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Rubrik ftefcnben Artikel
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H o h e n s a l z a, 21. Sept. Tas Kriegsgericht verurteilte unter Aushebung der schweren Strafen der ersten Instatzz von den vier Soldaten des 140. Regiments, welche zu Pfingsten eine Prostituierte e r st o ch e n hatten, die Soldaten Kannig und Weitenhagen zu je zwei Jahren und einer Woche, die Soldaten Könnecle i^d^Sch wenn eck an je vier Monaten und einer Woche Gefängnis.
Tas ist sehr fein und verhalten geschildert. Ter vernichtende Sinn des Opfers, er teirb zu dem befruchtenden und fruchtbaren Geiste des Wirkens, er wird zur Positivität der Lebensführung, zu nutzbaren Werten, zur Nntzbringung des Lebens geführt. Und Benedetto geht seinen Weg. Ter Abt verweist ihn aus Santa Scolastica und schickt ihn nach dem benachbarten Jennc. Er lebt hier abseits von der Welt in Gebet und Arbeit, in Entbehrung und Wohltätigkeit. Man glaubt so an ihn, daß man an seine Wunderrraft glaubt — und man klagt ihn an, wo sie nicht wirkt. Die Iü- triguc, die Verleumdung, die falsche Pfaffheit ist hinter ihm her. Er bewahrt seine Demut vor seinem Vorbilde, Christus, er geht dem Vergleiche mit seinem Wirken und Leben aus dem Wege, er lehnt die Bezeichnung „der Heilige" ab, aber er läßt sich hinreißen von dem Gefühl ferner Sendung, von der Glut seiner Ucberzeugung, von dem Feuer seiner altes erfassenden und alles umfassenden Liebe. Es treibt ihn nach Rom — und er geht nach Rom, wohin ihm der Ruf eines Heiligen vorausgcgangcn. „Ter Heilige von Ienne", der das Volk entzündet. Wohin aber auch die Verleumdung folgt. Wohin die Jntrigue schon ihre Fäden gesponnen, wo die Anklage schon vorbereitet ist, und Porter wider Partei steht, Interesse der Einzelnen entgegen den Interessen des Ganzen. Und Benedetto kommt zum Papst. Eine prachtvolle Szene, die Pius X. in ein eigenes Licht rückt; voller Intimität, voller Begeisterung, voller Freimut die Schilderung. „Tie ganze Priesterpartei, heiliger Vater, — sagt Benedetto — ja sogar alle religiösen Männer, die heute den fortschrittlichen Katholizismus bekämpfen, würden in gutem Glauben, in Mofes' Namen, Christus haben kreuzigen lassen. Sie sind Fanatiker der Vergangenheit; sie möchten alles in der Kirche unveränderlich haben bis aus die Formen der päpstlichen Sprache, bis auf die Palmenwedel, die dem priesterlichen Herzen Eurer Heiligkeit widerstreben, bis auf die sinnlosen Traditionen, die es einem Kardinal verbieten, zu Fuß aULzugehen, und es skandalös finden würden, wenn er die Armen in ihren Häusern aussuchte." — „Ich bin ein armer Schulmeister", — erwidert ihm der Papst, — „der unter siebzig Schülern zwanzig hat, die untermittelmäßig sind, vierzig mittelmäßige und nur zehn gute. Er kann seine Schule nicht einzig nach diesen zehn guten richten, und ebensowenig kann ich die Kirche nicht nach Dir und denen, die Dir gleichen, richten."
Benedetto wagt hier noch die besondere Tat, der Indexkongregation die Bücher Selvas zu entreißen. „Die Kirche duldet Tausende von dummen asketischen Büchern, die die Idee Gottes im menschlichen Geist unwürdig verkleinern; möge sie doch diese nicht verdammen, die sie vergrößern!" Gegen diese Szene beim Papst fällt die bei dem Polizei- kommandantcn und dem Minister etwas ab, übrigens die einzige des Werkes, die weniger packt. Aber cs fallen gute Bemerkungen: „Man sagt mir, daß Sie ein freidenkender Katholik sind. Tas heißt einfach, daß Sie kein Katholik sind", sagt der Polizeimcister. Und was Vene- )etto empfand: „Welch schamloses, geheimes Buhlen zwi- chen diesen Leuten der Kirche niib denen des Staates, die einander hassen, einander verachten!" — Drei Tage haben Sie Zeit, um Rom zu verlassen", mit diesen Worten entläßt ihn der Polizcimeistcr. Kirchtiche und Polizeigewalt wissen die verborgenen Wege zu finden und die versteckten Gänge zu graben, in die ein unbequemer Eiferer verschwinden muß, wenn es im Namen Gottes oder des Gesetzes
Nrdda, 20. Sept. Es ist eine merkwürdige Geschichte: Voriges Jahr, nid die Fleischpreise z u steigen ansmgen, schrie und lärmte alle Welt — heute, wo sie noch immer steigen unb schließlich manchem Familienvater mittleren Standes den Fleischgenuß fast unmöglich machen, ist es ziemlich ruhig. Und doch kann es so nicht weitergehen, daß immer höheres Steigen eintritt. Von einem Metzger, der dieses Steigen ankündigte, wurde mir nv.f meine Anfrage nach der Ursache die Antwort: Wir können kein V ie h m e hr von den Bauern bekommen und^ müssen uns mit unserem Bezug n a dj größerer. Stabten ro c n b c n, deshalb müs- cn mir höhere Preise nehmen. Warum aber rücken die Bauern kein Vieh heraus? Weil ihnen die Preise gefallen und ie sie noch höher wünschen: weil sie Futter die Menge haben und den Vieb'iand vermeh-en können. — Nun eine andere
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notwendig erscheint. Zum letzten erprobt sich noch die Anhänglichkeit des Volkes an den Heiligen — wie er stirbt. Er hat Seelen gewonnen — und er hat sein Leben durch seine Bekenntnis und seine Tat verklärt. Er hat das J'accuse! Zolas hinausgerufen — er hat prophezeit, daß die „Wahrheit unterwegs" ist. Unb die Wahrheit, die unterwegs ist, ist nicht mehr aufzuhalten, auf tvelchem Gebiete es auch sei. Die Wahrheit ist immer siegreich — das ist ihr höchster Sinn, der Sinn des Vertrauens, über allen Aufenthalt, über allen Rückschritt, über — und das ifr das Wichtigste — über alle Gegenwart hinaus! Tenn die Wahrheit, das ist immer und überall die Zukunft! Ihr wollen wir leben! Aber wahrhaft leben! Das ist die Predigt des „Heiligen", das ist seine Verheißung, das ist sein Beispiel! Für den Katholizismus? Was will das heißen? Warum wollen wir unser Leben zerschneiden in Spezies, um die Gültigkeiteu großer Ideen anzweifeln zu können! Was für ein Gebiet es sei — der Wert der; Wahrheit bleibt der gleiche.
Ter Katholizismus könnte ein literarisches Kunstwerk geschaffen und gewonnen haben. Er hat cs abgelehnt. Wehe, wenn heute einer der großen Renaissancekünstler käme! Michel Angelo und die Pfaffheit! Ironie der Götter! Ter Künstler braucht Weite, braucht Bewegung, braucht Ent- lviülung. Ter Katholizismus hat sie den Großen gelassen, die er für sich reklamiert. Tas war, wie er noch Weite in sich hatte, wie die Macht der Zeit und der Geist des Lebens ihn weiteten. Ta er, herrschend, den schöneren Beruf hatte, beherrscht zu sein. Herrschend ist er auch in diesem Werke des Fogazzaro, denn wenn man sogar die Freiheitsideen hier für sich zusammen nähme, es käme Katholizismus heraus — aber er läßt sich nicht von ihm beherrschen. Er setzt cs auf den Index. Ter Roman ist durchdrungen und durchtränkt vom Katholizismus, von seiner Idealität und Ursprünglichkeit, aber er ist kein kirchlicher, er ein freiheitlicher! „Ter Heilige" ist ein Iwei- heitswerk — begrüßen wir es, nehmen wir es als solches auf! Es ist ein Kunstwerk! Ein Tcndenzwerk? Ja auch! SIBcr die künstlerische Kraft, die dichterische Persönlichkeit, reicht auch aus für. die Tendenz. Und darauf kommt's 3iurr ,a,.n' ow artistischen Impotenzen mit ihrer gepflegten und behüteten Schöngeistigkeit dürfen beruhigt sein Freilich eines: das Werk ist ganz und gar italienisch. Es nährt sich ganz und gar in Italien — es ist romanisch seiner ganzen Art nach Es hat daher seine glänzende, hinreißende oeredtsamkeit, dre Pracht der Tarstellung, den Schwung und die Grazie der Kraft. Es hat Kultur — es hat diese s^o^rPrde Kultur der Lebensbeherrschung in seinen Wirk- lichreitsschitderungen unb in seiner Jdeenaussprache — die stuidierenee Kultur der Schönheit, die ihrer Wahrheit keine Gewalt anzutun braucht. Und diese Kultur strömt dem Dichter sowohl ans seinem Volke, als auch aus dem Katholizismus zu. y
Man sagt mir, daß man den „Heiligen" mit „Hrlliqenlei" verglichen habe, ihm gleichgestellt habe. Nun, „Hilligen-
Ift eine Wassersuppe, der „Heilige" ist ein c “ e.,r £ 11 k- Frenssen ist ein Macher, der seinen kalten
Protestantismus höchstens zur Predigt aufzuwärmen ver- 'Ohr — Fogazzaro ist ein Dichter, der von Gluten erfüllt ist. Bei ^renssen wird alles spekulativ, Fogazzaro hat das, was die Franzosen „le grand soufste" nennen — pathetische Unmitleloarkert. Wilhelm Holzamer,
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Die katholische Kirche hat Antonio Fogazzaros Vornan „Jl santo" — „Der Heilige"*) auf Grund seiner Reformideen auf den Index gesetzt.
. . . Aber trotzdem lebt ein katholischer Geist, ein Geist !wahrhaft religiöser Empfindung, ein Geist positiv sich betätigenden Christentums. Vom positiven Kirchengeist ist er ihielt entfernt, dafür empfindet er das Reformatorische, ;ba§ Revolutionäre, das Unwürdige der Gegenwart zu stark, !dazu fühlt er zu mächtig fein Zukunftsziel: wieder ein iLebenssaktor zu werden, das Leben ivieder mit dem.Geiste öer Religiosität, der katholischen Christlichkeit zu durchdringen. Hier setzt Fogazzaros „Heiliger" ein; da ist der alte Giovanni Selva, der Kirchenkritiker, der ganz vom 'Katholizismus durchdrungen ist und nicht nur ein Theoretiker, sondern ein Verwirklicher ist. Und bei ihm - draußen im Tale der Aniene, nahe bei der Klostergründung des heiligen Benedikt, — die Beratung in abendlicher Stunde, iwas zu tun sei, um die Kirche zu einem wahren Lebendig- sem wieder zu erwecken. „Wir sind eine Anzahl Katholiken tin Italien und außerhalb Italiens, Geistliche und Laien, hie eine Reform der Kirche erstreben. Wir wollen 'diese Reform ohne Empörungen, durch die gesetzmäßige Autorität herbeigeführt sehen. Wir wünschen Reformen des ^Religionsunterrichtes, Reformen des Kultus, Reformen der ^Disziplin des Klerus, ja auch Reformen des höchsten kirchlichen Regiments." Und hier fällt das Wort: „Ist unter ^uch ein Heiliger? Oder wißt Ihr, wo Ihr ihn hernehmcn könnt? Nehmt ihn und stellt ihn ins Vorbertrefsen!" Das Wort ist in spöttischem Sinne gemeint, aber der Heilige .existiert. Don Clemente, der edle, selbstlose junge Pater — -vielleicht selbst ein Heiliger, oder einer, der es sein könnte — hat ihn mitgebracht. Es ist Benedetto, der Gärtnerbursche Sn Santa Scolastica, der draußen wartet. Aber die Versammlung erfährt nichts von ihm. In der stürmischen Nacht, die dieser Unterredung gefolgt ist, eröffnet sich Benedetto dem Pater. Benedetto ist ein Asket, ein Büßer. Er büßt für fein vergangenes Leben, er büßt für feine sündige Liebe. Unb er hat sich ganz der Liebe bes Herrn gegeben, unb t— er verwirklicht auch ganz diese Liebe zum Herrn. Mehr ist nicht nötig, „ein Heiliger zu fein. Das Durchdrungen sein öon der Frömmigkeit, das Erfülltsein von einem höheren Sinn, das Erfülltsein von seiner Idee und Sendung, der Glaube an seiner Berufung und der Mut unb die Konse-
Tenn was ist das, was die anderen haben, das Wort? Tas Wort ist ein fliegender Pfeil, der sich im Leeren verliert. Die Tat bezwingt die Welt und stellt sich den Menschen voraus und zieht ihnen voran auf irren Wegen und führt zur Klarheit und Wahrheit. Tenn was ist ein Kleid, in das sich die Schwächen und Eitelkeiten der Menschen hüllen; aber die Tat ist das Wesen und der Kern, ist die Wahrheit. Hier setzt im Heiligen die positive, zusammenfassende Kraft des katho- ^Ichen Geistes ein und zeigt und bewährt sich an Benedetto. L überwindet seine Liebe zu Jeanne Tessallc, die am gbenb zu den Selvas gekommen ist unb die er beim Ein- tritt in das Haus wiebergesehen. Mehr — er führt sie in seinem Verzicht zum Werke, zur Werktätigkeit an den Menschen. Er fuhrt Noemi, ihre Freundin, zum Glauben.
*) Deutsch von M. Gagliardi, verlegt bei Georg Müller München. '
b schöne Zwuu.
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doch etwas belebt und zogen diese kräftig an. Für am e rrkan. S h a v e s , wie : Baltimore unb Pennsylvania herrscht andauernd gute Meinung, wenn auch vorübcrgehenb Rcalisirungen stattfinben. Man erwartet für Harvener Bergbau und Laurahütte günstige Jabresabschlüsse, daher sind auch die Tividendenschätzimgen über vorjährige hinauSschießend. Ob hier nicht der Wunsch Pater des Gedankens ist? —1 Ger>"'ckite über eine zu gründende Ostasiatische neue Dmnpsschiffs-Gcs. als Konkurrenz gegen Hamburg-Packet wurden dementiert. Beide Deutsche Gesellschaften, Packet und Lloyd fest. Aus Rußland fehlen Nachrichten, welche geeignet wären, politische Schlüsse zu gewähren, dagegen ist auch sonst Ungünstiges nicht gemeldet worden. Rufs. Renten preishaltend. Türkische Fonds leicht abbröckelnd; jedenfalls auch in Zusammenhang mit der RcichSbankdiskontoerhöhung auf ö %• Bon Indu st r i e ° Aktien W i tteuer Stahl prozentwe'.se gebrückt, auch Seil-Wolk, Klcyer und Höchster etwas schwächer. O e st e r r. K r e d i t a k t i c n preishaltend. Inländische Banken ohne Animo weil die Emisionstätigkcit nun schon seit mehreren Monaten vollständig lahm liegt. Bcrl. Handelsges. steigend, da das Institut ein industrielles Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewanbelt hat. — Privatbiskonto 43/8 °/0.
Märkte.
Gießen, 22. Sept. Marktbericht. Ans heutigemWochenmaikte kostete-.: Butter pr. Psd. 1.10—1.15 Mk., Hühnereier 1 St. 8-9 Big., 2 Stck. 00—00 Pfg., Gänsceier 00—00 Mg., Enteneier 0 Pfg., Käse vr. Stck. 6—8 Pf., Käsenmtte 2 Stck. 5—6 Pfg. Erbsen v. Pstmd 22Pfg., Luisen n. Pfund I2Psg„ Tauben pr.PaarO,80—1,00 Dtk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Ml., ^ähi e pr. Stück 0,80-1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80-2,20 Mk., Gänse ur. Psd. 00-00 Pfg., Ocbscnstcisch pr. Psd. 82—88 Pfg„ Kuh-und Rindfleisch pr. Pfund 80—82 Pfg„ Schiveine- fleisch vr. Pfund 90—100 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 104 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 80—84 Pfg., Hanunelsteisch pr. Pfund 60—80 Pfg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,00—8,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 6,00—0,00 Alk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepsel ver Pfund 15 bis 18 Pfg., in Körben 00 Pid., Nüsse 100 Stück 00—00 Pfg., Birnen per Pid. Mk. 0.00—0.00, per Ztr. 10—15 Mk., Zwetschen per Ztr. 3-3,50 Mk., Weißkraut per Stück 15-20 Pfg., per Zentner Ntk. 0.00-0.00. — Marktzeil 8—2 Uhr.
ke. Frankfurt a. M., 21. Sept. Heu- und Stroh- markt. Man notierte: Heu Mk. 2.90 bis 3.20. Stroh Mk. 2.40 bis Atk. 2.70. Alles per 50 Kilo. Tendenz: Geschäft flau. Die Gründe der Flauheit waren die feuchte Witterung und die jüdischen Feiertage._________
(Für den Inhalt der unter dies
Sache. Seit einiger Zeit geh). Wr bas Ger§3??, die Milch Müsse- von 8 auf 10 Pfennig der Schoppen kommen, in Kürze werde e2 so sein. Warum das? Früher hieß es: Wir haben ?eiir, Futter: jetzt ist Futter da und doch die Lust nach Erhoheni der Milchpreise. Dabei ist doch bei uns kein Zwischenhandek. möglich, dem man sonst alles in die Schuhe schiebt. Es ist eine Versündigung an unserem Vol k, daß man die für Ernährung der Kinder so nötige Nahrung so unbegründet verteuert. Hier hilft nur ein Mittel. Nachdem die, Negierungen die Landwirtschaft so freundlich behandelt, muA sie, sofern die Verteuerung an Fleisch und Milch eine Ungerechtfertigte ist, mit ihrer Freundlichkeit aufhören und die Oeff»j nung d'e r Grenzen ankundigen, daß dann Fleisch Volk! außen bereinlommen kann. In diesem Falle, würden sich doch die Lanowirte besinnen mit ihrem fortwährenden Aufschlagen der. Preise. Wir furchten sonst, daß die Reichstagswahl in 1908 eine schlimme Quittung den Regierungen ausstellen möchte; denn die am meisten Betroffenen, das sind die mittleren Beamten, zumal wenn sie zahlreiche Familie haben, werden nur einem Abgeordneten die Stimme geben, der gegen die Ab.schließung ber Grenzen ist. 4 ___
Eine ständige Knnstgewerbr-Ansstellung in Gießen gegenüber dem atten Schloß.
Ein bedauerlicher Zug unserer Zeit ist das Bestreben eines Teiles des kaufkräftigsten Publikums, seinen Bedarf an Kn.nst- und kuristgewerblichen Gegenständen nur in den Großstädten decken zu wollen. Und doch weisen fast alle, kleineren Städte — besonders auch Gießen — Geschäfte aust die sich hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit recht wohl mit gleichartigen Firmen in den Großstädten messen können., Es ist klar, daß beim Einkauf in Geschäften kleinerer Städte auch ein erheblicher Preisvorteii vom kaufenden Publikum! erzielt wird. Denn die überaus höhen Gefchäftsunkosten, die den großstädtischen Geschäften durch hohe Mieten, Re- llamcausgaben u. dgl. erwachsen, verteuern naturgemäß die Preise. Nehmen wir z. B. die moderne Möbel- und Ausstattungsbranche! Hat man es' nötig, von' Gießen nach der Großstadt zu reisen, um dort 'eine stilvolle Wohnungseinrichtung oder ein kunstvoll gearbeitetes Einzelmöbel zu erstehen? Nein! Wir haben in Gießen leistungsfähige Firmen genug, die den großstädtischen Ge-j schäften mindestens ebenbürtig siM So z. B. die bekannte Möbelfirma Th. Brück am Brandplatz! Sie verkauft nicht« nur alle erdenklichen Möbel und Ausstattungsstücke —, auch auf Teilzahlung —, sondern sie stellt in ihren aus-- gedehnten Fabrikationsräumen auch Möbel her nach eigenem originellen und modernen Entwürfen. ZU den Ausstellungsräumen der Firma werden dem Besucher über 100 vollständige Zimmereinrichtungen in jeder Geschmacksrichtung vor Augen geführt. Der alte Ruf der seit 1858 bestehenden Firma bürgt für beste Lieferung und gewissenhafteste Bedienung. Beweis dafür sind zahlreiche freiwillig abgegebene Anerkennungsschreiben, welche tzie Firma auch über vor langen Jahren gelieferte Ejnrichlungcn aufzuwcisen hat. Hier einige'Proben:
Fran Prof. Z. schreibt: Die für meine Tochter Frau Privat- boc. Dr. E. von Ihnen nach unseren Wünschen angefertigten Wohnungseinrichtungen haben sowohl im Entwurf, wie in der Ausführung u.nfere volle Anerkennung gefunden usw. Reg. unb Oberbaurat W. in Frankfurt: Den Empfang der Möbel bestätige und crlläre, daß bie Ausführung ganz nach meinem Wunsche ausgefallen ist unb meinen vollen Beifall hat usw. Herr Kaufmann H. hier: .Hiermit spreche ich Ihnen meine volle Anerkennung über die von Ihnen für meine Tochter Fran Assessor S. in Dieburg bei Darmstadt gelieferte Ausstattung meiner Tochter aus. Bei Erwiderung der Besuche war jedes entzückt von der geschmackvollen modernen, sowie aedieaencn Einrichtung usw. usw.
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her LouiSville and Nashville-Bahn gemeinsam benutzten Telle des Güterbahnhofcs.
* Vom Taifun in Hongkong. Wie nachträglich bekannt wird, sind allein auf einem Hof während des Taifuns 150 Schüler ums Leben gekommen. Der französ. Marineminister Thomson ist informiert worden, daß der Torpedojäger „Francisque^ wieder flott gemacht worden, daß seine Lage aber noch bedenklich ist. Der Rumpf des „Fronde" ist schwer beschädigt. Das englische Kanonenboot ,König" ist vollständig verloren. Die Leiche des Bischofs von Viktoria ist noch nicht gefunden worden. Ein zweiter Sturm, der jedoch we-niger heftig war, ist vergangene Nacht auSgebrochen. Er dauerte 6 Stunden und hat ebenfalls großen Schaden angerichtet. Laut Nachrichten über Nem- york fielen" dem Taifun außer den im Hafen von Hongkong zerstörten Schiffen etwa 600 Fischerboote zum Opfer, so daß der Verlust an Menschenleben auf 10000 zu schätzen ist.
* Das Erdbeben auf Sizilien. Am 19. und 20. ereigneten sich in Palermo neue Erdstöße, ebenso auch in Trabia unb Termini, wo sie mit besonderer Heftigkeit auftraten. Die meisten Häuser zeigen große Risse unb sind unbewohnbar. Die Bevölkerung beider Orte lagert auf den Feldern. Au§ der Umgebung werden Lebensmittel herbeigeschafft. Der Turm der Kirche von Termini ist ringe st ü r z t, desgleichen die Schule, wobei der S ch u l d i: n e r verschüttet wurde. Das Rathaus droht ebenfalls einzustürzen. Ein Güterzug wurde durch das Erdbeben ins Meer geschlendert. Diebesbanden plündern die ver- laffenen und eingestürzten Häuser. Am 21. dS. wurden in Termini abermals Erdstöße verspürt, die bei der Bevölkerung eine Panik hervorriefen und durch die noch mehr Häuser beschädigt wurden.
Lcrn-LVistSschQft.
fe. AUS b e in Kreise Wetzlar, 21. Sept. Die Zwetschenernte bringt einen kolossalen Ertrag. Leider fallen die Preise. Für auserlesene Ware werden 2,50—3 Mk. bezahlt. Da lohnt sich bei dem Mangel an Arbeitskräften kaum das Pflücken. Es wird außerdem schwer sein, die Ware alle an den Mann zu bringen.
Kassel, 20. Sept. Die landwirschaftliche Berufs- genossensckiafr für Hessen-Nassau veranstaltete in den Jahren 1902—1905 in 29 Kreisen wiederum Rentennacbprümngen. Es wurden 6292 Personen untersucht und darauf 1200 Renten aufgehoben, 1295 vermindert und 11 erhöht. Die Ersparnis an jährlicher Rente belief sich dadurch auf 102 385 Mk., denen ]2293 Mk. Unkosten gegenüberstanden. Gelegentlich der ersten RentenpWung wurden nur 500 Renten ausgehoben. Die Zahl hat sich also ver- doppelt, während die Zahl der untersuchten Personen nur um ein Fünftel gewachsen ist: die Rentenersvaniis ist fast um 31 000 Mk. gestiegen. Der GenossenschastSvorstand hält es bei dieser Sachlage für zweifellos, daß die Rentennachprüfungeii dauernde Einrichtung der Genossenschaft bleiben müssen.______________________________
■ßattöcl rrttd Verkehrt,
Rl. Frankfurter-Börse (W 0 chenbericht.) Die englische Bank hat trotz der dieserhalb gehegten Besürchtung keine weitere Diskonterhöhung Dorgeuommen, aber wie immer vor hohen israelitischen Feiertagen bewegte sich das Geschäft in sehr geringem Umfange. Für den bevorstehenden Ultimo dürfte sich eher Stückmangel Herausstellen, es ist aber kaum ein Rückgang spekulativer Werte zu gewärtigen. Bei Lombard-Aktien bat die Erledigung der Stempelfrage lNachstempeluna mit 20 Pfg.) das Geschäft darin
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