Parlamentarisches.
Berlin, 22. Ian. Im Reichstage teilte Präsident Gra MaNestrcm mit, büß bcr ALg. SartoriuS sein Man dar T i e b c t \ c g i c. ———— i-N—
1. Kcsjischer Ka»rw>ike^ug.
R. B. Darmftadt, 22. Ian.
Der erste hessische Handu^erkerlag wurde heute vormittag Halb 11 Uhr im städtischen Saalöau in Gegenwart vrcler Dunberte von Vertretern des Handwerks aus allen Zeilen des Landes eröffnet- von auswärts waren mehr als üOO Teilnehmer erschienen. Der Vorsitzende, S^ewerderat Falk, gab m feinen Begrnftnngsworten der Freude über beit fo zahlveichen Besnch Ausdruck und da7iklc besonders der Großl). Regierung, die hinsichtlich der Förderung des Handwerks an der Lpitze aller deutschen Bundesregierungen marschiere, für ilwe tatkraittge Unter- stützuna, besonders auch t>cn anwesenden behördlichen Vertretern: Geh. Rat Braun, LtaatsVommisfar Oberrcgicrungsrat Dr. Wagner, von der Dauabteilung Banrat Wagner, von der Bürgermeisterei Beig. Jäger, und von der Grosth. Zentral- '(leite Regierungsrat Roack und Gewerberat Reuter Die An- svrache sck'loß mit einem dreimaligen Hoch auf den Grofchcr-og. Geb Rat Brann dankte n-mens der Regierung und ihrer Vertreter für die Worte der Anerkennung. Der allgemeine Hand- wcrkertag könne durch eine gründliche Missprache über seine Interessen sehr nützlich wirken, trotz der bestehenden gewerblichen Vertretungen und der erfolgreichen Tätigkeit der .Handwerks ckammer. Die Regierung freue sich über die rege Betätigung der ^Interessen des Handwerks und wünsche der Tagung den allerbesten lErfolg. — Namens der Stadt begrüßt Beig. I ä g e r die Versamm- lung. Dann erstattet der Svndikus der Handwerkskammer, Engcl- bach, einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit der Handwerkskammer. Diese wurde nach den Vcstimm- .ungen des Gesetzes vom 26. Juli 1897 im Jahre 1900 errichtet, die Bestimmungen über die Führung des Meistertitels traten 1901 in Kraft. Es seien im Laufe der verflossenen Jahre eine Reihe wichtiger Bestimmungen im Interesse des Handwerks getroffen 'worden, so namentlich über die Regelung des Lehrlinaswesens, !und die Anlegung von Lehrlingsrollen, über die Gesellen- und Meisterprüfungen, von welch letzteren durchschnittlich im Jahre 150 stattfanden. Trotz der vielen neugcschafscnen Maßnahmen im Interesse des Handwerks sei ein weiterer Aufbau und Ausbau »ach den Bestimmungen des Reichsgesetzcs von 1897 notwendig, auch eine weitere energische Vertretung der wirtschaftlichen Interessen des Handwerks. Redner bespricht dann die Frage der Verbesserung des VerdingungS- und Genossenschaftswesens, des Befähigungsnachweises, der Sicherstellung der Vauforderungen, die alte Forderung der obligatorischen Alters- und Invalidenversicherung, die Klagen über die Konkurrenz der staatlichen Gewerbebetriebe, . der Konsumvereine, des Fach- und Fortbildungsschulwesens usw. Die Handwerkskammer sei stets auf die aus dem Kreise der Interessenten an sie herangctretenen Anfragen und Anregungen eingegangen, habe sie eingel-end geprüft und habe in jeder Weise die Interessen des Gewerbes zu wahren sich bestrebt.
Zu Punkt 2 der Tagesordnung berichtet Obermeister Lautz- Darmstadt eingehend über das Gesellen- und Meister- Prüfungswescn, wobei Redner besonders beklagt, daß die Bedeutung der gesetzlichen Bestimmungen darüber lange nicht genügend erkannt werde. Um eine bessere Ausbildung im Handwerk zu erreichen, müsse besonders auf eine strenge und korrekte Durchführung aller diesbezüglichen Vorschriften hingearbeitct werden. Hierzu beantragt der Ortsgewerbeverein Michelstadt: Die Ser für die Gesellenprüfung festgesetzte Prüfungsgebühr soll näher zu bestimmenden Sätzen erhöht werden, wenn die Prüfung nicht bei der ersten Gelegenheit nach beendeter Lehrzeit abgelegt, sondern ohne triftigen Grund ein oder mehrere Male verschoben wird. Das Doppelte von dem jeweils sich ergebenden Satz soll erhoben werden, wenn der Lehrmeister weder einer Innung noch einem Gewerbeverein als Mitglied angehört, also das aktive Wahlrecht zur Handelskammer nicht besitzt. — Der Ortsgewerbeverein Homberg beantragt: Die Handwerkskammer Darmstadt wird ersucht, eine schärfere Kontrolle über die Führung des Meistertitels ousüben zu lassen, um diejenigen Handwerker, welche berechtigt sind, den Meistertitel zu führen, gegenüber den anderen mehr als seither in Schutz zu nehmen und somit dem Meistertitel als solchem eine größere Bedeutung zu verschaffen. Neber das Thema entspann sich eine eingehende Debatte, an der sich namentlich beteiligten M a r b u r a-Michelftadt, Petri- Gießen, Schwärz-Mainz, Nessel-Offenbach, Söejn z-Gvd- delau, Stier-Rödelsheim, G e r st e r -Mainz, Sames - Darmstadt, welch letzterer beklagt, daß bei den Vorschriften für das Handwerk zu viel schablcmisiert und ins Kleinliche gegangen werde. Gewerberat Falk weist diesen Vorwurf als unbegründet zurück und betont, daß sich die erlassenen Vorschriften aus die reichsgesetzlichen Bestimmungen stützten. Nach weiteren Bemerkungen von Nl l e n do r f-Mainz, N o l d - Stockftadt, Schön-Büdingen, D u ch a r d t - Lauterbach, betont Obermeister L a u tz- Darmstadt in seinem Schlußwort, daß alle von der Handwerkskammer erlassenen Vorschriften erst nach genauer Prüfung und Umfrage bei den verschiedenen Crganifationeu erfolgt seien. — Damit war die Diskussion geschlossen. Eine Abstimmung über die beiden Anträge fand nicht statt, doch sagte der Vorsitzende genaue Prüfung und tunlichste Berücksichtigung der darin enthaltenen Wünsche $u. — Ueber Punkt 3 der Tagesordnung „Das VerdingungS-- wesen", referiert Stadtverordneter Rockel-Darmstadt. Redner empfahl zum Schluß seiner eingehenden Darlegung die Zustimmung der Versammlung zu dem Antrag des Ortsgewerbevereins Michelstadt: „Die Handwerkskammer wird ersucht, darauf hinzuwirken, daß bei Vergebung öffentlicher Arbeiten nur solche Handwerker als Bewerber zugelassen werden, die das Recht haben, den Meistertitel zu ftihren." Dieser Antrag fand allgemeine Zustimmung, nachdem eine Anzahl von Vertretern der Ortsvereine, die Herren Winn-Gießen, Georg-Friedberg, St eine l- Darmstadt, Frey-Gießen, Falk-Mainz sich zur Sache geäußert.
Ueber den nächsten Punkt der Tagesordnung, Befähig- trngsn a chweis, referiert Gewerberat Falk. Derselbe bespricht eingehend. den preußischen Antrag im Bundesrat, nach welchem, den Bestimmungen der Gewerbeordnung an geeigneter Stelle hinzu gefugt werden soll: Mangel an technischer Äirbildung rann als eine Tatsache im Sinne des Wsatz 1 Bauleitern ober Bauunternehmern, ober Personen, die einzelne Zweige deS Baugewerbes betreiben, gegenüber nicht geltend gemacht werden, wenn sie sich im Besitze eines Zeugnisses über die Mlegung einer Prüfung für den höheren oder mittleren Staatsdienst ober eines Prüfungszeugnisses einer ftaatlidyen oder von der zuständigen Landesbehörde ihr gleich gestellten baugew-erMchen Fachschule befinden, ober wenn sie ir.8 Diplom eines Dplomingcineurs erworben oder vor einer gemäß § 133 errichteten Prüfungskommission die Meisterprüfung in einem zum Baugewerbe gehörenden Handwerk abgelegt haben. Die Landeszentralbehörden sind befugt, zu bestimmen, welche sonstigen Prüfungen den Prüfungen in diesem Sinne gleichzustellen sind." Weiter soll noch eingeschaltet werden: Die unteren Verwaltungsbehörden können bei solchen der baupolizeilichen Genehmigung unterliegenden Bauten, zu deren sachgemäßer Ausführung nach dem Ermessen der Behörde ein höherer Grad praktischer Erfahrung ober ted> bischer Vorbilbung erforderlich ist, im Einzelfalle die Leitung und Ausführung durch bestimmte Personen untersagen, wenn Tatsachen vorliegen, aus denen sich ergibt, daß sie wegen Unzuverlässigkeit zur Leitung und Ausführung des beabsichtigten Baues ungeeignet sind. Der Redner empfahl dringend die Annahme dieser Anträge, die durchaus im Interesse der Meister lägen.
In einer längeren Debatte über diesen Punkt äußerten sich Marburg -Michelstadt, Winn-Gießen, Schäfer -Worms und G e or g-Friedberg, worauf in einem Schlußwort vom Vorfitzenden konstatiert wurde, daß die Versammlung eüiflimmig den vorerwähnten Anträgen ihre Zustimmung erteile.
Zu Punkt 5, Beauftragtenwesen, erstattet zunächst Kehl- Worms sein Referat, in welchem er die Ergebnisse der von ihm als Beauftragter der Handiverkskammer vollzogenen jtouttolle der Handwerksbetriebe näher barlegte. Ebenso beiprach
Nessel-Offenbach seine bei der Inspektion gemachten Wahrnehmungen. Die Versammlung erklärt sich nach, eimgen Bemerkungen von Marburg-Michelstadt und Nie hl-Nleber- Olm mit dem Antrag Michelstadt einverstanden: „Bei der Ueber- wachnng des Lehrlingswesens sollte die Handwerkskammer, statt der für den Anfang wohl berechtigten Milde, in Zukunft Strenge anwenden und jede llcbertrctung der bezüglichen Vorschriften durch Strafantrag verfolgen."
Punkt 6 betrifft W Genossenschaftswesen. Genossen- schastsdirektor P ä ch - Darmstadt macht Mitteilung über die Einkaufsgenossenschaft für Werkzeug, Maschinen usw. und teilt mit, daß sich der Umsatz auf nahezu V4 Million Wert gesteigert habe. Es sei ober dringend erforderlich, daß alle Handwerker ihre Werkzeuge usw. nur von der Genossenschaft bezögen und daß sie sich anch mit Kapital an derselben beteiligten. Stadtv. Rockel- Darmstadt weist darauf hin, daß in der Gwßh. Zentral-Ge- werbehalle demnächst eine Musterausstellung arrangiert werde, bei welcher die Handwerker Gelegenheit erhalten würden, alle Handwerkszeuge usw. zu betrachten. Redner empfiehlt besonders eine größere Kapitalbeteiligung an der Genoffenschaft. Der hiesige Ortsgewerbeverein habe sich erst mit 5000 und jetzt mit weiteren 3000 Mark daran beteiligt, und dieses Beispiel sollte auch von den übrigen Vereinen im Lande eifrig nachgeahmt werden.
lieber die 1907 stattfinbendc Hessische Landes-Ausstellung für freie und angewandte Kunst, Darmstadt 1907 berichtete der Vorsitzende. Dieselbe solle besonders dem Künsthandwerk Hessens Gelegenheit zu einer zahlreichen Beteiligung darbieten und die Handwerkskammer sei gern bereit, den ansftellenden Handwerkern in jeder Richtung mit Rat und Tat dabei an die Hand zu geben. Geheimrat Braun betont, die Ausstellung solle ein Zeugnis ernster Arbeit des hessischen Handwerks borbieten. Es komme namentlich darauf an, neben dem Können unserer Großindustrie auch das Können der Kleinen zu zeigen. Deshalb sollen die Anhäufungen von Massenproduktionen, die sog. Warenhausprodukte, möglichst vermieden und nur selbständige Arbeiten, die einen künstlerischen Gedanken verraten, dnrgeboten werden. Es sei beabsichtigt, schöne Kollektionen verwandter Industriezweige, mufiergittige lün Igewcrbliche Arbeiten und besonders auch eine Anzahl W e rkftä11en int Betrieb zu zeigen, Schmiede, Tischlerwerkstatt usw. damit das Publikum einen Begriff davon erhalte, wie der Meister schafft und arbeitet. Hier sollten alle Kräfte des Landes zusammenarbeiten, so Großindustrielle wie der Kleinproduzent, um im Interesse des ganzen Landes einmal öffentlich zu zeigen, was Hessen zu leisten imstande ist. (Lebh. Beifall.)
Der vorgerückten Zeit wegen wurden dann noch mehrere zur Beratung stehende Anträge der Ortsvereine von Lich, Butzbach und Gießen von der Tagesordnung abgesetzt, resp. der Handwerkskammer als Beratungsmaterial überwiesen. — Der Tagung schloß sich ein gemeinsames Mittagsmahl von über 300 Gedecken an. Hierbei brachte Geheimrat Braun ein dreifaches Hoch auf den Großherzog aus, Stadtv. Rockel gedachte der warmen Für- forge der Staatsregierung für das Handwerk und brachte dieser und Geheimrat Braun ein dreifaches Hoch dar, worauf letzterer mit einer längeren Rede auf den Gewerbcftaud erwiderte. Petri- Gießen feierte den Gewerberat Falk, dieser toastete auf das deutsche Handiverk und Mm Schluß M ö sc r - Darmstadt auf die Handwerkskammer.
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Dom Ortsgewerbeverein Gießen! war zu Punstt 5 Verdingungswesen folgender Antrag durch Herrn H. Winn gestellt worden:
Bei Ausschreibung von Sauarbeiten soll darauf hingewirkt werden, daß alle arszuführenden Arbeiten genau beschrieben und jede einzelne Arbei für sich, in einer Position, getrennt auf- gesührt werden. ES war seither Gepflogenheit, daß mehrere Leistungen in einer Position vereinigt worden sind. Dieses hatte zur Folge, daß die Berechnung der Offerte sehr erschwert und eine , richtige und genaue Preisabgabe unmöglich war. Für Arbeiten, welche nach bestimmten Details auszuführen sind, sollen dieselben bei dem Ansschreiben vorliegen. Die Bezeichnung „n a ch näherer^Angabe" soll verschwinden.
Zum Schluß stellte Herr Winn noch folgenden Antrag: Die Handwerkskammer wolle darauf hinwirken, daß bei Streitigkeiten im Baugewerbe Schiedsgerichte ähnlich den Handelsgerichten errichtet werden, tvelche Streitigkeiten bei Bauten endgiltig regeln. Dieselben sotten bestehen aus 1 Richter als Vorsitzenden und zwei Fachleuten als Beifitzer. Beide Anträge wurden der !panb= Werkskammer als Material zur Berücksichtigung überwiesen.
Aus Sta>t und Land.
Gießen, 23. Januar 1906.
** Kunstverein. Die gegenwärtige Ausstellung, die in der vergangenen Woche eine nahezu vollständige Erneuerung erfahren hat, kann nur noch dis einschließlich Donnerstag so verbleiben, es sei daher der baldige Besuch der Ausstellung nochmals aufs angelegentlichste empfohlen. Freitag bleibt die Ausstellung wegen teilweisen Wechsels der Gemälde geschloffen. Sie ist sonst täglich mit Ausnahme des Samstags von 11 bis 3 Uhr, und Mittwochs auch noch nachmittags von 3 bis 5 Uhr geöffnet, Sonntags ununterbrochen von 11 bis 3 Uhr.
** Bei der zweiten großen allgemeinen Kanari en-Ausstellung erhielten nachstehende hiesige Züchter Preise: L. Beinborn 2 II. Preise; Ang. Felsing 1 L, 2 II., Ehrenpreis für die beste Gesamtleistung, II. Mit- glieder-Ehrenpreis, I. Ehrenpreis und silberne Medaille für Selbstzucht; Jak. Koch 2 II., 2 III.; Wilh. Leichtweis 1 I., 5 II., 2 III., IV. Mitglieder-Ehrenpreis; Wilh. Müller 6 II., 2 III., III. Mitglieder-EhrenpreiS, III. Ehrenpreis ür Selbstzucht; L. K. Petri 7 II., 1 III., II. Ebrenpreis und silberne Medaille für Selbstzucht; A. Starke 3 I., 1 II.. I. Mitglieder-Ehrenpreis; K. Viertelhausen 1 L, 3 II.; Ferd. Wiedmeyer 4 III., Georg Malkomesius für Distelfink- bastard I. Preis und Ehrenpreis; Hugo Sann für Eroten . Preis; Karl Glimbel für Schmetterling II. Preis; PH. Horrmann für Futter und Fabrikate zur Zucht und Pflege der Kanarienvögel und Exoten I. Preis und Ehrenpreis und goldene Medaille; Edgar Borrinann für Vogel- täsige und Züchter-Utensilien L Preis.
** Aus dem Bureau des StadttHeaters. Auf die morgige V olksv o rstellung (Glas Wasser) fei auch an dieser Stelle hingewiesen.
** Die Tegernseer hatten auch bei ihrem gestrig:n 2. Gastspiel, das wiederum vor auSverl'austcm Hause ftntt» and, einen vollen Erfolg. Tos zur Darstellung gebrachte Solksstück von Georg Fäschel „Ter Lehrer vom See- p i tz" ist durch den Widerspruch, den es in klerikalen Kreisen erfuhr, bekannt geworden. Wer aber in dem Stück eine interessante dramatische Schilderung des Kampfes um bie reie Schule erwartet, wird enttäuscht sein, denn gerade in dem Augenblick, in dem des Lehrers vom Seespitz Eintreten für den Satz „dem Pfarrer die Kirche, dem Lehrer die Sü)ule" zur Katastrophe zu führen scheint, löst sich alles in Wohlgefallen auf. Die Liebe des Lehrers zu Vevi, der Frucht einer Jugendsünde des geistlichen Herrn, uhrt zu dem versöhnenden Sck)luß. Das Stück weist alle Gestalten auf, die uns die Tarstellungen der oberbayerischen Bauerntheater so anmutig machen: den strengen Priester, scheinheilige Bauern, lustige zum Raufen aufgelegte Burschen, den Torflumpen und das kreuzbrave arme Tirndl nebst der dazu gehörigen abschreckenden Nebenbuhlerin, dazu Mustk und der übliche Schuhplattler, der
vorzüglich getanzt wurde. Im Mittelpunkt des Interesses steht die sympathische Gestalt des Lehrers, der von Toni R ö ck l eine recht ansprechende Darstellung fand. Auch der Pfarrer des Dertl Schulte s verdient alle Anerkennung und ebenso der Darsteller des scheinheiligen Schwarzenhofbauers Sepp Kost, sowie der Maler-Sepp des Simmerl M e i e r h o s e r. Das komische Element kam durch Maxl Schultes (Torflump), die heiralstolle Apollonia (Mirzl W i l m e r). die Posthalterin (Mirzl R e i ch l m a i r), die Fleckbäuerin (Mirzl Vollnhals) und die lustige Stasi (Friedl Schmid) in bester Weise uun Wort. Eine sehr hübsche Leistung war die Vevi von Lisi Gritl. Tas Zusammenspiel war gut und zeigte, dag dank der klerikalen Propaganda „Ter Lehrer vom Seespitz" zum meist aufgeführten Stück der Truppe gehört.
** Evangelischer Arbeiterverein. Beim Vortragsabend am Sonntag war der Saal von Zuhörern überfüllt. Prof. Ko ob gab in leicht verständlicher Weise Erläuterungen über den Planeten Mars, welche durch Vorführung zahlreicher Lichtbilder, Aufnahme des Mars, sowie anderer Himmelskörper ergänzt wurden. Lebhafter Beifall dankte dem Redner für seine intereffanten Darbietungen.
** Ein Eisenbahnunglück bei Da rm st a dt. Wie unS drahtlich gemeldet wird, fuhr gestern abend auf der Station Kranich ft ein ein Materialzng einem rangierenden Güterzug in die Flanke. Fünf Wagen wurden umgeworfen und stark beschädigt. Der Maschinenführer deS Materialzuges fiel infolge deS erlittenen schreckens in Krämpfe und wurde in das Darmstädter städtische Krankenhaus verbracht.
** Kleinbahnidyll. Ms sich am vergangenen Samstag der Zug um 9.19 vorrn. in Frischborn (Strecke Lauterbach—Grebenhain—Crainfeld) in Bewegung setzte, um gemütlich gen Lauterbach zu dampfen, kamen auch zwei grauen versp..let an, welche den eben abgefahrenen Zug benutzen wollten. Kurz entschlossen, unternahmen sie einen Dauerlauf hinter dem Zuge her und er-, reichten ihn glücklich in Blitzenrod, wo sie denselben zur Weitcrsahrt benutzten.
p Leihgestern, 21. Jon. Am vergangenen SamK- tag hielt der L a n d w i r t s ch a f t l i ch e K o n s u m v e r e i n I seine Generalversanrinlung ab. Es wurde eine Dividende von 7l,2 Proz. festgesetzt. Herr Johann Gg. Tutenhöfer verstand in einer Ansprache ausgezeichnet, die Verdienste; des Vorstandes und Aufsichtsrots hervorzuheben und fand damit lebhafte Zustimmung.
r Beuern, 22. Jan. Der Gesangverein ^Poly- Hymn i«' hielt gestern abend seinen Winterball ab, welchem Theater, lebende Bilder, Musik- und GesangSvorträge vorausgingen. Tie 9lufführungen verliefen sehr schön, ganz besonders die lebenden Bilder. Dem Verein, sowie seinem unermüdlichen Dirigenten Lehrer Aleter wurden lobende Anerkennungen zuteil, ebenso der guten Musik. Zu gleicher Zeit hielt der Eesangverein Liederkranz seinen Ball ab, der ebenfalls, trotz der kurzen Zeit des Bestehens dicsc- VercinS infolge der guten Leistungen bestens verlief.
—t— Lana-Göns, 21. Inn. Ter Zusammenschluß der ober hessisch en Posannenchöre zums Verband unter diesem Namen Hai sich heute hier vollzogen. Die versammelten Vertreter der Chöre von Ober-Mockstadt, Lang-Göns, Klein-Linden, Großen-Linden, Holzheim, 6)ießen, Allendorf, Friedberg und Stockhausen stellten die Verbandssatzungen fest und wählten zum Versitzenden Professor Tr. Wurste.r zu Friedberg, zum Scl)riftführer Pfarrer Kalb- Henn zu Ober-Mockstadt und zum Rechner Herrn Boll von hier. Ter Beitritt und die Gründung neuer Vereine darf erwartet werden. Mit musikalischen Tarbietzungen beabsichtigt der Verband zunächst beim hiesigen Missionsfest int Sommer d. I. hervorzutreten, lieber die allenfallsige Beteiligung bei dem Trachtenfest in Butzbach konnte ein Beschluß nicht erzielt werden, da einigen Vertretern dieser Gegenstand neu war und sie der Instruktion der von ihnen vertretenen Vereine entbehrten.
Mainz, 26. Jan. Sicherem Vernehmen nach wird im August der Kaiser wieder hier eintreffen, um eine Truppenschau auf dem großen Sand abzuhalten. Im vorigen Sommer ist die Truppenschau ausgefallen. Ter Gros; Herzog wird voraussichtlich, wie bisher immer, teilnehmen.
Bingen, 22. Jan. Einen tollkühnen Streich verübte heute nacht der verheiratete Maurerparlier Schiffer- stein aus Gaulsheim, der in Bingen beschäftigt ist. Bei ferner Heimfahrt überfuhr er die Station Gaulsheim und sprang oberhalb des Ortes aus dem bereits in voller Fahrt befindlichen Zuge. Es ist fast als ein Wunder zu bezeichnen, daß der Tollkühne nicht ums Leben kam, er erlitt aber beträchtliche, wenn auch nicht lebensgefährliche Verletzungen. Roch in der Nacht wurde er iuS Biuger Hospital gebracht. (M. Tgbl.)
p. Aus dem Kreise Wetzlar, 22. Jan. Bedingt durch den voraufgegangenen KvhlenauSfall (Streik!) waren die vorjährigen Brenuh oI ' prei se hoch geschraubt. Tie Abnahme, diesmal würden sich die Preise niedriger stellen, bestätigt sich nach -den bis jetzt zum Verkauf gebrachten Hölzern nicht. Tas Klafter Scheitholz wurde mit 32—36 Mk. bezahlt. Roli-cheit hatte ungesähr denselben Preis. Tas Meter Prügelhoi; stellte sich auf 6 und 7 Mk. 12—14 Pfg. kostete die Turclfforstu'.igSirelle und die Oberholzwelle durchschnittlich 8 Pfennig. Für den Brennholz kaufenden „kleinen Mann" bedeuten diese Preise einen gehörigen Griff ins Portemonnaie.
[1 Marburg, 22. Jan. Bei Oberrosphe wurde ant Samstag der 18jährige Holzfäller Schwarz durch einen umsturzenden Daum getötet.
HiiievßnuQ eines brasilianischen Kriegsschiffes.
Ein fürchterliches Marincung l ück wird auS Rio de Janeiro vom 22. Januar gemeldet: In der vergangenen Nacht ereignete sich an Bord des brasilianischen Linienschiffes „Aguidaban^ eine Expl o sio n. Das Schiff ist gesunken. Die ganze Besatzung, ungefähr 300 Mann, soll mit Ausnahme eines Offiziers, der gerettet sein soll, umS Leben gekommen sein.
So lautete die heute früh unS vorliegende Meldung. Um V» 11 Uhr heute vormittag erhielten wir dann folgende Drahtnachricht:
Rio de Janeiro, 23. Jan. Ter Panzerkreuzer Barrosa, der sofort mit den Ministern an Bord an die Unfallstelle des Aquidaban abfu ,r, kam mit Verwundeten an Bord wieder in Rio de Janeiro an. Bei der Explosion sind umgekominen: Der Marineminister, die Studienkommisfion des neuen Arsenals, vier Kontreadmirale, der Kap tän des Aqui' daban, zwei Fregatteukapitälle, zwei deutjche Photo-


