Ausgabe 
25.9.1906 Erstes Blatt
 
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lieber Me

Kaffcnverhältnisie berichtet Gerisch' der FmanMinister der Partei'. Am rühmlichsten haben sich hervorgetan die Genossen von Groß- Berlin. Sie hätten nur statutarisch, 25 000 Mk. abzuliefern, sie haben aber fast 200 000 Mk. aufgebracht. (Beifall.) In Jena haben wir uns ein neues Parteigesetz gegeben. Es wäre Ehrenpflicht alter Genossen gewesen, sich darnach zu richten. Das ist leider nicht überall geschehen. (Hört! Hört!) Wenn neben vielen zahlenden Genossen solche sind, sind, die weniger zahlen wollen, obgleich sie reiche Mittel besitzen dann werden wir uns auch sagen müssen: Mit dem Maß, mit dem Ihr messet, sollt Ihr wieder gemessen werden. (Zustimmung.)

Es sind folgende Darmstädter Resolutionen eingegangen: Die Parteiversammlung erklärt hinsichtlich des politischen Massenstreiks, an der Resolution von Jena festzuhalten. Sie erwartet ferner von dem Parteitag in Mannheim, daß er seine Stellung in dieser Frage so präzi­siere, daß eine Umdeutung ausgeschlossen ist. Sollte es dennoch von einzelnen Partei- und Gewerkschaftsorgani­sationen versucht werden, so ist dem mit aller Entschieden­heit entgegenzutreten.

Und:

Die Parteiversammlung beantragt: Die gemeinsamen Konferenzen der Partei-- und Gewerkschaftsvorstände, im Interesse beider Teile, zu einer dauernden Institution zu machen.

Vom Pommerschen Parteitag ist folgender Antrag ein­gegangen: IN Erwägung, daß die Wahlr echts aktion vom 21. Januar und 18. März nur einen vollen Wert gehabt hätte, wenn sie in dem unerschütterlichen Entschluß, auch schärfere Mittel als Volksversammlungen und Flng- blattverbreitungen zur Anwendung zu bringen, unternom­men worden wäre, fordert der P. P. den Parteivorstand auf, in Zukunft mit größerer Energie den politischen Massen­streik zu propagieren und zwar im Sinne einer Verwirk­lichung desselben zur Erringung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts in den deutschen Bundesstaaten. Der P. P. erwartet vom Parteivorstand, daß, er schon der nächsten Wahlrechtsdemonstrativn einen Eharakter gibt, der geeignet ist, die Masten auf die Verwirklichung des politischen Mastenstreiks vorzubereiten. Mit aller Entschiedenheit spricht sich der Parteitag insbesondere gegen das Bestreben aus, den politischen Massenstreik als ein Kampfmittel hinzu­stellen, das erst in ferner Zukunft in Frage kommen kann.

Nach der Verlesung einiger Glückwunschtelegramme fuhr Genosse Gerisch in feinem Kassenbericht fort. Das Verhältnis der Zahl der bei den Reichstags- Wahlen abgegebenen sozial de mokr. Stimmen zur Zahl der organisierten Genossen ist ein sehr mannig­faltiges. An erster Stelle steht das Groß Herzog­tum Hessen, wo sich dieses Verhältnis auf 2 0,9 Proz. beläuft. In ganz Deutschland gibt es 384 327 Genossen, die organisiert sind. Das sind 12,76 Proz. der Zahl der bei der Reichstagswahl abgegebenen Stimmen. Bis zum nächsten Jahre müssen wir 1 Million Abonnenten und 1/2 Million organisierter Kämpfer haben. Dann können wir wohlgemut in den Kampf gehen. (Lebhafter Beifall.)

Den Bericht der Kontrollkommission erstattet Genosse Kaden. Die Kommission wäscht die schmutzige Parteiwäsche des letzten Jahres noch einmal durch.

Von den M a i n z e r Genossen ist der Antrag eingebracht worden, daß die Berichte der Vertrauenspersonen der Parteipresse beigegeben werden sollen.

Es wird dann in

die Diskussion über den Geschäftsbericht des Vorstandes und 6er Kontrollkommission und der dazu gestellten bereits erwähnten Anträge eingetreten.

Thiele-Halle erhob Protest gegen die Art, wie der Vorwärts" gegen die Genossen vorgehe, so erst letzthin gegen den Genossen Stampfer. Das sei ein flegel­hafter Ton, der eines Zentralorgans nicht würdig sei. Er hoffe, daß der Parteivorstand sich nicht identifiziere mit dem Gebahren desVorwärts". Diese Ausschreitungen sind geradezu unerhört und tief beschämend für die Partei

Schluß 6 Uhr.

*

Ferner wird uns aus Mannheim geschrieben: ... herrscht hier einstweilen gehobene Stimmung. Stürrni- Icher Beifall, langanhaltender, minutenlanger Beifall, tosender Beifall, ja sogar einBeifallsorkan" kennzeichnen insbesondere die Ausnahme der Rede des Abg. Bebel. Seine Volkstümlichkeit in den Kreuen der Partei scheint trotz der vielfachen scharfen An- griste, die aus dem Gewcrkschaftslager kommen, nicht im mindesten gelitten zu haben, obwohl zum ersten Male auch der Charakter Bebels angezweifelt wurde. Soviel ist richtig, daß Bebel in der langandauernden Erörterung über die Stellung zum Massenstreik eine schwankende Haltung eingenommen hat.

machte auch ferne Anhänger stutzig. Wie sich nun Bebel aus r'b^ rtüare zieht, lote er die ihm zum Vorwurf gemachten Wider­spruche au fzuklär en versuchen wird, das wird von nicht geringem Interesse sein. Es läßt sich aber eine ziemlich sichere Wette darauf wagen, daß Bebel mit seiner taktischen Gewandtheit und seiner faszinierenden Rednergabe die Gewerkschaftler an die Wand drückt Ein Vorzeichen war schon, daß der Antrag, zum Punkt Maifeier den Gewerkschaftsführer Bömelburg zum Korreferenten zu er- Annen, mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. Die sozialdemo- tratische Partei will, darauf kommt schließlich alles an, das entscheidende Wort über die Frage eines politischen Massenstreiks zu sagen haben, auf ihr Geheiß sollen alle Rüder still stehen, die Gewerkschaften sollen allenfalls vorhergehört" werden, im übrigen haben sie die gefüllten Kassen für die Erlegung der Kriegskosten aufzutun. Diese Kassen erregen etwas wie Neid- gefuhl bei der Parteileitung. Denn nur in diesem Sinn ist es _verstehen, wenn Gerisch erklärte: Die Einnahmen von

und Gewerk,chasten stünden in einem zu auffälligen Miß- ^rtzaltnis, das auf die Dauer sich als unerträglich erweise.

OES sogar mit einem für die Partei der Freiheit recht drastischen warnenden Exempel: Ausschluß der Genossen, die Pflicht nicht erfüllten, von den allgemeinen Parteitagen. Es hort al,o, eben,o wie in decverrotteten, mammonislischen" bi^gerlichen. Gesellschaft, auch in der Sozialdemokratie die Ge­mütlichkeit in Geldsachen auf. Wer nicht die Zentralkasse, son- dern nur die Gewerkschaftskasse bedenkt, kann kein braver Ge- nos,e sein. Den Bayern wurde noch eine besondere Rüge zuteil.

monierte die in Bayern erfolgte Verkürzung aL- k" * 1 der Partei durch Herabseyung der Beiträge und

tunbigte für den gegebenen Augenblick Vergeltung an. Die Bayern wurden vorn Parteivorstand mit gleichem Maße gemeßen Werden. Mas der Reichstagsabg. Psann kuch über die Ver­öffentlichung des Gelximprotokolls der Generalkommission aus- fuhrte aus Notwehr, unter dem Truck der Verhältnisse im Bewußt,ein des Unrechts - klang nicht sehr überzeugend. Bebel wird den Parteivorstand anders aus dem Feuer heraushauen.

Aus SiaOt uno Luus.

Gießen, den 25. Sept.

, »* Die leergelaitfene Wasserleitung. Ist

einem oberhessischen Dorfe, das seit einigen Wochen die Segnungen einer Wasserleitung genießt, hatte eine Frau

einen Eimer Wasser abgelassen. Sie konnte, nachdem^ der Eimer volsgebaufen war, nicht wieder zuLrehen. Ist, ihrer Angst lief sie zu einem Schlosser, der ungefähr 10 Minuten weit weg wohnte. Aber inzwischen kam ein Nachbar und drehte die Leitung zu. Aks sie mit deut Schlosser züriick- kam, rief sie Beim Anblick der nicht mehr laufenden Leitung aus:Ach du laiwer Gott, do is die Leitung jo ausgelaafe."

** Heiteres aus der Schule. In einem Dorfe im Kreise Gießen fragte der Lehrer eine Schülerin nach Gemüsen, die im Garten gewachsen wären. Unter anderen nannte sie auch Pfannkuchen.

X Allertshausen, 24. Sept. Unsere evangelische Kapelle, welche nach Entwurf des Baurat Die hm-Gießen ausgefährt ist, soll, nachdem der innere Ausbau bis Ende dieser Woche fertiggestellt werden wird, nächsten Sonntag, 3 0. Sept, ein geweiht werden.

-s- Bersrod, 24. Sept. Kürzlich fand durch das Großs. Kreisamt eine Ortsbesichtigung des Fußwegs von Neiskirchen nach Bersrod statt, der zur Kreis­st raße zwischen beiden Orten umgebaut werden sott. Die beiden Gemeinden hatten hierzu den Antrag gestellt. Die Gemeinde Bersrod hat sich sofort bereit erklärt, die auf sie entfallenden Kosten zu tragen und das erforderliche in ihrer Gemarkung liegende Gelände abzutreten. Sollte das Straßen­projekt zur Ausführung kommen, so müßten auch noch Ver­handlungen mit der Gemeinde Winnerod gepstogen werden.

n. Schw tten, 24. Sept. Die Generalversamm­lung des VereinsL e h r e r h e i m V 0 g e l s b e räj" findet Mittwoch, 26. September, nachmittags auf dem Lehrerheim statt. Der Verein zählt jetzt über 1600 Mitglieder, das bedeutet für die beiden letzten Jahre einen Zuchwachs von 400 neuen Mitgliedern, ein deutlicher Beweis für das dem Unternehmen entgegengebrachte Interesse. Die neu ange­legte Wasserleitung hat im verflossenen Sommer das Heim mit vorzüglichem Quellwasser hinreichend versorgt, sodaß dem leidigen Wassermangel wohl für alle Zeiten gesteuert sein dürfte. Die infolge von Verbesserungen des Geländes durch den Staat und die Stadt Schotten in der Umgebung des Lehrerheims angelegten Weideplätze verleihen mit dem darauf gehenden Vieh dem Hause eine neue reizvolle land­schaftliche Staffage und diese bildet namentlich für die hier oben weilenden Städter eine angenehme Abwechslung. Dem Heime wurden im letzten Jähre von lehrerfreundlichen Firmen in dankenswerter Weise die verschiedensten Zuwen­dungen gemacht, und namentlich die Bibliothek tyat eine wesentliche Bereicherung erfahren. Der finanzielle Stand des Vereins ist zurzeit recht günstig, sodaß an die baldige Auslosung der 50 Mark-Aktien gedacht werden kann. Obmann Backes, Darmstadt, wird der diesjährigen Gene­ralversammlung beiwohnen.

/^Friedberg, 24. Sept. Die 3 0. Haupt-Ver- sammlung der Ludwig- und Alice - Stiftung hessischer Lehrer fand heute im Hotel Trapp unter recht zahlreicher Beteiligung statt. Von 83 Agentur-Vereinen waren rund 100 Vertreter erschienen; sämtliche acht Ausschuß­mitglieder waren anwesend. Vor Beginn der Verchandlungen wurde Lehrer Schmidt-Friedberg als Uckundsperson gewählt. Der Vorsitzende der Stiftung, Ka ßlick - Darmstadt, wies darauf hin, daß Friedberg für den Lehrerstand Hessens doppelt bedeutsam ist. Hier haben große Jugendbildner am Lehrer­seminar gewirkt, die weit über die Grenzen Hessens berühmt ge­worden sind, z. B. Kurtmann, und unter den Lehrern Fried­bergs haben sich mehrere im Sinne der Stiftung verdient gemacht, so die Lehrer Volk und Roth und Oberlehrer Dörr. Die Dörr-Stiftung ustd Noth-Stistung für bedürftige Witwen und Waisen zeugen für ihre edlen Gesinnungen. Vor 28 Jahren tagte der Verein das letzte Mal hier, damals ein kleines Pflänzchen, jetzt ein mächtiger Baum; vor 28 Jahren zählte er 1300 Mitglieder mit 150 000 Mk. Vermögen, heute sind es rund 2500 Mitglieder, das Vermögen hat sich ver­fünffacht und an Unterstützung wird das 67fache jährlich bezahlt. Der Hauptfaktor zu diesem Aufschwung ist in erster Linie das mehr und mehr zur Geltung kommende Prinzip der Selbsthilfe, bringen die Lehrer doch alljährlich eine be­trächtliche Summe durch freiwillige Beiträge auf. Dem Jahresbericht der Sterbekasse sei entnommen: Die Mit­gliederzahl stieg von 2415 auf 2490, die Einnahme auf 34 105 Alk. Das versicherte Sterbegeld stieg von 57 400 Mk. auf 1 398 000 Mk., art Sterbegeld wurden 12 850 Mk. be­zahlt. Das Vermögen ist 298 795 Mk., das Deckungskapital 197 000 Mk., der jährliche Zuwachs ist 16- bis 17 000Mk., der Sicherheitsfonds ist 85 000 Mk., der Ueberschuß rund 60 000 Mk. Aus dem Vertrage mit der Berliner Lebens­versicherungs-Gesellschaft erhielt der Verein 1440 Mk. Die Unterstützungskasse hat ein Vermögen von 46 000 Mk., eine Jahreseinnahme von 2800 Mk., an Unterstützungs­geldern wurden in 96 Fällen 4400 Mark bezahlt. Durch freiwillige Gaben brachten die Lehrer 1700 Mk. auf. Die Rechnungen waren vom Vorstand, vom Verwaltungsansschitß und vom Prüfungsausschuß geprüft und für richtig befunden worden. Auf Antrag von Herger-Arheitgcn wurde dem Rechner und Vorstand Ent­lastung erteilt. Die Agentur Arheilgen wurde auch für die nächsten drei Jahre zum Prüfungsausschuß gewählt. Von höchster Bedeutung war der nun folgende Beschluß betreffend Errichtung einer Militär - Darlehnska ss e für Lehrer, die als Einjährig-Freiwillige ihrer Dienstpsticht genügen. Es ivurde einstimmig beschlossen, daß diese Kasse als selbständige Kasse ins Leben treten soll; das Grundkapital beträgt 12 000 Mk. Kaßlick verlas die Statuten, deren 12 Para­graphen einstimmige Annahme sanden. Die Kasse wird Dar- lehen bis zu 600 Mk. gewähren und wenn möglich schon am 1. Januar 1907 ins Leben treten. Aus Antrag des Vorstandes wird beschlossen, daß auch für die nächsten drei Jahre die Einnahmen aus Verträgen fast nur für die Sterbekasse als Zuschüsse zum Sterbegeld Verwendung finden, daß ferner der Zuschuß zum Sterbegeld 50 Mk. nicht über­schreiten soll, daß aus dem Gewinnfonds weitere Zuschüsse für je 200 Mk. ausgezahlt werden und daß endlich zu Unter­stützungen nicht mehr als 4000 Mk. gezahlt werden aus besonderen Stiftungen und Verträgen. Vci den Ergänzungs­wahlen wurden in den Verwaltungsausschuß wiedergcwählt Hotz-Ridda, Schrod-Ofsenbach, neu Monik-Darmstadt, als Ersatzmänner wurden neügewählt: Kopp-Darmstadt für Starkenbtirg, Hauptlehrer Philipps-Friedberg für Oberhessen und Stauffer-Oppenheim für Rheinhessen. Folgender Dring­lichkeitsantrag des Verstandes wtirde einstimmig angenommen: Die Hauptversammlung beauftragt den Vorstand, gemein­schaftlich mit dem Vorstand des Landeslehrervereins bei den

gesetzgebenden Faktoren dahin vorstellig zu werden, daß dre Reliktenversorgung nach dem Antrag des Abg. Schmidt- Mainz in gleicher Weise wie bei den Staatsbeamten geregelt wird." Nachdem Obmann Backes-Darmstadt beut Vor­sitzenden der Stiftung, Kaßlick-Darmstadt, unter lebhaftem Beifall den Dank des Vereins ausgesprochen hatte, wurde die Versammlung geschlossen. Später fand ein gemeinsames Essen statt.

Wegen Notzuchtsversuchs vor den Geschworenen,

th. Gießen, 25. Sept.

Gestern eröffnete Landgerichtsrat Neuenhagen die dies­malige Tagung des Schwurgerichts. Verhandelt wurde gegen den am 2. August 1867 zu Steinbach geborenen, bisher un­bestraften, verheirateten Schmiedegesellen Joh. Ke ß ler wegen Versuchs der Notzucht. Anklagevertreter war Staatsanwalt Hoos, Verteidiger Rechtsanwalt Grünewald. Es waren 6 Zeugen und als medizinischer Sachverständiger Medizinal­rat Dr. Haberkorn zu hören. Die Verhandlung wurde unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt. Nachdem die Ge­schworenen die Schuldfrage bejaht und dem Angeklagten mildernde Umstände zugebilligt hatten, wurde er zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Aus den öffentlich ver­kündeten Gründen des Urteils ging hervor, daß der An­geklagte in einer landwirtschaftlichen Maschinenfabrik in Butz­bach in Arbeit stand und in Gießen wohnte. Er beging die Tat in der Nacht zum 10. Juli ds. Is. in Gießen auf der Südanlage an einem 16 Jahre alten Dienstmädchen. Der Angeklagte war geständig, behauptete aber in Angetrunkenheit gehandelt zu haben.

Vermischtes.

* Ein Denkstein zur Erinnerung an die Ver­lobungszeit des Kaiserpaares ist am 13. September, dem 14. Geburtstage der Prinzessin Viktoria Luise, in aller Stille in Gegenwart eines Teiles der kaiserlichen Familie im Schloßpark in Primkenau geweiht worden. Der Denkstein ist eingefügt in eine Natursteinbank und trägt die Inschrift: 3m Jahre der Silberhochzeit Seiner Majestät des Kaisers und Ihrer Majestät der Kaiserin zur Erinnerung an die Verlobungszeit 18801881 am 13. September 1906.* Die Bank, vor welcher sich ein Rasenplatz mit Erika-Rondells befindet, steht unter Tannen und Buchen an derselben Stelle, ivo einst die Kaiserin als Kind mit ihren Geschwistern ihre Spielstundcn zugcbracht hat. 2(m Stamme einer nahen Buche ist ein fast verwachsener Rindeneinschnitt zu sehen, und zwar eine Krone, unter der die Buchstaben V. W. (Viktoria, Wilhelm) und die Jahreszahl 1880 eingegraben sind.

* Der neueste Eisen bahn uns all. Am 24. Sept, ist infolge vorzeitiger Entblockung der Strecke im Tunnel zwischen Stuttgart und Feuerbach ein Personenzug auf einen vorausfahrenden Leerwagenzug aufgefahren. Vom Personenzug ivurden der Lokomotivführer, der Zugführer und ein Bahnpostbeamter verletzt, von den Reisenden niemand Mehrere Wagen des Leerwagenzuges wurden zertrümmert.

* Eine Schreckens nacht hat ein in Achim bei Bremen beschäftigter holländischer Zigarrenarbeiter durchzumachen gehabt. Er hatte nachts gegen 2 Uhr unter einem Brunnendache Schutz gegen den Regen gesucht. In der Meinung, unter einem Wagenschuppen zu fein, setzte er sich auf den Rand des Brunnens, schlief dort ein und stürzte in den 90 Fuß tiefen Brunnenschacht. Um 6 Uhr morgens hörten Vorübergehende die Hilferufe des Verunglückten und nach großen Anstrengungen gelang es, ihn wieder aus bem Brunnen heraufzubefördern. Da biefer reichlich Wasser ent­hielt, hatte ber Abgestürzte außer einigen Hautabschürfungen keine nennenswerten Verletzungen erlitten; trotzbem war feine Lage schrecklich genug gewesen, lieber brei Stunden hindurch mußte er in dem kalten Wasser, nur mit dem Kopfe daraus hervorragend, zubringen, mit der Kraft der Verzweifiung sich an die eiserne Brunnenkette klammernd.

Professor Drudes Berliner Nachfolger. Nachdem Professor Dr. Wilhelm Wien in Würzburg, wie wir meldeten, den Ruf an die Berliner Universität als Nachfolger Drudes a b g e l e h n t hat, kommt nunmehr Prosessor Dr. Heinrich Rubens an der Berliner Technischen Hochschule in Betracht. Rubens wurde 1865 in Wiesbaden geboren und erhielt seine wtssen- sthattliche Ausbildung in Darmstadt. Berlin und Straßburg.

Lau-wsrtschaft.

# A u s dem Kreise Wetzlar, 24. Sevt. Die Zucht- station für Vogelsberger Rinder, die vor zwei Jahren von der Landwirtschastskaimner der Rheinvrovinz für den Kreis Wetzlar auf dem Hofgut Altenberg errichtet wurde, ist vor einigen Tagen emaegangen und deren Viehbestand 30 Rinder ging in die Hände von Händlern über. Die Landwirtschastskammer hat für den Versuch, das Vogelsberger Rind in unserem Kreise mehr als bisher einzubürgern, einen Zuschuß von mehr wie 10 000 Mark bezahlt. Die Kleinbauern des Kreises sind der Ansicht, daß sie bei der Haltung und Zucht von Stmmentaler Rindvieh besser fahren und verhalten sich deshalb gegen das kleine Gebirgsvieh ablehnend.

Köln, 24. Sept. In einer auf Veranlassung' des Milch-Unter­verbandes des R h e i n i s ch e n Bauernvereins einberusenen Versammlung der Abmelkwirtschaft treibenden Landwirte und der Milchhändler wurden ab 5. Oktober die Milchpreise wie folgt festgesetzt: 14'/. Pig. vro Liter ab Stall, 14'/, Psg. ab Köln für Großhändler, die mehr als 500 Liter täglich beziehen, 15 Pig. ab Köln lür Kleinhändler, 16 Pig. für Bäcker ab Haus, die über 40 Liter verbrauchen, 17 Pfg. für Bäcker, die weniger als 40 Liter täglich gebrauchen und 22 Pig. für Private im Einzelverkauf. Die Preise sür Groß» und Kleinhändler erhöhen sich bei Lieferung loko Haus um 's, Pfg. vro Liter.__

Wist doch wirklich ein wundervolles Ding, Kli daß man die wirksamen Elemente uralter Heilquellen in Vffnf wmztg kleinen Pastillen bannen und damit Erfolge ähnlich denen erzielen kann, die sonst nur die Quellen selbst hatten. Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen sind ein Beweis dafür, wie segensreich diele Ersindung wirkt. Sodener ^ondet mnu mi bei allen Reizungen der Schleimhäute bet Utmungsor-mne und man gebraucht sie nie vergeblich, d/tan kauft sie in allen einschlägigen Geschälten die Schachtel für nur 85 Psg., hüte sich aber vor Nachahmungen. lhv12/10

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