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20.10.1906 Viertes Blatt
 
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Nr. 847

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für Len Kreis Sichen

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Erscheint kSglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener Familienblätter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der "Hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition u.Tnickerei: Schulstr.7. Tel. Nr. bl. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen«

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Nußlands Bankerott.

Unsere offi^wfen Weltweisen, die es nicht wuhrhaden wollen, daß Rußland nm Rande des finanziellen Ruins steht, haben in der letzten Zeit einen bitteren Schmerz erfahren. Der PariserTemps" (allerdings ein Blatt, das nicht immer ernst genommen zu werden verdient) hat ein Schreiben des russischen Finanzministers Kokowzew an Stolypin verüsfentl-icht, in welchem der Finanzier ein trauriges Lied über die russischen Finanzen singt. Was man schon lange geahnt und auch laut gesagt hat: daß Rußlands Finanzen zerrüttet sind und daß die auswärtigen Freunde nicht mehr pumpen, gibt der Minister zu, und er bittet in Zukunft zu sparen, zu sparen und loieder zu sparen.

In seltsamem Widerspruch damit stehen die hoch- fliegenden Flottenpläne der maßgebenden Kreise in Petersburg. Eine größere Anzahl von Panzer- chifsen mit einer Wasserverdrängung von 20000 Tonnen und einer Geschwindigkeit von 21 Knoten will man auf russischen Werften bauen lassen, und obendrein hat, wie wir chon meldeten, der Marineminister vom Zaren die Er­laubnis erhalten zur Inanspruchnahme eines Kredits von 18 Millionen für den Bau eines Riesenpanzers. Man fühlt ich versucht, von einer Art Größenwahn des russischen Marineministers zu sprechen, von einer Vorstellung, deren Ziel es ist, Rußland baldmöglichst iv-ieder als vollwertigen Machtfaktor und darum begehrenswerten Bundesgenossen erscheinen zu lassen. Ja, wenn es noch mit dem Schiffs- material getan wäre! Das Kriegsschiff wird aber bekannt­lich vollgrltiges Kampfinstrument erst durch die Bemann­ung, wenn diese seemännisch tüchtig und vom Geist der Manneszucht dis zum letzten Hetzer durchdrungen ist. Alle

Familien-Nacyrtehten.

Geborene. Herrn Ferd. Ehrenklau II. und Frau Toni, geb. Rainspeck, Alsfeld, einen Sohn. Herrn Alexander Joel u. ^rau Rosa, geb. Lßdun, Wetzlar, einen Cohn. Herrn Hugo Sonnen- berg u. Frau Helene, geb. Simon, Wetzlar, einen Sohn.

die Handelskammern, welche im letzten Berichtsjahre ver­weigert worden war, wieder zu gestatten. TaS Reichsbank- direkwrium hat dieses Ersuchen vorerst mit dem Bemerken abgelehnt, daß es in erneute Erwägungen eingetreten sei, ob und wie weit es ohne Schädigung des Interesses der Reichsbank angängig erscheint, über die Geschäfts- ergebnisse der einzelnen Bankanstalten Auskünfte zu geben, welche über die in den Verwaltungsberichten veröffentlichten hinausgehen.

n) Nach einer Mitteilung des Kaiser!. Postamts 1 hier wird die Inbetriebnahme einer weiteren Fernsprechleitung Gie- ßen-Frankfurt a. M. voraussichtlich im November erfolgen.

2. Handelskammer wählen für 1907/10.

Nach den Bestimmungen des Handelskammergesetzes scheidet Emde jedes zweiten Jahres die Hülste der Handelskammer-

Mitglieder aus. Es haben daher in diesem Jahre für 9 aus- scheidende Mitglieder Neuwahlen statttufinden und zwar für die nachgenannten Herren:

in der Entwicklung oder beim Lernen zurückbleibende Kinder, sowie blut­arme, sich matlfühlende und nervöse überarbeitete, leicht erreg­bare, frühzeitig erschöpfte Erwachsene gebrauchen als Kräftigungs­mittel mit großem Erfolg Dr. Honrmcl's Hacmatogen.

Der Appetit erwacht, die geistigen und körperlichen Kräfte werden rasch gehoben, daö Gcsamt-Nervcushsten, gestärkt.

Man verlange jedoch ausdrücklich das echteDr. Hommel's" Haematogeu unb lasse sich keine der vielen Nachahmungen auf- reden.

Welt weiß, wie klüglich es in dieser B. .i.img um die russischen Marine mann schäften bestellt ist. Es ist offenes Geheimnis, daß nur ein geringer Teil derFlotten­equipagen" als zuverlässig gelten darf, daß der Geist des Ungehorsams sogar im Seeoffizicrrorps steckt. Welcher Gefechtswert kann also wohl unter solchen Umstünden den aus Stapel zu legenden russischen Linienschiffen und gar dem Panzerungeheucr beigemessen werden, gesetzt selbst den Fall, daß alle diese Fahrzeuge dereinst als technisch einwandfrei sich präsentieren? Obendrein ist Rußland politisch gar nicht genötigt, mit seinen Staalsgeldern so verschwenderisch umzugehen. Es darf sich des Wohlwollens der Westmächte versichert halten, so lange es seine Be­ziehungen zu Deutschland nicht über das Maß desKor­rekten" hinaus entwickelt. Auf jeden Fall ist der Flottcn- eifer in den leitenden Petersburger Kreisen ein Zeichen dafür, daß es dort an staatsmännischem Verständnis für die dringenden politischen und finanziellen Notwendigkeiten auch jetzt noch fehlt.

Als Regierungsrat Martin sein Buch über den russ. Zusammenbruch schrieb, ist er von den vorgesetzten Be­hörden diszipliniert worden. Damals war in derNordd. Allg. Ztg." zu lesen, daß die russischen Finanzen über' jeden Zweifel erhaben sein, uird der deutsche Privatmann wurde zwar nicht direkt aufgefordert, sich an den ruf). Anleihen zu beteiligen, aber man konnte diese Aufforder­ung zwischen den Zeilen lesen. Es mögen auch viele deutsche Staatsbürger aus den Leim gekrochen sein, denn die zum Teil auch in Deutschland begebene letzte Anleihe Rußlands ergab noch ein ziemlich gutes Resultat. Jetzt aber können wohl auch unsere Offiziösen kaum mehr in Abrede stellen, daß es mit den russischen Finanzen faul steht, und daß russische Staatspapiere zweifelhafte Dinge sind.

Jüngst wurde berichtet, daß die russische Regierung nicht mehr imstande ist, die Gehälter an ihre Beamten regelmäßig zu bezahlen. Das Warschauer Theater ist von der russischen Regierung verpachtet worden, weil die Negierung es nicht halten kann. Rußland ist ein un­ermeßlich reiches Land, aber die ewigen inneren Krisen, die den Riesenkörper erschüttern, müssen diese Kräfte auf­reiben, aus denen der Reichtum des Landes floß. Handel und Industrie sind in Rußland lahm seit mehr als andert­halb Jahren. Die Landwirtschaft trägt nur ungenügende Früchte; herrschte doch in verschieenden Gouvernements in dem letzten Jahre Mißwachs und Hungersnot. Die Be­wohner des Landes sind zum großen Teil nicht in der Lage, ihre Steuern und Abgaben zu zahlen, die Regier­ung muß stunden, ob sie will oder nicht. Wo soll sie denn das Geld hernehmen, die Beamten zu zahlen, die Staats­maschinerie im Gang zu halten?

Wollte Rußland es scheint ja jetzt wieder in Paris anfragen zu lassen eine neue Anleihe aufnehmen, so würde sich vermutlich zeigen, daß niemand mehr geneigt ist, auch nur eine Million Rubel auf Zukunftswechsel zu borgen, und darum rät Kokowzew auch gar nicht, diesen Weg einzuschlagen, sondern er will lediglich durch Ein­sparungen den Zusammenbruch hinausschieben solange, bis Rußland im Innern wieder einiger und darum nach außen kreditwürdiger geworden ist.

Es ist nicht an dem, daß Okußland gezwungen sein wird, heute oder morgen den StaatSbankerotc zu erklären. Dazu bedarf es eines Anstoßes von innen, eines gewaltigen Wiederaufflackerns der Revolution. Dazu aber wird es in absehbarer Zeit kaum kommen, denn die RepolutioN ist fast so erschöpft wie die Regierungsfinanzen, auch sie leidet naturgemäß am Rückgang der Mittel. Außerdem fehlt bekanntlich die einheitliche Leitung wie das einheit­liche Ziel. Aber Rußland ist im Kreisen, und niemand weiß, was übermorgen sein wird. Dauern die Zustände aber fort, dann wird sich Rußland selber aushungern und von außen ausgehungert werden. Gerade diese Erschöpfung der Negierungsmittel ist ein neuer Ansporn der Revolution. Die Beamten, die ihre Gehälter nicht bekommen, das Militär, das rückständigen Sold zu verlangen hat und nicht ent­sprechend verköstigt werden kann aus diesen Elementen kann sich die Revolution aufs neue rekrutieren und dann wohl furchtbarer werden, als sie bisher war.

Das Ausland aber muß gewarnt werden, das National­vermögen vor schweren Verlusten zu bewahren. Jedenfalls darf aus Deutschland keine Kopeke mehr nach Rußland fließen wer weiß, ob nicht ohnehin die vielen Millionen deutsches Geld, die in Rußland und in russischen Werten engagiert sind, als Verlust gebucht werden müssen.

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a) im Wahlbezirk Gießen-Stadt:

C. W. schwach

Karl Röhr,

Adolf Klingspor,

Emil Schmoll, sämtlich in Gießen.

b) Im Wahlbezirk Gießcn-Lond:

H. Steinecke in Lotlar (im April 1906 wegen Fortzugs aus dem Handclskammerüezirk ausgeschieden).

c) Im Wahlbezirk Lich:

H. Jhring in Lich.

d) Im Wahlbezirk Alsfeld:

C. Grünewald II.

W. Wallach, beide in Alsfeld.

e) Im Wahlbezirk Lauterbach:

H. Dürbeck in Lauterbach.

Die Offenlegung der Wahllisten soll in der Zeit von Montag, den 5. November, bis einschließlich Mittwoch, den 14. November, erfolgen und zwar für die Weblbezirke Gießen-Stadt und Gicßen- Land auf dem Bureau der Großh. Handelskammer, Nordanlage Nr. 15 während der Bureaustunden, (912 Uhr vorm., 36 Uhr nachm.), für die Wahlbezirke Alsfeld, Lauterbach und Lich in den Geschäftsräumen der dortigen Bürgermeistereien.

Als Wahlkommisfare bezw. Uriundspersonen wurden gewählt: a) Für Gießen-Stadt Herr Kommerzienrat Sd) inner als Wahl- kommissar, und die Herren Heinrich Stamm, Franz Schmidt, Friedrich Habenicht und Fritz Nowack als Urkunds­personen bezw. Stellvertreter.

b) Für Gießen-Land Herr Kommerzienrat Heichelheim als Wahlkommisfar und die Herren Gewerbebankdirektor Nies (Lollar), Bürgermeister Leun (Großen - Linden Ludwig Bramm (Wiefeck) und Heinrich Sack II. (Heuchelheim), als Urkundsperfonen bezw. Stellvertreter.

c) Für Alsfeld Herr Gustav Ramspeck II. als Wahlkommisfar, und die Herren Adolf Ramspeck, Moritz Stern, Georg Reuscher, Julius Waldeck als Urkundsperfonen bezw. Stell­vertreter.

d) Für Lauterbach Herr L. Hoos als Wahlkommisfar, und die Herren Heinrich Alt IV., Friedrich Lorenz, Wilhelm Becker II., Jakob Diehm II. als Urkundsperfonen bezw. Stell­vertreter.

e) Für Lich Herr Georg Stammler als Wahlkommisfar, und die' Herren Max Chambre, Karl Heller und August Förster als Urkundsperfonen bezw. Stellvertreter.

Der Wahltag wird aus Mittwoch den 21. November fest­gesetzt.

3. Wahl der Handelsrichter.

Am Ende dieses Jahres läuft die Amtsdauer der seitherigen Handelsrichter ab. Die Kammer nahm daher die erforderlichen Neuwahlen für die Jahre 19071909 vor und wird die Ge­wählten dem Herrn Präsidenten des Großh. Landgerichts zu Gießen für das Amt des Handelsrichters bezw. Ergänzungsrickters in Vorschlag bringen.

4. Die Geschäftsräume der Großh. Bezirks- kassen 1 und 2 und des Großh. Steuerrommisfa- riats Gießen.

Die Kammer hat bei dem Großh. Ministerium der Finanzen die Erweiterung der Geschäftsräume der Bezirkskafse 1 und 2 sowie des Steuerkommissariats in Gießen beantragt. Dasselbe hat nun zwar die Abänderungsbedürftigkeit jener Diensträume anerkannt und auch die Zusammenlegung der genannten Be­hörden in ein Gebäude in Erwägung gezogen, indem es bereits Pläne hierfür hat ausarbeiten lassen. Da aber die mit der Stadt Gießen zwecks finanzieller Unterstützung des Neubaues bisher gepflogenen Verhandlungen vergeblich gewesen sind, war die Großh. Regierung nicht in der Lage, den Landständen die Mittel zur Errichtung des Neubaues anzufordeni. Das Ministerium hat der Handelskammer anheimgegeben, ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß die Stadt Güßen das Unternehmen finanziell unterstützt. Die Handelskammer hält ein Vorgehen in der ge­wünschten Richtung für wenig anssichtsvoll und beschließt in diesem Sinne unter eingehender Begründung dieses Standpunktes dem Großh. Ministerium zu berichten.

(Schluß folgt.)

Viertes Blatt. 156. Jahrgang Samstag 20. Oktober 1906

Gießener Anzeiger

9. Sitzung der Großh. Handelskammer Gießen für die Streife Gießen, Alsfeld und Lauterbach.

Protokoll-Auszug.

Gießen, 16. Oktober 1906.

Anwesend die Herren: Kommerzienrat Koch, Vorsitzender; Kommerzienrat Heichelheim, Dürbeck, Friedberger, Hoos, Jhring, Klingspor, Rinn, Röhr, Kommerzienrat Schirmer Zurbuch, so­wie der Syndikus Dr. Zeidler.

1. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes mitzuteilen: a) Die Handelskammer richtete an das Großh. Ministerium der Finanzen die Bitte, im Anschluß an die von der Kgl. Preuß. Regierung begonnenen Vorarbeiten für die Ver­besserung der Lahnsch iffahrtsftraße auf preußi­schem Gebiete seinerseits die Vornahme gleicher Erhebungen für die Straße an der preußisch-hessischen Grenze bis Gie­ßen anzuordnen, sowie unter Einsichtnahme in die Pläne für den vom Preuß. Landtage beschlossenen Bahnhoss- umbau in Wetzlar zu prüfen, ob nicht schon jetzt bei den Arbeiten für diesen Bahnhossnmbau auf hie Fortführung der Lahnkanalisierung über Wetzlar hinaus bis Gießen Rück­sicht zu nehmen sei und gegebenen Falles mit der Kgl. Preuß. Regierung in Verhandlungen zu treten. Dem Großh. Ministerium erscheint jedoch der Zeitpunkt zur Anordnung von Vorarbeiten für eine etwaige Lahnkanalisierung aus hessischem Gebiet noch nicht geiomnien; die Angelegenheit soll aber im Auge behalten werden.

b) Vom Reichsbankdirektorium ging der Kammer aut eine entsprechende Eingabe der Bescheid zu, daß weder der Ge­schäftsumsatz noch die sonstigen in Betracht kommenden Verhältnisse die Umwandlung der Neichsbanknebenstelle in Gießen in eine selbständige Bankanstalt angezeigt erscheinen lassen und daß auch zur Errichtung eines Neubaues zur Zeit ein Bedürfnis nicht anzuerkennen sei; hingegen soll den vorhandenen Mängeln der Geschäftslokalitäten durch Erwetterung der für den Verkehr dienenden Räume abge­holfen werden.

c) Dem Großh. Ministerium des Innern war es erwünscht, Klarheit darüber zu gewinnen, ob und in welchem Umfange nach Abschluß der neuen Handelsverträge und erkennbar durch sie bewirkt eine Verlegung industrieller Betriebe nach dem Auslande ober die Errichtung von Zweiganstalten stattgefunden hat. Dem Ministerium ist mitgeteilt worden, daß derartige Erscheinungen im Handels­kammerbezirke nicht hervorgetreten sind.

d) Dem genannten Ministerium ist ferner berichtet worden, daß die an der Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten von Amerika beteiligten Firmen des Bezirkes Klagen über das seit dem 1. März in einigen Punkten geänderte Ver- zollungsverf ahren (seitens der Vereinigten Staaten) nicht vorubringen haben.

e) Einem Wunsche der Handelskammer entsprechend, hat die Kgl. Eisenbahndirektton Frankfurt a. M. bei der Reichspost-

Verwaltung für d i e Güterabfertigungs stelle Abendstern die Herstellung eines Anschlus­ses an dasFernsprechnetzvonGießen beantragt.

D Die Handelskammer hat einen Antrag der Frankfurter Han­delskammer auf Vermehrung der Beförderimgsgelegenheit von Milch auf der Strecke Lich-Butzbach-Frankfurt a. M. bei der Kgl. Eisenbahndirektton Frankfurt a. M. unter­stützt. Daraufhin wurde ihr von der genannten Direktion der Bescheid zuteil, daß die Milchbeförderungsgelegenheiten allgemein einer Prüfung unterzogen werden sollen und hierbei auch die Milchbeförderung ab Butzbach berücksichtigt werden soll.

g) Auf Anregung der Handelskammer Friedberg und der dies­seitigen Kammer wird die Kgl. Eisenbahndirektion Frank­furt a. M. der Frage einer Vermehrung der Schnellzugverbindungen zwischen Frank- furt a. M. und Gießen für den Sommersahrplan 1907 näher treten. Die beste Lösung der Frage glaubten wir darin zu erblicken, wenn der ab Gießen 3,15 Uhr nachm. gehende Personenzug 796 in einen Schnellzug, der ab Frankfurt 6,55 Uhr nacbm. gehende Personenzug 805 a ebenfalls in einen Schnellzug verwandelt und der ab Frankfurt 6,23 Uhr nachm. gehende Personenzug 805 an Werk- wie an Sonn- und Feiertagen bis Gießen durchgeführt würde.

h) Im Interesse der Holz- und Sägewerks-Industrie des Be­zirkes hat die Handelskammer den auf Anregung der Handelskammer zu Rostock von der Großh. Mecklenburgi­schen General-Eisenbahndirektivn bei der ständigen Tarif- kommission gestellten Antrag, Ziffer 7 der Position Holz des Spezialtarifs III dahin zu ändern, daß die Stärke der Stäbe unb Brettchen von 20 auf 25 Millimeter erhöht wirb, unterstützt.

i) Wiederholte Beschwerben über Mißstände am Güter- bahnhofe hatten der Handelskammer Veranlassung ge­geben, eine Beschleunigung der Güterannahme durch eventl. Einstellung eines zahlreicheren Arbeitspersonals zu befür­worten. Wie nun die Güterabfertigungsstelle mitteilt, hat eine Vermehrung des Annahmepersonals stattgefunden unb auch durch Einrichtung einer schnell zu handhabenden Zeiger- wage dürste den gesteigerten Verkehrsbcdürfnissen Rechnung getragen sein. Es ist nunmehr Sache der Versender an ihrem Teile zu einer möglichst schnellen Abwickelung der Güterannahmen beantragen, indem sie die Güteranfuhr möglichst zeitig am Tage bewirken und die angebrachten Güter an den Annahmetoren, fowett dies möglich ist, der­art abstellen, daß die zu den einzelnen Frachtbriefen ge­hörigen Sendungen leicht greifbar sind. Im übrigen ist es der Güterabfertigungsstelle dringend erwünscht, daß die Be­schwerde führenden Firmen den Dienststellenvorsteher sofort von ihren Klagen in Kenntnis setzen, damit dieser die nötigen Feststellungen gleich machen unb erforderlichen Falles Abhülfe schaffen ober Aufklärung geben kann.

t) Der Kgl. Eisenbahnbirektion Frankfurt a. M. ist der Quar­talbericht über die Lage des Eisenerzbergbaues im Handels- kammerbezirk erstattet worden.

I) Eine Beschwerde über die Handhabung des 8 18 d e r Po st­ör du ung hatte der Handelskammer Veranlassung ge­geben, bet dem Kaiser!. Postamt in Anregung zu bringen, ob sich Nicht eine Aenderung jener Vorschrift dahingehend herbeiführen lasse, daß alle mit dem Vermerkesofort zum Protest" versehenen Postaufträge im Falle der erfolg­losen Präsentation erst am Nachmittage des dem Verfall­tage,-folgenden Tages zur Erhebung des Protestes weiter- eleben werden, fodaß dem Wechselschuldncr die Gelegen- t gegeben ist, noch im Laufe des Vormittags seinen rbindlichkeiten nachzukommen. Das Postamt bedauerte jedoch, der Anregung keine Folge geben zu können, da den Postanstalten ganz besonders die genaue Befolgung der in § 18 enthaltenen Vorschriften anempfohlen sei.

Die Angelegenheit soll durch Vermittelung des Deut­schen Handclstagcs weiter verfolgt werden.

in) Die Handelskammer hatte an das Reichsbankdirektorium das Ersuchen gerichtet, die Mitteilung der Geschäfts- Äfeciiiditen hex Reichsbanknebenüelleu an !

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