Ausgabe 
15.2.1906 Drittes Blatt
 
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Abfl. Sc in in (er (natL) crflürt gegenüber Den/Jlcufcevungen Bebels' über Hamburg und die dortigen Pfeffcrsäcke, das; die WablrechtZ-Verhältnisse lediglich Sache von Senat und Bürger­schaft seien.

Äbg. Liebermann von Sonnenberg (Aulis.) bc- kämpft lebhaft den sozialdemokratischen Antrag. Tie wirtschaftliche Vereinigung sei für das allgemeine gleiche Wahlrecht, aber gegen jede Einmischung in Rechte der Einzelstaaten.

Abg. At ü l l e r-Cagan lies. Vp.l führt noch gegenüber Bebel aus, es sei Pflicht der Berliner Lehrer gewesen, die Schulkinder mit Rücksicht aui die Möglichkeit von Straßen-Demonstralionen am 21. Januar zu warnen.

Rach kurzen Bemerkungen der Abgg. Hennes (irs. Vp.) und Bruhn (Aulis.) schließt die erste Lesung des Antrages.

Hierauf erfolgt Vertagung.

Morgen zweite Beratung des B a n k n o t e n g e s c h e s , dann Fortsetzung der Etatberatung.

Beer und Flotte.

Berlin, 14. Febr. In Genehmigung ihrer Abschieds­gesuche wurden mit der gesetzlichen Pension zur Disposi­tion gestellt: die Generalleutnants r. Kettler, Komm, der 21. Division, v. C o llani, Komm, der Ul. Division, Graf von Kn u i tz, Komm, der 20. Division (früher Brigade- kommandeur in Darmstadt:.

Arbeiterbewegung.

Leipzig, 14. Febr. In der Leipziger B a u in iv^o l l - s p inne r e i waren infolge der gestern abend abgehaltenen Streik versaimnlung von 1500 A r b c i t e r n nur 500 heute s r ü h z u r Arbeit erschienen. Tie Verwaltung schickte auch diese wieder ort und gab durch einen Anschlag bekannt, sie iverde die Fabrik bis ans weiteres sch lies;cn, falls die Arbeit Donnerstag nicht wieder ausgenommen werde.

Provinzial-Ausschuß.

Gießen, 14. Febr.

Johannes Metzger X. zu Gainbacl» beabsichtigt, ein Schlachthaus 'n errichten. Er suchte um die Genehmigung beim Friedberg nach und bat, bis zur Fertigstellung

des Schlachthauses ihm das Schlachten. in seinem Hosraume zu gestatten. Hiergegen erhob das Grosth. Kreisgesnndheitsamt Friedberg aus samtätspolizeilichen Gründen Einwand, indem es bemerkte, daß die vorhandenen Räume so Nein seien, das; es unmöglich sei. sie ordnungsmäßig sauber zu halten. Außerdem befinde sich die PsuUgrube in dem Höschen, in dem das Aus schlacnteu ronjcnninmcn werden solle, in welches später auch noch der Abort, der noch nicht vorhanden sei, eingeführt werden müsse, sodaß dem geplanten Unternehmen unter keinen Um­ständen die Genehmigung erteilt werden könne. Infolgedessen kam der Kreisaüsfchnß Friedberg zu einem ablehnenden Bescheid. Metzger verfolgte gegen diese Entscheidung Rekurs an den Pro- vinzialausscb -st. Racigzem dieser nochmals durch das Großh. Krcis- gcsuudheits-.m: und den Kreisbauinsprkhpt des Kreises Friedberg Aiig?nfde,n ar. Ort in?.' hielte l alte nehmen lassen und diese die mH,er ge-.-cud <> Bedenken aufrecht erhalten hatten,

cikau-! e er heute, daß d n eh gesuchte Grnehmigüng zu ver- s a g e n sei.

Mit der Wahl der ZuchiriaNnng bei der Fase lh a l t u n g in der r.'emcinbe Großen B u s e ck batte der Provinzial Aus- schuß schon im November v. I. sich beschäftigt. Damals ivar die Entscheidung ausgesetzt worden, nm zunächst noch Sachverständige zu hören. Nachdem das Gutachten eingegangen ist, konnte heute zum Schlüsse verhandelt werden. Der Provinzial Ausschuß beschloß, das; es der Gemeinde gestattet sein solle, Zuchttiere zweier Zuchtrichtungen, und zwar der Simmentaler und Bogel so!erger R a s s c zn halten.

3nr Anlage eines Trottoirs am Mainzer Knhweg in Als seid bedarf die Stadt Alsfeld eines Teils eines Grundstückes

he* Jakov Gurwrum. -Lwm- «<riairgn: inr vcit uuapCWnrcu.p des abzutretenden Geländes 4 Mart, während die Stadt nur 2 Mart zahlen wollte. Eine Einigung ließ sich nicht erzteleu, weshalb die Lokalkommission in Wirksamkeit trat. <ic hielt den von der Stabt gebotenen Preis von 2 Mk. für ausreichend. Auch der Prov.-Ausschuß gelangte heute zu der Ansicht, daß der Preis von 2 Mk. wertentsprechend sei, und erkannte dem- °l 3>iir die nächste Si nug des Prob. Ausschusses am 21. ds. M. steht die Klage des . rcsarmen Verbandes Marburg gegen die Gemeiudekrantenlasse Rieder-Ofleiden wegen K'ostenersatzes für den Schreinergesellen Pfeiffer aus Gros; Braschen zur ^er^^n^^ 111110. __________

vermischtes.

* Eine 91 usstcllung der Hochzeitsgaben für das deutsche .Kronprinzenpaar zu ivohltätigem -Zweck findet zurzeit in Berlin statt. Diese Ausstellung hat eine kleine Vorgeschichte. Die bekannte Berliner' Schriftstellerin Frau Klara Viebig hatte ein Feuilleton über die Notleidenden in der Eifel veröffentlicht. Zum Schluß regte sie die Grün­dung einer Lungenheilanstalt für die tonten jener Gegend cm. Der .Kronprinz las znfällig das Feuilleton inib sandte mi Klara Viebig sofort 1000 Mark. Die Schriftstellerin be­dankte sich in einem Brief, schrieb aber, daß zn der Heilan­stalt mindestens 180 000 Mk. vonnöten seien. Es wäre daher sehr schön, wenn der Kronprinz 311111 Besten der Heilamtalt die Geschenke, die er zu seiner Hochzeit erhalten, einer Aus­stellung überweisen ivürde. Das ist nun geschehen.

* I m in er ne 11 e S pure n werden der Merline r Kriminalpolizei von H e u u i g . gemeldet. In Berlin und Umgegend soll nun H.iinig in Frauentleidung nufgetanchl sein, bald in neuer, bald in alter. Die Sorte Männer, bic abends in Frauentleidung herumznlausen pflegt, hak sich bei der scharfen Beobachtung aller Straßen und Schlupf­winkel in der lenken Zeit etwas zurückgehalten. Jetzt scheint sie sich wieder vorzuwagen, mit Hennig aber hat diese Ge-> sellschaft nichts zu tun. Eine Dame glaubte, Hennig in Frauentleideru i,i einem Straßenllahnwageu nach Rixdorf zu scheu. Er saß ihr mit frisch rasiertem und geschminktem Gesicht gegenüber. Als sie ihn scharf ansah, bewegte er in seinem weiten Acrmel verdächtig die rechte Hand, als ob er den Revolver zum Schuß faßte. Zu der Oranienstraße stieg er dann aber aus. Die Dame ließ denVerdächtigen" vor Angst nicht verfolgen. Auch in einer Laubenkolonie wollte man Hennig in Fr au.ml leidem gesehen haben.

* M ü it ch e 11, 11. Febr. In einer Waldung vor der Stadt fand ein P i st 0 lenduell unter schweren Um­standen statt. Grund dazu gab eine beleidigende Bemerkung des einen Duellanten Über die Braut des anderen. Im zweiten Gang wurde der Fordernde durch einen Schuß in die Herzgegend nicht u n b e d e n t l i ch verletz t. Absolut tödlich wäre der Schuß gewesen, hätte nicht eine kleine Kapsel, in der sich eine Haarlocke der Geliebten befand, den Lauf der Kugel etwas abgelenkt. Ter Getroffene sank mit einem Aufschrei zn Boden und wurde sofort in ein Privat- kranken Hans gebracht.

Bei der gegenwärtigen Fleischtenernng bieten Maggi'S Suppen in Würfeln zu 10 Psg. für 2 gute Teller großen Vorteil. Ohne Fleischbrühe, nur mit Wasser, erhalt man damit in lücmgen Minuten eine nahrhafte Sappe von vollendetem Wohlgeschmack. Mehr als 30 Sorten wie Reis, Tapioka-Julienne, Erbs, Genu'ise, (Srüufcrn, Kartoffel, Riebele l Teig waren) sorgen für angenehme Abwechslung.

Ter heutigen LokallAuflage liegt ein Prospekt ber Maggi-Gesell* schast bei. c16/,

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fuhrungen mit den Worten schloß: ...Krieg den Palästen, damit die Hütten Frieden haben!" Fch iriirbr das bedauern, denn dies Ideal würde für mich vieles von dem Nimbus nehmen, den Bebel auch in meinen Augen immer noch hat. Apo: wenn bic Schüiunp. der Unzufriedenheit, wenn die französische mxcüoIu-- twit, wenn die Pariser Kvmmuue die. Ideale der deutschen ^0- Hialdemolratie nickst sind, dann müssen sie doch ein anderes haben. Und das kann dock immer wieher nur Ihr nebeligster Zu- ikunftsstaat sein. Diesem gegenüber haben wir bürgerlichen Par­teien ein anderes Ideal, und das ist: unser gegenwärtiges, geeinigtes Deutsches Reick mit dem Kaiser an der Spitze zu er- Igltcn. Großer Beifall. Ich bin ein alter Mann, aber ick vergefse niemals den Tag, v?o von Versailles die Kunde zu uns lpwübernoa : ..Wiedererstandeir ist das Deinsche Reich!" Es ging da ein Jubel durch alle deutschen Gaue wie nie zuvor in imserem Vatcrlande. Die Morgenröte c r neuen Zeit brach .sichtbar für icden herein. Der Fube! ang wie ein Heller Glockcutoii. - Stürm. Beisall. lind der (. iciiton findet immer -noch einen Widerhall in unseren Herzen. Andauernder Beifall.) Versuchen zu den Soz.> es nur, anzustürmeu

gegen unsere Fdeale. Ihre Versuche werben scheitern, werben zerschellen au dem granitenen Felsen der politischen Ideale des deutschen Bürgertums. Stürmischer, langanhalteuber Beisall.) Zur Sache erklärt der iJiebiwr, ein Minimum von Volk---rechten in ben Einzeln.:aten müsse <m .oings von Rechtswegen sestgehalten werben unb einen bemcntsprechenden Zus an müsse die Verfassung erhalten. Die Notwendigken einer solchen Ergänzung der Ver- sassung bestehe namentlich insoweit es Ach um Mecklenburg handle. Zwar hätteu ja auch er und seine Freunde entsprechende Anträge gestellt, der Reichskanzler habe aber bei der letzten Beratung eines solchen An trag e? erklärt, daß die mecklenburgische Hiögieruüg zur Reform der dortigen Verfassung bereit sei. Leider sei seitdem in Mclckenburg noch nichts in dieser Richtung geschehen.

Abg. Pucknickctsr. Bg. : Kompetenzbedenken itiinben dem borlicgendeu Anträge nicht entgegen. Wohl frage es sich, ob die txnliegenben Vorschläge sachlich richtig und politiscii zweckmäßig seien. Seine Partei würbe gern bas Wahlrecht änbcni, bas ihr bic Herrschst verleide. Es uKire wirklich an ber Zeit, baß auch Preußen bas allgemeine gleiche Wahlrecht einführt, aber Preußen leiste fortgesetzt Widerstand. Der Redner bezeichnet sodann ben vorliegenben Antrag als einen zu tief gehenden Eingriff wegen ber Detail^Bestimmungen in seinem zweiten Teile Fiauenstimni- recht und Wahlrecht von 20 Jahren). Seine Freunde n ärben daher ben ersten Teil annchmeu, ben zweiten ablehnen.

SIbg. v. Maltzahn kons. erklärt als 9A eckten bürg er in Bezug auf bic Erfordernis einer Verfassung in Mecklenburg feien bic Ansichten feiner Parteifreunde geteilt, aber einig seien sie sick; darin, daß eine Eimnischung von feiten des Reichstages unstatthaft fei.

Mg. B l u in c 1111) a I (Els. Vp.) erklärt das allgemeine Wahl­recht als das einzige Mittel, um das zu vermeiden, waS von seiner Einführung befürchtet werde. Grade das allgemeine Wahlrecht verbürge eine friedliche Entwickelung, es Helle den Vernünftigen überlegen unb den Stimmzetteln 511 ihrem Recht. Eine solche elementare Geroalr ließe sich nicht mit Gewalt bekämpfen, man muffe sich mit ihr abfindcn. Was speziell Elsaß-Lothringcu bc treffe, so empfinde man es dort ohnehin schon als Ungerechtigkeit und Zurücksetzung, daß Elsaß-Lolhringen noch immer nicht voll­berechtigter Bundesstaat sei. Hierin seien alle Elsaß-Lothringer einig. Er versöulich lege keinen Werl auf die angestrebte neue Ver'assimg für Elsaß-Lothringen, wenn sie nicht das allgemeine csteiche Wahlrecht enthalte. Redner streift dann n. a. den Fall Stephani).

Elsaß-Lothringischer Geheimrat V allen will auf -stephanps Br-oschüre nicht eingehen. Er konstatiere nur, daß den m bic schwarze Liste aufgcnommcncii irgend eine Unbequemlichkeit daraus im Frieden nicht envachse. 3?ic Listen seien nur eine Schutzvor bercitmig für bcu Fall emeS Krieges.

Abg. B r u h n (Antis.) ertlärt, seine Freunde würden gegen den sozialbemokratifchen Antrag summen wegen der Vorschrift über das Wahlalter und Frauenstimmrecht.

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