Ausgabe 
14.3.1906 Erstes Blatt
 
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Mittwoch 14. März 1906

ISO. Jahrgang

Erstes Blatt

Staatssekretär Graf Pofadomsky hatte unmittelbar

$ giftig angenommen. Sie Kammer stimmte ferner - wie die Abgeordnetenkammer dem Anträge Speck-Leibl zu, 'Last bei der neuen Festsetzung der lieber gmrgsab gäbe für ui.

der im

nach dem Tode Richters an dessen Witwe telegraphiert:

Soeben nach Berlin zurückgekehrt, bitte 'ch Ihnen, verehrte, gnädige Frau, mein wärmstes Mitgefühl aussprechen zu biirren. An Ihrer Trauer nehmen Reich, Staat, nimmt das deutsche Volk aufrichtigen und berechtigten Anteil. Jnsoiiderheit in den Annalen des werdenden imb bes sich aiisgestaltenben Deutschen Reiches bc* ansprircht Gngen Richter als der glänzende, g e i st v o l l e Redner, der F i n a n z m a n n von seit eiter Verstandes­schärfe und Sachkenntnis, der gründliche Kritiker einen hervorragenden Platz. Auch ich werde mit allen Männern des öffentlichen Lebens, welche die Macht seiner Rede persönlich empfunden haben, dem Andeitken Ihres Gatten die einem so außer­gewöhnlichen Wirken schuldige hohe Ehre bewahren.

Wahlkreis Hagen gewürdigt werden.

Der Liberalismus nach dem Tode Richters.

Man schreibt uns von parlamentarischer

Seite:

Nach dem Tode Eugen Richter? tritt in der Führung der Freis. Volkspartei ein Wechsel insofern »richt ein, als der Vorsitz in der Reichstagssraktion dem Abg. M ü Her- Cagan verbleibt, der ihn schon seit zwei Jahren versieht. Cb bet Wegfall bes persönlichen Einflusses Richters eine Lockerung des Ge» f ü g e s ber Volkspartei im Gefolge haben wirb, bleibt abzuwarten. Meinungsverschiedenheiten, auch solche grundsätzlicher Art, sind unter den Vertreterri bes entschiebenen Liberalismus ziveifellos vorbanberr. Es sei nur an die wohlwollende Stellung des Abg. Eickhoff zur Kolonial- und Marinevolitik erinnert, die zu Auseinandersetumgen mit Tr. Müller- Sagau geführt hat. Doch auch die süddeutsche Volkspartei steht nicht mehr in ge­schlossener Opposition gegen Forderungen für Ueberseevolitik, ohne bah deshalb der Parteiverbanb aus ben Fugen ginge. Dre Chaneer, für einen Zusammenschluß bet liberalen Parteien werden durch das Ausscheiden des Einflusses Richters nicht wesentlich gebessert. Die Anhänger ber Barth-Nau- m a n n'ichen Richtung machen sich Hoffnungen auf Eroberung eines Teils ber volksparteilichen Mandate bei den nächsten Reichstags- mahlen. Sie unterschätzen aber ivohl die Zuverlässigkeit ber volks­parteilichen Organisation. Eher konnte die Zukunft eine schärfere Isolierung ber Nationalsozialen durch bas Z u- tammengeben ber nnberen liberalen Gruppen bringen i? D. Rd.), denn ber bis jetzt im Fraktionsverband der Freis. Vereinigung vertretene Liberalismus ber Seestädte bat un­bestreitbar mehr Berührungspunkte mit der Volkspartei als mit dem Nationalsozialismus. Bestimmend ist hier die Stellung zur Sozialdemokratie. Heber daS Bartb'sche Verlangen des Paktierens mit letzterer wird eine Verständigung mit den An­hängern des alten Freisinns schwerlich möglich sein. Sonst sind die Voraussetzlingen gegeben für schärfere Seroorkehrung des einigenden Moments in den liberalen Parteilagern, und wenn bei den nächsten Wahlen barrui Bedacht genommen wirb, bann kanrr bas ber Sache bes gesamten Liberalismus nur von Vorteil sein. Hundert in wesentlichen Fragen einige liberale Abgeordnete würben die Mehrheilsoerhältniffe im Reichstage beträchtlich ändern.

ter, der demnächst ergehen dürfte, wird Unterschriften aus allen Parteien finden. Ms Standort des Tentmals kommt wohl Berlin in Betracht, denn hier war die Hauptstätte Wirksamkeit des Tahingeschiedenen. Tas wird auch

Hüffen Sichter f.

Die Trauerfeier.

Berlin, 13. März.

In einfacher, aber erhebender Weise hat heute die Bei­setzung des verstorbenen Abg. Eugen Richter statt gesund en. Tie Hauptfeier spielte sich in der Philharmonie ab, wohin die Leiche überführt worden war. Auf einem Podium war in einem Lorbeerhain der eichene Sarg aufgestellt, der unter der Fülle der Kränze fast verschwand. Prächtige Kränze kanten von sämtlichen Fraktionen des Reichs- und Landtages mit Ausnahme der Sozialdemokraten sowie von zahlreichen Wahlkreisen ultd Vereinen. Vor dem stimmungsvoll geschmückten Po­dium nahmen die Vertreter der berliner Wahl- und Be­zirks-Vereine mit ihren Bannern Aufstellung. Um halb 12 Uhr begann sich der Saal zu füllen. Tie Honneurs hatten die Mag. Müller-Sagmi und Kopsch übernommen, welche die tiefgebeugte Witwe auf ihren Platz in der vordersten Reihe führten. Zahlreiche Parlamentarier und

Metzeim AMger

General-Anzeiger ö

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen

Millionen Mark genannt.

Tas Befinden des erkrankten Geh. RebierungsratS K ix ad, Bureaudirektors des Reichstages, hat sich bedeutend! verschlimmert. Tie Behandlung liegt zurzeiit in bett Händen des Professors Goldscheider sowie der Reichstags abgg. Dr. Mugdan und Tr. Becker-Sprendlingen.

M ü n ch e n, 13. März. In der Kammer der R e i ch 5- rate wandte sich Fürst Leiningen gegen dieBesteuer^ ung der Ehegatten und Deszendenten durch bte Erbschaftssteuer. Frhr. v. Hertling und Finanz Minister v .Pfaff versicherten, daß eine solche Steuer keine A u s s i cb t auf Annahme habe. Fürst Quadt verlangte, daß die Erbschaftssteuer auf Grundstücke nach dem Ertrags­werte, nickt nach dem Verkehrswerte berechnet roerde, was die Kommission wie Minister v .Psasf mitteilte, bereits beschlossen hat. Im weiteren Verlaufe der tSitzung wird das Landtags Wahlgesetz in dritter Lesung end-

Parteifreunde hatten sich eingefunden, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. Von feiten der Regierung er- chienen Finanzminister v. R h e i n b a b e n, die Staats­ekretäre Graf Posad owsky, Kr ätke und v. Sten gel, während der Reichskanzler vom Chef der Reichskanzlei ver- rreten war. Ter Reichstag war durch das gesamte Präsidium vertreten, während sich vom Abgeordneten- hause dessen Vizepräsident Dr. Porsch eingefunden hatte. Auch der Präsident der bayerischen Kammer, v. Ort er er war zur Leichenfeier nach Berlin gekommen. Die freisinnige Fraktion war vollzählig vertreten. Von den Konservativen sah man u .a. Frhrn. v. Pappenheim, von den Freikonser­vativen v. Kardorff und Dr. Arendt, von den National­liberalen Exzellenz Hobrecht, Prinz Schönaich-Earotath, Bü­sing, Bassermann, Graf Oriola. Die städt. Behörden waren durch den Oberbürgermeister Kirschner, Bürger­meister Re icke und Stadtverordnetenvorsteher Dr. Langerhans vertreten sowie durch eine Reihe von Stadt­räten und Stadtverordneten. Aus .Hagep war eine Depu­tation von 16 Herren erschienen. Von Hess. Reichstagsabgg. war noch Tr. Becker erschienen.

Nm 12 Uhr setzte die Feier mit Chorgesang ein. Sie verlief in schlichter Größe. Die am meisten zu Herzen sprechende Gedächtnisrede hielt Abg. Schmidt-Elber­feld. Er gab ein Bild der menschlichen Eigenschaften Rich­ters, er schilderte das Behagen des Politikers an stillem, einfachem Familienleben, seine liebenswürdige, zutrauliche Art, mit Kindern umzugehen, den heiteren Verkehr mit Freunden. Ergreifende Töne fand Abg. Konrad Hauß­mann von der Süddeutschen Volkspartei. Richter hielt immer viel von der Treue und Zuverlässigkeit Haußmanns. Abg. Träger wurde der Bedeutung des Parteiführers und Parlamentariers gerecht. Er tat es mit allem Takt, ohne die leiseste Beeinträchtigung entgegengesetzter poli­tischer Anschauungen, mit dtchterischer Verklärung. Träger schloß mit der Versicherung:Den Weg, den der Ver­storbene der Partei gewiesen, werde diese weiter wandeln." Für den Wahlkreis Hagen sprach Stadtv. Buschhaus.

Tiefe Weihe lag über der gewaltigen Trauerversamm­lung. So mancher, der mit demRufer im Streik, da er noch lebte, eine scharfe Klinge gekreuzt hatte, schien im Innersten bewegt.

Mit Chorgesang schloß die würdige Feier. Tann setzte sich der Leichenzug in Bewegung, der um halb 3 Uhr auf dem Friedhöfe anlangte. Auf dem stanzen Wege waren die Straßen, die der Zug passierte, von einer zahlreichen Menschenmenge ein gesäumt. Nachdem der Sarg in die Gruft gesenkt war, hielt der dem Entschlafenen befreundet gewesene Lic. Gräbner die Grabrede. Dann fiel Scholle um Scholle auf den Sarg hinab.

Der Ausruf zu einem Teukmal für Eugen Rich-

Der Staatssekretär Frech. o. Stengel hatte folgendes Schreiben gesandt:

Sehr verehrte, gnädige Frau! Die Nachricht von bem Hin- schetden Ihres hochgeehrten Herrn Gemahls hat mich ntn baS schmerzlichste berührt. Hat boch ber Verewigte, den ich persönlich so hoch schätze, besonders auch auf bem Gebiete, besten Verwaltung jetzt zurzeit meiner Leitung anvertraut ist, seine glänzende Be- gabuna und sein seltenes Wissen auls hervorragendste bcflatigt Sein Hinscheiben war barum auch gerabe gegenwärtig, wo so schwer wiegenbe finanzpolitische Fragen zur Entscheidung stehen, ein besonberS beklagenswerter V e r l u ft. Mit bem Ausdrucke ber innigsten Anteilnahme unb mit ber Versicherung, daß ich bem teuren Heimgegangenen ft e 15 bas ehrend st« Andenken bewahren werbe, verbleibe ich in vorzüglichster Hoch­achtung Em. Hochwohlgeboren ergebenster Frhr. von Stengel, Staatssekretär.

Im Namen der nationalliberalen RetchStagS- fraktion hatten die Abgg. Bassermann und Graf Oriola folgendes Telegramm gesandt:

Die nationanibcrale Fraktion des Reichstage? spricht Ihnen beim Hinscheiben Ihres Mannes ihr ausrichtiges Beileid aus und beklagt mit weiten vaterlänbischen Kreisen ben Verlust eines so hervorragenden Parlamentariers unb Parteilührers, der durch reiche Gaben seines Geistes und Fähikeiten seines Charakters mit dazu beigetragen hat, in ber Werdezeit des Reiches und in den folgenden Jahrzehnten dem neuen deutschen Parlamentarismus seine Bedeutung zu verleiben/

Bebel, der schon zu Anfang der sechziger Jahre, als er noch nicht sein sozialdemokratisches Herz entdeckt hatte, mit bem jugendlichen RegierungSreferendar Richter in den Arbeiter- bildungSvereinen gelegentlich zusammengetroffen war, drückte der Gattin be§ Dahingeschiedenen schriftlich seine »auf­richtige Teilnahme" aus.

TerVorwärts" dagegen konnte nicht umhin, noch dem Verstorbenen den sprichwörtlich gewordenen Fuß­tritt zu versetzen. Er schrieb u. a.:

Mit ben Charakterköpsen der alten Fortschrittspartei, den Waldeck, Ziegler, Iacobv verglichen, erscheint die politische Physrog- nomie Eugen Richters alltäglich und unbedeutend. Jeder Zug lvirklicher Größe und Genialität fehlt ihr. . . Das einzig Positive, das er kannte, unb mit aller Inbrunst, baren sein nüchternes Gemüt fähig war, verehrte, war die &r m] cl i g* leit liberaler Spießbürgerci. Und diese abstoßende! Enge des geistigen Horizontes tritt noch mehr hervor, wenn man Eugen Richter statt mit bem genialen Poeten (Herne) mit seinen Politischen Vorgängern vergleicht, eben den genannten Waldeck, Ziegler und Jacob». Je mächtiger b:e Sozialdemo­kratie sich entwickelte, desto grimmiger ent flamm te gegen sie Eugen Richters Haß. Bei den großen Sozial ntenbelxtttru tummelte et in einer Schlachtreihe mit den Herren edumm; Stocker unb Bachem seinen manck-esterlichen Klepper gegen dre Redner ber Partei. Und dieweil bas alles nichts half, verfaßte er jene berüchtigten Pamphlete gegen die ^zialbemokratie, die ,,Irrlehren der Sozialdemokratie und dieLvziald-'mokrattfchen Zukunftsbilder", die von einer geradezu beispiellosen ge- schichtlichen und nationalökonomischen Unwissenheit zeugen.

Um eine Abtönung gröber ist natürlich dre ,Letpz. Volksztg.", die sich folgendermaßen verrrehmen läßt:

Gerade weil Richter die Unbilden des Varbarett unb die Verachtung für ben großen Geistskarnpf hatte, ber bea einstigen Ruhmestitel bes deutschen Bürgertums bildete, gerad« deshcckb wurde er fein erkorener Wortführer, als sich das Bürgev tum von diesem Geisteskampse selber abwandte, ferne einstigen Ideale in den Rauchfang hing und mir noch der holden Se* fciiäftigung ber Plusmacherei huldigte. Kein H a u ch f re iet Menschentums hat jemals die Brust dieses Mannes durchweh« Er war und blieb der hölzerne Rechenknecht ernc! profithungrigen Kl ässe, bic_ alle BilbungKideale fkruveb los unter die Füße trampelte, falls sie sich nicht in nnifmannifcyÄ Werte auflösen ließen." _

Man ersieht aus dieser kleinen Auslese, wie Richtet von der Sozialdemokratie gehaßt wurde. Sie würde de« tapferen Mann aber nicht mit solchem Hasse verfolgt haben, wenn sie nicht gefürchtet hätte, daß er ihr gefährlich werden könne. Seine Bücher, über die derVorwärts" spottet und die er als Pamphlete kennzeichnen fru sollen glaubt, haben der Sozialdemokratie in gewissen Kreisen denn doch einiart Abbruch getan. Der tiefste Grund des sozialdemokratischen Hasses gegen Richter beruht aber aus Gegenseitigkeit. Richter hat die Sozialdemokratie und ihre Führer ehrlich und ent­schieden gehaßt. ___________________________

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Verantwortlich füe ben polit unb allgpiH« Teil: P. Wittko; flr, ,Stadt unb tlanb*' unb .Gcrichlsjaal"-. Ernst Heß. Un ben An­zeigenteil: Hans Beck.

Nr. 62

Welche»«» tätlich außer Sonntag».

Lern Gießener Anzeiger werben im Wechsel mit bem hessischen Landwirt die Siehener ZamUiea- blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck il Ver­lag der Brüh l'schen Unwers.-Buch-u. Stein- bruderei. 9t Sang«. Redaktion, Ervedttto« und Druckerei:

Schulstraße 7.

Redaktion 113

Verlag u.Exped.S-^51 Abreffe für Develchen:

«ozctger Gießen.

Deutsches Reich.

Wilhelmshaven, 13. März. Ter Kaiser hüri4 auf der Werft während der Besichtigungen Vorträge unb kehrte dann an Bord des LinienschiffesKaiser Wilhelm IL* zurück. _ t m

Berlin, 13. März. Ter Kaiser soll dem Ver­nehmen nach die Absicht haben, das Schloß Hohen^ buchau bei Georgenborn a. Rh-, im Besitz des Frhrn. p. Krauskopf, zu kaufen. Als Kaufpreis werden fünf

Are heutige Kummer umfaßt 12 Seiten.

Deutscher Aeichstag.

6 4. Sitzung v o m 13. März 1906.

Aus der Tagesordnung steht zunächst die zweite Beratung des Desetzentwitries betreffend die Entlastung des ReichS-In- valideiisonds durch Uebemahme einer Reihe von Verpflich- hmgen und zwar besonders für die Veteranen auf den ordent­lichen Etat. Die Kommissioir beantragt durch den Referenten (Grafen Oriola unveränberte Annahme beS Gesetzentwurfes. Ohne Debatte stimmt baS Haus biesem Anträge zu. Gleichfalls bebattelos wird ber Etat des allgemeinen Pensions- sonds,genehmigt und "benfo der Etat des Reichs-In­valid e n s o n d s. Es folgt ber Etat bes Reichsschatzamts. Auch hier erfolgt die Annahme mit Ausnahme einiger Titel, über welche in der Budgetkommission Beschluß noch nicht gefaßt ist, de- hattelos. Die Kommission beantragt hierzu noch eine Resolution betreffend Vorlegung eines Nachtragsetats, in den die Mittel zur Deckung ber für 1905 eingetretenen ober zu erroartenben Fehl­beträge aus bem Etatstitel für Veteranenbeihilfe ange­fordert werden. Diese Resolution ist inzwischen insofern erledigt, als die Regierung bereits einen solchen Nachtragsetat eingebrachl hat, der als nächster Gegenstand auf der heutigen Tagesordnung steht. Die Resolution wird daher von der Tagesordnung abgesetzt. Bei den Einnahmen im Etat des Schatzamtes antwortet auf eine Anfrage des Abg. Grasen K a n i tz

Schatzsekretär v. St en g el, bas Reichskassenscheingesetz sei bereits audgearbeitd.

Abg. Dr. Arendt (Rp.) regt eine stärkere Kopfgrwte auf Silberauspragung an.

Staatssekretär v. Stengel weist auf ben starken Vorrat an Silbertalern in ber Reichsbank hin unb glaubt, baß ber Bebarl nach weiteren Silbermünzen wohl nicht so akut sei.

Hieralls werben bann die Einnahmen genehmigt. Damit ist ber Etat des Schatzamtes e r l e b t g t.

Sobann steht ber erwähnte Nachtrags-Etat von 188 000 Mk. für Veteran enbeihilfe pro 1905 zur ersten Lesung. Ohne Debatte wirb er gleich in zweiter Lesung angenommen.

Es folgt bie zweite Beratung des britten Nachtrags-Etats pro 1905 für bie Schutzgebiete.

Abg. Erz berg er iZentr."» weist barauf hin, wie bie Vcr- Handlungen in ber Kommission biesmal länger ausgedehnt gewesen seien als früher. Festgestellt sei, baß in einer Reihe von Fällen bem Reichstage unrichtige Angaben gemacht worden seien.

Abg. Bebel (Soz.) stellt feft, baß auf diese Anklage des Abg. Erzberger niemand von den Herren am Bundesratstische antwortet. Redner richtet bann ebenfalls Angriffe auf bie Kolonialoerwalttmg. zugleich aber gegen bas Zentrum. Die ganze Kolontalpolitik werbe trog der Beschwerden des Abg. Erzberger über bie religionslosen Schillert m Osta'rika nur betrieben bes Nutzens halber. Diese Politik datiere von ber Reise des Kaisers' nach Konstantinopel bis igir Reise nach Marokko. Redner beleuchtet bann ebenfalls ben Fall Rannenberg.

Stellvertrete,wer Ko'.onialbirektor Erbprinz zu Hohenlohe gi'ht zunächst auf ben Fall Kimnenbcrg ein. lieber ben Fall Koch habe er sich schon geändert unb habe feinen Anlaß irgend etwas zurückzunebmen. Er selbst werde {ebenfalls stets mit aller Offen­heit auf bie ihm gestellten Fragen antworten. Eine böse Absicht liege nicht vor unb Vertuschung liege ihm fern. Die Kvlonial- bcrroaltung bleibe stets in Uebereinstimmung mit ben gesetz­gebend m Faktoren. Redner betont bann bie Notwenbigkeit ber Errichtung Von verschiedenen Be-irks^nttem in Ostafrika, nament­lich auch, um bie Sckmtztruppe überall für ihren eigentlichen militärischen Dienst frei zu machen. Die Gefahr in Oftafvika sei noch nicht ganz vorüber, weitere Aufstänbe nicht ausgeschlossen, nach Ltnsickit des Gouverneurs bie lveiße Kompagnie daher er­wünscht. Wer überhaupt eine Kolonialpolitik wünsch«, werbe sich nach den Erfahrungen a.nch anderer Länder mit der Möglich­keit solcher Ausstände vertraut machen müssen. Illusionen dürfen wir uni nicht hingeben. Fehler seien ja begangen mürben auch unter b.m jetzigen Gouverneur, ber in ber Denkschrift diese Fehler offen eingesteht. Die Beamten drüben erkennen durchaus an, daß ihnen zuerst die Erfahrung mangelte. Es ist uns noch nicht gelungen, einen besonderen SVolonialbcamtenftanb zu ent­wickeln. Das bie konfessionslosen Schulen anlaugt, sv hat ber Gouverneur stets ben Standpunkt vertreten, daß sie ben Mvhame- banismus nicht fördern sollen. Sie fordern vielmehr mittelbar bas Christentum, inbem sie bie beutsche .Qültur zu verbreiten bestrebt sinb. Wir unterstützen auch bie Missionsschulen.

Morgen Schwerinstag. Freisinniger Antrag betreffend Wahl­rechts- und Un t er stützungs fragen.

preußisches Abgeordnetenhaus.

Berlin, 13. März.

Auf der Tagesordnung fleht die zweite Beratung des Etats des Geh. Z i v i l k a b i n e t t S. Die Budgelkommission hat 10 000 Mk., die als persönliche penfious'ähige Zulage für den Geh. Kabiuettsrat, bie zmn ersten Mal in ben Etat eingestellt sinb, gestrichen. Die Konferpativen, bas Zentrum unb bie Frei- finnigen erklären sich für ben Beschluß ber Kommission. Die Abgg. Tr. Friebberg (natl.) unb Tr. Rewolbt (freit.) würben bereit sein, bem gegenwärtigen Inhaber ber Stelle bie Gehalts­zulage zu bewilligens hätten aber Bebenkeu bagegen, bas Gleiche seinem Nachfolger zu gewähren. Die 10 000 Mk. werben nach bem Aittrag ber Bubgelkomimision gestrichen. Für bie Bewilligung stimmen nur zwei Abaeorbuete ber Rechtem