Ausgabe 
14.4.1906 Viertes Blatt
 
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Nr. 88

General-Anzeiger, AmL§- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Redaktion, Expedition u. Druckerei: Echulftr.7.

Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.: Anzeiger «Sieben.

Erscheint MgNch mit Ausnahme des Sonntags.

DieGtetzener Zamillrnblättcr" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der «hesfllcht Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Viertes Blatt. 136. Jahrgang Samstag 14. Älpril 1806

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Tornbusch auftcruchte, stets ein kleiner, laut bellen-! der Teckel vor dem Busch erschienen. Einer der Be­dienungsmannschaften der Geschütze forderte beim zweiten Angriff des Feindes einen anderen Kanonier aus, das Tierchen mit dem Karabiner niederzuschießen. Doch Leut­nant Wagner von der 1. Feldbattcrie rief dazwischen:Um Hinrrnelsnnllen den Hund nicht totschießen! Ter meldet uns ja immer, wenn die schwarzen Kerle kommen." Und richtig, kaum war eine halbe Stunde vergangen, da erschien als Vorläufer laut kläffend vor dem Büsch derbrave Tackerl", den Deutschen die nahe Gefahr ankündigend. Alles machte sich bereit, und wenige Augenblicke darauf brachen die Hereros zu einem dritten, mit verzweifelter Heftigkeit ge­führten Angriff vor." Ein besonderes Denkmal setzt die amtliche Berichterstattung einem französischen Kriegs fr eiwilligen Namens Hu6t, der am 24. Mvi 1904 bei Otjomaso bei der 1. Kvmpagnie der Abteilung Estorfs fiel. Von ihm wird geschrieben:Hust hatte acht Jahre bei den Kürassieren in Lüneville gedient, an der Madagaskar-Expedition teilgenorymen und war hier ver­wundet und dekoriert worden. Auch in Südwestafrika, in deutschen Diensten, hatte er sich nach dem Urteil seiner Vor­gesetzten als einäußerst brauchbarer Soldat"' bewährt."

Die Darstellung resümiert dahin, daßes vor allem die anfänglich irrige Bewertung der 'feindlichen Wider­standskraft war, die verhängnisvoll wurde und bewirkte, daß die Zeit dieser Künrpfe eine Periode der Kciegsführ- ung mit unzulänglichen Mitteln wurde. Daß aber in dem an sich stumpfen und phlegmatischen Herero die Erkennt­nis von der Notwendigkeit eines Kamvfes auf Tod und Leben ein so hohes Maß kriegerischer Tüchtigkeit und zäher Willenskraft auslösen würde, konnte wohl niemand, selbst nicht der beste Kenner dieses Volkes, weder in dem Schutz­gebiet noch in der Heimat, voraussehen, zumal die ersten Gefechte keineswegs eine solche Entschlossenheit erkennen, ließen."

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Der preußische HenerakftaS über den Herero-Aufstand.

Die 1. Fortsetzung der von der Kricgsgeschichtlichen Abteilung I des Großen Generalstabes bearbeiteten amt­lichen Berichte überTie Kampfe der deutschen Truppen in Südwestafrika" ist im neuestenVierteljahrsheft für Truppen sührung und Heereskuude" von 1906 eichten en.

Zeitlich sind die Ereignisse im Schutzgebiet vom An­fang Februar 1904 bis zur Üebernabme des Oberkommandos durch den Generalleutnant von Trotha, also bis zum Juni 1904, behandelt. An Gefechten sind beschrieben: Owikoko- rero, am 13. März, Otjihinamaparero, wo am 25. März Major von Estorfs siegte, das Gefecht von Klein-Barmen am 4. Mürz, d-as Gefecht von Oganjira am 9. April (am Oganjiraberge), L>as Gefecht von Owiumbo am 13. April, wo Oberst Leutwein nach hartem und verlustreichem Kampfe denfolgenschweren" Rückzug antrat, u. a. Wie ein roter Faden zieht sich durch die Beschreibung die besondere Tüch­tigkeit^ der alten Schutztruppe und ihrer beiden glän­zendsten Führer, des Majors von Estorfs und des Hauptmanns Franke. In der Darstellung des Gefechtes trvn Owikokorero, in dem bei einer Stärke von 11 Offi­zieren und 38 Reitern 7 Offiziere und 19 Mann ge­fallen, 3 Offiziere und 2 Manu verwundet wurden, wird nochmals der vielfach erhobene Vorwurf zurückgewiesen, die schweren Verluste seien durch mangelhafte Sicherung des Marsches hervorgerufen worden. Mm: erkaufte dort viel­mehr eine Lehre, die zwar blutig hxrr, aber für die Zu­kunft die richtige Einsicht brachte. Tas Generalstabswerk sagt hierüber:Es erscheint in jedem Falle ungerecht, gegen die braven Offiziere wegen ihrer Kühnheit und ihres echt kriegerischen Dranges, an den Feind zu kommen, auch nur einen leisen Vorwurf erheben zu wollen. Der Kühnheit werden im Kriege, selbst wenn sie vielleicht blutige Opfer fordert, stets schönere und höhere Erfolge beschieden sein, als allzu großer Vorsicht und Behutsamkeit. Schwere Ver­luste sind bei tatkräftiger Kriegsführung eben nie zu ver­meiden." Hochinteressant ist es, fast bei jedem Gefecht von neuem zu sehen, wie der letzte Erfolg der Sieg oder das Verhüten einer vernichtenden Umklammerung durch den Feind wiederholt dem stürmenden Vorgehen mit dem Bajonett zu verdanken ist. Tie starken Verluste an Toten so beim Gefecht von Okaharui am 3. April, wo ein Offizier und 31 Mann fielen werden dadurch erklärt, daßdie Hereros einzelne seitwärts im Busch liegen­gebliebene Verwundete mit ihren Keulen totschlugen."

Auch kleine nette Episoden sind in die Schil­derung eingestreut. So heißt es über die Tätigkeit der Kompagnie Epp am Oganjira-Berg:Beim ersten wie beim zweiten Ansturm war, ehe der Gegner aus dem dichten

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25irdie und Schule.

Der Deutsche Protestantenverein beruft feine Mitglieder und Freunde zu einer Versammlung seiner 2. Sektion am 19. und 20. April nach Darmstadt. Die Orthodoxie so wird uns geschricbett juckt ihre Herrschaft auch über die deutsche Schule auszudehiren unb die deutsche Lehrer schäft zu zwingen, die Erziehung der Jugend nach ihren Dog­men zu gestalten, lieber die Notlage des modernen. Religivnslehrers", die durch diese Machtbestrebungen ent­steht, wird Oberlehrer Lie. Tr. P r e u s ch en-Darmstodt sprechen. Die Laienkreise werden in immer wetterem Umfange von der Schwierigkeit berührt, daft den Kindern in Schule und Kvnfir- mandenunterricht Anschauungen vermittelt werden, die moderne Eltern nicht teilen und nicht billigen können. Von bent pro­testantischen Recht nitb der christlichen Pflicht evang. Ellern zur religiösen Erziehung im Hause" wird Pfarrer H eYn- Greifswald am gleichen Tage in Darmstadt sprechen. 9Cm Abend wird eine öffentliche Versammlung stattfinden, in der u. a. der Präsident des. Deutschen Protestantenvereins, R"ickstagsabg. Schrader und die Pfarrer D. Br ü ck n e r--Karlsruhe und a m v c r < Dreöden An suracben Imlten iverden.

UttrvLrsitäts-Naehrichten.

Der zweite Deutsche Volkshochschultag (Tag­ung von Hochschullehrern zur Beratung über volkstümliche Hoch- schuworträge im deutsckwn Sprachgebiete) findet am 23. und 24. Llpril in der Technischen Hochschule zu C ha r lot t e n b ur g statt. Er wird veranstaltet vom Verbande^ für volkstümliche Kurse von Hock schullehrern des bcutfdjen Reichs und vom Aus­schüsse für volkstümliche Universitätsvorttäge an der Wiener Uni­versität. Zur Verhandlung stehen folgende Themata: 1) Auf welche Weise können akademisch gebildete Mitarbeiter, welche nicht dem Hockschulkörper angehören, zu den Aufgaben unserer Bewegung berangejoacn werden? (Referenten: Professor Dr. Kähler-^lacheir und Professor Dr. v. Wettfteiw-Wien.) 2. Die planmäßige Ausgestaltung der Vortragskurse. (Referntten: Pri­vatdozent Dr. Menzer-Berlin und Privatdozent Dr. L. M. Hart­mann-Wien.) 3. Beteiligung der Studentenschall an der Volks- bildimg und Vvlksunt er Haltung. (Referenten: Privatdozent Dr. A. Mareuse-Berlin und Professor Dr. Reich-Wien.) 4. Inwie­weit lassen sich mit unseren Bestrebungen praktische Ucbungen verbinden? (Referenten: Professor Dr. Lampa-Wien und Ge­heimer Negierungsrat Professor Dr. Neesen-Berlin.)