Ausgabe 
24.7.1906 Zweites Blatt
 
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tischen und hygienischen Anforderungen bezüglich Temperatur, regulierung, Heizung, Entlüftung und Wasserentleerung ent­sprechen. In dem neuen Badehaus werden Thermalsprudel- bäder der Quellen 7 und 12 einzeln oder gemischt abgegeben. Die Bäderpreise sind die gleichen wie im Badehause 6. Im Badehaus 6 werden Thermalsprudelbäder nicht mehr verab- folgt, dagegen nach wie vor solche im Badehaus 3 Süd. Im Badehaus 6 Süd und Nord werden für die Folge nun» mehr Thermalbäder von Quelle 7 und 12 gegeben. Zu den zahlreichen gesellschaftlichen Abwechselungen sind in dieser Saison die mit großem Beifall aufgenommenen ,italienischen Nächte" im Park hinzugekommen. Die Frequenz des Bades hat die vorjährige Ziffer vom 18. Juli um 976 Personen überschritten. In der letzten Zeit sind viele Parlamentarier und Aerzte zur Kur cingetroffen.

0 Grünberg, 24. April. (Eig. Drahtmeldung.) In der gestrigen geheimen Sitzung des Gemein derats, der auch Kreisamtmann Dr. M erck beiwohnte, wurde beschlossen, für die als Fortsetzung der Butzbach-Licher Bahn geplante Nebenbahn Lich Grünberg sich zur unentgelt- lichenGeländestellung bereit zu erklären und außerdem für 4000 Mk. Obligationen zu übernehmen.

§ Laub ach, 22. Juli. Einer dankenswerten Aufgabe hat sich der hiesige Zweigvercin des Vogelsberger Höhenklubs unterzogen, indem er durch seinen Vorsitzenden, Oberlehrer Weißbart, einen Führer für die nähere und weitere Um­gebung Laubachs bearbeiten und herauSgeben ließ. Das im Verlag von Bagge und Hardegg erschienene Merkchen verzeichnet in sorgfältiger Bearbeitung in vier Abschnitten: 12 markierte Touren und 18 Ausflüge in die nähere Um­gebung LaubachS, 39 Touren in die weitere Umgebung und eine Zusammenstellung von ein- und zweitägigen Touren bis zum Oberwald einschließlich. Sämtliche Spaziergänge sind anschaulich beschrieben, die näheren Wege laffen sich mit Zuhilfenahme der neu aufgefrischten Markierungen, die er­weiterten Touren an Hand jeder Touristenkarte leicht auf- finden. Bei unserem steigenden Fremdenverkehr wird da§ Büchlein eine willkommene Aufnahme finden.

x Nieder-RoSbach, 23. Juli. Das gestrige Gau- turn fest des GaueS Wetterau war sehr stark besucht, 36 aus­wärtige Vereine nahmen an dem stattlichen Festzug teil. Zum Preisturnen traten ca. 300 Turner an. Der hiesige Verein feierte gleichzeitig seine Fahnenweihe. Pfarrer Holl hielt die Festrede.

(X) Freie ns een, 21. Juli. Bei der letzten Kirch­weih kam es zwischen Laubacher und Lardenbacher Burschen zu Reibereien, die schließlich mit einer Rauferei endigten. Ursache soll die Wegnahme von zwei Fahnen an einem der Wagen bei der letzten Hauptmusterung in Schotten gewesen sein. Schließlich wurde mit Biergläsern geworfen und bald gab es blutende Gesichter. Der einschreitende Polizeidienec bekam auch sein Teil weg. Die gerichtliche Untersuchung über den Fall ist eingeleitet.

-t Ilbeshausen, 22. Juli. Das Projekt der Anlage eines See S in der Hochebene des Schwarzbaches ist um einen Schritt weiter gerückt, in den nächsten Tagen wird durch Geometer Rühl mit der Vermessung, der Aufnahme deS Terrains begonnen werden. Man hat berechnet, daß allein die Fischzucht schon ein lohnenderes Erträgnis als die Wiesen geben würde, daneben würde man eine nicht unerhebliche Wafferkraft gewinnen, Rudersport könnte gepflegt, ein Bad für die Hochwaldhäuser Sommergäste eingerichtet werden. DaS Landschaftsbild erhielte eine weitere Verschönerung, im Rahmen der bis zu 700 Meter ansteigenden, mit Hochwald bestandenen Berge, Nesselberg, Grebenhainer Berg, wird der See mit seiner Umgebung einen entzückenden Anblick bieten.

Alsfeld, 23. Juli. In der letzten Gemeinderats­sitzung, der Geheimrat Professor Dr. Kittler an§ Darmstadt beiwohnte, wurde eine Erweiterung des Elektrizitäts­werkes beschlossen. Die Ergänzungsanlage, die 50 000 Mk. erfordert, soll bis 1. Dezember d. I. betriebsfähig sein. Weiter wurde beschloffen, die Gcoßh. Regierung um kosten­lose Anfertigung von Plänen und Kostenanschlägen für die Wiederherstellung des Rathauses zu bitten' und die Reno­vierung der Walpurgiskirche bis nach Instandsetzung deS Rat­hauses zu verschieben. Für Großherzog Ludwig IV. soll kein besonderes Denkmal errichtet werden, sondern eine Gedenktafel am Kriegerdenkmal angebracht werden.

? Michelbach, 22. Juli. Heute feierten Polizeidiener Konrad Dambmann und Frau in voller Gesundheit die goldene Hochzeit. Dekan Münch hielt in der Kirche eine herzliche Ansprache.

Mainz, 23. Juli. DaSMainz. Journ." veröffent­licht den Wortlaut eines Vertrags, der im Juni d. IS. zwischen der Reichskommission, der Eisenbahndirektion Mainz und der Bürgermeisterei Mainz wegen Verlegung der Eisenbahnwerkstätten abgeschlossen worden ist. Die Stadt Mainz verpflichtet sich danach, in dem südöstlichen Stadtteile innerhalb 10 Jahren keine neuen Straßenanlagen vorzunehmen, damit eine Verlegung der Eisenbahnwerkstätten nicht erforderlich wird. Die Eisenbahndirektion Mainz da­gegen verpflichtet sich, innerhalb der gleichen Zeitdauer keine Verlegung der Eisenbahnwerkstätten vorzunehmen.

X Lampertheim, 23. Juli. In der Nähe der Zell­stofffabrik wurde eine erhängte weibliche Person gefunden. In der Tasche der Toten fand man einen Zettel mit folgen­den Worten: Mein Leben ist verwirkt durch einen gewissen­losen Ehebrecher. Mir geht eS wie Luther: Ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen." Auf der Rückseite stand: Mit einem guten Worte würdet Ihr Euch und mir die Schande erspart haben. Die Tote soll die Katharina Fertig geb. Btckel au8 Neckerau sein.

Homburg v. d. Höhe, 23. Juli. Die Ankunft des Kaisers zur Teilnahme an der Einweihung deS Landgrafen- Denkmals ist auf den 2 0. August festgesetzt worden. Die Kaiserin wird am 22. August hier erwartet.

h Frankfurt a. M., 23. Juli. Der Verband der Gehilfen im mittleren Eisenbahndienst und der auS ihnen heroorgegangenen Beamten, Sitz Berlin, hielt gestern und heute hier seinen dritten Verbandstag ab. Vertreten waren zwölf Bezirksvereine, in denen 528 Mitglieder ver­einigt sind. Nach längeren Debatten wurde heute beschlossen, an das Abgeordnetenhaus^ eine Petition zu richten, in der um Verbesserung der Lage der Gehilfen ersucht wird. Am Sonntag mittag sprang ein 40 Jahre alter Färber von der

Brüstung der alten Brücke aus in den Main. Er schlug beim Sturze auf einen Pfeiler und fand dann den Tod in den Fluten. Nach etwa 20 Minuten wurde die Leiche von einem Schiffer geländet.

Frankfurt a. M., 23. Juli. Den Gebrüdern Samuel, Philipp Richard Pass avant, Kommerzienrat und Vize­präsident der Handelskammer in Frankfurt a. M., Georg Oskar Passavant, Kaufmann in Newyork, und Gust. Herm. Paffavant, Kaufmann in Frankfurt a. M., Leutnant der Reserve des Großh. Heff. Dragoner - Regiments (Garde- Dragoner-Nr. 23) wurde der erbliche Adel verliehen.

Wiesbaden, 23. Juli. Ein Automobil aus Frank­furt a. M. ist gestern vor der Einfahrt in das KurhauS- provisorium verunglückt. Der Führer hatte die Kurve zu kurz genommen, stieß deshalb zurück, jedoch so weit, daß er auf daS Geleise der elektrischen Bahn geriet und mit einem Motorwagen der letzteren zusammenstieß. Das Automobil wurde zertrümmert und später mittels Rollwagen fortgeschafft. Ein Jnsaffe, der Metzger I. Hax jr. aus Frankfurt, erlit: einen Beinbruch. Eine Dame, die sich noch in dem Auto­mobil befand, fiel in Ohnmacht, blieb aber, wie ein weiterer Jnsaffe, ein Herr, unverletzt. Der Verunglückte wurde, nach­dem ihm ein Arzt einen Notverband angelegt hatte, durch die Sanitätswache nach Frankfurt gebracht. (Frkf. Ztg.)

Marburg, 21. Juli. Der Assistent am Metzer Bezirks­archiv für Lothringen, Dr. Müselbeck, wurde zum Archivar ernannt unter gleichzeitiger Uebertragung einer etatSmäßigen Stelle am hiesigen Staatsarchiv. (Ob. Ztg.)

s. Marburg, 23. Juli. Im Gegensatz zu anderen Städten haben die hiesigen Bierbrauereien beschloffen, eine Erhöhung der Bierpreise nicht vorzunehmen.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Friedlos bei Hersfeld kletterte das 4jährige Söhnchen des Landwirts Jean Schmidt seinem Later in der Scheuer nach und fiel dabei durch die Luke in die Tenne. DaS Kind erlitt einen Schädelbruch, der den T o d zur Folge hatte.

Vermischtes.

wurde bet Lauchstädt verhaftet. Er vegtng Det der Verhaftung Selbstmord. Der Böttcher Hcrscher wurde von einem Automobil in Oberwiesa (Kgr. Sachsen) g e t ö t e t. In Newyork ist der Finanzier Rüssel Sage gestorben. Er hinterläßt 100 Millionen Dollars. Am Sonntag ist am Harder bei Interlaken ein l5jähriger Jüngling namens Edmund Levi aus Paris abgestürzt.

Paris, 21. Juli. AuS Fort Archamboult wird berichtet, daß ein heftiger Kampf zwischen singhalesischen Schützen und Ein. geborenen, 100 Kilometer von Fort entfernt statlgefunden hat. 50 Singhalesen, darunter ein Leutnant und ein Unteroffizier, wurden getötet oder schwer verwundet.

rannst itttfc Wissenschaft.

Der greise Trichter Ferdinand v. Saar, Mit­glied des öfterr. Herrenhauses, beging am Samstag, so toirfr aus Wien gemeldet, einen Selbstmordversuch und verletzte sich mit einem Revolver schwer. Saar steht int Alter von 73 Jahren und ist ein sehr geschätzter Novellist. Er litt seit mehreren Jahren an einem schweren Darm- .leiden und unterzog sich vor drei Jahren einer Operation,, die ihm vorübergehend Linderung verschaffte.

Universitäts-Nachrichten.

Der Privatdozent an der Leipziger Universität Dr. HanS Fehr erhielt einen Ruf als a. o. Professor für deutsches Recht an die Universität Jena.

In Paris ist der Professor der Medizin Brouardel 70 Jahre alt gestorben.

Arbeiterbewegung.

Vergisch-Gladbach, 23. Juli. Gestern kam es gelegentlich einer vom freien Metallarbeiterver- band einberufenen Versammlung zu tumultarischen Szenen, als Parteisekretär Müller-Koln von den christlichen Gewerkschaften den Referenten der freien Gewerkschaft einen ehrlosen Verleumder nannte und ihn aufforderte, gegen ihn klagbar zu werden. Die Versammlung mußte vertagt werden und wurde erst fortgesetzt, nachdem die christ­lich organisierten Arbeiter den Saal verlassen hatten.

' Köln, 24. Juli.^ Zu wüsten Exzessen kam es in der Nacht im südlichen Stadtteil, wo mehrere Burschen Lärm verübten und gegen Schutzleute tätlich vorgingen. Als die Polizisten zur Verhaftung der Ruhestörer schritten, wurde von dem Publikum mit Steinen und Mülleimern ein Bom­bardement auf sie eröffnet, sodaß ein Polizist schwer verwundet nach dem Spital gebracht werden mufjte. Erst als die Polizei mit der blanken Waffe vorging, zerstreute sich die Menge. Mehrere der Hauptbeteiligten wurden verhaftet.

Absturz vom Brenner. Der Generalpostdirektor von Oesterreich, Ritter von Wagner-Tauregg ist auf einer Bergtour vom Brenner abgestürzt und erlitt einen Schädel­bruch.

* Paris, 23. Juli. Wie diePatrie" berichtet, tvurde heute vormittag der Kaufmann Haegeli in der Rue Bondy durch Explosion eines Kästchens, das ihm der Briefträger brachte, schwer verwundet. Tas Schau­fenster des Ladens erlitt Beschädigungen. Der Verletzte wurde nach dem Krankenhause gebracht, wo ihm ein Arm abgenommen werden mußte. Die Untersuchung ergab, daß das Kästchen, das mit explosiven Substanzen gefüllt war, mit einem Schlüssel zu öffnen war, der einen Revolver aus­löste. Die Tat wird als ein Racheakt betrachtet.

* Ein schönes Stücklein wird in derDüsseldorfer Zeitung" von dem Benehmen eines einheimischen Wirtes er­zählt. Das Blatt schreibt: Vor einigen Tagen erschien in einem bestem Restaurant ein Franzose, dem es infolge seiner völligen Unkenntnis der deutschen Sprache nicht gelang, sich dem Kellner verständlich zil machen. Erst dem herbeigerufenen Wirte, der vor Jahren als Kellner in Frankreich tätig ge­wesen war, gelang eS, die Wünsche des Fremden zu ver­stehen. Als der Gast jedoch seine Zeche bezahlen wollte, er­lebte er eine große Ueberraschung: Der Wirt verlangte für die in französischer Sprache geführte Unterhaltung, die sich nur um Esten und Trinken drehte, von dem Fremdling eine Mark extra! Von dieser eigenartigen Handlungsweise hätte wohl nie jemand etwas erfahren, wenn eS nicht der Wirt elbst am Stammtische erzählt hätte. Sein Verfahren suchte er damit zu rechtfertigen das ist dabei das schönste, daß er behauptete, die Kenntnis der französischen Sprache sei ein geistiges Eigentum, und ihre Erlernung habe ihm selbst Unkosten verursacht.

* Ein verratenes Geheimnis. Folgenden Aus­bruch tat in seiner Rede bei einer Tierschau in der Provinz Schleswig ein Hofbesitzer:Ja, meine Damen und Herren, woran liegt es, daß die Kälber bei uns so vorzüglich ge- !)eihen? Ich weiß es. Ich will es Ihnen sagen. Unsere Frauen nähren die Kälber selbst!"

* Das 2 6. Kind aus einer Ehe. Ein seltenes Familienbegebnis ereignete sich bei den Eheleuten Gastwirt Jvh. Jak. Dörr in Urexweiler bei St. Wendel. Ihnen wurde nämlich das 26. Kind geboren. Der Vater meinte, offen­bar in einem Anflug von Galgenhumor, so ungefähr 16 oder 17Stück" seien noch davon am Leben.

* Krie^ssekretär Taft aus der Straßen­bahn. Es ist bezeichnend für den Humor der Dankees, daß sie ihre Spottlust an ihren führenden Männern aus­lassen, auch wo es sich nicht um politische Dinge handelt. Tas neueste Opfer des amerikanischen Witzes ist der Kriegs- ekretär Taft. Ein boshafter Korrespondent will, wie die New-D. Handels-Ztg." meldet, beobachtet haben, wie der durch seine Körperfülle bekannte Kriegssekretär Taft kürz­lich als Passagier eines Washingtoner Straßenbahnwagens eine Höflichkeit gegenüber demschö-nen Geschlecht" dadurch bekundete, daß er aufstand und seinen Sitz drei Damen anbot.

* Kleine Tageschronik. In dem Dorfe B i r k e n b a ch war ein blindes Mädchen beim Herde beschäftigt, als plötzlich feine Kleider Feuer fingen. Auf fern Hilfegeschrei eilte der Vater herbei, brach aber beim Anblick der lichterloh brennenden Tochter vor Schreck t o t zusammen. DaS Kind mußte elendiglich verbrennen, da außer den beiden Personen niemand im Hause anwesend war. Wie von einer dem Major von Zander nahestehenden Seite mitgeteilt wird, wurden diesem von vielen Seiten glänzende Anerbietungen für gesicherte, reich dotierte Lebensstellungen gemacht. Es kommen hierbei nur erstklassige industrielle Unternehmungen in Frage. Zwei italienische Arbeiter, die beim Feltow-Kanalbau beschäftigt sind, gerieten zu Mariendorf in Streit, in dessen Verlaufe der eine Arbeiter seinem Kameraden ein Taschenmesser in den HalS stieß und ihm fast den Hals a b s ch n i t t. Bisher ist eS nicht gelungen, den flüchtig gewordenen Messerstecher festzu- nehmen. In Germersheim hat sich ein Ehedrama zuge­tragen. Jakob Schmitt, erster Direktor der Volksbank, traf beim Nachhause- fommen vom Kirchgang seine Frau in Gesellschaft eines Leutnants. Schmidt schoß seiner Frau eine Kugel durch den Kopf und stellte sich der Polizei. Der Mörder des Schlossers Herzog, der Arbeiter Groie,

Gerichtssaal.

Eine Pistolenforderung aus Newyork lag einer Anklage wegen Duellvergehens zugrunde, die die 2. Strafkammer in Berlin beschäftigte. Wegen Annahme einer Herausforderung zum Zwei­kampf war der I n g e n i c u r Dr. Georg Senftleben angeklagt. Mit ihm mußte sich der cand. philos. Beuche wegen Kartelltragens ver-. antworten. Dieser Zweikampssaffäre lagen ernste familiäre Angelegenheiten zugrunde. 1901 schloß die Schwester deS Erstangeklagten mit dem D r. m e d. E. die Ehe. Diese war anfänglich glücklich, bis daS junge Ehepaar nach Amerika übersiedelte und in Brooklyn Wohnung nahm. Hier kam es zu allerlei Auseinandersetzungen. Es kam schließlich zu einem vollständigen Bruch, und Anfang d. I. trat Frau Dr. E. allein die Reise über den Ozean an, ihren Gatten in Newyork zurücklassend. Von Deutschland auS leitete sie ein Verfahren wegen Trennung der Ehe ein, welches zur Zeit noch bei dem Landgericht I schwebt. Die ganze Angelegenheit wurde von Dr. S. geleitet, der sich brieflich mit seinem in Newyork ansässigen Schwager in Verbindung setzte. In diesem Brief waren verschiedene Vorwürfe und Beschuldigungen enthalten, die den Dr. E. zu einer neuartigen Herausforderung zum Zweikampf veranlaßten. Als Mitglied des S.-C.-Vereins in Newyork setzte sich E. brieflich mit dem Berliner KorpsNormannia" in Verbindung und ersuchte dieses, eine Regelung der Angelegenheiten vorzunehmen. Er selbst würde dann, wenn die von ihm gestellten Bedingungen, dreimaliger Kugelwechsel bei gezogenen Pistolen, akzeptiert würden, die Reise nach Deutschland antreten. Dr. E. konnte sich jedoch die Reise sparen. Bald nachdem durch Beuche als Abgesandten des KorpsNormannia" dem S. die Forderung seines Schwagers überbracht worden war, erhielt die Polizeibehörde von dies« Affäre Kenntnis. Die Folge war daS Strafverfahren gegen S., der schon einmal wegen Zweikampfes zu 3 Monaten Festungshaft verurteilt, dann aber zu einer 14 tägigen Festungshaft begnadigt worden war. Der Staats­anwalt beantragte gegen S. einen Monat, gegen B eine Woche Festungs­haft. Die Strafkammer erkannte auf je eine Woche Festungshaft.

Paris, 23. Juli. DaS Zuchtpolizeigericht hat Alexander Sokoloff wegen der Bombenangelegenheit im Gehölz von VincenneS zu fünf Jahren Ge f ä n g n i S und 500 Franks Geldstrafe verurteilt. Viktor Sokoloss und Sophie SperanSki, denen man die Teilnahme an der Herstellung der Bomben nicht Nachweisen konnte, wurden freigesprochen. Alexander Sokoloff, der am Freitag operiert worden ist, war bei der Gerichtssitzung nicht anwesend.

Wöchentliche WrrW der Todesfälle in der SIM Küße« 27. Woche. Vom 8. bis 14. Juli 1906.

Einwohnerzahl: angenommen zu 29 500 (inkl. 1600 Mattti Militär.), Sterblichkeitsziffer: 17,6%O, nacf) Abzug von 6 Ortsfremden: 7,08 o/w.

Kinder

Es starben an: Zusammen: Erwachsene

im

vom

Tuberkulose

1.

Lebensjahr:

2.-15. Jahr

2 (2)

2(2)

Eklampsie

1 (1)

1 (1)

Herzleiden

1

1

Darmverschluß

1 CD

1 (1)

Lungenkrankheiten

2(1)

1

1 (I)

Nierenentzündung

1

1

Krebs

1 (1)

1 (1)

Selbstmord

1

1

Summa:

10 (6)

8(5)

1

1 (1)

Anm.: Tie in

Klammern gesetzten Ziffern geben

an, wie viel

der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach,

Gießen gebrachte Kranke kommen.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

Höchste Temperatur am 23. Juli 4- 24,9 C.

Niedrigste , , 23. , =4-14,3° C.

Juli 1906

Barometer auf 0° reduziert

Temperatur der Luft

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstärke

Wetter

23. 2»

748,4

24,0

15,1

68

SW

2

Bew. Himmel

23. 9"

746,8

19,3

14,7

89

SE

2

Klarer Himmel.

24. 7,s

746,4

15,8

12,6

94

NNE

2

Nebel

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung in Hessen für Mittwoch, den 25. Juli 1906: JEÖoIfig bis trüb. Stellenweise leichte Gewitter-' regen. Etwas kühler. Veränderliche Winde.

Näheres durch die Gießener Wetterkarte.

Xjatiöcl und Verkehr, Volkswirtschaft

D i e Duma-Auflösung und der Aussenmarkt. Durch ein Machtwort des Zaren ist die Duma, die am 10. Mai d. IS. eröffnet wurde, wieder aufgelöst worden. Daß die Börse diese Nachricht mit allen Zeichen des Schreckens ausnahm, ist leicht begreiflich, da erst kürzlich in französischen Blättern bemerkt wurde, daß wenn dieses Ereignis eintritt würde es an der Pariser Börse zu einem Debakel kommen. London meldet bei Börsenschluß 10% Verlust auf neue Russen. Die