Ausgabe 
17.11.1906 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Amts- Md Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

33.)

;e Heutige YuNmer umfaßt 20 Setten.

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Unruhe

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Deutschland getretenen Hottentotten verlangt. Die Kolonialabteilung

Aicher gott nin0-

15«. Jahrgang

politische Lagesscharr.

Diewerdende" Flotte.

Neben dem mancherlei für die Reichsregierung Unerfreu-

scheint geneigt zu sein, die Forderung zu beiviüigen, obwohl die Rebellen im Namaqualand britischerleits alskriegführende Macht" anerkannt wurden. Die Volksvertretung dürste sich dieser Auffassung der amtlichen Stelle nicht ohne weiteres a n sch 11 e ß e n.

Nr. 271

#t | <6 ctnt tÄQftJ) außer Sonnlaqs.

Dem Wietzener ^lnzerqer werden im Weckiiel mit dem hesflschen Landwirt die «Siehener Kamillen- blätter oicnnai in der

Woche betgclegL RolaNonSdruck u. Ver­lag der Brühl 'lchen Umvers.-Bucd-u. Sieur- druckerei. vi. Lange. Redaktion. Erveditton und Druckerei?

Schul st ratze 1.

Redaktion 118

Vertag u.Exped.e-E51 Adresse für Deoeschen:

Anzeiger Kietzen.

i durch den NegimnigS' UntcrsuchuWn nicht bit sbeichluffe sestzchrlM.

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ible sich lediglich mn Hdenten, nicht um Be- t. die Beamten mundtot

Vgg.)

n RegmMgsprZsidmtrn ;ebmen über eine bevor- zeiße, darüber werde sich icheu. Co dumm werde llth für den Regiermgs. xn wir ja hier die eigen- :s Regierungspräsidenten, i einer amtlichen Richtig.

Mit den derwerflichfl« lordenl In einem Flip en Sozialdemokraten to men, Das war eine > sincn Schurkenstreich M sich empören I Sie soüm gekommen ist, toofe trä

unS geschrieben wird, durch Offiziere einenUeberblicE über die sozialreformatorische Gesetzgebung in Deutschland" aus- arbciten lassen, den er als »einen Leitfaden für den Unterricht bezeichnet. Dem Heftchen vorausgeslsllt ist die Kaiserliche Botschaft vom 17. November 1881, die Grundlage der ganzen sozialpolitischen Gesetzgebung. Ihr folgen die drei großen Versicherungsgesetze, das Kranken-, Unfall- und Invaliden- und A l t e rs v ers ich e rungS g ese tz, kurz in ihrem Aufbau und in ihrer Wirkung erläutert. Uebersicht» iiche statistische Tafeln, die demLeitfaden der Arbeiter- Versicherung des Deutschen Reiches für die Weltausstellung 1904 zu St. Louis" entnommen sind, ermöglichen es, dem Manne die finanzielle Bedeutung und Leistung dec Gesetz­gebung zu veranschaulichen. Elli kurzes Kapitel überdie Arbeiterschutzgesetzvebung" beschließt das Heft, dem als Beilage ein Vortrag hinzugefügt ist, in dem gezeigt wird, aiie die in dem Leitfaden gegebenen Tatsachen zur Belehrung der Leute verwendet werden können.

In demLeitfaden" darf ein Hilfsmittel begrüßt werden, durch dessen Gebrauch dec Offizier seinen Leuten gegen­über eine ganz neue Seite als Lehrer heroorkehrt, das ihn dem Manne menschlich und geistig näher bringt. Das Baud, das den Offizier mit seinen Untergebenen verbindet, wird durch solche volkstümliche Neuerungen bestimmt fester geknüpft werden.

lieber Ferreira,

seine Person und seinen Leutnant schreibt uns ein früherer Offizier, der während des Burenkrieges in der Transvaal-

ZUue Huertreiöereicn.

Man schreibt uns heute aus Darmstadt, 16. Noo.: Die Quertreibereien gegen das liberale Kabinet Ew a l d - Gnauth wollen kein Ende nehmen. Noch ist dieEnt­rüstung" nicht ganz verklungen, mit der hiesige Kreste der Nechts-Nationalliberalen sich gegen den Verdacht der Mi­tt ist er stürz erei auslehnten; ein Verdacht, der auS dem Gebühren ihrer Preßorgane und auS der bekannten Demon­strationsversammlung in der Eißnert-Affäre erwachsen mußte. Und schon ist man wieder an dec ArbeitKnüppel zu werfen". Diesmal soflen sich die Unstmimigkeitcn im Schoße des Ministeriums auf die Gemeindeste uerreform beziehen. Aber auffallenderweise ist e8 abermals der Fmanzminlster Dr. Gnauth, dem ein baldiges Ende seiner Minlsterlauf» bahn prophezeit wird. Nach dem ernster zu nehnienden Mainzer Tagebl." schreibt heute ein hiesiges Blatt, das schon wiederholt dem Freiherrn von Herst als Sprachrohr für die Residenz gedient hat, unter der Spitzmarke .9lcue

ii!

geschäftige Federn dazu, den Nachweis zu unternehmen, daß hinsichtlich der Modernität der Linienschiffe und Panzerkreuzer nahezu alle Seemächte Deutschland überflügeln. Sogar Ruß­land wird hier die Uebertegenheit zucrkannt, von dem man doch mit Fug sagen darf, daß seine Flotte im Werden be­griffen ist. Ein lächerliches Unterfangen also, es nut Deutsch­land auch nur in Vergleich zu stellen. Die Verantwortung für das notwendige NI der Flottenversiäckung überlasse man getrost der Ma ri ne v erwa ltu ng. Es ist doch im Grunde kränkend für den Staatssekretär der Marine, wenn cs so dargestellt wird, als sorge er nicht ausreichend für das ihm anverlcaute Instrument der Landesverteidigung. Der preußische KriegSminisler bckomnit dergleichen nie zu hören. Zweck der Uebung ist also am Ende, dem Phantom einer dem Heere an Stärke entsprechenden deutschen Floite nach­zujagen. Daß es dahin nie tommcn kann, ist unzählige Male nut den triftigsten Gründen festgestellt worden. Herr Basier« mann hätte also besser ein anderes Wort gewählt, als das von derwerdenden" Flotte, daL allzu leicht den Eindruck erweckt, als stecke die Warme gewisjermaßen noch in den Kinderschuhen. In Wirklichkeit ist sie parallel dem Wachstum der deutschen Seeinteressen entwickelt ivorden und allem an diesem Wafcliabe darf sie fortentwickelt werden. Deutschland kann unmöglich jedes Experi­ment Hal 8 über Kopf nachmachen, das irgend eine andere Marmeverwaltung mit neuen Schiffstypen unternimmt.

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Sozialpolitischer militärischer Unterricht in Hessen.

Eine Neuerung ist vom Generalkommando des 18. Armeekorps (Frankfurt a. M.) verfügt worden. Von dem Standpunkte ausgehend, daß die Aufklärung der Mannschaften bei der Fahne über die Wohltaten der sozial- politischen Gesetzgebung einen wesentlichen Teil der militärischen Erziehung zu bilden habe, ist im Bereiche der 21. und 2 5. (Gro ß Herzog!. Hessischen) Division der sozial­politische Unterricht mit m den Ausbildungsgang aer Rekruten und alten Leute ausgenommen worden. Der kommandierende General, Exz. v. Eichhorn, hat, wie

Samstag 17. November 190« vez« gspretS' monaiUd) 75131., otertel*

lichen in der Bassermann'schen Jnterpellations- r e d e im Reichstage fand sich ein Wort, das ihr behagt haben wird. Der nationalliberale Führer sprach von unserer werdenden" Flotte. Die Bereitwilligkeit seiner Fraktion zur Verstärkung der Seewehr ist zwar bekannt, aber so unum- rouuben hat sie sich der RichtUme des Flottenvereins denn doch noch nicht an gepaßt. Die Marmeverwaltung wird sicherlich nicht verfehlen, bei Aufstellung des nächsten Schiffsbauprogramms sich des Basiermann'schen Wortes zu erinnern. Der Swpellauf eines Rlesenpanzers in Japan und di.' Behauptilng, England und Japan hätten ihre Schiffsbau, pläne ausgetauscht, drängen zudem jetzt schon in

Gietzener Anzeiger

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nähme gefunden hat. Sie lautet:

Als symptomatisch für die Wahrscheinlichkeit, daß der Minister der Finanzen Erz. Gnauth sich mit Rücktriltsgedanken tragt, wird übriaens die Taisache verzeichnet, daß dersetbe am Mittwoch uor- nuuaa nicht gemeinsam mit seinen beiden Alinisterkollegen zur üb­lichen Audienz beim Großherzog erschienen ift."

DaS ist der Gipfel der Naivetät. Selbstverständlich er« scheinen nur dann die Minister zur Audienz, wenn sie etwas Besonderes vorzubringen haben. Exz. Gnauth aber hatte gewiß Sc. Kgl. Hoh. dem Großherzog nichts von Belang zu berichten. Das ist des Pudels Kern.

staatsartillerie gedient hat:

Vielleicht, ja höchst wahrscheinlich handelt es sich um den Schwiegersohn des Generals de la R e y, der während des Krieges sein Lekretär gewesen ist. Dieser JgnattuS Hal später die drei Burengenerate auf ihrer europäischen Bestichslonr begleitet und war im Oktober 1902 auch in Berlin. Er ist der Sohii des ersten Kommandant-Generals der Frelftaater im Buren­kriege und besitzt eine ausgezeichnete Schulbildung. Nach dem Kriege verheiratete er sich mit der ziveiien Tochter de la Reys. Seine junge Frau starb vor drei Jahren i n f o I g e d e r in englischen K o n z e n t r a t i o n s l a g e r n a u s g e st a n - öenen Leiden. Dieser Schlag soll den talkrastigen Mann schwer gebeugt und von neuem gegen den britischen Bezwinger erbittert haben, sodaß der Prieskaer Handstreich diesem Ferreira wohl znzutranen wäre. .... . . . r.

Ferreiras Unterführer Maritz ist eme bekannte und sicher festgeslellle Perjönllchkett. Er steht un 28. Jahre und ist schon gegen Ende des Burenkrieges heroorgetrelen. Beim Frledensichluß von Dereenigung war MaritzBechtgeneral" des Transvaal-Ober­staatsanwalts Smiits, der em kleines aber auserlesenes Korps tin Nordivesten der Kapkolonie, bei Ealvima unb Ookiep, befehligte. Ma ritz weigerte fid), die Friedensbedmgungen anzuerkennen und trat mit einigen zwanüg Anhängern im Juiii 1902 auf deutsches Gebiet über. Seme Pferde kaufte damals unser sudwestairikan. Gouvernement und gab damit der kecken Abenteurerschar die Mittel an die Hand, nach Europa gehen zu können. Maritz. em un te er i.nd nicht eben zuveilässiger Charakter, ist von rücksichtslosester Tapferkeit. Unsere un Süden befehligenden Lsfiziere, deren erster Wagenmeister er eine zeitlang war, hatten viel ed)roierigteiien mit dem imgebärdigen Alaune.

Dec Bucenpulsch dürste am nächsten Dienstag un Reichs­tage zur Sprache kommen. Die englische Regierung Hai eine ziemlich bedeutende Entschädigung für die Vec- pfleaung Morengas und anderer nach der Kapkolonie über-

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Ie Stfa N ist ^ilcktenknn s 'nen, was ''esabschluß « L?ln 9ut^ >u müssen n $ 10

Demissionen":

Seil einigen Tagen kursiert in unserer Residenz das Gerücht, datz sich der derzeitige Minister der Finanzen, Exzellenz Gnauth, mit Rücktrittsgedanken trage, deren Ursachen jedoch nicht nut der Bestätigung des sozialdemokratischen Beigeordneten ir Offenbach in Zusammenhang stehen. Die Gründe für die Amts- Müdigkeit des Munsters sollen vielmehr in Meinungsver­schiedenheiten mit dem Vorstände des Mini- st e r i u m S d e s I n n e r n in Sachen der Gemeindestenerreform zu suchen sein. Ta die Pläne des Finar.zmmisters hinsichtlich dieser Gesetzesvorlage gleichzeitig bei den Mitgliedern der Ersten Kammer des Landtages entschiedenem Wider st ande begegnen, so soll der erstere angeblich entschlossen sein, infolge derAuSsichtS- losigkeit, seine Projekte zu verwirklichen, von seinem Posten zurückzutreten.

Natürlich ist an dieser Nachricht kern wahres Wort; und insbesondere denkt Finanzminister Dr. Gnauth, wie wir aus bester Quelle wissen, nicht daran, seinen Abschied zu nehmen. Es toäte dem hiesigen Blatte auch nicht schwer gefallen, sich über diese Tatsache zu vergewissern, daß der Finanzminister jetzt Rücktrittsgedanken nicht hegt, am wenigsten wegen der Gemeinvesteuerreform. Warum also die Notiz?! Der Wunsch ist also des Ge­dankens Vater! Und wäre man darüber noch im ge­ringsten zweifelhaft, von welcher Seite die Notiz flammt, daun müßte der Hinweis auf angeblicheMein- inigsverschiedenheiten in Sachen der Gemeüwesteuerreform" schon alle Zweifel beseitigen. Dieselbe Melodie, die in dem bekannten Artikel derNationallib. Korresp." a.igesttmmt und die in der Demonsttationsversammlung von dem Führer der Darmstadter Jut.g-dLatiouaUideralen selbst als Ministerstürzerei" charakterisiert und verurteilt wurde, klingt auch aus der zitierten Notiz entgegen. Und ausgerechnet soll Finanzminister Dr. Gnauth Meinungsverschiedenheiten mit dem Präsidenten des Ministeriums des Innern Braun (wegen der Gemestidestcuerresorm) haben! Also mit dem Minister, der in dem Verlause, den die Eißnert-Asfar^ vor und hinter den Kulissen genommen hat, doch a m m e i st e nb e l a st e t" wurde. Fürwahr, man mochte mit GoechesFaust" sagen:Wär' der Gedanke nicht verwünscht gescheit, man wär' versucht, ihn herzlich dumm zu nennen." Wir glauben nicht, daß Präsident Braun für die Rolle dankbar sein wird, die ihm hier eine gewisse ^eite als Vorspann für ihre illiberalen Tendenzen zuerteilt. Die Aussichtslosigkeit" der Gnauthschen Steuerreform zu behaupten, wirkt übrigens ebenso erheiternd, wte es nach­gerade diese ewigen, nimmermüden Versuche dec bekannten Gegenregierung tun müssen. Insofern kann auch diese neue Phase der Quertreibereien gegen das liberale Mini­sterium das Gute zeitigen, daß sie die Bevölkerung Hessens erkennbar dartut, bis zu welcher Höhe der Läcyevlichkett sich eine sogenannte nacionale Opposition in ihrem blind­wütigen Hasse verirren kann.

'Als Kuriosum sei noch folgende Notiz registriert, bte im Zusammenhang mit dem angeblichen Gerücht von einem Rück­tritt des Finanzministers steht und in hiesigen Blättern Auf»

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jährlich Mk. 2.20, durch Abhole- u. 3n>eigftellen monatlich 65 1».; durch drePosl Alk. 2. viertel- jährl. au§fct)L Beftellg. Annahme von Anzeige« für die Tagesmimmer bis vormittag« 10 Uhr. 3e,lenpret6; lokal 12Pf^ aiiSwäriS 20 lüg.

Verantwortlich »üi den poltL und aUaem, Teil: P. Witiko^ *üx Stadt unb Land" und Gerichtsfaal". <i r nfl Heß. uh den An- zetgeiiteil: vanS Beck.

Veutsche» Reich.

Berlin, 16. Noo. -JiciVrea^rg.' veröffentlicht fod. gende Danksagung des Herrn u. Podbiels ki :

Im Verfolg maines Ausscheidens aus dem Staats­dienst sind mir von vielen hunderten Landwir­ten Telegramme und Briese zugegangen. Diese Kundgebutigen siiid von Herzen getomuien und zum Herzen gegangen und ich kann nur meinen aufrichtigen tiefgefühlten Dank aussprechen. Leider fesselt meine Krankheit mich ans Bett und ich bin verhindert, jedem einzelnen persönlich meinen Dank auszudrücken.

Hofseutlich ist meine Genesung nicht so fern, damit ich bald erneut die Arbeit im Kreise meiner Berufsgenossen zur Förderung der heimi­schen Landwirtschast wieder aufnehmen kann. Frohen Mutes wollen wir der Zukunft e >i t g e g e n s e h e n, durchdrungen von dem einen Ge­fühl, daß die L a n d w i r l j ch a s t den felsenfesten Eckpfeiler des preußischen Staates 'biULtot.

Dem Reichstage ging cm Nachtrag zumNeichs- haus Haltsetat für 1906 zu, nach welchem im Extra- ordinarium aus Anlaß der Expedition in das süd- lvesiafrita nische Schutzgebiet 2 9220000 M k. zu bewilligen sind, die der Reichskanzler ermächtigt wird, im Wege des Kredits flüssig zu machen. In den Erläuter­ungen heißt es: Daß trotz der starken Verringerung die bereits bewilligten Mittel nicht ausreichen, findet seine Begründung darin, daß einmal die durch die Heim- jendungen eintretenben Ersparnisse an Besoldung und Ver­pflegung usw. teilweise wieder ausgehoben werden durch die Heimsendungskosten, unb daß ferner die den bishe­rigen Veranschlagungen zu Grunde gelegten An­sätze zu niedrig bemessen wurden und außerdem die Frachtkosten im Innern des Schutzgebietes höher waren, als vorauszusehen war.

Stuttgart, 16. Nov. DemBeobachter" zusvige steht ein Ministerwechsel unmittelbar bevor. Als Nachfolger im Ministerpräsidinm sei der Minister des Aus­wärtigen v. Weizsäaer ausersehen. Für das Justizministe­rium stehen die ^taatsräte v. Schmidlin und v. Eronmuelier in Frage. ___

Bon der Fleischteuerung.

WormS a. Rh., 16. Nov. In Anbetracht der herr­schenden Teuerung genehmigte bte Stadtverordneten-Versamm- (ung eine Erhöhung des Gehaltes sämtlicher städt. Beamten, selbst auf die Gefahr hin, dadurch eine Steuer- Erhöhung zu veranlassen.

Hanau, 16. Nov. Der Vorstand des kurhessischen Städtetages beschloß, eine Eingabe an den Reichskanzler zu richten und um schleunige Ntaßnahmen zur Beseitigung Der Fleifchnot, insbesondere durch Aufhebung der Grenzsperre zu bitten.

Köln, 16. Nov. Gestern fanden aus Anlaß der Fleischnot vier Massenversammlungen statt, in denen in gleichlautenden Resolutionen über diegegenwärtige volks­feindliche unb agrarfreunbltche Politik der Regierung die tiefste Empörung ausgesprochen unb verlangt wird, baß sofort die Grenzen für die Lieh- und Fleisch - Einfuhr unter lokaler Handhabung der sanitären Kontrollmaßnahmen geöffnet unb bie Zölle auf die not­wendigsten Lebensmittel bedeutend herabgesetzt werden.

Wien, 16. Nov. Die Negierung bewilligte ein Gesuch um Gestattung der Einfuhr von italienischen Rindern nach Oesterreich. Heute sind 40 Stück in Wien eingetroffen. Die Einfuhr wird sich jede Woche wiederholen. Man glaubt, daß die Regierung in der nächsten öeit bte Einfuhr größerer Quantitäten gestatten wird, unb baß jede Woche mehrere 100 Stück auf ben Wiener Markt gebracht werben können. Das italienische Vieh hat eine sehr gute Mittelqualität und steht im Preise billiger als das österreichische Rind.

Lübeck, 16. Noo. Sämtliche unteren und mittleren Beamten des Staates Lübeck richteten an den Senat eine Petition um Teuerungszulage.

Vom polnischen Schulstreik.

Die Immediateingabe des Erzbischofs o. Stablewski und der Domkapitel von Gnesen und Posen an den Kaiser mit der Bitte um Aenderung der Bestimmungen über die Unterrichtssprache in dem schulplanmäßigen ReligionS- unterricht ist im Auftrage des Kaisers durch das Kultus­ministerium ablehnend beschieben worden.

Im Brombecger Bezirk sind über 200 O rtSvorstehec unb Schöffen polnischer Nationalität abgesetzt ivorden auf Grund ihrer Propaganda für den Schul,lreik. '2[n allen Orten des Bromberger Kreises, wo der Streik im Gange ist, ist den Gastwirten bie Polizeistunde auf 8 Uhr abends festgelegt worden. Vielfach gehen bie Staats­anwälte gegen die Geistlichkeit auf Grund des Kanzelparagraphen vor.

Fn Posen wurde von der Strafkammer der Redakteur SzcolanSki wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze oder bie obrigkeitlichen Anordnungen, begangen durch Die Veröffentlichung eines Berichtes aus Bnin, m welchem

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