Ausgabe 
22.8.1906 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

156. Jahrgang

Mittwoch 22. August 1906

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Die yeutiZe Kummer umfaßt 8 Setten

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In diesem Bericht war gesagt worden:

Herr b. Tippelskirch empfand Mitleid mit der Lage des Freundes. Aber er wußte, daß Major Fischer in Rücksicht auf ihre dienstlichen Beziehungen seine pekuniäre Hilfe nidit annehmen würde. Daher bot er ihm an, Herrn b. Podbiclski für seine ^Notlage zu interessieren, und übergab ihm, mit der frommen Lüge, Herr b. Podbiclski sei der Geber des Darlehens, die Summe bon 2000 Mar k."

Herr v. Tippelskirch erzählte dann weiter, Major Fischer, der sich noch heute in dem Glauben befinden müsse, die 2000 Mark hätten wirklich von Herrn v. Podbielski her­gestammt, habe dann Herrn v. Podbielski ausgesucht und sich bei ihm für das ihm erwiesene Wohlwollen bedankt. Herr v. Podbielski, der von der Sache nichts wußte, habe die Tankesversicherung so aufgefaßt, als wollte Major Fischer nur im allgemeinen seine Erkenntlichkeit dafür aussprechcn, daß er sich ihm stets als ein freundschaftlich gesinnter Gönner gezeigt habe, so oft beide miteinander in Berührung kamen.

Bezugspreis: monaUich7bPs., viertel« jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigslelleu luouallich G;"> Pf.'; durch diePost Ack.2. viertel« jcfnl. auSscdl. Beskellg,, )lnnähme von Anzeige« für die Tagesuuuuuei bis vormittags 10 Uhr, Zeilenpreis: lokal 12Ps« auswärts 20 Pig.

Verantwortlich füe den polit. und odqcm, Teil: P. Witlko' für »Stadt und Land" und GcrichtSfaal". Ernst Heß; für den An­zeigenteil: Hans Deck.

Gießen, den 20. August 1906.

Betr.: Die Wahlen zur Landwirtschaftskammer.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Der vorletzte Absatz der Anlage 5 zur Wahlordnung, Protokoll über die Wahl eines Vertrauensmannes für die Wahl zur Landwirtschaftskammer, muß lauten:

zu keiner Zeit der Wahlhandlung waren weniger als zwei Mitglieder usw."

Wir weisen Sie hierdurch an, die Ihnen übersandten gedruckten Exemplare hiernach handschriftlich zu ändern.

I. V.: Dr. Merck.

Heer und Flotte.

Der ehemalige österreich-ungarische Kriegsminister, General der Kavallerie Freiherr von K r i e g s h a >n m e r ist in Ischl am 21. d. M. g e st o r b e n.

>e Wohnung befindet n heute ab [05873 eiGr.M Mtt Böss.

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In derN. G. C." ergänzt deren Herausgeber den Bericht über die Unterredung, die er mit Herrn von Tippelskirch hatte (aus dem Gedächtnisse), durch eine nicht unwsichtige 'Angabe.

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Gieftener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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Nr. 196

«rschetut täglich außer Sonntags.

Dem GießenerAnzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt bic Gießener Kamillen» blätter viermal in der Woche beigelegl.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl 'sehen Untvers.-Buch-u.Stein- druckeret. R. Lange. Redaktion, Ervedttion und Druckerei:

Schul st raße 7.

Redaktion e=5$a 112 Verlag u.Expeö.S-^bl Adresse für Depeschen:

Anzeiger Gießen.

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- Donnerstag, . ^den23.Augs

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Politische Tagesschau.

Die Eigenart desFalles Podbielski" wird dadurch verstärkt, daß die Entscheidung über die Ver­abschiedung des Ministers auf unbestimmte Zeit vertagt ist. Hieraus glauben mehrere Blätter sogar auf eine gewisse Differenz der Ansichten des Kaisers und des Fürsten Bülow in dieser Sache schließen zu sollen, obwohl es in derNordd. Allg, Ztg." heißt, der Kanzler stimme mit der Vertagung der Entscheidung überein. Fürst Bülow will erst Ende September nach Berlin zurückkehren. Es ist anzu- nchmcn, daß bis dahin die Akten über denFall" des Herrn v. Podbielski geschlossen sind in dem Sinne, daß dessen Ministerschaft dann der Vergangenheit angehört. Denn die Möglichkeit eines ferneren Zusammenwirkens des Fürsten Bülow mit Herrn v. Podbielski ist nicht gut denkbar nach demMißverständnis", das zwischen beiden über dasAb­schiedsgesuch" des Landwirtschaftsministers obwaltete. Von Einheitlichkeit" im Staatsministerium, auf der Fürst Bülow grundsätzlich besteht, kann nach diesem Vorfall nicht mehr die Rede sein.

Gewiß, Herr v. Podbielski will oft mißverstanden worden fein, was natürlich nicht besagt, daß er seinen Gedanken einen diplomatischen, mehrere Deutungen zulassenden Ausdruck ge­geben hat. Ach nein, Herr v. Podbielski hielt es allezeit mit dem burschikosesten Freimut. Es sei nur erinnert an die geheizte gute Stube, die auf altmärkischer Schclle seiner wartet", an dasNicht vor den Bauch stoßen lassen" mit Bezug auf die Kanalvorlage usw. So, wie es in der Presse zu lesen war, wollte es der Minister eben nie gemeint haben. Was er hier sagte, geschah übrigens nicht öffentlich, konnte ihm also nicht verhängnisvoll werden, lieber die Entgleisung, die ihm in der verfloffenen Reichstagssession mit den Apotheker-Rechnungen der Viehkommissionäre" unterlief, half ihm der Beifall seiner agrarischen Anhänger hinweg.

Der Minister hatte aber das Glück, bisher nicht vom Fürsten Bülow mißverstanden worden zu sein. Beide lebten in Eintracht zwar nicht mit-, aber doch nebeneinander im Regicrungshaus. Wollte Fürst Bülow die agrarische Ten­denz seiner Politik betonen, dann sprach er wohl im Parla­ment gelegentlich vonseinem Freunde, dem preußischen Landwirtschastsminister", oder er lobte Herrn v. Podbielski, wenn er in der landwirtschaftlichen Februarwoche mit den Honoratioren des Agrariertums an festlicher Tafel in Berlin zusammensaß. Herr v. Podbielski liebte es dann, in vor­gerückter Stunde mit einem begeisterten Trinkspruch die all­gemeine Jnteressensolidaritüt zu feiern. Dieses Einver­nehmen ist fortan nicht mehr möglich. Fürst Bülow stellte dadurch, daß er in der ersten Notiz derNordd. Allg. Ztg." seine Stellung zur Podbielskikrisis präzisierte, dasjenige, was ihn vom Landwirtschaftsminister innerlich trennt, in den Vordergrund, und in Konsequenz dessen darf es wohl als ausgeschlossen gelten, daß der Kanzler nach wie vor mit Herrn v. Podbielski unter demselben Dache zu wohnen gesonnen ist.

Tie Oeffentlichkeit war Zeuge dieser eigenartigen Äus- einandersehung. Schon mit Rücksicht auf sie dürfte also Fürst Bülow bei seinermißverständlichen" Auffassung des Pvdbielskischen Abschiedsgesuches beharren. Zudem müssen bein, von schwerer Erkrankung kaum genesenen Kanzler die Unstimmigkeiten", die sich aus weiteremZ ufa mm en arbeiten mit Herrn v. Podbielski notwendig ergeben, schlechthin uner­träglich erscheinen.

Es besteht allerdings in Preußen der Brauch, einen Minister einem Anstürme der öffentlichen Meinung nicht sofort zu opfern, sondern vielmehr ihn so lange im Amte zu halten, bis der Sturm sich gelegt hat, und dann erst über sein Schicksal zu bestimmen.

Sind die Ministertage des Herrn v. Podbielski auch heute schon gezählt, so können also immer noch Wochen, ja Monate vergehen, bis ein Anderer an seine Stelle in sein Ministerhotel einziehen wird.

Wie derHann. Cour." an zuverlässiger Stelle erfahren haben will, soll der Landeshauptmann Georg Wilhelm Lichtenberg in Hannover als Nachfolger Pod- b r e ls kr s in Mssicht genommen sein. Lichtenberg ist der Sohn des früheren Hannoverischen Kultusministers und späteren Präsidenten deS Landes-Konsistoriums in Berlin. Er genießt den Ruf eines tüchtigen Verwaltungsbeamten.

meister wurde getötet. In Sa mara wurde der Kom­mandeur des Borissolvschen Regiments in seiner Wohnung von einem Unbekannten ermordet. Der Mörder über- goß den Körper mit Spiritus und zündete diesen an.

Nach Zeitnngsmeldungen hat die Camorra der Volks rechte, welche seinerzeit dem Dumamitgliedc Prof. Herzen st e i n das Todesurteil übersandt hat, an dessen Familie die Aufforderung gerichtet, innerhalb von drei Tagen 3000 Rubel für die Abgebrannten von Sysran und 4000 Rubel an die Familien der ermordeten Polizisten zu zahlen und durch eine öffentliche Erklärung in der Presse sich zu verpflichten, sich künftig keiner politischen Partei anzuschließen. Erfüllt sie diese Forderungen nicht, so sei ihr Leben verwirkt und. ihr Besitz werde vernichtet werden.

Das BlattStrana" meldet: 142 ehemalige Duma- Abgeordnete, die das Wiborger Manifest unterzeichne^ haben, werden vor Gericht gezogen und wurden des Wah>l^ rechte s für ver lustig erklärt. Der Staatsanwalt ver­langt von einen eine Bürgschaft von je 3000 Rubel. Die Abgg. Medwedew, Knjasew und Serebrjakow sind t>er=i hastet worden, da sie der Aufforderung des Gouverneurs von Wiborg, auseinanderzugehen, bewaffneten Widerstand entgegensetzten.

Die revolutionäreRuff. Korresp." verbreitet folgendes Telegramm:

Eine Konferenz der Delegierten der Gouvernements-Kan- didalen der k o n st i t u t i o n e l l - d e m o k r. Partei brachte Klarheit über die Stimmung in der Bevölkerung. Vertreten waren 30 Gouvernements. Alis allen Teilen des Reiches kommen Nach­richten über die Entrüstung wegen der A u s l ö s u n g der Duma, die jetzt erst zum Durchbruch kommt. Bemerkenswert ist, daß nach allen Beobachtungen die Bevölkerung liicht mir gegen dir Minister, sondern auch gegen den Zaren entrüstet ist. Tas- Verhallen der Dumamitglieder nach Auflösung der Duma wird, allseitig gebilligt. Ter Wiborger Aufruf wird von der städtischen Bevölkerung, besonders der Kaufmannschaft, gutgeheißen. Anders verhält sich dagegen die Landbevölkerung. Vielfach wird der Vor­schlag gemacht, keine Abgaben zu zahlen und die staatlichen Brannt­wein-Niederlagen zu boykottieren. Die Konferenz konstatierte, daß. bei den nächsten Wahlen nur ein Zusammengehen der linksstehendew Parteien möglich sei. Im allgemeinen ist die Stimmung der Be­völkerung sehr erregt. Alan erwartet nach Beendigung der Feld-^ arbeiten ein Wiederainleben der Agrarbewegung. Die Konferenz beschloß, als Parole für die weitere Agitation die sofortige Ein-, berusung der Volksvertretung, ein parlamentarisches Ministerium, die zwangsweise Enteignung des im Privatbesitz befindlichen Bodens und die Beseitigung des Landmangels der Bauern zu fordern. Das Zentrader Partei versendet an alle Lokalgruppen em» prechende Aufrufe.

i Dazu ist zu bemerken, daß dieser in Berlin erscheinens den, von jungen-Heißspornen herausgegebenen Korrespon°l denz sonderliche Beachtung nicht zu schenken ist.

Der Kaiser hat an den Großfürsten Nikolaus Nikolajewitsch ein Reskript gerichtet, worin er seine Genug­tuung und seinen Dank für die gute Haltung und Ausbildung der Truppen von Krasnoje Selo zumi Ausdruck bringt.

Prinzessin Viktoria von Battenberg, dies Schwester der Zarin, ist in Petersburg eingetroffen.

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Selb auf Gold- und jaren aller Hri. «litt ib Silber toirbiut)öä). ifen angefaufl.

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die Exved. M14. werden augeferiigi WM Meeftr.U,M. wird in Pflege genom- rsebottitr.!!, DL 106033 en beiden Llammgäslm irämer I und Freund U »uligt« m

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53. Deutscher Katholikentag,

II.

Essen, 21. Au

Heute vormittag hielt der Volksverein für das kat l i s ch e Deutschland im Festzelte eine Generalbersamm-^ lung ab, wobei festgestellt wurde, daß die Zah«l der Mitglieder! um 40 000, insgesamt auf 507 000 gestiegen ist. Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten hielten Vorträge Reichstagsabg.f Marx und Kaplan Donders-Münster. Kardinal Fischer spendete den Erschienenen seinen Segen.

Im Stadtsaalban tagte die zweite geschlossene Verq sammlung, in welcher unter anderem Anträge des Frauen- missionsvereins und des Vereins katholischer Jugendfreunde, so­wie Anträge betreffend die Gründung bon Seemannsheimen an­genommen wurden. Heute Nachmittag tagten die akademi^ genommen wurden.

Die zweite geschlossene Versammlung nahm Resolutionen: zu Gunsten des Fraucnmissionsoereins an.

Heute Nachmittag tagten die akademischen Bo^ nifatius-Vereine. Um drei Uhr fand eine geschäft-l liche Versammlung des Verbandes katholischer kaufmänni­scher Vereinigungen statt.

In der zweiten öffentlichen Versammlung iit der Festhalle, die Freiherr o. Twickel leitete, sprachen Reichst tagsabg. B u r l a g e über die römische Frage, Rcichsratsmit- gl,ed Ritter b. Krali k-Wien über Volksbildungsbestrcbunge,r> Prosessor Zahn-Frankfurt a. M. über Erziehung durch Kunsts und Seminarpräsident LauSberg-Köln über die Frauen- frage. Bischof Hermann Di n g elst a d-Münster sprach die Hoffnung aus, daß die schönen Worte, die auf der Versammlung; gesprochen wurden, in die Tat umgcsetzt würden; dann erteilt^ er den Segen. Präsident Gröber brachte ein Hoch auf den Bischof aus.

Nach einem heute gefaßten Beschluß wird die Versammlung, im nächsten Jahre in Würzburg tagen.

*

Die vertraulichen Besprechungen des Zentrabi komitees des Katholikentages haben zu dem Ergebnis geführt, die nächstjährige Generalvcr,ammlnng der Katl-oliken Deutsch­lands nicht in Berlin abzuhalten. Nach der Zuversicht­lichkeit, mit der man im vorigen Jahr in Straßburg auf Berlin als demnüchstigen Tagungsort hinwies, kommt dieser Be­schluß überraschend. Doch die Berliner selbst sollen ihn befürwortet haben, well die Reichshauptstadt noch immer fein geeigneter Platz für eine derartige Veranstaltung sei. Warum wohl nicht?« Der kousessionelle Friede würde in dem überwiegend evangelischen Berlin durch die Katholitenversammlung

ebenjoioenig gestört sollte die Rücksicht auf die Polen be­

werben, als anderswo.

Deutsch-Dänisches.

!2Vn den für Oktober angekündigten Besuch des Königs von Dänemar k in Berlin werden in polit. Kreisen Erwartungen geknüpft, für die Regelung der Han­dels be Ziehungen mit dem nordischen Staat. Wün­schenswert wäre es im Interesse Deutschlands, daß diese Sache in Fluß kommt, denn aus der zollpolitischen Meist­begünstigung, die Dänemark gewährt ist, erwachsen diesem beträchtliche Vorteile, für die es keinerlei Gegenleistung bietet. Es ist in kleinerem Maßstabe dasselbe Verhältnis, wie es zwischen Deutschland uub den Vereinigten Staaten besteht, eine Situation, aus der herauszukommen Dänemark erklärlicherweise keine Eile hat. Denn es dürfte sich oben­drein erinnern, daß ihm keine Aussicht winkt, zu Zollver­günstigungen zu gelangen, die über das Maß der von Deutschland bisher anderen Staaten vertragsmäßig zuge­standenen hinausgehen. Ten Wunsch, diesen Verlragstarif derart gewissermaßen zum Miudesttarif werden zu lassen, hat die große Mehrheit des Reichstags bei der Beratnng des Handelsvertrags mit Schweden in einer Resolution ge­äußert, der die Regierung im allgemeinen zustimmte. Es wäre ja auch in der Sache bedauerlich und taktisch unklug, wenn die Regierung in den neuen Handelsverträgen sich noch entgegenkommender zeigte, als in dem schwedischen. Deutschland befindet sich denn doch nicht in der Lage, um jeden Preis Handelsverträge schließen zu müssen, und es hat andererseits keine Veranlassung, irgend einem .Staat, der sich gegen Verrragsverhi.nd langen sperrt, ms Uimbjei)» bare die Meistbegünstigung zu gewähren. Tas wird man sich hoffentlich auch in Dänemark gegenwärtig halten. Die dortige Presse meint zwar, Dänemark beziehe mehr Waren aus Deutschland, als umgekehrt, und die dänischen Konsu­menten würden sich, wenn Deutschland zollpolitisch Schwie­rigkeiten mache, den englischen Produkten zuwenden. Sie erwähnt aber nicht, daß für die dänische Land wirt- schaft, den Haupterwerbszweig des Königreichs, der deutsche Markt als Absatzgebiet unersetzlich ist. Deutsch­land bezieht jährlich mindestens für 100 Millionen Mark agrarische Erzeugnisse aus Dänemark. Also es empfiehlt sich auch für letzteres, daß eine zoklpolitische Verständigung erzielt wird._____________

Aie Lage in Nußland.

Die mit Eintritt der Herbstnächte vorausgeahnte Ver­schlimmerung der Lage in den Ostseeprovinzen ist eingetreten. Seit SamStag verzeichnen die Zeitungen aus Livland und Kurland 25 schwere Raubüberfälle. In der letzten Nacht wurden die Badeorte bei Riga von Revo­lutionären heimgesucht. Aufregung rief die Meldung hervor, daß Revolutionäre in dem Badeort Majoren Hof die Villa der Leiterin des zu wohltätigen Zwecken stattfindenden Glücks­spieles überfielen und einer großen Barsumme beraubten. Der 18 jährige Sohn des Gymnasial-Jnfpektors Dannenberg, welcher sich mutig den Räubern entgegcnfteQte, wurde er­mordet. Die Räuber entkamen, trotzdem sie verfolgt wurden. Im Seebade BilderlingShof wurde ein lieber faH auf die Villa Helmsing versucht und Bade Häuser an- gezündet. Die Russen aus dem Innern des Reiches ver­lassen in Massen und fluchtartig die Strandorte. In Riga, wo Agitatoren aus Warschau eingetroffen sein sollen, wurden drei Schutzleute beschossen. Einer wurde getötet. Der Streik der Tramway-Beamten dauert hort an. Das neu angestellte Personal wagt nicht zu fahren. In den dortigen Fabriken streiken 4000 Arbeiter.

Nach offiziellen Bekanntmachungen wurden in der letzten Woche in Rußland 7 2 politische Morde an Amts­personen verübt. 42 Beamte wurden schwer verwundet; ferner wurden 120 Bomben gefunden, 12 geheime Druckereien entdeckt, 13 Kron-Schnapsbuden und 18 Staats­kassen beraubt, wobei 22 Angestellte getötet und verwundet wurden. Aus politischen Gründen wurden 276 Personen verhaftet.

Ter Bom b en - An s ch la g auf den Generakgouverneur Skalon wurde von der fliegenden Kampfes-Organisation der russischen Sozialrevolutionäre mit Beihilfe der pvln. Sozialistenpartei ausgrsührt. Äm Sonntag wurde das Haus, das der deutsche Generalkonsul bewohnt, aufs ge­naueste vom Keller DtS jum Dach durchsucht. Tie Revision dauerte über drei Stunden. Man vermutet, daß die Revo­lutionäre geglaubt hatten, Skalon Hube nach dem Besuch des Vizekonsuls auch dem Generalkousut einen Besuch ab- uftatteu beabsichtigt. Man fand aber nichts Verdächtiges.

In Sjedlitz wurde auf den Polizeimeister eine " geworfen. Der Tater ist unbekannt. Der Pvlizei-

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