Ausgabe 
19.11.1906 Zweites Blatt
 
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w Gin« Ausstellung von Werken der hervor­ragendsten SimplizifsimuS-Künstler, wie Th. Th. Heine, Meznicek, Thöny rc. findet z. Zt. in. der Hofbuchhandlung von Aug. Frees statt. (Siehe Inserat.) ,

Das OrtSb au statut in Gießen bildet die Tagesordnung einer heute abend im Gasthaus zum Löwen stattfindenden Bürgerversammlung, deren zahlreicher Gesuch in Anbetracht der Wichtigkeit des Verhandlungs- Gegenstandes sehr erwünscht wäre.

** DaS Ehrenzeichen für Mitglieder freiwill. Feuerwehren wurde verliehen durch Entschließung S. K. H. de§ Groß Herzogs den Mitgliedern der freiwilligen Feuer­wehr zu Heuchelheim (Kreis Gießen) Karl Volkmann IV., Karl Kroneberg, Ludwig KröckX. und Philipp Stern - müller IX.

Wies eck, 19. Nov. Die auf gestern nachmittag an- gesetzte Bürgervereins-Versammlung wurde besonderer Umstände halber auf heute abend verlegt, worauf Interessenten aufmerksam gemacht seien.

-I- Friedberg, 19. Nov. (Tel.) Die hiesige Han­delskammer hat von der Königl. Eisenbahn-Drrektwn Frankfurt die Nachricht erhalten, daß die Verlegung des hiestgen Personen- und Güterbahnhofs geplant fei. Um aber jetzt schon dem reisenden Publikum beim Ein- und Aussteigen Schutz gegen die Witterung zu bieten, ist die baldige Errichtung von provisorischen Ueberdach- ungeu auf den Bahnsteigen beabsichtigt.

>( Aus dem Vogelsberg, 18. Nov. Das Sin­ken 64 er Schweine preise hält an und die Land­wirte, die früher jnit' dem Verkauf sehr zurückhaltend waren, würden jetzt gern zu den früheren Preisen abgeben, aber die Nachfrage der Metzger ist gering. Im Ohmtal und der UmgegenL von Ulrichstein sino die Preise um 8Pfg. das Pfund, in der Umgegend von Lauterbach, Angersbach und Stockhausen sogar um 10 Psg. gesunken. Hier kosten die Schweine zurzeit ca. 65 Psg. Schlachtgewicht. Preis­abschläge der Metzger sind noch selten, deshalb spielen viele Landwirte selbst Metzger und verkaufen das Fleisch im /Dorf. Bei der gering ausgefallenen Kartoffelernte dürste das Angebot der Landwirte noch mehr steigern und damit die Schweinepreise weiter fallen. . \

-lV. Bingenheim, 19. Nov. Dieser Tage bewegte sich ein großer Trauerzug durch unseren Ort; galt es doch, unserem verehrten Bürge rm er st er Müller das letzte Geleit zu geben. Seit 1893 stand er an der Spitze der Gemeinde, die damals in zwei Parteien gespalten war, und sein verdienstvolles Wirken wurde im Jahre 1902 durch die einstimmige Wiederwahl anerkannt. Sein Andenken wird in der Gemeinde in Ehren bleiben.

Darmstadt, 18. Nov. S. K. H. der Großherzog und Prinz Heinrich vonPreußen besuchten am Freitag, dem Todestage der Prinzessin Elisabeth, mittag? 12 Uhr das Mausoleum auf der Rosenhöhe. Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen sind heute abend nach Kiel zurück­gereist. Sie nahmen in Frankfurt, wo sie mit dem Auto­mobil eintrafen, beim Prinzenpaar Friedrich Karl von Hesien das Souper und setzten hierauf mit der Bahn die Reise fort.

h. Frankfurt a. M., 17. Nov. In einer gestern ab­gehaltenen Versammlung der Buchdruckergehilfen wurde nach fünfstündiger Debatte eine Resolution angenommen, in der der neue Tarif zwar für durchaus ungeeignet, schließ­lich aber doch als akzeptierbar erklärt wurde.

Hanau, 17. Nov. In Groß-Steinheim ist ein frember Landstreicher verhaftet worden unter dem Verdacht, den Mord an der 13jährigen Frieda Wey in Zell Haus en verübt zu haben. Der Mensch hatte sich in der W.rtschaft »Zum Karlsberg^ in Groß-Steinheim dadurch verdächtig gemacht, daß er ohne jeglichen Anlaß die Rede auf den Mord brachte und auffallend genaue Einzelheiten darüber angab. Dies fiel der Wirtin auf und sie machte die Polizei auf den Menschen aufmerksam, die ihn ins Be­zirksgefängnis nach Offenbach verbrachte. Als man ihm das Messer abnahm, äußerte er: »Das ist nicht das Messer." (Frkf. Ztg.)

Sitzung des Provinzial-Arrsschusses.

Gießen, 17. November.

Bei der auf den 7. Mai d. Js. anberaumten Neuwahl eines Beigeordneten der Stadt Lich erhielten Jakob

beneide Herrn Trautmann um die Riesenarbeit, die auf feinen Schultern lastet, nicht. Ich fand die Bitte um Wiederholung derNänie" daher auch etwas unbescheiden, denn sie stellte doch hohe Anforderungen an alle Mit­wirkenden. Was mir besonders gefällt, ist, daß Herr Traut- mann sämtliche Stimmen schön abzurunden versteht und das Hervordrängen einzelnerTalentvollen" vermeidet.

Was nun den Gesang anbetrifst, so will ich von den kleinen Unstimmigkeiten, die einmal im Tenor auftauchten, jabsehen. Darf ich denParzengesang" und dieNänie" schon als vorzüglich gelungen bezeichnen, so möchte ich die Darbietung des Schick salstie-des" einfach mustergiltig nennen. Nur etwas bessere Deklamation und etwas Unter­drücken der Zischlaute wäre zu wünschen.

Nach dem gestrigen Abend wird jeder mit Spannung dieMatthäuspassion" erwarten. Auch der Akademische Gesangverein darf stolz sein auf den Erfolg seines Dirigenten. Beide haben geleistet, was in ihren Kräften stand. Schade nur, daß die schlechte Akustik des Saales so störend wirkte!

Ich möchte nun noch an den Konzertverein die Frage stellen, ob er nicht auch einmal auf da? Publikum er­zieherisch wirken kann. Wer sich über die Toilette deS Frl. Leydecker oder über den GeldeSwert des Trautmann gestifteten Kranzes unterhält, gehört nicht in den Konzertsaal, ebenso wenig aber, wer während der ergreifenden Darbietung des »Schicksalsliedes" den Operngucker benutzt, um sich über die Mienen der Sänger lustig zu machen. Demgegenüber habe ich mich gefreut über die einfachen Toiletten der Damen des Chores. Anderswo etwas Seltenes!

Also, Herr Trautmann, der Riesenbeifall gestern ha Ihnen gezeigt, welcher Verehrung Sie sich hier erfreuen. Werden Sie uns verlaffen können? 0. R.

«

In der Vorbesprechung des Brahms-Abends in Nr. 269 wußte es richtig heißen in Zeile 7 von unten: »dabei freilich wehr G-oethe's äl§ Schillers Spuren folgend

Heller 127, Gemeinderat Jhrmg 88, L. Scherff 77 Stimmen. Da bei 293 insgesamt abgegebenen Stimmen eine absolute Stimmen- mehrheit somit für feinen der Gewählten erreicht war, fand am 21. Mai l. Js. eine Stichwahl zwischen den beiden Lochst- bestimmten Heller und Jhring statt. Nach dem Wahlprotokoll er­halten Jhring 197 und Heller 194 Stimmen. 6 Stimmzettel wurden für ungiltig erklärt. Während der Offenlegung der Wahl­akten liefen folgende Reklamationen ein: 1. Von H. Schmidt VIII., der beantragte, die beanstandeten Zeltel für giltig und Jakob Heller für gewählt zu erklären. 2. Von I. H. Ledermann, der wegen der Reklamation zu Gunsten Heller's vorsorglich zu Gunsten Jhring's reklamierte, mit dem Antrag, dessen Wahl zu bestätigen. 3. Von H. Heller, der gegen das Ergebnis der Wahl am 7. Mai reklamierte mit dem Antrag, die für Heller abgegebenen 127 Stimmen ämtlich für ungiltig und I. Jhring als gewählt zu erklären. Ter Kreisausschuß des Kreises Gießen verwarf die Reklamationen des I. H. Sebermann und des H. Heller als unbegründet und gab der Reklamation des H. Schmidt VIIL statt, indem er das Wahl­ergebnis dahin abänderte, daß dem I. Heller 199 und dem I. Jhring 198 Stimmen zuzurechnen und ersterer somit als gewählt zil bezeichnen fei. Es wurde dabei ausgeführt, daß die StZuun-- zettel, die angeblich mit einem äußeren Kennzeichen versehen feien oder die Person des Gewählten nicht unzweifelhaft erkennen liefen, als giltig angesehen werden müßten, unb dieser Standpunkt ein­gehend begründet. Gegen dieses Erkennttris verfolgten sowohl I. H. Ledermann, wie H. Heller Rekurs an den Prooinzial-Ansschuß, indem sie ihre vor dem Kreisausschuß gestellten Anträge wieder­holten. Aber auch der Provinzial-Ausschuß konnte den von ihnen vorgebrachten Gründen nicht beipfhebten und verwarf, wie schoii am Samstag mitgeteilt wurde, ihren 91efur§ kostenpflichtig, indem er das Kreisausschußurteil bestätigte.

Heinrich K r ö ck V. zu H e u ch e l h e i m war um die Erlaub- niS zum Betrieb einer Gastwirtschaft an der Kreuzung der Straßen Gießen-Rodheim unb ® i e f) e n - $ e u $ e I = heim eingekommen. Der Gemeinderat bejahte die Bedüfiiisfrage, während der Kreisausschuß des Kreises Gießen das Gesuch mangels Nachweises eines Bedürsnisses ablehnte. Hiergegen rekurrierte der Gesuchsteller an den Provinzial-Ausschuß. Ter Erfolg blieb ihm jedoch versagt, da auch dieser ein Bedürfnis nicht anerkennen konnte und daher den Rekurs f o ft e n fällig a b w i e s.

Der B ü r g e r m e i st e r d o n Tübingen hatte auf Ver­anlassung des Großh. Kreisamts daselbst eine G e m e i n d e v a t s- sitzung auf den 9. März d. I. anberaumt. Diese Sitzung winde in letzter Stunde von dem Bürgermeister wieder abgesagt, weil sich so viele Gemeinderatsmitglieder entschuldigt hatteii, daß die Versammtiing beschlußiiufähig'gewesen wäre. Ter Großh. Bürger­meister stellte deshalb Strafantrag gegen die Mitglieder, die sich entschuldigt hatten, da nach seiner Ansicht die vorgebrachten Ent- schuldigungen nicht als stichhaltig zu betrachten waren. Der Kreis- ausschüß des Kreises Büdingen erkannte auf Bestrafung von vier Gemeinderatsmitgliedern, während er zwei als genügend ent­schuldigt betrachtete. Gegen die Strafverfügung legte der Anwalt der vier Gemeinderatsmitglieder Rekurs ein, den er in der Haupt- fache damit begrüiidete, daß die Bestrafung ohne Grund erfolgt sei, da die fragliche Sitzung ja überhaupt nicht stattgefunden habe. Diesen Standpunkt suchte er in der heutigen Verhandlung zu recht­fertigen. Der Provinzial-Ausschuß pflichtete ihm bei unb hob das Erkenntnis des Kreisaiissch uffes auf.

GerichtsjaaU

Berlin, 17. Novbr. Ter Rendant des kongl. Leihhailses, Rechnungsrat O st er mann wurde heute vom Schwurge­richt wegen Urkundenfälschung unb Unterschlagung im Amte in 21 Fällen zu eineinhalb Jahren Z u ch t h a >i s unb drei Jahren Ehrverlust cerurteiL Der Staatsanwalt hatte vier Jahre Zuchthaus unb fünf Jahre Ehrverlust beantragt. Ter Verteidiger und die Geschworenen haben ein Gnadengesuch ein­gereicht.

Rostock, 18. Novbr. Von der Staatsanwaltschaft war An­klage wegen Majestätsbeleidigung erhoben worden gegen den Redakteur Kühn von der sozialdem. »Mecklenburg. Volksztg". Die Strafkammer sprach ihn in der Sitzung vom 10. Mai frei. Das Reichsgericht hob auf Antrag der Staatsanwaltschaft das Ur­teil auf, weil der dolus eventualis nicht in Rücksicht gezogen fei bei der Urteilsfindung. In der gestrigen Verhandlung vor dein Landgericht rourbe Kühn zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Ter Staatsanwalt halte sechs Atonale beaiitragt.

Preßburg, 17. Novbr. Das Schwurgericht verurteilte den Ab g. Pfarrer F. Juriga, welcher slovakischer Nationalität ist, wegen Anfreizimg gegen die ungarische Nation begangen durch Zeitungsartikel zu zwei Jahren Gefängnis und 1200 Kronen Geldstrafe.

ICuiift rind Wissenschaft.

Professor Max Klinger hat, wie aus Leipzig ge­schrieben wird, eine neue lebensgroße M a r m or f i g u rT i a n a" vollendet. Tie Figur ist in fnieenber Stellung anfgefaßt und gehört iiibezug auf plastische Durchbildung und seelischen Aurdruck jeden­falls zu dein Schönsten, das bis jetzt aus des Meisters Werkstatt hervorgegangen ist.

Handel nnd Verkehr, Volkswirtschaft.

Märkte.

fc. Frankfurt a. M., 19. Nov. (Orig.-Telegr. desGießen. Anz/) Amtliche Notierungen der heutigen Frii chtmarktpre is e. Weizen Alk. 18.0018.25, Kurhessischer Mk. 18.0018.25, La Plata Mk. 20.0021.00, Kansas Mk. 19.2520.25, Roggen (hiesiger) Mk. 16.7517.00, Gerste (Wetterauer) Mk. 17.7518.50, Franken- selber Mk. 18.7519.50, Hafer 17.0018.00, Mais Mk. 13.5013.75, Weizenmehl 27.0028.00, M. 0000, 2. Qualität Mk. 27.00 bis Mk. 28.25, 3. Qualität Mk. 23.2523.75, Roggenmehl 0 Mk. 25.0025.50,1. Qualität Mk. 24.0024.50, Weizenkleie Mk. 10.00 bis Mk. 10.50, Noggenkleie Mk. 11.0011.25, Maiskeime Mk. 11.00 bis Mk. 11.50, Franken, Pfälzer, Rieb Mk. 18.0018.50. Alles per 100 Kg. ab hier.

fc. Frankfurt a. M., 19. Nov. (Telegr. Qrig.-Bericht desGieß. Anz/). Anitl. Notierungen der heutmen Diebinarktp reife. Zinn Verkaufe ftanben: 383 Ochsen, 89 au§ Oestreich, 37 Butten, 1 aus Oesterreich, 0 aus Dänemark, 806 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Dänemark, 234 Kälber, 605 Schafe und Häniinel, 00 Schafe aus Oesterreich, 0 Ziegen, 1575 Schweine. Bezahlt wurde für lOOPstmd Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 8790 Mk., 2. Qual 78-82 Alk., 3. Quäl. 6872Mk.: Bullen l.Qual. 76 bis 78 Mk., 2. Qual. 72-74 Mk.: Kühe 1. Qual. 77-80 Alk., 2. Qual. 7075 Mk., 3. Qual. 58- 63 Mk, 4. Qual. 00-00 Mk., 5. Qual. 00-00Mk. Kälber: 1. Qual. 100-105Pfg., Lebendgewicht 60-63 Pf., 2. Qual. 9095 Pfg., Lebendgewicht 5255 Pfg., 3. Qual. 00-00 Pfg., Schlachtgewicht 7076Pfg., Schafe: l.Qual. 78-80, 2. Qual. 0000 Pfg., 3. Qual. 0000 Pfg.; Schweine 1. Qual. 7000 Pfg., Lebdgew. 56.0000.00 Psg., 2.Qu.68-69Pfg., Lebend- gew. 54.00-55 Psg., 3. Qual. 6063 Pfg. Lebendgew. 00 Pfg. Geschäft bei Hornvieh Markt gut, kein Iteberftanb; bei Kleinvieh schleppend, kein Ueberstand.

vermischtes.

♦23 ei einem Duell zwischen einem Hauptmann und einem Leutnant des 86. Jnfantrie-Regiments wurde, wie aus Kiel gemeldet wird, der Hauptmann schwer verletzt.

* Der weltbekannte Sänger Enrico Ca­ruso, der in Conrieds Oper in Newstork mit anderen Be­rühmtheiten gastieren wollte, wurde int Affenhause des dortigen Zoologischen Gartens unter eigenartigen Umstän­den verhaftet. Ein Polizist beobachtete den Sänger, der einer ihm unbekannten Dame, die dagegen protestierte, handgreifliche Zärtlichkeiten ausdrängte. Caruso, der in der Zelle her Polizeistation in Tränen ausbrach, bestreitet nlXeS. Kr wurste und), mehrstündiger Halt gegen eine von

Conried erlegte Kaution freigelassen. Dabei fiel er, nochj immer weinend, Conried um den Hals. Es dürfte Wohl! noch erinnerlich sein, wie die Zeitungen von Son Fran­zisko gelegentlich des Erdbebens berichteten, Caruso sei von einer Frau geohrfeigt. Caruso drückte sich unter dem Vor­wand, krau kgeworden zu fein, vor dem Polizei dichter. Die Frau, die er in Gegenwart ihres Söhnchens um die Hüften faßte, hat einen falschen Namen angegeben, um sich der Oeffentlichkeit zu entziehen; sie erschien ebenfalls nicht. Danach erklärte der Staatsanwalt die Akten über den Falb für geschlossen. Die Parkpolizisten sagen aber aus, daß sie von fünf ähnlichen Fällen, in denen Caruso sich an Frauen in unzüchtiger Weise herandrängte, wissen und be­haupten, ihn schon einmal aus dem Affenhaus wegen eines gleichen Angriffs hinausgeworfen zu haben.______________

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Anfrage att den Bund der Bodeureformer.

Hält cs der Vorstand nicht für seine Pflicht, in der Na h run gs- berg-An gelegeuheit seinen Standpunkt im Sinne der Boden­reform zu vertreten und will er die sich so selten bietende Ge­legenheit zu praktischer Betätigung feiner Ideen vorüber gehen (offen? Es handelt sich hier doch um nicht mehr oder weniger die Frage:Soll der eingesesfene Grundbesitz einer Gruppe von Großspekulantcn zum Opfer fallen unb gibt es keine Mittel dem entgegenzuwirken?fl

Erbarmt sich niemand einmal über die skandalösen Gar­derobezustände in der Turnhalle? Vielleicht werden die Garderobiers einmal auf Vereinskosten ausgebildet!

Gießener Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung für Hessen am Dienstag den 20. November: Abnehmende Bewölkungi Nur geringer Regen. Kühler. Starke nördliche Winde. ,

Originat-Drahtmeldungen.

W. Marburg, 19. Nov. Im ganzen kurhessischen Oberhessen unb den angrenzenden Gebietsteilen tobten am vergangenen Abend orkan artige Stürme mit heftigen Gewitterregen. Vereinzelt waren auch Schneefälle zu verzeichnen.

Berlin, 19. Nov. Der polnische Schulstreik soll nun auch hierher verpflanzt werden. Ein allgemeines polnisches Kirchen-Komitee für Berlin unb Umgegend veröffentlicht einen Aufruf an die polnischen Eltern, in dem diese aufgefordert werden, ihre Kinder nicht zu dem in der Schule veranstalteten Vorbereitungs-Unterricht für die Beichte und Kommunion zu schicken. Da dieser Unterricht nicht zum Lehrplan gehört, können die Kinder auch nicht gezwungen werden, sich daran zu beteiligen. Tas Komitee hat Vorkehrungen getroffen, um auch in Berlin die polnischen Kinder in ihrer Muttersprache auf ihre religiösen Pflichten vorzubereiten. Für die Kinder unvermögender polnischer Eltern ist der Unterricht kostenlos.

Posen, 19. Nov. Es schweben gegenwärtig bei den Landgerichten in Posen, Lissa, Ostrowo, Bromberg unb Gnesen 160 Stra fprozesse, die mit dem polnischen Schulstreik zusammenhängen. Den Eltern wird angedroht, es würden ihnen ihre Kinder fortgenommen unb in Fürsorge- Erziehung gegeben werden, falls sie den Kindern ferner ver­bieten, am deutschen Religionsunterricht teilzunehmen. Die Bromberger Regierung ordnete die Enthebung des Stadtverordneten RozdzynSki in Usch von seinem Amte als Mitglied der städtischen Schuldeputation an, weil er seinen Kindern untersagte, beim Religions-Unterricht in deutscher Sprache zu antworten.

London, 19. November. Der Berliner Korrespondent der Sundy-TimeS glaubt auf Grund bester Informationen mitteilen zu können, daß demnächst eine Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und König Eduard erfolgen werde. Die beiden Monarchen würden sich auf der Insel Wight treffen unb zwar werde der Kaiser gelegentlich des Antrittes seiner Mittelmeerreise einen Abstecher nach der Insel machen.

Rom, 19. Nov. Mit der Rede BülowS meint man hier, habe eine Periode peinlicher Mißverständnisse und bedenklicher Beargwöhnungen ihr Ende er­reicht. Die Färbung der Rede Bülows in demPaffuS über Italien ist ein deutliches Zeichen, daß die Gespräche zwischen Tschirschky unb Tittoni nicht unnütz gewesen sind.

Rom, 19. Nov. Die Regierung hat eine Prämie von 1000 Lire für die Ergreifung des Täters der im Petersdom geworfenen Bombe ausgesetzt. Der Papst hat neue Instruktionen zum Schutze der vatikanischen Museen erlassen. Eine zweite Bombe platzte in einem Tunnel in der 9!ähe des königlichen Palastes. Auch hier wurde kein großer Schaden angerichtet. Der neue Aufschwung in der Anarchistenbewegung wird darauf zurückgeführt, daß kürzlich viele Anarchisten aus Patterson in die Heimat zurückgekehrt sind.

Neapel, 19. November. Der Mörder des Ana­tomie-Pro f. Giovanni Rossi ist Anarchist. Dr. Severio Lagano trieb unter den Studenten einen schwunghaften Handel mit den antographierten Bortragen der Profefforen, die diese ihm umsonst überließen. Professor Rossi hatte sich geweigert, ebenso zu verfahren und verteilte feine Vor­träge an feine Schüler selbst, worauf Lagauo den Un­glücklichen einfach niederstieß.

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