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rtberg, den 31. Juli 1906.
Hohmann, [4644 k ö-erichlsvollzieher.
Leiden Sie aukausschlag, Klcchteu, Beine, Braodmnodttl, tönngen, Gcsicht-röte, eiu.Lchweißsüße.Krost- , rote tzävde, tzämor« 'holden re., dann [?/, dangen Sie u allen 'fyotWen nzel-Saite'.
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Erscheint täglich auster Sonntag-.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Samilien» blätter oiennal in der
Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Univers.-Buch-u. Steindruckerei. 9t. Lange. Redaktion, Ervedition und Druckerei:
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Anzeiger vlleßeu.
Erstes Blatt 156. Jahrgang
Donnerstag Ä. August 1906
Eichener Anzeiger
** General-Anzeiger w **
Amts- und Anzeigeblatt fiir den Ureis Gießen
DezugSpreiSr monatlich 7bPs., viertel« zährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Ziveigsrellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Alk. 2.— viertel- jährl. ausschl. Bcstellg. Annahme von Anzeigen für die TageSnummer bis vormittags 10 Uhr, Zeilcnpreis: lokal 12Ps* auswärts 20 Psg.
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Aus SiaOt uno iano»
Gießen, den 2. Aug.
•• Forst Personalien. S. K. H. der Großh erzog haben den Oberförster der Oberförsterei Offenbach, Forstmeister Gg. Peter Engelhard zu Offenbach, auf sein Nach» suchen und unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß die Krone zum Ritterkreuz erster Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen, ferner dem Oberförster der Oberförsterei Treis, Gust. Schneides zu Treis a. d. Lda., und dem Oberförster der Oberförsterei Konradsdorf, Dc. Karl Web er zu Konradsdorf, den Charakter als Forstmeister verliehen.
In Audienz empfangen wurde am Mittwoch von S. K. H. dem Großherzog u. a. Prof. Dr. Schwally aus Gießen. _ „ , m
Geheimerat Schädel. S. K. H. der Großherzog haben am 1. August den Direktor des Gymnasiums zu Gießen, Geh. Schulrat Dr. Ludw. Schädel, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste und unter Verleihung der Krone zum Ritterkreuz erster Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen mit Wirkung vom 5. August 1906 an in sen Ruhestand versetzt.
•• Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen durch Entschließung S. K. H. des Gr off Herzogs den Mitgliedern der freiw. Feuerwehr zu Münster, Joh. Schneider V. und Jak. Heckwolf.
** Die Sitzungen des Schwurgerichts der Provinz Oberhessen für das dritte Vierteljahr 1906 beginnen Montag, 2 4. September d. I., vormittags 91/2 Uhr unter dem Vorsitze des Landgerichtsrats Neuenhagen hier.
△ Butzbach, 1. Aug. Der seit gestern Nacht flüchtige Soldat des hiesigen Bataillons wurde heute früh in der Nähe von Frankfurt a. M. festgenommen und von Mannschaften des Bataillons dort in Empfang genommen.
X Hungen, 31.Juli. Die Renovierung unserer Stadtkirche hat jetzt begonnen, nachdem nm Sonntag der letzte Gottesdienst darin slattfand. — Das neu gegründete Altertumsmuseum wird in Kürze eröffnet, es ist vor-
Die veulige Yummer umfaßt 8 Seiten.
KoUtische Lage-scharr.
Die Aeußerungen des Kaisers über die Presse die wir gestern mitteilten, sind kein Kompliment. Man weiß nicht, ob die Wiedergabe der kaiserlichen Aeußerungen durch den Pariser „Malin" genau ist. Der „Matin" liebt die sensationellen Zuspitzungen. Wer dem Sinn nach kann sich der Kaiser so ausgesprochen haben. Den Ehrentitel „kommandierende Generale" wendete der Kaiser zwar einmal auf Vertreter der Presse an, doch waren damit die amerikanischen Journalisten gemeint, die sich ziemlich viel auf diese Wertschätzung einbildeten, und das umsomehr, als man in Amerika selbst landesüblicherweise die Presse als „Geschäft" betrachtet. Für die deutschen Dagesschriftsteller, die ihren Beruf weit idealer pflegen, hat der Kaiser bisher kein anerkennendes Wort gehabt. Wohl aber sind einige herbe Urteile bekannt geworden.
Man macht geltend, er lerne die Presse nur aus Zeit- ungsausschnilten kennen. So begegnen wir im „Berliner Tageblatt" dem Satze: „WaS ihm zu Gesicht kommt (von der Presse), ist fein säuberlich siebenmal gesiebt". Das trifft nach unserer Kenntnis der Dinge nicht zu. Wenn auch dem Kaiser — wie übrigens ebenfalls dem Reichskanzler, den Berliner Ministern und anderen Regierungschefs — täglich Ausschnitte aus Blättern des Inlandes und Auslandes vorgelegt werden (und diese Form rascher Unterrichtung hat beispielsweise als praktisch auch in die Kreise der Großindustrie Eingang gefunden), so liest der Kaiser doch auch Zeitungen verschiedener Parteirichtungen im Original. Auf der Nordlandreise, so wird erzählt, widmete sich der Kaiser mit Eifer der Lektüre der neu eingetroffenen Zeitungen; interessante Meldungen und Auslassungen wurden mit einem jovialen „Hört mal!" zur Kenntnis der Tafelrunde gebracht. Es ttlüpfte sich daran manche lebhafte Erörterung, bei der auch andere Auffassungen, als die des Kaisers, zu Worte kamen. Das ist also nicht richtig, wenn man behauptet, der Kaiser werde „einseitig informiert" und es werde das von ihm ferngehalten, was ihm nicht behage.
Nur fehlen in der Umgebung des Kaisers, der doch sonst Angehörige der verschiedensten Berufe gern um sich sieht und ebensoviel Wert legt auf Meinungsaustausch mit Gelehrten wie mit Kaufleuten und 'Industriellen, Vertreter des deutschen Schrifttums fast gänzlich. Professor Schi ein an n, der Verfasser der Wochenübersichten über auswärtige Politik in der „Kreuz? zeitung", war wiederholt Gast des Kaisers. Wir wüßten uns jedoch nicht zu erinnern, daß Journalisten, deren Spezialfach die innere Politik ist, Empfang beim1 Kaiser hatten. Fürst Bülow kommt mit Vertretern der Presse häufig zusammen. Und vielleicht macht es die nähere Bekanntschaft, daß der Reichskanzler, wie ja aus mancher seiner Reichstagsrede hervorgeht, der deutschen Presse Vertrauen und Schätzung entgegenbringt.
Der Kaiser hat — immer vorausgesetzt, daß der Bericht des „Matin" im wesenllichen 6er Wahrheit entspricht — der Presse schuld gegeben, daß seine Absichten in der Marokko-Affäre mißverstanden, seine Gedanken entstellt worden seien. Die deutsche Presse darf sich gerade in diesem Falle ein nicht unerhebliches Verdienst zuschreiben: sie hat Aufklärungsarbeit geleistet. Als die Marokkofache mit täglichen, immer heftigeren Auseinandersetzungen zwischen den offiziösen Organen hüben und drüben, der „Nordd. Allg. Ztg." und dem Pariser „Temps", in ein kritisches Stadium trat, als alle Welt mit hohem Erstaunen sich fragte: Warum soviel gefährlicher Lärm um Marokko?, da war es die Presie, die das Publikum von der Tatsache der gegen Deutschland gerichteten englisch-französischen Ein- kreifungZmachenschaften unterrichtete und das Verständnis dafür verbreitete, daß es sich um mehr handele bei dem Griff ins Wespennest, als um das bißchen Marokko.
Der Kaiser vermißt bei der Presse das Examen, das in allen anderen Berufen unerläßlich sei. Darüber wird selbst in Gelehrtenkreisen gestritten. Das Bestehen einer Prüfung kann aber jedenfalls ein glücklicher Zufall sein. Die Presse muß täglich von neuem den Befähigungsnachweis erbringen. 6
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Unter der Fahrkartensteuer.
Aus Berlin, 1. August, wird uns geschrieben: Hierin Berlin war heute, am ersten Tag der Fahrkartensteuererhebung, nur eine Stimme über diese greuliche Verkehrsbelastung, nur eine Stimme bitteren Unmuts über die Reichstagsmehrheit, die eine Steuer von dieser Höhe der Regierung förmlich aufgedrängt hat. Vielfach sind im Vorortverkehr Abonnements dritter, statt zweiter Klasse gelöst worden,nicht allein, um den .Erhebungsbetrag" zu sparen, sondern um dem grundsätzlichen Protest gegen die Abgabe demonstrativen Ausdruck zu geben. Sogar die .konservative .Kreuzzeitung" lehnt sich wider die Fahrkartensteuer auf. Sie ist, so schreibt das Blatt, gewiß die unpopulärste aller unpopulären Abgaben. Die Abschaffung der Fahrkartensteuer erwartet die .Kreuzztg." nur von einer Erhöhung der Brausteuer um den erforderlichen Betrag. Auf diesen Weg ist vor einiger Zeit auch durch eine offiziöse Auslassung hingewiesen worden. Die Bierpreiserhöhungen durch die Brauereien stehen vielfach nicht im Verhältnis zu der Steuererhöhung. Folglich betrachtet man eine neue Erhöhung als einen Akt vergeltender Gerechtigkeit — wenn eben die Garantie vorhanden wäre, daß andererseits die Fahrkartensteuer verdientermaßen in die Wolfsschlucht geworfen wird.
Deutsches Reich.
Berlin, 1. August. Tie .Nordd. Allg. Ztg." meldet: Der Kaiser gedenkt, Mitte dieses Monats an der Enthüllung des Landgrafendenkmals in Homburg teilzunehmen. Er wird in Verbindung hiermit mehrere Tage in Schloß Friedrichshof verweilen. Während dieser Tage wird der König von England dort eintreffen.
— Die Ausführung des Gesetzes über den Frachturkundenstempel Hal im Eisenbahnverkehr zu Unzuträg- lichkeiten um deshalb geführt, weil die Eisenbahnverwaltung den Urkundenstempel nicht, wie im Gesetze vorausgesetzt, vom Aussteller deS Frachtbriefs, sondern immer vom Frachtzahler einzieht. Die Beschwerden der industriellen Kreise hierüber hat der Zentralverband Deutscher Industrieller in einer Eingabe an die zuständigen Behörden zum Ausdruck gebracht und die schleunige Aenderuug des jetzigen zu Mißhelligkeiten zwischen Verkäufer und Käufer führenden Verfahrens beantragt
Ein seltsamer FriedhüfSfall
hat sich kürzlich im Dorfe Iussy bei Metz zugetragen. Zwischen Juffy und Sie. Ruffine w>rd zur Zeit eine Straße nach dem auf der Höhe von Gravelotte befindlichen Fort gebaut. Bei den Erdarbeiten fand man in einem offenbar vergeßenen Grabe Gebeine von Kriegern aus dem Jahre 1870. Und zwar hatten dort, nach den Uniformknöpsen zu schließen, ein französischer Infanterist und ein Preuße die letzte Ruhe gefunden. Neben den übrigen Ueberrcsten lagen noch einige Perlen eines Rosenkranzes und eine Heiligenmedaille. Ein Franzose, der sich während des Sommers in Juffy aufhält, hat nun die Gebeine gesammelt und den katholischen Pfarrer ersucht, sie auf dem Friedhof beisetzen zu lassen. Dieser aber hegte Bedenken; denn der Preuße konnte ja ein Protestant gewesen sein, und bann: wie die gläubigen und ungläubigen, die französischen und die deutschen Knochen, von einander scheiden? So mußte an das Bistum geschrieben werden. Dieses entschied, es wäre vielleicht doch möglich, daß die Gebeine Katholiken angehörten. Erst jetzt wurden die Ueberreste in einem Reihengrabe beigesetzt.
Die Geschichte ist in mehrfacher Beziehung lehrreich. Als sich neuerdings das Metzer Konsistorium in Friedhofssachen äußern mußte, behauptete eine vielfach offiziös bediente Korrespondenz, seit dem Falle Fameck sei fein Friedhofsfall in Lothringen mehr vorgekommen, das Metzer Konsistorium störe deshalb mutwillig den Frieden. Obwohl sich mm im Dorfe Jussy überhaupt keine Protestanten befinden, hat der dortige Friedhof doch seine Protestantenecke. 1870/71 sind sogar manche deutsche Soldaten in Ermangelung dieser Ecke in die Selbstmörderecke gelegt worden; diese Tatsache ist auf verschiedenen Friedhöfen heute noch zu erweisen. Im Reiche Benzlers hält man also noch immer an der Forderung fest, daß in jedem Orte, auch da, wo keine Protestanten wohnen, eine besondere Protestantenecke sein muß.
„Aas sittliche Recht des Krieges."
(Schluß.)
Letztlich ist die sittliche Feindesliebe der Versuch eines Erziehens. Ist nach den Umständen klar, daß der Feind es nicht begreift, nicht begreifen will, daß nicht Schlaffheit, bloße Empfindungslosigkeit, mangelhaftes Ehrgefühl, vielmehr wirkliche Rücksicht auf seine Seele, reiner und besonnener Wille ihn nicht zu bestätigen und zu stärken in
seiner Gesinnung, sondern ihn davon zu befreien, die Quelle eines stillen, geduldigen Tragens und Sichgefallen- lassens ist, so soll und muß dieses ein Ende haben, Nicht überhaupt, aber bis dahin, wo der Gegner den rechten Blick gewinnt. Matth. 18, 15 heißt es: „Sündiget dein Bruder an dir, so gehe hin und setze ihn zurecht zwischen dir und ihm allem. Höret er dich, so hast du demen Bruder gewonnen." Höret er aber nicht, heißt es dann, so sage es der Gemeinde. „Höret er die Gemeinde nicht, so halle ihn als einen Heiden." Das will heißen: auch ein rechter kraftvoller Verzeihungswille kann nicht immer in wirklichem Verzeihen enden. Ist es der Sinn der Liebe zum Feinde, daß man versuche, nicht bloß sich zu saldieren wider ihn, überhaupt auch fernem Tun gegenüber nicht sowohl an sich selbst zu denken, als an den Andern und seine Gefahr, so kann diese Liebe naturgemäß ihre direlle Kraft nur entfalten, wo sie begriffen wird. Es ist Fern Rachenehmen, sondern nur ein Beweis dafür, daß man weiß, was dem F-einde wirklich helfen kann, nämlich eiu rechter Zwang sich zu besinnen, daß man ihn unter gegebenen Umständen auch einer Strafe überläßt.
Bekriegung kann auch ern Ausdruck von Feindesliebe fein. Der Krieg ist immer ein liebel und ein Leid. In irgend einem Maße steckt in ihm immer eine Schuld, wohl durchweg auf beiden Seiten. Wer das eine Teil kann die miubere Schuld tragen, im Momente der Entscheidung vielleicht überhaupt keine Schuld. Setzen wir den Fall, daß nicht wir den Krieg herangeschworen haben, sondern der andere Teil. Setzen wir den Fall, daß wir alle Mittel ehrlich und nachhaltig versucht haben, die in Kollision geratenen Interessen friedlich gegen ern- ander abzugrenzen, nehmen wir an, daß es sich wirtlich um vitale Interessen für uns handele, nicht um Ruhm, a£r im Me" im unser Recht, das zur Geltung zu bringen, n>a8 uns gebührt - dürfen mir un-, um es zusammenzufafsen, das Zeugnis geben, mcht NN Egoismus, nicht mit Legehrlichkett, netn, mit gutem Wellen, m dem Konflikte zu stehen: so »tepe c§ nicht littlich, sondern un° .sittlich, handeln, wenn wm dem andern Der! ernfach
und unbedingt nachgäben, nur „duldeten"^ was er uns zumutet. Ein Volk, das sich an Hochmut und Brutalität gewöhnt, gefährdet sittlich jedes einzelne seiner Glieder. Auch Völker sind es einander schuldig — um des Gedankens der „Menschheit" willen — sich zur Besinnung zu rufen. Dey Krieg ist unter Umständen das einzige Mlltel, iuic das geschehen kann, und bann hat das „unschillde" Teil sich nicht des Mangels an Liebe zum Feinde, nicht der „Un- christlichkeit" zu zeihen, sondern darf wissen, daß es noch in der Liebe steht, indem es widersteht.
Wir haben hier nur ganz kurze Auszüge aus dem schönen Vortrage des Prof. Kattenbusch gegeben und möchten jedem Denkenden die Lektüre der gedankenreichen kleinen Schrift
dringend empfehlen. Es ist noch bemerkenswert, daß Kattenbusch im Anhänge von den Friedensgesell-, schäften meint, daß „sie in dem Maße, als sie nüchterne, konkrete Einzelziele ins Auge fassen, nicht lunger auf ihren Kongressen uferlose Resolutionen hinaussenden, auch sich ehrlicher Unparteilichkeit gegenüber den Nattonen erschließen lernen, Heilsames werden schaffen helfen. Wer es ist, so heißt es dann weiter, ein Irrtum, daß das Evanq gelium zwinge, unter allen Umständen für den Frieden und wider den Krieg einzutreten. Die Ethik des Christentums ist nicht eine solche der bloßen Weichherzigkell, gar Sentimentalität. Sie kennt die Herzenstätigkeit der Menschen und die Aufgabe einer „Erziehung des Menschengeschlechts", nickst nur zur Kultur, sondern zur Liebe als dem einzigen Selbstwerte. Niemand von uns ist soweit, daß er keiner Erziehung weiter bedürfte. Wer sich nicht selbst erzieht, muß erzogen werden. Wer einen Vorwand sucht, um sich die Pflicht des Verzeihens, desj „Nichtwiderstrebens" zu erleichtern, dem ist sittlich nicht beizukommen.
Zwischen sentimentalem Jntereffe an „anderen" Völkern und bloßem Interesse am eigenen gibt es ein mittleres. Der sog. „gesunde Egoismus" in der Politik kann sich äußern als ein Gegensatz zu weichlicher, fauler, feiger „Selbstlosigkeit", er tritt unS zur Zeit, auch in Deutschland, nur zu oft entgegen als einfache politische Brutalität. Wir Haden viele kleine Bismarcke, die dem alten echten eigentlich
nur seine Gelegenheitsform en, nicht aber seine wirklichenStaatsgehanken abgemerkt haben. Der technische Staatsgedanke fordert Macht, nämlich genügende, daß der Staat dem Volke leisten kann, wofür er da ist, Schutz seiner Bürger und Beihülfe zur Verwirklichung seiner Ideale, aber die Macht ist nicht selbst das Ideal; nicht um Ruhm zu gewinnen, sondern um ihm seine Ehre zu behalten, hat der Staat für das Volk Macht zu sammeln und zu organisieren. Das Volk selbst, welches von seiner Ehre weiß, wird auch je länger je reifer werden zu begreifen und mit feiner Regierung zu entscheiden, wann es einen Krieg wagen muß. Eine Zukunft, in der wir Menschen die Wunden scheuten, den Kampf mcht mehr wagten, wenigstens keinen Kampf mehr auf Leben und Tod, ist nur zu fürchten, nicht


