Ausgabe 
25.6.1906 Zweites Blatt
 
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Gießener Strafkammer.

)( Gießen,- 23. Ium.

In ber^Nncht zum 12. Dezember v. I. wurde in dem Derwaltungr-gebäude der psnchiatrischen Klinik ein Einbruch verübt. Die Diebe hatten, nachdem sie einen Rolladen cnkfernt hatten, eine Scheibe mit Schmierseife bestrichen unb, diese dann emgeschfagen, nm das Fenster von innen öffnen zu können. Das 'Pult des Verwalters war aufgebrochen und daraus etwa 50 Zigarren und 23 Mark .Kleingeld verschwunden. Mit dem darin befindlichen Schlüssel war der Untersah des Geldschrrnkes geöffnet 1111b das darin befindliche Geld, welches die Pfleglinge im Laufe des Jahres gespendet hatten, und das zu Weihnachten an das Pflegpersmial zur Verteilung gelangen sollte, in Höhe von dtwa 330 Mk. mitgenommen worden. Der im daran grenzenden Zimmer schlafende Hausdiener nrnrbc burch bas Geräusch wach, ei hatte aber nicht den Mut, Lärm zu schlagen. Er hörte, wie einer dem andern zuraunte, er möge nichts an der Stelle zurücklassen, und iah dann, wie sich zwei Menschen entfernten. Ein an dem Tatort gefunbenes Taschentuch, in bem die Schmierseife mitgebracht worden war, führte zur Ermittlung des Schmieds E. 2T. aus Tiefengruben bei Fulda, der am 2. Januar in Frankfurt a. M. ver- lyaftet wurde. Nach anfänglichem Leugnen, gestaut) er zu, in der fraglichen Nacht mit zwei Komplizen, die er nur mit dem Vornamen Wilhelm und Hermann kennt, von Fulda hierher gefahren zu sein, nachdem er auf ihr Geheiß in einem Laden Schmierseife mitgenommen hatte. Ohne zu wissen, zu was diese gebraucht "werden sollte, und ohne zu Yoiffen, was geschehen sollte, will er in der Nacht mit­gefahren sein. Hier angekommen, sei er in verschiedenen Wirtschaften zehr frei gehalten worden, bis er hochgradig angetrunken gewesen sei. Er will sich nun in der Nähe des Bahnviaduktes bei Klein-Linden ausgehalten haben, bis seine Cjcnoffen kamen, die angeblich noch etwas in der Stadt zu besorgen hätten. Hier habe ihm Wilhelm 20 und Hermann 10 Ml. Geld gegeben; sie wären nun nach Butzbach gegangen und von da nach Frankfurt gefahren. Die Ermittelungen

ergaben, daß 2L ein mehrfach bestrafter Mensch ist, der zuletzt durch das Schwurgericht Frankfurt wegen Raubs zu« 6 Jahren Zuchthaus, lOjährigem Ehrverlust und Polizei­aufsicht verurteilt worden war und der, nachdem er vier Jahre verbüßt hatte, in die Irrenanstalt Haina verbracht worden ist, von wo aus' er entwich, aber bei Ausführung eines Einbruchsdiebstahls"in Mainz wieder ergriffen wurde. Als Zweifel über seine Zurechnungsfähigkeit auftauchten, wurde er zwecks Beobachtung seines Geisteszustandes in die psychiatrische Klinik gebracht, wo er Gelegenheit Ijntte, sich mit den Verhältnissen nuf dem Vcrwaltungsbureau bekannt zu machen. Auf Grund des ärztlichen Gutachtens war er für die in Mainz verübte Tat nicht verantwortlich zu machen, iveshalb seine lleberführung nach Haina erfolgte. Als er später für gesund erklärt wurde, sollte er die Rest­strafe verbüßen; es erfolgte aber bald auf dem Gnaden­wege Erlaß des Strafrestes. Er begab sich nun direkt nach Fulda und verübte kurz darauf den in Rede stehenden Einbruch. Auch int Laufe dieses Verfahrens wurde er auf seinen Geisteszustand beobachtet: die Sachverständigen kamen zu dem Schlüsse, daß er wohl früher einen geistigen Defekt hatte, doch nach ihren Beobachtungen war er weder zur Zeit der Verübung der Tat, noch ist er jetzt in einem Zu­stande, der seine freie Willensbestimmung Lusschließt. Ein Sachverständiger, welcher der Ansicht war, der Angeklagte habe früher zeitweise simuliert, stellte den Antrag, vor M- gabe der Gutachten den Angeklagten aus dem Sißungssaale zu entfernen, da er überzeugt war, dieser werde während seiner späteren Strafverbüßung die für ihn wichtigen Mo­mente zur Simulation benutzen. Ter Slnirag mußte aber, gesetzlich unzulässig, abgelehnt werden. Nachdem die Staats­anwaltschaft eine Zuchthausstrafe von 5 Jahren und 10- jährigen Ehrverlust beantragt hatte, verkündet das Gericht das Urteil dahin, daß es nach reiflicher Ueberlegung zu dem Schluß gekommen sei, der Angeklagte habe die Tat verübt, oder doch mitverüben Helsen, ob er nun das Aufbrechen und Wegnehmen in Gemeinschaft mit einem oder zwei Mit­tätern ausgeführt hat, ist einerlei, soviel steht fest, daß

er den einqetretcnen Erfolg gewollt hat, auch ist er für die Tat vollständig verantwortlich zu machen .Da die Tat alle erschwerenden Umstände in sich schließt, Rückfall, Ein- steige,: zur Nachtzeit in ein bewohntes Gebäude, Einbruch und Aufbrechen von Behältern, versagte ihm das (Bericht mildernde Umstände, es hielt jedoch eine Zuchthaus­strafe von 4 Jahren als genügende Sühne und sprach ihm aber die bürgerlichen Ehrenrechte auf 10 Jahre ab. Zur Anrechnung auch mir eines Telles der Untersuchungs­haft, in der er sich seit fünf Monaten befindet, lag kein! Anlaß vor, da er stets hartnäckig leugnete und keine Spur: von Reue zeigte.

Während der letzten Weihnachtsfeiertage haben die Beamten und Arbeiter des Bohrwerks zu Wernges trotz kreisamtlichen Verbots gearbeitet. Der Unter­nehmer hatte den Arbeitern neben Zahlung der Strafe eine Prämie von je 10 Mk. zugesichert. Es ergingen Strafbefehle an die Beteiligten in Höhe von 10 bis zu 30 Mk., gegen welche zum Teil Widerspruch erhoben wurde. Nachdem das Schöffengericht Lauterbach die Strafbefehle bestätigt hatte, erT)ob der Bohrmeister K. Berufung, indem er geltend machte, fein mitbestrafter Schwager habe ihn während der Feiertage vertreten. Da ihm nicht nachgewiesen werden konnte, daß er während der Feiertage im Betrieb tätig war, erfolgte seine Freisprechung.

Das Steuerkommisfariat Alsfeld l>attc dem Arbeiter H. B. von Zell einen Strafbefehl wegen Steuer­hinterziehung zugehcn lassen, meif er ohne int Besitze eines Gewerbepatents zu sein, das Gewerbe als Steinbrecher mit Gehilfen ausgeübt hat. Er stellte Antrag auf gericht­liche Entscheidung und das Schöffengericht Alsfeld ver­urteilte ihn in die in dem Strafbescheid angegebene Strafe und zur Nachzahlung der vorenthaltenen Steuer. Auf seine Berusung, die sich darauf stützte, daß er nicht als selbständiger Unternehmer angesehen werden kann, da er nur als Arbeiter gegen Lohn gearbeitet habe und nur im Gegensatz zu den Luderen, den im Ganzen erhaltenen Lohn ausbezahlt habe, erfolgte Freisprechung.

Professor Dr. Julius Milbrand

Bielefeld, am 23. Juni 1906.

Die Beerdigung findet in Bielefeld Montag, den 25. Juni, statt.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:

Geheimerat Wilhelm Wilbrand, Darmstadt, Dr. med. Hermann Wilbrand, Hamburg.

(Statt besonderer Anzeige)

Todesanzeige.

Gestern nachmittag 2 Uhr entschlief sanft im 67. Lebensjahre zu Bielefeld unser geliebter

Bruder, Schwager, Onkel und Grossonkel D2%

Danksagung.

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, für die reichen Blumcnspenden, sowie für die trost­reichen Worte des Herrn Pfarrer Glück bei dem Heimgang meines lieben Gatten, unseres teueren Vaters, Schwiegervaters und Großvaters

Herrn Jakob Kröck^IU

sagen innigsten Dank

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: 3888 Ludwig Kröck.

Todes-Anzeige.

Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, daß unser lieber Cohn, Bruder und Enkel

Herr Wilhelm Bonarius

Kaufmann

gestern morgen 91/, Uhr nacb längerem Leiden ini Alter von 18 Jahren verschieden ist. 3913

Um stille Teilnahme bitten

Die trauernden Hinterbliebenen

Karl Bonarius.

Gießen (Löbershof 9), den 25. Juni 1906.

Die Beerdigung findet Dienstag, den 26. Juni, nachmittags 5 Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt.

Arbertsvergebung.

Die nachstehenden Arbeiten zur Erbauung einer höheren und er. weiterten Mädchenschule sollen

Samstag, deu 7. Juli ds. IS., vorm. 10 Uhr,

öffentlich vergeben werden.

Los I. 1742 qm Parkettfußboden.

II. Schreincrarbciten im Kellergeschoß.

III. Erdgeschoß

, TV. I Obergeschoß.

V. 11.

Vj. 7 Stück äußere eichene Eingangstüren.

"Zeichnungen, Ar'bcitsbcschreibnng und Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, find bi5 -um genannten Zeitpunkt an uns einzureichcn. ZuschlagSsrist 3 Wochen.

Gießen, den 22. Juni 1906. B" /e

Städtisches Hochbauamt.

Herbei.

Bekanntmachung.

Die Nicverlegnng der Hosrcite Wolkengasse 1 soll ver­geben Werben.

Die Bedingungen hierfür liegen auf unserem Sekretariat Zimmer Nr. 15 offen. Angebote hierauf sind bis zum 2. Juli 1906, vormittags 11 Uhr, verschlossen mit entsprechender Aufschrift bei uns einzureichcn.

Gießen, den 22. Juni 1906.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

____Mecum.__

Bekanntmachung,

Die diesjährige öffentliche Impfung in der Stadt Gießen wird, beginnend mit

Mittwoch, den 6. Juni

im Jmpslokale Schulgebäude, Neustadt 61 für die nächsten 56 Wochen jeden Mittwoch, nachmittags 56 Uhr, abge- halten werden. Jmpfpflichtig im laufenden Kalenderjahr sind die tm vorigen Jahre geborenen Kinder, sowie die Rückständigen aus früheren Jahren.

Wir laden die hiesigen Einwohner, welche impfpflichttge Kinder haben, zur Benutzung dieser öffentlichen Termine mit dem Bemerken ein, daß alle in denselben vorgenommenen Impfungen unentgeltlich sind. Wer die Termine nicht benutzen will, muß die Impfung seines pflichtigen Kindes bis zum Jahresschlüsse auf seine Kosten bewerkstelligen lasten, widrigenfalls ihm im Januar nächsten Jahres eine vierwöchcntlichc Frist zur Nachholung der Impfung unter Strafandrohung gesetzt wird.

Außer den Pflichtigen werden auch Kinder, welche im laufenden Jahre geboren sind, auf Wunsch ihrer Vertreter geimpft.

Alle in einem Termine geimpften Kinder müßen in dem 8 Tage später a'ogehaltcnen Termine zur Nachschau nochmals erscheinen.

Kinder, deren Zurückstellung von der Impfung wegen Kränklichkeit beansprucht wird, können gleichfalls dem Jmpfarztc in den öffentlichen Terminen vorgcstcllt werden.

Die Impflinge müssen mit reiner Wäsche und rein gewaschenem Körper zur Impfung gebracht werden. ES wird nur an einem Arme mit Lymphe aus dem Landesimpsinstitut geimpft.

Kinder aus Familien, in denen ansteckende Krankheiten herrschen, dürfen nicht in die Termine gebracht werden.

Gießen, den 31. Mai 1906. B/6

Großb. Bürgermeisterei Gießen.

I. V.: C u r s ch m a n n. ___________________

Arbeitsvergehung.

Die zur Unterhaltung der Gebäude der Stadtknabenschule er­forderlichen Maurer-, Schreiner- und Weißbinderarbcitcu sollen

Freitag deu 29. Juni d. Js., vormittags 10 Uhr, öffentlich vergeben iverben.

Arbeitsbeschreibnng und Bedingungen liegen bei un§ zur Ein­sicht offen. Angebote ans Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Zeitpunkt an uns einzureichen.

Zuschlagsülst 14 Tage.

Gießen, 22. Juni 1906.

Städtisches Hochbanamt.

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Die Arbeiten und Lieferungen zur Erbauung des Bahnmeister- ivohnhauses, Magazingebäudes, sowie Stall lind Abortgebäudes auf Bahnhof Burg- und Rieder-Gemünden sollen vergeben werden. Zeichnungen, Bedingungen und Llngebotsmuster liegen im Gcschäfts- gebäude der unterzeichneten Betriebs-Inspektion sowie bei Bahn- iueisterei Burg° und Nieder-Gemiindcu zur Einsicht aus. Angebote können ohne Zeichnung von der Inspektion für 0,60 Alk. (nur Post­anweisung, porto- und bestellgeldirei) bezogen werden. Eröffnung der mit ensprechender Aufschrift versehenen und vorher einzusendenden Angebote erfolgt am 10. Juli, vormittags 11'/, llhr im Geschäfts- gebäude der Inspektion. B/e

Fulda, Königliche Eiseubahn-BetriebS-Juspcktiou 2.

^ic Arbeiten und Lieferungen zur Erbauung eines Wasserturmes auf Bahnhof Gießen, sollen öffentlich vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen sind bei der unlcrzeichnctcn Inspektion ein­zusehen und können auch gegen post- und bestellgeldsreie Einsendung von 1 Mark in bar von dort bezogen werden. Tie Zeichnlmgen liegen bei der unterzeichneten Betriebs-Inspektion 1, Zimmer 16 zur Einsicht aus.

Angebote mit entsprechender Aufschrift sind versiegelt bis zum Eröffnungstermin am 30. Juni 1906, vorm. 11 Uhr post­und bestellgeldfrei einzufendeu.

Zufchlagsfrist 3 Wochen. Bu/e

Gießen, deu 21. Juni 1906.

_______________Grofiberzogliche Eisenbahn-BetriebS-Jnspektion 1.

Die Lieferung von 3000 cbm Kleinschlag für die Erweiterung des Bahnhofs Hungen soll vergeben werden.

Verdiiwiinqsuitterlagen sind bei der unterzeichneten Inspektion einzusehcn und können auch gegen postfreie Einsendung von 0,50 JL in bar bezogen werden.

Llngebote mit entsprechender Aufschrift sind bis zum 7. Füll, vorm. 117, Uhr cinzureichen.

Zuschlagsfrist 14 Tage. B/e.

Gießen, den 23. Juni 1906.

_______________Großherzogliche Eisenbahn-Betriebs-Jnspektion 2.

Neubau der Gewerbeschule.

Zum Neubau des Gewerbeschulgebäudes soll ein Fassadeuwettbewerb stattsindeu und werden die Herren Architekten, welche hier wohnhaft sind oder die hiesige Gewerbeschule besucht haben, zu diesem Wettbewerb freundlichst eingeladen.

Bedingungen und Grundlagen können vom Diens­tag, den 26. Juni ab in dem alten Gewerbeschulgebäude- am Asterweg in Empfang genommen werden.

D23/fi_______________________Der Bauausschuß.

Hengras-Versteigerurrg.

Dienstag, den 26. Juni 1906, vorm. 8 Uhr an­fangend, wird das Heugras von den der Gemeinde Allen- dorf a. d. Lda. gehörigen Wiesen versteigert. Die Dörnbachs- wiese wird bei der Versteigerung nicht vorgezeigt und am An­fang versteigert. Zusammenkunft an der Ziegclhütte.

Atlcndorf a. d. Lda., den 22. Juni 1906.

Großh. Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lda.

Re i n. 3904

Arbeitsvergebung.

Donnerstag, den 28. Juni 1906, vormittags 10 Uhr, lvcrden auf der Gr. Bürgermeisterei Allendorf an der Lumda folgende Arbeiten und Materiallieferungen wenigsinehmend in Akkord gegeben:

1. ca. 500 gm Pslastcrarbeiten veranschlagt auf 1900.. Mk.

2. ca. 200 qm Umpflastecungen , 360. ,

3. Liefern und Eindecken von 300 cbm Basalt-

kleinschlag veranschlagt zu 1860. ,

4. Liefern und Eindecken von 100 cbm Basalt­

grus veranschlagt zu 400. ,

5. ca. 346 qm Weißbinderarbeiten vermischt, zu 140.10 , Allendorf an der Lumda, den 22. Juni 1906.

Gr. Bürgermeisterei Allendorf an der Lumda. ________________________R ein.___________________[3905 §ie LiesklMg m 300 Ar. MW Nr. 2 zur Heizung für Kirche i nd stiftischen Gemeindesaal pro 1906/7 soll vergeben werden. Tie Korngröße der Ware darf 30 6iS 40 mm nicht überschreiten, das Anfahren muß bei trockenem Wetter bis spätestens den 15. August d. I. geschehen. Schrift- liehe, verschlossene 'Angebote sind bis 511111 30. d. Mts. an den Stiftsrechncr zu richten. [3906

Evanael. Marierritift zu Lich.