Zweites Blatt
Nr. 89
Dienstag 17. April 1906
156. Jahrgang
Giehener Anzeiger
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch« UniversilLtSdruckeret. R. Sange, »ieh«.
Redaktion. Expedition n. Druckerei: Schulstr.K»
Tel. Nr. 6L Telegr^Adr., An-etg« Lieh«.
Erscheint M-Nch ndt Ausnahme des Sonntags.
Eie „Gletzener KmnMenblötter- werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Ehesstsch« Landwirt" erschevtt uwnallich einmal.
Eeneral-Anzsiger, Mir- md Anzeigeblatt für den Kreis «Ziehen.
politische Lagesscharr.
Zur Wahlbewegung im Kreise Darmstadl-Groß-Gerau.
Zu dem Bericht in unserer Nr. 86 über die Vorgänge in der nationalliberalen Wählerversammlung in Arheilgen ging mehreren Blättern folgende Entgegnung zu:
1. Es ist unwahr, daß eine freie Diskussion nicht stattfinden sollte; 2. es ist unwahr, daß der Vorsitzende der Versammlung im „gleichen Augenblick" Herrn Rechtsanwalt Dr. Osann das Wort erteilte, in dem Herr Bornemann ums Wort zur Geschäftsordnung bat; 3. es ist unwahr, daß Herr Bornemann von Nationalliberalen auS Darmstadt meuchlings ain Nacken gefaßt und nach dem Ausgang gestoßen wurde; 4. es ist unwahr, daß Dr. Osann und Dr. Becker in nächster Nähe saßen; 5. cs ist unwahr, daß sich Nationalliberale unter Führung des nationalliberalen Abgeordneten Dr. Becker und des Amtsrichters Dr. Mahr über Herrn Nuschke herstürzten. Nichtig ist vielmehr folgendes: 1. Es war den» sozial- demokratischen Vertreter gegenüber sofort erklärt worden, daß nach dem Referat des Herrn Dr. Stein Diskussion stattftnde; 2. Herr Hirsch als Vorsitzender hatte Herrn Dr. Osann das Wort erteilt und Öerr Dr. Osann batte bereits zu sprechen begonnen, als sich die Vorfälle mit Herrn Bornemann ereigneten; 3. Herr Bornemann rourde von dem Besitzer des Saales qu§ dem Saale entfernt ; 4. Herr Dr. Osann und Herr Dr. Becker, ersterer auf dem Podium, letzterer an einer entsernten Tischreihe sitzend, waren nicht imstande, einzugreifen; ö. Herr Dr. Becker und Herr Dr. Mahr haben sich nicht über Herrn Mischte hergestürzt, sondern lediglich Herrn Nuschke aus das Taktlose hingewiejeii, das darin liege, immer wieder die Versammlung stören zu wollen. Weder Hr. Dr. Becker, noch Hr. Dr. Mahr haben sich irgendwelcher beleibigenben Aeußerungen gegen Herrn Nuschke bedient.
Dr. Stein. Dr. Osann II. Dr. Becker. Dr. Mahr.
Uns ist diese Entgegnung bisher nicht zugesandt morden. Gleichwohl halten wir es für angemessen, sie zum Abdruck zu bringen.
Friedliches aus Rußland.
Graf Cassini ist »für sein erfolgreiches Wirken auf der Konferenz von Algeciras (!) zum Wirklichen Geheimen Rat befördert worden. In dem betreffenden katserlichen Erlaß heißt eS bezüglich der Teilnahme Rußlands an der Konferenz: Rußland, das keinerlei vitale Interessen in Marokko hat, konnte eS völlig unparteiisch übernehmen, verschiedene Ansprüche in Uebereinstimmung zu bringen, indem eS unveränderlich daS verbündete Frankreich unterstützte und die seit alter Zeit bestehenden freundschaftlichen Beziehungen zu Deutschland in keinem Punkte verletzte. (?)
In einem an den Finanzminister gerichteten kaiserlichen UkaS wird der ReichShauShaltSetat für 1905 bekannt gegeben. Der Etat sielst Finanzoperationen vor, um 481 Mill. Rubel außerordentliche Ausgaben, ferner 150 Mill. 9tubel zur Tilgung von Schatzanweisungen, die auf Grund einer Entscheidung deS Finanzausschusses im Jahre 1905 auS- gegeben worden sind, und 180 Mill. Rubel an KriegS- auSgaben zu decken. Zu diesem Zwecke soll eine Anleihe von russischen und ausländischen Banken ausgenommen werden.
Der Generalgouverneur deS Amurgebiets hat sich dahin ausgesprochen, daß die Ucbergabe der Ussuribahn an die chinesische Ostbahn-Gesellschaft sich nicht empfehle. Hinsichtlich deS Baues der Amurbahn ist ein Entwurf auS- gearbeitet, der dahin strebt, die Bahnlinie vom Amurlauf weg zu führen. Dadurch sollen unter anderem neue Aktienbaugebiete erschlossen und die Goldgewinnung, deren Entwicklung bisher durch den Mangel an Verkehrswegen gehemmt war, gefördert werden. Die Bahn soll nach diesem Plan im Norden des AmurgebietS gegen die Flußmündung hin geführt werden. _______________________
Korn Wesuv.
Ter Gieß. Anz. erhielt von befreundeter Seite aus Neapel folgende briefliche Mitteilungen:
Neapel, 12. April. Gestern abend sind wir mit IV2 Stunden Verspätung ivvhlbehalten hier eingetrofsen. Schon zwei Eisend ahn stund en nördlich von Neapel war die Lust einmal so staubersüllt, daß man nur mit Schwierigkeit atmen konnte. Tann wurde es jedoch wieder besser -und auch bei der 'Ankunst hier war der Atem nicht beengt. Aber wie sieht Neapel aus! Gestern abend sah man ja nur, daß die Straßen mit einer dicken g r a u e n M a s s e b e d c ck t waren, durch die man waten mußte, und daß die Leute mit offenen Schirmen gingen, obgleich es nickt regnete. Beim Tageslicht heute morgen tag eine graue Welt, in unheimlichen Dunst gehüllt, vor uns. Alles ist grau — die Häuser, die ganze Vegetation, die Wagen, die Menschen; man ahnt nur, daß hinter den Wolken noch eine Sonne existiert. Wenn loir gewußt hätten, iv i e cs hier aussicht, wären loir natürlich nickt hierher gefahren, aber in Rom wußte niemand Bescheid und aus den dortigen Zeitungen war auch nickt llug zu werden. Gefahr ist ja glücklicherweise nimt bei der Sack/e, wenigstens nicht für Neapel, aber ein Vergnügen ist es auch nicht, in Staub und Asche herum zu waten und sich einstauben zu lassen. Unternehmen kann man uatürlia) aucn nichts; die Schisse nach Capri gehen nicht rcgel- uläßig uni) cs ist scl>on worgckommen, daß die Boote mitten auf d em M eer in eine Afchcnwolke gerieten und nicht vor- und rückwärts konnten. Nack dem Lunch war cs etwas Rarer, wir gingen ins Aquarium, konnten aber nicht viel sehen. Denn eine braunschwarze Wolke wälzte sich tom Vesuv heran und eS brach wieder ein heftiger Aschenregen los Tie Beleuchtung ist augenblicklich die denkbar merkwürdigste: zur Linken rötlich sck warz, im Westen ein Streifen blauer Himmel. Man hat l5 Iii)r. schon die elektrischen Lampen in den Straßen an- neftedr 'bür uns ist die Sache schließlich dock recht interessant.
Ferner liegen uns heute folgende Meldungen vor:
Neapel, 1-1. April. Der Befehlshaber der f r a n z ö si schen S ck N f s d i 0 i s i 0 n hat 45 000 Francs als Unterstützung für die Notleidenden überreicht. — Einige Bauernsamilien, welcke iit Erdhöhlen flüchteten, wurden gestern gerettet. Nachdem s ie in die Erdhöhlen geflüchtet iuaren, wurden sie von Asche sie ui die Erdhölsten geflüchtet waren, wurden sie von Aschen c-mgeschlossen, oi>nc daß ihnen die Luftznsul-r abgeschnilten ivar. 511 den Men Rieben sie fünf Tage und ernährten sich von Wurzeln. Schließlich hatten sie gar nichts mehr zu essen mnd legten sich nieder, um den Tod ui erwarten. Einige waren gintorben, als das Militär bis zu den Verschütteten gelangte. Cin lebendes Kind wurde fest in den Armen der toten Mutter Mjgeftuckeu. Die poch lebenden Bauern waren so sthwach.
daß man sie in das nächste Krankenhaus transportieren mußte. — Bei den Rettungsarbeiten soll der gleiche Fehler begangen worden fein, tote in Cvurrißres. Die Behörden waren überzeugt, daßz unter den Trümmern nur Leichen zu finden seien, rntb vernachlässigten daher vielfach die Rettungsarbeiten. Nun sollen zwei Lebende unter den Trümmern hervvrgezogen und die meisten Toten in etr-'r Haltung gefunden worden fein, die beweist, daß sie noch lange gelebt haben. Die Gelehrten versichern übereinstimmend, daß der Besuvausbruch im tetzlen Stadium sei. Professor Grahlavitz, Leiter des Geodhnamischcn Instituts in Ischia, meint, jede Gesa kn für Casamicciola sei ausgeschlossen. Die achthundert Gefangenen des Kerkers in San Francesca in Neapel, die in ihrer Todesangst revoltierten, wurden unter Bedeckung von zwei Bataillonen Infanterie nach Palermo übergeführt. DaS ganze franz. Geschwader war gestern abend erleuchtet, aber die elektr. Lichter waren vom Lande nicht zu sehen. Am Molo versammelte sick eine große Menschenmenge, unter Hochrufen au f Frankreich.
Neapel, 15. April. Aus Ottajano wird von heute nachmittag 2 Uhr gemeldet: Hier füllt jetzt sehr dichter Aschen- und Sandregen; heute früh 2 Uhr wurde ein leichter und um 5 Uhr ein starker Erdstoß verspürt. Nach den bei der Präfektur eingegangenen Nachrichten zeigen die Lavaströme bei Boscoreale, Ärscotrecase unb Torre-Annunziata keine Bewegung mehr. Eine Depesche des Professors Matteucci vom Vcsiiv- observatorium meldet, die Instrumente seien heute sehr ruhig und der SandauÄvurf verringert; er sehe in Ruhe einem befriedigenden Endverlauf des Ausbruchs entgegen.
Neapel, 14. April. Der englische Kreuzer „Levia- tan" ist aus Korfu im Auftrage der Negierung hier ein getroffen, um gemeinsam mit dem französischen M ittelmeer- geschwader die Not in Neapel zu lindern.
Rom, 16. April. Professor Mateucci meldet vom Vcsuv- vbservatvrium, daß die Sage auf dem Vesuv heute dieselbe sei, wie gestern. Von gestern abend bis heute vormittag sei reichlicher Regen von ganz feinem Sande gefallen, was jedoch nicht weiter beunruhigend sei, da dies zu dem gewöhnlichen Verlaufe eines Vesuvansbruckies gehöre. — Nach Neapel entsandte Gelehrte konstatieren, daß die Ruinen von Pompeji keinerlei Schaden erlitten haben. Man hofft, das Observatorium bald instandsetzen zu können.
Rom, 15. April. Die Sozialisten ersuchen die Arbeiter, die 1. Mai-Feier zum Zeichen der Trauer in diesem Jahre ausfallen zu lassen.
Straßburg, 14. April. Im Auftrage der Direktion der kaiserl. Hauptstation für Erdbebenforschung in Straßburg begibt sich Professor Rudolph nach Neapel, um die vulkanischen Vorgänge am Vesuv und die Beziehungen zwischen dem Vulkanismus und den Erdbeben zu studieren. Professor Rudolph wird mit einem hochempsindlickren, optisch registrierenden Horizontalpendel beobachten.
Wien, 14. April. Der Kaiser drückte dem König von Italien telegraphisch seine Teilnahme anläßlich der Vesuv- katastrophe aus und spendete für die Opfer 10000 Lire.
Rom, 14. April. Der russische Ministerpräsident Graf Witte übermittelte dem italienischen Ministerpräsidenten Sonnino telegraphisch die aufticktige Te i ln a hm e der russischen Regierung wegen der durch die Ausbrüche deS Vesuvs herbei- geführten Katastrophen.
Arrs utto sHattOe
Gießen, den 17. April.
" Vom Großherzogl. Hofe. Prinz Heinrich von Preußen begab sich am SamStag im Automobil zum Besuch seines Schlosses Rhein stein bei Bingen. Der hohe Herr fuhr um 11 Uhr vormittags weg und kehrte gegen 8 Uhr wieder zurück. 2Un 1. Feiertag besuchte das Groß- herzogl. Paar mit seinen Gästen die Hofkirche im Schloß. Nachmittags fand Familientafel zu 19 Gedecken statt, an welchem außer dem Großherzogspaar und Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen auch die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen nebst Gemahl, welche Prmz Heinrich vormittags in seinem Automobil in Frankfurt a. M. abgeholt hatte, sowie Prinzessin Ludwig von Battenberg mit Kindern, Prinz Franz Josef und Gemahlin, Fürst und Fürstin Erbach- Schönberg 2c. leilnahmen. Am Abend brachte Prinz Heinrich Schwester und Schwager wieder nach Frankfurt a. M. zurück. Am 2. Feiertag begaben sich sämtliche Herrschaften auf eine Einladung der Prinzessin Ludwig von Battenberg nach Schloß Heilig en berg und kehrten abends wieder zurück.
** 3 0 0 M a rkB e l 0 hnun g hat die Kaiserliche Staatsanwaltschaft in Metz dem zugesichert, der Angaben macht, die zur Auffindung und Ergreifung des wegen Raubmords verfolgten Bergmann Anton Rogic aus Klcmac in Bosnien macht. Rogic hat in Gemeinschaft mit Thomas Radofewrk, Der bereits verhaftet ist, am 17. Febr. L I. zu Fentsch den Bergmann Solail ermordet und beraubt. Rogic ist 21 Jahre alt, 1,75 Meter groß, hat bleiches Gesicht, eingefallene Wangen, kleinen schwarzen Schnurrbart, starkes, schwarzes, rjrne buschiges Haar, das in der Mitte gescheitett ist. Er dürfte unter falschem Namen Arbeit gefunden haben.
** Brüderlich. Zwei Brüder gerieten am vorigen Samstag abend in einer Wirtschaft m der Sonnenstraße in Wortwechsel, in dessen.Verlauf der eine dem andern ein Schoppenglas an den Kops warf und ihm eine ganz erhebliche Kopfwunde beibrachrc. Strafantrag wurde vom Verletzten gestellt.
** Ueberfahren wurde am erste« Feiertag nad)p mittag- an der Wieseckerstraße ein hiesiger Einwohner von einem Radfahrer. Er erlitt )abei derartige Berletzunbcn cm der einen Hand und au einem Knie, daß er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Da der Radfahrer aus dem Bankett in leichtfertiger Weise den Verletzten von hinten überrannte, hat letzterer Strafantrag gestellt.
** Geländetaxation für die Kläranlage. Bürgermeister Schaum-Klein-Linden schreibt uns:
Daß Oberbürgermeister Mecum ein Angebot von 18 Prozent im Laufe der Verhandlungen bezüglich der Gelände-Enteignung der Kläranlagen uns gegenüber gemacht hat, müssen wir als besttmmte Wahrheit bezeichnen. Außerdem fragte uns Oberbürgermeister Mecum damals, er selbst ginge für einige Wochen in Urlaub und werde am selben Tage noch Herrn Beigeordneten Curschmamr beauftragen, mit den Herren Stadrverordneten und GelänDcbesitzern wegen Abschlüsse der Kuufvercrägc zu verhandeln. Bei einer späteren Besprechung teiltet wir Oberbürgermeister Mecum das Verlangen der Grundbesitzer, die ihre Ansage gegeben hatten, mit, daß sie demselben Preis erhalten sollten, wie die Grundbesitzer, bei denen das Euteignungsverfahren durchgeführt
wird, falls dieser höher fei. Mit diesem Vorschlag >var Oberbürgermeister Mecum gleichfalls einverstanden.
"Dem Turmbaufonds für den BiSmarck- turm auf dem Taufstein ist eine namhafte Zuwendung, bestehend in einem Geschenk von 1000 Mark durch Fabrikbesitzer BuderuS in Hirzenhain zu teil geworden. Dank dieser Spende ist cS nunmehr ermöglicht, da nun nicht mehr sehr viel an der erforderlichen Bausumme, die sich auf 14 000 Mark beläuft, fehlt, mit der Ausführung deS Baues noch in diesem Frühjahre zu beginnen.
** Krieg erkameradschaft Hassia. Dem von! Dem 1. Schriftführer der KT ic g er kam crads ch af t Hassia, Medi-^ zinalrat Dr. Vogt in Butzbach, herausgcgebcnen Jahresbericht der Kriegerkamcradfchast über das Jahr 190c ent» uehnieu wir folgendes:
Die Striegertamerai>id>afr Hasiia hat auck im Qaljrc 1905 erfreuliche Fortschritte gemacht, sie nahm 15 neue Vereine mit 427 aktiven und 75 pasftven Mitgliedern auf und umjafjte am 31. Dezember 1905 912 Vereine mit 57 120 aktiven und 7008 passiven, zusammen 64 128 Mttglick>ern. Von ihren Ehren-Mit- gliedem ist Fiirst Bruno zu Pstnvurg und Büdiiigcn im Berichtsjahre gestorben. Der Verband hatte 71348 Mk. Einnahme uni) 63 990 Mk. Ausgabe. Tas Verbandsvermögen betrug Ende 1905: 204 650 Mk.; das Vermögen sämtlicher Berbandsvereine 524 170 Mark und deren Inventar hatte einen Wert von 423 780 Mark. 09 Vereine erhiellcn die Kaiserl. Fahncnschleife, 31 Vereinen wurde die Erlaubnis erteilt, das Großh. Wappen in der Fahne zu führen. Ehrentafeln der Hassia für ununterbrochene 25 jähr. Zugehörigkeit zur Kriegerkameradschaft wurden an 6 Vereine und für ununterbrochene 25 jährige Vorstandstätigkeit in ihren Vor euren an 63 Kameraden verliehen. Eine zu Gunsten der Veteranennnterstützungen veranstaltete Vcrbandslotterie hatte den Erfolg, daß sämtliche 85 000 Lose unter den Mitgliedern der Hassia abgesetzt werden kennten. Das Vortragswesen bat weitere Fortschritte gemacht- Es wrirden 202 Vorträge gehalten und an Kosten derselben 1995 Mk. verausgabt. LLus den Verträgen mtt ihren Gesellschaften flössen der Hassia 27 324 Mk. zu. Der Kalendervertricb sür 1906 erbrachte einen Reingewinn von 6200 Mk. An Unterstützungen wurden im Ganzen 9810 Mk. ausbezahlt. Der Voranschlag für 190b sieht eine (Sinnalyme uni Ausgabe von 61613 Mk. vor, wobei eine Reserve von 5153 Mk zurückgestellt ist. Für Unterstützungszwecke- sollen 1470 Mk. zur Verfügung gestellt werden. Der Verbandstag wird am 24. Jurst in Sprendlingen in Rheinhessen abgehalten werden. Zu fernen wichtigsten Beratungsgegenständen gehört die Frage der weiteren Ausg^taltung der Verbandszeitung, mit dem Endziel, sie jedem Mitglied der Hassia zugänglich zu machen.
K i n z e n b a ch, 17. April. Heute ist der letzte Tag der 1. Bundes-Ausstellung des Mitteldeutschen Kaninchenzüchter-Verbands. Die Ausstellung ist äußerst slark beschickt, man zahlte gegen 1000 Tiere. Der Besuch der Ausstellung ist sehr zahlreich. Am 1. Ostertag eröffnete der Bundes- Vorsitzende V i e h in a n n die Ausstellung. Er dankte sür die zahlreich gestifteten Preise, besonders sür die vier Staatspreise utib brachte ein Hoch auf den Verband aits. Daran fchloß sich ein Gang durch die Ausstellung. ES waren wahre Prachtexemplar« vertreten, Riesen bis zu 15 Pfund Gewicht, buntfarbige Japaner und Holländer, niedliche Angora- und Stlberkaninchen und große Schlachtzllchttierc. 2. Ostertag sand die Preisoerteilung statt. Ten 1. Staalspreis, den 1. Ehrenpreis für beste Gesamtleistung, den Ehrenpreis des Vereins und die große goldene Medaille erhielt G. K. Schmidt- Kinzenbach mit 72 Punkten, den 2. Staatspreis errang H. Gabriel-Gießen, dazu eine silberne Medaille, den 3. Staalspreis H. Weber-Niedershausen bei Weilburg, den 4. StaatS- vreis H. Becker-Wieseck; für die 2. beste Gesamtleistung wurde Th. Viehniann eine goldene Medaille und der Vereinsehrenpreis Äiterrannt, Ludwig Uscr-Garbenheim erhielt die große silberne Medaille, Punja-Löhnberg und Steitihauer-Heltchelheim Ehrenpreise; Ferner erhielten noch 1. 2., bezw. 3. Preise: Denker-Rodheim, Gutfcheid-Banmbach, Pfeiffer-Weilburg, Schneider-Krofdorf, Stroh- Kinzenbach, Gelbert-Löhnberg, Pfaff°lttnzenbach, Weber-Krofdorf, Gabriel-Gießen, Schmidt-Atzbach, Pseiff-Wieseck, Kiefer-Garbenheim, Keiner-Wiescck, K. Becker Wieseck, und User-Garbenheim.
X Rod heim a. d. Bieber, 16. April. Am heutigen ziveiten Ostertage luden zum ersten Male die Kirchenglocken zur Konsirmation ein. Bisher wurden die Kinder erst am 2. Pfingsttage konfirmiert. DaS alte Kirchlein reicht schon an gewöhnlichen Sonntagen kaum ans, um die vielen Besucher nuS den Orten Rodheim, Vetzberg, Bieber, Hof Haina u. s. f. aufzunehmen. Herkte vermochte eS aber erst recht nicht die Eltern, Anverwandten, Taufpaten, Freunde und sonstige Bekannte der stattlichen Kinderschar alle zu fassen.
hb. B u tz b a ch, 14. Apr. In der vorgestrigen Generalversammlung des Sparkassenvereins gingen folgende Herren aus der Wahl hervor: Start Bikonie als Rechner, A. Weickhcrrdt als StontroHeur, Ludwig Strefy als Vorsitzender. Von nun an werden wieder Spareinlagen zu 33/2 Prozent verzinslich angenommen. Für hypothekarische Beleihungen bis zu 70 Proz. des Taxwertes werden 41/4 Proz. und für Darlehen gegen Bürgschaft werden 4i/2 Proz. Zinsen berechnet. Tie seitherigen ©sparein lagen werden zwecks Deckung der Fehlbeträge auf Die Dauer eines Jahres nicht verzinst und sind für diese Zeit unkündbar. Es ist zu pof feit, daß das früher so segensreich sür den geringen Mann arbeitende Sparinstitttt auf der neuen Grundlage das ihm früher entgegengebrachte Vev- trauen sich zurückzugewinnen in der Lage ist.
a. Lauterbach, 14. April. Ein schreckliches Unglück ereilte heute vormittag zwischen 9—10 Uhr den seit 16 Jahren im Dampfsägewerk von W. Henkel beschäftigten! 36 Jahre alten verheirateten Arbeiter Adam Faust von hier. Faust, der die Transmissionen schmierte, wurde von einem Kanunr.ad erfaßt und wäre zweifellos zermalmt worden, wenn cr sich nicht mit dem linken Arm an einer Säule hätte festhalten können. Turch mehrmaliges Rusen des Bedauernswerten wurde ein Mitarbeiter aufmerksam, die Maschine wurde sofort zum Stehen gebracht und Faust aus feurer verzweifelten Luge entfernt. Tie Kleider w-aren chm vollständig vom Leibe gerissen und der rechte Ackm so zerguetscht. Daß er ihm im Lauterbacher Krankenhanse abgenommen werden mußte. Anscheinend hat Faust noch andere Verletzungen Davon getragen, da an seinem Wieder- auskommen gezweifelt wird. — Ter etwa 1400 Morgen umfassende Gutsh 0 f im benachbarten Rudlos, dem Oberstallmeister v. Riedesel gehörig, ging durch neuen Pachtvertrag an Herrn Br ö sch e r vom Selzenhof über. Seitheriger Pächter war Herr Backhaus von Lauterbach, welcher Den Hos [eit über 30 Jahre bewirtschaftete. Tec


