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20.1.1906 Viertes Blatt
 
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156. Jahrgang

Samstag KO. Januar 1906

Rotationsdruck und Derlaq der Brüht'sch« llntDcrfilälSbrudereL 9L Lange. Otefeen»

Redaktion. Expedition n. Druckerei: Schukstr A.

Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr. r Anzeiger Gceve«,

Nr. 17 Viertes Blatt.

Achhetnl tSgllch mit Avknahme be8 Sonntags.

fyte ^Gießener KamMenbllttter^ werden dem e$nxctqeT viermal wöchentlich beigelegt. Der EHejstjche Lavd»irt" erscheint monatlich einmal.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für Len Kreis Gietzen.

* Ein mit Bezug angeboren

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Berlin. 19. Jan. Die Steuerkommission des Reichstages begann die Beratung des B ra nsteuerg ese h c§. Die Diskussion beginnt mit dem § 3a betreffend die Höbe der Steuergesetze. Berichterstatter Rettich (kons.) spricht sich persönlich gegen die vorgeschlagene Staffelung ans. Tine solche habe den Rückgang der Kleinbrauereien nicht anf- gehalten. Konferent Speck (Ztr.) bestreitet die Berechtigung der vorgeschlaqenen Steuererhöbung. Dieselbe widerspreche dem § 6 de? Flottengesetzes. Das System der Staffelung muffe gegenüber dem bayerischen verbeffert werden. Er schlage vor, vor jedem Jahresbeginne nach einem dreijährigen Produktionsdurchschnitt auf die Staffeln zu veranlagen, wo- bei die Ueberproduktion höher zu versteuern sei. Die Klein­brauereien mühten auf dem Biermarksatze verbleiben und die Staffelung bis 71/, Mark gehen. Daraus ergebe sich eine Mehreinnahme von 24 Millionen. Eine Abwälzung auf die Konsumenten sei, da die Hauptlast die Grohbrauereien träfe, Lei diesem System unmöglich. Inzwischen ging ein Antrag Rettich ein, welcher folgende Staffelung vorschlägt: 4, 5, 7, 9, 11 und 121', Mark anstatt 7, 8, 10, 11 und 121/, Mark. Stolle (Soz.) bekämpft die Brausteuererhöhung. Sie ruiniere die Klcinbrauereien, verteuere den Arbeitern das Bier, fördere den SchnapSgcnuh und diene dem Militarismus und dem Marinismus. Müller undLenzmann beantragen,erstens nach dem Tiskussionsabschluh abzustimmen, ob überhaupt eine Brausteuererhöhung stattsindcn soll, zweitens, eventuell ben 8 3a (Steuersätze) abzulehnen und von jeder weiteren Beratung abzusehen. Staatssekretär Frhr. v. Stengel be­freitet, daß die Kleinbrauereien der Pfalz infolge der baye­rischen Brausteuergesetzgebung zurückgingen, die Ursache sei '.nelmehr die auch in Norddeutschland wirksame moderne Aufsaugungstendenz. Der Biergen uh in der Pfalz verdoppele sich trotz der Steuererhöh- iu n g. Bei dem überaus hohen Schankgewinn kommt e6 auf eineinmertel Pfennig für den Staat nicht an. Müller-Fulda bemerkt demgegenüber, in der Pfalz seien 70, in Norddeutschland 35 Proz. der Brauereien eingegangen. Auch berechne Frhr. v. Stengel den Schankgewinn viel zu hoch, er nicht durchschnittlich 20, sondern 10 Pfg. pro Liter. Das Zentrum lehne den Antrag Rettich ab, welcher nur die Regierungsvorlage bemäntele und dem Maffen- uerdrauch 26 Millionen Mehrbelastung (gegen 60 der Vor­lage) bringe. Da« Zentrum halte Specks Vorschläge aufrecht. Müller-Sagau erklärt, die freit. Volkspartei lehne die Dorlage ab, welche neue Sozialdemokraten schaffen und den KchnapSkonsum steigern werde. Finanzmrmster Frhr. von SRbein bab en führt auS: Die Vorlage belaste bafl Bur nicht erheblich, und betont, daß die Zuckeroerbilligung die Masten um ISO Millionen entlaste. In Bayern sei daS Bier durch die Besteuerung nicht schlechter noch teurer ge­rn orb en. Er bestreite die Möglichkeit einer Abwälzung auf hie Volksmassen. Die Biersteuererhöhung sei viel leichter zu tiragen als die Wehrsteuer.

Die Vudgetkommissi on deS Reichstages nahm einstimmig den Antrag Erzberger an, im Servistarif die Servisbeträge vom 1. April 1906 ab für alle Servisklassen i.iach den Servisbeträgen der Servisklasse 1 festzusetzen; die Kommission nahm ferner mit großer Mehrheit einen Antrag Singer an, nach welchem die nächste Neuregulierung am H. April 1908, nicht 1913, erfolgt.

Erbach-Schönberg am Bahnhof empfangen. Prinz Ludwig von Battenberg kam am gestrigen Mittag 3 Uhr 15 Min. von London hier an und gedenkt auf Schloß Heiligenberg, wohin die Herrschaften sich abends begaben, einen kurzen Urlaub zu verbringen.

WormS, 14. Jan. Die hiesige Handelskammer nahm in ihrer letzten Sitzung zu den dem Reichstag vor­liegenden Steuergesetzentwürfen Stellung, von denen sie eine unverhältnismäßige Belastung einzelner Geschäfts­zweige von Handel und Industrie befürchtet. Eine unbe­dingte Ablehnung erfuhren die Steuern aufQiiittungen, Frachturkunden, Paketadressen u. dergl., weil sie den gewerblichen Mittelstand am drückendsten belasten. Ebenso erklärt sich die Handelskammer entschieden gegen dis Brau steuer in der vorgeschlagenen Höhe und Staffelung. Hinsichtlich der Tabaksteuervorlage ist sie gegen eine Mehrbelastung des Rohtabaks durch eine Steuer oder Zollerhöhung, für eine Zollerhöhung auf die importierten besseren Tabakfabrikate und eine Zigaretiensteuer ist sie da­gegen zil haben. Keine Einwendungen hat die Handels­kammer gegen die Fahrkarteusteuer zu erleben unter Frei-« lassung der vierten Klasse. Einverstanden ist sie ferner mit der Erb sch aft8 steuer, jedoch mit Freilassung der Ehe­gatten und Deszendenten. Schließlich empfiehlt sie eine Wehrsteuer und eine Reform der Branntwein- Neuer. (Frkf. Ztg.)

Frankfurt, 19. Jan. Eine imposante Kundgebung veranstaltete gestern der Demokratische Verein gegen daS Dreiklassenwahlrecht. Nach längerer Rede der Abgg. Oeter und Dr. Barth nahm man einstimmig folgende Reso­lution an:

Die heute aus verschiedenen Parteien und Beoölkerungskreiseir stark besuchte öffenttiche Versammlung des Frankfurter Demokra­tischen Vereins fordert mit rückhaltloser Entschiedenheit die als­baldige Ersetzung deS preußischen Dreiklaffenwahlrechts durch daS allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht, sowie eine Wahlkreiscinteilunq, die im Einklänge mit der Verteilung der Be­völkerung steht. Sie appelliert an alle, die aus dem gleichen prin- zipsellen Boden stehen, ihre Anstrengungen zur Erreichung dieses dringenden und notwendigen Ziels zu vereinigen.

Aus Stadt und Lnnd.

Gießen, 20. Januar 1906.

Kurs der medizinischen Psychologie auf Behandlung und Erziehung der Schwachsinnigen wird vom 2. biS

7. April d. Js. in Gießen (Klinik für psychische und nervöse Krankheiten) stattfinden. Als Vortragende werden Profeffor Dr. Sommer, Privatdozent Dr. Dannemann-Gießen, Prof. Dr. Weygandt-Würzburg und Seminarlehrer Lay- Karlsruhe mitwirken. Ferner Rektor Henze-Hannover als Mitglied des Vorstandes deS deutschen Hilfsschulverbandes. Das genauere Programm der Vorträge und Hebungen soll Ende Februar 1906 versandt werden. Die Einsehreibegebühr wird je nach den Kosten der Vorbereitung etwa 10 bis 20 Mark betragen. Zu dem Kurs sind alle an der Be­handlung und Erziehung der angeboren Schwachsinnigen ernsthaft interessierten Personen, besonders Aerzte und Lehrer, Eingeladen.

** Oberhessischer Geschichtsverein. Ter 3. Vortra gsabend, welcher gestern int oberen Saale Les Cafe Ebel abgehalten wurde, war weniger gut besucht, mls dies sonst der Fall ist. Geh. Hofrat Dr. Sieb eck ssprach über Chr. Helvicus in Gießen als Didaktiker [116051617), in einstündigem, namentlich für den Gelehrten uinb Pädagogen interessanten Vortrag. In humorvoller Meise machte Professor Tr. Geppert Mitteilungen mus alten Vorlesungsverzeichnissen der Medizinischen Fakultät. Schon die Beschreibung Lieser Vorlesungsverzeichnisse, die die Größe eines heuti- aen bescheidenen Konzertprogramms hatten und textlich sich Ihm sichtlich des Umfanges mit diesem nicht messen konnten, sntlockte den Hörern ein Lächeln, das sich stark steigerte, als der Vortragende mitteilte, daß bis zu Ende des 18. Jahrhunderts die Zahl der Lehrer in der medizinischen Fakultät zwischen 14 schwankte. 10 Jahre lang repräsen- ttierte ein Dozent die ganze medizinische Fakultät an unserer Hochschule, dann kam ein weiterer dazu und schließlich ssväter soar noch eing dritter. Wer von den Medizinern Äektor wurde, tonnte ein Jahr lang wegen der Bürde dieses Amtes keine Vorlesungen halten. Häufig scheint es vor- getemmen zu sein, daß der Hof die Medianer an der Hoch­schule für gescheiter gehalten hat als die anderen Aerzte, jp wurden denn die Professoren zu Leibär^en ernannt, da solcher Professor kündigt dann einfach an, daß er

Sturm. Während wir in Oberhessen namentlich in der Nacht von Donnerstag auf Freitag einen starken Stnrm hatten, der manche Fensterscheibe zertrümmerte und anderen kleinen Schaden verursachte, richtete er am Freitag in Berlin imb Vororten' erheblichen Schaden an Gebäuden, Gärten ufro. an. In den Straßen der inneren Stadt und in Eharlottenburg wurden zahl- reiche Schaufenster eingedrückt, Tclephondrähtc wurden vielfach zerrissen, Schornsteine fielen nm, Dacbgesimsstücke. fielen auf die Straßen. Gerüste stürzten ein. Vom Dach der Michaeli-Kirche würbe die Figur beS Erzengels Michael heruntergeworfen. Im! Tiergarten tourben Bäirme entwurzelt. Der Sturm trug m Vor­orte Dahlen bas Dachgeschoß eines Tanzlokals fort nxchte male Steine von Neubauten herunter. Soweit bekannt w, sind Menschen nirgends verletzt. In Hamburg erreichte die Sturmflut am Freitag!mittag eine beträchtliche Höbe. Mehrere im Hafer' liegende, bezw. auf der Unterelbe befindliche Schiffe erlitten Beschädigungen. Der Schornstein einer Bäckerei wurde aus das Nachbargebäude geworfen, wodurch das Dach und bret Etagen durchschlagen wurden. Ein Dienstbote wurde ge­tötet, einer Fran beide Deine gebrochen. In Harburg stürzte ein Haus ein. Hierbei wurde ein Kind getötet, eine Frau lebensgefährlich verletzt. In Alfeld bvb deü Sturm das Dach von einem Maschinenschutz: en ab und schlenderte es auf die Straße. .Hierdurch wurden drei vorübergehende Arbeiter schwer verletzt, einer derselben tödlich. In den Forsten des Thüringer Waldes wurde, ungeheurer Schaden an/ gerichtet. ' .

* Kl eine Tageschronik. Graf Pückler-Klem- Tschirne hat seine sechsuwnatliche F e st u n g s st r a s c in W e i m- selmünde angetrcten. In einer Kvhlenmine von Vor.nt- Erck (West-Virginia> rourden durch Explosion von Kohlenstaub 18 Personen getötet. ___.

lesen werde, wenn er nicht in Darmstadt beschäftigt sei. i Derartige Gründe für Verhinderungen wurden noch eine , ganze Anzahl vorgeführt. Nebenbei gab es auch noch Gründe passiver Art. Zeitweilig war sogar ein Mathematiker ; auch als innerer Kliniker beschäftigt. In. der üüiatomie gab es höchstens alle drei Jahre einmal eine Leiche, aber ( es gab and) einen Mediziner, der sich zu helfen wußte, indem er Hundeleichen vorführte. Einer der Leuchten der ' Wissenschaft versprach, es kurz zu machen mit seinen Vor- i lesungen, ein anderer erklärte, er werde auch ab und zu einen Kranken zeigen. Eine medizinische Praxis kannte man damals nicht, aber die Theorie war bedeutend. In fünf : Semestern hatte Tillenius die ganzen Krankheiten vor­getragen. Es gab sogar ein Kolleg über Abführmittel, das ein ganzes Semester in Anspruch nahm. Ebensoviel Zeit nahm dre Belehrung über den Puls in Anspruch. Chirurgie taucht in den Vorlesungsverzeichnissen bis 1780 nur ver- chämt ein und das anderemal auf. Es scheint damals au unserer Universität in der medizinischen Wissenschaft recht gemütlich zugegangen zu sein. Es wurde aus dem Buch vorgetragen, Hypokrates bildete den Mittelpunkt der ganzen Lehre, aber verstanden haben ihn die Lehrer selber nicht. Von 17801810 fehlen die Vorlesungsverzeichnisse. Aus den folgenden Verzeichnissen ersieht man, daß 1810 ein kolossaler Umschwung cingetreten war. Moderne und fort­geschrittene Dozenten, ab und zu noch ein alter Rest der rüheren Weisheit, bis Liebig einen sehr gründlichen Wandel gebracht hat. Ter Wandel zum Besseren 1810 war herb ei­geführt durch das Wirken der Leichener medizinischen Fa­kultät mit ihren fortgeschrittenen Einrichtungen. Ober­bibliothekar Tr. Heuser machte darauf Mitteilung über die älteste U n i v e r s i t ä t s f a h n e, welche nach einem vorhandenen Inventarverzeichnis während des 30jährigen Krieges vorhanden und grüngelb Mwescn ist. Tas Panier wird vom Vortragenden nach Dem Inhalt des Verzeichnisses genau beschrieben. Es ist unzweifelhaft, als die Uni­versität wieder mit der Marburger vereinigt wurde, mit naey dort gekommen, wo die Fahne aber hingekoimnen ist, ist nicht zu sagen. Diese Fahne war, als Gießen im dreißig­jährigen Kriege bedroht war und die Studenten sich in den Dienst der Verteidigung der Stadt stellten, diesen vorau- getragen worden. Es beweist dies eine Abbildung in einem Stammversalbum, welches sich in der Bibliothek zu Weimar befindet.

♦♦ Wormserliberale" Politik. In einerdie gestrige Generalversammlung des Wormser Konsumvereins" überschriebenen Auslassuna Der Wormser Zeitung be­findet sich wörtlich folgender Satz:

Die hiesige Sozialdemokratie steuert, gefördert von dem liberalvereinigten Bürgertum, unverdrossen ihrem Ziele zu, sie verrichtet im Verborgenen so gründliche Arbeit, daß manchem icknm jetzt die Augen überlaufen, der sie bisher brüderlich ans gutfleischwarme Herz schloß."

Bei genauer Durchsicht des ganzen Artikels findet man nichts, was der Wormser Zerlung Veranlassung geben könnte, den Namen des Abg. Tr. Gutfleisch zu nennen. Wenn es trotzdem geschieht, kann hierin nur ein Aus­bruch der ohnmächtigen Wut und des giftigen Hasses erblickt werden, den die W. Z. gegen alle anzuwenden pflegt, die ihrer und ihrer Hintermänner Politik keinen Geschmack abgewinnen können, lieber die Geschmacklosigkeit der ge­brauchten Redewenduria ist kein Wort zu verlieren, jedoch wirkt sie insofern komisch, ats sie von einem sich selbst als vornehm" brüstenden Blatte gebraucht wird, das stets über die Gehässigkeit des gegen sie und ihren Herrn und Meister geführten politischen Kunrpfes in den beweglichsten Tönen jammert.

Lanbach, 18. Jan. In der letzten Gemeinderats- Sitzung gab Ingenieur Heil von der süddeutschen GaS- gesellschast in Frankfurt a. M. eine Erklärung ab, daß letztere gewillt sei, sobald eine genügende Anzahl von Reflektanten zur Abnahme von elektrischer Kraft vorhanden sei, neben der Gasbeleuchtung auch elektrische Energie für Kraftzwecke zu erzeugen.

§ Fried berg, 18. Jan. Der Vorschußverein hat den gieubau eines Kassengebaudes in der Haagstraße beschlossen. Der Vorschußverein besieht bereits 42 Jahre, und da er sich in der Bevölkerung der besten Sympathien erfreut, so ist sein Geschäftsbetrieb und der Kapitalumsatz außer­ordentlich gestiegen. Infolgedessen reichen die jetzigen Räum, lichkeiten nicht aus, und man mußte zum Neubau schreiten. Tas jetzige Gebäude wird abgebrochen und an dessen Stelle wird unter Heranziehung des früheren Färberschen Gartens ein neues Kassengebäude entstehen.

Darmstadt, 19. Jan. Das schon erwähnte Kostüm- fest am Großh. Hofe sand gestern abend im Rcsidenzschlosse statt. Von etwa 200 Eingeladenen hatten 170 der Ein­ladung Folge geleistet. Um XU 8 Uhr nahm das Fest, dessen Arrangements im Stile der farbenfrohen und kunstsreudigen Zeit der italienischen Renaissance getroffen waren, mit einem glanzvollen Einzug der Gäste im Weißen Saale, wo sie durch die Großh. Herrschaften empfangen wurden, seinen Anfang. Die Reihe der Tanzaufführungen eröffnete eine Touren- Polonaise, der sich ein Lancier anschloß, worauf eine Qua- drille getanzt wurde. Die Polonaise und die Quadrille wurden von S. K. H. dem Großherzog angeführt und waren durch Frau Hofballettmeisierin Thiele-Leonhardt trefflich ein- siudiert. Das Souper wurde in verschiedenen yerträumen eingenommen, dann wurde im Kai'erfaale als separat» Vorstellung das de Banvillsche CharakterbildGriugoirc" dlirch Kräfte unseres Schauspiel-EnseulbleL oorgeführt. Der Vor­stellung schloß sieh ein Ball an. Nach 2 Uhr erreichte das überaus farbenprächtige und glanzvolle Fest sein Ende. = Prinz und Prinzessin Friedrich Carl von Hessen, die ebenfalls dem Feste beigewohnt hatten, sind heute früh wieder von hier abgereift. Prinzessin Ludwig von Battenberg nebst Familie traf gestern mittag 2 Uhr 40 Min., von Gibraltar über Genua fommenb, hier ein und wurden von II. KK. HH. dem Groß Herzog und der Großherzogin tmb dem Fürsten und der Fürstm zu

ntt$ Wissenschaft.

Neues Schauspielhaus" in Berlin. Der Ev» Bauer dieses Theaters, Architekt teuer, dielt darüber dm eil Tage einen Vertrag, in welchem er ausführte, das; der Bau 51/2 Millionen koste und daß man hoffe, die Spielzeit nut An­fang November beginnen zu können. Die Gesamtfläche des Bau­platzes betrugt 6350 Quadratmeter, von welchen 3950 Quadrat­meter bebaut würden, und zwar mit einem Raummhalt von 98 323 Kubikmeter. 12 060 Kubikmeter Ecd-reich seien 'vr Iain- damentierung auszuschachten, wozu auch 1500 Knbstmeter Beton erforderlich seien. Das Mauerwerk betrage 14 700 K'nbckmetey und 6 000 000 Ziegelsteine werden verwandt werden. Zur Decken- konffrnktion seien 1 275 000 Kilo§rc.mm Eisen in Auftrag gegeben. In der Nollcndorfstraße wird ein Wohnhaus und ein Direkttons-- gebaude mit einem Restaurant errichtet. Das Theater ist für 1200 Sitzplätze eingerichtet, das Restaurant für 1600, und zwar entfallen auf das Parkett 500, ans den ersten und zw iten Rang 250, bezw. 400 Sitzplätze. Die ganze Anlage wird durch aOOO Glühlampen, 500 Nernstlampen und 70 Bogenlampen erleuchtet. Es wird eine stationäre Drehbühne gebaut, die erste in ihrer Art, in welcher sämtliche Mechanismen vorgesehen und, so datz zum Beispiel bei der Ausführung von K'abale und uebe Jia) die Spielzeit um 40 bis 45 Minuten aMrzen lasse. Notausgange gibt es nicht, vielmehr sind so viel Türen vorhanden, day sich das Theater in bis 2 Minuten entleeren könne.

GekLchtssaal.

Leipzig, 19. Jan. Das Reichsgericht hob das Urteil des Oberlandesgerichts München ans, wodurch das Urteil des Langericbts München bestätigt wird, nach welchem die Witwe des Professors v. L enba ch-München auf die Klage der von ihm gefchiedenan ersten Frau v. Lenbach, der jetzigen Frau Professor Schwen i n g e r - Großlichterfelde, die aus ihrer ersten Ehe stammende vier',., nfahrige T0 ch t er M ar i 0 n he r- ausgeben sollte. Der vierte Zivilsenat des Reichsgerichts wiesdicK'lageab.

Ratibor, 19. Jan. Die hwsige Stranammer verhandelte --egen den Statiousdiätar Strauß in Ezenntz nnd^den Z11 g f ü brer Fuchs, die angeklagt sind, das am 30. Sept, auf Bahnhof E'.ernitz vorgekommenc Eisenbahnunglück ver­schuldet zu haben. Es siihr damals ein Personenzug auf einen Prellbock und stürzte die Böschung herab, wodurch zwei Be­amte getötet und eine größere Anzahl Personen verletzt wurden. Strauß wurde zu drei Monaten lüe* fänayis verurteilt. Fuchs freigesprvchen.