Nr. 1A8
Viertes Blatt.
150. Jahrgang
Erscheint Äglld) mit Ausnahme deS Sonntag?.
Tie ..Siebener Zamillrnblälter" werden dem .Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Ter ^hessisch« Santoir*4* erscheint monatlich einmal.
Glehener Anzeiger
Samstag 2. Jun« 1906
Rotationwrnck und Verlag bet VrLhl'sche» UnwersilätSdruckeret. R. Lang«, Dietz«.
Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.?.
Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr. r Anzeiger D'etze».
General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen.
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General-Vertreter: A. Collin, Fj ankiurt a. M., Kaisei sir. 60 1.
Darauf Frau Pfeifer: „Du kannst doch unmöglich Mutter die Tochter nehmen wollen?"
„Ich nehme ja auch", antwortete er, der Mutter Sohn!"
Ms Frau Pfeifer auf ihr Kind hinwies, fügte der
Unsversitäts-Nach richten.
— Derdeutsche Veterinärrat, in dem sämtliche tierärztlichen Vereine Deutschlands zusammengeschlosserr sind, hält seine 10. Plenarversammlung vom 8. bis 10. Juni in Breslau ab. Namentlich sollen die Erfahrungen besprochen werden, die mit der Handhabung des Reichs-Fleisch- beschau-Gesetzcö in allen Teilen Deutschlands gemacht worden sind, außerdem auch die Notwendigkeit der Verleihung des Promotionsrechtes an die Tierärztlichen Hochschulen.
Eingesandt.
(Für den Inhalt der unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt Die Redaitlon dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Gießen, 1. Juni.
Nach dem Bericht des „Gießener Anzeiger" über die letzte Stadtverordneten-Sitzung hat die Wasserdeputation den Antrag der Eich gärten »Beröohn er um Zusühr u n g von LcitungS- wasser abgelehut mit der einiachen Begründung, Leute außerhalb des Bebauungsplanes hätten sich sür Wasser und Licht selbst zu sorgen. (Tas war übrigens, rote aus dem Bericht hervorgeht, nicht der alleinige Grund zu dem Antrag der Tepmanon, und in der Stadlverorbneten-Bersainmliing wurde allseitig betont, daß dein Ersuchen der dortigen Bewohner, wenn es irgendwie möglich ist, entsprochen werden möge. Red.)
Zum belferen Verständnis der Sache und zur Aiifklärung sei hier noch au* Nachstehendes hingewiesen:
Für eilte in so unmittelbarer Nähe der Stadt gelegene Häuser- gruppe, die säst von allen Seiten durch Straßen eingeschlossen ist, kann der vorgebrachte.Grund nicht stichhaltig fein; zudem wäre es an der Zeit geivesep, Wohnhäuser, die schon über 30 Jahre bestehen, in den städtischen Bebauungsplan ein-ulühren. Tie für sie in Betracht kominendeii Brunnen tonnen sie nicht benutzen, iveil das Wasser daraus nach chemischer Untersuchung gesundheitsschädlich ist. Wofür bezahlt man denn Steuern, et,va für Einrichtungen, von dcneii man keinen Vorteil Hal, die inan zwar sehen, aber nicht be° ■ nutzen kann. 9)ian hat nun mü das Vorhandensein emes Veiitil- brunnens hingewiesen, der sich am alten Friedhof, am Eingang nach dem Schisfenberger Weg, besindet. Wie mühevoll und umständlich diese Wasserversorgung ist, kann nur der erkennen, der selbst davon betrosien >vird. Im Sommer geht es zur Not noch, wie aber slehts int Winter! Man bedenke wohl, daß aus dem Wege zu dem ge- nannten Brunnen zwei Straßen zu überschreiten sind, wodurch das Publikum sehr leicht belästigt werden könnte. Wie ist es aber bei Frostwetter? Man braucht nur den Fall zu erwähnen, luemi jemanö infolge schnellen Ausweichens irgend eines Fuhrwerkes Wasser auf der Straße verschüttet, was dann zu Eis friert und zu einem Unfall Veranlassung flieht. Wer soll nachher für die cm- stehenden Folgen verantwortlich gemacht werden 'i Außerdem muß es auf einen Fremden einen sonderbaren Eindruck machen, roemi er sieht, wie in einer Universitätsstadt noch Leute mit Wasfereuner über die Straße laufen, eine Einrichtung, die man auf dem Lande kaum noch findet.
An solche Einzelheiten, die doch für die Beteiligten von größter Wichtigkeit sind, ist bei der Beratung dieser Frage wohl kaum gedacht worden.
zivSfvg Biio dkli rtsL-ksimlsrkhlftttU der Atsdt tiirfern.
Aufgebote.
Am 23. Mai. Heinrich Müller II., Weißbinder in Lang-GönS mit Elisabelhe Hofnianil dahier. Am 25. Mai. Karl Nebe, Landwirt und Fuhrunternehmer dahier mit Auguste Nöding hierselbst. — Johannes beujer, Feldwebel in Frankfurt a. M. mit Clara Dörr dahier. Am 26. Mai. Christian Wilhelm Schmidt, Werkbeamter dahier nut Johanna Auguste Frieda Sack in Hüsten. Am 28. Mai. Johann Mathias Gaub, Gastwirt in Frankfurt a. M. mit Katharine Biibeuheim dahier. Arn 29. Mai. Ewald Schreiber, jiaujmami in Frantsurt a. 9)1. mit Elisabelhe Koch dahier. — Ernst Ulrich, Färber in Butzbach mit Klara Günther dahier. Am 30. Mai. Jakob Fischer, Fahrkartenausgeber dahier mit Frieda Waibel m Bruch. Am 31. Mai. Jakob Ruppert III., Uhrmacher in Dber- Jngelheim mit Lisette 9ldolfine Rrenter babier. — Wilhelm Theodor Guiitzert, Kailfiiiaiul in Wien nut Luise Blödner dahier. — Karl Melius, Kutscher dahier mit Lisette Dietzler Hierselbst.
Ehefchließuugeu.
Am 26. Mai. Georg Bähr, Tierarzt in Treysa mit Antonie Ritzel dahier. — Ludwig Dechert, Elektromonteur dahier mit Anna Schmitt hierselbst. — Gustav Wehner, Schlosser dahier mit Anna Wehrum hierselbst. — Franz Jung, Schlosser dahier mit Minna Riedesel hierselbst.
Geborene.
Am 19. Mai. Dem Oberarzt Tr.Kurt von Leupoldt ein Sohn, Gerhard Kurt. — Dem Zigarreniabrikaiiten Bruno Heilmann ein Sohu. Am 20. Mai. Dem Taglöhner Friedrich Feiling ein Sohn, Johann Wilhelm. 9lm 21. Mai. Dem Bahnmeister Johann Max Kienbichl eine Tochter, Hedwig Margarete. Am 22. Mai. Dem Fuhrknecht Karl Äugust Wolf eine Tochter, Katharine. Am 23. Mai. Tem Bildhauer Alarlin Schmal! eine Tochter, Alarie Lotte. Am 24. Mai. Dem Fuhrknecht Heinrich Wagner eine Tochter, Christiane Reinhardine Wilhelmine. Am 25.9)iai. Dem Chemiker Dr. Ludwig Aloser eine Tochter, Christiane Luise Bertha Wilhelmine. Am 26. Mai. Dem Buchhändler August Frees ein Sohn. — Dem Maschinenmeister Anton Schmidt ein Sohn, Ernst Erich Walter. Am 27. Mm. Dem Schutzmann Karl Neuz ein Sohn, Ludwig Ferdinand.
Gestorbene.
Am 26. Mai. Otto Wilhelm Schmidt, 40 Jahre alt, Uhrmacher dahier. Am 27. Mai. Ludwig FeldhauS, 45 Jahre alt, Kellner babier. Am 30. Mai. Wilhelm Kraft, 1 Jahr alt, Sohn des Gerbers Heinrich Kraft dahier. - Anna Möhl, geb. Becker, 49 Jahre alt, Ehefrau des Metzgermeisters Adolf Möhl dahier. Am 31. Mai. Hemrich Fleischer, 2 Monate alt, Sohn des Schneiders Hermann Fleischer dahier. - Elisabeth Senkler, 2 Jahre alt, Tochter des Aletzgers und Wirts Philipp Senkler dahier. — Auguste Sepp, 17 Jahre alt, Laufmädchen dahier. ___
geklagte hinzu, es tonne ja noch überlegt werden, ob das Kind nicht mit aus die Tooesrcise genommen lverden könne. Im Weggehen griff der Angeklagte nach der neuen Ta schenkst st ole des Dr. Pfeifer und äußerte mit der Pistole in der Hand: „Ich glaube, das tut nicht weh!" woraus F-rau Pfeifer das Zimmer verließ. Es konnte nicht festgesiellt werden, ob die Pistole geladen war, und ob der Angeklagte auf Frau Pfeifer gezielt hat. Das Gericht hat aber in dem geschilderten Vorfälle eine Drohung mit dem Verbrechen des Totschlags erblickt und angenommen, daß sich der Angeklagte, der allerdings schwerer Neurastheniker ist, nicht in einem Zustande kranchafter Störung der Geistestätigkeü befunden hat. — Die Revision des Angeklagten, der unter anderem behauptete, es sei nicht festgestellt, daß Frau Pfeifer die Drohung als eine ernstgemeinte ausgesaßt yat, Iwurde, wie man uns aus Leipzig berichtet, gestern vom Reichsgericht als unbegründet verworfen.
Bedenkt mau ferner, wie viel Wasser für Anlagen, Springbrunnen :c. verbraucht wird, so erscheint die Tatsache fast unbegreu- lid), daß cm nach seiner Steuerlast gleichberechtigter Stadtteil bis heute noch ohne Einschluß an das Wasserleitungsnetz ist, em Bedürfnis, das den Betreffenden aus gestindheitlichen Rücksichten nicht länger verjagt bleiben kann. Bedeiiken sollte man auch, daß eme durch diesen Zustand herausbeschworene Seuche nicht nur den betreffenden Anwohnern, soiidern der ganzen otabt verhängnisvoll werben kann.__
Roman eines Amtsrichters.
Vom Landgericht Stettin ist der Amtsrichter Henning in Pasewalk wegen Bedrohung zu einer Geldstrafe Don 200 Mark verurteilt worden. Seit 1896 ist er in Pasewalk als Amtsrichter tätig. 1899 ließ sich dort der Dr. meb. Hugo Pfeifer als Arzt nieder, der im Jahre 1900 heiratete. Der Angeklagte und Dr. Pfeifer verkehrten miteinander als Freunde. 'Rach der Verheiratung des Arztes konzentrierte sich aber, wie es im Urteil heißt, der Verkehr des Angeklagten mehr auf die F-rau deS Arztes, al? auf diesen seihst. Am 25. Mai 1903 wurden der Amtsrichter und bic ^-rau des Arztes in einem abgetrennten Zimmer in Berlin betroffen, und zwar unter Umstanden, die hier nicht angedeutet lverden können. Das Urteil sagt aber: Es ist nicht festgestellt. daß es bis zum wirklichen Ehebruch gekommen ist Ter Angeklagte war nun, wie es weiter im Urteile heißt, während seines Verkehrs mit der Frau des anderen in
in der Entwicklung ober beim Lernen zurückbleibende «Inder, sowie blut' arme, sich mattfühlenbe und nervöse überarbeitete, leicht erregbare, frühzeitig erschöpfte Erwachsene gebrauchen als Kräftigungsmittel mit großem Erfolg Dr. tzommel'ö Hacmatogen.
Der Appetit erwacht, die geistigen und körperliche» Kräfte werden rasch gehoben, das Gesamt-Nervensystem
Man verlange jedoch ausdrücklich daS echte ,,Dr. Hommel'ö" Hacmatogen und lasse sich keine der vielen Nachahmungen auf- reden.
einen derartigen Zu stand „krankhafter Erregung" geraten, daß er beabsichtigte, einen längeren Urlaub zu nehmen. Um sich ein ärztliches Zeugnis geben zu lassen, ging er am 7. September 1903 nach drei schlaflos verbrachten Nächten — das Urteil hebt dies besonders hervor — zum Dr. Pfeifer. Dieser war gerade nicht zu Hause, wohl aber seine Frau, die den Besuch des Amtsrichters annahm. In der letzten Zeit war das Verhältnis „nicht mehr so intim gehandhabt" worden, aber beide ließen sich doch im Sprechzimmer des Arztes in ein längeres Gespräch ein. Wie sich dieses entwickelte, haben die beiden vor Gericht durchaus verschieden geschildert. Objektiv tonnte das Folgende festgestellt werden:
Der Amtsrichter äußerte: „Komme ich krank zurück unb merke, daß Du Tein Spiel mit mir getrieben hast, bann wäre es nicht unmöglich, daß wir die große Todesreise zusammen antreten!"
Die Verurteilung des Polizeitommissar Stephany.
Straßburg i. Gis., 1. Juni.
Die Strafkammer verurteilte heute den früheren Po- lizeikommissar Stephany wegen Unterschlagung im Amte zu 3 Monaten Gefängni s 'und den Kosten des Verfahrens. Die Unterstcchungshaft wird seit dem 2. März angerechnet. Die Unterschlagung wurde |in der Einbehaltung eines Briefes angesehen, der Material zu einer Strafanzeige enthielt und infolgedessen der IStaats- anwaltschaft gehörte. Der Staatsanwalt hatte 6 Monate beantragt. — Im Jahre 1903 gelangte die Amtsunterscblag- ung zur Kenntnis der Behörde. Anläßlich der «Gründung eines Feuerwehrvereins, zu dem die obrigkeitliche Genehmigung erforderlich ist, war der Angeklagte zur Berichterstattung aufgefordert worden, speziell auch über die etwaige politische und sonstige Betätigung des Gründers, eines Dr. Mary, der einer d " Führer der demokratischen Partei war. Stephany wandte sich an MaryS politischen Gegner Dr. Bastian und verkaufte diesem für 150 Mk. ein in feiner amtlichen Eigenschaft erhaltenes Sckireiben mit beleidigenden Angaben über Dr. Mary, nachdem er den Verfasser des Briefes vergeblich um ein Darlehen in demselben Betrage angegangen hatte. Vorher hat der Angeklagte das Schreiben auch in seinem Bericht an feine vorgesetzte Behörde verwendet, trotzdem dieses eine Reihe ganz unbewiesener schwerster Beschuldigungen in sittlicher Beziehung enthielt. In der Zwischenzeit hatte sich Stephany durch mehrere aufsehenerregende Artikel in Straßburger Blättern unliebsam bemerkbar gemacht, in denen er die Ger mani- sierungspolitik in Elsaß-Lo thrin g en einer verachtenden Kritik unterwarf und allerlei „b e- hördliche Gesinnungsfchnüfseleie n" zur Sprache brachte. Gleichzeitig bemerkte er, daß er angesichts des Hochverratsparagraphen im Deutschen Strafgesetzbuche mit interessanten Mitteilungen zurzeit nicht aufwarten könne. Dies tat er, nachdem er nach Zürich übergesiedelt war. In einer in Zürich verlegten Broschüre, die weit über die Grenzen der Reichslanden hinaus Aufsehen erregte, versuchte er den Nachweis zu erbringen, daß die elsäs s. Regierung in ihren Berichten nach Berlin über den Sieg der Germanisation unwahre Angabe n zu machen pflege, und deckte weiter ein System der sog. „Proskription s 1 i st e n" auf. Diese Listen sollten nach Stephany auf jeder Kreis- bezw. Polizeidirektion geführt sein und enthielten die Namen derjenigen Leute, die im Mobilmachungsfalle auszuweifen bezw. festzunehmen seien, ja event. in ein- und ausbruchssicheren Kasematten untergebracht werden sollten. Stephany zählte in seiner Schrift auch einige dieser Präskribierten auf: die protestlerischen Reichstagsabg. Delsor und Vonderscheer, die sozialdemokratischen Führer Ernmel, Böhle, Martin und Peirotes, sowie zahlreiche Fabrikbesitzer. Weiter enthielt das Buch eine Schilderung eines deutschen Spitzeldienstes in Frankreich, der Ueberrnacht der Klerikalen auch in Elsaß-Lothringen und schließlich unter rücksichtsloser Nennung vieler Namen eine Kritik des Sittenlebens des elsässischen Beamtentums. Die ganze Broschüre war nach den von Unterstaatssekretär v. Köller im Landesausschuß abgegebenen Erklärungen der Regierung als niedriger Racycakt des Kommissars anzusehen. Seine weiteren Angaben über mystische Reisen des Kaisers nach Paris u. a. m. wurden damals als Majestütsbeleidigungen bezeichnet unb s/4 aller übrigen Erzählungen ebenfalls als ausgebaufchter Klatsch und haltlose Lügen bezeichnet.
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