Ausgabe 
16.6.1906 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

18>9 Zweites Blatt 136. Jahrgang Samstag 16. Inin 1906

Crldulni tagltfl) mtiOuSn^me bes Sotmtogg. V A'g' 9 Rotation«, ru» -mb S erlog bei etübilA»

D" .e..6m« Srnntmter werden dem k MU 11 M? At Zf 4W UntortUMbwdetri, »», »*«.

.«nJe.«erDlermal wBrbentt.d) betgekgt Ter A A NHU S S.K, 1, ZlO äLEO^.1 SlebatHon, Cttebüion «.»mtferd: MutOt-T. -WM* tonbwltf" erfdjeint monatlid; einmaL IB H > 3 > S G W r-l. Nr. 61 reiegr.-Adr. - Anzeiger ».eben.

General-Anzeiger, Amtr- und AnzeigeblatL für den Kreis Gießen.

Amrliche Nachrichten über Viehseuchen.

Nachdein^in einem Gehöfte zn Schadenbach, Kreis Alsfeld, die Schweinescuche amtlich festgcstcllt wurde, ist über dieses Gehöfte die Sperre verhängt morden.____________

Bon der landwirtschaftlichen Ausstellung in Berlin.

R. Berlin, 15. Juni.

Sie Wanderausstellung der deutschen Landwirtschafts- Gesellschaft vor den Toren Berlins ist unstreitig ein großer Erfolg. Am ersten Tage trotz des hohen Eintrittspreises von 3 Mk. eine Besucherzahl von 12 761 Personen; dies In- tercsse übertrifft alle Erwartungen und Vorausberechnungen. Es sind ja gewiß viele Landwirte von Beruf zurzeit in der NeichshauptUadt, überall sieht man die tiefgebräunten Ge­sichter, die kräftigen Gestalten; aber dieBlaßgesichter", die Städter, stellen doch das Hauptkontingent der Schalllustigen. Die .ASphaltmcnschen*, wie die .Kreuzztg." die Berliner gerne spöttisch bezeichnet, scheinen im höchsten Grade begierig, Blicke zu tun in das vielseitige Getriebe der Landwirtschaft. Die Fischereiausstellung, die Geflügel-, die Rinderausstellung sind überflutet vom Publikum. Andere gewaltige Gruppen konzentrieren ihre Aufmerksamkeit auf die überaus sehens­werte Vorführung von Pferden u. s. w. Solche Ausstellungen bringen Stadt und Land einander viel näher, als es die besten Parlamentsreden oder Trinksprüche vermögen mit der Aufforderung, sich zu vertragen. Der Städter wird hier im Zeiträume von einer Stunde inne, wie ungeheuer abhängig er von der unverdrossenen, oft zerstörten und immer wieder aufgebauten Arbeit der Landwirtschaft ist. Der Landwirt wieder findet Gelegenheit, zu erkennen, daß die im politischen Kampf behauptete ,unversöhnliche Feind­schaft gegen das Agraricrtum" eine zicpüich übertriebene Redensart darstellt. Mit der Kenntnis in landwirtschaftlichen Dingen sieht es freilich auch bei sonst unterrichteten Leuten dürftig genug aus. Aber die Männer vom Fach, die in der Ausstellung so manche großartig naive Bemerkung zu hören be­kommen, find taktvoll und gutmütig genug, keine Heiterkeit merken zu taffen. Das ist ein liebenswürdiger Zug, den der Land­bewohner vor dem Stadtbewohner gemcmhin voraus hat. Welches ohrbetäubende Gelächter würde sich erheben, wenn in der ,©tabt der Intelligenz * ein Landwirt so groteske Fragen stellte, wie man sie in dieser Ausstellung auf Schritt und Tritt vernimmt! Zweifellos ist, daß die deutsche Landwirtschaft viel gelernt hat. Sie macht sich mehr und mehr die technischen Verbesserungen zu Nutze, sie legt Wert auf die Sauberkeit des Betriebes und sie ist, zum Vorteil des Ertrages, kaufmännischer, geschäftsgewaildter geworden. Das ist der Eindruck, den man von der Ausstellung empfängt.

5 Stadt nnd Land.

Gießen, den 16. Juni 1906.

** Diebstahl. In verflossener Nacht wurde einem Vorarbeiter aus seiner unverschlossenenSchlafstllbe, während er schlief, die Hose nebst darin befindlichem Portemonnaie mit 5 0 Mk. Inhalt gestohlen.

- Der Fahrradkäufer. In einer Wirtschaft hatte ein Unbekannter gehört, daß ein Bewohner der T-Straße hier sein Fahrrad verkaufen wolle. Er begab sich deshalb gestern alsbald zu diesem, frug nach dem Preis des Rades und bat dann, cs erst einmal probieren z»l können. Der Mann setzte sich auf das Rad und der Verkäufer wartet heute noch auf seine Rückkehr. Der Kaufliebhaber machte einen guten Ein. druck und deshalb fragte der Verkäufer vorher nicht nach Namen und Herkunft, sondern überließ ihm vertrauensselig das Rad.

** Kaufet Zugesel. Es ist bezeichnend für den Wert des Esels als Zugtier, daß der Tierschutz-Verein zu Wiesbaden in den letzten paar Jahren nicht weniger als 500 Stuck dieser Tiere lieferte. Zil seinen Abnehmern gehören alle Klassen, Gutsbesitzer, Geistliche, namentlich aber solche, die einen kleinen -handel betreiben, wie Ge­müsehändler, Gärtner, Milchhändler usw. Der Verein ist in der Lage sofort liefern zu können und versendet ein­schlägige Prospekte usw. kostenlos.

X Lollar bei Gießen, 15. Juni. Zu dem großen nationalen Gesangswettstreit, der am 24. Juni aus Anlaß des 20jährigen Bestehens des Gesangvereins Liedertafel" ftaltfinbet, haben sich 30 Vereine angemeldet, darunter Gesangvereine aus allen Teilen Oberhessens, aus Starkenburg, dem Kreise Hanau, der Gegend von Herborn, Wetzlar, Marburg und Frankfurt. Auch Vereine des neugegründeten SängerbundesWetterrau-Lahngau" haben ihr Erscheinen zugesagt. Das Fest wird das größte werden das hier je gefeiert wurde. Der Festplatz sieht 4000 Sitzplätze vor. Der Gesangwettstreit findet in den Sälen zurLinde",Traube" undGermania" statt.

Hungen, 15. Juni. Die Gewerkschaft Elisen bürg zu Grünberg hat in der hiesigen und Jnheidener Gemarkung größere Ländereien erstanden zwecks Förderung von Eisensteinen. Vielfach kann im Tagbau gearbeitet werden. Gegenwärtig wird am Aufbau einer Eis en st ein wasche ge­arbeitet, auch soll demnächst ein Geleiseanschluß hergestellt werden. Es sollen ca. 150 Arbeiter beschäftigt werden.

Schotten, 15. Juni. Geh. Reg.-Rat Schönfeld stiftete allen Vereinen, welche an der kürzlichen Feier seines Jubiläums teilnahmen, die Summe von 50 Mk. Die Anzahl der Vereine war beträchtlich, besonders die Kriegervereine des ganzen Kreises brachten dem Jubilar ihre Huldigung dar. Die Arbeiten zum Gauturnfest am 23.25. Juni schreiten rüstig vor. Besonders schön präsentiert sich bereits der Fest­platz, der, auf einer Anhöhe gelegen, einen prachtvollen Rund- und Fernblick gewährt. Imposant nimmt sich das Eingangtztor aus, man glaubt tatsächlich vor dem Eingang zu einer Burgfeste zu stehen.

1. Geilshausen, 14. Juni. Der hiesige Gesang-und Flottenverein brachte dem anläßlich seiner Versetzung nach Pfungstadt von hier scheidenden Lehrer Lentz einen Fackel- z it g. Am Abend vorher hatten sich die Schüler versammelt, um ihrem Lehrer zum Abschied eine Palme überreicht.

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 15. Juni.

Gegen den Landwirt P. R. und seine Ehesrau von Ehringshausen warwegenfahrlässigen Halscheids Anklage erhoben. Rach der sehr nmsangreianm Beweisaufnahme hatte der Angeklagte R. einem Müller einen Äcker verkauft, den er infolge von Mciiir.igsverschiedenhciten wieder zurück­nehmen follte. Im vorigen Frühjaln ließ R. dem Müller durch einen Fcldschützen mitteilen, faUS die Angelegenheit mit dem Acker nicht zu seiner Zufriedenheit erledigt werde, so werde er ihn anzeigen, weil sein Knecht ihm über einen Acker gefahren sei. Da der Müller sich auf nichts cinließ, verlangte R-, daß der Feldschütz den Knecht d»eS Müllers anzeige, indem er be­hauptete, er und seine Frau haben gesehen, wie der Knecht über den Acker gefahren sei. Ter Fcldschütz kam dem Anfinnen b*3 R. nach und erhob Anzeige, trotzdem er sich an Ort und Stelle nicht die Gewißheit vcrsck^affen konnte, daß eine Ueber- tretung deS Feldstrafgefctzes vorlag. Als dem Knecht der Stras- besehl zugestellt wurde, crllärte sich sein Dienstherr bereit, ihm die Strafe zu bezahlen, da er Weiterungen auö dem Wege geben wollte; doch der Knecht erhob in dem Bewußtsein feiner Un­schuld Widerspruch. In dem FeldgerichtStcrmin erklärten In; Angeklagten unter ihrem Eid, sie hätten gesehen, wie der Knecht über das Grundstück gefahren sei, auch hätten sie sich von den zurückgebliebenen Spuren der Pferde und deS Wagens über- zeugt; cS sei umnöglich, daß der Knecht so Gefahren fei, wie er angibt; ebenso sei es ausgeMossen, daß ein anderer es gewesen sei, der über den Acker gefahren ist. Der Knecht beantragte Augenschein, welchem Antrag daS Feldgericht stattgab und den Angeklagten R. als Zeugen zuzog. In dem folgenden Termin beschwor R. weiter, daß der Zustand deS Ackers zur Zeit des Augenscheins nicht mehr derselbe gewesen sei wie früher, ms- besondere müssen dort lagernde Steine entfernt worden sein. Trotz der Belastmrg durch die jetzigen Angeklagten, sprach das Feldgericht den Knecht frei; es gab aber die Arten der Staats­anwaltschaft zwecks Untersuchung, da es eine Eidesverletzung als vorliegend erachtete. Die Untersuchung ließ keinen Ziveifel darüber, daß tatsächlich eine Joldfe vorliegt, doch die Staats­anwaltschaft glaubte nicht, daß die vorliegenden Beweise zur Ueberführung wegen roiHentlicben Meineids ansreichten um eine Verurteilung an dem Schwurgericht zu erzielen. Sie erhob deshalb Anklage wegen fahrlässigen Falscheids: doch auf Grund der Beweisaufnahme in her Hauptverhandlung, kam das Gericht zu dem Schlüsse, daß wissentlicher Meineid vorliegt. Die Strafkammer sprach daher ihre Unzuständigkeit auS und verwies die Sache an das Schwurgericht.

GerschtKjaal.

0 Marburg, 15. Juni. 2>cgen einer Reihe von Ein» brüchcn, Diebstählen, Urkundenfälschungen usw. verurteilte die hiesige Strastammer beit jugendlichen Zimmergesellen Mich e l ans Marbach zu 3 I a h r e n Z u ch t h a u ä , 600 Mark Geldprafe und 5 Jahren Ehrverlust. "Der Zwangszögling Karl Rocken- Haus aus Marten, der in Kirchlotheim das Pfarrhaus in Brand zu setzen versuchte, wurde zu 1 Jahr und 4 Mo­naten Gefängnis verurteilt.

Freiberg i. S 15. Juni. Unter den hiesigen Korps­studenten finden hier sehr oft im Raume eines hiesigen Lokals Schlägermensuren statt. Nach den bisherigen Entscheid­ungen des Reichsgerichts würden die Beteiligten wegen Zwei­kampfes mit tödlichen Mafien mit Festung bestraft. §§ 201, 205 Str.-G.-B. Im März mürbe hier nun durch die Polizei eine derartige Mensur abgefaßt und vier Paukanten, ebenso der Wirt dcs Lokals, tarnen heute auf die Anllagebank. Das Gericht er- lamtte auf Freisprechung, indem eS cnnaljm, daß die ge­schlissenen Schläger weil mit Binden und Bandagen gefochten wurde nicht tobliche Waffen seien._________

gilt neuer Hessischer Dornan.

Adam Karillon, der Verfasser dcs prächtigenMichael Hely", eines der besten Romane der neueren Zeit, der Wald­doktor aus dem hessischen Odenwalde, der einst in Gießen seine medizinischen Studien trieb, hat einen neuen Roman erscheinen lasten, betitelt »Die Mühle zu Hustecloh" (Verlag der G. Groteschen Verlagshandlung in Berlin). K. führt uns diesmal nach dem hessischen Neckartal in eine stille, weltferne Mühle. Dort führt die Mutter Höhrle, ein starkes und stattliches Wcib von hartem Herzen und kurzem Verstand, ein strenges Regiment über Mann und Kinder. Der gute demütige Vater Höhrle hat ein kluges und sinnendes Iluge mitbekommen und ein weiches, zartes, reines Gemüt. Sein einziger Fehler ist die Schwäche gegenüber seinem Weibe. Ihr unterwirft er sich blindlings, aber seine drei Kinder, zwei Mädchen und ein Bube, Hans, der eigentliche Held des Romans, hängen mit zärtlicher Liebe an ihm. Das wohl gegründete Vermögen des HauseZ Höhrle wird durch die Herrin verpraßt. Dazu kommt die böse Konkurrenz einer in unmittelbarer Nachbarschaft neu erstehenden Dampfmahlmühle. Und rapid geht es mit dem Wohlstände der Familie abwärts. Mutter Höhrle erlebt nicht mehr den völligen VcrmögenS- verfall, der trotz aller guten und klugen Einfälle des alternden Müllers sich nicht vermeiden läßt. Eine der Töchter verheiratet sich an einen Eisenbahnarbeiter, die andere ergreift, nach kurzem köstlichem Liebesrausche, mit starkem Mute in dem Bewußt­sein ernsterer Pflichten entsagungsvoll das Szepter über das HauS Höhrle. Diese herbkeusche Madchcngestalt ist dem Dichter besonders schön gelungen, iveit bester als die Lebens­und namentlich als die beiden Liebesgeschichten des Helden Hans. Dieser hat die Universität bezogen zum Studium der Medizin. Zweifellos hat da, wenn auch nur in großen Zügen, unser Gießen dem Dichter die Umrisse zu feinem Studentengemälde gegeben. Hier wird Hans seiner Jugend­liebe, einem mackeren und schönen Mädchen aus dem heimat­lichen Dorfe, untreu. Ec verfällt einer verbotenen Liebe. Wie das geschieht, das erzählt Karillon äußerst romanhaft. Für uns Gießener sind die Schilderungen heimischen S t u d e n t e n l e b e n s ja recht unterhaltend. Aber der elgent- lichc Roman wird hier etwas schablonenhaft und unerquick­lich zugleich. Im übrigen ist der Roman allzu eplsodenre.ch. K verliert wiederholt den Faden der fortlaufenden Erzählung, und seine gemächliche Erzählerart hat hier etwas Monotones, entbehrt zuweilen des spannenden Reizes. Hier und da aber blitzt doch der, seinen /Michael Hely" so außerordentlich auszeichnende gesunde Humor durch, und zudem i|t dec ganze Roman getragen von einer trotz aller Bittermfle, von denen

er vollen Herzens berichtet, vertieften weltsreudigen Lebens­auffassung, die uns, nicht ohne Wehmut auszulösen, während der Lektüre des ganzen dicken Buches wohlig umfangen hält. Die kontemplative Art des Dichters macht sich freilich stellen­weise allzu breit und dadurch gestalten sich Gespräche oft über Gebühr retardierend. Semem .Michael Hely" ist ,S)ie Mühle zu Husterloh" nicht ganz ebenbürtig. Trotzdem ge­hört doch auch dieser Roman Karillons zu den besten Werken unserer heutigen hessischen Erzähler. P. W.

Studentisches Sängerfest in Weimar.

Der C. C. Verband deutscher Sängerschaften, dem 19 farbentragende Sängerschaften angehBren (Bundesvorstand für 1906Eratos-Dresdens feierte vom 13. bis 15. Juni sein zweites Bundessest. Den Höhrpunkt der Veranstaltungen bildete das Konzert im Großh. Hofrheater zum Besten des Fonds für das Karl Alexander-Denkmal. Die Studenten- Sänger (über 500 an der Zahl- füllten den Bühnenraum, während die auf 60 Mann verstärkte Großh. Kapelle im mystischen Abgrund" Platz genommen hotte. Um die fest- aesetzte Zeit erschien Großherzog Wilhelm Ernst in der Hos- wge und wurde mit einem harmonischen Hoch empfangen, worauf das Orchester die BrcchmsscheÄkad. Festouoerture" intonierte, diesen herrlichen Dithyrambus auf die studie­rende Jugend. Die Leitung der Chörvorträge war den Fest­dirigenten Professor Hugo Jüngst (Dresden) und Dr. Paul Klengel (Leipzig) übertragen worden. In den Schluß- Hymnus oer Ouvertüre, dasGaudeamus", stimmten die Sänger begeistert ein. Ms ersten Chor hörte man (mit Orchester) Richard Wagners ,/An die Kunst". In dem Wagnerschen Chor traten bereits alle Vorzüge der Studenten­sänger deutlich zu Tage. Jugendfrische Stimmen, musi­kalische Intelligenz, deutliche Textaussprache, nicht zuletzt aber auch künstlerische Begeisterung und musterhafte Dis­ziplin. Aus dem Programm seien noch hervorgehoben die Chöre mit Orchester, ,F?önig Sigurd Rings Brautfahrt" von Heinrich Zöllner,Deutscher Sana" von Karl Reinecke und Karl AltenhofersSÄmt Michael". Sehr fein abgetönt waren durchweg die ä capella Chöre, deren ausgezeichneter Vortrag durch vorübergehende Schwankungen in der spontanen Wirkung nicht beemträch- tigt werden konnten. Es seien hier genannt Dürrners pracht­voll gesteigerteSturmbeschwörung", JüngstsUngarische Tanzweisen", KlengelsWo klare Brünnlein fließen" und RheinbergersMattied". Die Baritonsolo sang der inaktive Leipziger Pauliner Felix Jrmscher.

Auf das Konzert folgte ein Kommers, und für den letzten Tag des Bundesfestes sind noch iveitere Festlichkeiten in Aussicht genommen. Der C. C. Verband deutscher Sänger­schaften yat gezeigt, daß feine- Mitglieder nicht nur flotte Akademiker, jondern auch tüchtige Sänger sind, denen neben

anderen idealen Gütern des Lebens die Kunst als vor­nehmstes Kleinord gilt. Es ist etwas Herrliches um das deutsche Lied. H- P-

Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg-Strelitz, der am Ausgang des 18. Jahrhunderts sein Häuflein treu- und offenherziger, schlichter und derber Untertanen schlecht und recht und einfältig regierte, spielt die Hauptrolle in einem unlängst bei Arthur Eargel in Leipzig erschienenen fünf- aktigen Lustspiel. Dr. Heinrich Klenz, Herausgeber von Kürschners Literaturkalender, ein Landsmann Fritz Reuters, sucht dessenDörchläuchting" für die Bühne zu gewinnen. Aber wie den meisten derer, die eine Reutersche Dichtung bühnenfähig machen wollten, ist auch dieser Versuch nur zum Teil geglückt. Vor allem fehlt es den Aktschlüssen an Vühnenwirffamkeit. Theaterdirektoren aber und Schauspieler legen ganz besonderen Wert auf Effekte unmittelbar vor dem F-alten des Vorhangs. Und die unzähligen anderen enormen Schwierig ketten, eine erzählende Dichtung in ein Bühnenwerk umzuschaffen, an denen schon so viele Theaterpraktiker und vor kurzem sogar Ernst v. Wolzogen (mit seinem als Roman so prächtigen ,^K'raftmayer") ;cheiterten, hat auch Dr. Klenz nur zum kleineren Teile überwunden. Anzuerkennen ist, daß er sich pietätvoll aller Zusätze enthalten und für die aus der Erzählung herausgcschalten Szenen Reuters Wortlaut mög­lichst unverändert beibchalten hat. Für das Repertoire un­serer ständigen Theater durfte die Klenzsche Bearbeitung trotz besten Willens eine Bereicherung nicht bedeuten, aber Dilettantentheatergesellschaften sollten sie sich nicht entgehen lassen. Für sie ist diese anspruchslose kleine Serenissimus-ltomödie außerordentlich geeignet und mit chrer Fülle kernigen deutschen Humors wird sie gewiß überall bei Liebhaberaufführungen starke Heiterkeit und schöne Erfolge erringen.

Christiania, 15. Juni. Das Komitee für die Ver­wendung des Nobelpreises wurde gestern vom Stor- thing gewählt. Tie Sacye wird sonst einfach dadurch erledigt, daß die vorjährigen Mitglieder wiedergewählt werben, und auch diesmal hatte die Kommission diesen Modus vor- geschlagen. Nur sollte Ldoland durch Björnson ersetzt werden und Berner an Stelle oes verstorbenen Storthing- Präsidenten Steen neu gewählt werden. Indessen wurde in das Komitee der Professor und frühere Ministerpräsident Hagerup zusammen mit Lövland sowie Berner ge­wählt. Björnfons Durch fall erregt Aussehen. Er findet aber seine Erklärung m dessen Auftreten gegen den Vertrag von Karlstad. (Dieser Vertrag behandelt das Ver­hältnis zwischen NorUTLgen und Schweden. Björnson, der alte Republikaner, ist ein entschiedener Gegner dieses leid­liche Derhältnifse schaffenden Vertrags.)