Erstes Blatt
Donnerstag 21. Juni 1906
Ale heutige Mummer umfaßt 8 Seiten.
wohlgemeinten Rat rechnen können
trotz des Undankes,
zur be- Um im
156. Jahrgang
geht, 700 000 Kosaken zur Unterdrückung der revolutionären Bewegung zu mobilisieren.
oder Verkleinerung der
der Verkaufspreise
Ausland.
Dronthcirn, 20. Juni. Des Königs Einzug Krönung in Dcontheiin war von schönstem Wetter günstigt. Eine Anzahl Dampfer fuhr ihm entgegen. 6 Uhr verkündeten Salutschüsse „HeimdalS" Ankunft
mit Dem Deutschland in Algeciras von Rußland gelohnt worden ist, ein Zwischenfall, an dem den Zaren die Schuld wc>l nur zum geringen Teil trifft. Man weiß ja, daß der frühere Minister Graf Lambsdorff mächtige Gönner bei Hofe hatte, die den Deutschen nicht eben wohlwollten. Sehr bezeichnend für die Selbstherrlichkeit des Grafen Lambsdorff sind auch die sensationellen Enthüllungen des früheren französischen Kriegsministers Andrö über daß kecke Auftreten des russischen Militärattaches Grafen Murawiew. Andrö erzählt, daß er bald nach seinem Amtsantritt die anti-repu- blikanisch gesinnten Generalstabsoffiziere des Kriegsministeriums durch republikanische ersetzt hatte. Kaum war diese Maßregel bekannt geworden, als Oberst Murawiew bei ihm erschien und in anmaßendem Tone erklärte, daß er in seiner Eigenschaft als Vertreter einer verbündeten Macht ihn ersuchen müsse, seine Entscheidung zurückzuziehen.
„In mir," so schreibt Andrs, „kochte der Zorn auf. „Mein Hqrr," erwiderte ich, „ich empfange nur vorn französischen Parlament Beiehle." Hierauf rief Murawlew: „Unter diesen Umständen, Herr Minister, muß ich Ihnen sagen, daß Sie gegen d i e Allianz verstoßen." Schon wollte ich derb werden, aber ich besann mich jedoch. Es konnte ja in dem mir unbekannten Allianzvertrag eine Klausel, betreffend die Zusammensetzung der beiderseitigen Generalstäbe, enthalten sein, und, meinen Zorn be° meisternd, erklärte ich: „Genug davon, diese Unterredung kann nur durch Vermittlung des Ministers des Aeußern fortgesetzt werden. Wollen Sie sich entfernen!" Ich begab mich zu Waldeck- Nousseati, welcher sagte: „Das ist abermals ein Streich Ihrer ©encralftabslente, welche sich hinter Murawiew gesteckt haben. Beruhigen Sie sich, im Allianzvertrage steht mchls derartiges. Wenii dies der Fall wäre, bliebe ich nicht Ministerpräsident. Wir sind Herren in unserem Hause, gehen Sie zu Delca ss s, er wird da Ordnung schaffen." Delcassä bestätigte zwar die Erklärung Waldeck-Rousseaus, aber er war sichtlich unangenehm berührt. Er meinte, es wäre bester geivesen, wenn diese Geschichte verinieden worden wäre. Man dürfe memani) vor den Kopf stoßen. Gleichwohl veranlaßte Delcassö alsbald die A b b e r n f u ii g Mura- iviews, welcher durch Oberst Lazarew, einen klugen, diskreten Diplomaten, ersetzt wurde."
Delcassö könnte wohl noch mehr erzählen von den tyrannischen Gelüsten deS Alliierten, wurde doch er selber einmal der Balkanpolitik wegen vom Grafen Lambsdorff öffentlich zur Ordnung gerufen.
Gläser.
München, 20. Juni. Die Stellung deS Ministers deS Innern, Grafen Feilitzsch, ist bedroht. Der Minister hatte nach einer langen liberalen Vergangenheit Frieden mit dem Zcntrtim gemacht. Jetzt wird er vom Zcntrums-Ab- geordn. Dr. Heim angegriffen, der ihm vorwirft, er habe eine Deputation von Apothekern vor Verhandlungen mit den Abgeordneten ausdrücklich gewarnt. Die „Ai. N. 91." bestätigen die Behauptung Dr. Heims, die Sozialisten und die Liberalen greifen die Regierung ebenfalls heftig an und erklären, die Sache muffe im Parlament aufgeklärt werden. Dr. Heim sei bereit, seine Vehaupttmg außerhalb der Kammer ztt wiederholen, um den Minister zur Klage zu zwingen.
als Bürgermeister von Fentsch kürzlich niedergelegt hat, in allernächster Zeit seinen Wohnort nach Frankreich, und zwar nach 9iancy verlegen. Hoffentlich, so bemerkt das Blatt dazu, zieht Msrot daraus rechtzeitig die selbstverständliche Konsequenz, sein ReichstagSmandat niederzulegen, was wohl auf keiner Seite bedauert würde. Denn Mörot ist der deutschen Sprache kaum mächtig und hat zu den ärgsten Schwänzern unter den Reichstagsabgeordneten gehört. In seinem Wahlkreis würde es im Falle einer Neuwahl zu einem sehr interessanten Kampf zwischen dem lothringer „Bloc" und dem Zentrum kommen, das seit einiger Zeit in Lothringen eine sehr energische und, wie es scheint, auch recht erfolgreiche Agitationskampagne entwickelt. Uebrigcns hieß es schon kürzlich, Mörot beabsichtige, sein Mandat niederzulegen.
Essen, 20. Juni. Der 33. deutsche Gastwirtetag hat in seiner heutigen Tagung bezüglich der Brausteuer- erhöhung folgenden Beschluß gefaßt: Der deutsche Gastwirtetag erklärt sich in der Erwägung, daß es den deutschen Gastwirten nicht möglich ist, die in Kraft tretende Braust e u e r - E r h ö h u n g zu tragen, für eine Erhöhung
Nr. 143
Erscheint täglich außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Lietzener Familien, blätter rnermal in bet Woche beigelegt
Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'fchen Univers.-Buch-u. Steindruckerei. 9t Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei:
Schul st raße 7.
Redaktion e±gä) 113 Verlag u.Exped.e^Atzi Adresse für Depeschen:
Anzeiger Gießen.
Deutsches Reich.
Berlin, 20. Juni. Ter Kaiser traf heute an Bord deS Kreuzers „Leipzig" in Brunsbüttelkoog ein und fuhr sofort durch den Kanal nach Kiel weiter, wo er um 4y2 Uhr eintraf.
— Die Ka iserflotille verläßt in diesem Jahr ungewöhnlich früh die heimischen Gewässer und dampft nach Kopernik zwischen Stavanger und Bergen. Dort will der Kaiser am 4. Juli sein. Er geht über Drontheim bis nach Tromsö hinauf. Die aktive Schlachtflotte folgt am 15. Juli und besucht mehrere norwegische Häfen. Somit wird der Kaiser mit der Flotte zusammentreffen.
— Wie man der „Disch. Tgsztg." mitteilt, wird der lothringische Reichstagsabg. Mörot, der sein Amt
Kaiser Wilhelr^ und Zar MKolaus.
Wir lesen heute in der „Nationalztg.":
Gegenüber den Blättermeldungen, wonach Kaiser Wilhelm demnächst in den russischen Gewässern Finnlands mit dem Kaiser Don Rußland Zusammentreffen würde, ist bereits daraus hingewiesen roorben/ daß auch geographische Erwägungen eine solche Eventualität ausgeschlossen erscheinen lassen mußten. Begibt sich doch der deutsche Kaiser noch 9torrocgen, wo er zugleich dem König Haakon -en ersten oifiziellen Besuch abftatten wird, weshalb,eine Begegnu j mit dem Zaren aus Anlaß einer solchen Fahrt nicht in den russischen Gewässern sich vollziehen kann.
Andererseits darf aber mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß 5t PM er Nikolaus II. dein deutschen Kaiser den von diesem im Doi) sahre abgestatteten Besucherwidern könnte. Bet dieser Erw'de-cung wird jedoch jedenfalls vorausgesetzt, daß der Zar sich auf d e u ts ch es G e b i e t begeben würde, wobei auch deutsche Ostseehäfen in Betracht fommen könnten. Die Erwiderung des kaiserlichen Besuches mag ursprünglich bereits für dieses Jahr in Aussicht genommen worden jein. Es entsteht nun Oie Frage, ob die inneren Verhältnisse Rußlands neuerdings eine Auslandsreise des Zaren wahrscheinlich machen.
Und ein anderes Berliner Blatt bringt folgende, bestimmte: lautende Meldung:
Zrotj aller Dementis erhält sich, wie aus Kiel geschrieben wird, in ? n'tigen Marinekreisen das Gerücht, daß Kaiser Wilhelm rnfb der Zar Ende Juli auf See z u s a m m e n t r e f f e n werden. Do' .ussichtlich werde bei dieser Zusammenkunft die aktive S c. I a • ) tf l o 11 e ju g e g e n sein, welche zu dieser Zeit in dem initiieren Teil der Ostsee Manöver abhalten soll. Die Tauer des Zus.mmenseins der beiden Dionarchen werde mehrere Tage bcti gen. Der Zar werde unseren Manöver» bei Rügen b e iro o h n e n.
Unmöglich erscheint uns eine Reise deS Zaren nach Deutschland zur Betrachtung unserer geordneten Zustände und zum wiederholten Austausch der Meinungen über moderne Slaatseinrichtungen nicht. Die Wahrheit über die innere Lage Rußlands wird dem Zaren wahrscheinlich von allen Seiten vorenthalten, weil bei Hofe die verschiedenartigsten Einflüsse gegeneinander streiten. Der Zar mag sich sagen, daß das richtige Augenmaß für die Begebenheiten in Rußland nur im Ausland zu finden ist, ebenso natürlich die Geneigtheit, die Dinge beim richtigen 91amen zu nennen. Und wie ihm im vorigen Jahre in den finnischen Schären deutscherseits „reiner Wein eingeschänkt" worden sein sofl, so würde er wohl auch diesmal auf klipp und klares Urteil, auf
Besuch deutscher Dedakteure in England.
Am Dienstag haben sich in Bremerhaven an Bord des Schnelldampfers „Kronprinz Wilhelm", den der Lloyd zur Verfügung gestellt, eine Anzahl deutscher Redakteure und Schriftsteller, Vertreter zumeist politischer Blätter des Reichs, nach England eingeschifft. Sie leisten einer Einladung des Anglo-Eerman Friendship Committee Folge, an dessen Spitze als Ehrenpräsident der Herzog von Argyll, der Schwager König Eduards, als Präsident Lord Avebury und als Ebrensekretär Francis Wm. Fox stehen. Den Zweck deses Buchs, zu dem die erste Anregung vor einigen Monaten von dem bekannten Zeitungsmann W. T. Stead ausgegangen war, erläutert am besten das Einladungsschreiben, das im vorigen Monat an eine Anzahl Vertreter der deutschen Presse ergangen ist. Da heißt es:
Das cnglifcMKUtidjc Freuudschaftskomitee, von dem Wunsche beseelt, die Herstellung freundschaftlicher Bezieh- n n g e ii zwischen England und Deutschland zu fördern, ist zu der ErkennMis gelangt, daß dieses Ziel sich am besten durch persönlichen freundschaftlichen Verkehr zwischen den beiden Völkern erreichen ließe. Die Erörterung politischer Fragen würde weit weniger leicht zu Bitterkreiten führen, wenn die Disputanten einander als Mitmenschen kennten, mit denen sie in angenehmem geselligem Verkehr gestanden haben. Wir gestatten uns daher die höfliche Ditte, uns durch gütige Annahme unserer herzlichen Einladung zu beehren, eine Woche mit uns als unsere Gäste in London verbringen zu wollen. Der Besuch soll Ihnen keinerlei Verpflichtung irgendwelcl-er Art auferlegen, und es soll die Annahme der Einladung keine politische Bedeutung haben; es soll einzig ein rein freundschaftlicher, geselliger Besuch sein, gelegentlich dessen wir Ihnen das Beste, was wir in England haben, vor- zusühren und zugleich das Vergnügen zu haben wünschen, Ihre persönliche Bekanntschaft, oder, wenn das nicht möglich wäre, diejenige Ihres Vertreters zu machen.
In der englischen Hafenstadt Southampton wurde am Mittwoch den Redakteuren ein glänzender EmpfanZ bereitet. Der Bürgermeister, die Stadträte und §he- r i f s waren in Amtstracht erschienen und begrüßten die Gäste an Bord. Der Bürgermeister sprach die Hoffnung aus, daß der Besuch der deutschen Journalisten die guten Beziehungen zwischen der Presse beider Länder fördern möge. Redakteur Fit- g er-Bremen und Dr. Barth, der bekannte Leiter der soziallib. Wochenschrift „Nation", antworteten im Namen der deutsctien Presse. Dann sprachen der Präsident der Handelskammer, der Obmann der Presse von Southampton und der Direktor der Ostbahn herzliche Worte der Begrüßung, in denen sie dem Wunsche für ein gutes Eftivernehmen mit Deutschland Ausdruck gaben. Nach dem Empfang folgte eine Rundfahrt durch die Stadt.
Bei dem Frühstück zu Ehren der Vertreter der deutschen Presse brachte der Präsident der Südwestbahn, Sir CharlesScotter, der den Vorsitz führte, einen Trinksprucb auf König Eduard und Kaiser Wilhelm aus. Der enthusiastisch ausgenommen wurde. Er hob die Bedeutung des Eintreffens der Gäste hervor, und drückte die zuversichtliche Hoffnung aus, daß die (^Wartungen des englisch-deutschen Freundschaftsausschusses voll und ganz verwirklicht würden und daß ein besseres Verständnis und Freundschaft zwischen den beiden großen Nationeit Platz greife. Um 3 Uhr nachmittags setzten die Vertreter der dcutsck-en Presse die Reise nach London fort.
In der englischen Hauptstadt trafen sie um 4y2 Uhr ein, wohnten am Abend im 5)is Majestys Theatre der Vorstellung bei und nahmen dann an einem von dem Direktor des Theaters, Beerbohm-Tree, veranstalteten Essen teil.
Der „Vorwärts" teilt mit, daß auch die bekannte sozialistische Schriftstellerin Lilli Braun die Reise mitmacht und bemerkt dazu:
lieber den persönlichen Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten und am wenigsten mit der Frau Heinr. Brauns nach dem Dresdener Parteitage und dem Harden-Tcchtelmechtelchen. Aber die Partei hat das Recht zu verlangen, daß Leute, die sich zu ihr rechnen, mit ihrem persönlichen Geschmack wenigstens in öffentlichen Veranstaltungen nicht dem elementaren Parteigefühl ins Gesicht schlagen. Das aber geschieht, wenn sich Parteigenossen öffentlich bei politischen Anlässen Arm in Arm mit Leuten vom Schlage der Liman, Kronsbein und ähnlichem Gelichter der bürgerlichen Presse zeigen. Das darf sich die Partei verbitten.
Dr. Liman ist bekanntlich der Berliner Vertreter und Chefredakteur der alldeutschen „Lpz. Nachr.", einer der intelligentesten, gebildetsten und geistreichsten deutschen Journalisten, ein eleganter Leitartikler, dessen Tonart sich der „Vorwärts" besser zum Muster nehmen sollte, als ihn, dessen politische Richtung übrigens auch wir keineswegs billigen, auf solche Weise anzupöbeln. Dr. Kronsbein ist der Chefredakteur der freikonserv. „Post", ein überaus fleißiger und ehrenwerter Mann, der erst in vorgerückten Jahren an einer deutschen Universität sich den Doktorgrad erwarb und der ebenso wie Dr. Liman nur eine Ehre darin sehen kann, wenn seine Schuhe von den neuen „Vorwärts"-Menschen besudelt werden.
Darf man auch den Wert der Englandreise deuffcher Journalisten nicht überschätzen, so zeigt die von England ausgehende Einladung doch, daß man dort wenigstens in einem Teil der Bevölkerung aufrichtig bestrebt ist, ein einträgliches Verhältnis zwischen England und Deutschland herbeizuführen. Einem derartigen Verhalten gegenüber wird kein Vernünftiger sich ablehnend verhalten und es ist darum erfreulich, daß auch Personen die Einladung angenommen haben, die bisher überdies feinen englandfreundlichen oder keinen deutschnationalen Standpunkt vertraten, indem sie dadurch den Beweis liefern wollen, daß auch sie bereit seien zur Herbeiführung leidlicher internationaler Beziehungen.
Freilich darf man englischerseits nicht verlangen, daß
ÄggW A __ _ YezngSpret-r
W monatllck>7bM. viertel-
Gletzener Anzeiger»
General-Anzeiger
Amts- und Anzetgeblatt für den Kreis Gießen MW
__________________ _____ »eigenteil: Hans Beck.
inneren Hafen. Zuerst ging das lokale Empfangskomitee an Bord; dann begab sich daS Königspaar in den Pavillon, wo es alle Anwesenden herzlich begrüßte. Besonders lange unterhielt sich der König mit dem deutschen Gesandten Dr. Stübel. Augenscheinlich waren er und seine Gemahlin durch den herzlichen Empfang sehr gerührt. Im Wagen setzten sie bann den Kronprinzen zwischen sich und im Triumphzug ging es durch die Straßen.
London, 20. Juni. Eine Gruppe von Frauen begab sich gestern Abend vor die Wohnung des Finanzministers, um für das Wahlrecht der Frauen zu manifestieren. Der Minister entging den Frauen, die ihn unbedingt sprechen wollten, durch eine Hinter! ü r.
Die Giihrung in Rußland.
Der ruff. „Regierungsbote" veröffentlicht ein Telegramm des Prokucators von Wilna an den Justizminister, wonach der Prokurator von Gradnow meldet, daß ivährend der Unruhen in Bjelostok das Militär aus den Häusern von Revolutionären beschossen wurde. In einem Krankenhaus fand der Prokurator vier Tote und sieben Verwundete, die mitten in der orthodoxen Prozession von Bomben und Schüssen getroffen waren. Bei dem Eindringen in zwei Häuser, au5 denen auf die Feuerwehrleute geschossen wurde, und in denen Patronen explodierten, fanden die Truppen neun getötete Juden.
Das Verkehrsministerium trifft Vorbeugungsmaß- nahinen zur Verhütung des Ausbruches eines allgemeinen Eisenbahner st reifes, dessen Anfänge in der Lust liegen. Unter den Eisenbahnern tritt eine hohe Erregung und Unzufriedenheit zutage, meü die Regierung keines iljrer Versprechen gehalten har. Die Regierung stellt für den Fall des Ausbruches eines Bahnstreikes in Petersburg und Moskau mehrere Panzerzüge bereit. Auch sind auf allen Stationen des Petersburger Bahnknotens kleine Abteilungen von Gardetruppen postiert, welche beim Ausbruch des Streiks sofort rücksichtslos vorzugehen haben.
Der nach Bjelostok entsandte Dumaaba. Jakobsohn telegraphierte an den Abg. Winawer, die Bjelostoker Stadt- verordnetenversainmlung habe einstimmig die Abwesenheit jeglichen Nationalhasses in der Stadt, das Borliegen einer Provokation beim Beginn der Metzeleien, sowie die Mitwirkung von Polizei und Militär beim Morden und Plündern konstatiert. Alle Nachrichten über Beschießung verschiedener Häuser durch Revolutionäre und Juden, sowie über den angeblichen lieber falt der Juden auf die Christen seien erlogen.
Aus Petersburg wird telegraphiert, in Kronstadt werde heftig gefeuert. Matrosen rotten sich auf der Straße zusammen und halten Versammlungen ab. Niemand wird in die Stadt hinein gelassen. Die Ursache der Meuterei ist unbekannt. Es werden scharfe Maßregeln getroffen, um die Ausbreitung des Aufstandes zu verhindern.
In Sosnowice erschossen Sozialisten wegen Verräterei ihren früheren Genossen Kerudschewski, welcher nach Unterschlagung von Parteigeldern in Warschau Polizeispitzel geworden war.
„Daily Telegraph" meldet aus Petersburg, daß der Zar einen Vorschlag des Kriegsministers erwägt, der dahin


