Ausgabe 
20.4.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 9»

Redaktion. Expedition u. Druckerei: ScfiuIM

Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr.: Llnzetger ©Ufceu

Erfchetnl W-Nch mit Ausnahme des Sonntags.

EieWlehener FamNlrnblStter" werden dem »Anzeiger viermal wSchentlich beigelegt. Der wW«fdX Landwirt" erscheml monallich einmal.

Zweites Blatt 156. Jahrgang Freitag Äv. April 1906

? kL a aa, AA A A A a A a. a ▲▲ Rotationsdruck vnd Verlag der «rübl'kch«

UntversrtLtSdruckerei. R. Lange,

General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Deutscher Krotcstantenverein.

(Original-Bericht des Gießener Anzeigers.)

f D a r nr st a d t, 19. April.

Zu der diesjährigen Verhandlung der zweiten Sektion des Protestantenvererns haben sich n. a. eingefunden: D. Webskp-Berlin, Tekcm D. Hoenig- Heidelberg, Konfiftorialpräs ident D. Gerold-^Stt'aßburg, Se­nator Vorohme-'Hildesheim, Pastor Tr. Beeck-Bremen, Dekan Trost-Winweiler, Lic. Wielandt 5>eidelberg. 2er heutigen Tagung ging vormittags eine Sitzung des ständigen Aus­schusses voran. Den Jahresbericht erstattete der Präsident Reicl>stagsabg. Schrader. Tarin nimmt der Vorstand Stellung zu den kirchlichenFällen" des letzten Jahres. Aus dem 5raiscnberick)t ergibt sich ein bedeutender Zuwachs von Mitgliedern. Im weiteren Verlaufe wurden noch Fragen der Organisation besprochen, die aber nur inneres Interesse haben.

Tie Nachmitt agsverhandlmig eröffnete unter dem Vor­sitz des Sektionsleiters Tr. Schmidt ein Vortrag des Ober­lehrers D. E. Preutschen- T-arm stad t überDie Not­lage des modernen Religionslehrers". Seinen Ausführungen lagen folgende Thesen zugrunde:

1. Religion ist persönliches Leben und ihre Gewißheit be­ruht aus der subjektiven Erfahrung von ihrer befreienden Kraft. 2. Persönliches Leben läßt fick nicht lehren und eine subjektive Erfahrung nid# künstlich erzeugen. 3. Aus diesen Erkenntnissen ergibt sich die Notlage des nivderncn Rcligionslehrcrs; denn die Lehrpläne, nach denen der Unterricht zu gestalten ist, und die Behörden, b eitert die Aussicht über den Unterricht obliegt, folgen häufig einem überwundenen Begriff von dem, was das Wesen der Religion ausmacht, und in vielen Familien herrscht ebensowenig Klarheit darüber. 4. Aus dieser Situation cntstcl-en sortwahrende Konflikte für den Lehrer, dem cs um die Heraus­bildung wirklich religiöser Charaktere zu tun ist. Mit dieser Notlage gilt es sich abzufinden. 5. Die Uebcrwindung der vor- ^ndenen Schwierigkeiten darf nicht mit einem Opfer des Vorstandes und nicht mit einer Zerstörung des Ge- wisisens erkauft werden. Das ist möglich a) lvenn man die auch im Dogma vorhandenen religiösen Kräfte anerkennt und von ihnen ausgehend wcitcrbaut, b) wenn man den Religionsunter­richt aus seiner Isolierung löst und zu dem gesäurten geistigen Leben unserer Zeit in Beziehung setzt. 6. Dieser Aufgabe kann der Unterricht allerdings nur dann gereckt werden, wenn der Religionslchrer nicht nur über die erforderliche historische Bild­ung verfügt, die ihn die Vergangenheit mit den ilw ejgentüm- lidycn Maßstäben messen lehrt, sondern wenn er auch die im geistigen Leben unserer Zett wirksamen Krästc erkennt. Das; er persönlich religiöse Erfahrung besitzt, ist dabei eine selbstoerstünd- liche Voraussetzung. 7. Bor allem aber must der ©dritter von dem Lehrer den Eindruck unbedingter Wahrhaftigkeit empfangen. Diese Wahrhaftigkeit darf sich nickt im Zerstören, sondern sic must sich im Aufbauen bcivähren. 8. Nur da, wo mit zartem Takt das vorhandene, aber falsch begründete religiöse Leben bewahrt, von den Schlacken gereinigt und zu neuer Sicherheit ge­führt wird, ist das Ziel, religiöse Persönlichkeiten zu erziehen, erreichbar.

An der sich anschließenden T-isknfsion beteiligten sich Pfarrer Ranpp-Mundingen (Baden), P. Ladendorf-Harnbnrg, Pfarrer Gcrmper-Dresden und Chefredakteur Wolf-Straß- Dnrg, der unter lebhaftem Beifall namentlich Freil)eit des tlreligionsamterrichts auch an der Volksschule int Interesse des Unterrichts und der Lehrer forderte.' Weiter sprachen Präsident Schrader, Rektor BackeS-Tarrnstadt und Pastor t Fischer-Berlin. Lic. Wie^landt^Heidelberg satzte das Er- ,;ebnis der Forderung in den Sätzen zusammen: Tie Ver­sammlung verwirft jeden mechanischen Betrieb des Reli- jgionsunterrichts, fordert pädagogische Modernisierung der Lehrbücher und endlich religiöse Feinfühligkeit in der obli­gatorischen Beaufsichtigung des Religionsunterrichts.

Am Wend fand eine öffentliche Versammlung statt, die Rektor Backes-Darmstadt eröffnete. Wenn auch in Hessen Mastregelungen von freigesinnten Geistlichen reicht zu verzeichnen seien, wie bedauerlicherweise in an- bereu deutschen Gauen, so müsse doch umso nachdrücklicher hie Mahnung ertönen, auf der Wacht zu stehen, daß die '.irchliche Orthodoxie nicht zur Allmacht gelangt. Stadt­pfarrer D. Brückner-zvarlsruhe referierte zunächst über Das so genannte apostolische Glaubensbe­kenntnis in seinem Verhältnis zum neuen Testament und zum Protestantismus". Tie Kon- sirmation stützt sich auf das Apostolikum. Jetzt sind die ^.Konfirmanden 14 Jahre alt, wo sie das alles glauben. Wenn sie IG Jahre alt werden, haben sie diesen Glauben nicht iwehr, da sie in der Erkenntnis weitergegangen sind. Ver­sucht der Pfarrer nun ihnen eine allegorische Auslegung »u geben, so versütidigt er sich. TaS Apoftolilnm steht dem Religionsunterricht entgegen. In Brenren, Hamburg uflv. hat man es nicht mehr. In Baden ist den Geistlichen eine gewisse Freiheit gestattet. TaS bleibt aber eine Halbheit. Tas Llpostolikum steht der modernen Weltanschauung ent* gegen; so die Jung fronen gebürt, .Höllenfahrt, Auferstehung des toten Leibes, Himmelfahrt. Auch auf orthodoxer Seite iHt es eine ausgemachte ^sache, daß die Sage von der (Entstehung des Apostolikums, der apostolische Ursprung eine Geschichtsfälschung darstellr. Das Älpostolitum steht nicht mit. dem Neuen Testament int Einklang. So namentlich hinsichtlich der Sungfraucmjeburt, von der weder Markus noch Paulus etwas zu berichten wissen. Ganz ebenso liegt es bei der Himmelfahrt. Ter Christus des Llpostolikums ist ein über die Splstire des Mensck>enlebens gestellter. Mit d»em biblischen Christus stimmt er nicht überein. Es gibt acker nicht nur e i n enbibtischen Christus. Ter fortschreitende Vergöttlichungsprozeß Christi hat int Apostolikum seinen Ausdruck gesunden. Es geht also von Tatsachen aus, von denen wir wissen, daß sie nie geschehen sind. Sodann macht e-s die Kirche zu einer alleinseligmachenden Kirche. Das ist aber nicht die Auffassung des Protestantismus von der Lärche. Ter 19. April ist in der Geschichte des Protestantis- inus ein denkwürdiger Tag; am 19. April 1529 erfolgte tne Protestation zu Spel-er. Zn diesem Gedanken, zur Ge­wissensfreiheit, steht das Apostolikum im Widerspruch. (Leb- yiLfter Beifall.)

UeberTie protestantische Kirche Deutsch­lands und d i e G e m e i n d e f r e i h e i t" sprach Pfarrer Camper-Dresden. Kirchenregiment ist der größte Hemm­schuh rür die Entfaltung religiösen Lebens. Tiefes System ^arschuldet auch den Austritt so vieler aus den protestan­

tischen Kirchen. Römische Unduldsamkeit fei, wie Professor Lehmann-Hohenberg sagte, auch bei den Protestanten zu finden. Tie Kirche soll aber nicht eine Anstalt fein, ui der man glauben und gehorchen muß, sondern eine Gemein­schaft. Tas freiere Verhältnis zwischen Kirche und Staat, wie es jetzt in Frankreich gesck>affen worden ist, wird sich auch in Deutschland Bahn brechen, trotz eines preußischen Schulgesetzentwurfs wird fich daS deutsche Volk keine kirch­liche Schulaufsicht und Beeinflussung auf die Tauer gefallen lassen. Tas Ziel muß sein, die Staatstirche in eine Volks­kirche umzubilden. Jeder Gemeinde muß volle Frecheit gegenüber der Kirche gegeben werden; vor allem solle weiter die Abschaffung der Patronate gefordert werden. Unter den Wegen zur Beseitigung der jetzigen Gewissensnot in der Synode zeichnet Redner aucy die Gesamtaklion, den Aus­tritt von Gemeinden aus der Laaidcskirche. (Beifall.)

Ten <Ählußvvrtrag hielt Pros. Dr. jur. Geffken - Köln überDie Bewegung der Freunde evan­gelischer Freiheit im Rheinland und W e st - salen". Ter Redner schilderte die schnelle Entwicklung der freiheitlichen Anschauungen in der evangelischen Kirche in den Rheinlanden und besprach dann ausführlicher die Anaelegenheit der Nichtbestätigung des Pfarrers Roemer in Remscheid, gegen welche auch der Kölner Protestanten- verein in entschiedener Weise Stellung genommen habe. Mit einem längeren Schlußwort des Vorsitzenden Abg. Schrader, worin er besonders betonte, daß es das eifrigste Bestreben aller Mitglieder und Freunde des Proteftanten- vereins fein müsse, die Freiheit des evang. Glaubens in Schule, Gemeinde und Staat aufrecht zu erhalten und zu erweitern, schloß die Sitzung gegen 11 Uhr abends. Die Fortsetzung der Sektionsverhandlungen erfolgt morgen vor­mittag 10 Uhr.

HolitSsche Sttgesfebcitt.

Die neuen Stenerdebatten.

In den parlamentarischen Erörterungen über die Reichs­finanzreform haben sich die Vertreter der Einzel- staaten bisher nur in geringem Maße beteiligt. Auch in der Kommission. Es war ja wohl auch angebracht, zunächst einmal abzuwarten, welches Programm die Steuerkommission zusammenstellen würde, nachdem sie sich für die eigene Initiative entschieden hatte. Die bevorstehende zweite und mehr noch die dritte Lesung der Steueroorlagen dürfte aber die Vertreter der Einzelstaaten im Treffen sehen, denn mittlerweile haben die Regierungen der letzteren zu den Be­schlüssen der Steuerkommission Stellung genommen. Das Plenum des Reichstags wiederum muß in Kenntnis gesetzt werden über die Entscheidung des Bundesrats zu den ein­zelnen Kommissionsbeschluffen, um seinerseits einen 23er- ständigungsversuch bis zur dritten Lesung vorzubereiten. Ueberraschungen sind bei den Finanzreformdebatten keines­wegs ausgeschloffen, sie können ebensowohl vom Bundesrats­tisch aus erfolgen, wie von Seiten der Parteien. Es wird auch an unerwarteten namentlichen Abstimmungen nicht fehlen. Kurz: der intereffantere Teil des großen Gesetzgebungs­werks geht jetzt in Szene.

*

Deutschland und Italien.

Die neuesten Meldungen lassen im allgemeinen erkennen, daß sich in Italien gewichtige Stimmen erheben, welche für eine Aufrechterhaltung guter Beziehungen zu Deutschland und ein Verbleiben ihres Landes im Dreibünde eintreten. Mehrere besonnene italienische Blätter haben, wie wir schon mitteilten, behauptet, daß das Ver­halten Italiens in AlgeeiraS nicht gegen die Bündnispflichten der italienischen Regierung gegenüber Deutschland verstoßen habe und daß demgemäß auch eine ernstliche Verstimmung zwischen den Kabinetten nicht bestehen könne. In maßgebenden deutschen diplomatischen Kreisen soll man jedoch anderer Ans icht sein. Man glaubt in Berlin sicher zu sein, daß Italien tatsächlich vor Beginn der Verhandlungen in Algeciras sich durch geheime Abnlachungen mit Frankreich die Hände gebunden hatte. Dies läßt mit Recht die Vermutung erstehen, daß die italienische Re­gierung, die sich den französischen Forderungen gegenüber den deutschen in den meisten Fällen anschließen mußte, dies auf die Gefahr hin tat, die Beziehungen zu Deutsch­land »zu schädigen. Danach scheint man also in Rom kein großes Gewicht mehr auf die Aufrechterhaltung eines besonders freundschaftlichen Verhältnisses zu Deutschland, daS sich schon aus den Bündnispflichten zivischen beiden Staaten ergibt, zu legen.________

Ausland.

Stockholm, 19. April. Die Regierung brachte im Reichstage einen Gesetzentwurf ein, betreffend die Einführung einer Stempelsteuer beim Karls oder Tausch von Grrlnd stücken, ferner die Einführung einer Stempelsteuer auf Bankaktien und andere Aktien. Der Ertrag der neuen Steuer wird auf 1 653 000 Kronen veranschlagt.

Paris, 19. April. Rach einer Meldung derAgence Havas" aus Tanger haben die Lerite Raisulis am Abend des 17. April zwei Notabeln am Andscherastamme er­schossen. Man glaubt, daß cs zu Rcpreffalien kommt.

Peking, . 19. April. Gelegentlich der gestrigen Ab­schieds-Audienz bei der Kaiserin-Mutter und dem Kaiser betonte Baron Mumm die bestehende Zunahme der gegen- . eiligen guten Bezieh ringen zwischen China und dem : Deutschen Reiche. Die Zurückziehung der deutschen Bc- : satzungStruppen sei die Folge des vollen Vertrauens > des Deutschen Kaisers in die Politik derKaiserin- Mutter. Die Kaiserin erwiderte, daß das Vertrauen ' der beiden Länder zueinander sichtbare Fortschritte gemacht ; habe Tank den Bestrebungen des deutschen Vertreters. i

lurcbc und Schule.

Mein künftiger Beruf! Unter diesem Titel er­scheinen in C. Bange's Verlag, Leipzig, praktische Anleitungen zur BerufSivahl. Heft 6 enthält: Die Lehrerin. In diesem Büchlein wird zunächst die Art des LehrerinnenberufeS be­sprochen, dann roerden die Voraussetzungen fürs Lehramt - erörtert, wonach die Ausbildung zrir Lehrerin, die Prüfungen für Lehrerinnen verschiedener Unterrichtszweige Erläuterung erfahren. Es werben die Institute zur Ausbildung von Lehrerinnen angegeben und schließlich folgt eine Charakteristik des Lehrerinnenlebens. Somit enthält das Büchlein, daß nur 50 Pfge. kostet, alles Wissenswerte für jene Frauen, welche sich dem Lehrerinnenberufe widmen wollen.

lieber Die Bergiftungdaffürc t« Mainz die gestern telegr. berichtet wurde, entnehmen wir dem ,3)1. Tgbl." folgende Einzelheiten:

Die Witwe des vor wenigen Monaten gestorbenen Weingroß- hänblers H'arl Stocker, die hier auf der Kaiserstraße mit ihrer 12 Jahre alten Tochter und Bedienung n>olmt, hatte zu Ostern den Besuch ihres Bruders, des Direktors Gutmann von der Dresdener Bank in Nürnberg, erhalten. Mit Tirellor Gut­mann waren seine 32 Jahre alte Frau und seine beiden 7 und 8 Jahre alten Töchterchen gekommen. Zum Mittagessen am Ostersonntag gab es u. a. and) Salm mit Ma jonaiso, Nach dem Genuß dieser Speise stellte sich bei den Leuten heftiges Unwohlsein unb bei der Tochter der Frau Stocker Erbrechen ein. Der Sduvtiger der Frau Stocker, Dr. Metzger, erkannte sofort, daß Vergiftung vorlag und zog nocki vier weitere Aerzte zur Hilfe lstnzu. Inzwischen waren Di- rekwr Gitlmann, seine Frau und seine Töchter, ebenso die Tocktcr der Frau Stocker bewußtlos geworden. Man suchte oer furcht­baren Gefahr durch heiße Bäder zu begegnen, durch die die Er- frmtftcn zu starkem Schwitzen gebracht werden sollten. Auch gab man ihnen Brechmittel ein, leider nur mit schtvnchcm ErfÄg. Ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, starb gestern das 8 Jahre alte Töchterckem Roch in der Nacht erlöste dann der Tod die 32 Jahre alte Frau Gutmann von ihrem sck>wcren Leiden und heute früh verschied auch Herr Direktor Gutmann, ebenfalls ohne wieder zum Bewußtsein gekommen zu sein. Das zweite Töchterchen liegt lecker immer noch hoffnungslos und ohne Besinnung darnieder. Die Tochter der Frau Stocker, die, wie bereits erwähnt, sofort nach dem Essen von ErbreckM befallen morben war, befindet sich glücklicher­weise auf dem Mge der Besserung. Ansck>ernend hat sie also die verhängnisvolle Speist nodj rechtzeitig wieder von sich geben können. Frau Stocker hat zufällig, wie man glaubt, von der Speise nicht gegossen, sic befand sid) daher bis gestern vollständig wohl, ist jedock) jetzt ebenfalls erkrankt, wohl nur infolge der furchtbaren Aufregung. Die Staatsanwaltschaft ließ sofort die Speisereste bcschlagnachnen und ordnete die ge­richtliche Obduktion der Leichen an. Festgestellt ist, daß die Fisck)-' konscrven bereits einige Tage vor dem Gebrauch gekauft waren und wahrscheinlick aiuck> geöffnet worden sind. Natürlich waren sie dann bei der sckwülen Gewittertenrperatur dem Verderben aufgesetzt- Die Teilnahme mit der von einem so überaus schweren Scksicksal betroffenen Familie ist bei der Bevölkerinig allgemein.

Nach dem Polizeibericht steht der Fall vereinzelt da und cd liegt kein Grund zur Beunruhigung dec- Publi- ^iiin? vor. _____________________________

Ans Stadt und Land.

Gießen, den 20. April 1906.

** 168 Automobil-Omnibusse werden im Laufe des Sommers nächsten Jtrhres in Berlin in Betrieb ge­setzt. Tie Allgemeine Berliner Omnibusgesellschaft hat sic bereits in Bestellung gegeben. Bereits geliefert sind 14 Wagen und es kommen in den nächsten Monaten je 48 Wagen zur Ablieferung, später werden dann monatlich 10 biS 15 Wagen hcrgeftellt. Tiefe Wagen werden sämtlich, in derselben Fabrik gebaut, deren Leistungsfähigkeit auf diesem Gebiete durch einen derartigen Auftrag fast gatu in Anspruch genommen wird. Uns will immer iwd) scheinen, daß auch für uns in Gießen die LotälverLchrs- frage durch den Automobil-Omnibus, von dem wir bereits früher gesprochen haben, besser und billiger gelöst würde als durch eine viel teuerere elektrische Straßenbahn.

Laubach, 18. 21prit. Gestern nachmittag ver­sammelte sich zur seierllchen Grundsteinlegung der im Bau begriffenen FriedhofSkap eile eine zahlreiche Fest- Versammlung. U. a. waren erschienen Geh. Regierungsrat Schönfeld und Dekan Münch von Schotten, von hier die Gräfin-Mutter mit ihren 2 ältesten Söhnen, die Vertreter der Kirchengemeinde und der Stadtvorstand. Pfarrer Nebel legte die Entstehungsgeschichte des Bauprojekts dar. Bereits 1626 war auf den, alten Friedhöfe eine Kapelle au9 Holz errichtet worden, die bis 1846 gestanden hat, in welchem Jahre sie wegen Bausälligkell niedergelegt wurde, nachdem die Renovierung durch Gemeinderatsbeschluß abgelehnt worden war. In den letzten Jahren hat das .Fehlen eines Schurz gewährenden Raumes bei Beerdigungen sich immer mehr als ein Mißstand empfunden werden müssen. Mit Freuden kann es begrüßt werden, daß durch Schenkungen ein Betrag von nahezu 10000 Mk. zusammengekommen ist, durch die Stadt die erforoerlichen sttohmaterialien wie Stämme unb Holz umsonst geliefert werden; hierdurch ist die erforderliche Bau- ümine beinahe gedeckt. Eine bei den Stadtbewohnern uer- anflaltete Sammlung hat ungefähr 600 Mk., seitens aus­wärtiger früherer Laubacher 700 Mk. ergeben; beide Summen werden die Kosten der inneren Ausschmückung decken, außer­dem sind verschiedene geumlte Fenster gestiftet worden. Rach dem Verlesen der Urkunde, die in eine Kapsel eingelaffen ist, wurde sie cingemauert und die erschienenen Vertreter der Be­hörden begleiteten ihre Wciheworte religiösen Inhalts durch Hammerschläge. Einer Ansprache des Dekans Münch folgte das Schlußgebet des 2. Stadtpfarrers Volp hier. Die weihevolle Feier wurde verschönt durch Gesänge der' ersten Stadtschulklasse und des Kirchenchors.

U Aus dem Ohmtale, 18. April. In unmittelbarer Nähe von Schwemsberg wurde auf der rechten Seite der Ohm eine 50 Morgen große Viesenfläche zu einer Jung- vi eh weide eingerichtet. Bis jetzt sind schon 30 Rinder zur Weide bis zum Spätherbst angemeldet.