Ausgabe 
12.12.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 2tt2

Zweites Blatt 158. Jahrgang Mlltivoch 12. Dezember 1906

Lrfcbetnl täglich mH Ausnahme de« Sonntag«.

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K jstlche Hlüe Kamm r.

11.-B Sarin nabt, 11. Tczember.

Tie Erste Ka.t.rncr der Stände trat heute oonnittag ju einer Sitzung zusammen. Nm Negierungstisch nahmen Staats-- minislcc Ewald, Ministerialpräsident Braun und Atimsterial- rat Süffert Platz.

Nachdem Präsident Graf Görtz, gen. v. Schlitz, die Sitzung eröffnet, stellt der Slaatsminisler dem Hause den Ministerialrat Süffert vor. Zum Mitglied des dritten Aus- schusscs wird darauf Graf Wilhelm zu Solms-Laubach gewählt.

Ter Präsident verliest dann die Allerhöchste Botschaft des GroßheczogS, bete, die Geburt des Erbgroßherzogs und die darauf vom Präsidium vorgeschlagene Adresse an den Grobherzog. Die Adresse wird vom Hause einstimmig an­genommen. Se. RönigL Hoheit wird, wie der Präsident mitteilt, das Biireau der Kammer, bestehend aus den drei Präsidenten und den Herren Dr. Merck und Graf zu Erbach-Erbach, heute mittag 12Uhr zur Ueberreichlmg der Adresie in Audienz empfangen.

Die Adresie lautet:

Allerdurchlauchtig st er Großherzog!

Atlergnädigster Grobherzog und Herr!

Ew. Röntgt Hoheit haben Allergnädigst gerrtht, durch Aller­höchste Bolschait vom 10. Nov. 1906 die Stande des GroßherzogT davon in Kenntnis zu setzen, daß Etv. Röntgt Hoheit Durch­lauchtigste Gemahtm, yfore Rönigl. Hoheit die Großherzogin Eleonore Ernestine Diana von Hesien und bet Rhein am 8. Nov. 1906 von einem Prinzen glücklich entbunden worden sind.

Tie Erfle Kammer, welche in angestammter Treue zu ihrem Fürsten an allen Ereignissen, dte das Großherzogliche Haus be­trogen, stets den wärmsten Anteil nimmt, hat auch von diesem hochersreultchen Eretgtiis mit innigem Anteil Kenntnis genommen und diese bedeutungsvolle Nachricht, wie das ganze hessische Volk, nut aufrichtiger Freude begrüßt; sie bittet Gott, daß er Etv. Rönigl. Hohen hohe Gemahlin, soivte Se. Röntgt Hoheit den Erbprinzen in seinen Schutz nehme, bau auch fernerhin der Ehebund Eiv. Rönigl. Hoheiten von seiner Hand gesegnet sei, und daß der junge Prinz zur Freude und 4um Stolz seiner hohen Eltern, sowie des ganzen hessischen Volles heranwachsen möge.

In tiefster Ehrerbietung verharrt

Etv. Königlichen Hobelt Alleruntertamgsl treu gehorsamste

Erste Ra mm er der Stände.

Nun folgt die Beratung und Abstimmung über die Vor­lagen der Zweiten Kammer. DaS HauS stimmt ohne Debatte den Beschlüsien derselben betreffs des Antrags Dr. Schmitt und Genossen, die Rayonbeschränlungen in den Gemeinden Raftei und Kostheim, der Vorstellung des Conrad in Btngen, dem Antrag Dr. Schmitt, Dr. Frenay und Genossen wegen Vergütung für die Verpflegung etnquar» tierter Truppenteile, den Vorstellungen des Joh. Hell- wich I. in Lorsch und deS Wirts Karl Rühl in Gießen und dem Antrag Erk und Genosien über daS Gesetz betr. die nicht ständig fließenden Gewässer zu.

Bei Beratung der Anträge Dr. Frenay und Genoffen betr. die Einführung von Arbeitskammern und Ulrich und Genossen betr. die berufsständische Vertretung der Lohn- arbeiterschaft spricht sich

Freiherr Heyl zu Herrnsheim für die reichsgesetzliche Regelung der ganzen Materie und deS Ausschußantrags aus.

DaS Haus beschließt dem Anträge seines vierten Aus- schuffes entsprechend, dem Mehrheitsbeschluß der Zweiten Kammer zu zu stimmen, daß an die Großh. Regierting das Ersuchen gerichtet werde, im Bundesrat für- rascheste Einführung einer berufsständischen Organisation der Lohnarbeiterschast einzutreten, und darnach die Anträge Dr. Frenay und Gen. und Ulrich und Gen. für erledigt zu erklären.

Der Antrag Dr. Frenay und Gen., betr. die obligat. Krankenversicherung der Dienstboten, wurde dem Beschluß der Zweiten Kammer entsprechend für erledigt erklärt.

Weiter stimmt das HauS dem Beschluß der Zweiten Kammer über den Antrag Dr. Schmitt, betr. die postalischen Verhältnisse in Amöneburg und den Beschlüsien betreffs der Vorstellung der Gemeinden Heppenheim und Lorsch (Errichtung eines Amtsgerichtsge bäudes) und den Vor­stellungen der Witwe des Amtsgerichtsdieners Nees in Zwingenberg und der Witive des Rendanten Wann zu Butzbach zu, desgleichen dein Antrag Horn, Dr. v. Brentano und Gen., die Einstellung von Schüler wagen betr.

Nach einer Pause beginnt alsdann die Beratung über den Antrag von 18 Mitgliedern des Hauses, betr.

Tie Erklärung über die Bestätigung des Beigeordneten Eißnert.

Der Präsident wies zunächst auf die Bestimmung in der Geschäftsordnung bezüglich der Beratung des Antrages hin,.und das HauS beschließt, den Antrag ohne Verweisung an den Ausschuß zu beraten. Nachdem der Präsident dann den

Grafen Stolberg-Noßla zum Referenten bestimmt, bemerkt der letztere, daß er sich möglichst kurz faffen wolle. Die Antragsteller waren der Dieinung, es sei unbedingt er­forderlich, daß das Haus zu dem Fall Eißnert eine klare und bestimmte Stellung nehme. Die Mitglieder der Kammer hätten sich in der vertraulichen Besprechung vom 26. Novbr. eingehend mit der Angelegenheit befaßt und den Wunsch aus­gesprochen, die Sache nochmals in öffentlicher Sitzung zur Verhandlung zu bringen. Dieser Ansicht waren nicht nur die Antragsteller, sondern auch die Nichttmterzeichner.

Ministerialpräsident Braun: Nach dem Inhalt des verlesenen Eintrags der 18 Mitglieder des hohen Hauses glaubt die Regierung, daß eine nochmalige Darlegung der Gesichtspunkte, welche für die Regierung bei der Bestätigung des Beigeordneten Eißnert in Betracht kamen, über den Rahmen der Erklärung in der Zweiten Kammer hinaus nicht erforderlich sein wird. Die Negierung glaubt sich auf diese Erklärung auch in diesem hohen Hause beziehen zu können.

Referent Giaf S t 01 b e rg - St 0 ß l a: Ich habe im Aus- lrag der Antragsteller noch zu erklären, daß dieselben nach wie vor auf ihren Antrag verharren. Dennoch haben sie das Vertrauen und die Zuversicht, daß sie nut den jetzigen Vertreiein der Negierung zum Wohle unseres Vaterlandes weiter zus a m m e n a r b ei t en können.

Ta sich niemand mehr zum Wort meldet, schließt der Präsident dre Diskussion und bringt den Antrag der 18 Mitglieder zur Abstimmung, der mit allen gegen die Stimmen von Geh. Rat Prof. Tr. Rittler nnb Geh. Justizrat Prof. Tr. Schmtdt-Gleßeu angenommen wird.

Dec Präsident schließt dann die Sitzung. *

Don anderer Seite toirb uns noch aus Darmstadt geschrieben:

Als Gras Kmw zu Stolberg-Roßla seine Siebe mit erhobener Stimme begann, da konnte man auf beit Gebanten kommen, baß nun boch bas ernste Wörllein mit ber Regierung gesprochen werbe, baS aus ber Wormser Ecke wiederholt ange­kündigt wurde. Aber es kam boch nicht so. .Die Uhr zeigte bald zwölf; um 1/21 Uhr wollte S. K. $>. der Großherzog die Glückivunschabrciie des Hauses entgegennehmen. Stqo tat Kürze not. Und Kürze ist bekanntlich jeder Rede Würze. Der preußische Graf verlas den bekannten Antrag und stellte nur fest daß die Herren sich am 26. yiobcntoer eingehend nut dem Fall" hinter verschlossenen Türen besaßt hätten. Als die Ab­stimmung folgte, gab es erstaunte Gesichter: zwei Mitglieder stimmten gegen den Antrag, der die Sozialdemokraten von obrigkeitlichen Stellungen ausgeschlossen wiijen will. Es ist von schwerwiegender Bedeutung, daß es die beiden Ver­treter ber hessischen Hochschule waren; die anderen waren verdutzt. Aber bas war auch alles. Die (nicht gerade zahlreichen) Neugierigen auf der Tribüne sinb nicht aus ihre Rechnung gekommen. Die Frage:Weiter nichts?" lag deutlich aus den culläuschten Gesichtern ber Zuhörer.

Der Aachlrags.tat für Südwellafrika abgclchnt!

Berlin, 11. Dez.

In der V u d g e t k 0 m m i s s i 0 n des Reichstags gab heute zunächst Dr. Semler (natl.) eine Erklärung zu der am Freitag von Erzberger gestellten Anfrage ab, hinsicht­lich deren die Kommission die Geheimhaltung beschlossen hatte. Sodann fand eine Besprechung über den in eine Anzahl Zeitungen gelangten Bericht über die Freitags- siyung statt, der als Vertrauensbruch bezeichnet wurde, sowie eine weitere Aussprache über die diesem Bericht zugrunde liegende Tatsache selbst. Hieraus folgte die Weiterberat­ung des Nachtragsetats.

Kolonialdiret^r Dernburg erbittet Aufklärung dar­über, ob die 4000 Mann, welche nach einem Anträge Engelen bis zum 31. März 1907 zurüabefördert werden sollen, mit den 4013 Mann identisch sind, deren Siück- besörderung nach dem vorliegenden Nachtragsetat bis Eride März erfolgen i'oll, sodaß dann noch 8262 Mann in dem Schutzgebiete sein werden, oder ob darüber hinaus eine Verminderung bis auf 6000 Mann gefordert werde. Ferner erbittet Dernburg eine nähere Erilärung der Worte, daß bis zum 31. März 1907 Vorbereitungen getroffen worden sind, die Gesamtstärke der Schutztruppe auf 2500 Mann abzuändern.

Spahn (Ztr.) erläutert die Absicht des Antrages. Nachdem schon ein Hahr lang betont worden sei, daß der Widerstand des Feindes gebrochen sei, müsse man an­nehmen, daß nach weiteren drei Monaten mit Hilfe der bis dahin noch zur Verfügung stehenden starken Truppen­macht der Kampf soweit gefördert sei, daß dann 2500 Mann genügten.

Kolonialdirektor Dernburg wendet sich gegen den Wunsch, die Truppenstärke in Südwestafrika in der vor­geschriebenen Frist auf 2500 Mann zu ermäßigen. Man dürfe nicht vergessen, welche Zustande in dem Schutzgebiet herrschten. An den Grenzsiedelungsgebieten und auf brit Gcbiet befänden sich etwa 3000 Uebergetretene, im Nord- osten nach der Zahl nicht bekannte Hereros und schließlich Ovambos. Demgegenüber sei es unmöglich, sich heute bereits auf eine Truppenzahl von 2500 Mann feftju- legen. Auch selbst, wenn die Niederwerfung des Auf­standes im Süden vollständig erfolgt sein werde, sei der Zustand des Landes noch nicht ein solcher, daß man von hier aus entscheiden könne, unter welchen Bedingungen ber Gouverneur die Verantwortung für das Leben und die Sicherheit der Farmer und der Truppen Übernehmen könne. Es werde daraufhin gearbeitet, daß aus den ange- siedelten ehemaligen Schutztrupplern und sonstigen wehr­haften Ansiedlern eine Miliz geschaffen werde. Das er­fordere alles Zeit. Er bitte, den Antrag auf Verminder­ung der Truppenzahl auf 2500 Mann fallen zu lassen.

Oberstleutnant Kuhl: Seitens des Generalstabes werde es nicht für möglick gehalten, daß man im nächsten Jahre unter allen Umständen mit 2500 Mann auskommen könne. Die Widerstandskraft der Hottentotten [ei nur so weit gebrochen, daß große Operationen und große Schläge voraussichtlich nicht mehr zu erwarten seien, daß aber der Kleinkrieg noch im Gange sei. Bei einer Verminderung auf 2500 Mann werde der Feind voraussichtlich zum An­griff übergehen. Es würde bedeuten, daß wir den Feld­zug verloren haben und die Kolonien aus­geben. Als Mindestmaß seien bis Ende März 8000 Mann zu bezeichnen.

Im weiteren Verlaufe der Debatte begrüßt Eickhoff (Freis. Vpt.) die Resolution, nach der die Organisation ber Landespolizei derart ausgebaut werden soll, daß die Po­lizei baldmöglichst an die Stelle der Schutztruppen treten könne.

Nach weiterer Debatte, in der Dr. Spahn nock» einige Erläuterungen zu dem Anträge Engelen gibt, und der Korreferent Dr. Paa sch e die Annahme der Vorlage empfiehlt, wird die Diskussion geschlossen.

Bei der Abstimmung totrb der Antrag Engelen, statt 29 220 000 Mk. nur 15 2ö8 000 Mk. zu bewilligen, ab- gelehnt, ebenso der Abändcrungsantrc-.g Eickhoff. Darauf wird (wie uns bereits gestern ein alsoald zum Aushang gebrachtes Telegramm meldete), aua) die Regierungsvor­lage und schließlich die Resolution Eickhoff avgelehnt.

Die Ableh.iuna uej '.lachte..^. jur ti-..uiDC|ta|cifa ist nicht nur für Die Negierung eine Ueberraschung; man wird ziemlich allgemein erstaunt sein, daß bie Ver­bandlungen überhaupt kein Ergebnis gehabt haben. Es liegt auf der Hand, daß vom Reichstag Mittel bewilligt werden müssen, den Feldzug im Schutzgebiet zu Ende zu führen. Und ebenso klar ist, daß er mit Ehren be­endet werden muß, denn halbe Arbeit dem Feinde gegen­über rächt sich am schlimmsten. Was der Vertreter des Großen Generalstabs, Ob er fi Leutnant Kuhl, ausführte, läßt sich «als logische Folgerung nicht bestreiten. Ob grade 8000 Mann, oder nach F-ertigstellung der Bahn 7000 Mann zur Niederwerfung des Gegners er sonderlich sind, mag dahin­gestellt setn. Aber eine Verminderung auf 2500 Mann, wie sie vorn Zentrum verlangt wird, erscheint doch als eine bedenkliche Abschwächung unserer mili­tärischen Position. Dem F<llnd bleibt die Verringer­ung ber Streitkräfte natürlich nicht verborgen, und die Zotge würde allerdings die Sammlung zum Angriff fein. Kann irgenb eine Partei die Verantwortung Dafür übernehmen, wenn der Angriff auf die ge­schwächte Truppenmacht die furchtbarsten Opfer deutschen Blutes fordern würde? Die Sparsamkeit ist gewiß ein nützlicher Grundsatz, aber Menschenleben sind hlcher zu be­werten als ein paar ersparte Millionen. Jeder Kriegs­zustand verlangt außergewöhnliche Leistungen. Was Die Regierung tun wird angesichts der Ablehnung des Nach­trag-. _tats, bleibt abzuwarten. Daß sie gleich das grobe Geschütz ber Reichstagsauflös ung auffährt, ist nicht wahrscheinlich. Es werden wohl, wie schon häufig in eoenso schwierigen parlamentarischen Situatio­nen, vom Fürsten Bülow vertrauliche Besprech­ungen veranstaltet werden, um mit den Parteiführern Die berühmtemittlere Linie" zu finden, ein Kompro­miß für das Relchstagsptenum. Der offiziöse-Lokalanz." schreibt in diesem Sinne bereits beruhigend und versöhn­lich, die Ablehnung werde voraussichtlich keine end­gültige sein. Dem llolonialdirektor Dernburg allerdings tut das Zentrum nicht den Gefallen, einzulenken, nur dem dürften Bülow, schon um ihn im Amt zu behalten.

Hm Kindcrmölder vor Gericht.

Nachdruck verboten.

S. H. Greifswald, 10. Dez.

Ein in den Annalen der preußischen Justiz avohl einzig dastehender Fall beschäftigt heute das hiesige Schwurge­richt, vor dem gegen den wegen vierfachen Mordes zum 2 obe Der urteilten Tischlergesellen Ludwig Teß- n 0 w aus Daabel auf der Jnsec Rügen im Wiederauf- nahmeversahren verhandelt wird. Vor drei Jahren, am 17. Oktober 1903, durcheilte die seltsame Kunde die Deutsche Presse, daß ein viermal zum Tode verurteilter Luftmörder am Fupe des Schaffotts die Wiederaufnahme Des Verfahrens erztelt habe. T. bekam kurz vor ber beab­sichtigten Hinrichtung einen epileptischen Anfall, der bie Vornahme Der Hinrichtung unmöglich machte. In der Folge gelang es dann dem Verteidiger des Angeklagten, Rechts­anwalt Frantz-Greifswald, die Wiederaufnahme des Ver­fahrens gegen Teßnow durchzusetzen. Und zwar war dabei maßgebend jener epileptische Anfall, der für die von ber Verteidigung während des ganzen Strafverfahrens gegen den Angeklagten geltend gemachte Ansicht sprach, baß Teßnow ein periobisch in epileptische Däm- merzustäube verfallender Mensch sei, dem, wenn er wirklich die ihm zur Last gelegten Mordtaten begangen hätte, dieser krankhafte Zustand zugute gerechnet werden müsse. Die im vollen Umfange beschlossene Wiederauf­nahme des Verfahrens hat zur Folge, daß heute erneut die verschiedenen Mordtaten Teßnows, die diesem in den früheren Verhandlungen zur Last gelegt wurden, zur ge­richtlichen Erörterung gelangen. Es handelt sich um Lust­morde an Kindern, die am 1. Juli 1901 bei Grawert auf der Insel Rügen und am 9. Sept. 1898 in Hechtingen bei Osnabrück begangen wurden. Jedesmal fielen zwei Kinder der Sinnenlust des Angeklagten zum Opfer und die Leichen wurden gräßlich verstümmelt. Ein dritter, dem Angeklagten zur Last gelegter Fall betrifft den Mord­versuch an ber Dienstmagd Lau in Stavenhagen in Meck­lenburg. Dieses Mädchen wurde am 3. März 1901 tm Pribbenower Forst bei Stavenhagen von einem Manne überfallen und zu ermorden versucht, boch rettete das Mäd­chen sich schließlich durch seine Geistesgegenwart. Nach seinen Angaben war auch hier Teßnow der Täter. Ferner wird diesem zur Last gelegt, daß er am 11. Juni 1901 dem Pfarrpächter Timm in Stargard drei Mutterschafe, zwei Hammel und einen Bock ganz, so wie die vier Kinder abgeschlachtet und sich daran vergangen habe. Schließlich steht Teßnow aber auch noch in den dringen­den Verdacht, einen fünften Lustmord auf dem Ge­wissen zu haben, ber 1897 in Torburg in Schleswig-Hol­stein begangen unb für den inzwischen ein Anber er hin­gerichtet wurde.

Zu der Verhandlung sind zahlreiche medizinische Sach­verständige erschienen, da es sich bei dem Angeklagten um einen Sadisten handelt, ber bie Mordtaten jeweils nach einem Alkoholexzeß verübte. Die heutige Sitzung war mit der Vernehmung ocs Angeklagten ausgefüllt, der von den ihm zur Last gelegten Mordtaten nichts wissen will.

Gerichtssaal.

4- Marburg, 11. Tez. Wegen gahrkarten-Schwin- beteten, begangen auf dem Bahnhof zu Kirchhain, hallen sich heule ber irühere Bahuhokswirl König von vorl unb der ehemalig aus feinem Anne entlasfene Bahnsteigschaffner Schneider aus JJangenÜem zu oeranlivonen. Es handelt sich um einige Fälle, in benen der Sctmeider bem König RüMahrlarlen zur weueren Benutzung lwerlasjen Halle. König wurde zu 10 unb Schneider zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt.

Hotel Grossherzog von Hessen I empfiehlt seine Säle für grössere und kleinere

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