ehe gemacht hatte, mußten eS gewesen sein, die den Angeklagten zu einem schweren Trcuebruch gegen seine crstangetraute Gemahlin namens Phillaria Mitfranzka veranlaßt hatten. Sch. ist nämlich seit fünf Jahren glücklicher Besitzer von zwei Frauen. Im Jahre 1878 heiratete er in Pyritz die Phillaria. Die Ehe muß wohl nicht allzu glücklich gewesen sein, denn nach 13 jährigem Ehestand, der nach Ansicht des Angeklagten alsKriegsjahre" doppelt zählte, ging man sang» und klanglos auseinander. Im Jahre 1901 verheiratete sich S. zum zweitenmal mit dem Dienstmädchen Amalie Reikelt. Als Motiv hierzu gab der Angeklagte vor Gericht an:Wat sollte ick mir denn so alleene uff die Welt rumdreiben un mir inspunnen lassen; ick wollte wieder mal so war schnuddliches Weibliches um mir, da ick schonst keene Nacht mehr een Ooge zumachen konnte." Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er denn mit seiner zweiten Frau glücklicher lebe/ äußerte sich S.: Na, aber jawoll doch, wie een Paar Tnrteldeibkens, da müßten Se mal zukiekcn! Ick bekenne mir ja schuldig, bet ick nu zwee Frauen haben dhun dhue, aber bei meiner ersten Fran, den ollen Drache jehe ick nich mehr, ehe lasse ick mir dotschlagen." Der Staatsanwalt nahm mit Rücksicht auf das Geständnis und die gewiß nicht erfreulichen Familienverhältnisse des S. von einer Zuchthausstrafe Abstand und be­antragte nur neun Monate Gefängnis. Die Strafkammer erkannte auf 6 Monate Gefängnis. Nach Verkündigung des Urteils tritt die erste bessere Hälfte" des Angeklagten an den Nichtertisch heran:Ick bitte mir sofort zu scheiden!" Erst die Erklärung des Vorsitzenden, daß biet nicht so schnell gehe, veranlaßt bic Erregte, mit einem vernichtenden Blick auf den Angeklagten den Saal zu verlassen.