Ausgabe 
20.11.1906 Zweites Blatt
 
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Sir. 273

Rotationsdruck imb Verlag der vrü hl sichen Unwersuätsdruckerei. 9L Lange, Dreßen.

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.7.

Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Dießen.

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntag».

DieGießener ZamUenblLtter" werden dem Anzeiger viermal pöd)entlief) beigelegt. Der hesfische Landwirt" erscheint monaUich einmal.

Zweites Blart LLL. Jahrgang Dienstag 20. November 1V06

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger, AmL§- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

politische TcrgesschaA.

Landvirtschaftsminister v. Arnim.

Die Ernennung deS Ritterschaftsrates und RittergutS- besitzerS o. Arnim auf Kriewen bei Schwedt a. O. zum preuß. LandwirlschaftSminister ist am Montag vollzogen .u-rSrn. Hc>cr v. Arnim wurde gestern in das königliche Schloß zur Audienz befohlen, in deren Verlaus ihm der Kaiser die Ernennung überreichte, v. Arnim ist Vorsitzender der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, seit Juli Mitglied des preuß. Herrenhauses, Mitglied des Eisenbahnrates und deS preuß. Landes-Oekonomie-Kollegiums. Herr v. Arnim soll von Herrn v. PodbielSki empfohlen worden sein. Er steht im 57. Lebensjahre und besitzt zwei Güter, Kriewen und Klein-Sperenwalde. Man rühmt ihm, so sagt der .Tag", in seinem bisherigen Wirkungskreise große Ver­dienste nach. Seine Politik dürfte, falls seine Ernennung erfolgt, von der seines Vorgängers in wesent­lichen Punkten nicht abweichen. Wie er sich zu den aktuellen Fragen seines Ressorts zu stellen gedenkt, muß ab­gewartet werden.

RitterschaftZrat Bernd v. Arnim trat in jungen Jahren bei der Marine ein, nahm aber schon als Leutnant z. S. seinen Abschied, um das Gilt Kriewen zu bewirtschaften. Er ist verheiratet mit der Freiin Margarete v. Arnim-Schlagen- tin, und auS dieser Ehe sind bisher sechs Kinder hervor­gegangen. Eine staatliche Stellung hat er noch nicht be­kleidet.

Die agrar. »Disch. Tagesztg." sagt:

Der Nachfolger des Staatsministers v. Podbielski hat in praktischen Fragen der Landwirtschaft ein her­vorragendes Verständnis bewiesen. ES ist zu hoffen, daß er sich dementsprechend auch als Wirtschaftspolitiker be­währen wird.

Also derselbe Faden wie vorher, nur eine andere Nummer.

Kurz vor Schluß der Redaktion erhielten wir folgendes Telegramm:

Berlin, 20. Nov. Die Meldung, daß die formelle Ernennung des RitterschastsrateS v. Arnim-Kriewen zum preußischen Landwirtschaftsminister bereits erfolgt sei, erscheint verfrüht; doch dürste die Ernennung in n ä ch st e r Z e r t er­folgen. Auch die »Kreuzztg/ berichtet, die Ernennung sei in kürzester Zeit zu erwarten. Herr v. Arnim habe sich in der gestrigen Audienz bei dem Kaiser zur Ucbernahme des Amtes als Landivlrtschaftsminister bereit erklärt.

Herr Kohler-Langsdorf und die Fleischteuerung.

An die Ziveite Kammer der hessischen Stände hat der Abg. Köhler-LangSdorf einen Antrag eingebracht, dem wir folgende Ausführungen entnehmen:

Seit einer lanoen Reihe von Jahren hat eine, der Landbau treibenden Bevölkerung übelwollende, inter>iationale nnb größten- leil von Juden inspirierte und geleitete Presse, gefolgt teils von einer wenig nachdenkendcn Masse, teils aut die Elaborate über- gelehrter u n b weltfremder Professoren und dergl. es unternommen, die Versuche, auch der Landwirtschast resp. der Bauern arbeit einen eiitsprecheuden Lohn durch Preiserhöhung ihrer Erzeugnisse zu sichern mit den v e r w e r f l i ch st e n Mitteln zu stören und zu durchkreuzen. Dem Wort vom Brotwucher folgte in diesen Tagen der Ruf an die Maffen vom Fleischwuchcr oder der sog. Fleiichnot.

Alle Verständigen und nicht Voreingenommenen wissen es, daß in den letzten Jahrzehnten alles, was der Bauer braucht, in einer ganz erorbitanlen Weise verteuert worden ist, während die Preise, beispielsweise der 6)etreidcartcn jetzt nach der Zollerhöhmrg gerade soviel in Mark betragen, als sie anfangs der siebenziger Jahre in Gulden ausmachteu.

Da sollte es nun Pflicht der Regierungen sein, dem Geschrei der Mafien (panem et circenses) und der Jndenzeitunaen zu widersteheii und mutig des verhältuismäßig wehrlosen Bauern­standes sich anzunehnien in dem Bewußtiein, daß nur auf diesem unö nicht aus der uferlos flutenden und brodelnden Maffe des gelehrten und ungelehrten Proletariats und Mobs die Zukunft des deutschen Volkes beruht. .

Darum soll es Zweck dieses Aiitrages sein, die Großh. Regie­rung auizusordern, gegeirüber dem Wutgeheul der Ai assen nnb der überwollendcn Presse standzuhalten, nicht zu wanken und im Bundesrat zu wirken für Beibehaltung und Herbeiführung eines Grenzschutzes, der die heimischen Viehbestände gegen die ein- dringenden Seuchen in sicherster Meise schützt unb dazu dem Bauern Gewähr bietet llir angemessene Viehprcise, worunter freilich nicht die durch Zwischenhändler-Viehwucher, großstädtische Metzger­profile, Oktrois, S.-l lachthausgebühren rc. unmäßig erhöhten Fleisch- preise zu verstehen sind.

DiesesElaborat* des Herrn Köhler ist so belustigend, daß jeder ernsthafte Zusatz die komische Wirkung beeinträchtigen würde. Herr Köhler ist und bleibt doch der alte unfreiwillige Spaßmacher. Es ist nur bedauerlich, daß er so überaus ernste Zeitnöte zu seinen schlechten Späßen mißbraucht.

Französische Friedensversicherungen.

Das»B. T." veröffentlicht eine Unterredung seines Pariser Korrespondenten mit dem Ministerpräsidenten Cls- menceau und dem Minister des Aeußern, Pichon. Die Unterredungen haben am Vorabend der Reichstagssrtzung stattgcfunden, in der Fürst Bülow seine große Rede über die Beziehungen Deutschlands zu den übrigen Mächten ge­halten hat. ElSmenceau sagte u. a., die Deutschen hätten einen großen Fehler, indem sie die Franzosen ein en Moment lang mit ausgesuchter Lrebens- würd i o keit und im n äch ste n Moment mit über­triebener Schroffheit behandelten. Vor der Ma­rokko-Affäre hatte sich die Stimmung in Paris sehr ge­bessert gehabt. Es hätte viele Leute gegeben, die eine Annäherung für wünschenswert hielten, wozu auch Kaiser Wilhelm persönlich viel beigetragen habe Dann sei die deutsche Presse, obwohl Delcassö be­seitigt worden sei, über Frankreich hergefallen und so habe man all das Terrain verloren, das in den Jahren vorder gewonnen war. Er, Clömenceau, wolle keinen Krieg, vielmehr gute Beziehungen. Um einen Krieg zu wünschen, müßte man geradezu von Sinnen sein. Ein Krieg wäre für alle Staaten etwas Molut ungewisses, unbekanntes, eine noch undefnnerbare

Katastrophe. Niemand könne vorher sagen, was ein solcher Krieg bringe, wohin er führen werde. Es wäre der franz. Negierung auch ganz unmöglich, eine Kriegs­politik zu betreiben, denn das Parlament würde die Minister sofort wegjagen, wie man cs mit dem Minister Delcasss gemacht hat und das ganze Volk wäre gegen die Regierung. Elemenceau sprach die Hoffnung aus, daß die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sich weiter bessern mögen. Das sei auch die Aufgabe, die er sich selber stellen werde.

Auch der Minister Pichon wünscht, baß die Bezieh­ungen Frankreichs zu Deutschland sich bessern. Auch er will diesen Wunsch in die Praxis übersetzen. Er habe in Peking mit dem deutschen Gesandten stets die ausgezeich­netsten Beziehungen gehabt, wobei manchmal sogar ge­funden wurde, er wäre zu deutsch-freundlich. ES sei einfach lächerlich, noch im Ernst an einen Krieg zu denken, hrurte, wo beide Länder mit der Lösuna so vieler sozialer und wirtschaftlicher Fragen zu tun haben. Frankreichs Freundschaftsbündnisse seien gegen niemand ge­richtet und hätten auch keine Spche gegen Deutschland.

Diese entschiedenen Versicherungen der Friedensliebe und der Erstrcbung besserer deutsch-französischer Bezieh­ungen sind nicht ohne Wert. Clömenceau hat sich schon etwas gemausert. Noch vor wenigen Wochen hielt er, als Minister des Innern, allenthalben säbelrasselnde Reden, die nur gegen Deutschland sich richten konnten. DeS französ. Parlaments, in dem Deklamation und Elan im rechten Augenblick immer noch Triumphe erringen, wird man viel­leicht doch nicht so ganz sicher sein können. Daß das. Volk von Krieg und Kriegsge schrei nichts wissen will, ist jedem Beobachter klar. Die Franzosen, deren schönster Traum ist, einmal »uls Rentner zu leben, interessiert der Stand der russischen Papiere mehr, als Elsaß-Lothringen und die Revanche. Man spricht davon, aber man denkt nicht daran. Elemenceau ist ziemlich spät, aber nicht zu spät, dahinter gekommen, daß die Phrasen der Boulcvardpresse nur dem nach Aufregung lüsternen Publikum derLichtstadt" ange­nehm klingen. Nun wird man sehen, ob das alles schöne Worte sind, oder ob endlich einmal die deutschen Liebens­würdigkeiten und Aufmerksamkeiten die Erwiderung finden, die bisher von derhöflichsten Nation der Welt" yi ver­missen war.

In der kanzös. Deputiertenkammer stand am Montag zur Beratung eine Interpellation Michel über den Bau von sechs Panzerschiffen. Der Interpellant beantragt, die Zahl der zu erbauenden Panzerschiffe auf drei herabzu setzen. Was einen eventuellen Krieg mit Deutschland anbelange, so genüge ein gesunder Menschenverstand, um einzuscben, daß ein solcher Kampf zu Lande ausgetragen werben würbe. (Sehr gut auf mehreren Bänken.), Deutschlands Flottenrüst­ungen seien aber nicht gegen Frankreich, sondern vielmehr gegen England gerichtet. Deutschland tue der tzngl. Hegemonie Eintrag. Es wisse, daß sein Handel und seine Kolonien den englischen Geschwadern auf Gnade und Un­gnade anheimgegeben seien, wenn cs nicht über eine mäch- tige Flotte verfüge.

Russische Greueln.

Auf dem Bahnhofe der Warschauer Eisenbahn de­molierte ein Hanfe Bahnarbeiter eine Arbeiterkaserne, in der 5000 Arbeiter leben. Sämtliche Fenster und Türen wurden zertrümmert. Einem Zug Gendarmerie gelang eS, die Ruhe wieder herzustellen, wobei zwei Personen ge­tötet und mehrere verwundet wurden. 24 Rädelsführer wurden arretiert. Der Ucberfall war seit langem vorbereitet.

Im Krankenhause zu Czcnstochau explodierten 3600 Gramm Aether. Der Operationssaal wurde stark be­schädigt. Die Wände drohen einzustürzen. Zwei Spital- arbeiter erlitten schwere Brandwunden. Ein Spitalarzt trug eine Gehirnerschütterung davon.

In Gradno 'verwundete Leutnant Lyaneff durch zwei Revolverschüsse seinen Ba tai llo n8chef Tureff ge­fährlich an der Brust und tötete sich dann selbst.

Deutsches Reich.

Berlin, 19. Nov. Ter Kaiser trifft am 22. d. M. in Kiel ein und gedenkt bis zum 27. d. M. dort Aufenthalt zu nehmen. Am 27. wird Prinz Sigismund, der jüngste Sohn deS Prinzen Heinrich, als Leutnant in das 1. Garde­regiment zu Fuß eingereiht und ä, la suite der Marine ge­stellt werden. Ob der Kaiser an den für den 4. De­zember festgesetzten Tauffeierlichkeiten für den Erb - großherzog von Hessen in Darmstadt persönlich teilnehmen wird, ist noch unbestimmt.

Das norwegische KönigSpaar wird mitte De- zember dem deutschen Kaiserhofe einen Besuch abstatten.

Den Fürsten Philipp zu Eulenburg bezeichnet Maximilian Harden in seiner .Zukunft" als den Mann, der mit unermüdlichem Eifer Wilhelm II. zugeraunt hat und heute noch zuraunt, er sei berufen, allein zu regieren, und dürfe, als unvergleichlich Begnadeter, nur von dem Wolkensitz, von dessen Höhe herab ihm die Krone verliehen ward, Licht und Beistand erhoffen, erflehen; nur ihm sich verantwortlich fühlen. Das un h e ilv oll e Wirken dieses Mannes soll wenigstens nicht im Dunkel fortwahren. Seine letzte Poetenleistung war ein mit dem Bilde deS schwarzen PreußenaarS geziertes Prachtwcrk, das den Kaiser verherrlicht und für 5000 Mark zu kaufen ist. Danach (gewiß nicht, wie die Getreusten, um die Verleihung harmlos erscheinen zu lassen, sagten, dafür) hat er den Orden vom Schwarzen Adler erhalten. Sein letzter Personalerfolg heißt Tschirsch ky Er sei sein letzter.

Züllichau, 19. Nov. Gestern fand hier der Partei­tag der Liberalen des Wahlkreises Züllichau-Erossen statt. Abgeordnete aller liberalen Parteien aus der Stadt und den Landorten waren anwesend. Geh. Justizrat Prof. Dr. Franz v. Liszt wurde einstimmig als Reichstags­

kandidat aller Liberalen für die Wahl 1908 ausgestellt, ferner wurde eine Resolution angenommen, welche besagt, daß die Versammlung mit Freude und mit Tank die Er­gebnisse der Einigungsverhandlungen in Frank­furt a. M. begrüßt, und in welcher der Hoffnung Aus­druck gegeben wird, daß die Verhandlungen energisch fort­geführt werden, damit in absehbarer Zeit eine voll­ständige Einigung aller Liberalen durchgefühct werde.

Karlsruhe, 19. Nov. Die Landesversammlung der Nationalsozialen Vadens begrüßte die Frankfurter Einigungskonfercnz als ersten Versuch unterweiter- gehcnder Forderung der programmatischen Einigung zu einer neuen Belebung des Liberalismus im demokratischen Sinne. Es wurde eine Resolution angenommen, die sich für das a l l g e me in e, gleiche, geheime, direkte Gemeindewahlrecht für Männer und Frauen ausspricht, außerdem gegen die Lebensmittelzölle überhaupt.

Stuttgart, 19. Nov. Von Vertretern der dret außerhalb des Landesverbandes der württembergischen Jungliberalen stehenden liberalen Vereine in Tübingen, Heilbronn und Nürtingen, sowie der Stuttgarter National­sozialen wurde vereinbart, daß ein liberaler Landes­verband für Württemberg angestrebt werden soll, der auf dem Standpunkt des Frankfurter Mindest- proßramms stehe und eine entschieden liberale, nationale und soziale Politik treiben solle. Wie derNeckar-Ztg." über die Tendenz dieses Verbandes noch mitgeteilt wird, soll er einerseits:Heranziehungder unorganisierten liberalen Wählerschaft zu praktischer liberaler Arbeit, andererseits die För­derung oes Einigungsgedankens bei den libe­ralen Parteien anstreben.

Aus dcm Aeichs ag.

R. Berlin, 19. November.

Die die Wohlfahrt des Volkes bis ins Mark treffende Fleischteuerung, der die heutige NeichstagSdebatte gelten sollte, hatte trotz des regnerischen WetterS zahlreiche Besucher auS dcm Bürger- und Arbeiterslande mit ihren Haus­frauen ins Parlament geführt. Man wollte doch einmal hören, ob nicht die Erwählten des Volkes der in Podbielski'schen Anschauungen befangenen Regierung kräftig den Text lesen würden. Es gab aber lediglich eine kräftige Enttäuschung. In Vertretung deS Reichskanzlers er­klärte Graf PosadowSky mit dürren Worten, der leitende Staatsmann sei bereit zur Beantwortung der freis. und sozialdemokratischen Fleischnot-Jnterpellation, aber nicht heute, auch nicht morgen; ,in den nächsten vier­zehn Tagen hofft" der Reichskanzler den Standpunkt der Negierung in der Fleischteuerungsfrage dem Parlament dar­legen zu können. Die Hoffnung beruht auf der inzwischen wohl schon erfolgten Ernennung eines neuen Chefs für das preußische Landwirtschaftsministerium, des Herrn v. Arnim- Kriewen, eines waschechten Agrariers. DieZuständig­keit^ muß doch gewahrt werden. Der Reichstag be­ruhigte sich seltsamer Weise bei diesem kargen Be­scheide vom Negierungstisch, es erhob sich keine Stimme für die Besprechung der Interpellation, die geschäftsordnungsmäßig hätte stattfinden können. Man meinte aber wohl, daß die Fleischnotdebatte mehrere Sitzungen ausfüllen würde und aus diesem Grunde eine Vertagung der Diskussion sich empfehle, bis die Teilnahme der Negierung an der Erörterung außer Frage stehe. Es wird also hoffentlich im Dezember Klarheit darüber geschaffen werden, ob auf schleunige Hilfe der Regierung bei der Kalamität der Fleischversorgung zu rechnen ist.

Den agrarischen Interessenten brachte die heutige Sitzung jedenfalls keine Enttäuschung. Der weiterhin auf der Tagesordnung stehende Gesetzentwurf über die Neu- kongentierung des Branntweins für landwirt­schaftliche Brennereien wurde ohne Verzug in Angriff genommen unb von den Wortführern der Zolltarifmehrheit wohlwollend beurteilt. Der Schatzsckretär Frhr. v. Stengel stillte den Wissensdurst auf dieser Seite durch die freimütige Erklärung, daß ein Gesetzentwurf über Aenderung der Maischbottichsteuer noch im alten Jahre dem Reichstage zugehen werde.

Der heutige Abend sah die Volksvertreter an festlicher Tafel zu Ehren des dänischen KönigSpaares.

Ausland.

London, 19. Nov. Eine Anzahl von Frauen- stimmrechtlerinnen drang heute Nachmittag in den Vorhof des Parlamentsgebäudes ein. Die Polizei trieb sie auseinander und verhaftete eine Frau. Die Schwester des Generals Frensh zu verhaften, die bei dem Auftritte eine führende Rolle spielte, lehnte die Polizei trotz der an sie ergangenen Aufforderung ab.

Paris, 19. Nov. In Villelongue haben sich die Katholiken in der Kirche verbarrikadiert; sie halten Säcke mit Schwefel bereit, welche in dem Augenblick ange- zändet werden sollen, wo der Finanzbeamte und der Polizeikommissar in die Kirche eindringen sollten.

Rom, 19. Nov. Blättermeldungen zufolge soll Königin Helena einem freudigen Ereignis ent­gegen s e h e n.

Bel gra d, 19. Nov. Der Leibarzt des Königs Tr. Kosta Dinitsch verzichtete auf seinen Polten, weil er vom Thron­folger beleidigt wurde. Dinitsch war auch der Privat­sekretär deS Königs, mit dem er verwandt ist. Heute trat auch der Oberstleutnant Milan Davidowitsch von seinem Posten als e r st er A d j u t a nt des Königs zurück wegen des Benehmens des Kronprinzen. Dagegen gelan^