Ausgabe 
15.3.1906 Erstes Blatt
 
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bischer Erwähnung der Damen Ros« Luxemburg und Dr. Anita Augspurg. Ms Wortführer der proletarischen" Fraueninteressen trat Abg. Sindermann (Soz.) auf. Der Verband fortschrittlicher Frauenvererne hatte dem Abg. Dr. Müller- Meiningen (Fr. Vlksp.) Material geliefert zur Illustrierung preußischer Pvlizeimaßregeln gegenüber den Frauen, das dieser redegewandte Bayer mit ent­sprechender Glossierung zur Kenntnis des Hauses brachte.

selbst kam zu dem Schluß, der freisinnige Antrag sei anzunehmen im Interesse der sozialen Gerechtigkeit. Man dürfe nicht auf der einen Seite singen:Ehret die Frauen!" und auf der anderen Seite dieselben Frauen wie Narren vder Verbrecher behandeln. Noch zwei Redner waren ge­meldet, die Abgg. Lüttmann (Wirtsch. Ver.) und Stychel (Pole). Sie fehlten aber im Saal, als der Präsident ihre Namen aufrief. Infolgedessen kam man sehr bald zur Abstimmung, die eine Mehrheit für den freisinnigen Antrag ergab. Auch Mitglieder des Zentrums und der Reichspartei stimmten fiir Herbeiführung gleicher Vereinsrechtsnormen zu Gunsten der Frauen. Nun bleibt noch die Stellungnahme der Regierung abzuwarten. Graf Posadowskh äußerte sich nicht, aber daß er der Verhandlung beiwohnte, ist viel­leicht kein ungünstiges Zeichen. Der Rest der Sitzung ge­hörte den Polen, die eine Menge polnischcrAnsichts- karten und Spiele, ja sogar eine polnische Mütze auf den Tisch des Hauses niedergelegt hatten, um darzutun, daß die preußischen Gerichte die Polen zu Unrecht verurteilen wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten und groben Unfugs.

Deutscher Reichstag.

6 5. Sitz un q vom 14. März 1906.

Aus der Tagesordnung steht ein Antrag Pcicbnicke-Schrader- Müller-Sagan, den Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, baß die l'andesgesctzliche Beschränk ring des Ver - einsrechtes für Frauen durch Reichsgesetz be­seitigt werde.

Abg. P a ch n i ck c (irs. Vg.) führt aus, wie infolge der Ent­wickelung die Vorschriften in den cinzelstaatlichen Veretnsgesetzen, 'fo besonders in § 8 des preußischen Vereinsgesetzes, wonach poli­tische Vereine keine Frauenspersonen als Mitglieder mifnehmen dürfen und ruoimd) ferner Frauenspersonen den Versamm- lungen und Sitzungen politischer Vereine nicht beiwohnen dürfen, sich überlebt haben. Man lasse ja doch die Frauen sogar ent­sprechend der ganzen modernen gewerblichen Entwickelung auch schon an der Gewerbeaussicht teilnehmen, und das sei unerläßlich im Interesse des Arbeilerinncnschutzes. Ein freies Koalitionsrecht sei mehr wert als ein ganzes Bündel Schutzbestimmungen. Wir können den Frauen die Wahrung ihrer beruflichen und öffentlichen Intercffen md)t wehren. Das Studium auf der Universität ist ihnen bereits erschlossen; sie sind zu den Staatsprüfungen zu- gelassen, sie nehmen teil am Schulwesen und an der Armen- und Waisenpsiege. In solcher Zeit kann der Gesetzgeber nicht zögern, de» Frauen auch auf dem Gebiete des Vereins- und Versamm- lungswesenS die Bahn frei zu geben.

Abg. Vassermann (natl.) erklärt, daß seine Parteifreunde dem 'Anträge zustimmen. Zu wünschen und zu hoffen sei, daß auch die Regierung dies täte. Der Reichskanzler sei ja ein moderner Mann, der ja erst unlängst eine Frauen-Teoulcuion empfangen habe, die in dieser Richtung hin vorstellig geworden sei.

Abg. Sindermann (Soz.) bedauert, daß nicht auch der Antrag seiner Partei wegen des Wahlrechtes mit auf die Tages­ordnung gesetzt worden sei, denn auch das allgemeine gleiche Wahlrecht müßten die Franen haben.

Abg. Müller -Meiningen (frs. 93p.) sagt, es sei kein Zufall, daß sämtliche Parteien, die äußerste Rechte ausgenommen, An­träge auf diesem Gebiete gestellt haben. Alle sind darin einig, daß der jetzige Zustand unter keinen Umständen aufrecht erhalten -werben könne.

Der Antrag Pachnicke und Genoffen gelangt zur Annahme. Dafür stimmte die ganze Linke, einzelne Abgeordnete vom Zentrum und der Reichspartei.

Weiter steht auf der Tagesordnung der Antrag von Ehrzanowski (Pole) betreffend Abänderung des §130 des R. - S t r. - G. - B.

Abg. v. Chrzanowski (Pole) befürwortet den Antrag. Er bezwecke, der dem Sinne des § 130 widersprechenden Interpretation der Begriffe Gefährdung deS öffentlichen Friedens, sowie Aufreizung zu Gewalttätigkeiten seitens des Reichsgerichtes Einhalt zu tun. In der polnischen Bevölkerung sei man überzeugt, daß die Richter mein fide urteilten. (Vizepräsident Stolberg bemerkt dem Redner, daß er das nicht sagen dürfe, und erteilte ihm schließlich einen Ordnungsruf, als dieser erwidert: Ja, man denkt nun einmal so.)

Abg. Stadthagen (Soz.) sieht in denr ganzen § 130 des R.-Str.-G.-B. lediglich eine Waffe in der Hand des politischen Gegners. Gerade solche Urteile, wie sie auf Grund des § 130 ergangen seien, und zrvar namentlich gegenüber Mitgliedern der sozialdemokratischen Partei, wirktenaufreizend", gefährdeten den öffentlichen Frieden rmd reiztenzu Gewalttätigkeiten an. Wenn trotz folcher Urteile die Betroffenen sich nicht zu Gewalttätigkeiten biu- reißen ließen, so liege das nur an dem gesunden Sinn der Sozial­demokraten. Redner exeemplifiziert insbesondere auch auf die neueste Prezesczang'sche Broschüre. _ Der vorliegende Antrag gehe nicht weit genug, der § 130 müsse ganz wegfallen. Allerdings würden seine Freunde den Antrag gleichwohl annehmen.

Abg. Dove (frs. Vg.): Die von dem Antragsteller nütgeteiUen /Urteile seien ein Beweis, daß der § 130 vollständig falsch ausgelegt werde. In dem vorliegenden Anträge erblicke man das Bestreben des Antragstellers, eine andere Formulierung des Paragraphen zu versuchen, die mehr als bisher solche Mißgriffe ausschließt. Wir werden daher den Antrag unterstützen.

Abg. Bachem (Ztr.). Aiich wir haben von beit hier ange­führten Fällen, wenn sie wirklich so liegen, den Eindruck ge­wonnen, als ob die Recktspstege hier ans Irrwegen sei. Justiz und Politik scheinen uns bei diesen Urteilen nicht genügend aus­einandergehalten zu sein. Wenn aber die Justiz der Politik Dienste leiste, so hat sie ihren Beruf verfehlt. In den Ostmarken hätten anscheinend die Richter nicht immer ihre Stellung genügend ge­wahrt; sie hätten sich beeinflussen laßen durch politische Kämpfe. Redner erklärt sodann mit seinen Freunden dem vorliegenden An­träge zustimmen zu wollen, hält ober für richtig, die Worte darin .feilens des Reichsgerichts" zu streichen.

Abg. Jessen (Däne) erzählt, wie aus einem Feste in Apen- rade in Anwesenheit von Vertretern der Behörde ein Lied ge­lungen worden sei, in dem u. a. der Elefantenorden, den doch auch her Kaiser trage, und der bekannte offene Brief verhöhnt worden fei, den 1846 oct Staatssekretär von Bülow, der Vater des jetzigen Reichskanzlers, geschrieben habe. Dasselbe Lied sei ebenfalls in Anwesenheit von Vertretern der Behörden auch an anderen Orten gesungen worden. In diesem Falle habe der Staatsanwalt nichts getan. Damit kontrastiere lebhaft das ftaalsanwaltliche Vorgehen gegen Dänen.

Abg. Bruhn (Antis.) verbreitet sich darüber, welche auf­reizenden, ungenügend begründeten Urteile auch gegen Antisemiten ergingen.

Hierauf wird der Antrag von Ehrzanowski an­genommen. Dagegen stimmen nur die Konservativen und Nationalliberalen.

Morgen Weiterberatung be§ Kolonial-N achtrags- Etats.

polUlfdte Tagesschau.

Zn dem Ausschluß beS Schriftstellers Bernhard aus dem sozialdemokratischen Wahlverein des zweiten Berliner Reichstagswahlkreises erklärt der Vorsitzende jetzt auf eine Aufforderung Bernhards hin folgendes:

,B. bezahlte seine Bcstiäge (in letzter Zeit nicht selbst, sondern durch einen anderen Genossen) an den Bezirksführer bis in den Dezember 1904. Lon da ab unterließ er es. Der Vorstand erhob

deshalb keinen Vorwurf, bemühte sich auch nicht darum, ob Genöße B. anderswo organisiert ist, weinte ibm ober auch keine Träne nach. Wie der Vorstand zu seiner öffentlichen Mitteilung kam? Veranlaßt durch das Urteil imPlu1us"-Artikel über die Forderungen des Bundes der Landwirte wurden mehrere schrift­liche und mündliche Anfragen an den Vorstand gerichtet, ob Ge­nöße B. noch Mitglied des WahlvereinS oder ob er im Bund der Landwirte organisiert sei. Nun sah sich der Vorstand veranlaßt, alle diese Fragen dadurch zu erledigen, daß er den Mitgliedern in der Versammlung zur Kenntnis gab, daß der Genöße B. nicht mehr Mitglied, sondern freiwillig ausgeschieden sei dadurch, daß er keine Beitrage mehr zahlte. Ter Vorstand glaubte, dadurch seien alle diese Fragen erledigt."

Aus dem allen sieht man, wie gern man doch Herrn Bernhard loS sein wollte, der indcS in Zuschriften an mehrere Berliner Blätter erklärt, daß ernach wie vor Mitglied der sozialdemokratischen Partei* sei. Noch ist es also nicht ge­glückt, ihn abzttschütteln, aber eS wird schon noch gelingen, denn wo ein Wille ist, da findet sich auch ein Weg.

*

Heber die Adelnvg der Herren Friedländer und Caro weiß jetzt eine Berliner magistratsoffiziöse Korrespondenz folgendes mitzuteilen:

Fritz Friedländer und Dr. Georg Caro, zwei in Preußen sehr bekannte Geih. Kommerzienräte, sind vom Kaiser geadelt worden. Diese Auszeichnungen sind vielen nicht überraschend ge­kommen, haben aber, wie es scheint, hier und da, besonders in Kreisen, die dem Hofe fern stehen, Aufi'ehen erregt Geh. Kom­merzienrat Fritz v. Friedländer, der Höchstbesteuerte in Berlin, ist katholisch, und besaß schon den Adelstitel eines ausländischen Staates seit längerer Zeit. Ob Derr v. Fricdländcr-Fuld an der Zehnmillionenspende zur Unterstützung jüngerer Offiziere be­teiligt ist, wissen wir nicht. Dagegen ist uns bekannt, daß Herr b. Friedländer-Fuld und der protestantische Geh. Kommerzienrat Dr. v. Caro die deutsche Politik, besonders die preußische, durch Ankauf "von polnischen Gütern wirksam unterstützt haben. Wir wissen ferner, daß v. Friedländer-Fuld sehr viel für die Jagd in der Mark Brandenburg getan hat, und daß er dieHäuser amPariserPlatzneb endem Branden­burger Tore angekauft hat, nachdem die Stadt den An­kauf der Häuser zur Freilegung des Brandenburger Tores ab­gelehnt hatte. Diese Häuser sollen niedergelegt werden. In Ver­bindung mit diesem Plane steht das Projekt der Erbauung eines Tunnels vor dem Brandenburger Tore und eines TunnelsUnter den Linden" zur Aufnahme der Geleise der Großen Berliner Straßenbahn.

Aus StaM und Land.

Gießen, den 16. März 1906.

** Ruhestands Versetzungen. S. K. H. der Großherzog haben den KreisveterinärarzL des Kceisveteri- näramts Alsfeld Dr. Friedr. Eise wegen geschwächter Gesundheit mit Wirkung vom 16. März d. I. an auf sein Nachsuchen und unter Verleihung des Charakters alsVete- rinärrat" in den Ruhestand versetzt. In den Ruhestand versetzt wurde der Weichensteller in der Hess.-Preuß. Eisen­bahngemeinschaft Kaspar Hönig zu Mücke.

**P farrpersonalien. Ernannt wurden: Pfarr­verwalter Fresenius zu Burg-Gemünden, unter Be­lassung in seiner seitherigen Eigenschaft, zum kommiss. Vertreter des Verwalters der 2. Pfarrstelle zu Lauter­bach, Pfarrassistent V eiter zu Schotten zum Pfarrvikar in Grob-Rohrheim, Pfarrv-erWalter Schellmann, zuletzt zu Lauterbach, zum Pfarrvikar in Ober-Ingelheim. Zur Wiederbesetzung werden ausgeschrieben eine evcrng. Pfarr­stelle zu Friedberg, die evang. Pfarrstelle zu Gronau, dem Fürsten zu Erbach-Schönberg steht das Präsentations­recht zu.

**DerNachweisderBefähigungzurUeber- nahme eines Kirchenamts ist erbracht tvorden von den katholischen Geistlichen Joh. Blatz aus Herrnsheim, Jos. Epple ans Offenbach und Karl Schmitt aus Ohmes.

** Kunstv erein. Ter Ausstellung sind 3 Gemälde, Landschaften von unserem einheimischen Künstler W. Barthel, auf einige Tage üb errate seit worden. Kommende Woche findet ein vollständiger Wechsel der Gemälde statt. Tie Arbeiten des Original-Radiervereiits München bleiben nur noch bis zum Mittwoch nächster Woche ausgestellt, von da ab gelangt u. a. eine Kollektion Aquarelle von Prof. Otto Gunther-Naumburg-Charlottenburg zur Aus­stellung.

** M i t Vornamen reich gesegnet ist ein am 15. August 1886 geborener Herr Heininger zu Mainz. Er hatte die Auswahl unter den klangvollen Namen Ludwig, Johann, Baptist, Viktoria, Barbara, Katharina und Thekla. Die Behörde fühlte ein menschliches Rühren und gestattete ihm, die weiblichen Vornamen abzulegen, sodaß er in Zu­kunft nur noch über die Namen Ludwig Johann Baptist verfügen kann.

** Einen hübschen Titel erhielt der Hof- theatergarderobe-Vorstaud Konrad I a e o b i zu Darm­stadt. Er darf sich nämlich vom 22. Febr. d. I. ab o f == theatergarderobe-Jnspektor" nennen.

** Die Umlage der land- und forstwirt­schaftlichen Berufsgenossen schäft für Hessen für das Jahr 1905 beträgt 737113.36 Mk. Sie setzt sich zusammen u. a. aus 672400.23 Mk. Entschädigungsbei-- trägcn und Kosten.der Uufallunterfuchungcn, 6669.70 Mk. für Unfallverhütung, 9872.18 Mk. Schiedsgerichtskosten, 38.80 Mk. Kosten des Landesversicherungsamtes, 44102.93 Mark Verwaltungskosten, 14 306.71 Mk. Hebgebühren. An Zinsen und sonstigen Einnahmen sind 17 748.22 Mk. vorge­sehen. Da die Gesamtsumme der beitragspflichtigen Steuer­kapitalien einschließlich der der Nebenbetriebe 8 304 428 Gulden (14 236162.3 Mk.) beträgt, ergibt sich ein Ausschlag von 8.88 Pfg. auf den Gulden Steuerkapital (5.173 Mk. auf die Mark).

§ Rodheim a. d. Bieber, 13. März. In Fellings­hausen wurden dieser Tage durch den dortigen Jagd­pächter Bürgermeister Wagner wieder 2 Hirsche zur Strecke gebracht.

g. Södel, 13. Marz. Der im Jahre 1896 gegründete hiesige Turnverein feiert am 23., 24. und 25. Juni d. I. ein Turnfest verbunden mit Fahnenweihe. Liefe­rant der Fahne, die in Seide und feinster Handstickerei hergestellt ist, ist Hermann Hisgen jun. in Lich (Oberh.). Es ist dies eine altbekannte Firma, die -schon vor 60 Jahren die jetzt noch tadellose Fahne des hiesigen Gesangvereins lieferte.

)( Aus dem Vogelsberg, 14. März. Die Kra- n i ch e sind diesmal bei ihrem Rückstrich nicht Boten des kommenden Frühlings gewesen, als die sie die Volkswetter­kunde bezeichnet, sondern hart auf ihren Rückstrich ist der Winter gekommen und zwar in einer Stärke, die wobl zum Christ-, aber nicht zum Früblingsmonat paßt. Die Schneedecke liegt halb fußhoch, im oberen Teil des Ge­birges über fußhoch. Dazu weht eine eisige Luft, sodaß heute morgen die Fenster mit Eisvorhängen bedeckt waren. Der Lerchensang ist verstummt; die Lerchen befinden sich in großer Not und kommen in die Nähe der Ortschaften. Erfahrungsgemäß kommen bei solchen Nachwintern viele

dieser Frühlingsboten um. Man sollte deshalb nfchk säumen und in der Nähe der Dörfer Futterstellen er­richten, zumal man eine Minderzahl der Lerchen ohnehin zu beobachten vermeint. Tie Schneeglöckchen sind Heuer Glöckchen des Schnees, die nicht dem Frühlinge, sondern dem Schnee läuten. Dazu erklingt wirkliches Schellen­geläute der Fuhrwerke und der Schlitten.

Pfungstadt, 14. März. Tie Darmstädter Staats­anwaltschaft hat wegen des Falles Rothschild folgendes Ausschrciben erlasicn: Am Montag, den 12. d. Mts., vormittags, wurde die 81 Jahre alte alleinstehende Witwe Aron Rothschild von Pfungstadt in einem Holzsiall ihrer Hof- reite mit mehreren Stichwunden am Halse tot anfgefimden. Die Feststellungen ergaben, daß die Verlebte tag? vorher, nachmittags 1 Uhr, noch am Fenster gesehen worden war, von 4 Uhr ab in ihrer Wohnung vermißt rourbc Nach der Sachlage ist ein N a u b m o rd nicht a n s g esch l o ssen. Das Haus wurde verschlossen gefunden, der Hausschlüssel fand sich jedoch nicht vor, ebenso auch nicht da§ Instrument, mit dem die Verletzungen verursacht worden sind. An Wertgegen­ständen aus der Wohnung werden vermißt:

Eine alte goldene Darnenschlüsstlubr ohne Sprungdeckel, 18 kar. Gold, Jimendeckel von Messing, Zifferblatt mit römischen Zahlen, Fabriknummer 9309. Auf dem Rückdeckel findet sich ringsum ein Kranz, bestehend aus schwarzen runden Punkten, und auf der Mitte des Deckels eine schwarze Blume. Die dazu­gehörige Kette, s-bwere^gvldene Panzerkette, lang, zum Umk^ngen, mit ovalem goldenem Schieber, auf dem gleichfalls eine schwarze Blume sich befindet. Ferner eine goldene Herrenuhr, die nicht näher bezeichnet werden kann, und auch etwas Geld, vielleicht 30 Mk., die vorhanden gewesen seien, die möglicherweffe gestohlen worden sind. Bezüglich der Täterschaft fehlt jeder Anhaltspunkt und es wird um Anstellung geeigneter Ermittelungen und Nach­richt an die hiesige Staatsanwaltschaft ersucht.

Mainz, 13. März. Im Laufe dieses Jahres wird die Zahl der Schutzleute in unserer Stadt von 103 auf 131 erhöht werden. Die Vermehrung ist im In­teresse der nächtlichen Sicherheit der Stadt dringend ge­boten. Außerdem ist eine Vermehrung der Kriminalpolizei und die Einrichtung einer besonderen Gesundheit s> Polizei für den äußeren Dienst vorgesehen. Die Gesamt­kosten für die Vermehrung des Polizeipersonals betragen 40 000 Mk. jährlich. In einer gestern abgehaltenent Wahlkreis-Konferenz der sozialdemokratischen Partei wurde beschlossen, die hier erscheinendeVolksztg." in Par­te i b e s i tz zu überführen. e (Frkf. Z.)

Dillenburg, 14. März. Unsere Stadt hctt zurzeit eine ganze Anzahl hochbetagter Leute aufzuweisen, ein Beweis dafür, daß unsere klimatischen Verhältnisse recht günstig sind. Es leben hier bei einer Bevötkerungsziffev von etwas über 5000 Einwohnern 127 Personen im Alter von über 70 Jahren, darunter sind 27 80 Jahre und dar­über und unter diesen wieder 2 über 90 (97 und 95) Jahre alt. (A. f. d. Dillt.).

s. Marburg, 14. März. In dem ganzen kurhessischen Oberhesien fällt seit 2 Tagen ununterbrochen Schnee. Im nördlichen Kreise Frankenberg, in den Hinterländer und Wittgensteiner Bergen und im angrenzenden Sauerlande liegt der Schnee über Fuß hoch. Bei eintretendem WittermigS- umschlag wird wieder Hochwasser befürchtet.

Marburg, 14. März. Wie die ,Hess. Ldsz.) mitteilt, ist hier der Neubau einer großen Privatklinik in Aussicht genommen. Es soll mit dem Bau bereits am 1. April begonnen werden. Die Arbeiten sollen so be­schleunigt werden, daß man hofft, die Klinik schon am 1. Juli n. I. eröffnen zu können. Unternehmer sind die Professoren Dr. L. Brauer, Direktor der medizinischen Klinik, Opitz und Suttner. Das Gebäude, mit den neuesten Erfind­ungen und Einrichtungen auf wissenschaftlich-technischem Gebiet ausgestattet, soll mindestens 300 000 Mk kosten.

Dodenau, 13. März. Bei den Schürfungsarbeiten au der Ederbahn hat sich gestern ein schweres Unglück ereignet, wovon zwei Familien hart betroffen werden. Drei jugendliche Arbeiter trugen etwa 80 Pfd. Sprengpulver von einer Arbeitsstelle zur andern, als plötzlich das ganze Pulver explodierte. Tie Jungen erlitten arge Brandwunden an Händen und Gesichtern und ihre lichterloh brennenden Kleider versuchten sie durch Walzen auf der feuchten Wiese und Eintauchen im nahen Wasser zu löschen, was auch gelang und weitere Verletz­ungen hinderte. T-ie Gesichter sind derart zerfetzt und ver­schwollen, daß die armen Menschen nicht mehr zu ertennett sind. Wunderbarerweise find die Augen unverletzt ge­blieben. Nach Ansicht der Aerzte dürften sie mit dem Leben^ davon kommen. (Hess. Ldsz.)

Vermischter.

Zur silbernen Hochzeit des Kaiserpaares hat der türkische Sultan silberne Vasen, Teppiche und VelourS- stoffe geschenkt. Nach dem »Tag" haben Kaiser und Kaiserin besondere Angebinde erhalten: der Kaiser vier große Vasen, die Kaiserin vier Jardinieren aus der türkischen Porzellanmanufaktur. Ferner hat der Kaiser etwa ein Dutzend Teppiche, halbseidene und reinseidene, erhalten; die Kaiserin empfing die gleichen Teppiche, unter denen Gcbetsteppiche^ vorwiegen. Außerdem wurde die Kaiserin mit herrlichen Schals und einer Ausstattung von Velours­stoffen in antiken und modernen Mullern bedacht, die zum Bekleiden von Polstermöbeln bestimmt sind. Die Geschenke wurden durch eine vom Berliner türkischen Botschafter geführte Spezialgesandtschaft überbracht, bestehend aus dem Brigade­general Nahmy-Pascha und dem Major Nadjini. Ersterer er­hielt den Roten Adlerorden erster Klaffe, dieser den gleichen Orden zweiter Klaffe.

Das verschwindende England. Man hat bis­her nur von beunruhigenden Abbröckelungen an der Ostküste von England gesprochen, während an der Westküste ver­schiedene Anzeichen für das Zurücktreten der See zu beobachten waren. Die Nachricht, daß auch ein Teil der Westküste nun­mehr durch die Untcrwaschungen der See gelitten hat, kommt daher außerordentlich überraschend. Vor 60 Jahren wurde in Blackpool, einem heute bedeutenden Badeort, das erste Restaurant,Cnfel Toms Hütte", errichtet. Es lag 800 Meter von denr Strande entfernt. Heute steht nur noch ein Teil des Gebäudes auf turmhoher Klippe. Jede Springflut kann cs mit sich reißen. Als die Besitzer des Gebäudes um die Erlalibnis einfonicn, dasselbe zu einem neuen Hotel ausbauen zu dürfen, erhielten sie statt besten den Befehl, das Gebäude als gefährlich einu'reißen. _____________________________________

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