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„Kerl" und „Saufeu" keine Beleidigung.
Zum Schluß kam die Privatklag e des Schuhmachers F. F. M. von Gambach gegen den Zinrmevmeister AR. zur Verhandlung. Nach dem Urteil des Schöffengerichts Butzbach haben die Parteien auf dem Felde nebeneinander gearbeitet. Als der Kläger aus einer Flasche trank, hat ihm der Angeklagte zugerufen: „Guckt einmal, was der oder der Kerl — saufen kann". Das Schöffengericht konnte weder in objektiver, noch in subjektiver Hinsicht eine Beleidigung als vorliegend erachten, da der ©irtn des Wortes „Kerl" nichts in sich begreift, was den damit Bezeichneten herabsehen muß, es wird dieses Wort sowohl in lobenden, als in tadelnden Attributen gebraucht. Auch die Zeugen haben darin keine Beleidigung erblickt, daß der Ausdruck „saufen" gebraucht worden ist, da darin nur der Ausdruck des Erstaunens über die Leistungsfähigkeit des Klägers im Trinken zum Ausdruck gekommen ist. Eine Zeugin hat bekundet, daß sie auf die Aeußerung hin sogar selbst die Flasche aufs „Maul" gesetzt habe, um auch ihrerseits ihre Kunst im Trinken zu zeigen. Die Sache wurde allseits als Scherz aufgefaßt, nur der Kläger will aus der zwischen den Parteien herrschenden Feindschaft die Beleidigungsabsicht folgern. Das Berufungsgericht schloß sich den Ausführungen der ersten Instanz an und verwarf bie vom Kläger gegen das freisprechende Urteil erhobene Berufung.
** Kleine bittet! innen <• i» Ä Hessen n n d den Nachbar st aaten. Die goldeneHochzeit feierte in Mittel- gründan da? Ebepaar Friedrich Lott in seltener Rüstigkeit. — In der Burgruine Stadtprozelten wurde der Steinhauer Baumann aus Altenberg, der seit Montag vermißt wurde, mit gespaltenem Schädel und durchschnittenem Halse aulgefunden. Ter Mörder ist noch nicht ermittelt. — In der Klinik zu Gießen ist daS arme Kind gestorben, das, wie mitgeteilt wurde bei einer Lampenerplosion in Niedergirmes Brandwunden erlitten hatte. — InMainz hat sich der I 7 j ä h r i g e Schreinerlehrling Adolf S ch w o u d erschossen. Schon am Tage vorher machte er einen Selbstmordversuch.
vermischte».
* Diebe als Wächter. In der Dortmunder Wach - u n b Schließgesellschalt scheinen sich böse Beamten an befinden. Nachdem erst vor kurzem ein Wächter dieser Gesellschaft als Einbrecher verhaftet worden, ist wieder ein ähnlicher Fall passiert. Unter dem Verdacht awei Einbruchsdiebstähle verübt zu haben, wurde abermals ein Schließwächter verhaltet.
♦ Kleine Tageschron'k In Berlin wurde am 16. d. M. der Major im Garde-Schützen-Bataillon, Speck von Stern bürg, ein Bruder des deutschen Botschafters in Amerika, in seiner Wohnung in G r o ß - L i ch t e r s e l d e bei Berlin von einem unbekannten Individuum ü b e r f a l l e n , gewürgt und zu Boden geworfen. Tie hinaukommenden Burschen des Majors verfolgten den siiehenden Strolch, der durch den Friedhofs-Inspektor, einen früheren Gendarmen, festgenommen und der Polizei übergeben wurde. — In Pforzheim erstach der Goldschmied Ochs seine von ihm getrennt lebende Fr au: auf offener Straße mit einem Dolche.
Gerichtssaal.
sd. Darmstadt, 16. Nov. Kriegsgericht der 2 5. Division. Degradiert wurde der Unteroffizier der Reserve Andreas Schley vom Landwehrbezirk Erbach, der zuletzt wegen eines Diebstahls in Mannheim au zehn Tagen Gefängnis verurteilt worden war. Ter Gerichtshof hielt nach dieser Bestrafung den Mann nicht mehr für würdig, die Tressen zu tragen. — S t r e i k p o st e n hat der jetzt zu der 11. Kompagnie des Jnf.-Regts. Nr. 116 eingezogene Karl Schaumann aus Babenhausen (Oberhessen) vor seinem Diensteintritt an einer Frankfurter Fabrik gestanden; er ging sogar soweit, einem Arbeitswilligen, der mit der Trambahn wegsiihr, nachzulausen, diesen zu beschimpfen und zu treten. Er versuchte ihn auch zu dem Arbeiter- verband heranzuziehen. Er wird wegen öffentlicher Beleidigung zu vier Wochen Gefängnis verurteilt und dem Beleidigten $ubli’ Ujlion-be'nnnis io<bc i.
Kunft itiiO» Wissenschaft.
__ In Mantes (Departement Seine-et-Oise) unternahm am 16. d. M. der zweite L e b a u d y s ch e Luftballon seine erste Freifahrt. Ter Basion führte Bewegungen nach jeder Richtung hin über die Ebene von Lavacourt aus und kehrte dann zum Auf- stieqorte, dem Lu'tichifferparte von Moissons zurück._______________
Arbeiterbewegung.
Hamburg, 16. Nov. Heute ist onf allen im Haken liegenden Getreideschiffen die regelmäßige Arbeit wieder ausgenommen werden.
Kiel, 16. Nov. Die AuSsverrimq der hiesigen Elektromonteure ist beendet, nachdem ein Vergleich zustande gekommen ist. Tie Arbeit ist beute mittag wieder ausgenommen worden.
Halle a. S., 16. Nov. Wegen Ablehnung einer Lohnzulage traten heute die Arbeiter sämtlicher Tabaksabriken hier und in der Umgegend in den A u ? st a n d.
Sport.
— Fußball. Sonntag vormittag findet in der Restauration .Zum Andres", Sonnenstraße, der B e z i r k s t a q des VI. hessischen Beairkes im Rheinisch-Wes'fäliichen Svieler-'-rband statt.
Handel und Verkehr, Volkswirtschaft.
— Oswald Bauer, Der ehrbare Kaufmann und sein Ansehen. Dresden, Verlag von Steinkovff & Springer. Breis gehestet 3 Mk. Ein treffliches Buch für alte und junge Kausleute. Frisch plaudert der Verfaffer, ein in der Vraris stehender Industrieller, über den Kaufmann, seine Vorzüge und seine Fehler. Er hat sich die fMufgabe gestellt, dem Kaufmann zu dem Ansehen und der Wertschätzung zu verhelfen, aus die er berechtigten Anspruch hat. Mit kritischem Blick beleuchtet er, was seinen Kreisen nottut, aber er zeigt auch, welch große Bedelitung dem Kaufmann zukommt, und welche Anforderungen an den achtbaren Kaufmann gestellt werden. Der Verfasser gelangt zu der Ueberzengung, daß das vom heutigen Kaufmann Geleistete allgemein nicht gebühreiid beachtet wird, und daß die eigentümlichen Siandesverhältnisse in Deutschland und die Art des kaufmännischen Betriebes es diesem erschweren, sich in der Gesellschaft und im öffentlichen Leben die ihin zukommende Achtung und Wertschätzung zli erringen. Da? Buch tritt als Freund und Wortführer des deutschen ehrbaren Kaufmanns auf.
Märkte.
ke. Frankfurt a.M., 16. Nov. Kartoffelmarkt. Mau notierte auf dem gestrigen Kartoffelmarkt 6.00—6.80 Mk. für IQO Kilo.
Meteorolostisibe Beobachtungen
der Station Gießen.
Höchste Temperatur am 16. November — + 7,5' C.
Niedrigste 16-„ = — <\
November 1906
= c
auf 0° reduziert
t
-Lempeuuut der Luft
Absolute Feuchtigkeit
Relative Feuchtigkeit
Windrichtung
Windstärke
Wetter
16. 2”
744,4
7.2
6,8
90
W
2
Bed. Himmel
16. 9’6
741,8
5,9
5,8
84
SW
4
ff ff
17. 7”
738,5
8,4
7,3
99
w
2
Bew.Himmel
Gießener Wetterdienst.
voraussichtliche Witterung für Hessen am Sonntag, den 18. Nov.: Meist trüb. Regenfälle. Temperatur nicht verändert. Stürmische westliche Winde.
Lainttieii-Nachrlchterr.
G e b o r e n. Herrn Kgl. Seminarlehrer Gern und Frau (Wetzlar) ein Sohn.
G e st o r b e n. Frau Margarete Schünemann, geb. Lust (Lauterbachs. — Frau Christiana Schnitzler, geb. Feuerbach (Bad Nauheim). — Fran Katharine Alsdorf, geb. Müller (Wetzlar). — Frau Katharina Jost, geb. Bausch (Friedberg). — Frau Wagner Ww. (Eiebelsdorf). ______________________
Schiffsnachrichten.
Norddeutsche Lloyd.
In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz.
Bremen, 14. Nov. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Tovpelschrauben-Posldanipser „Friedrich der Große'', Kapitän H. Bleeker, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 11 Uhr morgens wohlbehalten in Neivyork angeko,nmen.
Red Star Linie.
Der Postdampfer „Kroonland' der „Red Star Linie' in Antwerpen ist laut Telegramm am 7. November wohlbehalten in New-Pork angekommen.
Dr. Meyerhof! und Frau
Giessen, den 16. November 1906.
6875
6652
Telefon 540
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Töchterchen
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Trier, 17. Nov. Der Proktirist der Firma Phillo u. Barom hat seine von ihm geschiedene 26jährige Frau auf der Straße durch fünf Nevolverschüsse lebensgefährlich verwundet unb sich dann selbst der Polizei gestellt.
Beuthen (Oberschlesicn), 17. Nov. Die Errichtung eines Denkmals Kaiser Wilhelms II. hat nicht die Billigung deS Kaisers aesunden, da eS nicht der Tradition der Hohenzollern entspreche, daß bei Lebzeiten eineS regierenden Fürsten ihm ein Denkmal errichtet werde. Dagegen gab dec Kaiser sofort seine Einwilligung zu einem Denkmale Wilhelms I.
Könitz, 17. Nov. In der Nähe der Mossigschen Fabrik explodierte eine von unbekannten Tätern gelegte, mit Pulver gefällte Bombe, ohne jemand zu treffen.
Neustadt a. d. 5^., 17. Nov. In der Pfalz trieb' gestern ein Schwindler fein UntoofeiL der an den Hauptmann von Köpenick erinnert. Er ging in Heßheim und Klein-Niederheim auf die Bürgermeistereien, gab sich als Geometer aus unb schickte die allein anwesen- oen Polizeidiener mit einem Auftrag in das Wirtshaus. Als die Diener zurückkamen, fanden sie die Gemeindekassen beraubt vor, während der Gruner verschwunden war. Der Täter, der als ein jüngerer Munn geschildert wird, ist unbekannt.
Biarritz, 17. Nov. Ein Mann, welcher mit seinen beiden Söhnen von der Arbeit zurückkehrte, entdeckte eine noch geladene Granate, welche nicht explodiert war. Beim Hantieren an der Granate explodierte diese und der Mann sowie sein Sohn wurden in Stücke zerrissen, während der zweite Sohn in sterbendem Zustande aufgesunben wurde. ,
Nom, 17. November. Der Ministerpräsident Giolitti sandte dem Fürsten Bülow ein Telegramm, in dem er ihm den Dank auZspricht, für die höflichen Worte, mit denen er in feiner jüngsten Reichstagsrede Italiens gedacht hat.
Zürich, 17. Nov. Die Polizei entdeckte bei Adliswill in einem Graben längs der Landstraße mehrere geladene Bomben von großer Dimension. Die Polizei vermutet, daß russische Revolutionäre die Bomben dort niedergelegt haben.
Kklraiuitmachnng.
In der Zeit vom 10. bis 17. November 1906 wurden in hiesiger Stadt
gefunden: 1 Pelzkragen;
verloren: 1 schwarzer Pelz, 1 Packet, enthaltend 4 blaue Kindermützen, 1 goldene Brosche mit Perle und Rubin, Wert 20—25 Mk., und 1 Herrenring mit braunem Stein und Silbereinlage.
Der Empfangsberechtigte des gefundenen Gegenstandes belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen.
Gießen, den 17. November 1906.
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