Aus SeaSL uns Luns.
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Sprechstunden der Redalt'un 11.—1 V
Aus dem Kolonialamt.
Der Landeshauptmann der Marschallinseln, Brande iS, gegen dessen Amtsführung im Reichstage schwere Anschuldigungen erhoben wurden, ohne das; bamit die Liste der ihn; zur Last gelegten Vergehen völlig erschöpft worden wäre, ist nach der ,Freis. Ztg." zur Disposition gestellt worden.
Regierungsrat Dr. von Spalding, der bisherige Referent beim kais. Gouverneur in Deu^, Ostafrika, ist niil Wirkung vom 1. April 1906 ab zum stündigen Hilfsarbeiter in der Kolonialabteilung ernannt worden.
Ausland.
London, 22. Okt. Ein Ausschliß, welcher beauftragt ist, Unregelmäßigkeiten zü untersuchen, deren sich die Londoner- Partei hat zu Schulden kominen lassen, hat seine Arbeiten begonnen. Es ist festgestellt worden, daß Polizisten sich durch Bestechung haben verleiten lasten, Verhaftungen zu unterlassen. Der Ausschuß hat den Auftrag, die Schuldigen streng zu bestrafen.
Paris, 22. Okt. Heute wurde der dritte Internationale Kongreß zur Unterdrückung des Mädchenhandels eröffnet. Zum Präsidenten wurde Senator Börcnger gewählt, zu Vizepräsidenten v. Dirkscn-Deutschland und Salmroff- Rußland, zu Vizepräsidentinnen Fürstin zuErbach- Schönberg und Gräfin Saburoff-Rußland. Auf den Bericht des deutschen Delegierten hin nahm der Kongreß mehrere Beschlüsse an, in denen unter anderem die Nützlichkeit eines Einvernehmens zwischen den verschiedenen internationalen Komitees zum Zwecke der gegenseitigen Mitteilring über die eingeleiteten Strafverfahren und die erfolgten Verurteilungen wegen Mädchenhandels und die Notwendigkeit betont wird, Beziehungen herzustellcn zwischen den internationalen Komitees und denjenigen Behörden ihres Landes, die damit beauftragt sind, die eingehenden Auskünfte bezüglich deS Mädchenhandels zll zentralisieren.
Budapest, 22. Okt. Mehrere hiesige Kaufleute bestellten für die bevorstehende Racocsyfcier Säbel in Deutschland. Mehrere Konkurrenten beschwerten sich bei dem Ministerpräsidenten und bezeichneten die Verwendung deutscher Säbel bei der Nationalfeier als eine Schändung derselben. Wekerle verb ot den Zollämtern die Auslieferung der Säbel. Den geschädigten Kaufleuten, die bei Wekerle erschienen mit der Bitte, dies Verbot aufzuheben, antwortete Wekerle, lieber sollen die Batterien mit Knütteln und Stöcken ausrücken, ehe er die Schändung der Feier durch deutsche Säbel gestatte.
Tanger, 22. Okt. Die Leute vom BcniaroS-Stamme, die sich in der Nacht vom Sonnabend zu Sonntag der Stadt Arzila bemächtigten, töteten den Kaid Mia, den Kommcm- deur der Garnison, sowie den Wächter deS Pulvermagazins und mehrere Soldaten. Der Rest der Garnison ist auf der Flucht gestern abend in Tanger cingetroffcn. Ebenso sind zahlreiche israelitische Fainilien geflohen.
Die Nachforschungen nach dem Köpenicker Kasscnränbcr
sind auch bis heute noch ohne Erfolg geblieben. Bezüglich der Spur in Nauen ist festgestellt, daß der Mann, der in einer dortigen Wirtschaft übernachtete und von Reuter und der Bibel sprach, in der Tat ein Schuhmacher aus Hamburg ist. Er kann aber nicht in Betracht kommen, weil er erst am 12. d. Ms. aus der Anstalt für Epileptische in Wuhl- garten entlasten wurde, um nach Hamburg zurückzukehrcn, während der Hauptmann seine Uniformstücke schon vom 8. bis 12. in Potsdam rind Berlin zusammengekauft hat.
Am Sonntag erregte die versuchte Verhaftung eines Deutschen in Odense auf der dän. Insel Fünen große Aufregung, da man glaubte, cS sei der Hauptmann von Köpenick. Die Verhaftung gelang aber nicht, und der mysteriöse Deutsche verschwand. Die dänische Polizei setzt seine Verfolgung eifrig fort. Es heißt, er habe sich nach Kopenhagen begeben.
In dem Pirmasens benachbarten Orte Waldfischbach wurde der Handelslehrer Runge verhaftet unter dem Verdacht, dec Pseudo-Hauptmann von Köpenick zu sein. Runge war früher Feldwebel in einem Infanterie-Regiment zu Frankfurt a. M. Doch ist er alsbald wieder aus der Haft entlassen worden, nachdem er sein Alibi nachgewiesen hatte.
Die Reichstagswahl in Döbeln.
Döbeln, 22. Okt. In der heute stattgehabtcn Reichstags-Ersatzwahl erhielten Profestor Haste (Kartellparteien) 8320 Stimmen; Beck (freis. Volkspartei) 3509 Stimmen; Pinkau (Sozialdemokrat) 12 059 Stimmen. Pinkau ist somit gewählt.
bcschlusteS, nicht aber durch Verfügung der Regierung ihres Amtes entsetzt werden dürfen.
Der Landrat Baron von Mirbach auS der poln. Stadt Bendzin wurde am Sonntag von Kosaken Überfällen und beraubt. .
' In der vergangenen Nacht drangen in das Kontor Der Fabrik der Spinngesellschaft, welche sich in der Nähe der Station Wolga an der Nybinsk-MoSkauer Eisenbahnstrecke befindet, fünf bewaffnete Männer ein, raubten 8000 Rubel und entkamen. . r . ,
In Petersburg fand in einem Gendaruienelokale während der Entladung von Bomben eine Explosion statt, bei welcher der die Entladung vollziehende Beamte und em Gendarmerieoberft verwundet wurden.
11. Fariettag der Deutsche» Weformpartei.
S. u. H. Kassel, 21. Oktober.
Heute trat der 11. Allgemeine Parteitag der deutschen Rc- .sorrnpartei hier zusammen. Die Beteiligung war nwl so start wie bei der letzten Tagung 1904 in Dresden. Reichstagsabg. Oswald Zimmermann-Dresden eröffnete den Parteitag mit enter längeren Begrüßungsansprache, in der er u. a. darauf hmwies, daß gegenwärtig der Geist der Unzufriedenheit und dev Mißmutes außerordentlich stark umgeht;, mcht nur der der durch die Sozialdemokratie genährt wird, sondern der auch eine mehr und mehr wachsende V er st imm un g in na 110 - nalen Kreisen hervorzurnfcn imstande ist. Die Denkwürdigkeiten des Fürsten Hohenlohe, fuhr Redner fort, bic gegenwärtig die Öffentlichkeit beschäftigen, sind geeignet, alte Wunden wieder aufzureißen, und es muß daran erinnert werden, daß seit dem Weggange Bismarcks nichts geschehen ist, was geeignet sein könnte, den nationalen Sinn zu kräftig e tt. Und wenn uns dies in den Ruf bringt, zu den Sch w a r z- sehern zu gehören, so werden wir uns keineswegs die Smtu ;an unseren Verhältnissen nehmen lassen und uns kein besseres Land suchen, was vielleicht den Juden sehr erwünscht wäre. Redner erinnerte dann an die Mahnung des Kaisers in jener denkwürdigen Rede, wacker mitzuarbeiten, ein jeder an seinem Teile und schloß mit einem dreifachen „Heil Kaiser und Reich".
Mit Eintritt in die eigentlichen Verhandlungen erstattete ReichStagsabg. Werner-Charlottenburg den Bericht über die Tätigkeit der Parteileitung. rr . ,
Reichstagsabg. Bruhn-Berlin erstattete den Rechenschaftsbericht der ReichStagsabgeordneten. Folgender Antrag aus dem Rheinland gelangte zur einstimmigen Annahme:
Angesichts der sittlichen Gefahren, von betten weibliche Arbeitskräfte int Handelsgewerbe bedroht sind, werden die Abgeordneten der Deutschen Reformpartei ersucht, dafür einzutreten, a) daß recht hohe Geld- und Freiheitsstrafen auf unzüchtige Handlungen von Arbeitgebern gegen weibliche Angestellte (unter Mißbrauch des Abhängigkeits- Verhältnisses) ausgeworfen werden, b) daß Arbeitgebern, die wegen solcher Vergehen bestraft sind, die fernere Beschäftigung von weiblichen Angestellten für immer untersagt wird.
Die Behandlung der Rassenfrage für unser Volkstum, so lautete das Thema des Vortrages, den nun Justizrat S ch n a uß-Leipzig hielt. Wie hoch die germanische Raffe gegenüber der romanischen uttd slavischen stehe, zeige sich besonders in Rheinland und Westfalen. Dort wurden 1861 16 Polen überhaupt, heute aber deren 50 000 gezahlt. Die Robeitsdelikte und Tiergitälereien aber hätten in Verfolg dieser Mischung in Rheinland-Westfalen sich gesteigert um 1000 Proz. Auch in Hannover seien schon 10 Prozent Ausländer vorhanden und nach Erbauung des Mittellandkanals würden sie dort zu Tausenden hängen bleiben.
Jüstizrat Schnauß gab dem Gedanken einer allgemeinen Entschuldung des Grundbesitzes Ausdruck. Der Parteitag erledigte dann die N e u w a h l des Parteivorstandes., Als 1. Vorsitzender wurde Reichstagsabg. Zimmermann, wieder- gewählt, desgleichen zu weiteren Vorstandsmitgliedern die Abgg. Bruhn und Werner, sowie Maler Bindewald-Berlin. An Stelle des eine Wiederwahl ablehnenden Privatmann Lotze- Dresden trat Rieprich-Berlin.
Unsere innere und äußere Politik beleuchtete dann Reichstagsabg. Zimmermann. Er zog zunächst die Hohen- loheschen Denkwürdigkeiten in den Kreis seiner Betrachtungen. Die Art und Weise, in der hier Hos- und DiplornMenklatsch zusammengetragen ist, zeitigte die Wirkung der Veröffentlichungen. Und es ist nicht mit Unrecht gesagt worden, daß diese Veröffentlichungen das Jena sind für unfern persönlichen Kurs von heute. — Der Staat habe mit großen Morten allen möglichen Leuten Versprechungen gemacht, insbesondere dem Arbeiterstande, der schließlich zu der Auffassung gekommen vom Staate Besserung in jeder Weise zu erwarten. Der Geist der Unzu- sriedenhett beherrsche gegenwärtig weite Kreffe. Wenn man den Ausgleich der ländlichen und städtischen Interessen nuftrebe, durfte man über die Fleischteuerung, die doch tatsächlich vorhanden, nicht mit Achselzucken und zweifelhaften Witzen hinweggehen. Der Rednw berührte bamt die Kolonial- Skandale und die durch den polnischen Schnlstreik akut gewordene Polengefahr. Seit 1890 ist es dqhin gekommen, daß Deutschland jetzt völlig isoliert dasteht. In Rußland sei die Revolution immer noch im Gange, aber, daß ihre Träger und Erreger das Judentum gerade sei, daran denke niemand. Am Schlüsse seiner Darlegungen betonte Abg. Zimmermann die
Notwendigkeit einer großen, bürgerlichen Oppositionspartei. Ein schwacher Anfang sei gemacht, doch müsse ’bie Partei sich immer mehr ausbreiten, um auf diesem Wege den. Gefahren wirkungsvoll entgegen treten zu können. Daß wir dahin gelangen, muß unser erstes und letztes Ziel sein und bleiben. (Lebh. Beifall.)
lieber die Anfg aben der Reformpartei in Hessen sprach bann noch Rechtsanwalt Harmony- Kassel. Der Redner legte eingehend die grundsätzlichen Unterschiede zwischen Reformern und Deutschsozialen dar und betonte, daß es sich um zwei vollkommen verschiedene Parteien handele. Die beiden antisemitischen Gruppen glichen Ehegatten, die sich aus unüberwindlicher gegenseitiger Abneigung getrennt haben. Es sei keine Politik der Bosheit oder reinen Schikane, wenn die Reformer in den Kampf zögen. Sie, täten das nur dann, wenn Aussicht auf Erfolg vorhanden sei. Die Beteiligung der Reformer bei der Nachwahl int ersten hessischen Wahlkreise bezeichnete Redner als unbedingte Notwendigkeit und das Ergebnis sei kein Mißerfolg, sondern ein Achtungserfolg gewesen. Im weiteren kritisierte der Referent scharf die von den Deutschsozialeit gegen die Reformer beliebte Agitation und forderte schließlich, daß einmal bald in die Wahlagitation für 1908 cingetreten werde und die freidentsche Vereinigung in Kassel als Agitationsverband für die Reform- Partei weiter ausgebaut werden solle. Die Aussichten seien im Wahlkreise Lauterbach-Alsfeld günstig für d i e R efo rmer, etwas schwieriger sei die Sache in Marburg-Kirchhain. Aber iinheilbar wären die Verhältnisse auch dort nicht. Er verspricht sich von der Errichtung eines Parteisekretariats für Mitteldeutschland, speziell zur Bearbeitung der ober hessischen Wahlkreise Marburg, Gießen, Lauterbach großen Erfolg und schließt unter dem Beifall des Parteitages.
Gießen, den 23. Oktober 1906.
•• Sozialdemokratische Beigeordnete. Die „Neuen Heff. Volksbl." schreiben:
Zu der Bestätigung des Offenbacher Beigeordneten erfahren wir noch nachträglich, daß diese Angelegenheit gelegentlich des Besuches des Landesherrn in Offenbach Gegenstand eingehender Besprechung gewesen ist. Für den ersten Bürgermeisterpoften haben sich etwa 50 Bewerber gemeldet, darunter auch der bisherige Inhaber, Oberbürgermeister Brink. Die sozialdemokratischen Stadtverordneten, die bekanntlich die Majorität in Offenbach besitzen, sollen sich nun bereit erklärt haben, Brink unter der Voraussetzung wieder zu wähl en, daß zuvor die Bestätigung ihres Kandidaten Eiß - nert für den Poften des Beigeordneten erfolge. Da man nun den um die Stadt hochverdienten bisherigen Oberbürgermeister gern im Amte erhalten möchte, so hat man sich entschlossen, die Bedingung der Sozialdemokraten zu erfüllen und die Wahl des Herrn Eißnert der landesherrlichen Bestätigung zu empfehlen, die dann ja auch erfolgt ist. Bestätigt sich die Sache in Wahrheit wie oben geschildert und wie wir sie unter aller Reserve wiedergeben, so stellt sich die Bestätigung des Offenbacher Beigeordneten erst recht als eine Konzession an die Sozialdemokratie heraus, die wir unter keinen Umständen billigen können, selbst auf die Gefahr hin, daß die Wiederwahl des Herrn Brink durch die Nichtbestätigung illusorisch gemacht worden wäre.
Des weiteren ist anläßlich der Bestätigung des Herrn Eißnert durch den Großherzog sowohl in einem Mainzer wie auch in einem Wormser Blatte, mitgeteilt worden,, daß dieser landesherrliche Akt ein Schachzug fei, um die sozialdemokratischen Abgeordneten der hessischen Kammer für die parlamentarische Genehmigung eines vom Großherzog betriebenen Lieblingsproiektes ldie Kunstakademie? D. Red.) zu gewinnen und daß die Mittvirkung der Genossen seststehe. Das Wormser Blatt sagt: „Tatsache ist, daß die Regierung sich seit Wochen ernstlich bemüht, für ein vom Großherzog lebhaft befürwortetes Projekt eine Mehrheit im hessischen Landtag zu gewinnen und daß diese Bemühungen auf ernsthaften Widerstand gestoßen sind."
Letztere Nachricht wird von den „N. Hess. Volksbl." als jeder Begründung entbehrend bezeichnet, und auch die Er
zählung von dem Kuhhandel wegen der Wiederwahl Brinkes wird bei Ernsthaften wohl keinen Glauben finden.
** Parlamentarisches aus Hessen. Der Abg. Joutz u. Gen. hatten beantragt, eine genau spezifizierte Uebersicht der als Großhi. Haus- oder Staatsdomäne int Grundbuch zugeschriebenen ober eventuell in Nutznießung des Staates befindlichen Immobilien dem Landtag nach beigeschlossenem Schema vorzulegen. — Die Regierung verhielt sich ablehnend und auch der 4. Ausschuß vermochte sich nicht von der Nützlichkeit und Ausführbarkeit des Antrages, die außerordentlich hohe mit der Bedeutung der Sache in keinem Verhältnis stehende Ausgaben erfordern würde, zu überzeugen, weshalb Ablehnung beantragt wird.
k. Nieder-Wöllstadt, 22. Okt. 13 50 Mk. wurden hier in frechster Weise aus dem Hause eines Handwerks- nrannes gestohlen. Die Frau hatte den Geldbeutel, den sie ihrem Manne zur Lohnauszahlung bringen wollte, auf den' Tisch gelegt. Ein Landstreicher ging bettelnd durchs Dors, sah den Geldbeutel, nahm ihn an sich und verschwand schleunigst aus dem Dorfe. Nachbarsleute nahmen alsbald die Verfolgung des Gauners auf, ohne seiner habhaft zu werden.
** Kunstverein. Die Gemälde-Ausstellung im Turmhaus am Brand ist von morgen Mittwoch an wieder täglich mit Ausnahme der ©aniStage geöffnet.
** 3ttin Stiftungsfest des evang. Arbeitervereins waren am Sonntag abend beide Säle von Steins Garten besetzt. Pfarrer Euler sprach über Ziele und Ausgaben des Vereins und seiner Mitglieder. Sodann wurde eine Deklamation des Herrn Schufst mit vielem Beifall aufgenommen. Der gemischte Chor brachte zwei Lieder und zwei flott gespielte Einakter. Dazwischen trugen Mitglieder, der Negimentskapelle Musikstücke vor und den Schluß bildete Tanz.
" In den Gesellenausschuß der Handwerkskammer wurden bei der letzthin vorgenommenen ErgänzungS- wahl gewählt als Mitglieder: Schreiner Heinrich Männche in Gießen (beschäftigt bei Schreinermeister Karl Schäfer), Schreiner Johs. Schneider in Alzey und Dachdecker Peter Ehrhardt in Mainz; ferner als Ersatzmänner: Schneider Wilh. Huth mann in Gießen (beschäftigt bei Schneidermeister Leib), Maurer Joseph Choquet in Bingen und Tüncher Peter Reichert in Finthen.
*• Wie ein Landbürgermeister feinen Gern e i n d e r ä t e n etwas persuadierte, erzählte, wie wir im »Mainz. Tgbl." lesen, bei einer Versammlung der Bürgermeister und Gemeinderäte des Kreises Mainz in Gonsenheim Justizrat Dr. Schmitt. In einem Oertchen des Vogelsbergs soll sich die Geschichte ereignet haben. Die Verwaltungsbehörde hatte dem Bürgermeister einen Antrag zu- geschickt, den er bei seinen Gemeinderäten durchdrücken sollte. Er legte ihn auch den Gemeinderäten vor und die — lehnten ihn ab. Das schrieb er der Verwaltungsbehörde, die ihm sofort zurückschrieb, das ginge nicht, der Antrag müsse angenommen werden; er solle die Gemeinderäte persuadieren. Der Bürgermeister kratzte sich verlegen hinter den Ohren, , denn wie er die Gemeinderäte persuadieren sollte, das wußte . er nicht. Schließlich kam ihm ,ein Gedanke. Er ging vor! der Gemeinderatssitzung in fctfLjÄ Holzstall und suchte sich, einen handfesten Knüppel ans,' ben er während der Sitzung, dann neben sich liegen hatte. Er brachte auch den Antrag der Verwaltungsbehörde wieder vor, und als der abermals abgelehnt wurde, packte er seinen Knüppel: »DeS geiht-, nit; wann Ihr nit zustimmt, muß ich Eich per-1 fundiere." Dabei packte er den nächstsitzenden Gemeinde-! rat am Rockkragen und schwang drohend den Knüppel. S)a: hatten die Getreuen ein Einsehen und meinten: »Wa?ns su, is, dann misse mer halt zustimme." Also persuadierte der! Bürgermeister seine Gemeinderäte!
Wetzlar, 20. Okt. Die Stadtverordneten beschlossen1 mit Rücksicht ans die andauernde Fleischnot und die fort-1 gesetzte Erhöhung der Lebensmittelpreise die Löhne samt-! lieber städtischer Arbeiter zu erhöhen. Die Erhöhung be-l trägt bis zu 162/s Prozent. (Wetzl. Anz.)
() Dillheim (Kr. Wetzlar), 22. Okt. In dieser Nacht; fand man in unserm Dörfchen den Schuhmacher Kauf--; mann von hier in "feinem Blute liegen. Der bewußtlos1 gewesene Mann weiß sich nicht zu entsinnen, woher die, st a r k e n W u n d e n an seinem Kopse rühren. Wahrscheinlich liegt eine Mißhandlung vor, jedoch will man nichts' von einer Streiterei bezw. Schlägerei gemerkt haben. Der Arzt hat sofort nach Auffinden oes Mannes die Wundem vernäht. Die Untersuchung ist ein geleitet. Lebensgefahr scheint nicht zu bestehen.
Schotten, 22. Okt. Marie Kath. Lenning Witwe geb. Weitz, feiert bei bester Gesundheit und Geistesfrische am nächsten Donnerstag, den 25. Oktober d. Is., ihren 101. Geburtstag, vollendet also ihr 100. Lebensjahr. (Sch.Kr.)
□ Ruppertsburg, 21. Okt. Zwei schwere Unglücks fälle ereigneten sich hier. Das fünfjährige Söhnchen des Landwirts Becher fuhr mit dem Vater auf den Acker Dickwurz holen. Es setzte sich dann auf den beladenen Wagen, dieser erhielt plötzlich einen heftigen Ruck und der Knabe stürzte unter die Räder, die über ihn gingen. Schwerverletzt brachte man das bewußtlose Kind heim. Der Arzt konstatierte einen schweren Schädelbruch. — Dem Landwirt Glöckner gingen die Pferde durch und schleiften ihn mehrere hundert Meter. Der Mann erlitt einen Bruch beS Seines und Hautabschürfungen.
a. Lauterbach, 22. Okt. Zwei Brände in einem Tag brachen heute in unserer Stadt aus. Bei Tagesanbruch wurde Sturm geläutet; es brannte in der Wurstfabrik von H. Duchardt VIII. Das Feuer war in den Räucheranlagen ausgekommen. Durch rasches Eingreifen der Hausbewohner und Feuerwehr konnte dem Feuer bald Einhalt geboten werden, sodaß an den Gebäulichkeiten nur ein geringer Schaden entstand, während an den in den Räucheranlagen hängenden Fleisch- und Wurstwaren immerhin ein solcher in der Höhe von 8- bis. 10 000 Mk. entstanden sein dürfte. Kaum hatte sich die Einwohnerschaft von ihrem Schrecken erholt, als zum zweitenmal Sturm gelautet wurde. Diesmal brannte die Eichmühle (Besitzer JohS. Wacker V. Wwe.); hier wurde das ganze Anwesen, bestehend auS Wohnhaus, Mühle, Stallung und Scheuer ein Raub der Flammen. Die Besitzerin war zwar versichert, doch ist ihr immerhin noch em großer Schaden entstanden. Es wurde sofort Brandstiftung aiiQenonuuen und cs gelang auch alsbald der Gendarmerie.,


