Ausgabe 
17.4.1906 Zweites Blatt
 
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Briefkasten oer Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben nubcrnelfichtigt).

Eifriger Leser E. in Fr. Ein Mittel zur Förderung des Wachstums des Menschen ist un3 unbekannt und dürste aud) nicht existieren.

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Die courtoisic+'ollc Mitteilung des deutschen Botschafters kamt nur hok>: Befriedigung in Italien bertwrrufen, daS fdjon verschiedene Male die Zuneigung Kaiser Wilhelms erfahren hat. TaSGiornale d'Italia" erklärt:

Men könnte an den Gefühlen der deutschen Regierung und des deutschen Volkc-5 gegen Italien nickt zweifeln, die sich stete- als von starker, aufrichtiger Sympathie und von Soli- daritätsgefühleu gegen uns beseelt gezeigt haben. Der deutsd>e Botschafter das Leute offiziell zum Ausdruck gebrockt, iw die deutsche Presse in den letzten Tagen bereits hervor­gehoben bat. .

Neapel, 16. April. Graf Tattenbach ist, von Alge­ciras kommend, hier eingettoffen rmd begibt sich von hier nach Rom.

Como, 17. Avril. In Chivano (Piemont) wurde am Sonn­tag der Schriftsteller und Schuldirektor Barbeni von seinem e i g e n e n h a l b b l i n d e n Sohne erschossen^ töierauf tötete dcrMörder auch dieMutter und schließ­lich sich selbst.

Pjatigorsk, 16. April. In der letzten Nacht gegen; 2 Uhr wurden hier zwei Harfe Erdstöße verspürt.

Turin, 17. April. TasGiorrmlc d'Jtalia" veröffent­licht eine Note, worin die Gerüchte über die zwischen; Deutschland und Italien wegen der Konferenz iit Algeciras ausgebrochencn Meinungsverschiedenheiten in AL^ rede gestellt werden. Tie Note erklärt, daß die Beziehung gen zwischen beiden ?7ationcn die den kb ar her zl ich sten; seien.

New York, 17. April. Ter Aufenthalt Maxinr Gorkis bringt für ihn andauernd Unannehmlichkeiten mit sich. Aus drei Hotels wurde er ausgewiesen und mußte bei einem Freunde Unterkunft suchen. Ein in Boston geplanter Empfang wurde vom Gastgeber abgesagt, ebenso ein Tiner, das die Schriftsteller Newyorks Gorki zu Ehren, geben wollten.

M v s k a u , 17. 9lpril. Der Ministerrat ordnete nach Deutsch­land, Oesterreich und England besondere Beamte ab zum Stu­dium der Mittel, bereit sich die ausländischen Regierungen zur Bekämpfung der Opposition int Parlamente bedienen.

Tokio, 16. April. Nach hier eingegangenen amtlichen Meldungen sind bei dem letzten Erdbeben auf der Insel F o r m o s a in Kägi und anderen Orten neun Personen g c- tötet und 43 verletzt worden. Außerdem wurden 1697 Gebäude beschädigt, von denen 1041 vollsten cingestürzt sind. Die Ermittelungen sind noch nickt vollst... dig abgeschlossen.

Griginal-Drahtmeldringen.

Berlin, 17. April. Ter Raubmorooer su.ch an der Möbelhändlerin Ehrhardt, die am Samstag morgen in ihrem Geschüstslokal überfallen und beraubt wurde, hat rasch seine Aufklärung gefunden. Ter Stein­setzer Karl Schäfer und der Friseur Karl Brand wurden als Täter festgenommcn. Beide sind geständig.

Berlin, 17. April. Am Ostersonntag wurden zwei Magde­burger Dienstmädchen im Landwehrkanal als Leickeu ge­funden, die vor vierzehn Tagen aus Magdeburg sich entfernt hatten, nachdem sie wegen fortgesetzten näcktlickym Ausbleibens ihre Stellungen verloren und beschlossen hatten, gemeinsten in den Tod zu gehen.

Bochum, 17. April. Ter von der Arbeitssckicht auf der ZecheFröhliche Morgensonit'e^ heimkehrende Bergmann Dittmar wurde vom Blitze erschlagen.

Dortmund, 17. April. Äuf ZecheKaiserstuhl 1" stürzten zwei Bergleute in den Schockt und waren sofort t o t. Auf der ZecheGraf Sckwerin" wurde ein Bergmann ver­schüttet.

London, 17. April. Em Staatsmann bemerkte zu dem Gerücht von einer beabsichtigten Allianz zwischen England und Spanien: Wir wissen, daß ein solches Gerücht umgeht unb es ist möglich, daß sich dasselbe ver­wirklicht.

Cowes (England), 17. April. König Alfons traf hier heute früh 9 Uhr ein. Tie Prinzessinnen von Batten­berg waren ihm entgcgengefahren.

Rom, 16. April. Der deutsche Botsckafter Graf Monts hat an den Minister des Auswärtigen ein offizielles Schreiben gerichtet, in dem er fein Beileid zu den schmerz- l ich en Ereignissen am Vesuv ausdrückt. In dem Schrei­ben heißt es:

Der schreckliche Ausbruch des Vesuvs, der die blühende Um­gebung von Neapel verwüstete, habe in Deutschland die lebhafteste und aufrichtigste Sympathie hervar- gerufen. Jetzt, wo die uumittelbaie Gefahr vorüber zu sein idyetne und man die Grö'-c des Unglücks abmessen tonne, wünsche die kaiserliche Negierung der königlichen Regierung und der italienischen "Nation ich Beileid und ihr herzliches Mit- gefühl zu dem Unglü ck, das Italien burd) diese neue Kata­strophe getroffen habe, auszudrücken.

DiePatrick" schreibt dazu:

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de. Herrn Votz vom Ticbc^ Zuichanemenge. Trotz ^ Spieler eine große Uebfr jicbencS Reiullol erzielen, h ,le Verteidigung verwand

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rtit Herrn Julius Äorgenlhau ^rl. Thekla Mikkels mit ^ und Darmstadt.

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Kleine praktische Aatschtäge.

Die Behandlung der Brandwunden. ES kommt bei der örtlichen Behandlung einer verbrannten Hantflächc sehr darauf an, den Zutritt der Lust völlig auszuschließcu, waS am leichtesten durch eine Art von Verband geschehen kann. Früher benutzte man eine Mischung von Leinöl und Kalkwasser, weil dadurch der Schmerz schnell und wirksam gehoben wird. Neuerdings ist mau jedoch mehr davon zurückgckommcn, weil ein solcher Verband sehr schwer wieder zu beseitig:!! ist, wenn er einmal angelegt und an der betreffenden Stelle angetrocknet ist. Außer­dem haben tue Acrztc. beobachtet, daß er die Eiterbildung in der Brand­wunde begünstigt. Bei Derbrcnnungen ersten und zweiten Grades hat man häufiger eine ziemlich starke Lösung von Pikrinsäure benutzt, die mit finem Gazestoff unmittelbar aus die Wunde gebracht wird, die Luft wird dann durch eine weitere Lage atissaugcnder Baumwolle und eine feste Bandage serngchalten. Dies Berfahrcn hat die Nachteile des vorigen nicht, denn es wirkt gleichfalls schmerzstillend und antiseptisch, veranlaßt aber keine Eiterung und auch keine Schwierigkeit in der Gntfevnung des BerbandS. Freilich bleiben gelbe Flecken von der Pikrinsäure zurück, können aber durch Alkohol leicht entfernt werden. Als noch besser empfiehlt JDr. Mac Cou im Internationalen Journal für Chirnrgie eine Mischling von Karbolsäure und Glyzerin in verschiedenen Berhältninen, meist aber mit einem Teil Karbol auf 35 Teile Glyzerin. Auch nm dieser Mischung werden Gazc- ftrcifen getränkt und dann auf die Wunde unmittelbar aufgelegt. Ter Ausschluß der Lust erfolgt ebenso, wie vorher beschrieben. Die Heilung kann bann später durch Salben unterstützt werden. Bei der Berwendung eines BerbandS mit Karbolsäure muß j-doch von feiten des ArzleS große Aufmerksamkeit darauf verwandt werden, ob nicht etwa die Nieren in Mitleidenschaft gezogen werden. Bei schweren Berbrennungen an der Hand, dem Handgelenk, dem Ellbogen ober dem Knie sind Entstellungen zn fürchten, und man wird daher dem Berband in solchen Fällen flache Schienen bei» geben. Bei sehr langsamer Heilung, und wenn die Verbrennungen sich auf eine große Hantflächc erstrecken, wird der Arzt seine Zuflucht zur Auf- Pflanzung frember Hautstücke nehmen müssen.

Das Wasserglas alS AnsteckungSquxlle. Man behauptet heutzutage häufig, daß man mit der Aengstlichkett vor Ansteckungen ent- schieden zu weit ginge. Wie leicht indes eine solche möglich ist, berichtet Le ProgreS Medical^, und zwar wurde ein Wasserglas in einem Kaffee­haus die Quelle zur Heber tragung der Syphilis. Es war im Jahre l'JOO während bet; Ausstellung, als ein Kleinstädter mit seiner Fran Paris besuchte, wo sich beide natürlich auch in Eafts und RestauraniS anshielten, um bann ihre kleine Stadt in der Provinz wieder ausziisucheu. Nach einiger Zeit zeigte sich bei der Frau eine sehr häßliche wunde Stelle an der Lippe, welche später geschwürig zerfiel. Ihr Gatte behauptete, die Ursache könne nur darin liegen, daß sic au3 einem unreinen Glase getrunken habe, wohingegen dcr Arzt an eine derartige Ansteckung nicht glaubte. Die Frau stand im Alter von 53 Jahren. Die anfangs kleine Stelle fraß im Laufe Wn 5 Jahren weiter, so daß schließlich em Auge verloren ging und die Kehle von Gcschwüreirtzersetzt war, weshalb die Kranke nur mit großer Mühe ernährt werden konnte. Am Halse befanden sich zahlreiche Drüsen, die ebenfalls geschwürig zerfallen waren. Diese Frau lebt zwar noch, leidet aber außerordentlich, wie man sich denken kann: nur die Hoffnung hält sie noch aufrecht und eine hingehende Pflege umgibt sie. Ein namhafter Arzt, ein Mitarbeiter der genannten französischen medizinischen Wochen- schrift, verbürgt sich für den Fall.

Ein Apparat zur Verhütung zu schnellen Essens ist nach einer Meinung deSScientific American" erfunden worden, aber leider nicht für Menschen, sondern für Pserde. Diese leiden häufig an Beschwerden, die durch eine unbelömmliche unb überflüssige Hast im Fressen erzeugt werden. Wenn sich so ein braves Tier einer reichlichen Portion Hafer in seinem Futtertrog gegenüber befindet, so verliert es nicht selten seine Selbstbeherrschung, die cS dazu befiünmcn sollte, ein Maul voll nach dem andern zu nehmen, und frißt alles prestissimo in sich hinein. Nun ist ein genialer amerikanischer Kopf auf den Gedanken verfallen, einen Futtertrog zu erfinden, der dem Pferde immer nur soviel Hafer zeigt, als cS auf einmal im Maul unterbringen kann. DaS Pferd muß erst diese

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Menge verzehrt haben, ehe es neuen Hafer aufgetiftfit findet. Auf diese Weise wird das Pferd zum vernünftigen und gesunden Freffen erzogen. ES will unS sehr bedauerlich erscheinen, daß die Segnung dieser neuen Er­findung auf die Pferde beschränkt bleiben soll, denn unter den Lehren, die von der Hygiene dem Menschen am häufigsten vorgehalten werden müsicn, stehen immer die beiden obenan: nicht zu viel elfen und nicht zu schnell offen ! Daß die meisten Menschen, die irgend dazu haben, mehr effen, als ihnen nötig und gesund ist, kann kaum bezweifelt werden. DaS zu schnelle Esten ist nicht weniger verbreitet, namentlich bei allen, die glauben, sich keine Muße dazu nehmen zu können. Die Amerikaner sind so erfolgreich im Erfinden, sollten sie nun nicht auch eine Abänderung dieser neuen Errungen­schaft in der Weise zuwege bringen, daß sie für den Menschen nutzbar gemacht werden kann?

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