Ausgabe 
19.2.1906 Erstes Blatt
 
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Nr. 42 rffteint täglich außer SonnragS.

Dem Greßener Anzeiger «erden tm Wechsel mit dem hesfischen Landwirt die Sietzener Santilien- klärtet viermal in der

Woche beigelegt RotatwnSdruck u. Ber- Iflg der Brühl 'schen Univers.-Buch-u. Stein- druckerei. 8L Lange. Redaktion, Erpedtüo« und Druckerei:

Schulstraße 7.

Redaktion e« 113 Verlag u.Exped.e^sAbl 21breffe für Deoeschen:

Au-eiger Gießen.

Erstes Blatt

156. Jahrgang

Montag 19. Februar 1906

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Eichener Anzeiger

" General-Anzeiger v

vezngdpretdr monatlich 76 PI., atertet» jährlich Alk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen rnonatlich 66 Pf.; durch diePost Mk.2. viert el- jährl. auSschl. Bestellg. Annahme von Anzeige» für die Tagesnmmner bis vormittag- 10 LU>x^ ZellenprelS: lokal 13P1, auswärts 20 Pig.

Verantwortlich Khr den polti. und allgem, Teil: P. Wtttko; für ,Stadt tmb Land^ und .GerichtSjaatt: Ernst Heb; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

3>te Heutige Kummer umfaßt 10 Seiten.

Gießen, den 17. Februar 1906. Betr.: Militärdienst der Volksschullehrer.

Die Großb. Äreisschnlkommission Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Wir beauftragen Sie, die Lehrer, die am 1. April I. I. zur Ableistung ihres Militärdienstes ins Heer eintreten wollen, zur sofortigen berichtlichen Anzeige ihres Vor­habens bei uns zu veranlassen.

_________________________Tr. Breidert.________________________

Amtliche Nachrichten über Viehseuchen.

Die in einem Gehöft zu Dannenrod (Kreis Alsfeld) ausgebrochene Schweinerotlaufseuche ist erloschen. Die Gehöft­sperre ist allfgeboben.

politische Wochenschau.

Gießen, 19. Febr.

Die Veränderungen, die der Tod des Stcnrtsministers Nothe in den oberen Verwaltungsstellungen Hessens mit sich brachte, sind nunmehr mit der Berufung des seitherigen -Oberregierungsrats Dr. Karl ll finger als Nachfolger Brauns in der Ministerialabteilung für Land­wirtschaft, Handel und Gewerbe zum Abschluß gelangt. Damit ist die schon längere Zeit erörterte Frage, ob nicht eine Aendcrung der Organisation dieser Behörde den sich manchmal widersprechenden Interessen dieser drei wichtigen Erwerbszweige dienlicher sei, verneint worden, und cs kann von dem neuen Inhaber des Amtes erwartet werden, daß er seine Tätigkeit tm Sinne seines Amtsvorgängers auf­faßt und seine Hauptaufgabe in der gleichmäßigen För­derung aller drei Berufsgruppen erblickt.- Nicht zum Abschluß gelangt ist dagegen die Affäre Cramer. Der seinem ganzen Denken, Fühlen und Handeln nach mehr dem Kleinbürgertum wie dem Sozialismus angehörenoe Darmstädter Volkstriüun hat der Ankündigung seiner Man­datsniederlegung bis jetzt die Niederlegung selbst nicht folgen lassen. Warum, weiß man nicht. Es scheinen Bemühungen im Gange zu sein, durch eine demnächstigc sozialdemokratische Wahlkreiskonferenz die Sache so zu regeln, daß Cramers schätzenswerte Nichtmitarbeiterschaft im Reichstag diesem und dem Wahlkreis Tarmstadt-G-r-ß-Gerau erhalten bleibt, wenigstens machte dieMzr. Volksztg." Andeutungen in diesem Sinne. Sollte dies der Fall sein, so ist die Rücksicht­nahme auf die persönlichen Gefühle Cramers sicher nicht die Ursache dieser Schonung, den die genössische Parteimoral kennt keine Rücksichten für Genossen 3. oder 4. Ranges, son­dern die Angst, bei der Neuwahl die Reihe der sozialistischen Niederlagen bei Reichstagsnachwahlen zu vermehren. Sollten diese Erwägungen dazu führen, daß Cramer sein Mandat beibehält, so Härte die Wählerschaft Darmstadts das seltene Schauspiel, als Vertrauensmann im Reichstag einen Manu zu haben, dem von seinen engsten Partei­freunden ein Mißtrauensvotum in alter Form ausgestellt wurde, und das wäre ein Eingeständnis von innerer Schwäche, die den bürgerlichen Gegnern für die Zukunft die schönsten Aussichten für die Zurückgewinnung des Darm­städter Mandats verheißt. Mit diesen Erwägungen stimmt auch die Tatsache überein, daß Cramer sein Stadtverord- netcn-Mandat inzwischen bereits niedergelegt hat. Tenn hier gibts vorläufig keine Neuwahl und deshalb ist auch vorläufig keine Niederlage zu befürchten.

In der inneren und der äußeren Politik des deut­schen Reiches gingen die Wogen hoch, höher als uns lieb war, und des Erfreulichen ist nicht viel zu verzeichnen. Der Reichstag hat den Etat des Schatzsekretärs des Innern endlich nach acht langen und ergebnislosen Be­ratungstagen genehmigt. Trop der schlechten Besetzung des Plenums, an die mau sich nachgerade gewöhnt hat, ging es laut genug her, und vor allem weckten die konservativen Angriffe auf den Grafen Posadowsky einige Besorgnis. Der Staatssekretär hat es mit der Rechten gründlich ver­dorben; er ist ihr viel zu fortschrittlich. Und daß er den bürgerlichen Parteien einmal die Wahrheit gesagt hat, kann man ihm schon gar nicht verzeihen, obwohl jeder Sitzungstag aufs neue zeigt, !vie recht der Staatssekretär hatte, als er von der Interesselosigkeit des Bürgertums sprach. Indes scheint die konservative Hetze glücklicherweise ohne Folgen geblieben zu sein. Der dieswöchige Schiverins- tag brachte die Fortsetzung der sozialdemokratischen Wahl- demonstratioit, die sich in diesem Fall durch den Antrag betätigt, von Reichswegen den Einzelstaaten ein bestimmtes Landtagswahlsvstem auszunötigen. Praktische Folge wird der Antrag nicht haben, und von Bebels großer Rede zu dieser Sache ist das Bemerkensiverteste das Eingeständnis, daß die einzig Vernünftigen am 21. Januar die sonst vvn den Genossen so bitter gehaßte Polizei war. Sonach meint Bebel, daß das sozialdemokratische Vorgehen am 21. Januar unvernünftig war, mehr kann man von dem Parteipapst wirklich nicht verlangen! Auch der Ausfall der Chem­nitzer Reichstagswahl spricht nicht sehr dafür, daß alleGenossen" die Wahlrechtsdemonstrationen für ver­nünftig halten, denn obwohl die Wählcrzahl mn 4000 stieg, hatte der siegende Genosse einen Verlust von nahezu 50(X) Stimmen, während der Kandidat des entschiedenen Libe­ralismus um über 5000 Stimmen zunahm.

Die Steuerkommission des Reichstages setzt ihre Arbeit munter fort. Sie lehnt eine Negierungsforderttng nach der anderen ab und übt sich selber im Ausfinden merkwürdiger Steuerproblcme zu welchem Zweck, das ist schwer zu ersehen. Tie von der Kommission angenommene Fahrkartensteuer hat in der Oeffentlichkeit die heftigste Verurteilung gefunden, und Ansichtskartensteuer und ähn­liche Steuerbluten bewegen sich auf gleich niedrigem gesetz­

geberischem Niveau. Man sagt nicht mit Unrecht: daraus, daß die Kommission schlechte Steuerforderungen ablehnt, darf sie nicht das Recht ableiten, noch schlechtere einzu­bringen. Wie die Dinge jetzt liegen, ist nicht abzusehen, was aus der Steuerreform werden soll, die größere Wahr­scheinlichkeit spricht dafür, daß gar nichts aus ihr wird. Man braucht nicht erst zu betonen, daß darin eine große Gefahr liegt. Ohne neue Steuern keine Reichsfinanzreform, und ohne Reichsfinanzreform kein Flottenausbau. Daß auch andere Kulturaufgaben schwer zu leiden hätten, wenn die Reformaktion im Sande verliefe, ist bekannt genug.

Die agrarische Woche hat ihren Abschluß mit der Heer- fchatr des Bundes derLandwirte im Zirkus Busch gefunden. Weniger als in früheren Jahren gaben diese Tage Anlaß zu Erörterungen; es hat sich gezeigt, daß die deutsche Landwirtschaft durch die bisherigen gesetzgeberischen Mtionen zu ihrem Schutz vollauf befriedigt ist und zu der Regierung das Vertrauen hegt, das man ihr noch vor zwei Jahren unbedingt versagen zu müssen glaubte.

Unsere Kolonien haben in der letzten Woche wieder einige Nachrichten gesandt leider waren sie nur zum Teil gut. Die Unterwerfung der Witbois macht Fortschritte, aber die Hereros denken nicht daran, diesem Beispiel zu folgen. Wieder ist eine deutsche Patrouille in die Hande des heim­tückischen Feindes gefallen und aufgericben worden wie oft wird sich dieses Schauspiel wiederholen? In Ostafrika ist die Lage günstiger; der Aufstand scheint zum größten Teil niedergeschlagen. Graf Götzen sieht die Situation nicht mehr für gefährlich an und er rvird sich darin wohl nicht tauschen. Aus Kamerun hat man neues nicht gehört.

England hat schwere koloniale Sorgen, in Süd­afrika droht die schwarze Gefahr. 80 000 Basntos stehen an der Natalgrenze und drohen loszubrechen, sobald man Miene macht, die Kopfsteuer einzutreiben. Das ist die Gerechtigkeit in der Weltgeschichte. Unter Befteiung der Neger hat Eng­land die Buren vernichtet, jetzt kommen dieselben Neger und machen dem einstigenBundesgenossen" Schwierig­keiten. (Ätgland, das sich über den Aufstand in Deutsch- Südwestafrika so sehr gefreut hat, wird nun am eigenen Leibe erfahren, wie angenehm derartige Dinge sind. Die innerpolitische Situation des Jnsclreiches hat dadurch eine Klärung erfahren, daß Balfour sich in den Förderin:gen Chamberlains hinsichtlich der Behandlung der Zollschutzfrage unterworfen hat. Um diesen Preis ijt die Einigkeit in der univnistischen Partei wiederyer^estellt laorocn.

Frankreichs Interesse konzentrierte sich in der ver­gangenen Woche ausschließlilt auf die Marokkoftage; man hat sogar den guten Freund Castro völlig vergessen, wie es scheint. Es heißt, die Bestrafung des venezolanischen Haus­knechts soll den Vereinigten Staaten übertragen werden uns kann es sehr gleichgiltig sein, was Frankreich in der Richtung tut. Genügt ihm, daß die Union dem Herrn Präsi­denten den Pelz wäscht, ohne ihn naß zu machen, so ist das seine Sache.

Die Konferenz in Algeciras' steht vor der Polizeifrage, und die Gemüter sind fast bis zum Siedepunkt erhitzt. Der springende Punkt bei den ganzen Verhand­lungen ist der: Frankreich will unter keinen Umständen davon abgehen, daß die Polizei ihm in der Hauptsache wenigstens übertragen werde. Und darauf wird Deutschland nicht eingehen fömten, wenn es nicht sein Prestige prcis- geben will. Die Polizei in den Händen Frankreichs das ist das Protektorat über Marokko, und alle Versicher­ungen inbezug auf die offene Tür sind völlig wertlos. Es ist bezeichnend, daß die französische Presse wieder durchs Wegs auf jenen Ton gestimmt ist, der im letzten Hochsommer beliebt wurde. Cs kann sein, daß diese papierne Aktion nur den Zweck des Bangemachens verfolgt, aber selbst in diesem Fall erscheint die Hetze sehr frivol. Die Haltung Deutschlands ist ruhig, zielberoußt und versöhnlich das muß selbst von der englischen Presse anerkannt werden. Die deutsche Diplomatie weist mit Nachdruck, aber ohne Schärfe die ftanzösischen Forderungen zurück, und jeden­falls hat man keinen Zweifel darüber gelassen, daß die deutsche Zustimmung zur Uebertragung der Polizei an Frankreich unter keinen Umständen erfolgen kann.

Italien feiert noch die Flitterwochen mit dem neuen Kabinett wie lange das dauern wird, läßt sich noch nicht erkennen. Mer lcmge dauern die .Honigmonde in Italien selten und beim geringsten Anlaß kündigt man einander die Liebe. Daß das neue Kabinett ziemlich im ranzösischen Fahrwasser schwimmt, hat sich bereits zur Evidenz gezeigt wir müssen diese vorerst noch innerliche Mkehr vom Dreibunb zu ertragen versuchen. Man scheint aber in Rom auch einige Pläne inbezug auf den Balkan zu haben, und das ist nicht ganz ungefährlich.

Oesterreich-Ungarn wird trotz aller inneren Wirren nicht mit sich spaßen lassen. In Wien tagt gegen­wärtig das Schimpfparlament und macht seinem Namen Ehre. Die Jungtschechen haben eine Interpellation ein­gebracht, die den löblichen Zweck hat, die Regierung wegen der Unterstützung, die sie Deutschland in der' Marokkoftage zuteil werden läßt, zu brüskieren ob dieser Zweck er­reicht wird, muß man abwarten. In Ungarn scheint wieder einmal Die Entscheidung bevorzustehen. Für den 19. Februar ist der Reichstag zu einer Sitzung zusammen­berufen, und man wird in Der Annahme kaum fehlgehsn, daß diese Sitzung die Auflösung des Parlaments bringen wird. Was dann lveiter wftd, das ivissen die Götter.

Aus Rußland ist nichts neues zu berichten. Die Menschcnschlächterei en gros geht ihren barbarischen Gang weiter, und dazu kommt nun noch eine furchtbare Hungers­not im Innern, die die Bevölkerung dezimieren wird. Die Regierung hat neuerdings Ihr Millionen Rubel bereitgestellt, aber die Taschen der Beamtenschaft sind ohne Boden, und den Hungernden werden nicht viele von den Rubeln zu Gesichte kommen.

In Ostasien scheinen sich abermals Fremdenhetzen vorzubereiten. Den Chinesen, denen diese Woche auch einett Kronprinzen gebracht hat, haben die japanischen Erfolge gegen Rußland den Gedanken nahegelegt, die verhaßten weißen Teufel" gewaltsam aus dem Reich der Mitte zu entfernen. Inwieweit hierbei japanische Hetzereien clls treibenbe Kraft in Betracht kommen, ist vorläufig noch nicht klar.

Dänische Trauerluge.

Der deutsche Kaiser in Kopenhagen.

Kopenhagen, 17. Febr.

llm 3V2 Uhr nachmittags legte das deutsche Liniens chiff Preußen" mit dem Kaiser an Bord am Kai des Freihafens fest. Als das Schiff unter dem Salut der Forts und des norwegischen KreuzersTordenskjold" in den Freihafen einlief, befand sich der Kaiser, der die Uniform eines bäni- schen Admirals trug, aus der Schanze. Um 3 Uhr 35 Min. traf das dänische Kvnigspaar im Freihafen ein und ging an Bord derPreußen". König Frederik trug die Uniform seines preußischen Husarenregiments. Im Gefolge des Königs waren König Georg von Griechenland und König Haakon von Norwegen, beide in Admirals- uniform; dahinter schritten der dänische Kronprinz, mehrer« Prinzen von Schweden, der Großherzog von Mecklenburg- Schwerin rc. Ter Kaiser begrüßte die Besucher am Fallreep. Nach der Vorstellung des Gefolges begaben sich alle Anwesen­den in den Speisesaal. Um 4 Uhr nach m. verließen die Fürsts lichkeiten das Schiff und begaben sich nach Amalienborg zurück. Ter Kaiser begab sich um 6V2 Uhr nach Schloß Amalienborg, wo um 7 Uhr Tafel stattfand. Der Kaiser kehrte um 9 Uhr 40 Min. von Schloß Amalienborg nach! dem LinienschiffPreußen" zurück. Er empfing bereits am Nachmittag an Bord derPreußen" den Großfürsten Michael Alexandrowitsch und den Herzog Peter dort Oldenburg.

Die Beisetzung König Christians.

Kopenhagen, 18. Febr.

Heute vormittag fand an Bord deS Linienschiffes Preußen * Gottesdienst statt. Der Kaiser verlieh an die Umgebung deS Königs Christian eine Reihe von Auszeich­nungen. ES erhielten u. a. den Roten Adlerorden S. Klaffe r)cr Chirurg Dr» Le Maire, ein Armband dem Porträt des Kaisers Oberhofmeisterin Gräfin Bille-Brahe. Gegen 1 Uhr trafen Kaiser Wilhelm und König Frederik auf dem Bahnhofe ein und fuhren alsbald nach RoeSkilde.

RoeSkilde, 18. Febr.

Um l1/» Uhr traf der Zug mit dem deutschen Kaiser, dem König und den übrigen Leidtragenden ein. Der Kaiser, der König und die übrigen Herren fuhren alsbald nach dem Tom. Der in den Danebrog gehüllte Sarg mit der Leiche des Königs Christian war umgeben von Ehrenwachen von Offizieren, Kammerherren und Großkreuzrittern. Um 1 Uhr 50 Min. trafen die fürstlichen Damen ein. Sodann kamen die fürstlichen Herren mit Gefolge an und begaben sich in feierlichem Zuge zu ihren Plätzen, König Frederik mit Kaiser Wilhelm an seiner rechten Seite und König Georg von Griechenland an seiner linken Seite; darauf folgte König Haakon von Norwegen mit dem Bruder deS verstorbenen Königs, dem Prinzen Johann von Glücksburg. Kaiser Wilhelm trug die dänische Admiralsuniform. Nachdem die fürstlichen Herrschaften Platz genommen hatten, begann die Trauerfeier. Bischof Roerdam hielt die Leichenrede. Nach dem hierauf folgenden Gesänge wurde der Sarg unter den Klängen eines Chorals von acht hohen Offizieren in die Kapelle getragen und in dem Sarkophag niedergesetzt. Am Sarkophag hielt Hofprediger Paulli eine kurze Trauerrede. Studentengesangvereine trugen einen Chorgesang vor. Die fürstlichen Herrschaften fuhren sodann nach Schloß Amalien­borg.

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Lo«bets Drplomatenabschied.

Paris, 17. Febr.

Das diplomatische Korps stattete dem Präsidenten Loubet einen Abschiedsbesuch ab. Der italienische Botschafter Graf Tornielli, der Doyen des diplomatischen KorpS, hielt an den Präsidenten eine Ansprache, in der er ausführte, daß daS diplomatische Korps sich immerdar gern erinnere der Mit­arbeit Loubets an dem Werke, das darauf gerichtet war, die Beziehungen der verschiedenen Länder zuFrank- reich intimer und sicherer zu gestalten. Tornielli er- innerte daran, daß L. den Triumph der Souveränftät deS Rechtes vorgeahnt habe, das in Zukunft die freundschaftliche Regelung der internationalen Zwistigkeiten und die Befestigung deS Friedens gebieten werde. Die Handlungen des Präfi­denten hätten zu einer glücklichen, fruchtbaren Ent­wickelung der Veziehungen eines jeden Landes zu Frankreich geführt. In seiner Erwiderung brachte Loubet dem diplomatischen Korps seine lebhafte und an­erkennende Erinnerung zum Ausdruck, die er von ihren gegen­seitigen Beziehungen mit sich nehme. Er habe in dem diplo­matischen KorpS stets die vornehmste Auffaffung seiner Misfion und das Bewußtsein jener hohen Verantwortlichkeit ange» troffen, die auf denen lastet, die im Namen ihres Vaterlande­sprechen. Der Präsident fuhr fort:

- , "~ieJc Austastung deckte sich zu sehr mit der meinigen, als daß Nch nicht vollständiges Vertrauen, ich möchte fast zu sagen wagen, ®nL V ertrau en unter uns eingestellt hätte.

Mit Recht, Herr- Botschafter, haben Sie auf das wachsende Gewicht hmgewresen, das der Gedanke des Rechts und der Solidarität in>