WM Wr.27
r™t>e«-VemctePB^
d«°> d Srm, . , ’S ift&J »l "&SOi ' M 1
ir W. 1 hn "‘"btt
ebenMf2 ?-om -
® 42. Lebens-
inn
51/, Dir statt.
Heu osssaet!
gWS
stabe 19
ü«
pilöerf §
hebeuen: b. Schmitt,
(torrt®*1 *
^„llart'kel Seiest"^. arett«1"'
Kakao eVd Kakao eifl Kakao e !|] Kakao 16 s h Kakao ,e j®I Kakao rjchtennedel- ;rustbonbons p Weither, Hall« *• W B Mt MB Löple c6e^***
1F6.Jahrgmrg
Erstes Blatt
Die heutige Kummer umfaßt 12 Seiten.
monatlich, 65 Pf.; durch diePost viertel- jährl. ausschl. Aestellg. Annahme von Anzeigen für die TageSnuminer dis vornritlags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12 Pf^ auswäns 20 Pig.
Verantwortlich für den poliL und qtigern« Teil: P. Wittko- fite .Stadl and Sanb- und .Gerlchtsiaaf: Ernst Heß; für den Anzeigenteil: Hans Beck.
General-Anzeiger
Mir- md Allzeigeblatt für den Kreis Gießen
Montag SZ.Rarmar 1906
BezugvvretSr monatlich 75Ps.,vierte5» jährlich Mk. 2.20; durch Adhole- u. Zweigstellen
Mso Ruhe weit und breit. Tenn das unzerbrechliche Schwert der Sozialdemokratie ist der Gedanke! Es ist selten eine Phrase geprägt worden, die mehr die Heiterkeit der Gegner herausfordern muß, wie diese. Und nie hat sich eine Partei derart selber desavouiert, wie hier die Sozialdemokratie. Es ist ungefähr ztvei Jahre her, da erklärte Bebel im Reichstag mit Einphase: das Parlament ist lange nicht die ultima ratio der Sozialdemokratie! Und noch nicht Zwei Monate sind vergangen, da predigten Mehring und Konsorten ganz offen: unserWegistdie Straße. Bernstein, der Revisionist, der unter dem Zwang der Verhältnisse den Schild der Rosa Luxemburg tragen muß, hat den Gedanken der Straßendemonstrationen zuerst angeregt, dann folgte eine lange Tebatte, und schließ- lich siegten die Radauelemente: der Massenstreik und die Straßendemonstration wurden feierlich als erste Kampfmittel der Partei proklamiert. Und nun haben wir seit ungefähr odjt Lagen den Rückzug, die Proklamation des „Gedankens". y ,
Wir wollen annehmcn, es sei nicht die btecche Furcht vor dein „Kleinkalibrigen", die diese Wandlung vollzogen hat. Wir sind so loyal und sagen: die Ereignisse in Hamburg und das Gefühl der ungeheuren Verantwortlichkeit haben die Führer der Sozialdemokratie bestimmt, die Taktik mit einemmale zu ändern. Tas nimmt dem Rückzug die eminenete Lächerlichkeit. Aber jüngst kam uns aus Gießen folgende anonym:e Zuschrift zu, der wir durchaus beistimmen: .
Man liest eben so viel davon, daß es nicht die cozwldcmo- traten wären, welche in Hamburg revolutionierten und Raub und Plünderung begingen, sondern nur der sogenannte Mob, das Gesindel und 'Lumpenzeug. Gut! Wer hat aber d e u M o b u n d das Gesindel auigehetzt? Wer ist Schuld und trägt die Verantwortung an den Straßerikrawallen? Toch niemand anders als die Sozialdemokraten. Und noch eins! Welcher politischen Kartei gehört beim bev genannte Mob, baZ Lumpenzeug in den Großstädten an? Ten bürgerlichen und ftaalserbalrenden Parteien doch ganz gewiß nicht. Ten Prozentsatz, den aber der Mob und das Gesindel in den Großstädten einnimmt, beträgt etwa 30 bis 40 der übrigen Bevölkerung.
Die Beteiligung an bat Versammlungen war ganz enorm. Um 11 Uhr waren die Lokale bereits so überfüllt, daß sie polizeilich abgesperrt werden mußten. Die größte Versammlung fand in,der Brauerei Friedrichshain statt, wo etwa 4000 Personen anwesend waren. Die nächstgroße Versammlung fand in der Bockbrauerei statt, in der ein Mitglied deS Buchdruckep-Gehilfen-Verbandes, Massini, sprach. .
Eine große Wählerversammlung fand im Restaurant Sanssouci statt. Hier sprach Singer ausführlich zu den zwei Resolutionen. Auch hier währte die Versammlung zwei Stunden, ohne daß irgend welche Störung vvrkam.
Auch in Nixdorf waren die Versammlungen äußerst stark besucht. Trotzdem kam es" nirgends zu Zusammenstößen.
Aus Frankfurt a. M. ging uns folgender Bericht zu:
Irr 14 verschiedenen Sälen hielt die Sozialdemokratie Wahl- rechtsprotestversammlungen ab. Alle Redner von einiger Bedeutung waren ins Feld geschickt. Es wurden die Berliner Resolutionen angenommen. Die Versammliingen waren sämllich außerordentlich zahlreich besucht. Die Redner selbst hielten sich in mäßigen Grenzen, sodaß nirgends eine Auflösung einer Versammlung erforderlich war. Um Ausschreitungen am der Straße wirksam zu verhüten, hatte die Polizei eine Maßnahme getroffen, die vollste Anerkenniuig verdient. Sie weiß, daß in den Großstädten die Krawalle meist nicht von anstäitbigen Arbeitern, sondern oon umherla^erudem Gesindel verübt werden, und deshalb hatte die Polizei Frankfurt von diesem Gesindel viel gründlicher wie je zuvor beireit. Es wurden in den trüben Vormittagsstunden Streifen abgehalten, die durch alle Verbrecherkneipen, durch alle Schlupfwinkel der Arbeitsscheuen, der Bettler und Vagabunden gingen. Alle, die irgendwie verdächtig erschienen, wurden festgenommen und ins Polizeigeiängnis gebracht. Am Abend ivurbe die Streike wiederholt. Im Ganzen sind rund 300 P e r \ o n e n fe ft genommen worden. ■ Damit war Unruhen vorgebeugt.
Mainz, 21. Jan. Die heute in der Stadthalle ab» gehaltene sozialdemokratische Versammlung war von über 4000 Personen besucht und verlief in ruhiger Weise. Nachdem Abg. Dr. David über »Die Revolution in Rußland und die politische Lage in Deutschland" gesprochen, wurde eine Resolution gefaßt, die der Berliner im wesentlichen gleichkommt, aber auch auf Hessen Bezug nimmt. Sie sagt u. a.:
Auch Hessen entbehrt noch eines gerechten Wahlrechts, das der minderbemittelten VolkSmasse den ihr gebührenden Einstuß au' die Landesgesetzgebung sichert. Dre Versammlung macht sich die Wahlrechts- und Veriassungsanträge der sozialdemokratischen Landtags-
Nv. 18
•rffteint täglich
außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gictzener Familien' blätter viermal tu der
Woche ue,gelegt Rotationsdruck tu Verlag der Brühl 'schen Unlverf.-Buch-u. Steindruckerei. 9t Lange. Redaktion, Erveditio« und Druckerei:
Schul st raße 7.
Redaktion 113
Verlag u.Exped.^TAöl Adresse für Depeschen:
Anzeiger Gießen.
Aer rote Sonntag.
„Ruchlose Scharfmacher haben die Behörden! aufgestachelt, bie Flinte schießen und den Sabel hauen zu lassen! Und es sind denn auch grvteÄ'e Vorbereitungen getroffen worden, überall tst das Militär bereitgestellt, in Berlin harrt ein ganzes Armeekorps des Kvmmcmdowortes! Das Proletariat spottet dieser Kmbereren! Es weiß, daß es den Scharfmachern keinen größeren Gefallen tun konnte, als Sbnas^numzüqe zu veranstalten. Es verzichtet darauf, beim es hat öftere Waffen, um die hinter Sajonctte sich verschanzende Reaktion nüQerzuwerfen. Sein unzerbrechlicheswchwert ist der Gedanke, ist brr Appell an die Vernunft, an das Gerechtigkeitsgefühl der Masten!" ,
Also stand zu lesen ttt dem großen Aufruf des „Vorwärts" am Sonntag, in der Proklamation „an das Volk", die die soz. Parteileitung am „roten" Sonntag ergehen ließ. Und der aestrige Sonntag ist nach den uns vorliegenden zahlreichen" Meldungen aus allen- Teilen des Reiches allenthalben ohne Störung der Ordnung verlaufen; in Elberfeld imb Bochum (in diesen beiden Städten wurden Versammlungen aufgelöst), in Berlin und Frankfurt, in Marburg, Breslau, Danzig, Dresden, Erfurt, Essen, Hannover, Kiel, Kvttbus, Köln, Polen, Düsseldorf, Krefeld, Saarbrücken, in ganz Oberschlesien und zahlreichen ostpreußischen Provinzstüdten. In Chemnitz verliefen die Versammlungen, die sich mit der Rcichstagsersaftwahl besaßtcn, ruhig. In anderen sächs. Städten, m Plauen und Zwickau, waren alle soz. Versammlungen verboten. In Königsberg finden die Protestversammlungen gegen das Treiklassenwahlrecht erst heute (Montag) statt. Auch die in Mannheim abgehaltene Temonstrationsversammlung wurde gegen Schluß polizeilich aufgeölst.
In Hamburg wurde Schlimmes erwartet. Es mußten sämtliche Schank- und Speisewirtschaften, die in den sieben in die Riedernstraße einmündenden Straßen belegen sind, um 3 Uhr nachmittags geschlossen werden. In Altona wurden von der sozialdern. Partei zur Aufrechterhaltung der Ordnung 200 Ordner, die durch Abzeichen kenntlich gemacht waren, der Polizei zur Verfügung gestellt. Ein junger Bursche, der sich als Anarchist bezeichnete, sowie „.Hoch die Anarchie!" rief und Proklamationen aufrührerischen Inhalts verteilte, wurde auf Veranlassung der Ordner von der Polizei verhaftet. Mittags verbot die Polizeibehörde im letzten Aug'nbl'ck d'e Abhaltung alrer öffentlichen Tunzlustbarleiten. In Hamburg beträgt die Zahl der wegen Beteiligung an Ruhestörungen oder wegen Diebstahls verhafteten Personen 42, darunter befinden sich zwei weibliche.
Aus Berlin wird uns geschrieben:
Der „rote" «Sonntag ist in Berlin so ruhig verlaufen, wie jeder andere Sonntag. Bon irgend rElcher Aufregung war nichts zu spüren und Polizei wie Militär hatten so gut tote nichts zu tun. Bereit standen sie, um nötigenfalls jeden Putsch im Keime zu ersticken. Uniformierte und Kriminalbeamte hatten sich txm Morgens an so viel wie möglich von den Straßen fern gehalten. Rur in der Nähe der Versammlungslokale waren Abteilungen zu Fuß und zu Pferde in den Nebenstraßen anwesend. Fliegende Wachen ivaren in allen Vierteln eingerichtet Berittene Schutzmänner waren über die ganze Stadt verteilt. Lläif dem Hofe deS Polizeipräsidiums hielten auch zwei Mannschc-.fts wagen der Feuerwehr. um auf einen Wink Reserven der Schutzmann schäft auf dem schnellsten Wege dorthin zu Bringen, wv man ihrer zur Ver- ftärfiing bedurfte. Die Beamten warm alle mit Revolvern aus-
Nun scheint aber selbst dieser „Mob" zur Raison gebracht worden zu sein. Man beginnt vielleicht doch allmählich allüberall einzusehen, daß Straßendemonstrationen nichts weiter bringen können als Blut, Jammer und Elend. Und dann kommt schließlich wohl gar auch eine Zett, da man einsehen gelernt hat, daß der Massen streik nicht weiter helfen kann, sondern daß nur auf dem Wege, den Gesetz und Ordnung vorfchreibcn, Erfolge für die arbeitenden Klassen zu erzielen find.
Es berührt uns nicht weiter, daß der Aufruf der Parteileitung, aus dem wir die obigen Sätze entnommen haben, so blutrünstig ist als möglich. Much die Phrasen, die in den zur Annahme gelangten Resolutionen ausgesprochen sind, können unsere Ruhe nicht stören, denn im Grunde handelt es sich doch nur um ein geistiges Rückzugsgefecht. Und wenn harte Worte gegen daS preußische Landtagswahlrecht gebraucht werden, geht uns das wenig nahe, denn dieses Wahlrecht ist nicht zu verteidigen.
Ten Satz aber vom unzerbrechlichen Schwert des Gedankens wollen wir uns merken. Er zeigt, daß die Schar f- macher innerhalb der soz. Partei bankerott sind. Tas ist kein Geheimnis, aber die Konstatierung ist nicht überflüssig, schon um die bleiche Furcht innerhalb bürgerlicher Kreise zu bekämpfen, die sich ganz, unberechtigt breit gemacht l)at. Man braucht kein MauserungsiNusionist zu sein, um hier klar zu sehen: die Sozialdemokratie ist endlich zu der Erkenntnis gelangt, daß Gewaltakte ihrerseits zu nichts führen können. Ob die Erkenntnis anhält, dos ist freilich eine andere Frage. Aber es ist immer schon ein Gewinn, wenn die Leute einsehen, daß sie bisher in einem Irrtum besangen waren. Wir glauben nicht, daß ine Sozialdemokratie sich von heute auf morgen zu einer ruhigen und zielbewussten Partei für die Interessen der arbeitenden Bevölkerung nmkreyelt, aber wir hoffen, daß die Lehre, die die Partei in diesen Tagen empfangen hat, doch nicht ganz fruchtlos bleibt. Unb das schon wäre ein nicht M unter)chatzcnder Gewinn.
gerüstet.
Sämtliche Truppen deS Standortes Berlin lagen in Alarmbereitschaft. Offiziere und Feldioebel hatten ihre Dienstrevvlver erhalten. Kavallerie uni) Artillerie flanb von Morgens an marschbereit. Die Kommandantur hatte die Stadt in ein förmliches Lager verwandelt. In sämtlichen Ka- f ent en fand um 10 Uhr vormittags Appell statt. Die Kavallerie war um biejc Zeit sattelfertig. Die Infanterie erhielt pro Mann zehn scharfe Patronen. Urlaub wurde nicht erteilt. Die Kircherr-Parade fiel aus. Ebenso wie Berlin waren auch die Vororte militärisch besetzt. _
Besondere Vorkehrungm waren für bcu? königl. Schloß getroffen. Auf dem Hose fiattb ein Bataillon der Franzcr feldmarschmäßig und in bet Yftexanderkciserne hielt eine Schlv-adron Gardc-Dragouer mit gesattelten Pferden, in einer anderen Kascrnc lagen Garde-Ulanen. Um lOVi Uhr rückte eine zusammengestelltc Batterie d s 1. Garde-Feld-Artilleric-Regiments feldmarschmäßig mit Sanitätsmannschaften ans unb fuhr ebenfalls auf den Schloßhof. Jedes Geschütz hatte 31 Schravpncls. Auch die Rettungswache und Unfallstationen batten Vorkehrungen getroffen.
Um 10 Uhr verließ der Kaiser daS Schloß, um eine Auto- inobilfahrt nach dem Tiergarten zu unternehmen und kehrte eine Stunde später, von Hochrufen des zahlreichen Publikums unter den Linden begrüßt, nach deut Schloß zurück.
Das unfreundliche Wetter trug viel dazu bei, daß die (Straften nicht sehr belebt waren. Besonders fiel die Abwesenheit bet Droschkenkutscher auf. was betraut zurückzuführen war, daß die Kutscher an den Wahlrechtsversammlungen teilnahmen. Die Polizei lenkte den Strom so, daß er nicht dem Zentrum zufloß, verfuhr aber dabei nicht streug, sondern ließ auf Wunsch die Leute auch nach cm bereit Richtungen durch. Das Militär wurde nach Seenbigung der Feierlichkeiten int Schloß zurückgezogen, die Bereitschaft in bett Kasernen blieb bestehen.
Die in bett Versammlungen angenommene Resolution zerfiel in zwei Teile, über die getrennt abgestimmt würbe. Im ersten Teil begrüßt bie Versammlung bie revolutionären Ereignisse in Rußland und spricht den dortigen Revolutionären ihre tiefste Svmpathie aus. Im zweiten Teile wird gegen bas preußische 2 reiklass enw ahl recht in ben schärfsten Worten Protest erhoben und das a l l - gemeine gleiche Wahlrecht verlangt., Besonders stark besucht war bie Versammlung im Moabiter G e se l lsch a st sh a ns e, wo Bebel sprach. Bebel hob u. a. hervor, das» Prinz Lubwi g von Bayern in der bäuerischen Ersten .Kammer für das all allgemeine gleiche Wahlrecht eigetreten sei; würde der Prinz dieser Versamm'''ng beiwohnen, so würde cr einen lauten und herzlichen Empfang zu erwarten Halen!!!
Die Versammlungen verliefen sämtlich vH n e Störungen. (£5 wurde gleichmäßig bie Resolution einstimmig angenommen.
icoftion zu eigen, in bencu verlangt wird:
I. Die Einst'ihrung bes allgemeinen, g I c i dj e n , b t r. unb geheimen LandlagSwadlrcons mit Proportional- Wahlsystem unb zwar unter Berücksichligung folgender bc- onberer Bestimmungen: 1) Wahlberechtigt ilt _ jeder recht s- münbige, im Großherzogtum Hessen ansässige Reichsangehörige; 2) Die Gesamtzahl bet Abgeordneten ist dem Bevölkerungs- zuwachs derart anzupassen, daß auf je 20 000 Seelen ein Abgeordneter zu rechnen ist; 8) Tie Wahlen sind an Sonntagen vorumetnnen. Die Wcchlstnnben sind von mittags 12 bis abends 8 Uhr festzusetzeit; 4) Tie Wählerltsten sind ständig auf dein Laufenden zu halten und bei Ankündigung des Wahltermins durch den Truck zu verofieutlichen; 5) Tas Wahlgeheimnis ist durch Einführung amtlicher Climmzettelkouverts und Einrichtung von Jsolierräumen sicherzustellen.
II. Die Einführung des E i n k a w. m e r s n st e m s und der direkten (Gesetzgebung durch das Volk mittels des Vorschlags- tmd Vcriverfungsrechts. (Initiative unb Referendum nach Schweizer Muster.) .
Indem die Versammelten den Widerstand der Prwilegierteii- fammer, sowie der offenen und versteckten Gegner eines toutelen- freien Wahlrechts in der Zweiten Kammer aufs Schär'ste verurteilen, verpflichten fie sich, unoblässtg und mit allen Kreisten die Propaganda für die Durchsetzung dieser Forderungen zu betreiben.
Auf der Straße kom cs zu keinerlei Demonstrationen, die Arbeiter gingen ruhig nach Haufe.
Are Maroükokonferenz.
Algeciras, 20. Januar. Da§ Nedoktionskomitee hat heute den Entwurf für die Unterdrückung des Waffenschmuggels beendigt. Auf Wunsch der spanischen Delegierten ist eine Klausel eingeschaltet worden, durch welche die Ueberwachung bc5 Waffenschmuggels auf den Grenzpresidios der Sahara Spanien überlassen wird. ES ist unrichtig, daß in der Kommission eine Spaltung entstanden sein soll. Was auch für Gerüchte von verschiedenen Seiten in Umlauf gesetzt werden, so haben doch alle Mitglieder be8 Komitees nicht einen Augenblick gezögert, zu zeigen, daß )te vom besten Willen beseelt sind. Hebet die Frage des gesetzgeberischen Reglements dürste sich keine ernste Schwierigkeit ergeben.
Paris, 20. Januar. Jaurös hielt gestern in der Loge „Großer Orient" einen Vortrag über die Marokko-An- gelegcnheit. Er warf Delcasse die Verantwortlichkeit vor, die dieser leicht hätte vermeiden können durch eine Umfrage bet den Mächten.' JauröS beschuldigte die englischen Finanz- leute, daß sie Frankreich und England gegen Deutschland hetzten. Die Beseitigung dieser Gefahr werde auf der Konferenz erzielt werden. Es wurde eine Resolution angenommen, in der sich die Teilnehmer verpflichten, f ür die Sicherung des Fr ied en S zu arbeiten. Den Vorsitz in der Versammlung führte Anatole France, der bekannte Roman- schriftstcller. _______
Rußland in Kötern
In Kiew drangen Revolutionäre, als Artilleristen verkleidet, in das Wciffendepot und entführten mit Hilfe gefälschter Anweisungen einen ganzen Wagen voll Gewehre unb Sprengstoffe. Erst am anderen Morgen wurde der Betrug entdeckt. Die Wache behauptet, es wäre so viel Munition fortgesührt tuorben, daß man ganz Kiew damit in die Luft sprengen könnte.
Tie Agrörunruhen in der Umgebung Kiews nelMM! einen immer ernsthafteren Charakter an. In Tscherkassy wurden bie Wälder und Gutshöfe mehrerer Gntsbesche^ in Braud gesteckt. Von Kiew aus wurden Truptzen; dorthin beordert, um den Aufstand zu unterdrücken. DiS Truppen wurden angewiesen, von der Todes- imd Prügelq strafe den weitgehendsten Gebrauch zu machen.
In Ri g a draugien 8 Bewaffnete in den Kameralhof etn< bedrohten die Wächter mit dem Tode und beraubten die feuerfesten Geldschränke. _
Wie gerüchtweise verlautet, find urigeführ 2o Personen durch das für Kurland eingesetzte Kriegsgericht wegen Plünderei, Mordtaten und Straßenraub zmn Tode verurteilt und erscho ffett worden.
In der Nähe von Mohilcw erhoben sich die Bauem gegen die Behörden. Die Stufständigen töteten den Jsprawnik in Nowo Uzensk und demolierten einige Gebäude. In Tiflis herrscht noch immer Anarchie. Truppen werden ausgesandt, um die Eisenbahn von Vatum nach TifliZ den Händen der Ausständigen zu entreißen. Die Mohamedanev massacrierten 50 Armenier im Kaukasus.
In Krasnojarsk ergaben sich die Revolutionäre^ die sich in die Gebäude der Bahnverwaltung! geflüchtet: Hattert, am 17. Januar nach viertägigem Widerstände; 470 von ihnen wurden verhaftet. Wie sich jetzt herausgestelltz hat, sind die Eisenbahnwerkstättcn verbarrikadiert geioefen; eine große 'Anzahl von Gegenständen wurde fortgeschafft und zerstört, Bücher und Dokumente wurden vertlichtet^ Geldschränke und andere Schränke erbrochen. Die


