Ausgabe 
17.9.1906 Erstes Blatt
 
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Der englische Kriegsminister Haldane

italienisch-jüdischen Gelehrten und Dichters M. H. Luzzatto.

Hier wurde er bald Sekretär der

Die Sozialisten Shaw und Bernstein.

Herzog aus.

Hartwigs ältester Sohn, Jakob Dernburg, der Ur­

partei und entschiedener Gegner des reaktionären Ministers

zu

uns

polififd?e Lagesscharr*

Von einem geplanten Kaiserattentat

nichts zu essen hat.

Die Abdankung Kaiser Franz Josefs bevorstehend?

Von einem besonderen Wiener Korrespondenten wird

Derneue Wann" und seine Ahnen.

Zur Geschichte der DernburgS wird demRhein. Kur." geschrieben:

Unser neuer Kolonialdirektor und sein Vater entstammen einer altjüdischen Geistesaristokratie, einer franko-

Wir sind Ritter, deren Burg bei Halberstadt liegt". Von Derenburg Font die Familie nach Offenbach, Frankfurt a. M. und Mainz. Ucber das erste bekannte Mitglied der Familie Jakob Derenburg lassen sich bestimmte Angaben nicht machen. Sein Sohn Hartwig Derenburg war der Verfaffer eines in hebräischer Sprache geschriebenen LustspielsDie Bewohner der Welt", die Nachbildung eines ähnlichen Stückes deS

Darmstadt. Er starb, als großhcrzoglich hessischer Obcr- prokurator in den 60 er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Eine Episode von kurzer Dauer in seinem wechselvollen Leben bildete seine akademische Tätigkeit als ordentlicher Pro­fessor der Rechte in Gießen. Auf dem Katheder wußte er aber keine Erfolge zu erringen; wegen seines näselnden Organs war er häufig ein Gegenstand der Heiterkeit bei seinen Zuhörern, so daß er sein Lehramt bald niederlegte. Seine juristische Begabung vererbte sich auf seinen ältesten Sohn, den bekannten Berliner Pandektisten und Zivilrechtslehrer Heinrich Dernburg (geb. 1829 in Mainz). Von deffen

verhaftet. Heber den ganzen Vorfall wird peinliches Schweigen bewahrt. Auffallend ist, daß Rosenberg in früheren Jahren, als er nach Soden kam, dürftig gekleidet ging, wahrend er m dm em Jahre eine übernu§ reiche Kleidung trug. Er wrirde von einem Geheimpolizisten und zwei Musketieren des 80. Infanterieregiments abgesührt. Sollte es sich hier nicht um ein durch rasches Zugrei en vereiteltes Attentat handeln? Die größte Anzahl der verhafteten Ruffen besteht aus Studenten der Chemie." ,

So die Darstellung. Der Verdacht hat sich ;edoch sehr bald als haltlos erwiesen; das Verhör gab keinerlei Anhalts­punkte, und auch bei der Durchsuchung der Effekten des Ver­hafteten wurde nichts Verdächtiges gefunden. Deshalb wurde der Verhaftete alsbald wieder auf freien Fuß gesetzt; er hat inzwischen Soden verlassen.

geschrieben:

Angesichts der trüben innerpolitischen Lage tn Oesterreich- Ungarn gewinnen die fortgesetzt herumschwirrenden Gereichte von der Reqierungsmüdigkeit des alten Kaisers Franz Josef Beacht­ung. Hat er doch in der letzten Zeit selbst wiederholt geäußert, daß er lieber heute als morgen abdanken möchte, und er hätte diesen Vorsatz vielleicht schon ausgesührt, wenn nicht eine Gruppe von Familienmitgliedern, an deren Spitze die Lieblinastochtcr des Kaisers, Erchu-ogin Marie Valerie steht, immer wied.r zum Ausharren rieten. Der präsumtive Thronfolger, Erzherzog Friedrich Ferdinand, erfreut sich zwar.bei dem östreichi- schen Volke und auch in Ungarn, soweit es nicht magyarisch ist, großer Popularität, allein in der kaiserlichen Familie selbst sind cs nur einige von den jüngeren Erzherzögen, die zu ihm halten. Sein energischer, rasch entschlossener Charakter, sein unbeug­samer Wille, seine Zähigkeit im Verfolgen eines gesteckten Zieles, das alles sind Eigenschaften, welche man, sonst bei den Habs­burgern selten findet, und die. den Thronfolge'' schon allein in Aber auch

folgendem Schluß gekommen:

Ein Mann von der Börse! Es ist eine Schande!

Die Kreuzzeitung kündet es schaudernd dem Lande,

Sie fügt sich dem Thron

Mit süßsaurem Ton, Halb Loyalität und halb Opposition.

Ein Mann, der noch nie ein Examen bestanden, Hört, hört! ein Kollege von Schultz' und von Sanden, Voll Tücke und List, Dreiviertel nur Christ.

Ein Mann, der kaum glaublich nur Feldwebel ist!

Ein Feldwebel? Bravo! Den brauchen wir gerade, Der zugreüt und ohne Erbarmen und Gnade Und mit Energie Die schlotternden Knie'

Durchdrückt der verlotterten Stammkompame.

ging dieser Tage in Schlesien und Berlin die Rede. In Berlin und Breslau hatte die Verhaftung von Anar­chisten Aufsehen erregt. Einer der bekanntesten Anarchisten Berlins wurde von der Arbeit weg verhaftet. Auch in zahl­reichen anderen preuß. Städten, namentlich am Rhein wurden Haussuchungen vorgenommen. Daraufhin verbreitete sich hier und da das Gerücht von einem Kaiserattentat. Nun erfährt von autoritativer Seite dieBrest. Ztg.", daß amtlich von einem geplanten Attentat auf den Kaiser absolut nichts be­kannt ist und daß die dortigen Verhaftungen vom Kaiser­besuch ganz unabhängig seien. Seit Monaten sei die Bres­lauer Polizei einem anarchistischen Geheim-Konventikel auf der Spur, wo Gelder gesammelt und anarch. Blätter gelesen wurden. Erst kürzlich habe man vier daran teilnehmende Ausländer ermittelt, deren Festnahme alsbald in der üblichen Weise und ohne daß Widerstand geleistet wurde, erfolgte. Drei Oesterreicher in Breslau sehen ihrer Ausweisung ent­gegen, ein Italiener wurde wieder freigelasscn, weil er nur mangelhaft des Deutschen mächtig ist und die Verhandlungen des Konventikels kaum verstanden haben dürfte.

Deutsches Reich.

Breslau, 16. Sept. Der Kaiser besuchte heute vor­mittag mit den Herren des Gefolges den Gottesdienst in der St. Barbara.Kirche. Um U1/, Uhr empfing der Kaiser den mit der Vertretung des Direktors der Kolonialabteilung des Auswärt. Amtes beauftragten Wirkt. Geh. Rat Dernburg und nahm später die Meldung des mit der Führung des 5. Armeekorps beauftragten Generalleutnants Kluck entgegen. Zur Frühstückstafcl waren geladen: Oberstkämmerer Fürst zu Solms-Varuth, Exzellenz Dernburg und der Kommandant von Breslau Generalleutnant v. Wallenberg.

Norderney, 15. Sept. Der zurzeit hier befindliche freis. Abg. Sch m idt-Elberfeld folgte am Freitag einer Ein­ladung des Reichskanzlers zum Frühstück. Heute ist der Zentrums-Abg. Dr. Spahn hier eingetroffen und wurde gleichfalls vom Fürsten Bülow zum Essen gebeten.

hielt am 14. d. M. eine Rede in Newcastle on Thne über den 1 neuen Generalstab, den er soeben für die englyche Armee nach deutschem Muster eing-stührt habe. Haldane erllarte, er hätte viel auf seiner Reise nach Deutschland gelernt. Viele Einzelheiten seines Reformplanes seien am feine Ausl prachen mit den Generalen und Offizieren des deutschen Generalstabes zurückzusühren. Das Problem der Armee-Organisation sei aber in England anders zu lösen, wie in Deutschland. Es sei un­möglich, die deutschen Einrichtungen in England genau nach- zuälnnen. Beide Länder gebrauchten den Kern einer tüchtigen Armee im Frieden, welcher in Kriegszeiten einer großen Aus- delmung fähig sei. Insofern liegen die Verhältnisie m beiden Ländern ähnlich. England sei aber auf die freiwilligen Soldaten angewiesen, während Deutschland einen Zwang ausübe, den man in England nicht dulden würde. Gute große Freiwilligen-Miliz als Volk unter Waffen sei die einzige Lösung für England. . ..

Bei einer am 16. in Newcastle gehaltenen Rede über Die Heeresangelegenheiten kam der engl. Kriegsminister beiläufig auf die auswärtigen Beziehung en zu sprechen und tagte: Unsere Beziehungen zu Frankreich sind enger und inti­mer wie je zuvor und haben uns in freundliche Be­ziehungen zur russischen Regierung gebracht. Un­geachtet der gegenwärtigen Schwierigkeiten smd untere Be­ziehungen zu Deutschland, besser, als sie vor^ kurzem

* Sein Geholt. A.: Wos bekommt eigentlich unser neuer Kolouialdircktor? B.: Soviel ich weiß, 20 000 Mk. A.: Das holte ich ober für ziemlich wenig, da diese» Posten doch vorher schon Hohen Loh'n abacworfen hat.

v. Dalwigk.

Erwähnung verdienen noch zwei Mitglieder einer Seiten­linie der Familie, die, in Paris ansässig, als Orientalisten bedeutenden Ruf genießen bezw. genoffen, der 1895 ver­storbene Professor Joseph Naphtali Dörenbourg (ge­hör. 1812 als jüngerer Sohn des obengenannten Hartwig D.) und dessen Sohn'Professor Hartwig Dörenbourg (ge< bor. 1844).

Auch dieJugend" hat Dernburgs gedacht und ist

germanischen Familie, der wir eine Reihe hervorragender Gelehrter, vorzüglich Orientalisten, zu verdanken haben. Ihr Stammort nm, Derenburg °m kleines Städtchen nahe ----- Halberstadt, und scherzweise sagten die Herren Profefforen, ivemt sie über die Herkunft ihres Namens befragt wurden,

........... dem Reiche nachzuholen. Bei dieser Gelegenheit wandelten ____________ , , . v öo6iulutuiulitulc uuxe, befaßte sich mit Eduard viele Juden ihre altjüdischen in moderne Vornamen um, und hoch. Der Vorsitzende Planck brachte das Hoch auf den Groß- Bernstein. Dem sozialdemokratischen Zentralorgan, das Herrn derCabaretier Hersch Dernburg"er hatte neben- Der deutsche Gesangverein verschönte daS Fest ^ham einenUeberbrettldrcimatiker" genannt hatte, bedeutet bei auch eine kleine Restauration neben der Synagoge mit'Vorträgen. er mit der Freundlichkeit deS Kundigeren, daß Shaw der hieß von da ab Hartwig Doerenb ourg.

unermüdliche Vorkämpfer Ibsens in England und der uner- Hartwigs ältester Sohn, Jakob Dernburg, der Ur- bittlich" GefellschaftSkritiker ist, der in denHelden" die mili- großvater des Kolonialdirektors, 1794 tn Mainz geboren, tusche Pose in den Häusern deS Witwers" den Boden- wurde Rechtsgelehrter. Er war lange Vorsteher der Milchen wuchcr, inFrau Marrens Gewerbe" unsere gesellschaftliche Gemeinde und trat in den 40 er Jahren deS vorigen Jahr- Moral mit schärfstem Sarkasmus blosgestellt hat. Danu hunderts zum Christentum über. Seme weitere Laufbahn gibt er Shaw einen Nebenhieb, weil er, wenn er durch seinen mar die eines Richters am Kreis- und schließlich am höchsten Brief auf die Partei in Deutschland einwirken wollte, den Gericht seines engeren Vaterlandes, am Kassationshof m denkbar ungeschicktesten Weg gewählt habe, um diese Absicht auszuführen. Seine wichtigsten Gedanken kleidet Bernstein

in folgende Sätze:

In einem Punkte gibt Shaw immer in seiner Weise einem Empfinden Ausdruck, das man so ziemlich bei allen Sozialisten des Auslandes antrifft: nämlich daß zwischen der numerischen Stärke der d e u t s ch e n S o z i a l d e m okratie und ihrer Einwirkilng auf die deutsche Politik ein bei s p i e l- loseS Mißverhältnis besteht. Darüber denkt Shaws größter Antipode im sozialistischen England kaum anders als er, und in Frankreich, Italien, den nordischen Ländern, bet den slawischen Sozialisten, überall kann man ähnliches hören."

Daß diese Sätze vollkommen zutreffen, wird jeder Unbe- -------~ irn ,nph

fangene U gib. n..ch nrch ^.änbische Sozm, S bi ufitLV.it bet p.HtifÄnVe. di- Red- gewesen. Ms w-gung, deshalb suchen fi« eine t^obe, bi. d-n Gewerk- schäften die größte Rolle erteilt. Das ist nn Grunde dasselbe, was Bernstein meint. Nur darf man nicht sagen, daß die politische und parlamentarische Aktion an sich für eine Arbeiter­partei nutzlos sei. Der Fehler liegt an der gegenwärtigen Tätigkeit und Agitationsweise der Sozialdemokratie. Sie hat drei Millionen Wähler nnd erreichte so gut wie nichts. Sie hat den Schlüssel zur Macht, ober sie hat keine Macht. Sie gleicht einem Manne, der sehr fein gekleidet geht und dabei

Attentat auf Witte?

Heber einen Zwischenfall, der sich in Soden im Taunus ereignet hat, geht derLipp. Landesztg." von einem Det­molder, der dem Vorgänge als Zuschauer beiwohnte, folgende Schilderung zu:

Unter den in Bad Soden weilenden Badegästen befindet sich auch eine ganze Anzahl Russen. Da sieht man ganze Trupps Studenten, angetan mit dein typisch gewordenen Kittel, der durch einen Gürtel geschlossen wird, promenieren. Besonders diese erfreuen sich in der Sodener Bevölkerung großer Beliebtheit, da sie äußerst bescheiden, ruhig und zuvorkommend sind. Unter ihnen befindet sich auch ein russischer Staatsangehöriger Rosenberg, der bereits fünf Jahre hindurch in Soden roei't, und der am Samstag vor acht Tagen unter dem Verdachte, ein Attentat auf den früheren russischen Finanzminister geplant äu haben, verhaktet wurde. Letzten Samstag kam der frühere russische Finanzminister zum Kurgebrauch in Soden an. (Graf Witte ist nur vorübergehend in Soden gewesen; er hält sich in Homburg auf). Es waren die umfassendsten Sicherheitsmaßreaeln getroffen worden. Nichts­destoweniger hatte sich eine große Anzahl von Zufchauern vor dem Kurhotel eingefunden, in dem Witte absteigen sollte. Unter den Zuschauern bekand auch ich mich. Ich mochte wohl ungefähr zwei Minuten von dem Knrhotel entfernt gestanden haben, als ein Auto­mobil herangefahren kam und vor dem Eingänge des Hotels hielt. Schnell stieg der Minister aus, aber noch schneller trat Rosenberg auf ihn ziy lüstete feinen Zylinder und rief einige Worte. Im selben Moment wurde Rosenberg, der nicht einmal Zeit hatte, seinen Hut wieder auszusetzen, von hinten umschlungen und verhaktet. Als Rosenberg auf den Minister zu trat, wurde dieser kreidebleich und sah furchtsam zur Seite. Es war mir, als ob Witte ein Attentat befürchtete. Nachdem Rosenberg verhaftet, stießen die anwesenden Russen laute Sch m ä h r u f e aus. Lump, Schurke, Schuft, Hallunke, tönte es von allen Seiten. Wem diese Worte galten, wer weiß eS? In den nächsten Augenblicken war die ganze Gruppe, aus der die Ausdrücke kamen,

waren. Um«.» w«. -~

und Deutschlands hindeuten, sich zwar als Rivalen aber doch als freundliche Rivalen zu betrachten, sei die Z u r ü ck z i e h u n g nahe­zu der Hälfte der deutschen Streitkräfte aus Süd­afrika seitens der Deutschen. Zu Zwecken des letzten Krieges hätten die Deutschen 15 000 Mann in Südwestafrika gehabt, was eine gewisse Mißstimmung bei nervösen Leuten in England habe entstehen lassen. Er, so fuhr Haldane fort, sei fernen Augen­blick darauf gekommen, zu denken, daß dabei irgend etwas Un­natürliches war. Aber nun stelle sich heraus, daß nut dem Beginn des nächsten Monats 700 Mann deutsche Truppen zurück­gezogen werden sollen. Das müsse EnglandsWerk inSüd- afrika erleichtern. , ,. ., nunt»n|u.j-j1uvi|M.jv»i

In der Antwort -uf einen Brief, IN dem die Notwcndlgle, 1798 in Offenbach veröffentlicht. Um diese Zeit

einer Verringerung der Rüstungen betont wird, billigte . . , ' -

Kriegsminister Haldane die ausgesprochenen Gefühle, doch sei zog Hartwig nach Mainz.

es bei der bestehenden Sage der Dinge nötig, dw nationalen jüdischen Gemeinde, em Poften, zu dem man stets gelehrt! Verteidigungsmittel aufrecht zu erhalten. Wenn ir- £eiljc nahm, da mit diesem Amt häufig die Obliegenheiten gend eine Verringerung der RMungen zustande gebracht werden c{nc§ Lehrers und Unter-Rabbis verbunden waren. Ur- iolle, so muhen die großen Nationen zu ihrer ^purcyiuyr- . .. . f..

ung sich vereinigen, aber England allein könne sich nicht sprunglich hieß Hartwig mit Vornamen Ze bi-Hirsch, selbst in eine schwache Stellung begeben. aber am 20. Juli 1808 wird den Mainzer französischen

* Bürgern mosaischen Glaubens, ivelche laut Artikel 7 deS

Die Sozialisten Shaw nnd Vernstein. kaiserlichen Dekrets vom 17. März 1808 noch keine Vor-

Mit der bekannten sarkastischen Kritik, die der englische und Familiennamen angenommen hatten, befohlen, dies inner-

einen gewissen Gegensatz zu seiner Familie stellen.

noch andere persönliche Momente spielen hier nut, vor allem das Zerwürfnis mit dem töchtergefegneten Erzherzog Friedrich, welches dadurch entstanden ist, daß an dessen Hofe der zukünftige österreichische Kaiser seine jetzige Gemahlin, die frühere Gräfin Chotek, kennen und lieben gelernt hatte, anstatt eine der

zahlreichen Töchter des Hauses zu erwSUen, wie man bei beit häufigen Besuchen des Erzherzogs Franz Ferdinand bei seinem Vetter fieber angenommen hatte. Daß dem greifen Kaiser Franz Josef diese Unstimmigkeiten in feiner Familie schon manch» düstere Stunde bereitet haben, versteht sich von selbst, und ex entschließt sich daher in seinem Pflichtbewußtsein immer wieder dazu, die Krone weiter zu tragen, die ihn schwer drückt. Trotz­dem sind Ueberraschungen nicht ausgeschlofsen, namentlich wenn die neuerlich eingeleiteten Ausgleichsverhandlungen scheitern sollten.

Berlin, 15. Sept. Heute abend fand anläßlich des 80. Geburtstages und der Goldenen Hochzeit des Groß- herzogS von Baden'eine Huldigungsfeier in der Phil­harmonie statt, veranstaltet von dem Verein der Badener und dem Verein ehemaliger Kameraden des 14. Armeekorps. . Von hervorragenden Persönlichkeiten sah man den badischen Staatsrat Dr. Scheeri, den Generaladjutanten des Kaisers, v. Bülow, den Rektor der Universität Geheimrat Diehls, den Eisenbahnpräsidenten Dr. Schulz und andere mehr. Die Fest­rede hielt Dr. Many. Ein folgendes Festspiel, betitelt Ein Auftakt", gedichtet von Rud. Presber (als Buch erschienen in der Verlagsanstalt Concordia in Berlin W. 50) schloß mit einer sinnigen Huldigung vor der auf einem blumengeschmückten Sockel ruhenden Büste deS Großherzogs. Dem Großherzog wird eine von Prof. Lessing auSgeführte Adresse mit der Ankündigung von der Errichtung einer Groß­herzog Friedrich-Stiftung übersandt werden. Den Beschluß des Festes bildete ein Ball.

Brüssel, 15. Sept. Der Badener Verein feierte Heute abend in der deutschen Kolonie den 80. Geburtstag und die Goldene Hochzeit des Großherzogs von Baden. Der Geschäftsträger Graf Oberndorf huldigte dem Großherzog als dem Fürsten, der mit an erster Stelle stand, als es galt, dem deutschen Volk die Einheit und Größe zu erringen, und als uvu ................................. .........

letztem Heberlebenden auL dem glänzenden Kreise von Fürsten, ier (die fabian society ist eine sozialistisch-philantropische halb dreier Monate bei Vermeidung der Ausweisung aus t Staatsmännern und Feldherren, die sich in eisernem Ringen @cftc) unb Dramatiker Bernhard Shaw unlängst an der um Kaiser Wilhelm I. scharten. ES folgte darauf daS Kaiser- bcut^cn Sozialdemokratie übte

verbreitet, baß aus Kuba Freudendemonstrahionen folgen Roosevelts Eingreifen veranstaltet werden. In Europa wird «wohl niemand recht daran glauben.

Die goldene Kochzeit des badischen Hroß- herzogspaares.

Karlsruhe, 16. September.

Gestern nachmittag erfolgte der feiert Einzug des Groß- berzoqspaares und des schwedischen Kronprinzenpaares m die festlich geschmückte Stadt. Um 5 Uhr traf mittelst Sonder­zuges das Großherzogspaar sowie die Kronprinzessin von Schweden in Karlsruhe ein. Zur Begrüßung hatten sich u. a. eingefunden der kurz vorher eingetroffene Kronprinz von Schweden, das ErbgroßherzogLpaar, Prinz Karl, Prinz und Prinzessin Max, Prinzeß Wilhelm, ferner die Minister, die Generalität, der Oberbürgermeister und die Spitzen der Be­hörden. Nach herzlicher Begrüßung erfolgte dann unter dem Jubel der Bevölkerung der Einzug in die reich geschmückte Stadt. Allgemein erfreute das vortreffliche Aussehen des Großherzogs. Der Erbgroßherzog, der an einem Augenübel leidet, trug das rechte Auge verbunden.

Heute vormittag wohnten das Großherzogspaar und die übrigen hohen Herrschaften dem Gottesdienst in der evangeli­schen Stadtkirche bei. Die Predigt hielt Pfarrer Rapp über 1. Kor. Kap. 4, 1Nun rücket man nicht mehr an den Haushaltern, denn daß sie treu befunden werden." Nach dem Gottesdienst fuhren die Fürstlichkeiten ins Schloß zurück. Vor :bem Schloß brachten um V21 Uhr die Posaunenchöre der Vereine des oberrheinischen Jünglingsbundes ein Ständ­chen dar.