Ausgabe 
18.6.1906 Erstes Blatt
 
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Vaterlands dienen, sondern auch, im besten Sinne des Wortes, dem gesamten deutschen Vaterlande.

Gleich nach dem Eintreffen des Festzuges auf dem Festplatze begaben sich S. K. H- der Groß her zog und die anderen Ehrengäste nach der Festhalte. Der weite Raum war mit Zugteilnehmern, die ein buntes, lebhaftes Bild abgaben, dicht gestillt. Kreisrat Fey, der die Herrschaften geleitete, brachte mit folgenden Worten ein dreifaches Hoch aus den Landesherrn aus:

Seine Königliche Hoheit, der Schirmherr der Heimat, der edelgesinnte Förderer von Wohlfahrt und Kunst, hoch!"

Mächtig erbrausten die jubelnden Hochrufe, in denen die letzten Worte des Sprechers für die meisten verloren gingen, und während des Gesangs der Hessenhymne begaben sich der Großherzog und seine Begleiter durch die Halle vor die Bühne, um hier inmitten des Volles Platz zu nehmen. Die mächtige Bühne zeigte die malerische Ansicht der Münzen­burg, die ganz geeignet war, für die nunmehr sich ab­wickelnden Volkstänze den Hintergrund zu bilden. Ein prächtiger Alt -B u tz b a ch c r Sch wer t er t an z und ein Erntereigeu, beide vom Butzbacher Turnverein dar­geboten, wechselten mit Vorträgen der NegimentsmUsik ab. Eine to eitere hübsche Abwechslung bot der Gesangverein von Schrecksbach, der in seiner originellen Schwülmer Tracht auf der Bühne erschien und das heimische Volks­liedDort unten vor dem Tore" sang.

Nach etwa einer Stunde begaben sich die hohen Gäste unter erneuten stürmischen Ovationen nach demHessischen Hof", wo um 5 Uhr der Tee eingenommen wurde. Hierzu hatte eine Anzahl Mitglieder des Festausschusses Einladungen erhalten.

Um 6 Uhr begann vor ausberkauftem Hause die dritte Aufführung von Storchs VolksschauspielD i e Hütten­berge r". 'Als der G r o ß h e r z o g mit den lveiteren Ehrengästen den Saal betreten hatte, brachte Bürgermeister Küchel mit herzlichen Worten ein dreifaches Hoch auf ihn aus, das begeistert ausgenommen wurde. Es ist fest- zustelten, daß auch diese Festaufführung in bester Weise verlief und die Mitwirkenden ihr Bestes taten, um vor den Aiugen des kunstsinnigen Landesherrn mit Ehren zu bestehen. Der hohe Herr harrte geduldig bis zum Schlüsse aus, kargte auch nicht mit seinem Beifall und sprach dem Ver­fasser des Stückes, dem Butzbacher Lokalpoeten Storch, seine Freude und Anerkennung aus. Außerdem ließ er ihm einen Lorbeerkranz mit einer Hüttenberger Schleife überreichen. Bald nach Beendigung der Vorstellung (etwa um 8 Uhr) fuhr das Großh. Automobil vor und brachte den Lan des- herrn und seine hohen Anverwandten nach Lich zurück. S. K. H. der Großherzog, der das Gefährt selbst steuerte, wurde vom Publikum, das in großer Zahl die Straßen durchwogte, überall stürmisch begrüßt.

Das Volksfest.

An Unterhaltung bot sich auf dem inmitten der Stadt gelegenen Festptatze mancherlei. Karussell, Schifss- schaukel, Kinematograph sorgten für die übliche Jahrmarkts­musik. Ter mit allen erdenklichen Phrasen von Höflich­keit einladende Schnellphotograph ist auch vertreten. Der weiß kostümierte Waffelbäcker bietet seine, durch die Ein­fachheit der Zubereitung gut bekömmlichen Produkte an. Hinter dem 'Ausstellungsgebäude huldigt man Terpsichore auf zwei großen Tanzböden. Ein Teil der Kapelle des 2. Dragoner-Regiments spielte dazu lustige Weisen. Die Wirtschaften des Festplatzes sind lagsüber überfüllt und nur mit Mühe ist ein Sitzplätzchen zu erlangen. Vier Bierwirtschaften, eine Wein-, eine Aepfelwein- und eine Kaffeewirtschaft haben ihre Mühe, den mächtigen Andrang zu bewältigen. Nach dem Beginn der Dunkelheit fängt es allmählich an, gemütlich zu werden. Jetzt erst ist es möglich, bequem den langgestreckten, winkeligen und für den Nach- mittagsandrang viel zu kleinen Festplatz zu übersehen. Es konzentriert sich nun alles nach den Tanzplätzen, wo das fröhliche Treiben erst in den frühen Morgenstunden sein Ende erreichte.

Montag früh, um i/88 Uhr, reifen die seit Samstag hier weilenden Schlitzer und Herbsteiner Mädchen wüder ab. Sie und alle übrigen Festbesucher werden das frohe Bewußtsein mit sich nach Hause nehmen, einen schönen und erhebenden Festtag mit gefeiert zu haben, ein Fest, wie es in gleicher Bedeutung und Ausdehnung Hessen noch nie sah. Das gute Gelingen des Festes wird allen, die den Tag mitfeiern konnten, und denen, die vom Lesen und Er­zählen davon erfahren, ein Ansporn sein, festznhalten an der Art und Sitte unserer Vorfahren und au ihrer hessischen Eigenart. Damit werden sie nicht -allein ihrem engeren

holung des hessischen Bauernstandes. Gar mancher wird erstaunt gewesen sein über die Fülle von Poesie, die in dem ; Leben unserer Landbevölkerung enthalten ist und vielleicht Niehr noch über das sichere Gefühl, mit dein die einzelnen 'Gemeinden das ihnen besonders Eigentümliche in anmutiger und durchweg reizvoller Form ju zeigen wußten. Dazu bot ' der Zug einen guten Einblick in das reiche Gesamtgebiet der . noch vorhandenen hessischen Trachten, denn keine Gegend, in der noch irgend etwas von den alten Volkstrachten vorhanden äst, war unvertreten. Mit besonderem Stolz dürfen die Hesien- mädchen und Frauen sich der Tatsache erfreuen, daß sie mehr als der männliche Teil unserer ländlichen Bevölkerung on den Trachten und Gewohnheiten der Vorfahren hängen. Aber zwischen den Hüttenbergerinnen und Wctterauer Schönen, den Hinterländerinnen und Schwälmerinnen, den Bewohnerninnen des Schlitzerlandes und Ebsdorfergrundes usw. sah man hin hin und wieder den blauen Hessenkittel und die malerische Tracht der Schwälmer und Schlitzer Bauern auftauchen.

Tie schier endlose Reihe der Trachtengruppen eröff­neten Kinder und Mädchen aus L e i h g e st e r n, die Gir­landen trugen lutb damit das Emporsprossen des jungen Laubes im Frühjahr darstellten. Mädchen aus Ober- Mörlen zeigten die Aussaat, ihr buntgeschmückter Wagen trug bte Inschrift:Wir kommen aus dem Usatal und grüßen Euch vieltausendmal". Ein farbenfroher Hochzeits- zug mit einer sich anschließenden Wagengruppe gewährte ein prächtiges Bild der bunten Trachten des Ebsdorfer Grundes (Sttei§ Marburg). Der Kreis Biedenkopf, der ja bis 1866 zu unserem engeren Vaterlande gehörte, war von annähernd 200 schmucken Hinterländerinnen und ziemlich zahlreichen Kittelträgern stattlich und würdig ver­treten. Dann kam eine ^nächtige Gruppe, die die bei Fried­berg liegende Gemeinde Stein furt h gestellt hatte. Ein mit frischem Eichengrün und Rosen prächtig gezierter Wagen deutete an, daß dort die Rosenzucht besonders blüht, und die Rosenkönigin und zahlreiche liebliche Rosenfeen wurden nicht müde, ihre köstlichen Gaben auszuteilen. Der prächtig einherschreitende Hochzeitszug, der nun kam, stammte aus Ruhlkirchen im Kteise Alsfeld, eine stattliche Anzahl Mädchen und Burschen aus dem O hmtal schloß sich ihm in bester Weise an. Hohe Pelz- und Krimmermützen kündeten das Rahen der Bewohner des Schlitzerlandes an. Der farbenschöne Hochzeitszug, den sie zeigten, und die schmucken Trachtentragerinnen aus der Herbsteiner Gegend boten ^zusammen einen hübschen Einblick in die Tracht des Kreises Lauterbach. Abermals nahten Pelzmützenträger, es war der Gesangverein von Schrecksbach (Kc. Ziegenhain), dessen buntgekteidete Mädchen und Sangesbrüder dem staunenden sAuge die reiche malerische und unverfälschte, Tracht des Schwalm gründ es in bester Weise repräsentierten. Zahl­reiche Mädchen aus den Dörfern Treis a. d. Lumda, Lon­dorf und Watzenborn zeigten die charakteristische Kleid­ung des Landkreises Gießen, und nach ihnen zeigten die Be­wohner des hart an der nassauischen Grenze liegenden Dorfes Langenhain-Ziegenberg die immer mehr verschwindende mühevolle Arbeit des Loheschälens. Die Mu)ck der Darmstädter Leib-Dragoner schritt einem wei­teren charakteristischen Hochzeitszug voran, den die Gemeinde Kirch-Göns bot. Hieran schlossen sich mehrere andere Hüttenberger Gemeinden. Ein reichgeschmückter Erntewagen entstammte dem Dorfe Lang-Göns, der bunte froh­bewegte Kirchweihzug dessen Nachbarort Pohl-Göns, weitere Erntewagen waren von Oberkleen und Brand- vberndors geschickt. Auch Niederweisel bot einen Erntewagen, der die Inschrift trug:Des Vaterlandes Macht und Kraft, es lieget in der Bauernschaft". Fauer­bach v. d. H. zeigte die Flachsbereitung auf einem hübschen Wagen. Dann fernen Mädchen und Frauen in sehr charak­teristischer Tracht, deren mächtige Ziehhauben schon von weither leuchteten: sie stammten aus EbersgönS. Ein Wagen aus Garnbach, der ein Kaffeekränzchen darstellte, Zeigte daß die weibliche Landbevölkerung die gleiche Vorliebe ^ir den braunen Trank besitzt, wie ihre städtischen Schwestern. Äx.pKen-Linden, Gießens Nachbarstadt, bot einen

Heer und Flotte.

Berlin, 16. 'Juni. Zn dem MilitärpensionS- gesetz wird von zuständiger Seite geschrieben: Nach der Veröffentlichung der neuen Militär-Pensionsgesetze ist auch im Reichs-Marineamt mit der Umrechnung der Pensionen der von diesen Gesetzen betroffenen ausgeschiedenen Offiziere und der Deckoffiziere der kaiserlichen Marine begonnen worden. Eines Antrages der Beteiligten bedarf es nicht, es geht ihnen vielmehr je nach der Fertigstellung der Arbeit, die durch etwaige dienstliche oder private Anfragen gehemmt werden kann, ohne weiteres eine besondere Mitteilung zu. Erst wenn im Laufe des September 1906 eine solche ihnen nicht zu­gestellt worden ist, ist den pensionierten Offizieren und Deck­offizieren, welche Ansprüche zu haben glauben, zu empfehlen, sich nut ihren Anträgen an das Reichsmarineamt zu wenden.

Tokio, 17.Juni. Das japanische Transportschiff Poyostomie Maru ist auf eine Seemine gestoßen. DaS Schiff ist gesunken. Von der 62 Mann starken Besatzung konnten nur 12 gerettet werden.

charakteristischen Blick in die ländliche Koch- und Räucher­kunst, während Ostheim bei Butzbach in einer hübschen Gruppe die Molkerei von einst und jetzt vorführte. Eine ländliche Singschule zeigte die Gemeinde Kleeberg und Butzbachs Nachbarort Griedel in einer stattlichen Wagen­gruppe eine echte und rechte Spinnstube. Besonders inter­essant waren die vom Hofgut Griedel gestellten alten Ge- chirre, die etwa 100 Jähre alt sind.

Der zweite Teil des Zuges zeigte BuHb ach in Ver­gangenheit und Gegenwart. Eine prächtige Gam- brinusgruppe der Gambrinusbrauerei zeigte, daß die Kunst des Bierbrauens in dem betriebsamen Städtchen in bester Weise gepflegt wird. Die stattliche Nachbarin Butzbachs, die Burg Münzenberg, zog in naturgetreuen Nachahmungen an uns vorüber, sie war von der Gemeinde Münzen- berg dargestellt. Ein schon ausgestatteter Zünftewagen (G e w e r b e v er e i n Butzbach) zeigte das ehrsame Hand­werk der alten Stadt in früherer und jetziger Zeit. Die ich hieran reihende Gruppe des Kriegervereins Butz- d a ch führte das wehrhafte hessische Volk vor. Musterung, Rekruten, Bürgerwehr von 1848, Reservisten, Schützenkom­pagnie von 1820, Kriegsveteranen und Chevauxlegers von 1806. Die vier letzten Gruppen waren vom Turnverein Butzbach gestellt, der Hervorragendes geleistet hat. Ein Wagen zeigte die Gründung des Turnvereins im Jahre 1846, die zweite Gruppe die Turnerfeuerwehi- von 1854 und die folgende eine reizvolle Kindergruppe. Diese leitete sehr glücklich über zu der prachtvollen Schlußgruppe: dem Huldigungswagen für S. K. H. den Großh'erzvg. Dieser Wagen rief stürmische Begeisterung hervor und bildete eine wirkungsvolle Krönung der ganzen eigenartigen Huldigung des Hessenlandes vor seinem geliebten Fürsten. Der Groß­herzog dankte immer wieder für die lebhaften Hochrufe, mit dem ihn die Zugteilnehmer begrüßten, undmanchmal machte sich die Begeisterung in äußerst origineller Weise Luft, so z, B. bei den Lang-Gönsem, die bei der Vorbeifahrt die Hessenhymne sangen.

Der Zug verlief dank der' umsichtigen Anordnung der Festordner, an deren Spitze Professor Wämser rntb Kreis­straßenmeister Metzger stauben, geradezu glänzend und ohne die allergeringste Störung. Ein besonderes Wort der Anerkennung verdient noch hierbei, wie bei dem ganzen Fest, die Festleitung für das Verständnis, mit dem sie den Ver­tretern der Presse ihre Aufgabe erleichterte.

Zwei Fcslvorstelluigen.

Präsident des Ministeriums des Innern Braun, S. Magn. der Rektor der Landesuniversität Geh. Hofrat Prof. Dr. B c - haghel, Geheimerat Provinzialdirektor Dr. Breidert, Ministerialrat Freiherr v. Biegeleben, die oberhessischen Kreisräte Fey, Melior und v. Bechtold, der preußische Landrat v. Nägelein, Bürgermeister Küchel mit den Mit­gliedern des Stadt-, Kirchen- und Schulvorstandes, die Land­tagsabgeordneten Breidenbach i»nd Damm, Major Buch- Holtz, Denkmalspflegcr Professor Walde usw.

Punkt V23 Uhr fuhr S. K. H. der Großherzog, von .dem Publikum mit lebhaften Hochrufen begrüßt, in seinem Automobil vor, mit ihm und in dem nachkommenden Wagen kamen der Fürst zu Solms-Hohensolms-Lich mit Gemahlin und Schwester, die Grafen zu Sol vis-Laubach und von Schlitz gen. von Görtz, Oberst und Landstallmeister Freiherr Riedesel zu Eiscnbach und weiteres Gefolge.

Kreisrat Fey, der Anreger und unermüdliche Vorsitzende des Festes, begrüßte den Landesherrn und stellte Bürger­meister Küchel vor, dessen Begrüßung der Großherzog herz­lich erwicderte. Fräulein Fey, dieTochter des Festvorsitzenden, die mit mehreren Butzbacher Damen in Hüttenberger Tracht erschienen war, überreichte Sr. Kgl. Hoheit dein Großherzog ein duftiges Bukett aus Wald- und Wiesenblumen, das der hohe Herr mit freundlichem Lächeln und der Frage, ob sie eS selbst gemacht habe, entgegennahm. Er betrat sodann Iras Rathaus und erschien nach kurzer Zeit on einem Fenster des ersten Stockes.

Der Fcstzug.

Gleich darauf bog der von dem südlichen Stadtende kommende Festzug auf den Marktplatz ein, um dann durch werschiedcne Straßen auf der Gciedelerstraße abermals den Marktplatz, diesmal auf der Rathausseite zu erreichen. Und nun entwickelte sich ein eigenartig schöne? und farbenpräch­tiges Bild, da? allen, die es sahen, unvergeßlich bleiben wird.

Eröffnet wurde der Zug, der etwa 1700 Teilnehmer zählte, dessen Vorbeimarsch etwa eine halbe Stunde in An­spruch nahm, durch die Musik des 5. Hess. Jnf.-Rgts. Nr. 168. Hieran schloß sich eine lange Reihe von Trachtengruppen, die das Leben und Treiben des hessischen Bauernstandes in den vier Jahreszeiten vorstellten. Es waren herrliche Bilder, die auf die Zuschauer um so nachhaltiger wirkten, als jeder Prunk und jede künstliche Mache vermieden waren. Alles war so treu, wahr und echt, wie die hunderte ' von anmutigen Mädchen, kräftigen Burschen und biederen Bauern und Bäuerinnen selbst, die sich 'hier vereinigt hatten, um den vielen Tausenden von Zuschauern einen Einblick zu gewahren in die Mühe und Arbeit, aber auch in die Freude und Er-

Gerichtssaal»

S. u. H. G l 0 g a u, bett 16. Junü

Vor ber hiesigen Strafkammer wurde heute in Sachen bet Glogaucr Eisenbahn-Unterschleife verhandelt. Es dr:ht sich um bedeutende Unterschlagungen von Altmaterialtm, die sich mehrere Bahnbeamte zu Gunsten der Firma Nathan Friedeberg u. Go. in Breslau habet: zu Schulden kommen lassen. Duffe Firma betrieb einen schwunghaften Handel mit allem Eisen usw., das sie an die Oberschlesischen Hütten losschlug. Sie erhielt bei den Submissionen Neunzehntel aller Zuschläge, da sie die weit­aus allerhöchsten Preise bot. Um die Konkurrenz trotzdem mit den anderen Altmaterialiengeschäften aushalten zu können, ber- schaffte sie sich bedeutende Vorteile durch die Bestechung zahlreicher E i s e nb a hn b e a m t e r. Zuerst versuchte sie es auf dem Bahnhof in Lauban und später dann, überall erfolg­reich in Schneidemühl und Glogau. Die daraufhin auch in den anderen Stationen, die mit Friedeberg in Geschäftsverbindung landen, vorgenommenen Untersuchungen förderten neue Unter» chleife zutage, sodaß dem heutigen Prozeß sicher noch weitere olgen werden. Den Anfang werden wahrscheinlich Gleiwitz und Ratibor machen. Auf der Anklagebank nahmen heute Platz bet Materialien Verwalter Wehnert, jetzt in Siegen, bet Werkmeister Klose tirtb der Kaufmann Victor Fne- deber g aus Breslau. Zwei andere Angeklagte, .der Werk- meister Agteni und der Magazinausseher Bierwagen, die sich eben* falls durch das Friedebergsche Geld auf die Bahn des Verbrechens haben leiten lassen, haben in ber Untersuchungshaft S e l b st. mo r d verübt. Die Anklage lautet gegen Wehnert auf Diebstahl. Bestechung und schwere Urkundenfälschung, gegen Klose auf Bei. Hilfe zum Diebstahl und zur schweren Urkundenfälschung und ebenfalls auf Bestechung und gegen Friedeberg auf gewerbs­mäßige Hehlerei, Bestechung und Urkundenfälschung. Wehner* leget im wesentlichen ein Geständnis ab. Er gab zu, 13 Waggons an Friedeberg ausgefertigt zu haben, ohne die notwendigen Ein­tragungen zu machen. Diese 13 Waggons repräsentieren mit ihren 230 000 Kilogramm Mtmaterialen einen Wert von runt 12 000 Mark. Er sagte aus: Friedeberg trat an mich heran und sagte, wir wären schön dumm, wenn wir uns nicht einen Nebenverdienst mitnehmen wollten. Auf anderen Stationen wären sic auch nicht so ängstlich. Ich ließ vier Waggon an Friedeberg ohne sie einzutragen. Bors.: Und was bekamen tote bafur? Angell.: 400 Mark.

Die Strafkammer verurteilte den Wehnert zu IVs Iaht Gefängnis, Friede berg einschließlich einer m Görlitz er­kannten vierjährigen Gefängnisstrafe zu fünf Jahren Zucht­haus und zehn Jahren Ehrverlust.

Li eg nitz, 16. Juni. Die Strafkammer verurteilte den Arbeiter Wilhelm Putschkeit aus Schweidnitz wegen Maje- st ä t s b e le i d i g u ng zu drei Jahren Gefängnis.

VerlmLschtes.

Der Kaiser als Turner. In wie hohem Ansehen die Turnerei beim Kaiser steht, erhellt daraus, daß er, nach­dem bereits auf der .Hohenzollern" zu seinem Privatgebrauch eine Anzahl Zander-Apparate aufgestellt sind, im Berliner Schlosse einen ganzen Saal mit derartigen Apparaten für den Gebrauch der kaiserlichen Familie hat einrichten kaffen. Auch auf derHamburg", die der Kaiser demnächst während des Umbaues derHohenzollern" als Jacht für die Kieler Woche benutzt, sind Zander-Apparate für den kaiserlichen Gebrauch zur Belebung des Blutumlaufs ausgestellt worden.

* Berlin, 15. Juni. Der 38jährige Uhrcnhandler Ahrendt geriet in Konkurs und gleichzeitig fiel seine Ehescheidung. Gestern Abend suchte er einen Aus­schank in der Ehausseestraße auf und zog plötzlich seinen Re­volver hervor. Einer der Gäste wollte ihm die Waffe entreißen. Als Ahrendt das sah, schoß er blindlings in das Lokal hinein. Die Kugel traf den 20 jährigen Kaufmann Koppitz, der bewustlos zusammenbrach und nach der Unfallstation gebracht wurde. Der Zustand des Schwerverwundeten ist bedenklich. Ahrendt wurde nad) der Irrenanstalt in Daldorf überführt.

* D as neueste Eisenbahnunglück hat sich zwischen Trzonken und Kessel in Ostpreußen zuge­tragen, es entgleiste ein Personenzug aus der Strecke Johannisburg-Ärys (Massiven). Der Lokomotivführer und ein Heizer wurden schwer verletzt. Zwei Reser­visten erlitten leichte Verletzungen, sodaß sie den Marsch zu Fuß nach Arys antreten konnten.

* Keine Heiraten in Korea erlaubt. In Korea scheinen eingentümliche Sitten zu herrschen. Der Kronprinz wurde vor ungefähr einem Jahre Witwer und hatte den Beschluß gefaßt, sich wieder zu verehelichen. Die Koreaner müssen leider unter diesem Beschluß leiden, denn dem Kron­prinzen steht vermöge seiner hohen Stellung das Recht zu, unter den Schönen des Landes zu wählen, und da ihm diese Wahl begreiflicherweise schwer fällt, ist die Regierung auf den Einfall gekommen, vorläufig den reicheren Damen alle Ehe­schließungen im Lande zu verbieten, damit dem Kronprinzen nicht etwa eine wählenswerte Dame weggekapert wird.

Bei Magen- ttnb Darmkrankheiten der Säuglinge be- ivährt sich feit mehr als 20 Jahren die Ernährung mit Knfekes Kindermehl mit oder ohne Zusatz von Kuhmilch. Da e§ leicht ver- daulich ist und einen schlechten Nährboden für die Krankheitsstoffe darbietet, wird es aueh vom erkrankten MagemDarmkanal gut anigenommen und beschränkt die abnormen Garungsvorgänge, sodaß der Katarrh oft ohne weitere Medikamente in Heilung über­geht. Bei Brechdurchfall ist Kufekes Kindermehl ohne Milch oft das einzige nicht erbrochene Nahrungsmittel und genügt die Slufete- Wasser-Luppe auch zugleich der Anforderung, dem Körper reichliche Mengen von Flüssigkeit zuznsühren. Bei leichteren Magen- und Darmkrankheiteir kann man auch Kufekes Kindermehl mit Milch geben, wenn der Milchzusatz den Katarrh nicht verschlimmert. |hv8/u