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Nr. VAS
Drittes Blatt
156. Jahrgang
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Urei; Siehe».
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aber nur in Alaschen, wo 'MtakaLe aushängen.
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Nachbargcbäude waren in Gefahr, da zunächst Wassermangel bestand. DaS abgebrannte Gebäude war mit 48 000 Mk. versichert.
h Mainz, 31. Mai. Heute nachmittag überfuhr das Automobil eines Rentiers auS Eltville einen Knaben, der lebensgefährlich verletzt inS Spital gebracht wurde. Die Insassen des Automobils wurden von der Polizei sistiert und trotz hohen Angebots von Kaution bis jetzt nicht freigelassen. Tas Autoinobil wurde vorläufig beschlagnahmt.
Samstag 2. Juni 1906
Rotationsdruck und vertag da VrOhl'lckMi
Unroerfitätflbruderel 9L Lange«
Redaktion, Expedition o. Druckerei! ®d?ufftr.t.
Del. Nr. 6L relegr.-Ldr.: ttiyctg« (Buftta»
Kahlkopf. Wer hätte von uns Männern, wenn er in die Dreißiger fom und der typische Haaraussall begann, nicht einmal von den zahlreichen Tütteln Gebrauch gemacht, die die zur Wieder- herstellung des Haarwuchses empfohlen werden? Auch mir ist eS jo eraangen. Ich hatte indessen das Glück, gleich im Anfang auf ein Präparat aufmerksam gemacht 311 werden, das mir wirklich ausgezeichnete Dienste leistete; denn es gelang mir, die drohende Kahllöpfigke'.t auizuhalten, nnb heute tenne ich einen Haarausfall so gut ivie gar nicht mehr. Dieses Präparat ist die Nafolan- Medizinal-Sene. Bestandteile: Nasalan 25, Seife 75, welche zum Preise von 60 Pfennig in jeder Drogerie ober Apotheke erhältlich ist. Mau braucht sich nur einen konzentrierten Schaum, durch Schütteln m einer Flasche herzustellen nnb damit bie Kopfhaut gründlich zu waschen. Schon m Kürze wird man den Erfolg spüren. Tas Präparat Hal mir aber auch sonst manches Gute geleistet. So peinigte mich seit Jahren an der Ferse eine trockene chronische Flechte, bie durch nichts zu beseitigen war. Durch Ein- schäuinen mit Nafolan-Medizinal-Seife wurde ich das Hebel bald los. Auch im Winter, wenn Finger und Ohren zu erfrieren drohten, wusch ich mich mir mit Nasalan-Medizinal-Seife und muß gestehen, daß ich auch hier die besten Erfolge gesehen habe. In meinem Berus als Photograph kommen meine Hände häufig mit ätzenden Flüssigkeiten m Berührung. Die Folge davon ist, daß meine Hände leicht ivund rauh, rissig werden und zur Flechtenbildung neigen. Hiergegen schützt mich die Nafolan-Med,zmal-Seife aus das glänzendste. Ich kann meinen Kollegen nur dringend empfehlen, mit diesem vorzüglichen, auBerorbeuthd) billigen Präparate einen Versuch zu machen. Plan achte aber stets auf die Retorten-Marke und den Namenszug vr. A d o l p h L i st, da Echtheit nur durch diese gewährleistet wird Bestandteile des Naialan: Naphta 95, Seife 5. hv22/,
Vermischtes.
• Herbesthal, 31. Mai. Eine furchtbare Explosion setzte heute die Bewohner in große Aufregung. In dem Güterschuppen des nur 150 m von der Grenze entfernten belgischen Ortes Welkenrad war eine mit 100 Dynamit Patronen gefüllte Stifte explodiert. Das ganze 100 Quadratmeter umfassende Gebäude stand im Nu in Hellen Flammen. In der Nähe des Schuppens lag eine große Anzahl Fässer mit Schießpulver, die in Sicherheit gebracht werden konnten. In klirzer Zeit war das ganze Gebäude eingeäschert. Die Feuerwehr von Herbesthal und Welkenrad mußte sich darauf beschränken, die in der Nähe des Schuppens stehenden Eisenbahnwagen, die schon zum Teil angebrannt waren, zu retten. Bisher wurden >rei Tote gräßlich verstümmelt aus den Trümmern hervorgezogen.
* Eine Ansprache an die Kaiserin. In origineller Weise hat vor einigen Tagen der bekannte Pastor von Bodelschwitlgh bei der Einweihung eines Betsaales in der Arbeiterkolonie „Hoffnungstal' bei Bernau gesprochen. In Gegenwart der Slaiserin und des Prinzen Eitel Fritz sagte er u. a.: „Liebe Kaiserin, seien Sie nicht böse, daß hier die Kolonisten in der ersten Reihe sitzen, Majestät hat es so gewollt. In Hoffnungstal sollen die ersten die letzten sein. Sie dürften liebe Majestät, darum ruhig hier fitzen und nicht fürchten, daß Dynamit verborgen ist. Sie können getrost jedem Hoffnungstaler ihr Haupt in den Schoß legen." Bei der urwürchsigen Ansprache Bodelschwinghs konnten die Zuhörer trotz Anwesenheit der Kaiseun Anwandlungen der Heiterkeit nicht unterdrücken.
* Eine Dame in Bad Elster überfallen. Ein ganz unerklärliches Attentat ist auf die zurzeit in Bad Elster zur Kur weilende Gattin des Leipziger Kaufmanns Richter verübt worden. Auf der Rückkehr von einem Spaziergänge trat chr plötzlich ein gutgekleideter, etwa 23 jähriger Arensch entgegen. Ohne ein Wort zu verlieren, schlug er auf die Dame mit einem etwa einen Meter langen Knotenstock ein, bis sie blutüberströmt zusammenbrach. Tann lief der Mensch schnell davon. Als ein Gendarm herbeigeeilt kam, wat der freche Angreifer spurlos verschwunden. Es wird angenommen, daß man es mit einem Geisteskranken zu tun hat.
Folgende hübsche kleine Geschichte soll sich dieser Tage in Görlitz tatsächlich zuaetragen haben. Ein Gymnasialprofessor, der bei seiner Billa einen kleinen Hühnerhof hält, führt eine Dame. feiner Bekanntschaft gegen Abend in den Hühnerstall, um ihr einige prächtige Exemplare seiner Hennen zu zeigen. Die Hühner sitzen bereits hoch oben auf ihren Stangen, im Begriff, zu entschlummern. Die Dame wundert gebührendermaßen die Tierchen und fügt dann hinzu: „Ich bewundere mich nur, daß die Eier nicht zerschlagen werden, wenn sie beim Legen von so hoch oben herunterfallen," woraus der Professor erwiderte: „Nun, gnädige Frau, ich halte immer rechtzeitig ein Körbchen unter."
völlig befreit. Da bie SiibbeuIsche Elfen- unb Stahl-Beriifs- genossenschaft bie Bewilligung einer Entschädigung ablehnte, ver- olflte Koch Berufung, welche jedoch vorn Schiedsgericht verworfen wurde, da nach dem ärztlichen Gutachten angenommen werben müsse, daß ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Leiden Geschwulst) unb der früheren Arbeit nicht bestehe.
Dem Aufseher August Albers zuOber-Mörlen hotte dieselbe BeruiSgenosseiischaft für bie Folgen eines ihm am 17. August 1905 zugestoßenen Betriebsunfalles (Quetschung unb Zerreißung von Weichteilen an der linken Hand) eine Rente von 40 Prozent gewährt. Auf bie eingelegte Berufung hin erhöhte das Gericht die Rente auf 50 Prozent.
Dagegen konnte daS Gericht die Berufung des Formers Will). Fuchs zu Daubringen gegen den feine Rente auf 15 Prozent herabfcljenben Bescheid derselben Berufsgenossenschaft nicht für begründet erachten, da nach den angeftcUten Ermittlungen eine Rente von 15 Prozent den Verhältnisse durchaus entsprechend fei. Auch das Reichsversicherungsamt pflege in ähnlichen Fällen eine höhere Rente nicht zuzusprechen. In der Sache Heinrich Roth zu Ruttershausen wurde die Süddeutsche Eisen- und Stahlberufsgenossenschast zur Zahlung einer Rente von lo Prozent verurteilt, da dieser infolge deS Unfalles in feiner Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt fei.
Dachdecker Johannes K ra u s k o v f zu Gießen bezog wegen der Folgen eines am 14. November 1901 erlittenen Betriebsunfalles zuletzt noch eine Rente von 15 Prozent, deren Zahlung die Sektion VI der Hess. Baugewerks-Bernfsgenossenschaft zu Gießen auf Grund eines Gutachtens der chirurgifchen Universitätsklinik vom 1. 3. 06 ab einstellte. Hiermit erklärte sich Krauskops nicht einverstanden und erhob Klage gegen die Berufsgenossenschast. Das Schiedsgericht bestätigte jedoch den Einstellungsbescheid, da von einer im wirtschaftlichen Leben meßbaren Erwerbsbeeinträchtigung keine Rede mehr fein könne.
Ter Zimmerlehrling Karl Schmidt zu Altenschlirf hatte sich am 4. 7. 04 eine Verletzung am oberen Glied des linken Mittelfingers zugezogen. Da nach den: votn Großh. Kreisarzt in Lauterbach festgestellten objektiven Befunde aiizunehmen mar, daß eine nennenswerte Erwerbsbeschrankung infolge des Unfalles nicht mehr vorlag, stellte die Hess. Nass. Baugewerks-Berufsgenossenfchait bie Zahlung der Rente ein. Der hiergegen erhobene Euuvanb konnte das Gericht zur Aufhebung des Einstellungsbefchetdes nicht veranlassen.
Die Rente des Dachdeckers und Maurers Philipp Weich- m a n n II zu Langenbergheun hatte die Sektion I der Hess.-Nass. Baugewerks-Berufsgenossenschajt zii Franknirt von 30 auf 20 Proz. herabgesetzt. Tas Gericht erhöhte bie Rente loieber auf 30 Prozent, da es nicht zu der Ueberzeugung fommen konnte, daß in dem Zn» stände unb der daraus beruhenden Erweibsfähigket des Klägers eine wesentliche Besserimg eingetreten sei.
Heinrich Lotz au Haingrünbau hatte gegen den feine 15prozentige Rente einstellendeil Bescheid der vorerwähnten Sekuoti Bernsung verfolgt. Das Gericht verwarf sie als unbegrünbet, da Lotz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht mehr nennenswert erwerbs- iinfähig sei.
Aus Stu-t und Land.
Gießen, den 2. Juni 1906.
•• Die Evang. Konferenz für das Großherzogtum Hessen (sogen. Friedberger Konferenz) halt Mittwoch nach Pfingsten, 6. Juni, nachmittags 4/22 Uhr im Hotel Schütz hier, die Sommerzusammenkunft ihrer oberhesiischen Mitglieder. Jin Anschluß an einen Vortrag von Pfarrer Becker* Ober-Roßbach wird über „Recht und Unrecht im theologischen Kampf der Gegenwart" verhandelt werden. Auch Nichttheologen, die das praktische Zusamluenarbeiten in unserer Kirche, auch bei Verschiedenheit in den Lehrmeinungen, für das Wesentliche unb eigentlich Förderliche halten, sind dazu eingeladen.
"'Die Leiche im Koffer. Es ist dieser Tage die Vermutung ausgesprochen worden, bei der Wildunger Affäre handle es sich gar nicht um einen Raubmord. Es wurde bestimmt behauptet, daß die im Koffer tot ausgefundene Frau Vogel gar nicht ermordet worden sei. Diese Mutmaßung besagt übrigens nichts neues; gleich von Ansang wurde darauf hingewiesen, daß man nicht gleich an das Schlimmste zu denken brauche. Es war vorauszuschcn, daß Meyer behaupten werde, Frau Bogel sei eines natürlichen Todes gestorben; er habe befürchtet, daß man ihn de« Mordes bezichtigen werde unb darum die Leiche in den Koffer gezwängt. Die erwähnten Gerüchte verbreiteten sich um so eher, weil bie Auslieferung noch nicht erfolgt ist. Das hat aber mit bem Grad der Schuld deS Meyer nichts zu tun, denn man weiß aus der Erfahrung, daß sich in den Fragen der Aus- lieferung häufig Kornpetenzkonflikle ergeben, die nicht von einem Tag auf den andern gelöst werden. Auch bie Mitteilung, daß die chemische Analyse kein Gift in den Leichen- refien ergeben habe, beweist noch lange nicht, daß fein Ver- brechen wider das Leben vorliegt; einem Mörder stehen gewöhnlich andere Mittel als Gift zu Gebote. Tatsache ist, daß Meyer des Mordes dringend verdächtig ist und daß deswegen seine Festnahme und Auslieferung beantragt wurde. Tie Untersuchung ist in vollem Gang; einigermaßen Klarheit kann aber erst durch die persönliche Vernehmung deS Meyer an Ort und Stelle geschaffen werden.
’* Der Brand auf dem Griesheimer Uebungs- platze, bei dem 32 Pferde im Werte von rund 32 000 Mk. iimfamen, dürfte einzig in seiner Art dastehen. Nach den bisherigen Ermittelungen ist er durch einen Mann der Stall- wache verursacht worden, der ein Streichholz ansteckte, um nach der Uhr zu sehen, und bann das Holz achtlos wegwarf. Dieses glimmte weiter, entzündete einen in der Nähe hegenbeu Strohsack, von wo aus dann das Feuer den ganzen Bau ergriff. Als die Stallwache, die geschlafen hatte, das Feuer bemerkte, hatte es schon große Dimensionen angenommen, die Bretterwände und daS mit Dachpappe gedeckte Dach ergriffen. Aus diesem Grunde war es auch nur möglich, einzelne, nahe an der Türe befindliche Pferde zu retten, insbesondere wurden bie Offizierspferde rasch herausgeholt. Einige Pferde liefen wieder m den Stall zurück und kamen in den Flammen um. Viele erstickten, da sie mit den Ketten festgelegt waren. Em über 1200 Mk. kostendes Pferd war an Kopf und Hals so verbrannt, daß es erschossen werden mußte. Ter Gesarnt- 1 schaben beläuft sich auf etwa 30 000 Mk. Außer den Pferden sind Futtervorröle, Sattelzeug, Waffen rc. verbrannt. Die
politische Tagesschau.
England und die chinesischen Anleihen.
Es kommt nicht gerade häufig vor, daß England sich um die europäischen Gesamtinteressen verdient macht. Deshalb muß besonders hingcwiesen merdeit auf die dankenswerte Energie, mit der England die chinesische Negierung gezwungen hat, die europäische Kontrolle der chinesischen Zollverwaltung fortbestehen zu lassen. Bekanntlich bürgen die Einnahmen aus den chinesischen Seezöllen für die Erfüllung der Zinsverpflichtung aus den Ausländsanleihen Chinas, und der Engländer Sir Robert Hart hat sich in der Leitung der chinesischen Zollverwaltung so bewährt, daß die Besitzer chinesischer Fonds ohne Sorge sein durften. Diese Fonds sind wegen des verhältnismäßig hohen Zinsertrages in Mengen auch von deutschen Klcinknpitalisten gekauft worden. Es liegt also durcyaus in deren Interesse, daß die chinesischen Behörden nach wie vor durch europäische Beamte kontrolliert iverden, eine Zusicherung, zu der die Pekinger Regierung sich bequemen mußte gegenüber dem enffchlossenen Auftreten Englands. Alle Welt weiß, daß Veruntreuungen öffentlicher Gelder im Reich der Mitte an der Tagesordnung sind, und es ist deshalb hochgradig naiv, wenn der zum Generaldirektor der Zölle bestimmt gewesene Vizekönig Tang einem deutschen Journalisten erklärte, die Pekinger Regierung habe nicht vermuten können, daß das Ausland Einspruch erheben werde gegen die Neuorganisation der Zollverwaltung, mit der China doch nur sein gutes Recht ausübe. Woher mit einemmal die Erinnerung an dieses „gute Recht", von dem fast ein Jahrzebnt hindurch die Rede mar? Sollte Japan, dessen Einfluß in China seit dem Kriege^ mit Rußland beträchtlich gestiegen ist, hier die Hand im Spiele haben? Die Schärfe des englischen Protestes macht das keineswegs unwahrscheinlich, denn auch dem Briten „sitzt das Hemd näher als der Rock" des japanischen Bundesgenossen, auch England muß auf der Wacht sein, damit nicht die Gelben den Weißen über den Kopf wachsen. Hat die Londoner Regierung demnach mit ihrer Zurechtweisung Chinas in der Zollverwaltungsfrage nicht zuletzt ihre eigenen Interessen wahrgenommen, so gebührt ihr doch Anerkennung, weil sie gleichzeitig den Deutschen einen Dienst erweist. Unter dem konservativ - unio- nisttschen Kabinett hätte man die Sache vielleicht in einem für Deutschland minder günstigen Sinn erledigt.
Schiedsgericht für Arbeiterversicherung.
Gießen, 31. Mai.
Ter Heizer Friedrich Appel au3 Gießen hatte sich am 8. Juli 1905 durch einen Sturz in einen Schacht einen komplizierten Bruch ber Unlerschcnkelknochen beiber Beine, einen Bruch bes rechten Unterarmes, fowie eine tiefe Fleifchwunbe am linken Gefäße zugezogen. Als Entschädigung bewilligte bie Sektion I der Knappschaftsberufsgenossenschaft zu Saarbrücken zunächst eine Rente von 100 pCt., welche sie jedoch vom 3. Februar 1906 ab auf 75 pCt. herabfetzte. Hiergegen wandte sich Slppcl an das Schiedsgericht, welches eine eingehende Untersuchung durch Medizinalrat Dr. Haberkom anordnete. Tiefer erachtete die Renie von 75 pEt. für die noch bestehenden Folgen des Unfalles für äußerst wohlwollend bemessen. m t
Tas Gericht kam auf Grund des objefttoen Befundes zu derselben Ansicht und verwarf die erhobene Berufung.
Ludwig Klingelhofer zu Klein-Linden halte bei derselben Berussgenossenschaft geltend gemacht, am 3. Oktober 1905 fei ihm beim Fortbewegen eines mit Erz beladenen Eisenbahnwagens bas Zwickeifen ausgesprungen und infolge davon habe er sich einen rechisseiugen Leistenbruch zugezogen. Den dieserhalb geltend gemachten Entschädigungsanspruch lehnte die Berlifsgenossenschast ab, da der Leistenbruch nicht auf einen Betriebsunfall zurückzuführen fei. Die hiergegen eingelegte Berufung wies das Gericht zurück, ba nach Lage ber Sache mit Sicherheit anzunehmen fei, baß sich ber Bruch — wie m den meisten Fällen — allmählich entwickelt habe unb zufälligerweise auch bei ber erw. Arbeit ausgetreten sei. Es handle sich sonach nicht um die Folgen eines Betriebsunfalles im Sinne des Gesetzes, sondern nur um eine in Erscheinung getretene krankhafte Veranlagung.
Heinrich Hedrich I. zu Lauterbach hatte wegen einer gering- füqiqen Augenverletzung Rentcnkmsprüche bei ber Tiefbau-Bernfs- aenossenschaft zu Wilmersdorf bei Berlm erhoben, welche diese leboeb znrückwies. Auf die hierauf eingelegte Berufung veranlaßte das Schiedsgericht nochmalige Unterfiichungen des Klägers durch Großh. Kreisarzt Tr. Heinriey zu Lauterbach unb Augenarzt Dr. smtutber zu Gießen. Beide Aerzte sprachen sich m ihren Gutachten in Ueberemfimunung nut bem behandelnden Arzt, Dr. <stolj zu "auterbach dahin aus, daß eine Erwerbsbeeintrachtiginig infolge d-s Unfalles nicht vorliege. Bei der letzten Untersuchung hatte Hednch sogar unrichtige Angaben gemacht. Das Gericht erkannte auf Verwerfung ber Berufung.
Schreiner August Bocher zu Gießen bezog wegen einer tfinger- verlekuna von der Südwestdeutschen Holzbernfsgenossenschaft zu Mainz eine Rente von 10 Proz., welche vom 1. Februar 1906 ab zur Einstellung gelangte. Hiermit ivar Böcher nicht zuw,eben -ia§ Schiedsgericht sprach ihm auch bie Rente von 10 Proz. wieder zu, da es sich der Ansicht der Beklagten, Klager habe !ich an den Zustand der Hand gewöhiit, nicht anzuschließen vermochte.
Dieselbe Berufsgenossenschast hatte bie bem Karl Bar zu Bobenhaujen wegen einer Verletzung ber linken Hand «ugebiüigte Reme von 10 Proz. vom 1. Januar 1906 eingestellt, ®en Erlaß des Einstellungsbefcheibs erachtete das Gericht für gerechtfertigt unb wies bie erhobene Berufung juruef.
Wilhelm Eifer erstattete im Januar 1906 bie Anzeige, im c>um 1906 sei ihm beim Abstecken einer Ehaiissee ein schwerer ^tem wider das Unke Bem gefallen. Der behandelnde Arzt Dr. Sichert zu Hungen stellte un August 19y5 fest, daß die geringe Verletzung fast verheilt war und daß Eifer am linken Bem an Geschwür, bilbunqen unb Rrampfabern litt. Die 2ieibauberuisgcnoffenfchaft lehnte die Gewährung einer Rente ab, da bie Verminderung der Arbeitsfähigkeit des Eifer eine Folge ber Krampfadern, welche mit bem Unfall in feinem ursächlichen Zuiammenhang stunden, fei. Cfrifer beitritt dies unb legte Berufung beim Schiedsgericht em. Dieses schloß sich jeboch auf Grund des är-ztlichen Gutachtens der Vor nstanz an unb bestätigte bereu angefochtenen Beicheid.
Ter Taglöhner Heinrich K o ch zu «mar hatte am 10. August 1905'beim Heben eines Radiators Schmerzen un Unterleib^ücr- jnüri Ter am nächsten Tage zu Rat gezogene Arzt -tr. eeipp onftatierte eine Drüsengeschwulst; durch operative Behandlung m chirurgischen Minik ju Gießen wurde Koch von fernem Leiden
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