Nr. 191
Rotationsdruck und Verlag der Brübl'sch« UniversitätZdruckerei. ÖL Lange, ®tefca.
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Erscheint Wßüch mit Ausnahme deS Sonntags.
Die »Siehener SQnilltenblätter** werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigclegt. Der hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Zweites Blatt ISS. Jahrgang Donnerstag IS. August 1906
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen.
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Altiser Wilhelm und König tzduard im Hannus.
(Von unserem im Taunus weilenden Sonderberichterstatter.)
Das,, hinter hohen Pappeln und Tannen im weiten Park sonst den größten Teil des Jahres einsam liegende Schloß Fricdrichshof i|t gcgenivärtig für eine kurze Spanne Zeit aus seinem Dornröschenschlaf erlöst. Durch den Park und die Wälder tönt das Geräusch der Automobilinotore, die Signale der Huppe und der Fanfarentrompete. Die sonst nur wenig benutzte Chaussee Cronbcrg-Oberursel war heute, besonders in den Nachmittagsstundcn, stark belebt. Au§ Frankfurt waren viele Neugierige herübergekommen, die vor dem weit geöffneten Parktore standen, der Ausfahrt der Monarchen harrend. In der brütenden Hitze, die manchmal durch, einen kühlen Luftzug vom Altkönig her etivas erträglicher gemacht wurde, stand auch mancher, den die Pflicht dazu zwang. Man sah den Chef der Frankfurter Kriminalpolizei, Polizeirat Wolff, mit einigen Beamten, ein Gendarm ritt auf und und ab, der immer von neuem die Menge in die vorgeschriebene Bahn zurückdrängte. Besonders Damen waren zahlreich vertreten.
Dte Unterhaltung bei der Begrüßung am Bahnhof wurde ausschließlich in englischer Sprache geführt. Aks man den Kaiser gestern abend im Schloß darauf aufmerksam machte, in welcher Weise die Platzfrage geregelt werden sollte, äußerte der Kaiser scherzweise: „Das wird mein Onkel schon machen". — Kurz vor 11 Uhr unternahm der Kaiser mit seinem Gast eine Ausfahrt im Zweispänner. Absperrungen wurden nicht vorgenommen. König Eduard, der einen grauen Anzug und silbergrauen Filzhut trug, saß zur Rechten des Kaisers. Zuerst wurde das Kaiser Friedrich-Denkmal besucht) später ging cs nach der Burg Cronberg und nach der evangelischen Kirche, in der im Jahre 1901 die Trauerfeier für die Kaiserin Friedrich abgehalten worden ist. Ter Kaiser, dem man bei der Begrüßung im Bahnhof einige Erregung angemerkt hatte, unterhielt sich lebhaft mit dem König.
Von den Hofmitglicdern, die am Bahnhofe bei der Ankunft König Eduards zugegen waren, wurde ein auffallend ernster Gesichtsausdruck wahrgenommen, in dem der Kaiser entgegen seiner sonstigen Gewohnheit mit zur Ankunft seines Gastes verharrte.
Die Fahrt durch die Stadt kam so überraschend, daß selbst Tie Fahrt durch die Stadt kam so überraschend, daß selbst die paar Sicherheitsbeamten, die noch hier anwesend sind, nicht davon benachrichtigt worden waren. Tas Publikum stand in den Straßen streckenweise so dicht bei den vorüberfahrenden Wagen, daß der Kutscher besondere Vorsicht üben mußte.
Das Frühstück und das Gespräch unter vier Augen.
Zu der Frühstücks täfel in Schloß Friedrichshvf waren geladen Staatssekretär v. Tschirschky und Bögen- dorsf und dec engt. Botschafter Sir Fr. Lascelles. Rach der Frühstückstafel verweilten Kaiser Wilhelm und König Eduard mit dem Staatssekretär v. Tschirschky und dem Botschafter Lascelles etwa eine Stunde auf der Terrasse vor dem Schlosse.
Bei dieser Gelegenheit sind wohl die schwebenden Fragen im Konversationston besprochen worden. Wichtige Entscheidungen sind, so meint ein oft gut bedientes Berliner Blatt, nicht gefallen.
Ter Kaiser und der König hatten vorher allein konferiert in dem zu ebener Erde gelegenen Bibliotheksaal, einem der schönsten Räume des Hauses. Auf diese Besprechung ist heute das Augenmerk aus allen europäischen Ländern gerichtet. Tie- Unterredung ohne Zeugen dauerte von kurz nach 3 bis' gegen 4 Uhr. Was gesprochen wurde, weiß zurzeit noch niemand. Es wird aber wohl in den nächsten Tagen irgend etwas durchsickern. Vielleicht äußert der Kaiser, vielleicht auch der König irgend etwas zu einem der Herren der Umgebung. König Eduard hat zu Herren seiner Umgebung geäußert, daß es ihn sehr pe in- li ch berühre,Ivie englische Blätter und auch einzelne deutsche über die bevorstehende Unterredung sich geäußert hätten. Man habe da geschrieben, die beiden Monarchen würden sich auch über die inneren Verhältnisse Rußlands unterhalten und erwägen, ob eventuell eine Vermittlung am Platze sei. Von einer Unterhaltung über Rußland sei keine Rede, es sei weder die Aufgabe Englands noch Deutschlands, sich in die inneren Angelegenheiten Rußlands einzumischen.
Tiefe Unterhaltung ist jedenfalls^ der Kernpunkt der Zusammenkunft gewesen. Auch wenn nur Mißverständnisse privater Natur, die bei den ausgeprägten Persönlichkeiten der beiden Herrscher doch ihre Reflexe auf die Politik der beteiligten Staaten werfen, beseitigt worden sind, so wäre das schon von Wert. Entgegen den schwacher! Erwartungen, die man an die Zusammenkunft in Berlin, wie versichert wird, knüpfte, ist man jetzt dort der Meinung, daß sie Vorteile bringen wird.
In Homburg und auf der Saalburg.
Tie Unterredung der beiden Monarchen war" wenige Minuten vor 4 Uhr beendet, und es erfolgte die Abfahrt nach der Saal bürg pünktlich um 4 Uhr. Im ganzen führen fünf Autos, drei kaiserliche und zwei von den Frankfurter Adlerfahrradwerken gestellte, von Schloß Friedrichshof ab. Im ersten, einem 45pferdigen Mercedeswagen, saß der Kaiser, zu seiner Rechten König Eduard. Der Kaiser hatte, entgegen seiner sonstigen Gewohnheit, heute seinen Anzug nicht gewechselt, er trug wieder die Uniform des Posener Jägerregiments, grau mit hellgrünen Abzeichen. König Eduard, der vor fünf Jahren bei der Beisetzung der Kaiserin Friedrich stets in der Uniform der Gardedragoner erschienen war, trug einen hellgrauen Jackett- anzug und ebensolchen steifen Filzhut. Als die Monarchen durchs Portal fuhren, trat die Schloßwache uw.er Gewehr, das Kommando führte Oberleutnant d. Res. Jacobi, Tirektor des Saalburgmuseums, der gegenwärtig eine acht- wöchige Hebung bei den Homburger Füsilieren mitmacht. Tie Ausfahrt der Automobile aus dem Hauptschloßportal ist insofern schwierig, als sofort die Chaussee eine starke Biegung nach/links macht und der Weg etwas ckbfällt. Tas
Auto, in dem die Monarchen saßen, lenkte der Oberchauffeur Werner. In den anderen Automobilen folgten Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland, die Großfürstin Marie von Rußland, der Staatssekretär des Auswärtigen v. Tschirschky, Regierungspräsident Tr. v. Meister, Landrat Tr. v. Marx, der Botschafter Sir Frank Lascelles, der englische Sekretär des Auswärtigen Hardinge usw. Tie Fahrt ging über Oberursel nach Homburg, da König Eduard den Wunsch geäußert hatte, daß man durch Homburg, wo er so oft geweilt, durchfahren möge. Tie Straßen waren völlig ausgetrocknet und staubfrei, sodaß die Autos flott dahinglitten. In Homburg wurde etwas langsamer gefahren und dann der Weg über Dornholzhausen nach der Saalburg genommen, wv die Ankunft um 4 Uhr 28 Min. erfolgte. Tie Frankfurter Kriminalbeamten unter Führung des Kriminalkommissars Tx. Ncubert hatten ein wachsames Auge auf die zahlreichen'Neugierigen, die sich in der Nähe des Kastells angesammelt hatten. Dieses selbst war völlig abgesperrt. Mer heute hatte die Polizei nichts zu tun, im Gegensatz zu gestern, wo ein älterer Herr mit einem großen versiegelten Brief auf das kaiserliche Auto tosging. Kriminalbeamte rissen i h n zu r ü ck. Es war ein Professor aus Frankfurt, der dem Kaiser eine Bittschrift überreichen wollte.
Ter Kaiser führte seinen Gast selbst durch die ihm wohl vertrauten Räume der Saalburg und gab eingehende Erläuterungen, denen der König mit großem Interesse folgte. König Eduard bemerkte schließlich, daß man in England kein Bauwerk von so eminent historischem Interesse habe. Schließlich wurde im Prätorium der Five o'glock tea eingenommen. Tann bestiegen die Monarchen und ihr Gefolge die Automobile und es ging zurück nach Schloß Friedrichshof.
Von Interesse ist noch eine Aeu ßerung König Eduards, die er heute vormittag bei der Besichtigung der Cronberger Stadtkirche und des Denkmals der Kaiserin Friedrich, das an deren Vorderfront angebracht ist, tat. Er sagte, daß das Porträt sprechend ähnlich sei, und er freue sich, daß die Bewohner Cvonbergs mit solcher Dankbarkeit der verstorbenen Kaiserin zugetan seien.
Für den Nachmittag war außer der Fahrt nach der Saalburg ein Besuch bei der Großherzogin-Mutter von Luxemburg, die seit einiger Zeit mit ihren sechs .Enkelinnen auf Jagdschloß Königstein weilt, in Aussicht genommen. Wie es heißt, hat die Großherzogin selbst den Wunsch geäußert, König Eduard bei sich zu sehen.
König Eduard hat indes die Fahrt nach Königstein zu den luxemburgischen Herrschaften aufgegeben.
Am Abend fand in Schloß Friedrichshof Tafel zu 33 Gedecken statt. Hieran nahmen u. a. der Kronprinz von Griechenland, die Großfürstin Marie von Rußland, der deutsche Staatssekretär des Auswärtigen v. Tschirschky und Bögendorfs, das Gefolge des englischen Königs und des deutschen Kaisers teil.
An das Diner schloß sich eine Konzertaufführung an.
Die Abreise König Eduards.
Aus Cronberg wird uns heute drahtlich gemeldet:
Um 9% Uhr früh trafen heute die Majestäten nebst dem Prinzenpaar von Hessen und der Kronprinzessin von Griechenland auf dem hiesigen Bahnhofe ein. Außerdem waren erschienen Botschafter Sir Frank Lascelles, Landrat Ritter v. Marx und Bürgermeister Pietsch. Im Fürstenpavillon verabschiedete sich der König von den Fürstlichkeiten, besonders herzlich vom Kaiser, den er wiederholt küßte. Der Kaiser trug wieder seine Jäger- uniform. Die Monarchen unterhielten sich sehr angelegentlich bis zum Abgänge des Zuges um 9.45. Auch der Botschafter Laseelles reiste ab. Nach der Abreise verabschiedete sich der Kaiser von den Herren seiner Umgebung und fuhr nach Schloß Friedrichshof. König Eduard hat dem Landrat v. Marx den Royal Bictoriaorden verliehen.
Durchfahrt des Kaisers durch Gießen.
Auf derRück fahrt von Cronberg nach Wilhelms- höhe trifft heute der Sonderzug mit Se. Ma je st. dem Kaiser 3 Uhr 30 Min. im Bahnhof Gießen ein und fährt, nach erfolgtem Maschinenwechsel, 3 Uhr 35 Min. weiter. Ankunft in Wilhelmshöhe 5 Uhr 35 Min.
Der Kaiser und die englische Preffe,
Der Kaiser nahm, wie uns heute von anderer Seite aus Cronberg gemeldet wird, kurz vor der Ankunft des Königs Eduard Gelegenheit, sich wiederum über die Presse und ihre Mitbesinflussung politischer Stimmungen zu äußern. Diesmal sprach er über die englische Presse, von der er anerkannte, daß sie in den beiden letzten Jahren besser geworden sei. Früher indessen seien besonders über die Ziele der deutschen Politik zahlreiche falsche Mitteilungen gemacht worden, auf die zum Teil die mißlichen Beziehungen zwischen den beiden Völkern zurückgeführt werden müßten. Vieles sei vollständig erfunden gewesen. Dec Kaiser sprach die Hoffnung aus, daß diese Verhältnisse ich nach weiter bessern loetben, was im Interesse beider Nationen liegen würde.
Tic Nordd. allg. Ztg.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt heute:
S. M. der Kaiser und König ist heute in Schloß Friedrichshof mit S. M. dein König Eduard von England zusammengetroffen. Wir freuen uns, daß dieses Wiedersehen der beiden Monarchen wie in der englischen so auch in der deutschen Presse fast überall mit Sympathie begrüßt worden ist. An den hier und da laut gewordenen Vermutungen über besondere politische Gründe der Begegnung können wir uns nicht beteiligen. Ter w i r k- l i ch e W e r t d e r Z n s a >n m enknnft erscheint uns auch ohne olche Kombinationen nicht gering. Wir hoffen, daß die A n s- spräche der Staalshänpter Deutschlands und Großbritanniens der F e st i g u n g des Weltfriedens dienen werde. In Uebereinstimmun'g mit allen, die zu beiden Seiten des Kanals von
entgegenkommenden Gesinnungen erfüllt sind, heißen wir den König ehrerbietig willkommen.
Also kein schwungvoller Begrüßungsartikel, sondern nur ein paar kurze Sätze, in freundlichem, aber sachlichem Ton gehalten — das ist alles. Eine beträchtliche Reserve im Ausdruck der Erwartung, wie sich nicht leugnen läßt, aber vielleicht von demselben Takt diktiert, der 'die Wahl auf Schloß Friedrichshof, den Witwensitz der Kaiserin Friedrich, als Ort der Begegnung der engvcrwandten Herrscher fallen ließ. Eine gewisse diskrete Abtönung zeigte ja auch dec Vorgang der ersten Begrüßung am Bahnhof in Cronberg, erklärlich nach der längeren Periode persönlicher Verstimmungen. Mit rauschenden Fanfaren konnte also auch nicht die „Nordd. Allg. Ztg." auf ^den Plan treten. Möglich, daß die Register voller ertönen, wenn die Aussprache beiderseits befriedigend verlaufen ist. Zweifelhaft ist jedenfalls, ob die Begrüßungsworte der „Nordd. Allg. Ztg." jenseits des Kanals für „ausreichend" erachtet werden, tadelte man doch dort bereits, daß das Regierungsblatt nicht schon in seiner letzten Wochen-i Übersicht des historischen Ereignisses ehrerbietig gedacht Halles
Die englische Haltung.
Das Zusammentreffen Kaiser Wilhelms und König Eduards steht in London im Vordergründe des Interesses.^ Es wird von den Blättern allgemein sympathisch besprochen. Daß sich der Ton in den Beziehungen beider Völker, danach freundschaftlicher gestalten werde, wird als ein sehr> wünschenswertes und sicher zu erwartendes Resultat hervorgehoben. lieber: die Gegenstände der Besprechung zwischen! beiden Monarchen rverden die verschiedentlichsten Vermutungen aufgestellt. Trotz Betonung der Tatsache, daß die Entreoue privat sei, nimmt man an, daß die beiden Monarchen, akute politische Fragen besprechen. In erster Linie wird die Hoffnung ausgedrückt, daß, wo zwischen England und Deutschland Mißtrauen herrsche, dies beseitigt werden würde. Sodann glaubt man, daß angesichts der Erkrankung des Sultans und der gestörten Lage auf der Balkanhalbinsel die Orientfrage von den Herrschern berührt werden dürfte mit Rücksicht auf eine weitere Verständigung zwischen König Eduard und Kaiser Franz Josef bei einem späteren Zusammentreffen dieser Monarchen. Schließlich zeigen die Blätter einige Beunruhigung über ein angebliches Bemühen Deutschlands, in Aegypten Schwierigkeiten zu bereitem. Aus alledem geht hervor, eine wie hohe Bedeutung man in: England der Monarchenbegegnung zuschreibt.
Frankreich.
Der französische Minister Bourgeois, bei welchem zurzeit der Berliner Botschafter Bihourd zu Gast weilt, erhielt unmittelbar, nachdem die Cronberger Zusammenkunft beschlossen worden war, von englischer Seite die Verständigung hiervon in Ausdrücken, welche, wie der „Figaro" hervorhebt, durch-: aus befriedigten. Dasselbe Blatt meint, Frankreich gehöre der Hauptanteit an dem Zustandekommen dieser En-j trevue, welche vor Regelung der Marokkosache unmöglich gewesen wäre.
politifc^e Lagesscharr.
Der Wunsch des Kaisers.
Der Kaiser hat in Kassel nicht zum ersten Mal einem! hervorragenden Amerikaner gegenüber den Wunsch geäußert, die Vereinigten Staaten zu besuchen, und es ist interessant, daß der „Lokalanz." die Verwirklichung dieses Wunsches als im Bereich der Möglichkeit liegend erachtet, weil bet dem heutigen Stande der Funkentelegraphie die Regierungsgeschäfte sich auch vom Ozean aus erledigen lasscu ivürben.
Das wohl, aber es kommen noch andere Bedenken in; Frage, die durch keine technische Errungenschaft entkräftet! werden, vor allem der Moment der persönlichen Sicher=»■ heit des Monarchen. Noch hat kein Träger der Krone, amerikanischen Boden betreten, auf dem bekanntlich biej „Propagandisten der Tat" schwerer zu überwachen finb, alsi anberSwo. Daß ber Bestich Kaiser Wilhelms „drüben" vicler-j orts erhebenben Enthusiasmus Hervorrufen würbe, steht außer Zweifel. Aber baS Erscheinen dieser markantesten Persönliche feit unter den gekrönten Häuptern würde andererseits den anatischen Gewaltmenschen, denen das freie Amerika Schlupf-- winkel in Fülle bietet, Anreiz fein, ihr verwerfliches Treibern zu entfalten, und damit Sillen, die für die Sicherheit der; Person des hohen Gastes verantwortlich sind, unermeßliche Berge von Sorgen auf türmen. Uebcrdies ist zu beachten/ daß die Tage dec Präsidentschaft Roosevelt's, für den der Kaiser lebhafte Beivunderung empfindet,, gezählt sind. Er will im Jahre 1908 nicht wieder kandi- bieren. Es könnte also eine Amerilafahrt bes Kaisers ehva im nächsten Jahre von ben Pankees, die Alles parteipolitischj umwerten, wohl als Kundgebung zugunsten der repudlika- nischcn Partei gedeutet werden, und dieser Möglichkeit gegenüber wäre deutscherseits umsomehr Reserve geboten, als ein demokratisches Kabinett Bryan sich in der prakt. Politik —* Handelsvertrag — aller Wahrscheinlichkeit nach deutschfreundlicher erweisen würde, wie Roosevelt mit seinen Republikanern. Der interessante und im Grunde verständliche Gedanke einer Kaiserfahrt nach Amerika dürfte bei dieser Sachlage kaum verwirklicht werden.
Das Trinken in den Kolonien.
Man schreibt uns aus Berlin: ~
Oberst v. Deimling rechnet nicht mehr mifi kriegerischen Unternehmungen' größeren: Stils in Südwestafrika. Nach einer der „Tägl^ Itundsch." aus der Kolonie gesandten Zuschrift betrachtete er seine Mission im wesentlichen als „AusräumungSi arbeit". So erklärte er in einer Art Programmrede, die er kurz nach seinem erneuten .Eintreffen in Windhuk hielt.


