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Nr. 147
Erscheint täglich außer Sonntag-.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit bem hessischen Landwirt die Siebener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'scheu Uuioers.-Buch-u.Stem- ‘iruderei. 9t Lange. Hebaftlon, Eroedttion und Druckerei:
Schnlstratze 7.
Redaktion 113
Verlag u.Exped.e^^SI Adresse für Deoeschen:
Anzeiger Gießen.
Dienstag Ä«. Juni 1906
Erstes Blatt
1S6. Jahrgang
VezngSpret-r monatlich 7bPs^ viertel« jährlich Tlt. 8.20; durch 911)1)010- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePostMk.2.—Vierteljahr!. auSschl. Bestellg. Annahme von Anjeigea sur bie Tage4uuiuiner bis vormittags 10 Uhr. ZeilenvrciS: lokal 12Ps^ austvärtS 20 Big.
Verantwortlich füt deu volit. und allgem, Teil: P. Witt ko: füt .Stadt und ßanb' uni» .Äerichtssaaf: Ernst Heß; für beit Anzeigenteil: HansBeck.
SietzenerAnzeiger
'M General-Anzeiger v 's*7
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Are heutige Dummer umfaßt 8 Seiten.
Der Wohnnngsgeldzuschutz ocr hessischen Aeamten.
Von geschätzter Seite wird uns geschrieben:
In der Sitzung der 2. Kammer vom 13. Juni hat der Abg. Joutz bei Besprechung des Ausschußantrages über die WohnungSgeldzuschusse (nach dem Bericht des „Gieß. Anz.") gesagt, es grenze nahezu an Unverschämtheit, wenn die Beamten jetzt schon wieder von allen Seiten mit dem Gesuch um Gehaltserhöhung kämen. Den hessischen Staatsbeamten kann eS ja an sich ganz gleichgillig sein, wie Herr Joutz über sie unb ihre Handlungen denkt. Herr Joutz ist aber nun einmal Landtagsabgeordneter und spricht deshalb an einer Stelle, von der aus er weit gehört wird. Und leider gibt es im Land weile Kreise, die cs teils gern hören, wenn auf die Beamten geschimpft ivird, teils aber auch keinen Begriff von deren Tätigkeit haben. Geistige Arbeit wird dort gewöhnlich unter schätzt, oft überhaupt nicht für ,Arbeit" gehalten. Die Anzahl der Leute, die so denken, gibt Herr Joutz allein in seinem Wahlkreis auf 90 Prozent an. Auf sie vermag seine Rede allerdings Eindruck zu machen. Deshalb ist eS notwendig, einmal ösfent- Ilch zu untersuchen, inwieweit dec Angriff des Herrn Joutz begründet ist. Hierbei mag die Frage ganz auSschcideu, ob gerate dieser Abgeordnete besonders geeignet und berechtigt ist, über den Wunsch der Beamten nach einer kleinen Erhöhung ihres Diensteinkommens abzuurtcileu.
Tie letzte Gehaltserhöhung erhielten die hessischen Staatsbeamten durch das Besoldungsgesetz vom Jahre 1898, nachdem sie lange genug wert hinter ihren übrigen deutschen Kollegen zurückgestanden hatten. Die Gehaltserhöhung an sich mar nicht besonders hoch, aber man erachtete sie damals ziemlich allgemein für ausreichend und war zufrieden, zumal daS Aufrücken in höhere Klassen gut geregelt worden war. Fast unmittelbar nach Erlaß deS Besoldungsgesetzes aber begann in fast allen Städten Hessens, namentlich auch hier in Gießen, ein Steigen der Wohnung S m i c t e n und der L e b e n L m i t t e l p r c i s c. In jüngster Zeit hat daS Emporschnellen der Fleischpreise aus die Preisbildung aller übrigen landwirtschaftlichen Erzeugnisse wiederum steigernd emgewirkt, sodaß eS sicher nicht zu hoch gegriffen ist, wenn man die allgemeine Erhöhung der Le bensmittc lp reise seit 1898 auf 33 Prozent schätzt. Dazu kommen Verteuerungen auf einer ganzen Reihe anderer Gebiete. Gestiegen sind z. B. die Kohlenpreise und die Dienstbotenlöhne. Die Arbeitslöhne sehen mir ringsum ebenfalls in fortwährender Steigerung begriffen, was als Folgeerscheinung der verteuerten Ernährung ganz natürlich ist.
Wenn Herr Joutz von der schwierigen Lage des Geschäftsmannes und des Arbeiters spricht, so mag die nachfolgende
„Aas verruchteste Zäuch der Weltliteratur."
Im frühen Mittelalter hat bie katholische Kirche allem volkstümlichen Slbergtaubcn mit Kraft und Nachdruck zu steuern versucht. Davon zeugt u. a. ein Shnodal-Erlaß von Paderborn aus dem Jahre 785, demzufolge jeder, dec „nach Art der Heiden glaubt, daß jemand eine Hexe sein kann und deshalb diese vcrdremrt, mit dem Tode bestraft wird". Um das Jahr 900 entstand der wichtige Canon Episcopi, worin den Bischöfen an- befohlcn wurde, in ihren Gemeinden den Glauben an die Möglichkeit dämonischer Zauberei und nächtlicher Fahrten zu und mit Dämonen als reine Illusion energisch zu bekämpfen, und alle diejenigen, die einem solchen Glauben huldigten, aus der lircfc lichen Gemeinschaft auszustoßen. Diese Bestimmnng blieb bis zum Schlüsse des 13. Jahrhunderts in Kraft.
In der Mitte dieses Jahrhunderts aber trat cm Unuchlvung in den Anschauungen der Kirche ein. Er datiert von Thomas von Aquino. „Der katholische Glaube, so lehrte er, behauptet, daß die Dämonen existieren, daß sie durch ihre Handlungen säxldcn und die Fruchtbarkeit der Ehe hindern können. ... Es ist zu bedenken, daß man notwendig einräumen muß, die Dämonen können mit Gottes Erlaubnis Störungen in der Lust Hervorrufen, Winde erregen, auch bewirken, daß Feuer vom Himmel falle." Diese Lehren des gefeierten Theologen gingen bald m das all- aemcine kirchliche Bewußtsein über. Länger als ein Jahrhundert mürben bie unglücklichen Opfer bes Hexenwahns zur Jnqnijrtwn und zum Scheiterhaufen geschleppt, bis im Nnnzchischen Parlament bie Vernnnfkt zu Worte kam und durch einen Beichluß dieser Körperschaft im Jahre 1390 bie Hexenprozesse vor den weltlichen Richter verwiesen wurden. , ..
Nun aber sprang der Funke dreies Wahnimns nach Teuftch- land hinüber Es steht fest, daß in Deutschland bie Perwde der Hexenversolgung erst mit dem Jahre 1448 einsetzt, als zwei Mönche heillosen Angedenkens, ^acob Sprenger und Heinrich JnstitoriS, rheinische Dominikaner, durch em päpstliches Sckxrrft- stück die Erlaubnis erhielten, einen umfaßenden Apparat zur systematiscklen Verfolgung der Heren einzurlAen Zur Wieber- erwcckung des volkstümlichen Wahnglaubens schrieben diese beiden Geistlichen jenes Buch, des Hinschius, „das verruchteste Buch der Weltliteratur" genannt hat, denMalleusmaleficarum, den Hexenhammer.*) . . „ei
Es ist verdienstvoll, dre;es wichtige kulturgeschichtliche Aktenstück auch bem Kreise bei Gebildeten zugänglich zu machen, denen Zeit und Neigung dazu mangelt, dieses Dokument mit bem Edelrost des Mönchslatein zu genießen.
Der Hexeiihammer wäre nie geschrieben worden, ohne die Hexenbulle. Jnnoeenz VIII., der von 1484 bis 1492 den päpstlichen Stuhl zierte, gehört zu bcnicntgen Nachfolgern Perri, mit bereu Charakterbild sich bas Dogma päpstlicher Unfehlbarkeit schlecht vereinigen läßt — man müßte an bem guten Ge,chmack bes
*) Der Hexenhammer von Jacob Sprenger unb Heinrich In- ftitnr.5 3cm ersten Male ins Deutsche übertragen unb erngelertet ooa I. W? R. Schmcht. Berlin, Verlag von H. Barsdors. 1906.
Berechnung zeigen, baß der Beamte sich in eiyer kaum weniger schwierigen Lage besinbet. t
Als Beispiel sei der Fall eines akademisch gebildeten Beamten in mittlerer Gehaltsklasse, also mit einem Einkommen von 4 200 Mk., gewählt. Der Beamte, der diesen Gehalt bezieht, befindet sich (was zur Beurteilung wichtig ist) schon in vorgerückterem Lebensalter; er ist in der Regel 40 Jahre und darüber alt. Weiter mag angenommen werden, daß er kein Vermögen hat, verheiratet ist und drei Kinder besitzt. Mit Rücksicht auf seine amtliche Stellung kann er nicht überall wohnen und braucht bei der angenommenen Größe seiner Familie eine Wohnung von sechs Zimmern, wovon drei Schlafzimmer sind und eins das Arbeitszimmer des Hausherrn ist. Eine solche Wohnung kostet 800 bis 900 Mk. und darüber. Wenn diese Summe Herrn Joutz zu hoch sein sollte, so würde jeder Nachweis einer billigeren Gelegenheit gewiß dankbar begrüßt werden. Die Kosten des Haushaltes bei einer fünfköpfigen Familie, der sich als sechstes Glied ein Dienstmädchen anschlicßt, sind mit 140 Mk, monatlich sehr niedrig augesetzt. Für Bekleidung (Wäsche, Kleider und Schuhe) sind jährlich 480 bis 500 Alk. gewiß auch nicht zu hoch. Seiner höheren Bildung entsprechend sucht der Beamte natürlich auch seinen Kindern eine bessere Schulbildung und andere Ausbildung fürs Leben mitzugeben. Da der Witwengehalt keineswegs ausreichend ist, hat er die Pstieht, durch Aufnahme einer Lebensversicherung bie Lage seiner Familie für den Fall seines Todes möglichst zu verbessern.
Rach diesen Ausführungen würde sich der monatliche Voranschlag des Beamten ungefähr folgendermaßen stellen: a) Einnahme 350 Alk., b) Ausgabe:
Miete (800 Alk.) ... 67 Mk.
Haushalt..... 140 ,
Bekleidung.....40 „
Heizung......15 „
Beleuchtung..... 6 ,
Steuern .....17 „
Schulgeld......20 „
Lebensversicherung ... 15 „
Dienstmädchen .... 20 „
zusammen 340 Mk.
Es bleiben also monatlich bar 10 Alk. übrig, mit denen Schulbücher, Schreibmaterial, Zeitung, Ersatz von Haushaltungsgegeniiänden, Ausbesserungen und all die vielen kleinen Bedürfnisse bestritten werden sollen, die eine Familie dieser sozialen Stellung nun einmal hat. Dabei ist noch nicht einmal gedacht an die besonderen Ausgaben, bie die Feste, wie Weihnachten usw. mit sich bringen, noch nicht gedacht an die so notwendige Erbolung, die gewöhnlich auch nicht' ganz kostenlos zu haben ist, an ein paar Alark Taschengeld und vor allem nicht an die oft bedeutenden Ausgaben f ü r g e m e i n n ü tz i g e V e r e i n e u n d Z w e ck e.
heiligen Geistes irre nxrbcn, wäre man genötigt, anzunehmen, er habe sich auch solcher Organe bedient, der armen irrenden Christenheit die ewigen Wahrheiten des Himmels mitzuteilen. Tic Bulle dieses Papstes (Surnmis desiderantes) ist vom 5. Dezember 1484 datiert, gut ein Jahr nach Martin Luthers Geburt. Sic enthält die Quintessenz des ganzen Hexenhammers. Schmidt teilt sie im lateinischen und deudsck>en Originaltext mit.
Die Lektüre des Buches selbst treibt jedem brennende Scham ins Antlitz. Alan tritt in ein Sammelbecken geistiger Verblödung und fittlidyer Verworfenheit. Hier feiert der „schwarze Tod" auf dem Boden des menschlichen Geistes seine schrecklichen Orgien. Man liest ein Kapitel, greift sich an die Stirn und hat mir die eine Frage auf den Lippen: hat das Verbrechen ober der Wahnsinn dieses Buch „zur Zermalmung der Hexen" inspiriert? Das Richtige wird wohl sein: es ist ein widerlicher Wcchselbalg von Verbrechen und Wahnsinn. Man muß erst einige Kapitel geschluckt haben, ehe man bie Gelassenheit bes Historikers nnebergefunben unb die Fähigkeit zu objektiver Prüfimg gewonnen hat. Mer man versteht, daß ein stark ethisch empfindender Leser das ruchlose Buch mit einem kräftigen Fluch in das Feuer schleudert. Vielleicht aber sollte einen mehr ein grenzenloses Mitleid packen, vielleicht hat der Wahnsinn des Zeitalters zuerst in die Hirnhöhlen der Urheber dieses Buches sich eingebohrt, vielleicht sind sie selbst die ersten Opfer dieser geistigen Pest gewesen.
Auszüge aus den krassen Teilen dieses Buches mitzuteilen, verbietet sich von selbst. Tas meiste ist von widerwärtigen sexuellen Einzelheiten durchsetzt. Man kann sich, wie die „Voss. Ztg." ausführt, der wir diesen Arttkel entnehmen, nur an das Harmlosere halten, wenn man in den Spalten einer Tageszeitung Proben aus diesem Buche geben will. Zu den harmlosesten Kapiteln gehört das, worin von der besonderen Veranlagung des weiblichen Geschlechts für das Hexcntum gehandelt wird. Was im Alten und gZcuen Testament, bei den Kirchenvätern und Theologen, auch bei den Dichtern und Philosophen des Altertums an misoghnischen Äußerungen sich findet, ist hier, soweit eS der Kemitnis des damaligen Mönchtums zugänglich war, gesammelt worden. „Was ist das Weib anders, als die Feindin der Freundsckjaft, eine unentrinnbare Strafe, ein notwendiges liebel, eine natürliche Versuchung, ein wünschenswertes Unglück, eine häuslick-e Gefahr, ein ergötzlicher Schade, ein Mangel der Natur, mit schönen Farben gemalt". Neben diesem Zitat aus Ehrysostomus stehen in aller Unschuld Worte guter Heiden, wie Socrates einer war. Auch Cato, Cicero, Terenz- sagen in dem Chorus der heiligen! Männer ihr Sprüchlein her. Dazwischen nehmen die beiden Dominikaner immer wieder das Wort: „Was den Verstand betrifft, so scheinen die Frauen anderer Art zu sein als die Männer. Sie sind fleischlicher gesinnt als der Mann. Diese Mängel werden auch gekennzeichnet bei der Schaffung des ersten Weibes, indem sie aus einer krummen Rippe gc’crmt wurde, d. h. einer Brustrippe, die gekrümmt ist und gleichsam dem Mamie entgeacngcncigt ist. Aus diesem Mangel geht auch hervor, daß, da das Weib nur ein unvollkommenes Tier ist, es immer täuscht." Die Mönche verstehen sich auch
Es wird meist übersehen, daß in letzterer Beziehung gerade an den Beamten besonders hohe Anforderungen gestellt werden. Schließlich hat er als gebildeter Mensch auch über daS 2UI- tägliche hinauSgehende wissenschaftliche oder künstlerische Interessen, denen er ein Opfer bringen muß, will er sich anders geistige Spannkraft, Lebens- und Berufsfreudigkeit bewahren. Aus dieser Berechnung ist ganz weggeblieben die Pfiege der Geselligkeit, die immer mit einigen Kosten verknüpft ist, mag sie auch in noch so einfachen Formen gehalten sein. Was aber geschieht beim Eintritt außergewöhnlicher Umstände, wie Krankheit oder gar Siechtum eines der Familienangehörigen? Der Beamte darf keiner Krankenkasse angehören, woher also soll er die Mittel für Arzt- und Apotheker-Rechnungen nehmen?
Wie die Verhältnisse jetzt liegen, ist der akademisch gebildete Beamte der unteren und mittleren Gehaltsstufen nicht imstande, mit seinem Gehalt auSzukommen. Wenn er kein Vermögen besitzt, ist er gezwungen, sich nach Nebenverdienst umzusehen. Daß er hierdurch sein Einkommen nicht so leicht erhöhen kann, wie andere Leute, liegt auf der Hand. ES ist aber ein Nebenerwerb auch keineswegs im Interesse deS Dienstes gelegen. Der Oberlehrer z. B., der gezwungen ist, Privatunterricht zu erteilen oder sich durch Pensionäre das Familienleben verderben zu lassen, verliert Zeit für die nötige Erholung und die Weiterbildung m seinem Fach. Ebenso steht eS bei Iuristen und anderen Beamten. Man wende nicht ein, daß eine große Anzahl von Beamten außerdienstlich wissenschaftlich tätig ist. Es ist ein anderes, gezwungen für den Erwerb zu arbeiten, ein anderes, in ungebundener und freier Arbeit sich wissenschaftlich zu betätigen. ErstereS schädigt, letzteres fördert die Interessen des Dienstes.
Alles Gesagte trifft nicht nur für die akademisch gebildeten, sondern zum größten Teil mutatis mutandis auch für andere Beamtenklassen zu. Wenn hier das Beispiel aus den ersteren gewählt wurde, so geschah dies, weil aus ihnen der Antrag auf Gewährung von Wohnungsgeldzuschüssen heroorgegangen ist und weil sich die Angriffe des Herrn Joutz nur gegen sie gerichtet haben.
Hoffentlich wirken diese Zeilen aufklärend und tragen dazu bei, das törichte Vorurteil, daS gegen die Beamten in weiten Kreisen der Landbevölkerung herrscht, zu z e r st r e u e n. ...... ■ ■ । 1 — ......— .
politische Sagesschan.
Von der württembergischen Demokratie.
AuS Stuttgart schreibt man:
Das t)on Demokratie und Sozialdemokratie gewählt? Oberhaupt unserer Stadt, Oberbürgermeister Gauß, ein entschiedener Anhänger der Volkspartei, ist vom König aus Anlaß der Einweihung des Stuttgarter Rathauses zu einem Herrn von Gauß gemacht worden. Ebenso ist der be- auf die Etymologie. Tas Wort femina kommt ihrer Meinung nach von sc und minus, fc — fides, Glaube; minus — weniger, also femina — die weniger Glauben hat. Dazwischen sind die Mönchsschnurren eingestreut: Ein Weib war im Flusse ertrunken. Als bet Ehemann den Leichnam suchte, ging er stromaufwärts. Er wurde darauf aufmerksam gemacht, baß bie Leiche doch wohl mit bem Strom geschwommen unb unterhalb des Platzes, wo bie Frau ins Wasser gegangen, zu finden sein würde. Er entgegnete: Dieses Weib war bei Lebzeiten meinen Worten immer entgegen, vielleicht hat sie auch im Tode noch gegen die sonstige Geivohnheit ihren Willen durchgesetzt.
Ein paar Blumen aus dem Garten des Hexenhammers. „Nebenfrage von den Wölfen, bie bisweilen Erwachsene und Kinder aus den Häusern rauben und fressen, wobei sie mit großer Schlauheit zu Werke gehen, so daß man sie durch keine Kunst oder Macht irgend wie verletzen oder fangen kann. Es ist zu sagen, daß das bisweilen eine natürliche Ursache hat, bisweilen aber auch durch Gaukelkünste geschieht, indem es durch Hexen bewirkt wird." Folgt ein lehrreiches Exempel, worin erzählt wird, daß zu Como 41 Hexen derartige Verbrechen mit bem Feurtode gebüßt haben. „Niemand schadet dem katholischen Glauben mehr als bie Hcbeammen. Denn wenn sie bie Kinder nicht töten, bann tragen sie, gleich als wollten sie etwas besorgen, die Kinber aus der Kammer hinaus, und sie in die Luft hebend, opfern sie dieselben den Dämonen." „Einer von uns Inquisitoren — dies ist ein Stücklein aus der Praxis der frommen Schriftsteller — fand einen Ort, der infolge der Sterblichkeit unter den Menschen fast verödet war. Dort gipg das Gerücht, daß ein begrabenes Weib das Leichentuch, in welchem sie begraben war, nach unb nach verschlänge, unb die Pest nicht aushören könnte, wenn jene nicht das Leichentuch ganz verschlänge und in den Bauch ausnahmc. Der Schulze unb der Vorsteher der Gemeinde gruben das Grab auf und fanden fast bie Halste bes Leichentuchs durch Mund und Hals hindurch bis in ben Bauch gezogen und verzehrt. Als der Schulze das sah, zog er in ber Erregung das Schwert, schlug der Leiche das Haupt ab und warf es aus der Grube, woraus die Pest aushörte. So waren — diese Anwendung ist wohl zu beachten! — also mit göttlicher Zulassung die Sünden jenes Weibes an den Unschuldigen wegen Verheimlichung seitens der Oberen bestraft worden. Denn bei ber an gestellten Inquisition fand man, daß jenes Weib lange Zeit ihres Lebens eine Wahrsagerin und Zauberin gewesen sei."
Werden die Hexen zur Bestrafung geführt, so genügt es nicht, über sie die Strafen zu verhängen, bie den Ketzern zukommen. „Wie sehr sie auch bereuen, unb wenn sie auch zum Glauben zurückkehren, so ist es nicht ausreichenb, sie wie anberc Ketzer in ewiges Gefängnis zu stecken, sondern sinb mit den schwersten Strafen zu belegen. Von ben Einzelheiten des teuflischen Marterns, bem bie Opfer bieses Irrwahns anheimfielen, handelt der dritte Tcll des Hexenhammers.
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