Ausgabe 
2.8.1906 Erstes Blatt
 
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fahiftg im Solmsifchen Schloß untergebracht. Der Kredit- -v e re in'blickt auf ein sehr günstiges Geschäftsjahr zurück; es »wurde ein Gewinn von 9150 Mk. erzielt. Das Gesanu- Dermögen beträgt 450 730 Mk. Bei dem bereits gemeldeten Einbruchsdiebstahl auf der Braunkohlengrube Friedrich bei Trais wurden aus dem Kassenschrank zwischen 9 und 10 000 Mk. gestohlen, die am Samstag hineingelegt und zur Lohnauszahlung bestimmt waren.

§ Schellnhausen, 1. Aug. Das starke Gefälle der durch' unseren Ort fließenden Felda trieb früher einen dem chesi. Staate gehörigen Eisenhammer. Man rühmt heute noch vielfach die ausgezeichnete Qualität der aus diesem Werke hervorgegangenen Produkte, wie Wagenreifcn, Wagcnachsen n. dgl. Mit dem Aufschwung moderner Fabrikanlagen lohnte der Eisenhammer nicht mehr und ging ein. Ein Konsortium ivill nun die staatlichen Gebäude, wozu auch die ehemaligen Oberförstereigebäude gehören, erwerben und eine Holz­schneiderei anstelle des alten Eisenhammers errichten. Der Kaufpreis soll 15 000 Mk. betragen. Die in unmittelbarer Nähe unseres Ortes liegenden großen Waldungen empfehlen eine solche Anlage ohne allen Zweifel.

Mainz, 31. Juli. Der Privatmann Clauter au? ^Monzernheim, der Mörder des Frl. Hofmann,. hat in der Untersuchung unumwunden eingestanden, daß er die Ab­sicht gehabt habe, das Mädchen zu töten, wenn es ihn nicht erhören sollte. Zu diesem Zwecke hatte er sich in Worms einen Revolver gekauft und so lange Schießübungen abgehalten, bis er eine große Fertigkeit erlangt hatte. Gestern nachmittag wurde die Leiche des Mädchens seziert. Die Kugeln wurden nicht mehr gefunden; sie hatten das Herz, die Lunge und die Leber des Mädchens verletzt und waren durch den Körper gedrungen. (Frkf. Ztg.)

Homburg, 1. Aug. Im früheren sog.Englischen Garten" an der Großen Tannenwalds-Allee, der jetzt Eigen­tum der Frau von Brüning ist, steht ein schlichtes Denk­mal, einen Baumstamm darstellend, für das ausgestorbene Landgrafengeschlecht, das aber jetzt dem größeren Publikum nicht mehr zugänglich ist. Der Schöpfer des am 16. d. M. zu enthüllenden neuen Denkmals, dec von dem Kaiser mit der Ausführung betraut wurde, Prof. Gerth aus Berlin, ist hier eingetroffen, um die Aufstellungsarbeiten zu leiten. Das Denkmal ist aus schwedischem Granit her­gestellt und wird eine Höhe von 10 Meter bekommen. Der obere Obelisk hat ein Gewicht von 195 Zentner. Auf der Vorderseite befindet sich das Bildnis des Landgrafen Friedrich und auf der Rückseite das des letzten Landgrafen Ferdinand, gestorben 24. März 1866, außerdem die Namen sämtlicher Landgrafen von Heffen-Homburg, sowie ein Verzeichnis der Schlachten, in denen sich die Landgrafen ausgezeichnet haben. Am Fuße des Sockels sind Trophäen angebracht, rechts und links vom Obelisk Symbole des Glaubens und der Tapfer­keit. DerEmpfang der Hugenotten" durch Landgraf Friedrich II. ist ebenfalls bildlich dargestellt. Das Denkmal wird sich hinter dem Elisabethenbrunnen erheben.

[] Marburg, 31. Juli. Den Höhepunkt der festlichen Veranstaltungen des 50jährigen Beflehens der Lands- mannschaftHasso-Borussia" bildete der Festzug, der sich heute nachmittag durch die im Flaggenschmuck prangende Stadt bewegte. Altdeutsche Fanfarenbläser bildeten die Spitze, es folgten Reiter in Wichs, eine lange Reihe Vierspänner mit den ältesten Semestern und dann in endloser Reihe die einzelnen Jahrgänge bis zu den Aktiven der Landsmann­schaft. Ein herrliches Bild studentischer Pracht. Im Museum sand dann anschließend Festfeier statt. Die Musik wurde ,ausgeführt von den Marburger Jägern und der Gießener Regimentskapelle.

Der Iahrcskericht

der Kroßh. Kandelskammer Hießen ist in der gewohnten Form soeben erschienen. Dem Bericht über die wirtschaftliche Lage entnehmen wir folgende allgemeiner interessierende Mitteilungen:

Wie in den Vorjahren, so bestand auch im vergangenen .Jahre in vielen Erwerbszweigen ein Mißverhältnis zwischen den Produktionskosten und den Ver­kaufspreisen. Die Rohstoffe wiesen im allgemeinen Preissteigerungen auf. Betroffen wurden hiervon fast sämt­liche Metalle, Braunkohle, Koks, Spiritus und ferner die Rohstoffe der Textilindustrie, wie Wolle, Baumwolle, Flachs und Jute. Für weite Kreise der Bevölkerung besonders fühlbar machte sich die Preissteigerung in den Erzeugnissen der Viehzucht, namentlich die Teuerung von Schweine­fleisch. Auch in Halbfabrikaten konnte sich häufig eine Er­höhung der Preise durchsetzen, während die Ganzfabrikate nur in geringem Maße dieser Preissteigerung zu folgen ver­mochten. Die Ursache dieser verschiedenen Preisbewegung ist bis zu einem gewissen Grade in den Vereinigungen und Preisvereinbarungen zu sichen, die für Rohstoffe und einen Teil der Halbfabrikate bestehen, und die einen maßgebenden Einfluß auf die Preisbildung ihrer Erzeugnisse besitzen und ihn auch auszuüben wiffen. Der Mangel festgefügter Organi­sationen auf dem weiten Gebiete der Ganzfabrikate bewirkt es, daß sich Preiserhöhungen dort ungleich schwieriger und langsamer durchsetzen lassen. Trotz der gestiegenen Umsätze und der oft flotten Beschäftigung blieben die erzielten Ge- fchäftsgewinne hinter^den Erwartungen erheblich zurück. Auch der großen Maffe der arbeitenden Bevölkerung brachte die anhaltende Beschäftigung nicht immer den erhofften Erfolg, da ein Teil des Einkommen? durch die gestiegenen Lebens- mittelpreffe aufgezehrt wurde. Um eine billigere Ernährung der Bevölkerung zu ermöglichen, mußte die Einfuhr von Fleffch aus dem Auslande vermehrt werden, und gleichzeitig suchten viele städtische Verwaltungen, darunter auch die der Stadt Gießen, durch direkten Bezug von Seefischen der Be- völkerimg billigere Fleischnahrung zugänglich zu machen. Zu unserem Bedauern müssen wir aber hier feststellen, daß durch das neue Viehseuchenübereinkommen zwischen dein Deutschen Reiche und Oesterreich-Ungarn der Bezug von Schlachtvieh aus diesem Lande sehr erschwert und für unfern Bezirk gänzlich unmöglich gemacht worden ist. Es ist zu fordern, daß diese Bestimmungen bald eine Milderung er­fahren und daß zur Erleichterung des Bezugs von Seefischen für die minderbemittelte Bevölkerung der Eisenbahntarife von den Seehäfen nach dem Binnenlande für diesen Artikel bald ermäßigt werden.

Zu den Erscheinungen, c im deutschen Wirtschaftsleben in den letzten Jahren immer schärfer hervorgetreten sind, ge­hört unzweifelhaft die fortschreitende Konzentration in Industrie und Handel. Auch im vergangenen Jahre hat der Konzentrationsprozeß weitere Ausdehnung gewonnen. Die Großbanken waren bemüht, durch Aufnahme von Provinz­banken in allen Teilen des Reiches, insbesondere in Süd­deutschland, immer festeren Fuß zu faffen. In ähnlicher Weise vollzogen sich in den verschiedensten Zweigen der In­dustrie, namentlich in der Montan- und Metallindustrie, Zusammenschlüsse von weittragender Bedeutung. Auch in unserem Bezirke trat diese Konzentrationsbewegung, wenn auch nur in geringen Verhältnissen, in Erscheinung. Die Eisenwerke Lollar wurden durch Beschluß der beider­seitigen Generalversammlungen vom 28. März 1905 mit den Budernsschen Eisenwerken in Wetzlar wieder vereinigt, nach­dem beide Werke seit dem Jahre 1895 getrennt waren Ihre Vereinigung lag im beiderseitigen Interesse, da beide Firmen auf verschiedenen Arbeitsgebieten als Konkurrenten sieh gegen­überstanden. Die Hauptverwaltung der vereinigten Werke hat ihren Sitz in Wetzlar, während in Lollar eine Zweig- niederlaffung verblieb. Mit Wirkung vom 1. Oktober 1905 ab wurde der Geschäftsbetrieb der A kt i e n b ra uere i Gießen in denjenigen der Brauerei Textor zu Gießen aus­genommen und eine Vereinigung beider Unternehmungen in der Firma Unionbrauerei, Inhaber Georg Bichler, Gießen, hergestellt. Der Brauereibetrieb kam in dem Anwesen der Aktienbrauerei zur Einstellung und wurde nach der früheren Brauerei Textor auf der Hardt bei Gießen verlegt. End­lich kam im laufenden Jahre eine Vereinbarung zu stände, wonach das seit dem Jahre 1832 bestehende Bankgeschäft Aron Heichelheim in Gießen, mit Wirkung vom 1. Januar 1906 ab, auf die Mitteldeutsche Kreditbank überging, die es unter der Firma Mitteldeutsche Kreditbank Filiale Gießen fortbetreibt. Damit hat neben der Bank für Handel und Industrie in Darmstadt, die in Gießen seit einigen Jahren eine Depositenkasse besitzt, eine zweite Großbank am hiesigen Platze Fuß gefaßt.

Einer besonderen Erwähnung bedarf das preußische Gesetz vom 1. April 1905, betr. die Herstellung und den Ausbau von Wasserstraßen, weil c§ auf Ver­anlassung des preußischen Abgeordnetenhauses eine Bestimm­ung enthält, wonach auf dem Rhein-Hannover-Kanal und seinen Abzweigungen der staatliche Schleppbetrieb eingeführt und auf den im Interesse der Schiffahrt regulierten Flüssen SchiffahrtSabgaben erhoben werden sollen. Diese von der agrarischen Mehrheit des preußischen Abgeordnetenhauses in das Gesetz hineingebrachten Bestimmungen werden auch über die Grenzen des Königreichs Preußen hinaus eine große Be­deutung erlangen, weil das staatlich" Schleppmonopol auf dem Rhein-Hannover-Kanal und fernen Seitenkanälen auch auf die übrige Schiffahrt nicht ohne Einfluß bleiben wird und iveil mit dem Erlaß des neuen Gesetzes die Frage der Er­hebung von SchiffahrtSabgaben auf den im Interesse der Schiffahrt regulierten Flüssen aus dem Stadium der theoreti­schen Erörterungen in das der Verhandlungen über diesen Gegenstand zwischen den beteiligten Uferstaaten tritt. Die Tatsache, daß die preußische Regierung ihre Zustimmung zu diesen verkehrsfeindlichen B.eschlüssep des preußischen Abgeord- netenhauseS gegeben hat, beweist, daß sie mit der Möglich­keit ihrer Durchführung rechnet. Es ist ein trauriges Zeichen, daß in der heutigen Zeit, die durch eine beispiellose Ent­wicklung des Verkehrs gekennzeichnet ist, Erleichterungen des Verkehrs mit derartigen Erschwerungen und Hemmungen erkauft werden müffen. Hoffentlich gelingt eS, die Einführung von SchiffahrtSabgaben trotz den gegenteiligen Bestrebungen der preußischen Regierung von den schiffbaren Flüssen abzu­wenden.

Eine lebhafte Beunruhigung in den Kreisen von Industrie und Handel verursachten die Gesetzentwürfe, welche im Zu­sammenhang mit der erstrebten Besserung der Reichs - finanzen dem Reichstage vorgelegt wurden. Die höhere Besteuerung von Bier und Tabak gab zu der begründeten Befürchtung Anlaß, daß diese Steuern von tiefgreifendem Einfluß auf die betreffenden Industriezweige sein und teil­weise zu einer vollständigen Verschiebung der Produktions­bedingungen führen würden. Die Besteuerung der Fracht­urkunden, einschließlich der Personensahrkarten und der Quitt­ungen, mußte zu den schärfsten Protesten des Handels heraus- fordern, insbesondere, als nach dem Vorschläge des Reichs­tags die Personenfahrkartensteuer eine Form angenommen hatte, die nicht ohne Einfluß auf die Entwicklung des Ver­kehrs bleiben kann.

Vermischtes.

* U e 6 e r einen Brand derPfalz" bei Caub wird gemeldet: Ein Gewitter zog am Mittwoch morgen über den Rhein, schlug in diePfalz" ein und traf den oberen Turm, wobei sämt­liche Ziegel gelöst und die Balken in Brand gefegt wurden. Das Blei an den Glasscheiben im Zimmer der früheren Pfalzgräfin wurde durch den Blitzstrahl geschmolzen. Der Blitz sprang darauf auf den kleinen Turm über und zündete dort. Dem Wächter Tasch gelang es mit Hilfe einiger Steuerleute, den Brand zu löschen. Der Schaden soll nicht erheblich sein.

* Der neueste Eisen bahn Unfall. Aus Saar­brücken, 1. Aug., wird amtlich gemeldet: Heute entgleiste der von Primsweiler kommende Zug Nr. 742 kurz vor dem Uebergange der Provinzialstraße in ber Nähe des Hochofen­anschlusses der Dillingerhütte. Es entgleisten die Maschine, der Packwagen und drei Personenwagen. Acht Reisende und zwei Zugbeamte wurden leicht verletzt. Die Ursache der Entgleisung ist unbekannt. Sämtliche Verletzte konnten die Reise fortsetzen. Der Verkehr wird durch Umsteigen an der Unfallstelle aufrecht­erhalten. Der Materialschaden beträgt überschläglich 1000 bis 2000 Mark.

* Kleine Tageschronik. In Kaiserslautern stürzte der Sohn des Lehrers Strecklein, ein Schüler des Gymnasiums von seinem Fahrrad und war sofort t o t. Eine Explosion von Schießbaumwolle in der Fabrik der Cooper Chemical Co. in Newark (Nordamerika) zerriß 6 deutsche Ar­beiter und ein Gebäude in Stücke. Der dadurch entstandene Brand zerstörte noch drei andere Gebäude. Ter Anschlag a u s den Paris-Kölner Schnellzug scheint ein Racheakt eines ent­lassenen Dahnarbeiters zu sein. Da der Zug keine großen Baar­beträge mit sich führte, ist die Annahme eines Naubanfalles un- wahrscheinlich.

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 31. Juli.

Am zweiten Pfingstseiertage abends bei Eintritt der Dunkelheit wurden zwei Radfahrer auf dem Wege von Leihgestern nach Großen-Linben von einer Anzahl auf genannter Straße befind­

lichen Leihgesterner Burschen belästigt. Der eine Der Radfahrer erhielt einen Stoß, daß er samt seinen Rad in den Straßengraben log. Ans seine Bemerkung, er wolle mit seinem Begleiter die Namen der Täter seststellen, ergriffen sämtliche Burschen die Flucht. Als ihnen die Radfahrer ins Feld folgten, fielen alsbald auf feiten der Burschen drei scharfe Revolverschüsse. Die Radfahrer ließen sich nicht abschrecken und gingen auf die Stelle zu. Plötzlich fielen aus unmittelbarer Nähe zwei weitere Schüsse, odaß der eine die Kuaeln am Ohr vorbeisaufen hörte. Er hatte den Mut, auf den Schützen zuzugehen und ihm die Waffe zu ent­reißen und erkannte in ihm den 16jährigen Schreiner K. T. von Leihgestern. In diesem Augenblick kam der Weißbinder W. 9(. ans den Radfahrer zu und bearbeitete ihn mit einem geschlossenen Taschenmesser, sodaß er blutüberströmt davonziehen und sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. Man hielt erst Totschlags- versnch als vorliegend und nahm die Burschen in Haft; doch die Untersuchung endigte mit Ueberweisung an das Schöffengericht wegen Bedrohung beziv. wegen Körperverletzung und es erfolgte die Freilassung der Angeklagten. Nach dem Ergebnis der schöffen­gerichtlichen Verhandlung erschien T. verdächtig, den einen der Radfahrer zu töten verflicht zu haben, weshalb sich das Schöffen­gericht zur Urteilsfällung für unzuständig erklärte und die Sache an die Strafkammer verwies, da die Zuständigkeit des Scbwur- ger-chts auch nicht gegeben war, weil der Angeklagte unter 18 Jahre alt ist. Die Strafkammer konnte sich auf Grund der Verhandlung nicht davon überzeugen, daß T. willens war, den Radfahrer zu töten; sie nahm deshalb nur Bedrohung an und verurteilte ihn zu der höchst zulässigen Strafe von drei Monaten Ge­fängnis. Sein Genosse 91. wurde wegen Körperverletzung zu zwei'Monaten nnd zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Revolver und Meffer wurden eingezogen.

Der 17jährige Taglöhner K. R. und der 13jährige Schüler H. K. von Vilbel waren wegen gegenseitiger Vor­nahme von unsittlichen Handlungen angeklagt. Weiter war R. angeklagt, durch dieselbe Handlung an einem Kinde unter 14 Jahren Unzuchtshanblungen vorgenommen und dieses zur Duldung solcher verleitet zu haben. Die unter Ausschluß ber Oeffentlichkcit aogehaltene Verhandlung, liest nach dem öffent­lich verkündeten Urteil keinen Zweifel, baß ber kleine Knabe von bent älteren verführt worden ist. Es erfolgte deshalb Frei­sprechung des K., während R. unter Annahme mildernder Umstände zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt wurde.

Wegen Sittlichkeitsverbrechens an Mädchen unter 14 Jahren in 2 Fällen, erhielt der Taglöhner H. W. aus Burk­hardts 2 Jahre Gefängnis. Trotz seiner Vorstrafe wegen gleichen Verbrechens nahm das Gericht mit Rücksicht auf feine geistige Minderwertigkeit infolge Trunksucht mildernde Um­stände an.

Der Instrumentenmacher F. I. R. aus Posen, hat in der Nähe ber Haltestelle Ober-Wibbersheim das 8 jährige Kind eines Bahnbeamten in bas Felb gelockt und versucht, unsittliche Hanblungen an ihm vorzunehmen. Da seine Hanblung sehr geringfügig war, kam er mit lOMonatenGefängnis durch.

Im vorigen Jahr Tarn einem Landwirt zu Büdingen eine Holzaxt abhanden, ohne daß er einen Anhaltspunkt hatte, wo diese hingekommen sein konnte. In diesem Frühjahr bat sein Sohn seinen Nachbar, den Schlosser F. W., ihm mit einer solchen auszuhelsen, welcher Bitte dieser nachkam. Der Landwirt er­kannte in dem Instrument alsbald seine ihm fortgekommene Axt, deren Stiel zwar durch einen neuen ersetzt war. W. wurde wegen Diebstahls im Rückfall angeklagt, er behauptet aber, die Axt schon seit 19 Jahren im Besitz zu haben. Die Angaben des Landwirts, der seine Axt an Eingravierungen wieder erkannte, ließen keinen Zweifel an ber Schulb bes Angeklagten, was biesem bie Minimalstrafe von 3 Monaten Gefängnis eintrug.

Gerichtssaal.

O Gießen, 1. Aug. Gestern wurde vor dem Schöffengericht der 18 Jahre alte, vorbestrafte Weißbindergeselle H. Sch. ans Reiskirchen wegen Beleidigung, Bedrohung und Widerstands gegen die Staatsgewalt zu 5 Monaten und einer Woche Gefängnis verurteilt. Der Tat­bestand ist folgender: Sch. hatte seinem Vater am 13. Mai 1906 zu Reiskirchen Mk. 12. weqgenommen, der Vater holte den Gendarm Keilbach von dort, um den Sohn das Geld abnehmen zu lassen. Sch. beschimpfte den Gendarm in der gröbsten Weise und drohte ihn nut einer Kaffeekanne den Schädel einzuschlagen. Sch. wurde sofort in Haft genommen, er erkannte das Urteil an.

«linst und Wissenschaft.

Die Pläne für das neue Theader in Osnabrück hat Professor Martin Dülfer-Dresden fertiggestellt und, wie derVoss. Ztg." berichtet wird, ein ganzes von imponierender Bedeutung und Einheitlich­keit geschaffen. Der Vorderbau ist mit Rücksicht auf die Lage als Rund­bau gedacht. Mit dem Batt wird vor Frühjahr 1907 kaum begonnen werden. Die Eröffmtng soll zum Herbst 1908 erfolgen. Die Gesamt­kosten dürften sich auf etwa 750000 Mark beziffern.

Berlin, 1. Aug. Felix Dreyschock, der bekannte Klavier- virtuose, ist hier in der vergangenen Nacht nach langer, schwerer Krank­heit gestorben. Er ist nur 45 Jahre alt geworden.

Wie unS heute mitgeteilt wird, ist als Nachfolger des Oberbau­rats Prof. G. Halmhuber, der im Herbst d. I. aI5 Direktor der Kunst­gewerbe- und Handwerkerschule nach Köln a. Rh. übersiedelt, Professor Ludw. Habich in Darmstadt alS ordentlicher Professor für Modellieren, Figuren- und Aktzeichen an die Technische Hochschule zu Stuttgart berufen wori>-u.__________

Kirche und Schule.

Die 58. Hauptversammlung des Evangelischen Vereins der Gustav Adolf-Stiftung wird vom 25.-27. September in Augsburg abgehalten werden. Die Versammlung wird von Abgeord­neten aus allen Teilen des deutschen Reiches, Oesterrcich-Ungarn, der Schweiz, Frankreich. Belgien, Italien nnd Schweden besucht werden.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter Dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dcm Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Wann wird endlich die gänzlich grundlose Polizeiver- orbnung über das tägliche Begießen der Trot­toirs beseitigt? Der Einsender ist durch Aus gl eiten auf dem schlüpfrigen Trottoir zu Fall gekommen und hat sich beschädigt. Das kann Jedermann passieren. Man warnt vor dem Hinwerfen voir Obstschalen und dergleichen, weil Jemand dadurch ausgleiten kann und die Polizei verordnet, sämtliche Trottoirs in einem Zustande zu halten, welcher solche Unfälle jederzeit herbeiführen kann. H.

M ü ck e. Von außerordentlich großem Allgemeininteresse dürfte es bei dem regen Verkehr auf unserer Station sein, wenn die Eisenbahnverwaltung sich bald einmal dazu verstehen würde, etwas sowohl zur Aufbesserung der Zugangsftraße zum Bahnhofe zu tun, als auch den ständigen Stockungen des Personenverkehrs durch das unaufhörliche Rangieren der Guterzüge abzuhelfen. An Regentagen wie in der letzten Woche ist in dem fürchterlichen Schmutz des Bahnhofzttganges kaum durch­zukommen, ber gepflasterte Fußsteig steht an den meisten Stellen unter Wasser, sodaß man sein Heil an bett Gleisen suchen muß. Ferner kann man zu jeder Stunde beobachten, wie sich Menschen- haufen an bett geschlossenen Barrieren ansammeln und wie zahl­reiche Personen auf gut Glück die Gleise zu überschreiten suchen. Eine lieber- oder Unterführung der hier in Frage kommenden zwei Gleise wäre sicher nicht zuviel verlangt, wenn man bedenkt, daß auf der Merlauer Seite des Bahnhofs eine Uebersührung sämtlicher Gleise angebracht ist, trotzdem der Verkehr gegen den an der Vogelsberger Seite verschwindend gering ist. Ein Fußsteig an der Maschinenhalle vorbei und eine dortige Unter­oder Uebersührung wäre vielleicht am ratfamften, da auch dann gleichzeitig dem unaufhörlichen Fracht-Fuhrwerksoerkehr auf der ^ugangsstraße au§ dem Wege gegangen wäre.

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