Ausgabe 
23.4.1906 Erstes Blatt
 
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gezecht. Gegen 9I6ent> gingen sic nach LaunSbach und von dort spat auf die neue Straße Krofdorf nach Gießen. Die Polizei hat am Samstag von den Fußspuren GipS- abdrücke gemacht, um die Täter dadurch zu ermitteln und ihrer wohlverdienten Strafe entgegen zu fuhren.

Eingesandt.

(Für Form und Inhali uue .i «u i , r .hrif stehenden Artikel übernimmt die Rcdakti'-'n dun Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Die Gcläudeenteignnng für die Kläranlagen im Lichte der Wahrheit.

42 Stück mit 40

Psg.

8

2

33 Stück mit 30

V

30

40

50

18

1

1

5

45

35

45

Benutzung in Betracht.

Diese'Grnndstncke sind nun

1. Ortsgcrichtstaxe:

folgendermaßen bewertet:

2. Veranlagung zur

V erm ö g c n S st e u c r:

1 Stück mit 27,5 Psg.,

45

50

55

Die Verhandlungen in den Stadtverordnetensißungen vom 5. und 6. April l. Js. «siehe Nr. 83 und 84 des Gieß. Anz.) über die Enteignung des Geländes für die Kläranlagen sehe ich als bekannt voraus.

In diesen Sitzungen erhob Oberbürgermeister Mecum gegen mich. bezw. die Lokalsommiision den Vorwurf, dieses Ge'ändc zu hoch (exorbitant?- geschäht zu haben. Auf meine Ent­gegnung, daß er ja noch 18 Prozent über diese Taxe geboten habe, bestritt er dies wiederholt, trot-dem Bürgermeister Leun cs schriftlich bestätigt halte. Durch die erneuten Erklärungen deS Bürgermeisters Leun und Bürgermeisters Schaum in Nr. 87 unb 89 des Gieß. Anz. ist meine Behauptung:Oberbürger­meister Mecum habe ja noch 18 Prozent über die Taxe der Lokal- kommisiion für das Klärbeckengelände geboten", unwiderleg­bar bewiesen.

Auf Grund dieser Tatsachen steht nunmehr fest:

1) Oberbürgermcistcr Mecum hat 5 ff ent» lilch bestritten, daß er 18 Prozent über die Taxe der Lvkalkom Mission hinausgebcnd ge­boten hat. Er ging demnach in einem Sprunge non 30 Pf. auf 83 Pf. 'b. h. d i e Erhöhung betrug 177 Prozent seines Angebots!)

2) Oberbürgermeister Mecum hat danach die von ihm setzt angefochtene Taxation seinerzeit nicht allein anerkannt, sondern hat sie als zu niedrig angesehen.

Nun zu dem Gutachten der Lokalkommission. Dasselbe datiert vom 10. Juni 1904, umfaßt 18 Druckseiten und ist nach gründlicher, gewissenhafter Beratung von dem damaligen Ztzreidamtmann, jetzigen Negierungsrat Tr. .Kranzbühler als Vor­sitzender der Lokalkommission abgcfaßt. und von ihm, Baurat Diehm und dem Unterzeichneten unterschrieben. Jedem Inter­essenten (aucf, Oberbürgermeister Mecum) wurde ein Exemplar zugeftellt. Dieses Gutachten, das ich nach langer Zeit jetzt wieder cinmal durchgclesen habe, ist so klar und so wahr, daß jeher Angriff abprallt. ~

Was hier besonders in Betracht kommt, steht auf 3 gesperrt gedruckt. Dort heißt es:Für die Bemessung der Entschädigung liegen nun folgende Unterlagen vor:

1) Die Schätzung des Großh. Ortsgerickts Gie­ßen vom 23. Januar 1904.

2) Die Veranlagung zur Vermögenssteuer für 1905

3 D i c Feststellung der B v n i 1 ä! s k l a s s c n d n r ch die V o l l z u g s k o m m i s s i o n der Feldbercinigun g (aufgcstcllt im Mai 1903).

Es kommen lnerbei 53 Grundstücke mit landwirtschaftlicher

1 50

Die Hanpiunterlage bei her Wertbemesiung durch die Lokal- kommiifion bildete die Taxe für die Feldbercinigung (s. 3). Diese wird zu Beginn der ganzen Feldbercinigung ans einem gemein­schaftlichen Gang durch die Gemarkung von der Vollzugskom- n'issivn (siir Gießen auS 6 Herren bestehend) sestgetegt. eic liefert für die Bonitierung des zn bereinigenden Geländes die maßgcben- den Werte. Diese sind a lsTauschwertc" stetS n ie- driger als dieB e r k a u f s w e r t c". Oberbürgermeister Mecum war berechtigt, dieser Feststellung der Grundwerte bei- 7>lwohnen, rr war dazu geladen, aber nicht erschienen.

Als Grundtare für das Gelände der Kläranlage wurden also ß? Pf. sestgelegi. Zn diesem Preise konnte jeder Besitzer sein Gelände an die Feldbercinigung abgeben, die cs dann später in einem so günstig gelegenen Orte wie Klein Linden als Massen- grnndstück mit Nutzen verwerten kann. Andernfalls erhält der T fiicr Ersatzgrundstücke im Werte der hier bestimmten Taxe timt

1 , , 60

3) Die Taxe der V o l l z u g sko m m i s s i o n für die Feld­bercinigung beträgt für dieses Gelände 62 Pf.

4. s>lngcbot der Stadt:

" Psg.,

i der Enteignung fällt nun aber der Ersatz an Land weg, so daß der Enjcignete gezwungen ist, gegen Bezahlung ein inber -5 Grundstück zu erwerben. Dieses, fällt in der Gcmark- nag tzi lein-Linden schwer, da durch große Oseländeabtrctungen an die Bahn und jetzt wieder zu den Klärbecken die Anbaufläche stark -verringert worden ist. Der Preis für das Gelände mußte also nach bekanntem Gesetz steigen. Mit Rücksicht hierauf wurde daher ein Zuschlag von 5 Pf. pro Quadratmeter in Ansatz gebracht. Da fcrn.'r von fast allen Besitzern Entschädigungen für Dung und Ausstellung in der Höhe von 3- 10 Pf. gefordert wurden, einigte man sich in der Kommission auf eine weitere Zuschlagsentschädig' nng von 3 Pf., sodaß insgesamt pro-Quadratmeter gewährt wurden:

62 + 5 + 3 = 70 Psg.

Nach diesem Grunds ch wurden bewertet:

27 ^Grundstücke mit 70 Pf., .

12 Grundstücke, weil Zugang zum Weg freie Bewirtichastung ge­stattete, mit 75 Pf.,

10 (Mundstücke, wovon 3 Wiesen sind, unmittelbar am Wege nach der Throm'fchen^BZitzung, am nächsten nach Gießen zu gelegen, mit 80 Pf-, w

1 Grundstück, dem Aufseher der Tbrom 'Gen <y<wru gehörig, an seiner Wohüung gelegen, teilweise gärtnerisch bearbeitet, mit 90 Pf., . ... k

2 Wiesen, die Wässerwiesen sind, unmittelbar an dem Gelände der Margarethenhütte vor der Throm'schen Fabrik gc- legen, mit 1,10 und 1,15 Mark,

1 Grundstück dient gewerblicher ?siilage und ist erledigt, da sich die Stadt mit dem Besitzer geeinigt hat.

Dieser Auszug ans dem Gutachten der Lotz'lkommisjini dürfte den Beweis liefern, dach' Oberbürgermeistcr Mecum durch- a>'s keine Berechtigung hatte, die schweren Angriffe gegen die Lokalkommission auszusprech-cn, umsoweniger als er das Gut- achten kannte ober dock kennen mußte. Beigeordneter Georgi erhob außerdem noch den häßlichen Vorwurf, dast siegewisse Nebenrücksichten genommen habe zum Schaden dersstobf', ohne n ii cb nur eine einzige Tatsache anzuführen, au, die er feine Behauptung stützen kennte. Emen Sck^den von der Stadt abzuwenden, wäre Sache des Oberbürgermeisters gewesen, nachdem die Lokalkommission ihr Gutachten ^abgegeben hatte, chu diesem Moment musste er im Luter sie der -Ltadt Vergleichs Verhandlungen anbahnen. Di-'se bäitcn dann, nach Aussage des Bürgermeisters Schaum in Klein-Linden ziemlich, sicher zu einem besriediaenden Resultat geführt. Statt dessen bleibt O^rbi'irger- M'ister'Mecum unbegreiflich erweise auf seiner veralteten Orts- aerichtstare mit 30 Pf. bestehen, trotzdem eine neuere, höhere Orisgerickststaxe aus dem Jahr 1901 der Enteignung als Grund- !a9C(Äemirb daraufhin eine neue Sachverständigenkommission .gebildet. Das Gutachten dieser neuen ftommifiion

geht 3035 Pf. pro Quadratmeter über dasjenige ber Lv'kalkoinmission noch chinans.

Das Ergebnis dieser letzteren Taxe wurde seinerzeit in einer Stadtverordnetcnoersammlung von Oberbürgermeister Mecum mit- geteilt. Es mußte deshalb allen damals anwesenden Stadt­verordneten bekannt fein.

In Vorstehendem glaube ich überzcugend nackigewicien zu haben, daß ich, wie die Lokalkommisiion überhaupt, nach Pflicht und Gewissen gehandelt habe. Man entnehme daraus, wie unbegründet die in den Stadtverordnctensitz- ungen erhobenen Angriffe sind.

e l f r i ch , Stadtvoro''dneter.

Universitäts-Nachrichten.

() M ar b u r g , 22. Avril. Der Diresior der Landeshcilanstalt 0>ch. Mcd. Rat Pros. Tr. T u c z c k bat den an ihn ergangenen Ruß alS Nachfolger des Prof. Anton in silraz, der nach .L>allc gerufen rnirbe, abgelchnt und es bleibt somit diese tüchtige Lehrkraft unserer Universität erhalten.

Vermischtes.

*Dcr neueste Eifenbabnunsall. Bei Dijon^Fikr ereignete fick ein Zusamricnstoß zweier Züge. Mehrere Personen wurden verletzt, darunter eine schwer.

* Kleine Tages chronik. Im Berlin wurde der Dragoner Steinert mit einer schweren Schädelverletzung int Stalle cnügcsimdcn; er war von einem Pferde geschlagen worden. Aui dem Wege znrn Lazarett starb er. In Petersburg hat sich ein furchtbares Familiendrama zugetragen. Beim Artillerieoberst Rutkowski herrschte großer Geldmangel, zudem erhielt Rutkowski seinen Abschied. Abends, als die Frau zu Bett ging, blieb Rutkowski mit den Töchtern im Speisezimmer zurück. Als am andern Morgen Frau Rirlkowski das Zimmer betrat, sand sie ihren Gatten und die beiden jüngsten Töchter leblos am Boden liegen. Auf dem Schreibtisch wurde ein Zettel gefunden:Ich sterbe, da ich meine Familie nicht mittellos lasten kann." In Torgau sind die katholische Kirche und Schule durch einen Brand vernichtet, zwei Ordensschwestern und drei Kinder sind verbrannt. Beim Spielen mit einem Schießgewehr wurden in Schnürten, Kreis Karthaus (Westpr.), ein Knabe und ein 12 jähriges Mädchen erschossen.

Gerichts?aal.

Berlin, 21. April. Tas Schöffengericht verhandelte die Privatklaqe des Negierungsrates RudolfMartin gegen den Leiter des Karl Heymann'jchen Verlags, Krepenberg, wegen Beleidigung durch eine in der ZeitungTie Post" veröffent­lichte Erklärung des Verlags in Sachen des Martin'schen Buches über die Zukunft Rußlands und Japans, sowie durch einen Brief an Martin und einen Brief an das Reichsamt des Innern. Hinsichtlich der Erklärung in derPost" wurde Kreven- berg freigesprochen, hingegen wurde er wegen Beleidigung durch beide Briefe zu 5 00 Mk. Geldstrafe verurteilt.

Landwirtschaft.

Luzern, 21. fHprJ. Tie landwirtschaftlichen Ge­nossenschafts-Verbände Deutschlands, Oesterreichs, der Schweiz und Italiens beschlossen hier nach zweitägigen Verhand­lungen unter dem Vorsitz des Genostenschaftsanwalts, Geheimerat H a a s a u s D a r m st a d t, die Gründung eines internatio­nalen Bundes der l a u d w. Genossenschafts-Ver­bände. Der Zweck der Vereinigung ist, unter Wahrung der Selbständigkeit der Landesorganisationen die landwirtschaftlicken Genossenschafts-Verbände in den europäischen Staaten einander näher zu bringen, ihre Erfahrungen auf dem geliossenschaftlichen Arbeitsgebiet auszukauschen und das landwirtschaftliche Genossen- ichaftswescn auch materiell einheitlich zu fördern.

Spielpla« der verriniqten Frankfurter Stadttheater. Öpcrnhans.

Dienstag den 24. April'):Margarethe." Mittwoch den 25. April: Zum Besten der Pensionsanstalt der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger. Reu einfmbiert:Ter Bettelstudent." Donnerstag den 26.' April:Tie Fischer von St. Jean." Freitag den 27. April:Rienzi." Samstag den 28. April:Die Hugenotten." Sonntag den 29. April:Violetta." Montag den 30. April:Ter fliegende Holländer."

Schaufpielhaus.

Dienstag den 24. April*):Der Sohn der Wildnis." Mitt­woch den 25. April:Drei Erlebniste eines englischen Detektivs". Donnerstag dcn 26. April: G e s a m t g a st s p i e l des M o s k a u er Künstlerischen Theaters: Zum ersten Male:Zar Feodor Ioannowitsch." Freitag den 27. April:Drei Erlebnisse eines eng­lischen Detektivs." Samstag d-'n 28. April: G e s a m t g a st s p i e l des Moskauer Künstl. Theaters:Nachtasyl.^ Sonntag den 29. April, nachmittags 3 Uhr:Der alte Bürgerkapitän." Hierauf:Der rote Schornsteinfeger." Zum Schluß:Dodgeschosse." Abends 7 Uhr:Der Sohn der Wildnis."

Anfang, wenn nicht ander-? bemerkt, abends um 7 Uhr.

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.

Voranssichtlichc Witterung in Hessen für Dienstag", den 24. April 1906: Wolkig, vorwiegend trocken, nur stellenweise leichte Regenschauer. Roch kühler, auch am Tage.

Näheres durch die Osteßener Wetterkarte.

Arbesterbeweaung.

b Fra nkf nrt a. M., 21. April. *2ie hiesigen Arbeiter der Gießerei- und Maschinenfabriken hatten Forde­rungen eingebracht, in denen sie in der Hauptsache 9'/?stündige Zlrbeitszeit und Festsetzung eines Minimallohnes verlangen. Die deshalb gepflogenen Einigungsverhandlungen haben sich zerschlagen. Voraussichtlich dürfte es zum Streik und zur 9lussperrung kommen. Für Offenbach haben die Fabrikanten beschlossen, sämtlichen Hilfs­arbeitern zu kündigen. Ferner beschlossen die 9(rbcitqcber, daß den Arbeitern in denjenigen Fabriken, die feine Eisengießerei haben, ebenfalls gekündigt werden soll. Sollte in Frankfurt bis Sams­tag keine Einigung erzielt werden, so dürfte sich der Streik resp. die Alissperrung auch auf Höchst, Darmstadt, Hombilrg und Mainz an?delnien, d. I- insgesamt 16 > 00 2trbeiler.

Handel und Verkebr, Volkswirtschaft.

Märkte.

fe. Frankfurt a. M., 23. ?lpril. (Orig.-Telegr. desGießen. Anz.") sämtliche Notierungen der heutigen Fruchtviark tpre is e. Weizen Mk. 18.7519.00, Kurhessischer Mk. 18.7519, La Plata Mk. 19.2520.25, Kansas Mk. 19.2520.25, Roggen (hiesiger) Mk. 17.2517.50, Gerste (Wetteraneri Mk. 17.2517.75, Franken- felder Mk. 17.7518.25, Hafer 16.7518.00, MaisMk. 12.2513.50, Weizenmehl 27.5028.00, M. 0000, 2. Qualität Mk. 25.00

k. 26.00, 3. Qualität Mk. 23.0023.50, Noggeumchl 0 Mk. 25.0026.25,1. Qualität Alk. 23.0024.25, Weizenkleie Mk. 10.00 bis Alk. 10.50, Roggenkleie Mk. 11.0011.50, Maiskeime Mk. 12.00 bis Mk. 12.25, Franken, Pfälzer, Ried Alk. 17.2518.25. Alles per 100 Kg. ab hier.

fc^ Frankfurt a. M., 23. April. (Telegr. Orig.-Bericht des Gieß. 9lnz."). Llmtliche Noticiiingen der heutigen Viehmarkt- p reife. Zum Vertäust standen: 484 Ochsen, 40 ans Oest­reich, 38 Bullen, 1 aus Dänemark, 843 l e,-Fersen, Stiere und Rinder, 14 aus Dänemark, 249 Kälber, 288 Schafe und Hammel, 1152 Schweine, 0 Ziegen, o Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für lOOPfuud-Schlachtgewicht Ochsenl. Qualität 7577 Mk., 2. Qual 6567 Mk., 3. Qual. 5763Mk.; Bullen l.Qual. 63 bis 70 Mk.. 2. Qual. 6567 Mk.; Kühe 1. Qual. 7375 Mk., 2. Qual. 6870 Mk., 3. Qual. 4850 Mk, 4. Qual. 00-00 Mk., 5. Qual. 00OOMk. Kälbei: l.Qual. 9095Pfg., Lebendgewicht 5456Pf., 2. Qual. 9095 Pfg., Lebendgewicht 5456 Psg., 3. Qual. 0000 Pfg., Schlachtgewicht 7276Pfg., Schafe: l.Qual. 7880, 2. Qual. 7072 Pfg., 3. Qual. 0000 Psg.; Schweiue 1. Qual. 7576 Pst, Lebdgew. 58.5059.50 Pfg., 2.Qu.74-00 Pfg., Lebend- gew. 57.5' 00 Psg., 3. dual. 6468 Pfg. Geschäft: bei Horn­vieh mitt nckßig, Ueberfianb unbedeutend, bei Kleinvieh gut, kein Ucberfianb.

OriaInal-Drahtmeldungen«

R o m, 13. Avril. In gut informierten Kreisen bestätigt man das Gerächt, dasi der Botschafter in Berlin, Graf Lanza, seinen Urlaub verlängern werbe und dieser Urlaub nut einer - bern i u n g dc? Botschafters von feinem Posten endigen rönne.

P e i e r s b u r g, 23. Avril. Der ausgezeichnete Kenner des fernen Ostens, Bashenow, überreichte dem Generalstabschei eine Denkschrift, in der er einen zweitenKrieg mit Japan a i s

unvermeidlich bezeichnet. . . ,

Mars ch a u , 23. April. Bei einem Kampf zwischen Katholiken u n d a r i a u i t c n im Dorte Leichno witröen 12 Personen gelötet und mehr als 50 verletzt.

Lodz, 23. April. TaS .Kriegsgericht verurteilte sieben Unteroffiziere wegen Meuterei zu lebenslänglicher Zwangsarbeit und 27 Mann zn -einer Zwangsarbeit dis zu

io\atni,u. . cn t»r

it v b a n 22. Avril. In der Nähe von Hardmg in Jtatai hat cm h eiliger 'Barl cif ampf ftattaefnnbcn, wobei zwei Stamme hart aneinander gerieten. Bei dem Handgemenge, bet rem von f)lssggais Gebrauch gemacht wurde, wurden f ü n f 2 e u t c ge­lötet, 2 tätlich und 14 schwer verwundet. Beide Sstnune ge­hören nicht zu den aufständischeii. v

9t c m n o r f, 23. Avril. Nach einer Konferenz mit den WaU- Street Finanziera autorisierte der Schatzamtssekretar charo tele­graphisch zur Uel> ermittelnng unbegrenzterS u m m en n a ch San Francisco. Das Schatzamt wies bisher sechs Millionen an. Tie Stimmung über San Francisco ist hier sehr hoffnungsvoll.

Das Erdbeben in Kalifornien.

Los Angelos, 22. Avril. Die Einwohner von San Francisco, die hier anqckonuncn sind, geben ergreifende Schilder u n gen von den dortigen Vorfällen. Eine -Lame, erzählt, daß sie mit ihren Angehörigen auf der Straße kampiert hätte, ivo sie glaubten vor den Flammen sicher zu sein, ba6 fie aber immer weiter hätten flüchten müssen. An einer Stelle hatten sie Soldaten und Feuerwehrleute bei der Arbeit gesehen, um einen Mann zu befreien, der unter den Trümmern festgeklemmt war und jammervoll darum flehte, befreit zu werden. Ter Kopf und die> Schultern sahen aus den Trümmern hervor. Mit einem freien Arm versuchte er den Leuten, welche ihn befreien wollten, zu helfen. Einer nach dem andern von diesen wurde durch die nähcrfommenbeii Flammen vertrieben, bis schließlich nur ein einziger Soldat zurück­blieb. Als auch dieser die Hitze nicht mehr ertragen konnte und Mine machte, sich in Sicherheit zu bringen, flehte der Unglückliche^ baß er ihn erschießen solle. Der Soldat wollte dem erst nicht will- iahren, kam aber schließlich doch dem Wunsche nach. Ebenso sahen, wir. so erzählt die Dame, daß auch ein Polizist einen anderen Dulder, der in ähnlicher Weise zwischen den Trümmern ftaf, durch einen Schuß von seinen Qualen befreite. Ein anderer Flücht­ling, der durch die Ehinestnstadt ging, als der heftige Erdstoß er­folgte, erzählt, daß die Ehinesen wie beseffen in den Straßen herum­gerannt feien und mit Gewalt vom Feuer hätten weggetrieben werden müssen. Ein anderer Herr erzählt: Wie ich erwachte, hörte ich das Aecbzen und Krachen von Balken und hatte das Gefühl, als ob das Gebäude schwankte und zitterte, dann stürzte ich auf die Straße, wo die Leute in ihren Nachtanzügen ein sonderbares Bild abgaben. Fortwährend Hörle man Erplosioneu. Funken sprühten über uns, die unsere Kleidung in Brand zu setzen drohten und uns das Oiesicht versengten. Von dem Oiolden Gate-Park, den ich glücklich erreichte, bot die brennende Stadt ein schauerliches Bild. Als ich am nächsten Morgen mit der Fähre nach Oakland gelangte, hätte ich denken können, es wäre ein schrecklicher Traum gewesen, wenn nicht das ganze Gesicht durch die Funken verbrannt gewesen wäre.

San Francisco, 22. April. Die Hälfte d er, Be­völkerung der Stadt wurde bereits mit den Zügen, die jetzt ivieder regelmäßig verkehren, fortgeschafft. Die Schlepper und Dampfer fmb gedrängt voll von Obdachlosen und Flüchtlingen, die auf alle Städte um die Bucht herum verteilt werden, die sich gegenseitig in dem großen Werk der Hilfe überbieten. Für die in San Francisco zurückbleibenden Personen sind hinreichend fJl a h r u n g s m i 11 e l und ebenso genug Wasser zum trinken und Kochen vorhanden. Die Behörden haben eine systematische Ver­teilung der Vorräte angeordnet. Das Militär hat für die Obdach­losen und Kranken Zufluchtsstätten errichtet und sie im Vresidio, in den leeren Kirchen und verlassenen Häusern untergebracl)t. Er­fahrene Aerzte in großer Zahl sind anwesend, so daß keine Gefahr für den Ausbruch von Seuchen besteht. Das Feuer ist ge­löscht, nur die heiße Asche raucht noch. 25 Quadratmeilen sollen in Trümmern liegen. Bemerkenswert ist, daß bie Stahlbauten fast alle den Erschütterungen widerstanden haben. Tie Schiffahrt ruht, bis jede Gefahr vorüber ist. Streutet verhindern amerikanische und

ausländische Schiffe am Auslaufen.

Telefonische Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank filr Handel und Industrie. Giessen.

"Frankfurter Börse. 23. April, 1.15 Uhr.

35% Beichsanleihe . . 100.00 3% do. . 88.25

3^°/o Konsols .... 100.00 3% do. .... 88 30 3X°/0 Hessen 99.60 3^°/0 Oberhessen . . .. 4% Oesterr. Goldrente. . 100.65 41/s % Oesterr. Silberrcnte 101.30 4% Ungar. Goldrente . . 96.60 4% Italien. Rente . . .. 3 So Portugiesen Serie I . 68.80 3So Portugiesen JII *69.60 4 russ.Staatsanl. 1905 91.40 4^° n japan. Staatsanleihe. 94 85 4 % Conv. Türken von 1903 92.80 Tiirkenlose 146.60 4% Griech. Monopol-Anl. 54.50 1% äussere Argentinier . 3®/ Mexikaner .... 68.60 4j^% Chinesen . . . . 98.10

Aktien:

Bochum Guss 248.80 Buderus E. W .... Tendenz: fest.

Elektriz. Lahmeyer . . 143.00

Elektriz. Schuckert . . . 132.75 Esch weil er Bere^verk . . 263.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 228.00 Hamburg- Amerik. Pakett 164.10 Harpener Bergwerk. . . 219 00 Laurabfitte .... 247.00 Nordd. Lloyd . . . . 136.10

Obeischles. Eisen-Industrie 130.20 Berliner Handelsges . . 171.30 Darmstädter Bank . . . 144 50 Deutsche Bank . . . 240 40

Deutsch-Asiat. Bank . . 185.50 Diskonto-Kommandit. . . 188.30 Dresdner Bank . . . 161.40 Kreditaktien 216.10 Baltimore- und Ohio-

Eisenlahn . . . 111.70

Gotthardbahn.

Lombard. Eisenbahn . . 24 40 Oesterr. Staatsbahn . . . 146.90 Prince-Hcnri-Eisenbahn . 142.50

Berliner Börse,

Canada E. B 174.60

Darmstädter Bank . . . 144.70

Deutsche Bank .... 240.00

Dortmunder Union C. . . 88.00

Dresdner Bank .... 161.30

Tendenz: fest.

23. April. Anfangsknrse.

Harpener Bergwerk. . . 218.50 Laurahütte . . . , . 247.00 L ombarden E. B. ... 24.30 Nordd. Lloyd 135.80 Türkenlose . ... 146.40

Sand grub en v erfteigerun g

Mittwoch, 25. April, nachmittags 7 Nhr, findet auf dem Ortsgerrcht in Wieseck die öffentliche Ber- steigerung der Sandgrube der Firma Büttner & Tamm in Gießen, Flur XVII Nr. 223, 224, 225, 226, 227 der Gemarkung Wieseck zusammen 5798 Meter meist­bietend statt. [2582

Nömheld, Rechtsanwalt und Notar.

Zuschneidc-Lchranstalt Grünberger Straße 14 a (Mittelbau). Maßnchmcn, Mnstcrzcichnen, Znschneiden und Berarbeiteu kann jede Dame gründlich erlernen. Der Ättrfuö beginnt am 30. April 1906. [2487

Lma Petra, geprüfte Wem.