tne Norddeutsche Brau st euer-Gemein sch «ft einge- Mhrtes Bier die Bestimmung des Artikels 33 Absatz 2 der Reichsverfassung ein gehalten werde . _ ___
Eine Kaiferrede.
Wilhelm Shaven, 13. März.
Die Ansprache dctz Kaisers bei der Vereidigung Macinerekrutcn lautete folge ndemraßen:
Der Eid, den Ihr soeben geleistet habt, Fept Euch besondere machten auf, deren HeiUaleir Euch in ollen Lebenslagen am Herzen lieoen muß. Nock kennt Ihr diese Pflichten nicht, noch rotßt Ihr nicht, waS es heißt, sich noch ryntni zu richten, sie streng und gewissenhaft zu oeMklen. Ihr geht ©etafiren entgegen, die der Land» Bewohner nicht kennt, und darum mußt Ihr bei allen Schicksals- schlagen doppelt gerüstet sein mit Pflichttreue, Pflichtsrendigkeit und Gottvertrauen. Ich weiß, Ihr meint in Eurem Innern »wir sind stramme Jungens und wissen, was wir zu tun haben." Solch Selbstvertrauen ist gut, muß aber gepaart sein mit Gottesfurcht, wahrer Religiosität, Pflichttreue und Berufsfreudigkeit. Gottesfurcht und Räigiosität sind aber leider nicht so verbreitet, wie sie müßten. Denkt an die Geschichte des deutschen Volke? und denkt an die Großtaten der Väter, aber denkt nicht weniger an die schweren Schicksalsschläge, die unserern Volke nicht erspart geblieben sind. Hundert Jahre sind seit einem der trübsten Unglückstage vergangen, die unser Volk getroffen haben, Ich meine die Schlacht von Jena im Jahre 1806. Ihr alle wißt von dieser Schlacht und von dem großen Unglück, das sie über das ganze deutsche Volk gebracht hat. Lernt daraus erkennen, daß wahres Gottver- trauen allein eine Stühe im Unglück ist, und daß das Unglück kommt, wo wahre Religiosität fehlt, wo man Gottesfurcht nicht kennt. Darum haltet fest an Eurem Gott. Wenn Gott mit uns ist, wenn wir in wahrer Liebe und in wahrem Vertrauen ;;u ihm aufblicken, dann mag die ganze Welt sich gegen uns zusammentun."
Tagesschau.
Die Stimme der Bernuuft.
-tt- Berlin, 13. März.
Die Pariser Presse kann mit wenigen Ausnahmen nicht von dem Vorwurf freigcsprochen werden, daß sie auf die Verfeindung zwischen Frankreich und Deutschland nach dem Muster gewisser Londoner Blätter zurzeit der Balfourschen Negierung hingearbeitet hat. Die nichtpariserische Presse unterscheidet sich in dieser Hinsicht vorteilhaft von der Haltung der Weltblätter an der Seine, und es ist nur zu bedauern, daß die Stimme der Vernunft in den franz. Provinz-Zeitungen so selten über die Grenze hinweg gehört jwird. Paris gilt dem Ausland eben schlechthin als Frankreich. In Marseille beispielsweise, daS doch für den internat. Handel eine weit größere Bedeutung hat als Paris, haben die Redakteure der dortigen Zeitungen, darunter deS einflußreichsten Handelsblattes Frankreichs, keinen Anstand genommen, der Feier der Marseiller deutschen Kolonie zur Silberhochzeit deS Kaiserpa areS auf Einladung beizuwohnen und in schwungvoller Rede dem Wunsch nach Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland Ausdruck zu geben. Vielleicht ist nach der Kabinets-Reubildung oder nach den Neuwahlen auch in Frankreich möglich, waS sich in England arrangieren ließ: eine Vereinigung von Politikern und sonstigen hervorragenden Persönlichkeiten zur Herbeiführung besierer Beziehungen zu Deutschland im Interesse der kulturellen Wohlfahrt beider Nationen.
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Mnisterstürzer.
R. Berlin, 13. März.
Wenn nicht alles täuscht, wird von einer gewisien Seite versucht, den Marinestaatssekretär v. Tirpitz höheren Ortes anzuschwärzen, weil zum ersten Male die Vertreter fast aller bürgerlichen Parteien in der Budgetkommission den Marineforderungen der Negierung zugestimmt haben, eine Sachlage, von der die Regierung angeblich größeren Nutzen hätte ziehen können, wenn sic der Forderung „weiter Volkskreise" gefolgt wäre, den Rahmen der Flottcnvorlage werter zu spannen. Man bezweifle, daß Admiral v. Tirpitz mit gutem Gewissen die Verantwortung für diese Unterlassung werde tragen können. Der Staatssekretär ist in der Lage, von diesen Zweifeln „bekümmerter Patrioten" gelassen Akt nehmen zu dürfen, denn er weiß sich des Vertrauens der maßgebenden Stelle nach wie vor sicher.
Der Marineetat vor der Bndgetkommifsion.
Berlin, 13. März.
Bei der fortgesetzten Beratung des Marineetats werden die Forderungen für die Werften Wilhelmshaven, Kiel und Danzig genehmigt, ebenso die Forderungen für die Artillerie- Verwaltung, das Torpedo- und das Minenwesen. Bei den Forderungen für die Garnisonverwaltung erklärt auf eine Anfrage Schöpflins (Soz.) Staatssekretär v. Tirpitz, daß die in der Presse viel besprochenen Vorgänge auf dem Kreuzer „Frauenlob" sehr stark von den Leuten aufgebauscht wurden, die die Disziplin unserer Leute möglichst diskreditieren wollten. Insbesondere seien die Behauptungen unwahr, daß das Ruder des Schiffes unbrauchbar gemacht, daß ein Lappen an Stelle der Flagge gehißt und die Entsetzung des Kommandanten notwendig geworden sei. Es sei eine Beleidigung unserer Mann- schäften, die Disziplinwidrigkeiten auf dem „Frauenlob" in eine Parallele zu stellen mit den Meutereien in Sewastopol. Genehmigt werden: Die Forderung für eine Kieler Arrestanstalt und für die Lazarettverwaltung, die Forderungen für bas allgemeine Schiffahrtsinteresse und für verschiedene Bedürfnisse. Damit sind die einmaligen Ausgaben erledigt. Erz berg er (Ztr.) beantragt eine Resolution, bezweckend, die laufenden Ausgaben mehr als bisher aus dem ordentlichen Etat zu bestreiten. DaS entspreche der jahrelangen Arbeit Eugen Richters, dem damit an seinem heutigen Beisetzungstage ein Denkstein gesetzt werde. Die Beratung der Resolution wird ausgesetzt. Hierauf wird das Extra- ordinarium bewilligt, jedoch werden von der geforderten ersten Rate von 260 000 Mk. für die zweite elektrische Zentrale auf der Werft Wilhelmshaven 100 000 Mk. gestrichen, und die gekürzte Position von 150 000 Mk. wird in den erben b- Uchen Etat eingesetzt. Damit ist der Marine et a t erledigt.
ArrsSand.
London, 13. MLrv (Unterhaus.) Lehmann (lib.) fragt den Premierminister, ob seine Aufmerksamkeit auf die in verschiedenen Zeitungeil erschienenen Aukünbig- Mgen einer „Die Iuv-aston von 1910" betitelten, in einem
Londoner Blatte zu veroffeirtlichenden Erzählung gelenk sei, welche, wie die Ankündigungen besagen, eine von feiten Deutschlands erfolgende Invasion Englands sowie die Belagerung und Plünderung Londons schildern werde . Redner fragt ferner, ob die Regierung Schritte tun oder irgendwelche Meinung zum Ausdruck bringen würde, die von der Veröffentlichung eines derartigen, auf die Beeinträchtigung der Beziehungen Engi- lands zu anderen Mächten abzieleuden Gegenstandes abschrecken würde. (Beifall bei den Ministeriellen.) Der Premierminister erwidert: Ich bin überrascht, zu sehen, dass die Publikation in einigen Blättern erscheint, sogar in denjenigen, auf die wir alle vor einigen Jahren stolz waren. Ich sehe nicht, was für Schritte die Regierung tun kann. Ich fürchte, wir können nichts tun, wir können aber ruhig die Angelegenheit dem gesunden Sinn und guten Geschmack des englischen Volkes zur Aburteilung überlassen.
Paris, 13. März. Die (gestern bereits von un5 erwähnten) Mitglieder des neuen Kabinetts hielten heute abend eine Konferenz ab, um sich über sämtliche Punkte des Regierungsprogramms zu einigen. Hinsichtlich der I n - ventaraufnahme stellten sich''die Minister sämtlich auf den Standpunkt, daß sie durch das Trennungsgesetz genügend gerüstet seien, und einigten sich über die Maßnahmen, die zu treffen seien, um die für die Organisation des Widerstandes gegen die Inventaraufnahme Verantwoortlichen fest- zustellen. Hinsichtlich der auswärtigen Politik sprachen die Minister ihre Anerkennung und Billigung der Richtung aus, welche Rouvier den gegenwärtigen Unterhändlern verliehen habe, und beschlossen, daß die Regierung bei der Verhaltungslinie verharren werde, die Rouvier vor der Kammer festgestellt und der die Kammer ihre fast einstimmige Billigung gegeben habe, bei der Politik, die Rouvier gekennzeichnet habe als „friedliche Politikunter Wahrung der Rechte und der Würd e."
Mailand, 14. März. Es geht das Gerücht, daß die Polizei eine Verschwörung gegen das Leben des Königs entdeckt hat. Ein Verbrecher im Gefängnis von Turin, der im Sterben lag, gestand, daß er einer anarchistischen Bande angehörte, welche die Absicht hat, den König Viktor Emanuel bei der Eröffnung der internationalen Ausstellung im Llpril zu ermorden. Der sterbende Anarchist nannte seine Mitschuldigen.
Antisemitismus in Rußland.
Nach einer Meldung der „Times" ans Petersburg erregt die Veröffentlichung einer antisemitischen Broschüre in der Hauptstadt Entrüstung. Diese Broschüre fordert das Volk auf, sämtliche Juden in Rußland zu ermorden, weil die Juden alles Unglück, welches Rußland erlitten hat, verursacht haben sollen. Viele solcher Broschüren freilich sind in Rußland bereits geschrieben und veröffentlicht worden. In diesem Falle aber zeichnet die Petersburger Polizeidirektion als Verlag der Broschüre. Außerdem trägt die Broschüre den Stempel der Zensur. Die Broschüre greift den Ministerpräsidenten Witte heftig an, indem sie ihn als den Führer einer antisemitischen Verschwörung bezeichnet, welche Rußland 31t Grunde richten soll. Der Verband deS russischen Volkes, welcher die Broschüre systematisch verbreitet, organisiert eine antisemitische „Armee", um die Juden auszurotten. Die Teilnehiner dieser Rotte erhalten Revolver und andere Waffen von dem Verband.
Vom Grubenunglück in Courrivres.
In Villy-Montigny wurden am Dienstag 38 Opfer des Grubenunglücks bestattet. Tie Trauerfeier vollzog der Bischof von Arras. Den Särgen folgten die Angehörigen der Verunglückten; auch mehrere Deputierte nahmen an der Feier teil. In Möricourt fand die Beerdigung von nichtrckognoszierten Leichen statt.
Minister Dubief hielt eine Ansprache, in der er seinen Schmerz über das Unglück ausdrückte, den Rettern Anerkennung aussprach und tatkräftige Hilfe in Aussicht stellte. Die sozialistischen Deputierten Lameudin und Selles hielten Reden, in denen sie die Ber g wer ks g esells cha ft auf das schärfste an griffen und für das Unglück verantwortlich machten. Aus der Menge ertönten Rufe: Niede r mit den Kapitalisten ! Nieder mit den Mördern! Sonst ereigneten sich keine Zwischenfälle.
Der Chefingenieur Lavoir ist seiner Funktionen enthoben worden.
Die deutschen Rettungsmannschaften erregten durch ihr mitleidiges Verhalten die Bewunderung der französischen Bergleute. Ans Schacht 2 konnten in der Nacht dank der Hilfe der westf. Bergleute 26 Leichen heraufbefördert werden, von denen 19 rekognosziert wurden. Zur dauernden Erinnerung an den Akt der Nächstenliebe und Solidarität seitens der deutschen Bergleute werden zwei Stollen der Grube in Courrieres die Namen „Herne" und „Gelsenkirchen" erhalten. Ferner werden auf einer Steintasel die Namen der deutschen Arbeiter eingezeichnet werden, die sich hervorgetan haben.
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Ter Direktor der Laibacher Erdbebenwarte, Prof. Hellar, teilt mit, daß die Instrumente der Warte am 9. und 10. März außergewöhnlich starke Stürme anzeigten, was Prof. Hellar mit der französischen Grubentatastrophe in Zusammenhang bringt. Diese Bodenuuruhe hänge zusammen mit den Grub en kat astr opH en und mit schlagenden Wettern. Die Erdkruste sei offenbar seit einiger Zeit in konvulsivischer Bewegung und dies zeige sich an den Instrumenten bis zu 1000 Meter Tiefe.
Aus SiaOt uns EauS.
Gießen, den 14. März.
** Vrof. Hermann Oncken, Milh. Onckens Nacb- wlger, hält bekanntlich im laufenden Winter^mester Vorlesungen über deutsche Geschickte au der Ib’iU'^rfität Chicago. Er ist am 16 .November 1869 zu Oldenburg geboren, machte seine Universitatsstudien in Berlin und Heidelberg und widmete sich historischen Studien unter Leitung von Max Lenz. Er promovierte in Berlin mit b-'t 9Gb->it: „Zur Kritik der oldenb. Geschichtsqnellen im Mittelaller." Dann war Oncken bis 1894 Wissenschaft!. Hilfsarbeiter im Großh. Haus- und Zentralarchw zn Oldenburg, gab 1893 daß „Jahrbuch für Geschichte des Herzogtums Oldenburg" heraus und war gleichzeitig an der Herausgabe der „Bau- und Kunstdenkmäler des Herzogtums Oldenburg" Vd. Ibis III mi beteiligt. 1895 siedelt!' er uach Berlin über, habilitierte sich Oktober 1897 an der Berliner Universität mit einer „Biographie des Grafen Christof vvn Oldenburg."
Sein Lehrfach umfaß! deutsche Geschichte,' einerseits besonders Territorialgeschichte, anderseits Refonnationszeitalter und die letzten Jahre des 19. Jahrhunderts. Oktober 1900 übernahm er eine Assistcntenstelle in dem unter Leitung von Prof. W. Sieglin stehenden Seminar für historische Geographie. Seit Januar 1902 war er zugleich Dozent für Geschichte in den Kursen für Oberlehrerinnen im Vik^ toria-Lyceum, seit Ostern (1904 mit einem Lehrstuhl für Geschichte an der Königl. Kriegsakademie betraut Am 3. Mär £1905 erhielt er den Professortitel. Zahlreiche Aufsätze und Essaps veröffentlichte Oncken in historischen Zeitschriften. 1904 erschien eine größere Biographie „Lassalle". In letzter Zeit war er, wie wir schon mitteilten, mit der Bearbeitung des Nachlasses von Rudolf von Bennigsen zum Zwecke einer größeren ztveibändigen Biographie beschäftigt.
** Kursus für Volksschullehter im landw. Institut. Im Rcgierungsgebäude fand am Montag, 12. März, eine Besprechung statt. Amvesend waren u. a. Provinzialdirekwr Geheimerat Dr. Breidert, Schulrat Kleinschmidt, Prof. Giseoius, Landtagsabg. Köhler, sowie 10 Lehrer aus Orten mit fast durchweg landwirtschaftlicher Bevölkerung. Im Laufe des Sommers soll für diese 10 Lehrer unter Leitung des Prof. Gisevius ein Kursus abgehalten werden, der es ermöglichen soll, den naturwissenschaftlichen Unterricht in der Fortbildungsschule unter Berücksichtigung der Landwirtschaft zu erteilen. Hierdurch soll die Fortbildungsschule keine landwirtschaftliche Schule werden, sondern sie soll ihren seitherigen Charakter vollständig behalten und nur im natur- Nüssenschastlicheu Unterricht auch die Landwittsck)oft berücksichtigen. Es ist dies der erste derartige Versuch und der Ersolg wird zeigen, ob man auf dem rechten Wege ist. Die Vorlesungen be, ginnen am 18. April und finden wöchentlich zweimal statt.
•* Das zweite Winterfest, das der Kauf- mannische Verein in den Räumen deS Neuen Saalbaues abhielt, nahm einen schönen Verlauf. Die Vereinsleitung batte es sich zur Aufgabe gemacht, diesmal nur einheimische Kräfte zu Gehör kommen zu lassen, nnd erzielte damit einen vollen Erfolg. Besonders hervorzuheben sind die Liedervorträge von Fräulein Ida Stammler und die Klavier- »orträge von Herrn Julius Hahn. Frl. Stammler verfügt über eine vorzüglich geschulte Stimme und ihre Lieder fanden so großen Beifall, daß sie sich zu einer Zugabe verstehen mußte. Herr Hahn war der Gesellschaft kein neuer Gast; er brachte prächtige Stücke von Grieg, Kwast und Mendelssohn zum Vortrag und zeigte sich wieder als Meister am Flügel. Den Schluß der Feier bildete ein Ball unter Leitung des Tanzlehrers Will.
Bad-Nauheim, 13. Maar. Kutscher Gleiß <m3 Rödge n erhielt von seinem Dienstherrn, MottereibesitzerSchlosser, am Sonntag nachmittag den Auftrag, einem Milch liefet anten in Schwalheim die Summe von 127 Mk. für gelieferte Milch aus- znzahlen. Der Burschte suchte mit dem Gelde das Weite und ließ Pferd und Wagen seines Dienstherrn zirka vier Stunden auf .a Frankfurter Chaussee stehen, wo sie von unseren Schutzleuten, aufgefunden und ihrem Eigentümer zugesteltt werden konnten/ (B. N. Z.) , .
Pfungstadt, 13. März. In die Mordaffaire Rothschild hat auch die Untersuchung noch keine Klarheit gebracht. Die Sektion hat keinerlei neue Anhaltspunkte ergeben. Nur die eine Wunde am Halse ist an der Leiche vorhanden. Bisher hat man auch daS Instrument, Messer oder Schere, mit dem die tätliche Wunde verursacht worden ist, nicht aufgefunden. Eine Entleerung der Jauchegrube hatte kein Ergebnis. Immerhin neigt man heute zu derAnnahme, daß ein Mord vorliegt. Die Beerdigung erfolgte heute nachmittag auf dem Friedhöfe in Alsbach. In WormS ist heute der Händler verhaftet worden, der gestern im benachbarten Griesheim mit einem blusigen Kragen gesehen luoröeit ist, und auf Befragen angab, er habe einen um» gebracht. Selbstverständlich ist damit noch nicht gesagt, daß er der Täter ist.
sd. ©roß»Umfiat)t, 13. Marz. Verschiedene Blätter batten vor einiger Zeit die Mitteilung gebracht, daß die Molkereigenossenschaft in Groß-Umstadt bei der Butter- Herstellung Margarine mit verwende und diese in größeren Quantitäten beziehe. Eine daraufhin veranlaßte behördliche Untersuchung hat ergeben, daß diese Beschuldigung unzutreffend ist. Es wurde festgestellt, daß diese die Genossenschaft schwer schädigenden Nachrichten von einem ihrer früheren Kassierer verbreitet worden sind, der seiner Zeit ausfcheiden mußte.
Bingen, 12. März. Infolge der Behauptungen des Reichs- taasabgeordnelen Stauffer übet die Wein Verhältnisse in unserem Nachbarorte Büdesheim begab sich am Freitag eine Mainzer Getickt skommission nebst dem pfälzischen Wenrkontrolleut Weißer dorthin, um Untersuchungen anzustellen. Der hessische Kontrolleur, Weingutsbesitzer Richard Braden, legte darauf sein Amt nieder.
Hanau, 13. März. Zu einer kommissarischen Verhandlung über den Mainhafenbau hatten sich heute hier eingefunden vom Ministerium der Oeffentlichen Arbeiten der Geh. Ober-Negierungtzrat PeterS und der Geh. Oberbaurat Röder aus Berlin, der Regierungs-Präsident Graf BernStorff und Negierungsrat Hoche aus Kassel. Der Verhandlung wohnten außer Magistratsmitgliedern auch der Handels- kannnerpräsident Canthal bei.
Gießener Strafkammer.
)( Gießen, 13. Mär-.
Im verflossenen Herbst hat der Rentner F. K. L. zu Friedberg einen der Firma I. gehörigen Hund, der ihn in seinem Garten belästigte, tv t g e s ch o ssen. L. wurde wegen Sachbeschädigung unter Anklage gestellt, aber bei der Schöfsengerichtsvct- handlung stellte es sich heraus, daß bet erforderliche Strafantrag nickt von dem Fitmeninhaber, sondern von einem im genannten Geschäft tätigen Verwandten des Inhabers gestellt war. Unter diesen Umständen wat das Schöffengericht genötigt, mangels gütigen Strafantrags das Verfahren eiuzustelleu. Die Staats- anwaltschast focht dieses Erkenntnis an und erstrebte auf Grund des «nachträglich eingeholten recktsgilsigen Strafantrags Verurteilung des 9lngeklagten. Die Sttafkammer erkannte auf eine Geldstr a fe von 10 Mk. und setzte ihm die Kvsten beides Instanzen zur Last.
Der Bürgermeister und Standesbeamte A. L. von G.-N. hat unter Außerachtlassung der im § 1314 des Bürgerlichen Gesetzbuchs gegebenen Vorschrift, wonach bei der Wiedcrverehe- lichung einer verwitweten Person ein Zeugnis über die Bermögens- auseiiwndetsetzung vorliegen muß, eine Trauung vollzogen, ohne daß ihm ein solches Zeugnis bezüglich des Bräutigams, der Witwer wat, vorgelegen hat. Nach den Angaben seiner Vorgesetzten hat er bisher sein Amt in tadelloser Weise geführt, auch versicherte er, die fragliche Bestimmung nicht gekannt zu haben, da dies der erste einschlägige Fall in feiner Amtsführung ist. Unter Annahme mildernder Umstände wurde er zu einer Geldstrafe von 10 Mark verurteilt.
Gegen den Gastwirt I. R. U. hier wurde toegen Ku Pitz c l c i und Duldens von Gluck spiel verhandelt. Wegen Eefähtdung der Sittlichkeit sand die Vernehmung des Angeklagten und der Zeugen unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt; die Verlesung des Ervffuungsbeschlirsses und die Urtellsvertündun-


