Ausgabe 
22.9.1906 Erstes Blatt
 
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auch' zu erwartenden Erfrischungen Hunderte von Exemplaren ein und derselben Nummer eines Lokalblattes der Kiste entnommen werden, trifft vor allem die'bedauernswerten Mannschaften an Ort und Stelle um so unangenehmer, als sich ein solcher Mißgriff nicht rasch wieder ausgleichen läßt.

Heer und Flotte.

Der Kaiser hat sämtlichen 12 Regimentern des 6. schles. Armeekorps, die den Namen eines Fürsten oder Kriegshelden führen, eme besondere Auszeichnung verliehen. Die Regimenter erhalten eine Büste derjenigen Persönlichkeit, deren Namen sie tragen. Die Büsten sind überlebensgroß in Bronze aüsgeführt und ruhen auf einem Eichensockel.

Liegnitz, 21. Sept. Gegenwärtig werden durch drei Kommissionen die durch das K a i s e r m a n ö v e r verur­sachten Flurschäden festgcstellt. Die Liquidationen er­reichen mitunter eine sehr ansehnliche Höhe; so soll dem Liegn. Tagebl." zufolge ein einziger Besitzer 20 000 Mark Flurschaden liquidiert haben.

Ausland.

Paris, 21. Sept. Aus Tanger wird hierher berichtet, daß Raisuli an Vergiftungs-Erscheinungen leidet. Man nimmt an, daß der Maghzen sich auf diese Weise seiner zu entledigen trachtet.

Die Liga der Action Francaise protestiert in Mauer­anschlägen gegen die Rehabilitierung des Majors Dreyfus und fordert zu Geldsammlungcn auf, um dem General Mercier eine goldene Denkmünze zu stiften.

Bern, 21. Sept. Die diplomatische Konferenz für inter­nationalen Arbeiterschutz erörterte in ihrer heutigen Plenarsitzung den Entwurf zu einer Konvention über das Verbot der Frauennachtarbeit in den industriellen Betrieben, insbesondere die Frage der Ausführung d"r Kon­vention, ihre Dauer und Anwendung. Es wurde kein Beschluß gefaßt, da mehrere Vertreter, auch die deutschen und öster­reichischen, die deshalb der heutigen Beratung fernblieben, erst die Instruktionen ihrer Regierungen abwarten mästen.

Peking, 20. Sept. Auf Anraten von Abgesandten, die den Vizekönig Juanschitai um Rat gefragt haben, ist heute Abend ein Erlaß veröffentlicht worden, durch den der Opiumgenuß für Eingeborene und Fremde nach Ablauf von 10 Jahren gänzlich verboten wird. Ter Erlaß ver­urteilt scharf das Laster des Opiumrauchcns und weist den Staatsrat an, strenge Bestimmungen für die Durchführung des Verbots zu treffen.

politische Cagesschan.

Reform in der Budgetkommisfion.

R. Berlin, 21. Sept.

Durch den Umstand, daß der Abg. Erzbergcr sich bei einer seinerEnthüllungen* auf Mitteilungen bezog, die in der Budgetkommission des Reichstags erfolgt sein sollen, wird die Aufmerksamkeit auf das Reformbedürftige an dieser stärksten Parlamentskommission gelenkt. Sic kommt bciläusig beim Wicderznsammentritt des Reichstags in die Lage, sich einen neuen Vorsitzenden zu wählen, da der letzte, Abg. Gamp, kurz vor der Vertagung der Session sein Amt nicdcrlegte, aus Unmut über den kolonialen Konflikt der Kommissionsmehrheit mit der Negierring. Der Abg. Erz­berger also erklärt, er wiste nicht mehr, von wem in der Budgctkommission die Mitteilungen ausgegangcn seien, auf die er seine Behauvtungen stütze. Ihm wird entgegenge­halten: wenn man solche Nachrichten tendenziös verbreite, mäste man seine Gewährsmänner zur Hand haben und dürfe sich nicht mit seinem schlechten Gedächtnisse entschuldigen. Die Budgetkommission werde nicht umhin können, diese Pflicht Erzberger in geeigneter Weise zu Gemüte zu führen. Es ist allerdings zu erwarten, daß diese Kommission zum Fall Erz­berger Stellung nimmt, denn einmal ist eine derartige außer­parlamentarische Verwertung von Konimissionsdebatten un­gewöhnlich, und dann erscheint eS an der Zeit, daß die Frage der Berichterstattung auS der Kommission in aller Form ge­regelt wird.

Ihre Verhandlungen sind, wie bekannt, nicht öffentlich, eS ist der Presse also die Möglichkeit entzogen, aus eigener Kenntnisnahme zu referieren. Sie war bisher stets ange­wiesen auf Mitteilungen von Mitgliedern der Kommission, und diese Schilderungen konnten naturgeniäß nicht ein durch­aus objektives und erschöpfendes Bild der stundenlangen De­batten wiedergeben, weil es vom jeweiligen Partcistandpunkt des Gewährsmannes aus schattiert war. So ereignete es sich denn wiederholt, daß Mitglieder der Kommission im Reichstag selbst Klage führten über die zuweilen auch im wesentlichen unzutreffende kollegiale Berichterstattung. Da es nun im Reichstag zur Gepflogenheit geworden ist, alle einigermaßen belangreichen Gesetzentwürfe in Kommissionen zu verweisen und damit in diese Abteilungen das Schiver- gcwicht der parlamentarischen Beratung zu verlegen, so er­scheint die Notwendigkeit nachgerade unabweisbar, in einer parlamentsoffiziösen Korrespondenz, die vom stenographischen Bureau hergestellt werden müßte, über die wichtigeren Kom­missionsverhandlungen authentisch Bericht zu erstatten. Jeden­falls aus der Budgetkommission, wo sich in einer Fälle von Einzelheiten bedeutsame Hinweise gar leicht momentan ver­lieren, die dann, wenn sie später alsbeweiskräftig" ins Feld gefährt werden, mindestens in Bezug auf Wortlaut nicht mehr zuverlässig festzustellen sind. Der Fall Erzbcrgcr zeigt das deutlich.

Sämtliche Mitglieder der Budgetkommission würden gewiß und mit Fug die Unterstellung zuräckweisen, als ob sie unter dem Schutz der Jmmuoität sich bcikommen ließen, Unzutreffendes auszusagen zum Nachteil von Personen außer­halb des Parlaments. Gegen die Möglichkeit solcher Miß­deutung schätzt aber lediglich die amtliche Protokollierung des SihungSverlaufs, soweit nicht vertrauliche Erklärungen in Frage kommen, die ja nur vom Regierungstisch aus gegeben werden. Hoffentlich bringt die nächste Session eine Acnderung in diesem Sinne. Der parlamentarischeJugendstil", wie ihn Abg. Erzberger . verkörpert, könnte sonst dem Ansehen des Reichstags abträglich werden.

Aus Staat uns LES.

Gießen, den 22. Sept.

* Uns er Kaiscr Wilhelm - Rcgimcnt wird heute wend zwilchen 8 und 9 Uhr mittels zweier Extrazüge von Die-

Handel

Frankfnrter Börse 22 September, 1.15 Uhr.

W.»

Peichsanlcihe

98.75

W!.

Wh

3% Portugiesen

nr

244.50

Tendenz: ziemlich fest.

Berliner Börse, 22. September. Anfangskurse.

Cauada E. B. . .

131.50

173.40

140.00

240.00

174.00

183.40

158.30

211.00

. 179.25

. 139.90

100.00

94.85

. 8510 . 158.40

Berliner Handels^cs . . Darmstädter Bank . . . Deutsche Bank . . .

Deutsch-Asiat. Bank . . Diskonto-Kommandit. . . Dresdner Bank . . .

Kreditaktien

Baltimore- und Ohio-

Eisenbahn .

Gotthard bähn

Lombard. Eisenbahn . .

Oesterr. Staatsbahn . . . Prince-Henri-Eisenbahn .

. 213.60 . 249.00

. 35.10

. 126.50

. 145.50

Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union 0. Dresdner Bank . .

Tendenz: geteilt.

do. Konsols do. Hessen . . Oberhessen

Harpener Bergwerk Laurahfltte . .

Lombarden E. B.

Nordd. Lloyd . .

Türkenlose ,

Elektriz. Lahmeyer . . . Elektriz. Sehnckert . . . Esch weil er Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg - Amerik. Pakelf. Harpener Bergwerk. . . Laurahütte

69.75

70.70

85.30

93.75

95.30

145.40

54 00 89.75

68.55

97.50

4% Oesterr. Goldrente. . 4/s Oesterr. Silberrente 4 % Ungar. Goldrente . , 4?x Italien. Rente . . . 3% Portugiesen Serie I .

86.50

98.85

86 60

98.25

126.10

192.50

34 80

144.00

145.00

142.00

130.25 250 00

224.70 158 60 214 20

249.00

Arbeiterbewegung.

D i e Arbeitgeber des Baugewerbes in Span- d a n haben die Aussperrung von 50 Prozent der Maurergesellen beschlossen. Anlaß zu dieser Maßregel gaben Streitigkeiten, die zwischen einem Bangeschästsinhuber und den Gesellen entstanden waren.

München-Gladbach, 21. Sept. Die Konfektions­arbeiter beschlossen, unter der Bedingung noch bis morgen auf den Bescheid der Kleiderfabrik'.ntcn zu warten, daß morgen eine gemeinsame Beratung der Fabrikanten und Arbeitervertreter, statlfindet. Wird diele Forderung abgeleLnt, ist der allgemeine Streik im Konfestionsgewe'-be unvermeidlich.

Brüssel, 21. Sept. Die Aussperrung im Weberei- g e w e r b c von Verniers Int 175 Betriebe mit rund 18 000 Arbeitern betroffen. Die Streilkassen der meisten von der Aus­sperrung betroffenen Gewerkschaften besitzen geringe Mittel. Die Färber besitzen einen Betrag von 200 000 Fr.: die Arbeitet geben daher Lebensmittelbons a»s. Die Fabrikbesitzer haben mit verschiedenen Banken belmfS Kreditgewährung N.ebereinkom- men getroffen. Alles spitzt sich auf einen verhängnisvollen und erbitterten Kampf zu. Inzwischen kam es auch in zwei <onh

sc he Kurskerä chte

des Giessener Anzeigers, mit^eteilt von der Bank für und Industrie. Giessen.

Gerrchtssaal.

0 Marburg. 21. Setzt. Wegen Körperverletzung mittödlichem Erfolg standen heute der Metzger und Gast­wirt Fritz Thieme, geboren in Wetz/ar, sowie die Schlosser­gesellen Stephan und Philipp Schmidt, sämtlich aus Trepsa vor der hiesigen Strafkammer. Man legte ihnen zur Last, in der Nacht vom 25. zum 26. Mai d. I. in Treysa, einen wildfremden Menschen namens Steiger, vermutlich aus der Schweiz oder aus Frankreich stammend, so mißhandelt zu haben, daß dcisen Tod die unmittelbare Folge war. An dem Tage, gegen 9 stl-r abends, betrat der seltsam ausschauende Fremde, der kein Wort deutsch verstand, die Thiemesche Wirt­schaft und wünschte auf Empfel^ung des Wachtmeisters Nacht- auartier. Ter Wirt nahm den Fremden auf, der ihm dann zur Verwahrung etwa 500 Franks in Papier übergab. Ms nachts alles im Hause im tiefsten Schlafe lag, bekam der fremde Mann einen Tobsuchtsanfall und machte einen furchtbaren Lärm. Den ihn zur Ruhe mahnenden Wirt und die zur Hülfe eilenden Schlossergesellen bedrohte er mit einem langen Dolchmesser und einem Stuhlbein. Alles Zureden war vergeblich und schließ­lich blieb den Leuten weiter nichts übrig, als den Tobenden zu überwältigen und auf die Wache zu bringen. Dort angelangt, gabs wieder nicht zu beschreibende Szenen und als der Wacht­meister eintrat, erhielt dieser sofort eine Ohrfeige von dem Frem­den. Er wurde dann gesssielt und ins Gefängnis eiuaeliefert, von wo man ihm am nächst en Morgen nach der Krankenanstalt Hephata brachte. Dort angelangt, gab der mit vielen Wunden bedeckte Mann seinen Geist auf. Die drei Angeklagten bestritten wieder­holt, daß sie den Fremden so mißhandelt, sie hätten ihn nnr von sich abgewehrt. Der ärztliche Sachverständige, Kreisarzt Prof. Dr. Hildebrandt-Marburg führte den Tod des Mannes auf durch übermäßigen Mkvholgcnuß hervorgerufene Gehirnstörnngen zu­rück, obgleich die Wunden auch recht lebensgefährlich gewesen seien. Das Gericht kam nach 23m: smung einer ganzen Anzahl Zcngen zu einem freispre.chenden Erkenntnis. Be­merkt sei, daß der mtzsteriöse Fremde, als er mit der Bahn in Treysa ankam, zunächst seine Sachen ans dem Fenster warf nnd dann auf demselben Wege die Eisenbahn verlassen wollte. Ms er abends in die Wirtschaft kam. trug er einen drei Meter langen armsdicken Baumpfahl bei sich.

Dortmund, 22. Sept. Die Strafkammer verurteilte den vcranwortl. Redakteur der Arb.-Ztg. wegen groben Unfugs zu einer Hastprose von drei Wochen. Das Gericht erblickte in einem s?fr~11Tet der 9f-rhrjtey-».pjttmrr über die Maifeier eine Aufreizung.

bürg über Frankfurt auf dem hiesigen Bahnhof eintreffen. Mon­tag werden die alten Mannschaften zur Reserve entlassen.

** Ehrung. Dem Verfasser des vaterländischen Festspieles Deutsche Helden und Turner", Redakteur Ernst Heß, wurde vom Turnverein Gießen eine Standuhr mit entsprechender Wid­mung überreicht. Das Festspiel wurde bekanntlich bei der 60 jähr. Jubelfeier des Turnvereins wiederholt mit gutem Erfolg zur Aufführung gebracht.

** Blinden-Konzert. Im Festsaal (Eafö Leib) findet Anfang Oktober d. I. ein Konzert des blinden Flötisten Rudoll Thies unter Mitwirkung der Overn- und Konzertsängerin Fräu­lein Elsa Groß und anderen bewährten Kräften statt. Ueber den blinden Künstler schreiben diellngsb. N. Nachr." folgendes:

Das Konzert des blinden Tonlünstlers Rudolf Thies, das dieser veranstaltete, erfreute sich trotz der hohcn Temperatur eines sehr zahlreichen Besuches. Der Konzertant des Abends gab drei Tonstücke für Flöte zum Besten. Von allen drei Darbietungen war die Phantasie ausFaust" an sich wohl die gehaltvollste und schönste. Das Konzert hätte überhaupt keinen schöneren Abschluß finden können. Doch wie Herr Thies seine Nummern spielte, das war vollendet und zeigte, daß er ein wirklicher Künstler auf seinem Instrument ist."

Eine Einzcichnungsliste zirkuliert.

* * Militärkonzert. Unsere heute aus dem Manöver znräckkehrende RcgimentSmusik gibt morgen in SteinS Garten ein Konzert mit auSerwähltcm Programm.

** Der Konsumverein Gießen und Umgegend zählt nach dem Geschäftsbericht über das 5. Geschäftsjahr 520 Mitglieder gegen 365 im Vorjahr. Es wurde in dem Haus Asterweg 6, das von dem Verein käuflich erworben wurde, eine zweite Verkaufsstelle eingerichtet. Der Umsatz betrug im Be- richtsjab.' in der Verkaufsstelle Bahnhofsstraße 48000 Mark ''neuen 43 000 Mark im Jahre vorhew und in der Verkaufsstelle Aster weg in den 7 Monaten ihres Begehens 21 000 Mark. Der Umsatz im Lieferantengeschäst war 30 000 Mark. Somit betrug der Gesamtumsatz 100 000 Mark gegen 63 000 Mark im Voriah-r. Die Bilanz vom 30. Juni 1906 eraab in Mtiven und Passiven 62 208,38 Mark; die Gewinn- und Verlustrechnung verzeichnet an Gesch"'tsunko0en 5846,0° M -r*, und an R>uae"siun 8914 47 Mk. 172 Neueintritten von Mitgliedern standen nur 17 Ausscheidungen gegenüber. Die Haftsumme der Mitalieder betrug 15 660 Mk, der Reservefonds belief sich auf 1515,15 Mk., der Spezial- reservesonds auf 187,70 Mk. Ter Aufsichtsrat hat für die am 30 Sept, stattfindende Generalversammlung die Verteilung einer Rückvergütung von 5 Prozent vorgeschlagen (wie im Vorjahr).

* Einen Selbstmordversuch machte gestern atzend in seiner Werksiätte der Bahnhofstraße 15 wohnende Schuh­macher Lepper, indem er sich einen Schuß mittels Revolvers in die Schläfe beibrachte. Der Verletzte wurde in die Klinik gebracht. Die Verletzung ist nicht lebensgefährlich.

* "* Schwindel. Erst kürzlich wurde in Arnheim, wie die Zeitungen berichteten, der Inhaber eines Losgeschäfts verhaftet, der seinen Spielteilnehmersi Anteile an Preußischen Klaffenlotterielosen verkaufte, in Wirklichkeit aber gar keine Lose besaß, und trotzdem wurden jetzt wieder von einer Firma in Utrecht gleiche Anpreisungen durch Massenprospekte ge­macht, die auch, tüie uns mitgeteilt wird, einer hiesigen Zeitung bcilagen. Wir können vor einer derartigen Betei­ligung nur warnen.

** Entgegenkommen gegen die Presse gehört bei den meisten Behörden zu den unbekannten Dingen. Vielfach wird die Presse leider als notwendiges Nebel betrachtet, deren Ver-' treter man nur duldet, um keinen Angriffen ausgesetzt zu sein. Es ist daher erfreulich feststellen zu können, daß die hessischen Be­hörden in dieser Beziehung eine Ausnahme machen. Anläßlich des Umbaues des Schwurgericht-^saales im alten Darmstädter Gerichtsgebäude wurde z. B. auf Anregung eines Journalisten hin, für die Presse ein idealer Verichterstattcrplltz eingerichtet. Früher saßen die Männer der Presse meist im Dunkeln, sahen nichts und hörten auch von der Verhandlung wenig. Diesem Uebel- stand ist nunmehr abgeholfen. Die neuen Plätze entsprechen allen berechtiaten Anforderungen.

* Backfische in Couleur. In Marburg kann man seit einiger Zeit die Selektanerinncn der dortigen höheren Mädchenschulen gleichmäßig im Schmucke dunkelblauer Mützen mit Goldrändern bewundern. Selbstverständlich mußte eine Universitätsstadt bei dieser zeitgemäßen Neuerung mit gutem Beispiel vorangehen.

)(,D u t e n l> o f c n, 21. Sept. Eine Messerstecherei, die leicht recht böse Folgen hätte haben können, ereignete sich in der Nacht vo'.n Sonntag auf den Montag. Mehrere junge Burschen, die des Guten zu viel genommen und den Heimweg nicht finden konnten, gerieten in Streit, warfen sich bei der Gelegenheit mancherlei Liebenswürdigkeiten an den Kopf unb griffen im weiteren Verlaufe des Streites auch noch zum Messer. Als Hauptattentäter wird ein junger Bursche M., Titer, genannt, der einem anderen Burschen einen tiefen Stich in den Oberschenkel beibrachte, sodaß dessen Ueberführung nach Gießen erfolgen mußte.

/p'0 Königsberg, 22. Sept. Seit undenklichen Zsiten ist in hiesiger Gegend ein reger Bergbau betrieben worden, was die alten Schlackenhalden und Binnengänge beweisen. Die Namen man r Gruben sind älter als iede geschichtlich? lleberlirfer- ung. In uralter Zeit, in der man Ehausseen und fahrbare Wege nicht kannte, wurde bereits der spezifisch hochwertige Roheisen- Itcin, von Königsberg nach Biedenkopf und dem Salzbödetal ge­bracht, wo er auf der hzute noch bekannte'l Schmel".hätte verarbeitet wurde. Tie Beförderung dab'n war äuß-rst mühsam und geschah in Körben auf Pferde- und Eselrücken. Ein Ochsentransport des Gesteins würde heute nickt rentieren, weshalb der Bergban bei uns, leider schon vor einigen Jahren eingestellt wurde. Die Hoffnungen aus Fortführung der Biebertalbahn von Gießen nach hier haben sich bedauerlicherweise bis heute noch nicht erfüllt.

Bad-Nauheim, 21. Sept. Bis zum 20. Sept, sind 2 6 8 5 7 K n r g ä st e angekommen, wovon an genanntem Tage noch 2297 anwesend waren. Bäder inurben bis zum 20. Sept. 1906 366 051 abgegeben.

ff- Frankfurt a. M., 21. Sept. Der Ertrag der Fahr­kart e n st e u e r im hiesigen H a u p t b a h n h o f betrug im Monat August rund 47 000 Mk. Das 25 Jahre alte Fräulein, das vor einigen Tagen bei einem Ausflug im Taunus mit ihrem Rad stürzte und dabei schwere innere Verletzungen erlitt, ist gestern im städtischen Kranken­hause an ihren Verletzungen gestorben. Die Leiche der im April vorigen Jahres verstorbenen Frau des in Untersuchungshaft befindlichen WLißbindermeisters Welter wurde gestern vormittag auf dem Frankfurter Friedhöfe auf Anordnung der Staatsanwaltschaft aus gegraben und, nachdem einzelne Teile zur gerichtlichen Untersuchung entnommen worden waren, wieder beerdigt.

V Mcerbolz b. Gelnhausen 21. T '-t. Die Trauung der Gräfin Ortrud zu I s e n b n r g - B ü d i n g e n in Meer­holz mit dem Prinzen Agbert zu S ck l e s w i g - H o l st e i n- Sondertzurg-Glücksburg erfolgt am Sonntag, 14. Okt., nachmittags 2V» Uh-r in der Schloßkirche zu Meerholz. Kurz vorher trifft der Kaiser ein.

** Kleine Mitteilungen aus Reifen und den Nachbarstaaten. In Lindheim wurde Herr Gg. Phil. Lipp zum Beigeordneten gewählt. Im Manöver in Rhein- < Hessen stürzte ein Oberleutnant vom 88. Regiment mit ' dem Pferde und erlitt schwere innere Verletzungen. In M a n n- : heim wurde die 60 Jahre alte Witwe des Brauereidirektors i Edmund Hofmann im Hofe ihres Hauses als Leiche aufgefimden. 1 Sie war aus dem Fenster herabgestürzt. Im Bahnhof'

Sachsenhausen wurde gestern abend der Rangierer Johannes Müller beim Passieren eines Geleises von einem Zuge erfaßt und sckwer v^e H e ü t

Auswg m Leu HleMsamloreMnu der SLsdt Kiehev. Aufgebote.

Sept. 14. Friedrich Wenzel, Metzger nnd Wirt dahier, mit Dorothea Auguste Klein in Bergen. 15. Wilhelm Eduard Wieder- stein, Kaufmann dahier, mit Auguste Lui!e Emilie Rützsainen tn Hoi. 18. Albin Krahn, Postafsistent in Frank'urt a. M.-Bocken- heim mit Marie Hörster dahier.

Eheschließungen.

Sept. 15. Johanne? Schmidt X., Taglöhner in Burkhards- selben mit Elisabcthe Wilhelmine Amend dahier. 18. Gottlieb Räuber, Eiseulmhn-Gütervorsteher in Frankfurt a. M.-Sachsen- hausen, mit Helene Stephanv dahier.

Geborene.

Sevt. 8. Dem Lokomotivheizer Christian Haas eine Tochter. 11. Dem Bäckermeister Heinrich Friedrich Müller ein Sohn Wil­helm ftzustav. 13. Dem Kaufmann Johann Wilhelm Wienhold ein" Tochter. Dem Kaustnaim August Johann Lessers ein Sohn. Dem Auslmcker Heinrich Vitz ein Sohn Heinrich. Dem Schachtmeister Johann Anton Giovamn Martinger eine Tochter Arda Olga. 15. Dem Leitungsausseher Philivv Matern ein Sohn Heinrich. Dem Bahn'pediwur dldolf Lvncker ein Sohn Adolf Karl Philipp. 16. Dem Lokomotivheizer Otto 6>nbriet eine Tochter Margarete. Tom Kellner Heinrich Saßmannshausen eine Tochter Erna Wilhelmine.

Gestorleue.

Sept. 13. ?lnna Heck, 70 Jah-e alt, Taglöhner in dahier. 14. Philippiue Muskulus, geb. Pfeffer, 77 Jahre alt, Witwe des Taglöhners Johannes Muskulus dahier. Jean Brunner, 4'> Jahre alt, Restauratetir dahier. 15. Marie Sauer, geb. König, 32 Jahre alt, Ehefrau des Taglöhners Heinrich Sauer dahier. Emilie Halm, geb. Harnickel, 32 Jahre alt, Eheira>r dos Kaufmanns Albrecht Halm dahier. Eva Katz, geb. Woll, 79 Jahre alt, Witwe des Handelsmamts Löb Katz dahier. 16. Ferdinand Paul, 38 Jahre alt, Anueralwasserfabrikant dahier. 18. Anna Helbina, aeb. Fellßer, 28 Jahre alt, Ehefrau dos Brauers Edmund Helbing dahier.

Nordd. Lloyd 126.90

Obei schles. Eisen-Industrie

4 °/ft russ.Staatsanl. 1905 4! inJapan. Staatsanleihe 4 % Conv. Türken von 1903 Türkenlose ..... 4 zo Griech. Monopol-Anl.

4 % hnsscre Argentinier . 3% Mexikaner . . . . 4>io/o Chinesen . . . .

Aktien:

Bochum Guss Buderus E. W . . .