Ausgabe 
15.3.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 63

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen

Rotationsdruck und Verlag der Brühl Ick« Unwersitätsdrnckerei. ÖL Lange, ©tefcee.

Redaktion. Expedition u Druckerei: Schulftr.A, SzL Nr. 6L Leiegr^Adr.! An-eig« äiefeou

scheint »z«ch mit Ausnahme bcS Sonntags.

Dte M#ltfceiter ZamMenblätter" werden dem Anzeiger v.ermal wöchentlich beigelsgt. Der La^vtrt" erschemt monatlich einmal.

Die Kellnühme des Aauvmöders Kennrq.

Wir erhielten am Mittwoch nachmittag folgendes Tele­gramm, das wir alsbald durch Aushang bekannt gaben:

Stettin, 14. März. Der hiesigen Polizei ist es heute mittag um 7,1 Uhr gelungen, den längst gesuchten Raubmörder^ Hennig in dem Augenblick festzunehmen, als er einen Fahr-j

Jas neue französische WiniKerium dal sich am Mittwoch der Kammer vorgestellt. Sehr leicht war btc Kabinettsbildung nicht, es hat langer Besprech- unaen mit hervorragenden Politikern bedurft, ehe diese rx> moacn werden konnten, in das Ministerium einzutrcteu und mehrere, insbesondere Cl^menccau und Poiucars, stellen sich nicht allzu freundlich gegenüber, sodaß man htn- sichtlich des B c st a n d e s des Kabinetts Bedenken haben kann. Vielfach glaubt man auch, dost das neue Kabinett in der Hauptsache nur den Zweck hat, die Wahlen zu machen, und es laßt sich ja nicht übersehen, welches Resultat diese haben und ob btc Zusammensetzung der neuen Kammer nicht baldigst einen abermaligen Ministerwechscl im Ge- sotac haben wird. Bekanntlich gilt gerade auf französische Ministerien das Schillersche Wort:Nichts ist bauernd als der Wechsel." S a r r i e n selbst' ist zwar Kabinettschef, aber wohl nur dem Namen nach, er wird von verschiedenen Mitgliedern seines Ministeriums bei weitem überragt und ec wird kaum etwas anderes sein, als der geschäftliche weiter des Kabinetts. Er hat versucht., durch Berücksich­tigung der extremen wie gemäßigten Elemente dem Ka­binett einen festen Rückhalt in der Kammer zu geben, aber wer es allen recht machen will, kann sich leicht zwischen zwei Stühle setzen, wie Nouvier am eigenen Leibe ver­spürt hat. Das Haupt der gemäßigten Richtung ist der neue Finanzminister Po ine ar 6. den vielleicht die im Amte verbliebenen Minister des Krieges und der Ma­rine unterstützen werden, während Clamenceau mit) Briand die schärfere Richtung vertreten. Als Bindeglied zwischen beiden Flügeln kann mau wohl Bourgeois be­trachten, der nach seiner ganzen Anlage in der Politik nach innen wie nach außen das Prinzip der Versöhnung vertreten hat.

Die interessanteste Persönlichkeit des neuen Kabinetts ist El 6m en ceau. Er gehört zu den Leuten, die auf der Bank der Spötter sitzen, und er hat vielleicht einige Aehnlichkeit mit Eugen Richter hinsichtlich der schonungslosen Kritik, die er stets gegenüber dec Regierung übte; gär mancher Minister hat es ihm zudanken", toemt er in der Versenkung verschwand, nachdem er in einer Polemik mit dem glänzenden Redner Elemeneeau den kürzeren gezogen hatte. Nun hat er Gelegenheit, zu be­weisen, was er wirklich kann, und die seiner harrende Auf­gabe ist keine leichte, die Durchführung des Trennungs­gesetzes und die Leitung der Neuwahlen.

Unterstützung wird er hierbei durch den Sozialisten Briand finden, dem eigentlichen Vater des Trennungs­gesetzes, der nun auch die Suppe mit auslöffeln kann, die er sich eingebrockt hat.

Mit Bourgeois als Leiter des Auswärtigen können wir in Deutschland speziell zufrieden sein, denn wenn er auch kein ausgesprochener Deutschenfreund ist. so hat er doch gegenüber Deutschland keinerlei Vor­uweile und i st vor all em ein überzeugter Anhänger des Friedens. Die Konferenz in Algeciras gjbt ihm zwar eine harte Nuß zu knacken, aber nach seinem ganzen Charakter darf man erhoffen, daß er, obwohl die als letzten Ak! Rouviers an Revoil ergangenen Instruktionen den franz. Standpunkt festhalten, doch schließlich für eine Verständigung zu haben ist.

DemVorwärts" wird über den .Kultusminister Briand aus Paris u. a. fügendes geschrieben:

Was Briand bewogen bat, nach dem dargebotenen Portefeuille zu greifen, ist der in der Bvurgeoisdemokratie so stark wirksame unbedingte Trieb zur persönlichen Macht. Im Spießbürgerland Trankreich ist alles aufs Praktische, unmittelbar Nützliche gestellt. Ter gesunde Wirklichkeitssmn diese? Volkes ortet leicht in den seichtesten Philister-Egoismus aus, dessen Argumente man sogar unter dem Phrasennebel des Marxismus undAurioatriotiSinus" wiederfinden kann. Je schwächer die Gemeinschaftsgefühle ent­wickelt sind, desto stärker begehrt der EinzelneResultate". Ter junge Rechtsanwalt und I o u r n a l i st Briand hat nie etwas anderes im Ange gehabt. Verstand, Energie, Rednerbegabung waren ihm in seltener Vereinigung gegeben. Eine allgemeine Geistesbildung und ein tieferes 23 i (f e n hat er nicht angestrebt. Er bat volirische Projekte, benen er einen leiden­schaftlichen Advokateneüer widmet, nicht politische Ideen. Vom Sozialismus, den er innerhalb weniger Jahre in seinen ver­schiedensten Auffassungen vertreten hat, weis; er wohl weniger als ein Halbwegs routinierter franzöfischer Gewerkschaftler. Aber sein TemagogenMm hat er mit einer beinahe versöhnenden Naivetät ouscieübt. Man darf ihm zutrauen, das; er die Leute, die an seinem Eintritt inS Ministerium etwas ausznietzen haben, wirklich nicht begreift. Als er seinen Ausstieg begann, stand er in der n ä ch ste n Nähe der Ana r ch i st e n. Ein herzhaftes Natnrbnrschentum hält ihn von lächerlicher Paroenüeiteikeit entfernt. Er ist nicht treulos im moralischen Sinne, aber ein Mensch, dem der Begriff der Disziplin unverständlich ist. Ter Klassenkampi mag ihm als eine von unnützen Theoretikern anSgeheckte Abstraktion erscheinen. Man bringt sich hinaus, wenn es anders nicht geht, gruppenweise, besser aber eiiizeln. Tas ist der gange Sinn des Lebens. Aber Tüchtiges muß man leisten, anders bringt man nichts zuwege. Das praktische Genie Briands hat im Gesetz über die Kirchentrennung ein juristisches und politisches Meisterwerk geschaffen.

Der neue Hanbelsminister Dou mcrgue hat über die russischen Finanzen und die Hergabe neuer Riesensuminen an Rußland ungefähr so pessimistische Anschauungen wie bei uns der Negierungsrat Martin, dessen Buch der offiziöse Bannstrahl traf. Donmergue wird es sich nicht nehmen lassen, ein Wort mitznreden gegen den An­leiheplan. Es meldet denn auch ein Pariser Telegramm der Voss. Ztg/ : Die Haltung der französischen Banken gegen­über der neuen Anleihe sei viel zurückhaltender geworden, sodaß ein naher Abschluß zunächst wieder fraglich erscheine.

Achten wir auf die Haltung Rußlands. Es wird unter­haltend fein, zu beobachten, ob Rußland zur Abwechslung demnächst wieder Deutschland hochschätzen wird, in dem Maße, als die französische Milliarde entschwindet. Aber nachgerade wird man überall wissen, was von der russischen Freundschaft zu halten ist: daß sie in ernster Situation ver-- sagen wird, weil wir nichts zu bieten haben

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Marokko.

Die am 14. März abgehaltene KommissionS- sitzung in Algeciras beschäftigte sich wiederum mit der Polizeifrage, ohne daß die Verständigung über di». Organisation in Casablanca gefördert werden konnte.

Diese Kommissionssitzung bedeutet sogar fast einen Rück­schritt, da der Franzose Regnault ein neues Schema für die Organisation der Polizei vorgeschlagen hat, welches das österreichische Projekt irnb die deutschen Forderungen einfach ignoriert. Dieses Projekt verlangt nichts mehr und nichts weniger als eine rein franz.^ spanische Polizei. Man fragt sich vergebens, waS mit solchem für Deutschland unannehmbaren Vorgehen be- zweckt wird. Einige führen es auf neue Instruktionen von Paris zurück. Eine richtigere Erklärung dürste sein, daritt einen Bluff zu erblicken, welcher Platz für scheinbare neue Konzessionen schaffen soll.

DieNordd. Allg. Ztg/ schreibt:

Alle Nachrichten aus Algeciras stimmen darin überein, ba& die Ministerkrisis in Frankreich die Einigung auf der Konferenz nicht nur verzögert, sondern auch gu erschwere» scheint.

DieNordd. Allg. Ztg." gibt bann die gestrige Pariser Temps"-Meldung über die letzten Instruktionen wieder, die Rouvier für die Behandlung der Polizeifrage erteilte, und fährt fort:

Wir wißen nicht, ob diese Angaben richtig und ob sie voll­ständig sind: wir begnügen uns daher vorläufig mit dem Eindruck, daß der österreichisch-ungarische Vermittelungs­vorschlag bei der französischen Regierung nicht die allerseits erwartete Ausnahme ge'unden hat, und baß daher noch nicht zu übersehen ist, wie die Verständig- u n g über die von Deutschland als unbedingt notwendig erachteten Garantien für den internationalen Charakter der Polizeiorganisation zu erzielen fei. Hoffentlich werden Erklärungen Revoils auf der Konferenz bald Klarheit darüber bringen."

DerPester Lloyd" bringt cms Paris einen Bries über die Marokrosrage, in dem u. a. gesagt wird: Wenn man wissen will, warum die Konferenz so langsam von jintteit geht, so muß man sich vor Augen halten, daß dahinter ein ganz gewöhnliches Finanzgeschäft steckt, für welche- die Beteiligten den französischen Staat vor ihre Interesse« gespannt haben. Bis in das Kvbinett hinein haben dies« Polititer ihre Agenten. Es ist ein offenes Geheimnis, daß der Kr i e g s m i n ist er Etienne zu den meist in t er­es siert en Personen gehört. Destz^. Ayncrrd, der Sckstvie- gervater Ionnarcs, des Eeneralgouverneurs von Algerien; der junge Aynard, der Schwager und Sekretär Jonnarts, ist Revoil beigegeben, um in Algeciras die Interessen dec Compagnie Marocaine, also die väterlich-en Jntercjstn, zu. verteidigen. Die genannten Harren sind Hauvtaktionäre dec Compaanie Marocaine. in deren Interesse der ganze Ma- rotwfeiozug unternommen worden ist. Bis jetzt liegen die Dinge jedenfalls so, daß man nicht wußte, ob das verant- wörtliche Kabinett oder bie Companie Marocaine die Poli- ti? ft.-v.ifv'i'cfS in A^c^a-- b,s"mmte.

Parlamentarisches.

B e r l i n, 1-1. März. Die Reichstagskommission siir das Versicherungsvertragsgesetz nahm unverändert den 8 166 an, nach welchem in einem Selb st mordfall c die Verpflichtung zur Auszahlung der Lebensversicherung nur besteht, wenn der Selbstmord in einem die freie Willen sbe st immun g ausschließenden Zustande oder in einer krankhaften Störung der Geistestätig- kcit begangen wurde.

Die Brtdgetkommission des Reichstages begann die Beratung des Heeresetats. Hue (Soz.) bringt Be­denken gegen das neue Feldgeschütz vor. Der neue, sog. Krupv-Ehrhardtsche Kompromißverschluß sei weniger kriegsbrauchbar als der alte Krustpsche. Auch gefährde er die Bedienungsmannschaft. Der Krregsmrnrst er ent­gegnet, dsa neue Rohrrücklaufgeschütz würde so eingehend geprüft lote kein Geschütz vorher. Jede Truppe bezeichne es als wesentlichen Fortschritt. Die Heeresver­waltung sorge in weitgehendem Maße für die Sicherheit der Bedienungsmannschaft. Bei den ganzen Versuchen ist nicht ein Unguicksfall vorgekommen. Die Heeresverwaltung kann versichern, daß das neue Feldgeschütz in jeder Beziehung auf der Höhe der Zeit steht und Be­denken dagegen von keiner sachverständigen Seite erhoben werden. Die Kommission bewilligt darauf eine Reihe Ka­

pitel und beschließt mit 14 gegen 11 Stimmen, den Platz­major für Königstein als künftig wegfallend zu bezeichnen. Beim KapitelGeldverpflegung der Truppen" wird auf Antrag Roeren bezüglich der Zulage der pensio­nierten Oberstleutnants beschlossen, cm Stelle des neuen Disvositivs das dc° vorjährigen Etats einzusetzen, nach welchem die Kavallerie, Artillerie und die Ver­kehrst ruppen von der Zulage ausgenommen sind.

Die Kommission des Reichstages für den Gesetzen^ wurf betr. das Urheberrecht an Werken der bil­denden Künste und der Photographie hat deir Entwurf heute in zweiter Lesung nach ihren Beschlüssen, in der ersten Lesung mit unwesentlichen Abänderungen an* genommen.

Antisemitismus in Rußland.

Die gestrige Meldung der LondonerTimes" wird heute» durch folgendes Telegramm der offiziösen Petersb. Tel.-Ag, ad absurdum geführt:

Ter Ministerrat beschloß, die lokalen Behörden ans die Not­wendigkeit strenger Maßnahmen gegen bie Auffor­derung zu Gewalttätigkeiten gegen die Juden, welche die niedere Bevölkerung erregen, aufmerksam ju machen. Der Ministerrat beschloß ferner, alle Urheber solcher Heraussov« derungen zu verfolgen, und ermächtigte ben Minister des Innern, eine Untersuchung der antis. Vorgänge in Homel anzuordnen unb diejenigen Personen strafrechtlich zu t) er folgen, denen Untätigkeit in der Unterdrückung der Unruhen zur Last fällt.

Weiter wurde vom Ministerrat beschlossen, die Ter­mine für die Wahlen zum Reichsrate vor den Wahlen zur Reichsduma anzusetzen, jedoch darüber zu wachen, daß die Wähler nicht verhindert seien, an beiden Wahlen teilzunehmen. Der Justizminister machte Vor­schläge zur Sicherung der Gesetzmäßigkeit der Reichsrat- und Reichsduma-Wahlen. Danach sollen die verschiedenen bei Wahlen vorkommcnden Mißbräuche, wie Freiheits­beraubung der Wähler, Wahlbeeinflussung durch Drohung und Gewalt, ferner Aufrufe zur Wahlenb- haltung, Beseitigung der Wählerlisten, Bestechungen usw. verfolgt werden.

Zweites Blatt 156.Jahrgang Donnerstag 15.Marzi90«

Gießener Anzeiger

Paris, 14. März.

Heute nachmittag hielt die Kammer bei vollbesetztem Hause eine Sitzung ab. Sarrien gab folgende Erklär­ung ab:

Tas Kabinett verfolge die allgemeinen Interessen der Nation. Die Regierung wünsche eine Einigung aller R e Pu btt« kaner und die friedliche Vornahme der Wahlen, die möglichst schnelle Durchführung des Budgets, die Durchführung des T r c nn* ungsgesef.es ohne Schwäche. Tie Regierung werde nickst dulden, daß'die Soldaten zum Ungehorsam aufgereizt würden. Ihr Zweck werde es weiter sein, die Macht der nationalen Verteidigung noch weiter auszudehnen. Die Re­gierung befolge eine demokratisch c Politik. Jnbezug auf die Gruben kata st rov he wendet die Regierung den Witwen unb Waisen ihre volle Sympathie zu und verspreche eine genaue Untersuchung bezüglich her Verantwortlichkeit für das Unglück. Bezüglich der auswärtigen Politik werde die Richt- schnlur des vorigen Kabinetts befolgt werden, ganz besonder? inbezug auf die nordafrikanische Politik. Tie Regierung hoffe, ohne die Reckte anderer zu beeinträchtigen, daß die F o r d e r u n g e n F r a n k r e i ch s a n e r k a n n t würden. Ter Minister kam dann auf die russische Allianz und er­klärte sich für deren Aufrechterhaltung zur Ge­währleistung des W eltfriedens.

Tie Erllörung wird von der Kammer nut allgem. Beifall aufgenommen. Abg. Basly bringt eine Inter­pellation, die Grubenkatastrophe betreffend unb wirst ber Regierung vor, baß sie bas Arbeitcrgesetz mißachte.

Die S ozia listen finb nnzufrieben baeüber, baß bie Regierung bie Lösung ber Frage bc? Koalitionsrechte? ber Staatsangestellten vertagen wolle. Jaurß? nimmt eine brohenbe Haltung geoen Barihou unb Sembat an. Iebock hat bie Regierungbie Unterstützung ber gesamten Linken mit Ausnahme ber Sozialisten unb verfügt über eine Mehrheit von über 100 Stimmen.

In bem beute unter bem Vorsitze be§ Präsibenten Falliöre? stattgehabten Mini st errate de? neuen Kabinetts brachte u. a. ber Minister bes Innern Clömenceau eine Depesche beS Präfekten bes Departements Ille et Villaine zur Kenntnis, berzufolge in ber Gemeinbe Sanson, wo vor brei Tagen ohne Mitwirkung von Truppen eine Jnventur- aufna hm e versucht würbe, 200 mit Knütteln unb Heugabeln bewaffnete Bauern eine Trainabteilung von 40 Mann, die unter bem Befehl eines Rittmeister? unb eines Leutnant? auf ber Straße manövrierte, mit Pflastersteinen unb Ziegeln bewarfen. Der Rittmeister, ber Leutnant und 10 Soldaten wurden verletzt, bie Rcgiment?wagen zer­trümmert, und bie Abteilung mußte sich schleunigst zurück- riehen. Der Justizminister orbnete eine strafrechtliche Unter» snchung an._______________________

Deutsches Reich.

Berlin, 14. März. Der Kaiser, der gestern abend kurz vor Mitternacht vom Offizierkasino an Bord des Linien­schiffesKaiser Wilhelm II." zurückgekehrt teert, besichtigte, wie man aus Wilhelmshaven meldet, heute mit dem Großadmiral v. Küster die dritte Hafeneinfahrt. Sodann hörte der Monarch cm Bord des LinienschiffesKaiser Wil­helm II." den Vortrag des Stellvertreters des Staats­sekretärs des Reichsmarineamts Vizeadmirals v. Ahlefeld und hegaö sich dann an Land, wo er mit ersterem und dem Oberwerftdirektor Kontreadmiral Wodrig die Taucherglocken bei der neuen Schleuse und die südlichen Hafenerweiterungen besichtigte. Am Nachmittag fuhr er nach Helgoland.

In militärischen Kreisen spricht man davon, daß wichtige Veränderungen in den höchsten militä­rischen Aemtern bevorstehen. Ter kommand. General des 2. Armeekorps in Stettin, v. Langenbeck, und der Generalinspekteur des Militär-Erziehungs- und Bildungs­wesens, (Äeneral ber Infanterie v. Hugo, beabsichtigen in den Ruhestand zu treten. Als Nachfolger Hugos nennt man den Kommandeur der 28. Division in Karlsruhe, Generalleutnant v. Pfuel.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt offiziös: TieNeue Polit. Storr" bringt in ihrer gestrigen Nummer Mitteil­ungen über eine ßu gewärtigende Wahlrechts Vor­lage. Daß eine solche sich in Vorbereitung befindet, ift hinlänglich bekannt. Die Mitteilung derN. Polit. Korr." ist, wie wir zuverlässig vernehmen, in einzelnen Punkten ungenau und im übrigen verfrüht, da die cndgiltige Form der Vorlage noch nicht fcststeht.

Bochum, 14. Mürz. Infolge des bekannten Konflikts mit seinem untergebenen Direktor Bäumer hat Bergrat Ludwig sein Amt als Vorsitzender des allgemeinen Knappschaftsvereins und als Vcrtretcr des Knappschafts- vereiuS im deutschen Kuappschaftsbunde u ie der gelegt. In der BerarbeitckrschasL erregt diese Lösung des Kousliktes großen Unwillen.

Südwestasrika.

Arn 9. März in einem Gefecht bei Pelladrift gefallene Unteroffizier Max Kretzschmar, schwer verwundet: Gefreiter Johann König," Reiter Wilhelm Schultze, Unteroffizier Konrad Kindinger, geb. zu Tarrn ft abt, früher tm mürttemberaifefjen Zeld-Artillerie-Negiment Nr. 49 (Kopfschuß)' I leicht verwundet: Leutnant Johannes Mann Hardt, geb. zu Flensburg, früher Felb-Artillerie-Regiment Nr. 9 (Steinsplitter am Kinn), Sergeant Gustav Benbsko, Gefreiter Max Lux, Neuer Bruno Hörling. Ferner Gefreiter Karl Hense an Herzschwäche geslorben.