Ausgabe 
17.11.1906 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 271 Drittes Blatt

156. Jahrgang

SamStag 17. November 1806

Erscheint mit Ausnahme des Sonntags.

Di«Wegener jfamlllenbiatter* werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der EHelßlch« CcntbetrT erfcheinl monatlich einmal.

Gießener Anzeige

!Ä

RotationSdnick und Verlag der Brfiöl'ldN» UniverfnätSdruckerel. R. Lang«, Gietz«.

Redaktion, Expedition ».Druckerei: Gchutttr.D Del. Nr. 6L Delegr.-Ädr. i Anzeiger Aretz«.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen.

Sitzung der Stadtverordneten.

Gießen, 15. November.

(Schluß.)

Baugesuche usw.

Die Versammlung ist ixnnit einverstanden, daß die Ein­friedigung des Grundstückes .Darmstädter Haus", Klinikstraße 1, mit Holzgitter statt mit Elsen erfolgt.

Auf Vorschlag des Stadtv. Eichenaller wirb ferner beschlossen, daß Balidispcnsationen in Zukunft niic dann Be­fürwortung sollen finden können, wenn die Gesllche vor Aus­führung der betr. Arbeiten vorliegen.

Ein Baugesuch des Gustav Wittmailn für die Mar­burger Straße ivird abgelehnt. ES handelt sich dabei um ein Gebäude außerhalb des Ortsbauplans, das aller Vor­aussicht nach dem zukünftigen Bebauungsplan im Wege stehen würde.

Metzgermeister Kreuder hat in seiner Hofreite in der Neustadt em Hintergebäude stehen, das er bis zu diesem Herbst hätte entfernen müssen. Er hat sich vor fünf Jahren dazu verpflichtet, bittet jetzt aber, es stehen lassen zu können, ev. will er bis nach Fertigstellung dec städtischen Kühlanlage Fristverlängerung haben. Die Versammlung verlängert dem­gemäß die Frist bis 1. Okt. 1908.

Ein Baugesuch des August Scheppelinann für die Nodheimer Straße wird unter gewissen Bedingungen ge­nehmigt.

Dagegen wird ein nachträglich gestelltes Gesuch des Karl Nikolaus für Mvltkestraße 16 abgelehnt, da Nikolaus ent­gegen der seinerzeit eingegangenen Verpflichtung anders gebaut hat, als die seinerzeit vorgelegten Pläne vorsahen.

Ein Gesuch der Firma Gebrüder Kahl um Genehmi­gung zur Aufstellung einer Feldschmicde hinter der Kläranlage findet Zustlmmiing.

Auch ein Gesuch von E. L. Sack, in der Hundsgasse anstelle des vorgeschriebenen eisernen ein hölzernes Hoftor anbringen zu können, wird genehmigt.

Sladtv. Krumm macht auf den Nebelstand aufmerksam, daß in der Wetzsteingasse gebrauchte Abortrohre sehr hoch gelagert würden, was für die Anwohner mißlich sei.

Stadtv. Dr. Haberkorn hatte ebenfalls hiervon er­fahren, hat aber bei einer Besichtigung keine besonderen An­stände gesunden, und auch Stadtv. Löb er hat bei öfterem Passieren der fraglichen Stelle nichts gemerkt.

Straßenangrlegenheiten.

Nach einer Mitteilung des Vorsitzenden ist die Pflasterling der Hammslraße so weit gediehen, daß sie Mstte der nächsten Woche in Benutzung genommen werden kann. Tie von manchen Seiten gewünschte Aussetzung der Arbeit würde lediglich den unhaltbaren Zustand bis Frühjahr verlängert haben. Durch die rasche Herstellung war der freihändige Be­zug von Kleiupflastersleinen erforderlich, was nachträglich ge­nehmigt wird. Mehrkosten entstanden dadurch nicht.

Beig. Georgi gibt seiner Befriedigung darüber Aus­druck, daß die Straße fertig gestellt ist. Die Geschäftsleute waren seither darauf angewiesen, über die ebenfalls in schlechtem Zustand besindlichc Klinikstraße zum Güterbahnhof zu fahren und der Rückweg mußte sogar über Wilhelm- und Ludwigstraße erfolgen, was sehr zeitraubend war. An­gesichts dessen sei der unter den Fuhrleuten herrschende Un­willen zu verstehen gewesen, zumal es erst der Intervention der Handelskammer bedurft habe, um wenigstens für die vom Güterbahnhof kommenden beladenen Fuhrwerke die Frank- furterstraße zu bekommen.

Reifen in Südwestafrika.

Ein Vortrag in der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde.

Gerade in den letzten Jahren ist so häufig über die Interesselosigkeit der Deutschen in kolonialen Dingen Klage geführt worden. Daß dieser Borwurf für unser Gießener Publikum nicht zuirifit, bewies der starke Besuch des Vor- trags über unser koloniales Schmerzenskind Deutsch-Südwest­afrika, für den die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde einen Augenzeugen der kriegerischen Ereignisse gewonnen hatte. Herr Bezirksgeologe Dr. Lotz, der zur Zeit in unserer Gegend (Wetzlar) arbeitet, lies sich vor Ausbruch des Aufstandes als Geologe nach unserer südwestafrikanischen Kolonie verpflichten. In JJtaöeita erreichten ihn die ersten Kriegsnachrichten. Mitreisende Kenner von Land und Leuten glaubten nicht an eine längere Widerstandsfähigkeit der Hereros, eine optimistische Auffassung der Lage, die bekannt­lich nicht eingetroffen ist. Die Küstenverhültnisse Südwest­afrikas sind für Landung und Weiterreise die denkbar ungünstigsten. Das Innere des Landes bildet ein Tafelland, das nach dem atlantischen Ozean ziemlich steil abfällt. So erreicht z. B. Windhuk bei einer Küstenentfernung von 150 Kilometern schon eine Höhenlage von 1200 Meter. Eine kalte Meeresströmung, die an der Küste entlang nordwärts streicht, verhindert die Wolkenbildung, so daß der Küstenstrich ungewöhnlich trocken und wasserarm ist. Auf dem Tafel­lande füllt auch nur während des Sommers (Oktober bis März) Regen; doch ist die Menge desselben großen Schwan­kungen unterworfen und bewegt sich zwischen ganz wenigen und 400 Kubikmillimeter. Dementsprechend ist die Vegetation dürftig, und nur nach größeren Niederschlägen schmückt sich die braune, ausgetrocknete Erde mit dem frischen Grün. In Büscheln stehendes Gras, und dornige Akazienbüsche und -bäume, nebst einigen Euphorbien- und Aloearten bilden den ganzen floriflischcn Reichtum. Der Farmer sucht den nieder­gehenden Regen durch Staudämme aufzuspeichern, während die Geologen sich eifrig bemühen, neue Quellen zu erbohren und dadurch neue Cxistenzmöglichkeiten zu schaffen. Von

Ter Vorsitzende erläutert, daß nach einer Mitteilung der Bahnverwaltung die Zustände am Uebergang der ober­hessischen Bahn oft gefährlich gewesen seien, es hätten oft bis zu 60 Wagen dort gehalten. Deshalb habe er bei der Polizei angeregt, die leer zurückfahrendcn Wagen durch die Wilhelmslraße zu leiten. Tas sei anscheinend durch ein Miß- verständniö anfänglich auf alle vom Güterbahnhof konimcndcn Wagen ausgedehnt worden.

Tie Bahnnleislerei I hier ersucht um Genehmigung zur Verlegung einer Te l ep h on l e > tu n g nach dem Haus Friedrichslr. 8 imb Bleichstr. 14. Unter der Bedingung des jederzeit möglichen Widerrufs und gegen Zahlung einer jähr­lichen Anerkennilngsgebühr von einer Mark wird das Geslich bewilligt.

Unter den gleichen Bedingungen wird ein Gesuch der Unionbrauerei zur Ueberschreisung des Hardtiveges mit einer elektrischen Leitung genehmigt.

Verschiedenes.

Tie Verpachtung des seither von Frau Leib gemieteten Geländes am Philosoph enw ald hat nicht den seitherigen Pachtertrag ergeben, doch ist Ferdinand Har­ri i er el bereit, es sreihünoig zum seitherigen Preise von 300 Mk. jährlich aus 6 Jahre zu pachten. Man stimmt dem zu.

Tre VergebungvonKultur-undWegearbei- ten nach den bei der Versteigerung erzielten Sätzen wird genehmigt, ebenso die Festsetzung der Holzhauerlöhne (über letztere wurde vor kurzem imG. A." berichtet).

Eine Kreditüberschreitung von 140 Mk. bei der Um Pflasterung am Neustädter Tor, die padurch hervorgerusen ist, daß ein größeres Stück zur Umpflasterung gelange;, mußte, als vorgesehen war, findet Genehmigung.

Auch eine für die Uebcrleitung des Schmutzwajjerkanals der Seltersbergkanalisation durch *,cn Eisenbahndamm nötig gewesene Mehrausgabe von 260 Mk. wird genehmigt.

Nachklänge zur Grebenhainer Bezirksverfammlung des Bundes der Landwirte.

Dian schreibt uns heule aus dein Kreise Schotten:

Zn der Versammlung am 11. d. MlS. waren cn. 150 Land­wirte erschienen, davon mögen gegen 100 Bundesmitglieder gewe'en fein. Also em mäßiger Besuch, obwohl Tr. Rösicke als Redner angesagt und eine Mobilmachung der Ortsgruppen im weiten Umkreis bis ins Preußische hinein vorauSgcgangen war. Tie Redeweise des Herrn Lucke war eine gehörige Schari- in a ch e r e i i ü r die kommende R e i ch s t a g s w a h t mit den extremste n, meist ins Reich der Phantasie zu ver­weisenden Forderungen. Wenn die talidivirtschailtichen Produkte den hochgejchraubten Wünschen des Herrn Lricle entsprechend be­zahlt iverdcu jollen, wäre es auch feine Pflicht, den Konsu­menten, z. B. Arbeitern, Witwen, Kleinbauern, kleinen Rentiers, Pensionären, Slauflcuteii, Handwerkern und anderen Gewerbe- lreibendeu, Privat- und Slaalsbeaniten für ausreichendere Einkommen zu sorgen. Die Magenirage ist eben eine politische, um mit Herrn Lucke zu sprechen, aber doch eine ganz andere, als daß sie von ihn» gelöst werden töimte. Wahrlich, der Brotkorb hängt hoch genug, doch das geuicrl manchen wohl wenig. Luckes Bemerkungen über das Gesinde tießen n. E. nichts von Wohlwollen dnrchblicken. Gerade un oberen Vogels­berg ist das Gesinde der Dienstherrschaft sehr zugetan, das Gesinde ist hier bis nui vereinzelte Fälle treu besorgt für das betr. Haus Weshalb also in unserer Gegend über das Gesinde so urteilen? Dadurch kann mir das gegenseitige bisher ersreuliche Verhältnis qeiriibt und das Gesinde der Sozialdemokratie zü­gel ührt werden, deren eisriger Bekämpier doch Herr Lucke jein will.

Anstoß erregten auch die Worte des Redners über die Ar­beiter, deren weitaus größter Teil Sparsinn besitzt und sich bestrebt, die Familien redlich durchzuschlagen. Ein Glück, daß Herr Lucke noch nicht befugt ist, den Brotkorb zu hangen, sonst Gnade allen Käufern!

Charakteristisch ist eine weitere Aeußeriing des genannten Herrn :Tie B e a m t c n mit ihren hohen G e l t e r n haben später als Pensionäre ein recht beschauliches Da- j e l ii." Weiß dieser Herr denn nicht, daß die Gehälter mit ihrer derzeitigen Bemessung nur das Notwendigste für den Unterhalt bieten? Daß der Beamte selbst bei größter Sparsamkeit nichts sanuneln kann? Also vergönnt wird ihm, wenn roir rechl ver­stehen, noch die Pension, obwohl der Beamte seine Kräfte dem Siaake, also den, Gemeinwohl geopfert hat! Sollen die Pensio­näre etwa der öfjentlichcn Armenpflege anheimfallen?

Eigenartig miilel auch eine andere Redeblüle des Herrn Lucke an:Bauern, macht keine Bücklinge vor den hohen Beamten!" Allgemein ivard dies von der Vcrsammlimg so aufgeiaßt trauern, seid n i di i freundlich gegen d i c Behörden und B e - a m k e ii, betrachtet sie als notwendiges U e b e 11 ein Kommentar ist wohl überflüssig. Allerdings glaubt hin und wieder einer viel­leicht Grund zu solcher Älnimosilät gegen Beamte zu haben; der eme kann sich nut Polizeibeiehlen nicht befreunden, während der andere bei großem Einkommen einen kleinen Steuerzettel liebt, öie begreifliche Wißbegier der Steuerkommissäre daher als ver- darniul lästig finbet 1

Obwohl Besitzer einer großen Schnapsbrennerei, eiferte Herr Liickc gegen das übermäßige B r a n n t w e i n t r i n k e n. Tas soll ihm hoch angerechnet werden, gegenüber seinen sonstigen redilcrifchcn Ansiuhrimgen. Doch hätte er auch gegen die Blei'- trmker lind Sekttrlnker losziehen sollen, der Gerechtigkeit halber.

Ter Sache d e s B u n d e S hat Herr Lucke mit seiner rücksichts­losen Agitationsrede fürwahr keinen guten Dienst erwiesel,. Beiveisen wird das die Zukunft.

Verlobte °"°

kaufen ihre Köchenausstattungen am vorteilhaftesten end vollständigsten in dem Hans- und Küchengeräte-Magazin.

: einrichtung

von Ludwig aCröH, Plockstrasse 10.

.r-~s= Sfliüdige üfnsterkiicho =------

Direkter Versand meiner weltberühmten Lindener Sammele.

Hochelegante gerippt, .gestreift. Unzer-

haltbare äliUllll'vlUlllllUl, reiyb. 'ur Knaben und Mädchen.

EntzÜlrcudcBkilseu-Sl'.mnicte. Eibbär n.Ecivcu-Ialkett-Plüsche.

'J)hi|tcr fr. hin u. her. iSammethaus Louis Schmidt, K. K. Hofl., Hannover 323.

Kauft nur

Zt.ra.p.mX

C.fiETEPBYPrV

Nur echt mitDreieck-

Marke auf der Sohle.

--------i

XKXa in der Entwicklung oder beim Lernen

zurückbleibende Kinder, sowie blut­arme, sich mattsühlende und nervöse überarbeitete, leicht erreg­bare, frübzeitia erschöpfte Erwachsene gebrauchen als Kräftigungs­mittel mit großem Erfolg Dr. Hommel's Haematogcn.

Der Appetit erwacht, die geistigen und körperlichen Kräfte werden rasch gehoben, das Gesamt-Nervensystem

Man verlange ftdoch ausdrücklich da? echteDr. Hommel'ö" Haematogcn und lasse sich keine der vielen Nachahmungen auf­reden.

MarkeWildiener feinste 8 pfg. Zigarre!

empfiehlt G. C. Volk, Grünbergerstrasse 4. 6502

Reichhaltiges Lager erstklassiger Fabrikate in jeder Preislage.

dem Erfolg dieser Bemühungen wird die Zukunft des Landes abhängen. Ein klassisches Beispiel dafür bietet Windhuk. Auf Nerwerfungsspalien des Bodens entspringen dort heiße Quellen, deren einzelne täglich 1000 Kubikmeter Wasser liefern. Die Farmerkolonie Klein-Windhuk hat diesen für südafrikanische Verhältnisse bedeutenden Wasservorrat benutzt, um blühende Anlagen hervorzurufen, die Obst, Weintrauben und Gemüse in großer Menge hervorbringen und den Besitzern reichen Lohn sichern. Kostete doch im Ansang des Ausstandes ein Zentner Kartoffeln 75 M. und auch jetzt noch 35 M.

Am wenigsten mit europäischer Kultur in Berührung gekommen sind die Ovambos im Norden der Kolonie, für deren Gebiet zur Zeit von Seiten des Gouverneurs em Be- reisungSverbot besteht. Tiefes Gebiet bietet bei seinem sich dem tropischen nähernden Klima die größte Knlturmöglichkeit, doch sott das Verbot verhüten, daß die kriegerischen OoamboS beunruhigt werden, ehe dem Reiche die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Erschließung gegeben ist. Südlich von diesen wohnen die Hereros, gutgebaute, meist stattliche Leute, deren Zahl von 80 bis 100 000 auf 10 bis 15 000 zurückgegangen ist. Unter diesen wohnen die von ihnen unterjochten ursprüng­lichen Einwohner des Landes, die Tamara oder Bergkaffern. Sie sind den Deutschen treu geblieben und leisten wertvolle Dienste als Viehhirlen usw. Den Süden der Kolonie be­wohnen die Wltbois. Sie unterscheiden sich von den Hereros durch viel zierlicheren Gliederbau. Tas Volk leidet außer­ordentlich unter der mangelhaften Ernährungsweise, sowie unter den Verheerungen, die Alkohol- und übermäßiger TabakSgenuß im Gefolge haben. Sie sind geborene Weiter und geriebene Gauner. Die HaupteingangSpforten in das «and werden durch die beiden Hafenorte Swakopmund und Lüderitzbucht gebildet. Von Swakopmund aus führen zwei Bahnen ins Innere, die 1896 zur Zeit der Rinderpest an­gelegte Wegierungsbahn und die zu dell Ctaüümnen führende Otavibahn. Die Reise nach Windhuk beansprucht zwei Tage. Während deS Aufstandes hat sich diese Bahnverbindung trotz

ihrer Schmalspur als leistungsfähig erwiesen. Was Swakop­mund zu einer starken Entwicklung fehlt, besitzt Lüderitzbucht, nämlich einen idealen Hafen. Trotzdem ist auf dieser Strecke die Weife viel beschwerlicher als von Sivakoprnund aus. In­folge des großen Temperaturunterschieds zwischen der Küste und dem Innern (20 bis 30 Grad) wehen hier heftige Süd­winde, die bebcutenbe Staub- uub ©anbmengen, Verwstte- rungSprobukte von vorhanbenem Granit unb Gneis, mit sich führen und in Form von Wanderdünen vor sich her treiben. Ein Bereisen dieser Dünenzone ist an manchen Tagen ein Ting der Unmöglichkeit, da die Lust aus große Entfernung hin eine einzige Staubwolke bildet. Während diese Wander­dünen in der Regel 15 bis 20 Meter hoch sind, türmen sie sich am Gebirge bis zu 200 Dieter Höhe an. Der ganze Verkehr durch dieses Oedland wurde seither durch Gespanne aufrechterhalten. Mit welchen Schwierigkeiten auf dieser süd­lichen Etappenstraße Lüderitzbucht- KububKetrnannshoop die Verpflegung unserer kämpfenden Truppen verknüpft war, kann man sich einigermaßen vorstellen, wenn man annimmt, daß in den ersten Monaten des Aufstandes 3000 Zugochsen den Anstrengungen erlagen. Erst im verflossenen Sommer hat man angefangen, vom Hafen aus eine Bahn zu bauen, die bi5 jetzt (eine Glanzleistung der Firma Lenz & Co. in Berlin) bis Kubub gediehen ist. Tie Weitersührung dieser Linie bis KctmanShoop hat der Reichstag bekanntlich abge­lehnt; doch glaubt der Vortragende, daß eine nachträgliche Genehmigung hierzu unbedingt erfolgen muffe, wenn man die Entwicklung des Südens unserer teuer erkauften Kolonie nicht dauernd unterbinden wolle. Ob allerdings der Versuch der Bahnverwaltung, die Wanderdünen durch Anpflanzungen vom Bahnkörper sernzuhalten, von Erfolg begleitet sein wird, glaubt Webner stark bezweifeln zu müssen, ba bic Dünenzone eine viel zu große Ausdehnung von Süben nach Worben auf­weist, als baß burch derartige lokale VorbeugungSmittel sich eine durchgreifende Wirkung erzielen ließe. Ueberbauungen der Bahn mit tunnelartigen Schätzbarsten werden sich wohl nicht umgehen lassen.