Nr. 163 Drittes Blatt
156. Jahrgang
Samstag 14 Juli 1906
Erscheint mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gießener Zamilienblätter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigdegL Der -hessisch« Landwirt*' erscheint monatlich einmal.
Rotationsdruck und Verlag der 8rü bk'scheu Universitätsdruckerei. 9L Lange, Ätetz«.
Redaktion. Expedition u.Druckerei: Schulstr.A.
Tel. Nr. 6L Te!egr.-Adr.: Anzeiger Dietz«,
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehe».
ungangbar erwiesen. Deshalb hält der Verbandstag cs für
Potttische Lagesscharr.
Das neue Kommuualrecht in Württemberg.
Aus Stuttgart schreibt man:
Schlag auf Schlag folgen sich jetzt im lvürttembcrgischen Landtage die wichtigsten Entscheidungen. Nachdem am 9. Juli die Verfassungsreform endgiltig zur Verabschiedung gelangt ist, ist jetzt auch das Schicksal der großen Verivaltungsreform, die eine umfassende Neugestaltung der Gemeindeordnung und dec Bezirksordnung in sich schließt, in einem günstigen Sinne entschieden worden. Erste und zweite Stnnimer haben sich auch in dieser Angelegenheit geeinigt, und so kann auch dieser Entwurf, der am 11. Juli 1902 von der Negierung vorgelegt wurde, also den Landtag volle vier Jahre beschäftigt hat, endlich verabschiedet werden. Der Hauptstreitpunkt betraf die Abschaffung der Leben slänglichteit des Ortsvorstch eramtes, die zugleich auch den Ausgangspunkt des ganzen GesetzgebungslverkeS bildete. Die Kammer der Abgeordneten hatte schon vor Jahren einmal die Abschaffung der Lcbenslänglichkeit der Ortsvorsteher beschlossen, die Kammer der Standesherren war aber dieseiu Beschlüsse nicht beigetreten, sondern hatte sich die Erledigung dieser Materie im Zusammenhang mit einer gründlichen und durchgreifenden Reform des gesamten Verwaltungsapparates vorbehalten.
Mit der parlamentarischen Verabschiedung der Verwalt- ungSreform wird jetzt die Abschaffung der Lebenslanglichkeit des Ortsvorsteheramtes Gesetz und an die Stelle der Lebens- länglichkeit tritt die periodische Wahl auf zehn Jahre. Gegen diese Neuordnung der Dinge, die, wie die Verfassungsreform, einem seit dem Jahre 1848 ost geäußerten Wunsche des Volkes entspricht, erhob die Kammer der Standesherren leinen Widerspruch, wohl aber versagte sie dem von radikaler Seite durchgesetzten Beschluß der Abgeordnetenkammer, wonach das neue Gesetz auch auf die schon vor der Neuordnung der Dinge gewählten Ortsvorsteher Anwendung sinden sollte, ihre Zustimmung und zwar auch dann noch, als man sich in 2>er Abgeordnetenkammer auf eine partielle Rückwirkung auf die seit 1. Januar 1905 gewählten Ortsvorsteher beschränken wollte. Man wird nicht leugnen können, daß es sich hier uni wohlerworbene Rechte handelt, und in den gemäßigten Kreisen des Volkes empfindet man deshalb lebhafte Befriedigung, daß die Kammer der Abgeordneten sich in ihrer Schlußabstimmung vom 10. Juli dieser Auffassung der Kammer der Standesherren angeschlossen hat. Ein Vorschlag des Negierungsentwurfs, die Einführung des Magistratsverfassung für die großen Städte, ist leider von der Abgeord- netenkainmer ab gelehnt worden. Die bürgerlichen Kollegien bestehen an§ Gemeinderat und Bürgerausschuß. In den kleineren Städten und Landgemeinden besteht der Gemeinderat außer dem Ortsvorsteher aus 4 bis 16 Mitgliedern und zwar in den Gemeinden 1. Kl. (4000 bis 10 000 Einwohner) aus 8 bis 16, in denen der 2. Klasse (1000 bis 4000 Einwohner) aus 6 bis 12, in denen der 3. Klasse (bis zu 1000 Einwohner) aus 4 bis 8. Die Zahl der Mitglieder des Bürgerausschusses ist in diesen Gemeinden ebenso groß wie die der Mitglieder des Gemeinderats mit Einschluß des Ortsvorstehers.
In den größeren Städten („große Städte": mehr als 50 000 Einwohner, „mittlere Städte": 10 000 bis 50 000 Einwohner) besteht der Gemeinderat aus dem Ortsvorsteher, einer Anzahl von unbesoldeten und, wo das Bedürfnis es erfordert, einem oder mehreren besoldeten Mitgliedern. Die Zahl der unbesoldeten Mitglieder beträgt in den mittleren Städten 12 bis 24, in den großen Städten von mehr als 50 000 bis 100 000 Einwohnern 18 bis 30, von mehr als 100000 Einwohnern 24 bis 42. Die Normalzahl der Mitglieder des Bürgerausschuffes ist hier ebenso groß wie die der Mitglieder des Gemeinderats mit Einschluß des Ortsvorstehers und der besoldeten Gemeinderatsmitglieder.
Die Gemeinde wähl en erfolgen in den Städten von mehr als 10000 Einwohnern auf dem Wege der Proportionalwahl. Auch die Bezirksordnung hat eine den neuzeitlichen Anforderungen entsprechende Regelung erfahren.
Somit ist nun auch die dritte der großen Reformen, die die württembergische Gesetzgebung seit Jahren und Jahrzehnten beschäftigt haben, Steuerreform, Verfassungsreform und Verwaltungsreform, glücklich zum Abschluß gebracht, und der Landtag, der jetzt seinem Schlüsse entgegengeht, kann lomit als einer der ersprießlichsten in der ganzen parlamentarischen Geschichte Württembergs bezeichnet werden. Am Ende des Jahres folgen die Neuwahlen 311m Landtage unb Zwar auf Grund des neuen Verfaffungsgesetzes.
Renta-ilitätsanssichten auf der Nebenbahn Butzbach-Lich.
(Original-Artikel des Gießener Anzeigers.)
8. Butzbach, 13. Juli 1906.
Es ist eine bekannte Erscheinung, daß die finanziellen Resultate neuer Eisenbahnen für gewöhnlich in den ersten Jahren keine günstigen sind. Solche Erscheinungen fönnen vielerlei Ursache haben. Zunächst ist es zu einem nicht geringen Teil die konservative Bevölkerung der dem Bahnverkehr aufgeschlossenen Gegend, die immer erst nach einer geraumen Zeit die Vorteile einer Bahn anerkennt und sich des neuen Verkehrsmittels bedient. Aber häufig ist auch die Ursache einer ungünstigen Bilanz dann zu suchen, daß den örtlichen Verhältnissen und der Eigenart der ganzen Gegend von Seiten der B a h n v e r w a l t u n g 3 u wenig Rechnung getragen wird. Hier bietet sich für das scharfe Auge eines Verwaltungsbeamten ein dankbares Arbeitsfeld. Auch bei der Nebenbahn Butzbach-Lich mußte man nach bem ersten Betriebstahr die bedauerliche Wahrnehmung machen, daß der Jahresabschluß ein Defizit von etwa 28000 Mark aufwies, was den Aktionären, und vor allem der Bahnbaugesell- schäft von Lentz 11. Co. Berlin zu denken gab. Zunächst fud)te ntan durch Schaffung besonderer Ausnahmetarife für Wagenladungen mit dem sehr bedeutenden Fuhrwerksverkehr vorteilhaft in Kon- kiirrenz zu treten. Hierbei handelte es sich auch darum, die kaum 3,25 Kilometer lange Teil-Strecke Griedel-Butzbach für die in Be
tracht kommenden Erzeugnisse rentabel zu machen. Ter bis dahin geltende Tarif für Steine wurde nun um 5 0 °/n ermäßigt, sodaß die Gebühr für bie'c Teilstrecke, welche seither mit 8 Mark für die Wagenladung viel zu hoch war, nur die Hälfte kostete. Alle von Griedel und R 0 ck e n b c r g seither mit Fuhrwerk nach Butzbach--Staatsbahn Hof beförderten Quarzitsteine kamen nunmehr in Griedel zur Verladung. Tiefer Ausnahmetarif kam ben Unternehmern der Steinbrüche umsomehr von ftatten, als auch die Staatsbahnen einen vorteilhafteren Tarif ausarbeiteten, der eine äußerst günstige Beförderung ber ©teine bis zum Frankfurter Hafen vorsah, wohin ber größte Teil bes inbuftrieHen Zwecken bienenben Quarzitsteines versanbt wirb. Das finanzielle Ergebnis dieser Verbilligung des Wagentarifs war, daß man auf der Station Griedel, ivo vorher fast gar feine Wagenladungen in Betracht kamen, noch in dem lausenden Kalenderjahr 1905 nicht weniger als 11 264 69 Tonnen Waggonfrachtgut zählen konnte, das dort aufgegeben wurde. Ebenso konnten die Steinbrüche bei Trais-Münz en berg nach Verbilligung des Tarifs auf der Station Mufchenheim noch mehr als in Griedel (11 572,06 Tonnen) verladen. Ein Vergleich gegen das Vorjahr (1904) läßt sich nicht ziehen, da den obigen Zahlen das Kalenderjahr 1905 zu Grunde liegt unb bic Inbetriebnahme ber Strecke erst am 28. März 1904 erfolgte.
Immerhin bürsten folgenbe Zahlen aus ber Verkehrsstatistik bes Jahres 1905 von allgemeinem Interesse sein: Es würben an Wagenladungen aus der ganzen Strecke aufgegeben 36 633,67 Tonnen, ferner an Stückgütern 2 164,87 Tonnen, woran die Haltestelle Hosgüll am stärksten — allein mit 539,59 Tonnen — durch den bedeutenden Mi'lchversanbt beteiligt ist. — Von Großvieh wurden 2088 Stück verladen, wovon auf die Station G a in b a cf) allein 1188 Stück entfallen. An Kleinvieh kamen zum Versand 1522 Stück (Gambach allein 857 Stück). Personen wurden 1905 im Ganzen 232 023 befördert. Tie Station Butzbach-Ost hat die stärkste Frequenz mit 63 020 Personen.
Das finanzielle Ergebnis des Personenverkehrs entsprach nach bem ersten Jahresbericht ber Eisenbahngesellschast nicht ben Erwartungen, ba sich etwa 95 Prozent ber Passagiere ber 4. Wagen klasse bebienten. Eine Erhöhung bes Fahrpreises seit 1. Januar b. Js. für diese Wagenklasse verspricht bis jetzt noch keinen merklichen Erfolg.
Soviel läßt sich nach dem abgelauienen zweite Geschäftsjahr feststellen, baß die Einnahmen gegen das Vorjahr besonders durch den wesentlich regeren Güterverkehr günstiger geworden sind. Sie betragen für 19Ö5 06 etwa 81500 Mark, was gegen das erste Rechnungsjahr 1904/05 eine Mehreiunahme von rund 1 0 0 0 0 'M a r f bedeutet.
Wesentlich günstiger noch dürfte aller Voraussicht nach das laufende G e s ch ä f t s j a hr abschließen. Ich lasse hier die Zahlen der „Monatlichen Nachweise ans dem Neichseifenbahnamt" folgen, darnach ergaben die Einnahmen berBuhbach-Licher-Eisenbahn vom April d. Js. ein Mehr von 2600 Mark, für den Mai ein Di ehr von 1350 Mark gegen das Vorjahr.
Auch der verhältnismäßig ruhige Juni wird dieses Jahr allein durch eine Tageseinnahme vom 17. Juni (am Trachtenfest) mit 2130 Mark ein bedeutendes Mehr gegen den gleichen Monat des vergangenen Jahres ergeben.
Danach sind also die besten Aussichten dafür vorhanden, daß von dem zukünftigen Rechnungsjahre ab, die eine reiche Gegend aufschließende Nebenbahn Butzoach-Lich mit einem Gewinnijber- schuß arbeitet.
Aus Stafct und Land.
Gießen, ben 14. Juli 1906.
* * Telefon - Anschlüsse. Im Jnieresie möglichst frühzeitiger Jnangriffnehme der Arbeiten zum weiteren Ausbau der Fernsprechanlagen ist es erforderlich, daß die An- meldungen neuer Fernsprechanschlüsse spätestens bis zum 1. August den Telegraphcnanstalten vorliegen. Verspätet angemeldete Anschlüsse, die infolgedessen außerhalb des Bauplanes nur mit Mehraufwendungen (z. B. durch besondere Entsendung einer. Baukolonne u. s. w.) hcrzustellen sind, werden in dem nächsten Bauabschnitt nur dann ausgeführt, wenn die Antragsteller zu den entstehenden Mehrkosten einen Zuschuß von 15 Mk. leisten oder wenn diese Mehrkosten den Betrag von 50 Mk. übersteigen, den wirklich aufgewendeten Kostenbetrag erstatten.
* * Jubiläums-Rheinfahrt. Aus Anlaß der 2 5 j ä h r. Bestehens des Verbandes Deutscher Handlnngs- g e 1) ü l f e n zu Leipzig veranstaltet der Rhein-Main-Gau dieses Verbandes, dem bic Kreisoereine Aschaffenburg, Bacharach, Biebrich, Tarmstabt, Dillenburg, Frankfurt, Gießen, Kreuznach, Mainz, Miltenberg, Offenbach. Wetzlar, Wiesbaden und Worms angeboren, eine Rheinsahrt von Mainz nach St. Goar unb zurück am Sonntag, ben 5. August. Tie Abfahrt bes gefchmückten Extra-Dampfers erfolgt vormittags um 91/, Uhr. Das Mittagessen wird in Oberwefel eingenommen unb ist mit einem Festakt uerbunben. Tie Kapelle des Infanterie-Regiments Nr. 88 konzertiert während der Fahrt.
* * Gabelsberger Stenographentag. Der 27. Verbandstag des Hessen - Nassauischen (Main - Rheingau) - Verbandes Gabelsberger Stenographen hat vom 7. bis 9. Juli zu Wiesbaden unter außerordentlich großer Beteiligung ftattgemnben. Aus dem Jahresbericht ergibt sich, daß ber Verbanb aus 95 Vereinen (gegen 85 int Vorjahre) besteht, bie sich auf bas Großherzogtum Hessen, Walbeck, die Provinz Hessen-Nassau und einen Teil ber Nheinprooinz erstrecken. In ben Dorstanb wurden wiedergewählt: Direktor Dr. Pitz- Alsselb (1. Vorsitzender), Eisenbahnsekretär Haupt-Kassel, Zeichner Jäger-Kassel, Professor Kramer- Friedberg und Oberlehrer Pfaff- Darmstadt. Ter Verband hält auch ferner Praktikerprüsimgen ab und will die Einrichtung einer Lehrerprüfungskommission ins Auge fassen. 9(15 Ort für den nächstjährigen Verbandstag wurde Bingen bestimmt. 9(n bem Wettschreiben beteiligten sich ca. 140 Damen unb Herren; bas Ergebnis konnte noch an bemfelben Tage veröffentlicht werben. Tie Festversammlimg, bie in ber Aula des König!. Gymnasiums statt- fanb, mürbe tun 3 J2 Uhr eröffnet. Der Vorsitzende des Wiesbadener Vereins, Dr. Kranz-Busch, warf einen Blick auf die Entwickelung der Stenographie in Wiesbaden, die schon zu Leb- zeiten Gabelsbergers hier ausgeübt wurde. Direktor Dr. Schmitt- Wiesbaden begrüßte die Versammlung in ben Räumen feiner Anstalt - er stehe bem Systemkampf neutral gegenüber, ein einheitliches System für ganz Teutschlanb erscheine ihm von kultureller Wichtigkeit. Tie Gebauten über die deutsche Einheitsstenographie enhviefefte der Festredner, Kammerstenograph S ch a i b l e - Stuttgart Er gab einen Ueberblick über die Stenograpknesysteme, ben Unterschieb ber Systeme Gabelsberger unb Stolze-Schrey unb bie Wege, die zu einem Einheitssystem führen können. Ter Verbands- Vorsitzende teilte mit: .
<^er am 7. unb 8. Juli 1906 in Wiesbaben abgehaltene 27 Verbanbstag bcs Hessen-Nassauischen Verbandes Gabelsberger Stenographen hat folgende Entschließung gefaßt: „Die Stenographie ist in unserer Zeit für Handel und Verkehr unentbehrlich. Ihre allseitige Verwertung wird gehindert durch die bedauernswerte Vielheit der Systeme. Alle bisher eingeschlagenen Wege zur S ch a f V- ung eines deutschen Einheitssystems haben sich als
dringend erwuiucht, daß nach dem Vorbilde der Orthographie- konferenz vom Jahre 1901 durch eine aus Vertretern der einzelnen Regierungen des deutschen Sprachgebietes zufammengesetzte Konferenz die baldige Schaffung einer deutschen Einheitsstenographie herbeigeführt werde."
Ter Vorsitzende gab der Hoffnung Ausdruck, daß unserem deutschen Volke bald das große Gut einer Einheit auf slenograph. Gebiete beschert werden möchte, erst bann könne bie Kurzschrift ihre Aufgabe als Kulturfaktor erfüllen.
** Touristenkarte vom Vogelsberg. Zu den beiden von uns bereits erwähnten Karten Oberhessens tritt nun noch eine dritte. Herr Gustav Mandt in Lauterbach sandte uns eine so-ben bei ihm erschienene „Touristenkarte vom Vogelsberg mit angrenzenden Gebieten nebst Angabe der Wegemarkierungen" (Preis 1 Mk. 20 Pfg.). Diese Karte, deren kurzer begleitender Text der Meinung Ausdruck giebt, daß „für Sommerfrischler, insbesondere für solche, die an nervöser Abspannung, Schlaflosigkeit und Appetitmangel leiden, es wohl wenige Gegenden in Deutschland giebt, die geeignet sind Besserung zu schaffen, wie der Vogelsberg/ unterscheidet sich von den früher von uns an dieser Stelle erwähnten dadurch, daß sie im wesentlichen eben nur den Vogelsberg darstellt. Sie erstreckt sich von Homberg, Grünberg, Laubach und Nidda einerseits, bis Schlitz und Fulda andererseits. Den Mittelpunkt bildet der Oberwald bei Herbstein und Ilbeshausen. Ferner ist der Maßstab dieser Karte ein wesentlich anderer, 1:80 000 (gegen 1:200 000). Die Sorgfalt der Ausführung ist auffallend beim ersten Blick und sehr ivertvoll die freilich leider nur am Rande, nicht farbig auf der Karte, angegebenen Wegemarkierungen. Allen Vogelsbergwanderern wird diese Karte vorzügliche Dienste tun. Sie sei zur Anschaffung bestens empfohlen.
§ Vom Vog elsberg, 11. Juli. Die Ergebnisse der Beerensträucher sowohl des Gartens als auch des Waldes sind in diesem Sommer int Durchschnitt mäßig. Stachelbeeren und Johannisbeeren tragen, Ausnahmen abgerechnet, nicht reichlich. Auch die Erdbeeren stehen nur vereinzelt, sodaß der Verkauf dieser Früchte, der den armen Kindern ansehnlichen Erlös bringt, geringer ist. DaL regnerische Wetter erschwert auch das Beerensuchen und bringt die Beeren rasch zur Fäulnis. Die Himbeeren, die jetzt erst reifen, leiden gleichfalls unter der anhaltenden Nässe.
Worms, 12. Juli. In einer Versammlung des Wirtevereins gaben die Vertreter der drei hiesigen großen Brauereien bie Erklärung ab, daß von den hiesigen Brauereien der vorläufige Beschluß gefaßt worden sei, den Bieraufschlag mit 1,50 Mk. für den Hektoliter zu bemessen. Die Wirte beschlossen nun, ebenfalls vorläufig den Schoppen (fünf Zehntel Liter) für 13 Pfg. (seither 12 Pfg.) und den „Becher" (nicht über drei Zehntel Liter) für 10 Pfg. zu verkaufen und gleichmäßig vorzugehen. Frf. Z.
sj Marburg, 12. Juli. Heute wurde hier in Anwesenheit des Altertums-Vereins eine sehr reichhaltig ausgestattete Ausstellung Marburger Altertümer eröffnet. — Ans der Landesheilanstalt zu Kloster Haina ist wieder einmal der wegen seiner verschiedenen Brandstiftungen und Ueberfäöe gefürchtete Schmied Junk aus Niederweimar entsprungen. Man glaubt, daß er sich wieder der hiesigen Gegend zugewandt hat, deshalb wurde auch in seinem Heimatsort bekannt gemacht, ihn event. festzuhalten, ehe er wieder Unheil anstiftet.
Die Ber fafsung der israelitischen Religionsgemeinden in Hessen.
Ter Zweiten Kammer ging ein Gesetzentwurf über bie Verfassung unb Verwaltung ber i s r a e I i t i s ch e n Religi ons- gemetnben zu. Die bürgerliche unb politische Gleichstellung ber Israeliten mit den anderen Staatsangehönigen ist in Hessen durck ein Gesetz vom 2. August 1848 gewährleistet. Eine umfassende gesetzliche Regelung ber Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgemeinden unb ber Gesamtheit ber Israeliten wurde wiederholt im Landtage gefordert und soll nun durchgeführt werben. Da- Gesetz gestattet zunächst, baß künftig an einem Orte mehrere israelitische Religionsgemeinben zugelassen werben können. Ten einzelnen Israeliten wirb Freiheit in ihren religiösen Anschauungen unb ben Gemeinben bezüglich ber Formen ber Gottesverehrung unb ber religiösen Gebräuche wie seither bas Selbstbestimmungsrecht zugesichert. Bezüglich ber Vermögensverwaltung und bes Rechnungswesens der Religionsgemeinben werben bie bestehenben Vorschriften mit den neueren Derwaltung^esetzen in Einklang gebracht.^ Die Umlagen sollen nach bem Maßstabe ber staatlichen Einkommens- unb Vermögenssteuer erhoben werben. Ten (5c- meinbeit steht bas Recht ber Wahl eines Rabbiners ihrer Glaubensrichtung zu, welcher nur ber Bestätigung bes Oberrates, ber neuen oberen israelitischen Verwaltungsbehörbe, bebarf. Eine besondere Aufmerksamkeit erfährt ber Religionsunterricht und bic Anstellung von Religwnslehrern. Armen Gemeinben können Zuschüsse zu ben Schulkosten aus ber Zentralkasse ber israelitischen Gesamtheit bes Laubes gewährt werben. Unter gewissen Voraussetzungen sinb ben israelitischen Religionslehrern die Rechte ber Volksschullehrer zu verleihen, wobei ihm Dienstznlagen bis zu 1850 Mk. jährlich unb außerbcm Witwen- unb Waisenversorgnng gemährt wirb. Dem israelitischen Oberrat steht eine Entscheibung über ben Kultus unb Ritus nicht zu; er soll in erster Linie Verstänbigung über Meinungsverschiebcnheiten herbeiführen. Dem erweiterten Oberrat steht bas Recht ber Erhebimg einer Lanbessteuer für bic kirchlichen Bebürsnisse zu. Für bie Verwaltung ber Geldmittel wirb bie Bilbung einer Zentralkasse vorgesehen. Die Zahl ber Israeliten beträgt im Großherzogtum nach ber Volkszählung vom Jahre 1900 24 486, israelitische Neligionsgemeinden gibt es 220. Dem Gesetzentwurf, ber in wahrhaft toleranter Weise ben Bedürfnissen unb Wünschen ber israelitischen Religionsgemeinben gerecht wird, kann nur zugestimmt werden.
in der Entwicklung ober beim Lernen
♦ zurückbleibenbe Kinder, sowie blut
arme, sich mattfübtenbe unb nervöse überarbeitete, leicht erregbare, frühzeitig erschöpfte Erwachsene gebrauchen als Kräftigungsmittel mit großem Erfolg Dr. Hommel's Haematogen.
Der Appetit erwacht, die geistigen und körperlichen Kräfte werden rasch groben, das Gesamt-Nervenshstem gestärkt.
Man verlange jedoch ausdrücklich das echte ,,Dr. Hommel's" Haematogen unb lasse sich keine ber vielen Nachahmungen auf- reben.


