Ausgabe 
23.10.1906 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

15S. Jahrgang

Erstes Blatt

Dienstag 23. Oktober 1906

Wim Anzeiger

General. Anzeiger 99

Amts- und Anzeigeblatt ffir den Kreis Gießen

Aie heutige Kummer umfaßt 8 Seiten.

politische Tagesscharr.

Auc ZSergaröeiterbewegung

Deutsches Reich

die Stellung der Berg

solcher

e

Kabi-

Vonr Darmstädter Küustlerfest.

und die Herren Conradi, Dr.

die Dienstzweige, welche die öffentliche Gesundheitspflege, sowie die Alters- und Jnvalidenversorgnng der Arbeiter betreffen, un­terstellt werden. Das Portefeuille dieses neuen Ministeriums wurde dem Deputierten Viviani (Unabhängiger Sozia- list) angeboten, der sich dazu bereit fand. Der neue Arbeits- Minister wird die von der Kammer angenommene Vorlage be­treffend die Altersversorgung dec Arbeiter vor dem Senat zu vertreten haben.

lands Deutschland an die Wand zu drücken. Wir werden also auch in Zukunft gut daran tun, unser Pulver trocken zu halten. Der zukünftige Premier war der spiritus rector des Kabinetts Sarrien, unter welchem bekanntlich die geheime englisch-französische Militärkonvention abgeschlossen wurde, deren Spitze sich nur gegen Deutschland richten kann. Diese Tatsache allein rechtfertigt unser Mißtrauen gegen Clämencecru.

Das wären also wohl die beiden Glieder des zur Umklammer­ung Deutschlands bestimmtenRinges", denen das Dtagyaren- tum als Schlußglied sich anzufügcn den sehnlichsten Wunsch hegt, als Hauvtträaec antideutscher Tendenzen im europäischen Süd­osten.

Man glaubt, daß es im übrigen (Siemen ceau gelingen wird, ein Kabinett zu bilden, das von Anfang au die starke Mehrheit des Parlaments hinter sich haben wird.

nichtunberührt" passieren. S. K. H. der G ro ß h erz o g, der auch anwesend war, ließ sich Lincke kommen und sprach ihm seine Anerkennung aus.

genug. Mit um so größerem Be- . . . . Biele bald schon das Festhaus ver­

ließen, die vielleicht ganz gern noch ein Stündchen verweilt hätten, wenn oer Augenblick wirklichso schön" gewesen wäre.

Potsdam, 22. Ott. Aus Anlaß des GeburtS

Cs bleibt doch bedauerlich, daß man nicht, wie auf dem Ge­sindeball vor drei Jahren, in den Einzelräumen für sog. Unter» Haltung sorgte._ Das müßte ja nicht immer ein Kabarett sein und yeißen. Es wäre so eine Art Mischung erzielt worden, aus der heraus allein die Gesamtstimmung hätte hervorgehen können,, die leider nicht auf dem Feste zu konstatieren war.

Erfreulicherweise ging es da und dort auch höchst lustig zu Wer Augen hatte zu sehen, der tonnte fast von allerSchwarz^ seherei" geheilt werden, durch all das Schöne und Reizende und Jnterenante, das sich ihm bot. Und wem die Melodie von denSchlößern, die im Monde liegen", nicht schon in den Ohren nachklang, der hätte beim Anblick so vieler lieblicher Mädchen- gefichter, so herrlicher Frauengeftalten leicht daran erinnert wer- den können. Auch w manche Schöne mochte Veranlassung haben, die Klage anTyeophil" zu wiederholen. Das ist eben der Lauf der Wett besonders wenn man die Dinge durch das Objektiv einer 'gehobenen, sog Sektstimmung betrachtet. Immerhin, © 11 m m u n g ist besonders. für ein Künstlerfest unerläßlich; feV '»Es 0dm8ej nrt recht! Sofienttidj ist Hi-r4 ta nächsten Jahre cm Fortschritt zu verzeichnen.

tages der Kaiserin fand heute abend im Neuen Palais eine Theatervorstellung statt, zu der die Herren und Damen des engeren Hofe? geladen waren. Der Kaiser betrat den Theatersaal mit der Kaiserin, Prinz Eitel Friedrich mit der Kronprinzessin, der Kronprinz mit der Prinzessin Eitel Fried­rich. Gegeben wurdeKlein Dorrits An die Vorstellung schloß sich ein Souper.

Berlin, 22. Okt. DerNeichsanz.- meldet die Ver­leihung des Kronenordens 2. Klasse an den nntionallib. Abg. Dr. Paasche, anscheinend aus Anlaß seines Nücktrittes als Professor der hiesigen technischen Hochschule.

Gegenüber einem offiziösen Dementi stellt dasB. %.* angeblich auf Grund authentischer Informationen fest, daß der Rücktritt des bisherigen Präsidenten des ReichS- Mtlitärgerichts, Generals v. Masso.w, die Folge der Maß­nahme des Kriegsministeriums ist, die eine Einwirkung auf die Militärgerichte in einem Sinne bezweckt, den der General nicht für zulässig hält.

Wie das ,B. %? zu berichten weiß, sollen bei dem Neudruck der Hohenlohe'schen Memoiren die chärfsten Bemerkungen, durch die sich Hofkreise verletzt fühlen könnten, ausgemerzt werden.

Stuttgart, 22. Okt. Nach einer amtlichen Mitteilung über die Wirkung der Steuerreform haben 24 Ober­amtsbezirke des Landes und 1290 von 1905 Gemeinden eine 5um Teil beträchtliche Entlastung erfahren. Es han­delt sich dabei vorzugsweise um ärmere ländliche Ge­meinden. Dagegen macht für Stuttgart die jährliche Mehr» belastung 1*4 Millionen Mark aus.

Russisches.

Laut Bericht des russischen Ackerbauministeriums gestaltete ich die diesjährige Ernte des europäischen Rußlands im allgemeinen unter mittel. Im einzelnen war sie schlecht, teilweise auch sehr schlecht in den Gouvernements, die am mittleren und unteren Laufe der Wolga belegen sind, sowie in den Gouvernements Ufa und Orenburg und im Gebiet des Donschen Heeres.

Die Generalversammlung des ersten und Kassations­departements des Senats hat beschlossen, daß Personen, die einen Nicht crpo st en bekleiden, weder aktiv noch passiv einer der politischen Parteien angehören dürfen. Die übrigen Mitglieder des Justizressorts haben sich der allgemeinen Verfügung unterzuordnen, der zufolge es den Amtsgenossen verboten ist, einer der regierungsfeindlichen Parteien anzugehören. Der Senatsbeschluß gewinnt ferner dadurch an Interesse, daß Richter nnr infolge eines Gerichts-

BezngSpretA, monatlich7bPs^ viertel- jcibrlich Alk. 2J?0; durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mk.2.vtertel- jährl. auSschl. Bestellg. Annahme von Anzeige» für die Tagesmumner bis vormittags 10 Uhr, ZeilenpretS: lokal ILPs.

auswärts 20 Psg. Verantwortlich für den sollt, und allgem, Teil: P. Witt ko» für »Stadt und 2anb* und .Gerichtssaal": Ernst Heß; für den An­zeigenteil: Hans Beck,

Clömenceau entschloß sich ferner, General Piauart tatsäch­lich das Portefeuille des Krieges zu übertragen und, ihm einen Zivilunterstaatssekretär beizuordnen.

Auch ein neues Ministerium unter dem Namen Ar­beit s m i n i ft e r i u m will Clömeneeau schaffen, dem die bisher , - 77777- dem Ministerium für Handel und Industrie unterstehenden Ab­

klubs zu einem Besuche Ungarns., Sei jenen Festlichkeiten wurde teilungen zugewiesen werden; auch^ollen dem Arbeitsiniuisterium em Ton ange)Q)lagen, der in Wien hatte stutzig machen sollen U1- /T'-nu ~ - - - -

Ein Gesinnungsgenosse des Grafen Apponhi erklärte z. B., daß der zu dem Zweck, das gefährliche Deutschland nieder­zuzwingen, angelegte internationale Ning durch das magyarische Volk geschlossen werden müsse, und ein Wortführer dex Gäste, das engl. Unterhausmitglied Forster Vovill, ging be­reitwillig auf diesen Gedanken ein, indem er den Magyaren ans Herz legte, darauf hinzuarbeiten, daß Ungarn an die Spitze einer politischen Föderation der Balkanstaatcn trete und ein zu­verlässiger Freund Englands im europäischen Südosten werde.

Man begrüßt in den Kreisen der magyarischen Nadikalen auch mit unverhohlener Freude die Berufung C l e m e n c e a u's zur Kabinettsbildung, von dem es heißt, er basse Deutschland mehr noch alsRom'-.

Zu den Forderungen der Srebenerkommiks- sion hat der Werter Vergba,uVerein in einer Voll­sitzung am Montag dahin Stellung genommen, daß als Vertreter der Belegschaften nicht die Arbeiter, sondern nur die durch das Gesetz geschaffenen Arbeitern usschüsse anzu­sehen seien und daß anderers-eits der Bergbcmverein nicht zuständig ist, über Lohnfestsetzungen Erklär­ungen adIugeben. Es wurde beschlossen, den Zechen zu empfehlen, mit den Arbeiterausschüssen zu denForderungen St e l l u n g zu nehmen, wobei nach- gewiesen werden soll, daß seit Jahresfrist bereits die Löhne in rapider sprunghafter Weise um 10 15 Proz. gestiegen seien und sich noch in fortdauernder Steigerung befänden. Insbesondere in der letzten Zeit habe die Lohnsteigeruna noch besonders zugenommen, was daraus hervorgehe, daß die Durchsetz uittAbhne un Sep­tember sich um mehr als 7 Proz. höher stellen, als die Löhne im Durchschnitt des zweiten Quartals. Die Kohlen- Preissteigerung, die im letzten Jahre durchschnitt­lich nur 4 Proz. betragen habe, werde bannt von der Stei­gerung der Löhne bei weitem überholt. Was die Forderung der Aushebung der sogen. Sperre beträgt, so könne an­gesichts des Belegschaslswechsels von rund 27 000 im Sep­tember, gleich 120 Proz. der gesamten Belegschaft auf das Jahr gerechnet, von einer Beeinträchtigung derBe- wegun gs freiheit der Arbeiter wohl nicht die Rede sein. Dieser Wechsel sei so bedeutend, daß er ge­radezu für eine Gefahr für das Leben der Arbeiter ange­sehen werden müsse und eine gewisse Beschränkung des fortwährenden Wechsels der Arbeiter dringend erforderlich sei. Die Zechenverwaltungen würden sich auch nicht das Recht nehinen lassen, die ihnen geeignet erscheinenden Berg­arbeiter anzunehmen oder abzulehnen.

Wie dieRhein.-Wests. Ztg." behauptet, ist man inner­halb der Siebenerkommission der Ansicht, daß durch die gestern von uns wiedergegebene Veröffentlichung der Nordd. AI kg. Ztg." die Stellung der Berg­arbeiter noch gestärkt worden ist und diese daher an ihren Forderungen unbedingt festhalten dürften. Da­durch sei die Lage verschneit. Indes erklärt die Redaktion

Der Verlauf der EoluchowSki-KrisiS

zeigt tatsächlich wieder einmal, daß Kaiser Franz Josef um des lieben Friedens willen den Magyaren mehr Entgegenkommen er­weist, als sich vom Standpunkt internationaler Politik aus em- pfiehll. Der neben Kossuth bedeutendste Führer der ungarischen Unabhängigkcilspartei, Graf Apponyi, soll auf die Gestaltung der Krisis entscheidenden Einfluß gehabt haben. Es ist nur zu wünschen, daß dieses Zugeständnis an die ungarischen Eiferer den Kaiser nicht gereut. Zur inneren Festigung des Drei­bundes trägt es jedenfalls nicht bei, denn Graf Apponyi zählt zu den entschiedensten Befürwortern eines Anschlusses Un­garns an England, den man eingeleitet glaubt durch die unlängst befolgte Einladung eines englischen liberalen Partei-

Aber so gerne man der Muse Lincke's lauschte, schließlich war man doch froh, der drangvoll fürchterlichen Enge der Sitze entrinnen zu dürfen, als der formlose Teil des Programms seinen Anfang nahm: Tombola, Blumen- und Postkartenverkauf, Konditorei, Büfetts und Seklstände all die schönenUnter­haltungen", die berufen waren, das Geld, diesen schnöden, aber dennoch höchst geschätzten Döammo» aus den Taschen Vieler in den einen großen Sack der Wohltätigkeit, nämlich der Pensionskasse der Deutschen Bühnenangehörigen und der Deutschen Journalisten und Schriftsteller überzuleiten. Und der Erfolg, der natürlich nur klingender Art sein konnte, hat augenscheinlich die aufge­wendete Mühe gelohnt. Wenn es dennoch gelangweilte Gesichter gab, so tragen daran wohl nicht Veranstalter und Mitwirkende des Abends die Schuld.

Vielleicht war es nicht ganz richtig, den zweiten Teil des Programms so ganz formlos ju gestalten. In unserer Residenz ist es nun mal so: Sippe schlägt sich zu Sippe. Die Exklu- sivität der Gcsellschast bringt eben gewissermaßen burch bie Türfugen auch in einen solchen Kreis ein, wo sie, baS Ge­spenst für alle schöne, harmlose Fröhlichkeit, stets störend wirken wird. Es kann gewiß nicht alsVergnügen" angesyrochen wer­den, wenn man sich in den festlichen Räumen durch bie zahllose Menge geradezu brängeln mußte. Aber her Trost, baß alle biefc Menschen ihr Gelb los werden sollten für den schönen Zweck des Festabends, wirkte versöhnend genug dauern aber sah man, wie so '

(b.) Darmstadt, 21. Okt.

Die altbekannte,Stecknadel konnte mal wieder nicht zur Erde fallen, als man gestern abend im Saalbau, mit der üblichen .Spannung und Geduld das Aufgehen des Vorhangs erwartete Der Nachsatz besagt schon, daß zuerst Theater gespielt wurde' Und cs waren Mitglieder unserer Hosbühue, die mit ihren Talenten und sonstigen Vorzügen zeigten, wie sie sich etwa hinter den Kulissen bewegen. In dieser Inszenierung brachten die dar­stellerischen und Gesangskräfte unseres Hostheaters einem freund­lichen Publikum manch hübsches Sächelchen. Freilich dürfte der Naturalismus der Szene hinter den Kulissen nickt immer diesen Charakter des Friedens und der Solidarität zeigen.' Dennoch wurde viel gelacht. Und das war ja die Hauptsache.

Das Künstlerfest war ein Vtrrangemcnt der Bühnenangehörigen und der Pressemenschen. Auch diese Beiden sind sonst nicht immer so freundschaftlich-einträchtig gestimmt. Nur ein Schrift­steller ergriff das Wort,- es genügte auch. Denn Ernst von Wolzogen, der fett Monaten in Darmstadt sein Domizil hat, schoß ben Vogel ab. SeinVerlobungsspiegel", eine launige, satiriscye Dichtung für die junge Damenwelt, war derSchlager" des Abends. Dann kam Paul Lincke'sFrau Luna". Der beliebte Komponist selbst am DirigeMenpult. Die Wirkung über­stieg fast die Erwarttmg. Lincke bestätigte, daß seiner Frau Luna, noch keine solch glänzende Wiedergabe mürbe, wie an diesem Abcnb. Es waren durchweg auch nur vollwertige Kräfte im Tressen: die Damen Roediger, Salden, Rudolph

Rn..., . 3ur (Erinnerung an Laube's 100. Geburtstag und zum 50iahrigen Jubiläum wurde der ,Grai Essex" dreies Dichters im Metzer o tabttOealer am 18. ds. arisgeführr. Einaeleitel

d)ül«nidlm" '' :':et «M«

»ÄV&ÄÄÄ 5tiulc,n **

lag der Brü h l'schen U ntvers.-Buch-u. Stetn- bruderet. 9t. Lange.

Salden, Rudolph

____ _ . . n u. a. Selbstverständ­lich ließen dabei die munteren Spötter auf der Buhne die Fleisch not", denHauptmann von Köpenia" usw.

Das neue Ministrrium in Frankreich-

Wie es scheint, bereitet bei bei Neubildung des_____

uetts dem Minister Clänrenceau die Wahl einer geeig­neten Persönlichkeit für das Ministerium des Aeußern große Schwierigkeiten. Elömeneeau steht nicht ohne Grund int Gerüche einer anglophilen Ge­sinnung, und die Befürchtung liegt daher nahe, daß Frank­reich unter seinem Regime vollständig in das Schlepptau der Londoner Potilik geraten könnte. 9hin hält es aber der neue Kabmettschef selbst nicht für opportun, seine Enaland- freundlichkeit gleich ostentativ in den Vordergrund zu stellen, sondern er sucht nach einer weniger prononcierten Persönlichkeit, welche die auswärtigen Geschäfte sichren soll. Deshalb hat er das Portefeuille des Aeußern, nachdem der bisherige Finanzminister Poincare und Salves, der Seinepräfett, es abgelehnt haben, dem Sozialisten Millerand anbieten lassen, und dieser erklärte sich zu Verhandlungen gern bereit. Dieser soziald emo trat. Führer ist in seinen politischen Anschauungen ziemlich gemäßigt, und bekanntlich hat Kaiser Wilhelm selbst einmal, nzie Fürst Bülow im Reichstag mitteilte, an den Rand eines amtlichen Berichtes, der s^ch mit dem ehemaligen Hcmdels- minister Millerand beschäftigte, die Worte geschrieben: Den könnten wir brauchen! Seither gilt Millerand in Pariser politischen Kreisen als ein deutschfreund­licher Politiker. Damit ist es aber wohl nicht so rtreit her, und sicher wird jetzt Millerand sein redlich 55eil dazu bei­tragen, wenn er an die Spitze des auswärtigen Amtes kommt, die englisch-französische Freundscha ft noch inniger zu gestalten. Denn die französischen So­zialdemokraten sind Prttrioten genug, um nicht gleich der Bourgeoisie auf das innigste zn wünschen, mit Hilfe Eng-

berNordd. Allg. Ztg.", i m i.diese .in ihrem letzten Wochen­überblick gescüehene VeröfsenEichung lediglich die private Ansicht der dtedaktion wiedergegeben habe. Der Artikel sei ohne jegliche Fühlu ng nrjit den maßgebenden Stellen geschrieben worden.

Bisher hatte mau stets angenommen, daß die Wochen- rucibllcke herdtordd. Allg. Ztg." mindestens von einer hohen Regierungsstelle gebilligt, wenn nicht als unmittel­bar veranlaß^. Auslassungen zn betrachten seien. Mancher Absch'.^ck hatte sogar so unzweifelhaft den Charakter einer Regierungskundgebung, daß er durch den offiziösen Draht nach allen Richtungen hin verbreitet wurde. Auch diese Bemerkungen über bie Bergarbeiterbewegung wurden von W. T.-B. aller Welt mitgeteilt. Freilich hatten sie ganz ungewöhnlich freimütig geklungen. 9hm aber sagt bie Norbd. Allg. Ztg." wie der alte Wrangel:Ich dementiere mit". In so schneidiger Weise aber, so muß man an­nehmen, wurde die Redaktion des führenden Berliner Re­gierungsblattes die Unternehmer nicht zur Ordnung ge­rufen haben, wenn an gar reiner amtlichen Stelle bie Haltung bieser Unternehmer beanstandet worden wäre. Es muß wohl zwischen Samstag und Sonntag sich etwas ereignet haben: bie Bergherren werden in Berlin auf dasUnangemessen e" des Artikels aufmerksam ge­macht haben und mit der Beschwerde d u r ch o e b r u n- 9 en sein. Bemerkenswert ist, daß dieNat.-Ztg." gleich­zeitig mit der ,/Nordb. Allg." bie Auslassung als Privat­ansicht ber Siedaktion, nach Mitteilungvon zuständiger Seite", zu kennzeichnen in ber Lage ist. Das Pikanteste aber ist, baß die Bergarbeiterkommission, ermutigt durch dieNordd. Allg. Ztg.", an ihren Forderungen feschalten will! Die meisten ber am 22. d. M. in Essen ab gehalten en Bergarbeiterversammlungen erklärten an der löprozentiaen Lohnerhöhung sefthalten zu wollen.

Gerüchtweise verlautet, Graf Golnchowski habe als Nachfolger den früheren Handelsminister, gegenwärtigen Senatspräsidenten am Vcrwaltungsgerichtshof, Marquis Oliver von Bacquehern, vorgefchlagen. Einige der auswärtigen Botschafter, auch Herr v. Szögyennhi, sollen das angebotene Porteseuille abgelehnt haben. Es ist aber möglich, daß der Posten des Ministers des Aeußeren sür den Augenblick überhaupt nicht definitiv besetzt wird, sondern daß ein P r o v i so r iu rn ' geschasscu wird, in dem der Reichs- sinanzminifter Baron Burisn mit der Leitung der Geschäfte und der Vertretung des gemeinsamen Budgets vor den Delcga- ttauen betraut werden wird. Als wahrscheinlichsten Nachfolger nennt man in erster Linie den derzeitigen Petersburger Botschaf­ter Baron Aebrenthal und in zweiter Linie den Londoner Botschafter Grasen Mensdorss. Es ist aber auch möglich, daß die Wahl auf eine Persönlichkeit fällt, welche bisher ganz außer­halb des diplomatischen Dienstes gestanden hat. Als ~ ' wirb der Gras Franz L i ch t e n st e i n genannt.

Nr. 249

Erscheint

außer SomnagS. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem llesfische« Landwirt die Gießener FamiUen- blätter viermal in der

Schulstratze 7.

Redaktion 112

Verlag u.Exped. e^@51 Ihrene für Depeschen: Anzeiger Gießen.