Nr. 206
Viertes Blatt. L66. Jahrgang Samstag I. September 1006
Erscheint Wzlich mit Ausnahme des Sonntags. ® m „
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General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen.
Politische Tagesschau.
Abgewunken.
Es stellt sich als Tatsache heraus, das; sonderbare Schwärmer jenseits der großen Heringspfütze an den deutschen Kaiser die Bitte gerichtet haben, im nächsten Jahre den Vereinigten Staaten eine kleine Visite abzuslatlcn. Wie cs heißt, hat man die braven Leute aber sofort von Berlin aus bedeutet, daß das denn doch nicht angehc. Es ivärc auch für uns im deutschen Reich nlcrkivürdig geivcsen, unseren Kaiser als Sympathiercisenden im Lande des Dollars, der Ricscn- trustc und der Monrocdoktrin zu sehen — an der Reise des Prinzen Heinrich seinerzeit war cs gerade genug: Und an der Schenkung des alten Fritz auch. Was die Pankees für uns übrig haben, wissen wir, und die paar Millionen Deutscher, die ihr Vaterland und ihre Muttersprache erfreulicherweise noch nicht ganz vergessen haben, können doch unmöglich erwarten, daß der Kaiser, dem sie ihre Sympathien entgegen- bringen, ihnen einen Besuch abstattet, und sich trotz Roosevelt drüben von ihnen feiern läßt. Ein solcher Besuch hätte Unzuträglichkeiten im Gefolge gehabt, die mit der Würde unter keinen Umständen zu vereinen gewesen wären. Merkwürdig aber ist cs. daß die Bitte um einen freundlichen Rachmittags- desuch wirklich von St. Louis quS abgehen konnte. Wenn wir uns recht entsinnen, hat das deutsche Reich doch einen Vertreter in Amerika, einen gewissen Speck von Sternberg. Hat dieser deutsche Vertreter von dem sonderbaren Plan der Schwarmgeister etwas gehört? Hat er die Ausführung, hat er die Absendung dieser Bitte nicht verhindern können, indem er die Leute auf das Törichte ihres Ansinnens aufmerksam machte? In der amerikanischen Presse ist Spektakel genug gemacht worden, und Herr Speck von Sternberg hätte schon
etwas davon hören können. Aber er scheint 511 wenig Taktgefühl 511 haben, als daß er den Unsinn erkannt hätte.
LlermrschteA.
* Die Jagd nach dem Manne ist, wie uns aus Rew-York berichtet ivird, für ein junges Mädchen,- das infolge seiner Tüchtigkeit sich jetzt Frau Dumbowska nennen darf, erfolgreich verlaufen. Die Hochzeit fand nun in Gegenwart des Polizeipräsidenten und des Stadtanwaltes in Meriden statt. Tie junge Frau hat Grund, auf ihre Leistung stolz zu sein, denn sie verfolgte ihren jetzigen Gatten um die ganze Welt, bis sic ihn endlich in Meriden „stellte". Sic und ihr Mann sind beide on5 guter österreichischer Familie und lebten in Chicago. Dort wollten sie heiraten, am Hochzeitstage jedoch war Dumbowski verschwunden. Seine Braut war indes fest entschlossen, ihn zu heiraten und ermittelte, daß der Flüchtling sich nach San Franzisko gewandt hatte. Also reiste sie ihm dorthin nach. Dumbowski flüchtete vor ihr über den Stillen Ozean nach Triest, aber erfolglos, denn bald war seine treue Pauline ebenfalls dort. Zurück über den Ozean nahm er nun seinen Weg nach New-Pork, mit dein gleichen Erfolg wie bisher, denn der nächste Dampfer brachte ihm seine Pauline nach. Ihr liebevolles Herz hatte nun genug vom Reisen, und so erwirkte sie kurz entschlossen ein Heirats-Zertifikat, führte ihren Dumbowski, an den sie wohl bestimmte Rechte hatte, zum Polizeirevier und forderte ihn dort in Gegenwart der Beamten zur Heirat auf. Dumbowski wehrte sich nicht länger, und so konnte der Friedensrichter Fean die Zeremonie vollziehen.
* Auktion für 15 Pfennig. Ein niedliches Stückchen hat sich Sankt Bureaukratismus geleistet. Er hat in Schneidemühl
an die Gerichtstafel des dortigen Landgerichts folgende Bclannt- machung geheftet: „Zn den Raumen der töniglichcn Staats- anwall'chaft hier sind am ‘27. Juni 1906 folgende Gegenstände m einem Buche der Handbibliothek gesunden worden:' 1. eine deutsche Zchnpfennig und 2. eine deutsche Fünf- P f c n n i g m a r k e. Der Empfangsberechtigte wird hiermit aufgefordert, binnen vier Wochen von heute ab seine Rechte bei dem Obcrsekretär der Staatsanwaltschaft anznmelden, widrigenfalls nach Ablauf der genannten Frff: die bezeichneten Fundsachen öffentlich versteigert werden." Ob die Versteigerung wohl die Kosten lohnen wird?
* Das dänische Staatsbüttelamt ist besetzt! Dem Minister lagen trotz der bescheidenen Besoldung der Stelle nicht iveniger als 188 Bewerber vor, zumeist eingereicht von ehemaligen Schlächtern, Polizeidienern und anderen geehrten Staatsbürgern, die schon in ihrem bisherigen Berufe Gelegenheit hatten, zu beweisen, daß sie eine starke .Hand besitzen, von allzu starken Nerven nicht geniert sind und speziell Blut nicht fürchten. Ein robuster junger Polizeidiener aus der seeländischen Stadt Slagelfe mit Namen Christensen war der „Glückliche". Einem ihn aus- sragendcn Reporter gegenüber sprach der als recht naiv geschilderte neue Scharsrichter und Prügelbeamte aus, er sei von der Berechtigung der Todes- wie der Prügelstrafe „überzeugt". „Nervosität" kenne er weder dem Begriffe noch dem Namen nacht Der Mann mag sich eignen.
fftIw der Entwicklung oder beim Lernen
*■’’ V zur-nekbleibende Kinder, sowie blnt-
tivmc, sich inattsühlende und nervöse überarbeitete, leicht erregbare, frühzeitig erschöpfte Erwachsene gebrauchen als KräfligungS- mittel mit großem Erfolg Dr. Honrmel'ö Hacmatogeu.
Ter Appetit erwacht, die geistigen nnd törpcrticheu Kräfte werden rasch gehoben, das Gesamt-Nervensystem gestärkt.
Man verlange jedoch ausdrücklich das echte „Dr. Hommel's" Hacmatogeu und lasse sich keine der vielen Nachahmungen ausreden.
jAltbewährt! ^erreicht! Feinstes Aroma!
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